Alle Jahre, so Gott uns Zeit gibt, sehe ich zur Cebit meine frühere Wirtin wieder. Inzwischen ist sie 84 geworden, aber immer noch geistig und körperlich sehr gut »beisammen«. Eine bescheidene Frau, Russlanddeutsche (aus der Ukraine), fromm katholisch, geboren in Sebastiansfeld – das es freilich längst nicht mehr gibt. Hier eine amerikanische Landkarte; Amerikaner erforschen gerne ihre Herkunft.
Vom kurzen Besuch heuer nur eine kleine Anmerkung.
Wir kamen auf Ukrainer zu sprechen. Da hat sie sich ihre Meinung gebildet: »Russen verzeihen schneller als Ukrainer«.
Die wichtigste, die beste Eigenschaft eines Menschen: zu verzeihen.
Sonnenuntergang über dem Rhein.
Oberkassel (Bonn). Mehr Bilder
Glück, spielen zu dürfen im Leben! Das gibt’s für Kinder und Alte.
Mit siebzig ist mein »Ernst des Lebens« vorbei, hoffentlich, zumindest zeitweise. Mit etwas guter Gesundheit noch eine Zeit lang Wohlverdientenruhestands-Genuss. Ich trivialisiere; poste, jetzt, ohne dass das überhaupt jemand lesen muss. (Und baue am Ende trotzdem noch ­s ein.)
Nehmen wir den Abend des Freitag, 6. März 2015. Ich hatte Carla zum Judo gebracht, meiner Frau das Auto gewaschen, gesaugt und aufgetankt (wie sie es schätzt), die leeren Flaschen farblich getrennt in die Container geworfen – hier im Bild rechts stünden sie noch weiter rechts.
Dabei hatte ich einen Jungen beobachtet, der am Bahndamm mit gezücktem Smartphone auf den Sonnenuntergang wartete. Als ich dann von weiter oben, von der Cäcilienkirche her, selbst den Sonnenuntergang gerade noch sah, rief er mir grüßend zu: Er warte auf den Zug, doch das Vorsignal in der Ferne stünde noch auf Halt.
Mehr hab ich dann nicht erfahren.
Ja, eine junge schwarze Katze strich um meine Beine, und um das Zaungitter. Die ist mit im Bild, allerdings schwarz.
Ich hab’ mir dann schnell noch drei Stichworte notiert, zu diesem Glück an diesem Abend an diesem Ort, denn später ist das Gefühl weg, wie ein Duft, wie ein Traum, verflogen. Hier speziell: der Gesang der Meise(n).
Glück Nummer null: Zeit zu haben, keine Eile.
Glück eins: ein Schüler, der einen grüßt, und freiwillig erzählt, was er gerade macht. Gibt’s heutzutage eigentlich gar nicht mehr; sie haben’s aus Unfreudlichkeit und Scheu längst sein lassen.
St. Cäcilia, Oberkassel
Weiter zu Ad-hoc-Glück zwei: Die eher verlassene Cäcilienkirche war offen; drinnen wurden irgendwelche Vorbereitungen gemacht. Ich hatte Ruhe, mich umzusehen. Links war eine Bibel aufgeschlagen mit den Evangelien des vergangenen und des kommenden Sonntags: die Zehn Gebotebis zu: »Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen und du sollst
nicht das Haus deines Nächsten begehren, nicht sein Feld, seinen Sklaven
oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel, nichts, was deinem
Nächsten gehört.« Sklave und Sklavin sind neu, und doch keine Ausgeburt politischer Korrektheit (sonst träten sie in anderer Reihenfolge auf). Die Vulgata schreibt: »non servum non ancillam«. Die Rolle und Rechte von »Sklaven« erklären ausführlich die Zeugen Jehovas hier.
Also hörte sich das früher (»als alles besser war«) ohne langweilige Sklaven viel schöner an: » … deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.«
Was eine Magd war oder ein Knecht, wer lernt’s noch? Das Licht unter dem Scheffel leuchtet inzwischen auch nur mehr allgemein mengenbelehrt unter einem »Gefäß«. – Genug gekrittelt, lassen wir das, ich war ja glücklich!
Denn draußen zwitscherten schon die Vögel des Frühlings (Glück Nummer drei), und drinnen im Dōjō hab’ ich an diesem Freitagabend dann noch die blöde drahtlose Tastatur fixen können – kein Glück, einfach rasch beim nahen Rewe Batterien kaufen – und »Können« halt.
gegangen. Deutsche – auch Zeitschriften und Zeitungen, die’s besser wissen müssten – schreiben gern »Trento« statt »Trient«. Trento verstehen ja die meisten, und wissen dann: Das ist in Italien, modisch mediterran. Während das Konzil von Trient vermutlich irgendwo bei Traunstein verortet wird.
Nun soll Lesen nicht in erster Linie den Leser Wort für Wort erziehen, sondern ihm rasch und leicht verständlich sagen, was der Autor mitteilen will.
Schon gar nicht ist Sprache dazu da, die Wünsche Dritter nach Wortwahl, Benennung, politischer Balance usw. zu erfüllen. Meine ich.
Sprache ist Mitteilung.
Also: Um Trient war’s mir gegangen. Und weil ich mir gern selbst mein Geschriebene vorlese, laut im Kopf, hab’ ich mich gefragt: Wie sagt man Trient, wie betont man’s? Definiert man ' als Zeichen, dass die nachfolgende Silbe betont werden soll, so sagen Südtiroler 'Trient, vorn betont, wie 'Triehent. Weiter-nördlich-Deutsche sagen Tri'ent. Tri'ennt.
Wie ist das mit der Betonung, im Wort? Fragen wir die Wikipedia: »In der deutschen Sprache liegt der Wortakzent oft auf der Stammsilbe [die den Sinn vermittelnde Silbe], welche häufig die erste Silbe eines Wortes (hinter den Präfixen)
darstellt. Sprachtypologisch ist der Wortakzent im Deutschen aber frei,
d. h. er kann auf jeder Silbe stehen; z. B. „er'lauben“, „'Urlaub“,
„Schweine'rei“, „'Hühnerei“.« [Hervorhebungen durch mich.]
Und wie ist das im Italienischen? Wikipedia schweigt. Frau Dr. Christine Kaschny beschäftigte sich 2011 in ihrer Doktorarbeit damit und schrieb auf Seite 4: »Hierzu ist zunächst zu bemerken, dass im Italienischen der primäre Wortakzent normalerweise auf eine der letzten drei Silben fällt (z.B. li.ber.tà ›Freiheit‹, in.set.to ›Insekt‹, a.si.no ›Esel‹). Es sind jedoch auch Betonungen auf der viertletzten Silbe (z.B. de.si.de.ra.no ›sie wünschen‹), der fünftletzten Silbe (z.B. te.le.fo.na.me.lo ›Sag es mir am Telefon‹) oder sogar der sechstletzten Silbe möglich (z.B. te.le.fo.na.mi.ce.lo ›Sag es mir dort am Telefon‹).«
Bei http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/gruwi.ansicht?v_typ=o&v_id=4844 ist das im Italienischen noch viel, viel komplizierter: »Der Wortakzent kann prinzipiell auf jede Silbe einer Wortform fallen, d. h. auf die
letzte (oxytone Wörter), auf die vorletzte (paroxytone Wörter) sowie auf die drittletzte Silbe
(proparoxytone Wörter), wobei paroxytone Wörter die größte Vorkommenshäufigkeit aufweisen. In der
Verbflexion (z.B. in der 3.Pl. des Präsens Indikativ) kann sogar die viertletzte Silbe akzentuiert
werden (calcolano›sie rechnen‹), und
wenn man die in den romanischen Sprachen üblichen Klitisierung miteinbezieht, findet man Wortformen
mit Akzentuierung auf der fünfletzten Silbe (portamicelo ›bring es mir dorthin‹). – Nur in wenigen Fällen ist die Position des Akzentes bei Simplizia eingeschränkt. Bei
Derivata ist die Akzentuierung durch die Affixe gesteuert (s. Akzentuierung der Simplizia und Derivata im
Italienischen).«
Ich versteh’ nur: Im Italienischen betont man eher weit hinten (und ärgere mich über schlechten Schreibstil).
Suchen wir weiter.
Ulrike Kaunzner schreibt das schöner (hier, Seite 5): »Das Italienische hat einen freien, d.h. nicht an eine bestimmte Silbe gebundenen Wortakzent, der, im Gegensatz zum Deutschen, auf die letzte bis fünftletzte Silbe fallen kann, was häufig von der grammatischen Funktion bestimmt wird. Innerhalb eines einzigen Wortes kann der Akzent seine Position je nach Flexion ändern: págano – pagáto – pagò – pagátemelo – …
Bei determinativen Zusammensetzungen (Nominalkomposita) trägt in der Regel das Bestimmungswort (Determinans) den Hauptakzent und das Grundwort (Determinatum) einen Nebenakzent, wenn es mindestens zweisilbig ist. Flexionssuffixe, Ableitungssuffixe oder Präfixe in nicht trennbaren Präfixverben können im Deutschen keinen Wortakzent tragen. Folglich sind Komposita in der Regel auf ihrem ersten Glied, dem Bestimmungswort, betont: Hausschuh, Lufthansa, Auseinandersetzung. So wird sich bei mehrgliedrigen Zusammensetzungen der Akzent immer nach dem Determinans richten, das tendenziell an erster Stelle steht (Waschanlage, Autowaschanlage).
Auch im Italienischen haben die Nominalkomposita den Wortakzent auf dem Bestimmungswort. Diesbezügliche Betonungsfehler entstehen jedoch nicht zuletzt dadurch, dass im Deutschen das Determinans vor dem Determinatum steht, im Italienischen jedoch meist nachgestellt ist: Glücksbringer – portafortuna, Gepäckträger – portabagagli. Wenn italienischsprachige Deutschlerner den Wortakzent auf das Grundwort legen, dann hat das seine Ursache nicht zuletzt darin, dass das Akzentschema der Nominalkomposita der Muttersprache unbewusst wie eine Schablone übertragen wird (vgl. Canepari [1992]).«
Was mich an die italienische Aussprache der deutschen Mikrowelle erinnert, betont auf Welle: Mikro'welle (à la microonda).
Resultat: Auch hier wird immer eher hinten betont.
Übigens beschäftigt sich Frau Kaunzner auch mit dem Ton, dem Tonhöhenverlauf, sehr interessant.
Im Internet werden sogar graphische Betonungsdiagramme geboten, hier etwa.
Im Deutschen werden lange Wörter eher weiter vorne betont, im Italienischen eher weiter hinten. Soweit, so gut.
Das hilft uns bei Trient nicht weiter. Ich meine nach wie vor:
• Südtiroler betonen Trient vorne: 'Trient, wie 'Triehent.
• Weiter-nördlich-Deutsche sagen Tri'ent. Tri'ennt.
Und:
Im Vergleich zu Trento ist Trient die ältere Bezeichnung, die schon die Kelten bezw. Räter gebrauchten: eine Furt.
Sichere Auflösung der Frage kam von Monika Obrist aus Bozen:
»Südtiroler betonen Trient auf dem i, genauso wie sie Triest auf dem i
betonen und nicht auf dem e. Das ist die altösterreichische Aussprache.« Danke!
»di origine Retica, il nome infatti deriva da trent, cioè guado« (guado = Furt)
• Räter und Kelten: http://www.jfp.ch/inhalt/bw/infos/raeti/raeter_b2.htm »Insbesondere im Gebiet des heutigen Graubünden haben sich keltische und rätische Kultur vermischt, … Verschiedene Fluss- und Ortsnamen sind Zeugen dieser Vermischung. Da Hermann Ölberg für die rätischen Stammlande in Nordtirol und Oberitalien das Vorkommen keltischer Ortsnamen ebenfalls nachweist, ist eine ähnliche Situation, wenn auch in geringerer Ausprägung, auch für diese Gebiete anzunehmen.«
• https://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Ortsnamen (Trento ist nicht dabei), bezeichnend: »Unterstreichung bedeutet in diesem Artikel, dass der unterstrichene Vokal betont ist. Italienische Ortsnamen ohne Unterstreichung werden auf der vorletzten Silbe betont.«
These are trees, not too many, not too dense, in a German forest. But maybe you’d better think of swan lake, and you look around in your imgaination, all around. Wherever you look into the distance, you see trees.
Then you switch subject. It’s night, a clear night, perhaps in the countryside. No moon, no city-type light halo. Stars twinkle. With a bit of luck and a while for adaptation you find the Milky Way.
Here the question: Why can’t you look through the trees, but you can look through the stars – into the universe? After a couple of hundred meters all you see is a wall of trees. But the endless universe doesn’t appear all white of stars? Why not a sheet of paper, with some lighter spots, the stars nearby?
Why the sky is dark?
Is the reason »curved spacetime«? And your straight sight does not turn the curve but looks out into empty space? Should we switch to ADSn? I must be joking.
Stu?
Die Lohndifferenz lässt sich also
weitgehend durch Entscheide von Frauen und Männern erklären. Frauen
arbeiten mehr Teilzeit, was die Chance auf eine Führungsposition
verringert. Frauen nehmen zudem Erwerbsunterbrüche in Kauf, um Kinder zu
betreuen – auch, weil der Partner nicht mitzieht, es mit externer
Betreuung hapert oder die Besteuerung des Zweitverdieners sehr hoch ist.
Daran ändert ein «Entgeltgleichheitsgesetz» aber nichts.
Die
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
hat am Donnerstag darauf aufmerksam gemacht, dass Mädchen gerade in
Deutschland oft ein schlechtes Selbstbewusstsein für Mathematik und
Technik haben. Laut OECD-Umfrage
erwarten deutsche Eltern bei 39% der Söhne, dass sie einen technischen
oder naturwissenschaftlichen Beruf ergreifen werden, aber nur bei 15%
der Töchter.
«
Viel ist dazu nicht zu
sagen. Die NZZ ist bekanntlich eine liberale Zeitung. Lesen Sie den
Artikel trotzdem weiter. Gefallen mag er nicht allen.
PS. Nicht einmal die Wikipedia kommt mit der »Frauenquote« zurecht, da braucht frau man erst gar nicht hinzuklicken.
Zum Tod von Leonard Limoy am 27. Februar wurde gern sein Gruß gezeigt.
Sein Handzeichen, »Live long and prosper« (»Leb lang und gedeih’«), ist weniger futuristisch als sehr, sehr alt; das Zeichen kannte schon Moses. Vulkanier und ihr Gruß in der Wikipedia: Die Geste symbolisiert den hebräischen Buchstaben ש (Shin), welcher der erste des Wortes Shaddai
(Gott) ist. Nimoy hatte als kleines Kind an einem jüdischen Gottesdienst
teilgenommen, bei dem der aaronitische Segen gespendet worden war. Mehr unten von ihm selbst.
Als es dann 1966 darum ging, eine vulkanische Grußgeste zu entwerfen,
erinnerte er sich an dieses Jugenderlebnis und schlug diese Geste vor.
Die Geste ist unter Fans verbreitet und wird beispielsweise im AnimationsfilmIce Age zitiert: in einer Höhle ist ein eingefrorenes UFO zu sehen.«
Segnende Hände auf den Gräbern von Kohanim. Der aaronitische Segenaus der Bibel: »Der Herr sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht ... «. Ausführlich englisch hier.
Hebräisch gesungen hier.
Leonard Nimoy,
selbst Jude, erzählt, wie es zum Gruß im Film kam (englisch, 5:26 min)
Unicode-Zeichen für den Gruß U+1F596 (vom Browser vermutlich nicht angezeigt). Dabei handelt es sich um eine rechte Hand, von der Innenseite her gesehen. Weitere Unicode-Varianten dieser Fingerstellung kenne ich nicht.
Bis in die Fünfzigerjahre waren Radios – Fernseher gab’s noch keine – innen mit Röhren und außen aus Holz. Das sah schön aus und passte – einzeln oder als »Musiktruhe« – zum Biedermeier-Ambiente gehobener Wohnlichkeit. Als dann »Plastik« aufkam (und innen Transistoren), musste alles anders werden: die Fertigung, das Design, der Anschluss. Dank Transistortechnik, erfunden 1947, war endlich Batteriebetrieb einfach möglich. So arbeitet der Cubo mit 6 · 1,5 = 9 Volt. UKW (Ultrakurzwelle oder FM, Frequenzmodulation) gab es schon seit 1948, von den Deutschen frei genutzt, um die von den Siegermächten »geraubten« Mittelwellenfrequenzen wettzumachen. Stereo kam 1964.
«Nuovi
materiale plastici potè reinterpretare il
rapporto tra l’utente e gli oggetti quotidiani. Vennero ideati oggetti
facilmente lavabili, impilabili, studiati per risolvere problemi di
componibilità e di flessibilità», schreibt das Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia in Mailand: »Neue Kunstoffmaterialien erlaubten es, die Beziehung zwischen dem Benutzer und den Gegenständen des täglichen Gebrauchs neu zu interpretieren. Leicht abwaschbare Gebrauchsgenstände wurden erdacht, stapelbar, geschickt ausgedacht, um Probleme von Zusammenbau und Vielseitigkeit zu lösen«. Richard Sapper, ein deutscher Industriedesigner, und Marco Zanuso, sein italienischer Kollege, haben 1964 für Brionvega ein quaderförmiges, klappbares Kofferradio designt, das Modell Brionvega Radio Cubo TS 502. Das allererste Cubo-Modell, links, empfing UKW nur bis 104 MHz*) (ganz frühe UKW-Radios gingen sogar nur bis 100 MHz). Ab 1966 gab’s dann für 45.000 Lire das Modell TS 502. Es empfing UKW bis 108 MHz.
Das ist das Modell auf meinem Schreibtisch, wobei ich einen 9-Volt-Anschluss wie für eine 9-Volt-Blockbatterie angelötet habe, und dort dann ein Netzteil mit dem entsprechenden Gegenstück anschließe, damit ich keine Batterien brauche; wirkt auch als Antenne. (Die Batterien, falls drin, sollte man dann mit einem Papierstreifen ausschalten, damit sie nicht dauernd »geladen« werden, oder eine Diode und einen »Bremswiderstand« in Stromrichtung einlöten.)
Hier mein klassisches Modell Brionvega Radio Cubo TS 502 (ab 1966)
Das Modell gibt es in vielen Farben, rot ist typisch, schwarz elegant, anderes eher poppig. Man sehe sich bei Brionvega um, wo es die neuesten Modelle (sogar mit DAB+ und Stereo) gibt.
TS 505
Zwischendurch änderte sich Design:
Diagonale Linien kamen auf, der Leitspruch »Form folgt der Funktion« wurde aufgegeben. So entstand das Modell TS 505, das sogar Langwelle hatte.
Inzwischen ist diese Designmode wieder verschwunden; Brionvega ist zum alten, klaren Aussehen zurückgekehrt, es gibt eine Vielzahl von Modellen, vom Radiowecker («sveglia») TS 502 CR mit Funkuhr über den TS 522 mit Stereo und Stationsspeichern, vom Webradio (WiFi) bis zum Auch-D+-Empfänger TS 522 D+ mit Bluetooth, das ich mir jüngst von Erresse habe kommen lassen.
Soviel über den Cubo.
Als PS hier noch mein »Handradio« aus den Siebzigern, das UKW ebenfalls nur bis 104 MHz empfing: »Telefunken mini partner 201«. Die 104 MHz waren gar kein Problem für mich. Im Gegenteil, ich »tunte« das Radio abwärts, in die Frequenzen unterhalb des UKW-Runkfunkbandes. Dort war der Polizeifunk, den man dann abhören konnte. Ein Trimmer im Radio vorsichtig verdreht, und schon passten die Frequenzen. Darf man natürlich nicht, tut man auch nicht, weil’s langweilig ist, allein das Warten darauf, dass überhaupt wer funkt. Die höheren UKW-Frequenzen waren bei uns damals verboten, meine ich mich zu erinnern, weil es dort Flugfunk gab. Der musste für alles herhalten, sogar zur Argumentation gegen erste amerikanische Schnurlostelefone, lange vor dem Dect-Standard. Das kleine Radio ist auch sonst meinen Wünschen angepasst. So bekam es – wie viele meiner Radios – einen Tonabnehmereingang mit Schaltbuchse. Und so benutzte ich das Radio meistens auch, als Mithörradio am Telefon. Das Standardtelefon der Bundespost hatte eine Buchse für eine zweite Ohrmuschel, damit man in lauter Umgebung besser hören kann. Stattdessen dort ein Mono-Klinkenstecker, und schon konnte man über den Tonabnehmereingang des Radios lauthören. Übrigens ist das nicht das »Telefunken mini partner 101« aus dem Radiomuseum im Netz, 1979 bis 1973, sondern das »Telefunken mini partner 201«, das danach von 1973 bis 1978 gebaut wurde: zehn Transistoren, Mittelwelle und UKW, ein Viertel Watt Leistung, Kopfhöreranschluss (mono), 4 · 1,5 Volt Mignonzellen, 300 Gramm, 70 · 120 · 40 mm. Das Radio gab’s auch rot und blau!
PS. März 2021 – Wie genau habe ich das gemacht, mit der externen Stromversorgung durch ein Netzgerät? – Also hab’ ich nach langer Zeit meinen Brionvega wieder aufgemacht und nachgesehen.
Um links hinten den Batteriedeckel zu öffnen, sollte man ohne Gewalt vorgehen. Das Plastik mag schon spröde sein. In der Mitte im Bild links sehen Sie einen Spalt. Da steckt man einen etwas breiteren Schraubenzieher ein und dreht leicht, bis der Deckel nach rechts herausrutscht. (Ob vor dem Schließen ein Tropfen Öl oder Fett in den Schienen hilft, weiß ich nicht.) Als der Deckel offen war, sah ich die ausgelaufenen Batterien:
Obwohl die Batterien durch einen Papierstreifen inaktiv waren – das empfielt sich bei externem Stromanschluss, denn Batterien sollen nicht geladen werden, nur Akkus! – war eine »ausgelaufen«, die links in der Mitte. Ich habe alle Batterien herausgenommen und werde sie beim Rewe am Eingang entsorgen.
Dann habe ich die Messingkontakte gesäubert.
Sie sehen schon: Da sind noch Drähte drin, einer rot, einer schwarz. Das sind eigentlich Anschlussdrähte für Neun-Volt-Blockbatterien aus dem Bastelladen. Sie kommen hinten etwas abisoliert daher, damit man sie im Gerät anlöten kann, und vorne haben sie den typischen 9-V-Anknips-Anschluss für die Batterie, die bekanntlich so aussieht:
+ (Plus) ist an der Blockbatterie der kleine, innere Druckknopfkontakt, - (minus) ist gegenüber der mit den Federn dran. Im linken Bild sehen Sie die zwei Anschlussleitungen, die Sie bräuchten, eine für innen am Gerät, eine am Netzteil. Das Bild stammt vom Bauhaus. Da kostet das Pärchen € 1,70, Stichwort Batterieclip. Die rot-schwarze Leitung, die aus dem Radio heraushängen soll, muss so an die Batteriekontakte im Batteriefach angelötet sein, dass an dem Knipsstecker am Ende der neuen Leitungen der Knopf mit den Federn einen externen, stromversorgenden Pluskontakt umfassen kann.
Hier sehen Sie, wie ich den roten Draht an den Pluspol der Batterien, oben im Eck, angelötet habe. (Notfalls kann man den Draht auch herumwickeln. Kontakt muss er halt haben.)
Das ist jetzt diagonal gegenüber der Anschluss an den Minuspol, schwarze Leitung, und die Herausführung der Drähte durch einen Lüftungsschlitz. Das muss man natürlich vor dem Löten machen.
Als Stromversorgung (hier von oben kommend) braucht man neun Volt (6Batterien × 1,5 V nominal = 6 V), so ungefähr. Wie Sie sehen, habe ich mir extra notiert »Für Radio vertauschen! + muss aus dem O herauskommen«, dem glatt runden Stecker, nicht aus dem mit Zacken. Mit einer Blockbatterie kann man schon einmal probieren, die passt. An meinem uralten Universalnetzgerät (unter dem Tisch) habe ich die Spannung erst auf Plus und Minus geprüft, dann angeschlossen, das Radio angedreht, und so lange die Spannung erhöht, bis es gut lief. Ein Universalmessgerät tut gute Dienste.
Freilich kann man auch einen runden Stecker einbauen. Ich wollte das Radio aber original belassen; das sollte alles rückbaubar sein. Und einfacher ist’s auch.
Hier als weiterer Tipp: Die Antenne habe ich mit meiner Kabelfernsehbuchse in der Wand verbunden, innerer Kontakt, und schon hat man auch ohne die Antenne herauszuziehen feinen Empfang; heutzutage freilich nur auf UKW: Der rechte Knopf MF (modulazione di frequenza, FM, vs. MA modulazione di ampiezza, AM) muss eingedrückt sein. Zuständig ist dann die obere, kleinere Skala:
Die beiden Buchsen links außen sind bei mir links Mono-Tonabnehmer und rechts Mono-Kopfhörer, normal niederohmig. Einen Stromversorgungsstecker gibt’s meines Erachtens original nicht, siehe auch Schaltplan rechts unten.
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Ein kleines Buch, eine Kurzgeschichte von Hanns Zischler, dem mit den zwei nn im Hanns, bekannt als Schauspieler: »Das Mädchen mit den Orangenpapieren«.
Erst dachte ich: »orange Papiere«, dachte an die Farbe, wie sie Post-Its gerne haben. Gefehlt: Es geht um dünne Einwickelpapiere von Orangen, »Apfelsinen«, wie der Norddeutsche sagt. Man wickelte die Früchte aus und strich die zarten Hüllen vorsichtig glatt, früher, im Vor-grünen-Punkt-Zeitalter.
Ich hoffe, der Urheber verzeiht mir das Muster links, hier die Quelle mit weiteren schönen Motiven, und hier zu einen 84-jährigen Sammler mit dreitausend so Papierln.
Hanns Zischler zeigt auf seinem Buch »Das Mädchen mit den Orangenpapieren« (112 Seiten, € 16,99, ISBN: 978-3869710969, Galiani Berlin September 2014) eine Orangen-»Zentaurin«, eher eine »Pegaseuse«, fröhlich fliegend mit Flöte, beflügelt von Orangen selbst nur »seconda« qualità:
So schaut’s aus, Elsas Orangenpapier, »Anello & la Mantia, Palermo, seconda«:
»Ein wildes Mischwesen, halb Männlein, halb Pegasus mit schwarz geschecktem Pferdeleib, entblößten Brüsten und stürmisch wehendem Haar springt und fliegt es mit schmetternder Fanfare durch einen roten Kreis.« (p 90)
Von einer feenhaften »Externen«, der Elsa aus Dresden (Zone), wird erzählt, einer Schülerin des Landschulheims Marquartstein wie Hanns Zischler – und ich. Die Internen (nur Buben) und die Externen (auch Mädchen) waren immer in getrennten Klassen, was das Verständnis nicht gefördert hat.
Zischlers zwanzig Erinnerungskapitel blieben mir wenig konkret, aber das soll so sein, das ist ihr Reiz. Es geht um Andeutungen, eben Erinnerungen, fleckerlhaft. So rühmt etwa Roman Halfmann in seiner Kritik für den Hessischen Rundfunk »wie verschwiegen der Autor eine innere Entwicklung nachzuzeichnen in der
Lage ist, die wortlos und jeder Sprache entzogen stattfindet.«
Beliebt: Mohr (moro)
Als notorischer Besserwisser und wenige Jahre älterer Internatsschüler – auf die Kleinen haben wir gern heruntergeschaut, ebenso wie auf die Externen – bin ich mehr am Kritteln an dieser Geschichte, so sehr mich einzelne Episoden und Teilthemen, etwa der Technikrausch im »Popular Mechanics« oder die Ballonfahrt über den Chiemsee, Spass machen. Wie Improvisationen am Klavier. Manchem mag man nachgehen, wie dem Steig am Nazipeter (p 20, 58), oder nachgoogeln, dem Halleyschen Kometen vielleicht (p 21, 19. Mai 1910), anderes stehen lassen wie die schöneCircumetnea (p 34). Hochgelobt wird Zischlers Sprache, und die ist auch schön und unpretentiös. Wie beim Fernsehen halt. Kurze Sätze. Kurze Absätze. Brimboriumfrei.
Trotzdem: Darf ich kritisieren, was mir auffiel? Bin so frei.
Da ist zunächst eine unnötig verwirrende Mischung von Klarnamen und Phantasienamen, Marquartstein heißt Marstein (wir nannten’s nur M’stein), die Berge sind teils verfremdet, teils deutlich da, Lehrer mal so, mal so, bis zu Falschschreibungen wie Zmogrovitch (p 75) für Smogrovics, Gott hab’ ihn selig. Warum das? Gut, wer nicht dabei war, den stört’s vielleicht nicht. Ich müsste mal eine Tabelle machen, nichtöffentlich.
Dann das unbayrische Idiom. Das sind dann Kleinigkeiten, die schief liegen. Eine Steinschleuder hieß bei uns nie »Zwille« (p 53). »Schau mal« (p 19), hätt keiner gesagt, möchte ich behaupten, und »Pfoten weg!« (p 61) auch nicht, ein Zugereister vielleicht, »Finger weg!« tät da passen. »Tüten Sie mir das alles schön ein, Frau Gaukler, ich lass es später agholen, habedieehre« (p 9) – Was stimmt da eher nicht? Richtig: die Tüte. Dann die »DDR«, aus der Elsa kommen soll. Die gab’s, wir hatten sie aber damals noch nicht, nicht einmal in Anführungszeichen: Das war für uns nur die »Zone«. Zischler ist Preuße, würde ich diagnostizieren, dazu muss man aber wissen, was in Bayern ein Preuße war und ist, entsprechend knapp ausgesprochen.
Einen alkoholkranken Schuldirektor hatten wir wirklich, da ist’s gut, dass sein Name geändert wurde, und etwas jähzorning war er in der Tat – von ihm hab’ ich im Speisesaal der Burg mit vielleicht dreizehn meine letzte ordentliche Watsche bekommen. Der Mann war aber ein Genie, hat die Schule weitergebracht wie kein anderer. Wir hatten ihn in Deutsch und Philosophie, begnadet! Ihn auf seine »Fahne« zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht (p 37).
Selbst der rührende kriegsversehrte Hausierer (p 66) kommt mir aus einer anderen Zeit vor, aus einer etwas früheren, gleich nach dem Krieg. Schön erzählt ist’s trotzdem.
Überhaupt finde ich, die Sprache schwankt zwischen sehr, sehr schön und kippt gelegentlich zum Kitsch.»Der wasserkopfige Schatten des Ballons gleitet über die Ache und treidelt seine flüchtige Spur über das Schilf längs des Flusses«, sieht mir schön aus (p 85), obwohl vielleicht »wassertröpfig« gemeint war. Aber: »Die winzigen, von Schnee schon überzuckerten Johannisbeeren der Rücklichter tröpfeln ihre Spur auf die Schneedecke, ehe der VW aufheulend in der Nacht verschwindet« (p 109), ist mir doch etwas zu expressionistisch, Kitsch.
Die »Liebesszene«, p 91. Vielleicht ist das wirklich so passiert, dann bitte ich um Entschuldigung. Zart beschrieben ist es ja, aber ganz so schwuppdiwupp lief sowas damals nicht, »fast schmerzlos vereinigen sie sich«, wo’s noch keine Pille und dafür viel katholische Sexualmoral gab. Die Szene hätt’s nicht gebraucht.
Insgesamt ein nettes Buch, schöne Erinnerungen, bissl sehr teuer – und in wenigen Stunden gelesen, außer man kommt ins Träumen (und Bloggen).
Sowas Simples! Drei ist größer als zwei. π ist größer als √2, oder, wenn wir schon bei mathematischen Symbolen sind:
√2 < 2 < e < 3 < π
Und so weiter mit beliebigen Beispielen. Zahlen sind skalare Größen, jedenfalls »reele« Zahlen, wie eine Temperatur, ein Blutdruck oder dergleichen. Erst »komplexe« Zahlen haben zwei Bestimmungsgrößen, und lassen sich deshalb nicht so einfach vergleichen, ebenso Vektoren und höhere mathematische Gebilde wie Tensoren etc. Mir geht’s nur um Skalare, wo es ein einfaches Größer und Kleiner gibt.
Und da hat mich jüngst ein Schüler der siebten Klasse in Verlegenheit gebracht. Er meinte, -5 sei größer als -3. Nicht unvernünftig: Fünf Euro Schulden sind mehr als nur drei, das meinen auch andere. Ich hab’ dann schnell versucht, in seinem Matheheft die Definition zu finden, dann in seinem Buch, zuletzt in der Wikipedia, er aber wollte seine Hausaufgaben machen, war in Eile. Weil’s aber so richtig nirgends seht, haben wir dann tapfer mit der Annahme gerechnet: »Mehr weniger ist mehr«, was eine Zeit lang durchaus ging. Man muss das nur so definieren.
Bald aber merkte ich, dass unsere Definition unpraktisch war. Man sollte doch, wie bei normalen »Istgleich-Gleichungen« auch, rechts und links dasselbe zu- oder abziehen können, ohne dass sich das Zeichen (<, > oder =) ändern muss. Also:
Wenn a < b muss auch a + c < b + c sein, mit c als Konstante.
Und das geht nur, wenn auch zum Beispiel -3 < -2 und dann -3 +5 < -2 + 5 ist.
Definiert man falsch mit -3 > -2 wäre -3 + 5 > -2 + 5 oder +2 > +3, was nicht stimmt.
Also gelten die Regeln einer Gleichung immer auch bei Ungleichungen? Nicht ganz: Multipliziert man beide Seiten mit einer negativen Zahl, so drehen sich die Ungleichzeichen um, größer wird zu kleiner und umgekehrt:
2 < 3, rechts und links | ×
(-1), so wird -2 > -3.
(Bei unserer falschen Definition wäre das nicht so gewesen, dafür hätten aber alle anderen Regeln nicht geklappt.)
Genug gespielt. Wie definiere ich nun aber, sagen wir, das Kleiner-Zeichen < ? Ich würde sagen: Man ordnet die Zahlen auf der Zahlengeraden, was weiter links ist, ist kleiner.
Ich klaue mir dafür hier mal ein Stück Zahlengerade aus der Wikipedia.
Nun soll es Leute geben, die rechts und links nicht unterscheiden können. Wo oben ist, weiß aber jeder. Also sag’ ich: Fassen Sie die Zahlengerade bei der Spitze an, halten Sie hoch, und was weiter oben ist, ist größer.
»Richtigen« Mathematikern widerstrebt das allerdings; warum, weiß ich nicht. Ersatzweise und notfalls würde ich eine arithmetische Hilfsdefinition nehmen, eben die praktische Tatsache, dass man rechts und links eine Konstante addieren kann, und das Ergebnis bleibt gleich. Diese Eigenschaft, und dass > das Gegenteil von < ist, das müsste reichen. Schön finde ich diese Definition nicht, die sozusagen hinterrücks über eine Eigenschaft die Sache veranschaulicht. Da könnte ich gleich eine Schubkarre als Tragbahre definieren, die statt mit zwei mit einem Träger auskommt.
Und da habe ich mich lang mit den Wikipedisten gestritten. Weil sie die reelen Zahlen nur als eine mögliche Sammlung von ganzen Zahlen, Bruchzahlen und sogar irrationalen Zahlen sehen, definieren sie für all diese Varianten reeller Zahlen größer und kleiner immer wieder leicht anders, als ob es darauf ankäme, die Zahlengerade proppenvoll zu machen. Und wenn dann wer eine natürliche Zahl – das sind die, die man beim Zählen bekommt – gar mit einer irrationalen vergleichen will – das sind die, die nie enden – dann passt keine Definition so recht, obwohl der Vergleich vielleicht ziemlich offensichtlich ist, etwa zwischen 3 und π.
*) »Bruchzahlen«, also Brüche aller Art, gehören zu den rationalen Zahlen (ratio = Bruch, Verhältnis). Dezimal können sie immer als endlich lange oder peridische Zahlen dargestellt werden.
+) Algebraische Zahlen sind nicht als Bruchzahl, und dezimal weder als periodische noch endlich lange Zahl darstellbar. Wikipedia: »Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde bewiesen, dass die Kreiszahlπ und die Eulersche Zahlenicht algebraisch sind. Von anderen Zahlen, wie zum Beispiel π + e weiß man bis heute nicht, ob sie algebraisch oder transzendent sind. Siehe dazu den Artikel Transzendente Zahl.« Beispiele transzender Zahlen:π, e, sin(1).
Johann Friedrich Häseler, Anfangsgründe der Arithmetik. Meyersche Buchhandlung, Lemgo 1802, Teil 1, S.89, Wikipedia
Zur zeitgerechten Definition reeler Zahlen muss man wohl erst einmal mutig die Zahlengerade zerschneiden. Das hat sich Julius Wilhelm Richard Dedekind ausgedacht. »Im Vorwort [zu »Stetigkeit und irrationale Zahlen«] schrieb Dedekind, dass es ihm am 24. November
1858 gelang, den ›eigentlichen Ursprung in den Elementen der Arithmetik zu
entdecken und hiermit zugleich eine wirkliche Definition von dem Wesen der
Stetigkeit zu gewinnen.‹ Der Dedekindsche Schnitt im System der reellen Zahlen ›ist eine Einteilung der Menge aller reellen Zahlen in zwei nichtleere Klassen
A und B, so dass jede Zahl aus A kleiner ist als jede Zahl aus B. Die Klasse B
soll keine kleinste Zahl enthalten. Zu jeder ε > 0 soll es Elemente a ∈ A und
b ∈ B geben mit b – a < ε. Dann bestimmt der Dedekindsche Schnitt genau eine
reelle Zahl r mit a ≤ r ≤ b für alle a ∈ A und b ∈ B.‹ (zitiert nach: Bosch, Karl: Mathematik-Lexikon : Nachschlagewerk
und Formelsammlung für Anwender. – München 2000, S. 87. -Sign.: MA B 126)«
Schulmathematik wird, finde ich, immer unverständlicher. Was früher einfach eine Funktion war, nennt sich heutztage gerne Zuordnung, was ja gar nicht so unsinnig ist, aber halt wieder ein anderer Ausdruck für dasselbe, siehe etwa hier. Mir klingt’s verquer nach Zubereitung. Die Mengenlehre irrlichtert ebenfalls noch herum, nicht schlecht, doch nach wie vor abstrakt.
Inzwischen schreibt Edward Frenkel in seinem Bestseller aus dem Jahr 2013 Love and Math(Seite 160): »Functions were, if you will, the concepts of archaic math, and sheaves [dt. Garben] are the concepts of modern math.« Übrigens ein Buch, das ich sehr empfehlen kann. Wie bei einem guten Krimi ist’s sehr spannend, obwohl man nicht gleich alles versteht. Ich fand besonders den Blick hinter den eisernen Vorhang interessant, nicht nur die Mathematik, die immer mehr von Einzelerscheinungen weg zu Gruppen, Feldern, Mengen kommt – ganz laienhaft empfunden. »In modern math there are concepts and ideas thet are deeper and more versatile: vector spaces, symmetry groups, arithmetic modulo prime numbers, sheaves« (p. 184). Meine »höhere Mathematik« ist allerdings nie über Ingenieurmathematik hinausgekommen, und auch dort nicht sehr weit: »Theoretische Elektrotechnik befriedigend«. – Hier die Buchkritik der Sunday Times.
Und hier ein Bericht des französischen Fernsehens über den Film »Rites of Love an Math« von Reine Graves und Edward Frenkel:
PS am 22.März. Frenkels »Love and Math« nun ausgelesen. Der Anhang ist so umfangreich (ein Buch für sich), dass der Band gar nicht so dick ist, wie es sich anfühlt. Sehr überzeugend endet er mit der Erkenntnis, dass von den drei »tief verwobenene« Welten, der physikalischen, der geistigen und der »platonischen« der Mathematik – d. h. die der unabhängigen, abstrakten Wahrheiten – die letztere übersehen wird: »Many of us remain blissfully ignorant of the world of mathematics« [Seite 235 Mitte]. Wieder divine Wahrheiten zu fühlen, ist das Erlebnis seines Buches. (So zitiert er Heinrich Hertz [p 233]: »Man wird das Gefühl nicht los, dass diese
mathematischen Formeln eine unabhängige Existenz und ihre eigene
Intelligenz haben, dass sie gescheiter als wir sind, ja sogar
gescheiter als ihre Entdecker, dass wir mehr aus ihnen errechnen, als wir
ursprünglich hineinlegten.«
Wer nicht gleich baden will in Mathematik (oder »baden gehen«?), dem empfehle ich einen anregenden Blick auf die Geschichte der Zahlen, vielleicht gleich mit der Null beginnend.
Wenn wir schon beim Rechnen sind: 25 : 5 = 14 (englisch):
– Hilfe! Vorgestern fragte mich mein Schüler, warum Minus mal Minus Plus geben kann, wo doch beides im Minus ist. Dieses - · - = + ging ihm sichtlich gegen den Verstand. Ich konterte mit: »Wer sagt, er hätte nicht nicht gelogen, hat doch gelogen«, und damit, dass Malnehmen wie Dividieren ist, vom Vorzeichen her jedenfalls, und man dann schön das Minus wegkürzen kann:
- 4 4
—— = ——
- 2 2
Ich bin halt ein Fan von Brüchen und Kürzen.