27. Februar 2020

Outlook 2003 Anpassen fehlt, weg

In Outlook sieht man am rechten Ende einer Symbolleiste jeweils ein schmales, graues Feld mit Pfeil nach unten.
Rechtsklick, bei mir (ev. erst noch Optionen für Symbolleisten):

   Standard
   Format
   –––A
   Anpassen…

Plötzlich fehlt Anpassen (und mehr, etwa Auswahl Nur Text / HTML)

Grund: Outlook lief im »gesicherten Modus«! Outlook Schließen, bissl waren (bis nicht nur die »Anwendung« sondern auch der »Prozess« – siehe Task Manager – geschlossen ist),

Abhilfe: Outlook regulär neu starten.


Bei Microsoft Office Professional Outlook 2003 (11.8330.8405) SP3

24. Februar 2020

Buch sichern

Gegen Verblättern. Nachts, wenn ich drüber einschlafe.

Link hierher j.mp/fj2SU4X0b
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22. Februar 2020

Die Umlautdomäne

Lesen Sie das nicht. Das Thema ist uninteressant.
   Es geht um Sonderzeichen in der URL, also der Webadresse, die man im Browser oben in die lange Zeile einträgt, falls man nicht eh von Google herkommt. Früher war die Zeile lang und leer, heute tummelt sich dort allerlei Gedöns, Sicherheitszeichen, Vorhangschlösser, Kleine Zeichen genannt Favicons, Prozentzahlen wie beim Schnaps, jedenfalls in meinem »Feuerfuchs« …
   Also. Jahrelang gab’s nur lateinische Buchstaben amerikanisch-englicher Art in den Webadressen, bis sich dann alle Asiaten und Ingenieure aufregten und ihre japanischen, chinesischen, kyrillischen Zeichen drin haben wollten. Warum hatte man denn mit Unicode die Bits für ein Zeichen von sieben oder acht auf 16 erhöht, beim Unicode? Die sollten alle nicht diskriminiert werden, multikulti ins Netz. Dazu muss man wissen, dass immer erst einmal die zu den URLs gehörigen Zifferngruppen nachgeschlagen werden müssen, zu Joern.De also 217.160.223.53 (sieht man bei einem Ping).
   Zwei Kalifornier erfanden unterschiedliche Verfahren, eine besondere, im normalen Leben nicht vorkommende Buchstabenkombination zu einem Sondersignal (escape character) zur Vorankündigung einer höheren Ebene, eben der Unicode-Buchstaben. Hab’ ich miterlebt.
   Ich schrieb 2003: »So wird beispielsweise ›Jörn‹ richtig zu ›xn--jrn-sna‹«. Probieren Sie mal www.xn--jrn-sna.De. Den ganzen Artikel lesen Sie auf http://www.joern.de/UmlautDom.pdf.

Ich hatte mich gleich 2002 um Jörn.De beworben. Im Losverfahren kam allerdings ein Jörn mit Vorname Jörn zum Zug, derer es bekanntlich mehr gibt als Jörn-Nachnamen. Und der war stur, vielleicht bis zu seinem Ableben. Die Jörn.De rückte er nicht heraus, hat sie aber auch nie genutzt. Wozu auch? Als er dann nicht mehr erreichbar war, und wohl nach Ausbleiben der Zahlungen an den »Registrar« (ohne gibt’s keine Domäne), begann der Niedergang. Beim Herumspielen im Netz fiel mir das auf. Die Domäne war »im Transit« gemeldet, einer Art Niemandsland, konkret in Besitz der Denic-Aufsicht.
   Also mailte ich der Denic, dem deutschen Oberregistrar (De-NIC, network information center), und fragte offiziell nach dem Domäneninhaber. Das muss argumentebewehrt passieren, denn inzwischen haben wir allenthalben Datenschutz in der EU: »Mit Antrag vom 12.01.2020 haben Sie uns gebeten, Ihnen die Inhaberdaten zur Domain jörn.de zuzusenden und ein berechtigtes Interesse an den Inhaberdaten plausibel gemacht.« – Es war der nämliche Inhaber, den ich immer mal wieder fruchtlos um seine Domain (auf gut Deutsch Domäne) gebeten hatte.
   Auf Rat seines früheren Registrars schaltete ich nun einen Gang hoch und bemühte mich bei der Denic um einen Disput. Das ist: ’ne Hand drauf. Wieder Hin und Her (»Eine Dispute-Setzung per E-Mail ist nicht möglich. Hierzu bitten wir Sie, uns den angehängten Dispute-Antrag unterschrieben per Post einzureichen«). Dann noch eine weitere Schleife. Zum Schluss hab’ ich angerufen, und die Denic war nett, hilfreich wie in alten Zeiten im Internet. Endlich bekam ich meinen Disput. Der machte mich zum Kandidaten an erster Stelle der Schlange.
   Die Denic hat dann noch selbst nachgeforscht, ob der alte Inhaber erreichbar ist, Gott hab’ ihn selig. Und natürlich war er’s für die Denic-er und -innen auch nicht. – Bingo. Seine Telefonnummer gibt düdeldü, sein Campingwagengeschäft ist wohl ausgelaufen. Tut mir leid.
   So kam am 28.1.2020 die Bestätigung meines Dispute-Eintrags, schön PGP-signiert, auf dass sie nicht verfälscht werden kann.
   Mitte Februar kam dann die Freigabe für mich: »Wie Sie wissen, bestand für die Domain jörn.de ein DISPUTE-Eintrag. Aufgrund der zwischenzeitlich erfolgten Löschung der Domain ist nunmehr der/die Inhaber/in des DISPUTE-Eintrages neue/r Domaininhaber/in geworden.« Korrekt, auch politisch, comme il faut. – Juhu.
bei der Denic.
Bei anderen abgebenden Registraten anders.
   Jetzt musste ich mich um einen Registrar kümmern und dann »umziehen«. Auch das ein gestreng ablaufender Prozess, den man eher selten tut, Motto: »Da könnte ja jeder kommen«. »Bitte beachten Sie, dass wir die Zugangsdaten nur postalisch an den uns bekannten Domaininhaber herausgeben«.
   Danach konnte ich zügeln, was nun Transit, immer groß TRANSIT heißt. Nach einigen Iterationen und vielleicht zwei Stunden und zwei Telefonaten war ich am Ziel.
   Ein bisschen mehr Mühe beim Programmieren der Dialoge hätte mich vor Sackgassen bewahrt, etwa: Gleiches immer gleich zu benennen, und die Länge einzugebender Kodes anzusagen, wie »die ohne Leerstellen 22-stellige Iban-Nummer« für die Kosten beim neuen Registrar oder noch spezifischer: Eine AuthInfo ist ein Übergabekode, das »Providerwechsel-Passwort«, das vom alten Registrar stammt und zwischen 8 und 16 Zeichen lang sein kann. Meines, vom Denic, war 12-stellig, à la *MfC-loABCqv .
   Wie das alles geht, und es ist innerlich noch kompizierter, zeigt die Denic hier: https://www.denic.de/domains/de-domains/providerwechsel/erzeugung-und-hinterlegung-einer-authinfo/ .

Jedenfalls lief Jörn.De ab gestern, 22. Februar 2020, samt unverzüglicher Umleitung zu Joern.De. Nach knapp zwanzig Jahren. Schnelles Internet …

Link hierher j.mp/fj2HNLLdS
 =  https://blogabissl.blogspot.com/2020/02/die-umlautdomane.html
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 Fritz Jörn              Fritz@Joern.De
mobil +49 171 3322017, fest 0228 211035
www.Jörn.De, www.Joern.De, www.Joern.com u.v.a.m.
Friedrichstr. 29, D-53111 Bonn am Rhein 

15. Februar 2020

How to enter a Google Photo Album sidewise

1. You can directly address a specific photo or video in a Google photo album.
   With the link anybody can then see this one picture, but not the rest of the album.
 1.1 As owner of the album: select a picture from the album, first screenshot here at right.
    1.2 In the picture select the share icon, the first one on top, the fork as seen in the screenshot below at left.
 1.3 At the bottom of the appearing menu - see screenshot with white background at right – select “produce link”.





 1.4 Google works a moment and will then show you a link.
   You copy this link and mail it to your friend, who can now go look for the picture, but just this one.

You are welcome to try:
https://photos.app.goo.gl/U9XyEqRXCAV8YN2z8 .
   If you make a short link like j.mp/fj2HpSKJR by bit.ly, fine, but don’t try to openly mail this short link by e-mail, like with Gmail.
   Gmail reads all your mail, its overcareful and rather lazy artificial intelligence will think that this short link contains dynamite, and will not send it! Whatsapp is friendlier: It opens the shortlink, and when the internet does not blow up, it might even show you a bit of the picture as a preview.

2. If you want to let your friend address a certain album picture directly and  then see also the rest of the album – perhaps you made a couple of pictures of your friend – you have to go the hard way:
 2.1 When you as owner have this picture in front of you, the URL above will have lead you to this very picture. Copy the URL. The link is very long, like: https://photos.google.com/album/AF1QipOkY6kFRlcQSrK9xbtlsVVZkfWOJZlOhba0RyV1/photo/AF1QipNZ8DVErUvA8Q5Eus8bqTqMFXBmCuO8GnwdqG8P  – for heaven’s sake!
   If you use this link you can do what you want (and Google thought you might want to do) with your album. A stranger however was able to enter the album at this very picture and see all the album. – Not any more, I’m afraid, but try, like in private mode of your browser.

3. What to do?
   Send two addresses to your friend,
first the picture’s link, as a teaser, the the album’s:

https://photos.app.goo.gl/U9XyEqRXCAV8YN2z8 (Foto)

https://photos.app.goo.gl/br2eRsPp4esU8Gu37 (Album)

 As these links were specifically poduced by Google for anybodys access.

PS. There’s a disturbing Google  Help discussion at https://support.google.com/photos/thread/9590592?hl=en with disapperaing links “after a while”.

4. How to send your friend a link to multiple pictures in an album
   In your album (if you are the owner?) you’ll see (in the album overview) at the upper left corner of each picture a check mark (Haken) like this:
If you want to show the picture(s)s to your friend check the check mark(s) of the picture(s) you want to select. On the album overview they’ll shrink like this, with a whitish frame. The check mark turns blue:
At the end you’ll see some of your album pictures with frames, like this:

OK. Now you select “share” in the albums menu and you’ll get an address of a “New Shared Album” and the notice that “only the owner may add prictures”,
Here’s the link: https://photos.app.goo.gl/1wBAQwobPEU9Ts24A . Ironically this one didn’t work at first. So I repeated the process and got https://photos.app.goo.gl/MZKQ2SZ6Ef6gxUF38 .
  This link works, please try it. In your list of albums you won’t see this “sub” album. Google software is grade D+ to me, w/o care of the user. Sorry. If you can see the pictures as non-google-human, I don’t know, and Google assumes that everybody is and stays with them anyway, even faraway foreigners.
   If you want to show the new mini album in your overview, you must go to into the tree dot menu in the new small “album”, select “show as album” (»In Alben anzeigen«), give it a tilte, and there it is, baptized und visible in the list: “Bonn Carnival (part) 2013”. – Or not in my case or not yet – apparently Google is busy looking at the pictures, and can’t be bothered to work.


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Permalink to this post j.mp/fj2HrpsL9
 = https://blogabissl.blogspot.com/2020/02/how-to-enter-google-photo-album-sidewise.html

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12. Februar 2020

Fang nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.

Gut und schön, aber eine Quelle, ein Original bei Cicero gibt es nicht. Das stammt so nicht von Cicero.
   Nach einiger Suche habe ich die Recherche eines, einiger besserer Lateiner gefunden. Ich erlaube mir daraus zu zitieren. Da zitiert Fritz Lošek in Cursor vom April 2018 in »Kabarett und Classics«, Seite 24, seinerseits aus dem Buch von Michael Fritz Mittermeier „Die Welt für Anfänger“ (und da ist da: https://www.schule.at/fileadmin/DAM/Gegenstandsportale/Latein/Dateien/Cursor14_HP.pdf#page=25 ):

Dieses Zitat wird zwar oft in der Literatur und im Netz als ciceronianisch angeführt, aber ausschließlich in Übersetzung oder in verschiedenen, oft unrichtigen lateinischen „Rückübersetzungen“. 

   Eine konkrete Zuschreibung an Cicero ist nicht nachzuvollziehen, eine sentenzartige Gegenüberstellung von „anfangen – aufhören“ findet sich nur in „de officiis“ 1, 135: ut incipiendi ratio fuerit, ita sit desinendi modus – „wie es einen Anlass zum Beginnen gab, so soll es ein Maß zum Aufhören geben“ (freundlicher Hinweis von Hermann Niedermayr, Innsbruck). Zwei weitere Stellen aus Cicero („de oratore“ 3, 183 und „pro Rabirio“ III) haben mit dem Zitat außer der Thematik „aufhören und anfangen“ nichts Gemeinsames (freundlicher Hinweis von Renate Glas, Klagenfurt).

Ein Österreicherwitz schließt sich an, den dort zu finden überlasse ich Ihnen. 

Permalink hierher j.mp/fj38pHIQE

 = https://blogabissl.blogspot.com/2020/02/fang-nie-aufzuhoren-hore-nie-auf.html
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8. Februar 2020

Die Thüringer Krise

Allerdings ist das Prinzip der CDU, wonach keine politische Entscheidung von den Stimmen der AfD abhängig sein darf, unsinnig – es wird den Realitätstest in Zukunft nicht bestehen. Dieses Prinzip blockiert die CDU und führt letztlich dazu, dass sie weiter nach links driftet.
  Aus j.mp/fj2HjRxnv = https://www.nzz.ch/meinung/cdu-der-kuenftige-chef-muss-buergerlichen-waehlern-wieder-eine-heimat-geben-ld.1539589
   Und http://bit.ly/fj3bwmq62 = https://www.nzz.ch/international/deutschland/tabubruch-ein-skandal-das-ist-demokratie-ld.1538784
   Eine seltene klassische Stimme. Ich bin also doch nicht allein, wenn ich schrieb:

Ich verstehe es nicht. Als sei ich Alter aufgewacht und anderswo, in einer anderen Welt. Ja nicht einmal erwacht. Ich mein’, mir träumt.
   Zugegeben, ich bin nicht konform, denke vor mich hin, für mich hauptsächlich, immer und oft »gefühlt« alleine.
   Sicher weiß ich, dass ich kein AfD-Anhänger bin  – aber auch nicht links stehe. Ich sehe mich in der Mitte, liberal (was für micht nicht FTPisch heißt).
   Ich habe Sympathien. Ich binde sie nicht jedem gleich auf die Nasee. So schätze ich die lang schon vergangenen Prager Juden, gestatte mir als alter Österreicher nach wie vor »großdeutsch« zu sein. Ich gebe mich (eher unerlaubt) als Südtiroler aus, spreche deutsch mit bayrischem Akzent und englisch mit italienischem, was alles allerdings keine politische Orientierung ist …
   Denn Demokratie hab’ ich, wie die meisten, in der Schule gelernt, noch in den Fünfzigerjahren, und als Student beim Leben im ummauerten Berlin.

Die AfD ist eine zugelassene deutsche Partei, umstritten. Für mich ist sie eher ein Symptom, als eine politische Kraft. Sie kann Hass auf sich ziehen, ja, aber politische AfD-Partei-Taten sind mir nicht bekannt. Allerdings forsche ich da auch nicht nach.
   Wieso ein Symptom?
   Weil mir die AfD – immer: für mich Laien – Staatsverdrossenheit aufzeigt. Die Meinungen, die die AfD gelegentlich herausschreit (laut Medien), lassen mich wie eine Blitzlichtaufnahme im Dunkeln etwas sehen, dem ich dann bei Tageslicht – dem Licht des Verstandes – nachgehen möchte. Ein Irrlicht? Die Leute sagen A und tun dann B, wobei B oft bequemer ist, vom Rauchenaufgeben bis zum Ruhebewahren oder den Tod nicht fürchten. Nicht notwendigerweise ist B böser.
   Selbst in meiner Familie heißt es zur AfD: »diese Nazis«. Meine übliche Frage dann: »Wieso?« Daraufhin halten mich die Leute auch für einen Nazi und reden nicht mehr mit mir. Dabei bin ich nur ein sturer, sehr deutscher Intellektueller. Heute, für Heutige, pol. Korrekte, sind alle von damals Nazis, mein gefallener Vater, bald ich selbst, in Brünn geboren. (Wo ist Brünn? Am Amt sage ich immer Bayern, damit man mir nicht Brno einträgt … )
   Ich komme mir vor wie in den Zeiten der beiden deutschen Staaten BRD und der DDR (Österreich wird immer vergessen!). »Drüben« in der DDR (offiziell noch lange SBZ oder anführungsgezeichnete „DDR“) wohnten in den dort festgehaltenen »Arbeitern und Bauern« zwei Seelen, eine linientreue offen auf Anfrage, und eine eigene, persönliche ganz heimlich.
   Die Leute dachten anders, als sich das die Politiker wünschten. Big Brother regelt dir deine Meinung, das genügt. Selbst denken darfst du nicht. Nach der Wende hat sich dieser Trend fortgesetzt, nur ohne Politiker. Denken ist altmodisch geworden – find’ ich, auch im Westen. Wir lesen uns Meinungen an.
   Wenn ich so in Bonn und privat mit den Leuten rede, so höre ich nur Ablehnung des gegenwärtigen Staates. Erstens der schieren Staatsmenge. Dann der Korruption, nicht einzeln, sondern generell. Grad’ gestern hat mir ein erfolgreicher Unternehmer erzählt, wie der Prüfer vom Finanzamt Vorgaben für Nachversteuerungsbeträge bekommt, widrigenfalls man ihn in eine Gegend mit geringerem Steuerpotential (die Pampa) versetzt. Wie sich die Kosten für ein blechrohrbefestigtes Loch für den Sonnenschirm im Gehsteig vor seinem Geschäft in den letzten paar Jahren von 45 auf 90 Euro im Jahr verdoppelt hat.
   Zurück. Frage ich nach einer Definition von »Rechter«, »Ultrarechter«, »Nazi«, oder harmloser nach »Flüchtling«, »Türke«, so wird mir das nicht und nirgends klar gesagt, bloß als Begriff verwendet. Sowas widerspricht meinem ingenieurhaften Denken: Da sollte man erst wissen, worüber man spricht, bevor man drüber redet.

Zu Thüringen. Das ist ein Bundesland mit über zwei Millionen Einwohnern und eigenem Parlament. Dieses Parlament wird dort gewählt, Die Volksvertreter bilden dann eine Regierung.
   Aus den Medien erfahre ich, dass diese Erfurter Regierung in Berlin bestimmt werden soll. Ja, haben wir hier eine Bundesrepublik ohne Anführungszeichen oder gibt’s wieder Gauleiter und Reichswalter?
Die Bank deutscher Länder
1.3.1948—1.8.1957
   Dann sollten wir diese ganze leidige Länderautonomie als politischen Wasserkopf aufgeben. Oder Deutschland in autonome Staaten zerteilen, in einen »Bund deutscher Länder« verwandeln, wie ursprünglich angedacht. Allein NRW hat doppelt soviele Einwohner (18 Mio.) als Österreich (9 Mio.).
   Oder neu durchdenken. Was darf ein Land, ein Bundesland? Was für Leute möchten wir in unserer Gesellschaft? Wie definieren wir uns als »Deutsche«? Wären kleinere Solidargemeinschaften nicht besser, wo dann nicht achtzig Millionen dem Erfurter Parlament dreinreden? Sind Minderheitsregierungen nicht sogar besser als »große Koalitionen«, die den geplanten Lauf der Politik in monatelangen Abstimmungen hinter geschlossenen Türen vertraglich regeln, wie ein Orchester vor dem Auftritt hinter der Bühne übt?
   Übrigens: »Populistisch« ist auch nicht definiert, wird nur verurteilt, und zum Schimpfwort in einer für demokratisch sich haltenden Gesellschaft geworden.
Wie gesagt, ich versteh’s nicht. Ich blicke auf eine hitzewabernde Meinungswelt voller nimmersatter Gefühle. Sieht trüb aus.
   11.2.2020 Nach der großen ARD-Abendsendung gestern wurde mir klar: Selbst ein Landespolitiker wird ausschließlich nach seiner Gesinnung beurteilt, ausgedrückt und gedruckt in seinem Parteibuch oder – in diesem Fall – durch eine Stimme übertragen. Dabei geht es im Land um (aktuell, hier) die von einer Kultusministerkonferenz abhängige Ferienordnung oder die Länge des Gymnasiums. Hier erst neun Jahre, dann acht, dann wieder neun, unter Beschäftigung unzähliger kompetenter Beamten zwecks Lehrplan. Lesestoff https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/gute-kita-gesetz-so-wollen-die-laender-die-5-5-milliarden-euro-nutzen-a-1279806.html und https://www.sueddeutsche.de/politik/gute-kita-gesetz-1.4253384
   Als Polemiker könnte ich noch mehr über dieses »Brandmauern« schreiben, einer Diskriminierung, Spaltung der Gesellschaft, die selbst einzelne Stimmen für einen Kandidaten für ansteckend hält. (Pardon, streichen, jetzt verlauf’ ich mich … Mein Ärger übers Nichtbesprechen einfachster Fragen, dem Warum.)

Permlink hierher j.mp/fj377RkhB
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 = https://blogabissl.blogspot.com/2020/02/die-thuringer-krise.html

Dazu passen gut

zur Sache
 https://www.nzz.ch/international/wahl-thomas-kemmerichs-in-thueringen-empoerung-und-ns-vergleiche-ld.1538773

Kommentar dazu
 https://www.nzz.ch/international/deutschland/tabubruch-ein-skandal-das-ist-demokratie-ld.1538784

Global gesehen
 https://www.nzz.ch/feuilleton/geschlecht-sexuelle-orientierung-ethnie-der-neue-kulturkampf-ld.1539066?mktcid=smch&mktcval=twpost_2020-02-08 
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––     
Eine Stimme zum selben Thema, von Frank Fremerey, hier:
»Zu Thüringen
   Wir lehnen menschenverachtende Verhaltensweisen ab. Um selber unsere Menschlichkeit zu bewahren, s ollten wir auch im Ärgsten stets noch den Menschen sehen können. Sonst befördern wir die Spaltung der Gesellschaft, die wir eigentlich überwinden wollen.

   ›Die Würde des Menschen ist unantastbar.‹
Kleben wir ein Etikett auf den anderen wie ›Faschist‹, besteht die Gefahr, dass wir sein Menschsein nicht mehr sehen. Der Mitmensch wird zum Feindbild. Am Ende verraten wir so unsere eigenen Grundsätze.
   Es ist schwer. Wer das Volk verhetzt, der soll für sein Verhalten bestraft werden seine Menschenwürde ist jedoch zu achten, sonst färbt sein Verhalten unser Verhalten.
   Als Gandhi gefragt wurde, warum er nicht gegen Hitler kämpft, sagte er, dass der Geist des Besiegten auf den Sieger übergeht. Was ich erträume ist, dass die Krieger aller Seiten ihre Waffen sinken lassen, weil ihnen ihr eigenes Handeln sinnlos vorkommt und sie im ›Feind‹ sich selber erkennen.
   ommnia vincit amor.«

1. Die Gandhi-Geschichte findet sich in Eve Curie: Madame Curie, Berlin 1966. Lothar von Balluseck hat in »Erläuterungen für Deutsche«, Bonn-Bad Godesberg 1972,  S. 6 auf Eve Curies Versuch hingewiesen, Gandhi für den Kampf gegen Hitler zu gewinnen. Gandhi aber lehnte dies ab mit der Begründung, der Geist des Besiegten gehe in den Sieger ein.
2. Spiegel vom 8.9.2019: »Gerichtsbeschluss: Björn Höcke darf als ›Faschist‹ bezeichnet werden« und Gerichtsbeschluss dazu. In der Wikipedia glänzt Björn Höcke mit zurzeit 234 Fußnoten.
3. Anderswo in »Europa« ist man weniger zimperlich. Die italienische Wikipedia nennt diese 17 Parteien und Bewegungen »post-faschistisch (Partiti e movimenti considerati post-fascisti nell'Italia repubblicana [Parteien und Bewegungen die im republikanischen Italien für post-faschistisch gehalten werden]. In ordine di comparsa nel panorama politico [Sortiert nach dem Erscheinen im »politischen Panorama«]):
Ich greife einmal die «Forza Nuova» heraus: «Forza Nuova (FN) è un partito politico italiano nazionalista di estrema destra e neofascista, fondato nel 1997 da Roberto Fiore e Massimo Morsello». In der deutschen Wikipedia liest sich das ohne Faschismus so:
»Forza Nuova (FN, deutsch ‚Neue Kraft‘) ist eine rechtsextreme politische Partei in Italien«. Website. Null Abgeordnete im Senat oder in Brüssel.
   Etwas erfolgreicher war die Casa Pound – rechts ihr rassistisches Wahlplakat 2018 in Südtirol »Südtirol reinigen«. »Bei den Parlamentswahlen in Italien 2018 erreichte CasaPound 0,95 % der Stimmen, bei der Landtagswahl in Südtirol 2018 0,9 %.« (Wikipedia). Die Partei hat sich am 25. Juni 2019 als Partei aufgelöst, will aber als Bewegung weiter aktiv bleiben.

Ich meine: Ein gesittetes Umgehen miteinander ist immer gut und christlich. Auf den Einfluss einer bestimmten Meinung hat das aber wenig Wirkung. Wenn die AfD starke Stimmenanteile bekommt, sollte man sich mit ihr beschäftigen und sie nicht einfach tabuisieren. Das heißt, s.o., ihre Fragen und Lösungsvorschläge – so sie welche anbietet – aufgreifen und diskutieren.
   Und übrigens: Gandhi hat zwei Briefe an Hitler geschrieben, eine knappen vor dem Krieg, einen langen im Krieg. Dass der Geist des Besiegten auf den Sieger übergeht – ist nicht belegt, nicht als Aussage, als Tatsache schon gar nicht – vielleicht aber auch nicht so wichtig.

4. Februar 2020

The Weisswurst Experience

… a tutorial dedicated to Pat and all American friends, knowers and banauses.

First: A “Weißwurst” is a thick and mellow white sausage—as the word says: weiß = white, and Wurst = sausage. Used as adjective wurst it’s no matter; note the decapitalzation. Weißwurst is spelled with ß, yet another type of s, that Germans have on the keyboard far away in the upper right corner beyond the zero. Use a β beta sign in case of urgent need, or transliterate to ss as the Swiss do.
   OK, here’s how you savour it.
Foto Jörn
Here’s what you need
• Fresh Weißwürst from your visiting friend from Munich, Bavaria.
   Do not try to import thm by plane to the US though, they will be customly confiscated and probably not even eaten. A pre-Trump procedure.
   Don’t buy too many. They are quite satisfying, corrupt quickly, and will be eaten by your cosmopolitic neighbour at the last minute of life (of the Wurst, naturally!).
   Two pais per person are too much, unless back from a ski ride..
• The correct mustard, in this case sweet mustard, so as not to overpower the smooth and balanced meaty taste. This is not Knackwurst, Wiener or Frankfurter (the same, seen from resectively the other province), or other.
   What looks like a mug o’ tea on the tray is a pot of Bavarian mustard, really.
• Some bread, preferably a Brezel (pretzel). I roasted microwave breadsticks from the “Frigidaire”, as we used to say when refrigerators had no motor and ran on icesticks, and were no Frigidaires but Kühlschränke, cooling Schranks. If you get an honest pretzel w/o lye, even better. Remember: Weißwürst are not a salty-sour experience, are good ’n sweet and warmly filling. See the encyclopedial list https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_sausages .
• Probably a beer. Again not the popular Pils type, bitter, originally from Bohemia (Pilsen) like Kafka, with more alcohol than taste, but ideally a Helles, a light and bright beer, that excels by volume and not by brute taste. Here in Bonn I drink semilocal Kölsch, a blond type beer as well. American beer will do, it has no taste either. Stict vegetarians enjoy warm tap water.

How to cook the Würst
   Don’t! Rest them for a while – and serve them – in hot water. So they won’t suffer or burst premorterly.

How to eat Weißwürst
   Now that’ the culture question! In olden times the meat was so soft, so mellow and so watery, that you grabbed a sausage by hand and bit into the other end, politely “squose” out the meat, sucking, more and more, until finished satisfied. As you formerly did with asparagus.
   Not any more.
Foto Jörn
A fork will hold the product in place

Foto Jörn
The knive comes to action und slits the Wurst all along the side. Take any position on the perimeter, but go ahead. Slit the inner meat apart in zwo halfmoon shaped sides. Don’t cut the thing all apart into two pieces.

Foto Jörn
Carefully loosen the meat of one side, using your knive, still laterally with the flat side.

Foto Jörn
Separate. You are now ready to eat your Weißwurst, the first half of the first single sausage of the first pair of sausages. But do not fear: Weißwürst (that’s the plural, Wurst to Würst) come in endless chains. It’s the human that cuts them.

Foto Jörn
And don’t forget the mustard.

Permalink to this “Schmankerl
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BesucherzaehlerIncidentally: You can eat the skin. It just isn’t as tasty as the content. Usually the skin is natural and comes from Afghanistan or Egypt.

1. Februar 2020

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Gestern Nacht haben wir zwei uns – ganz allein im großen Kinosaal – »Als Hitler das rosa Kaninchen stahl« angesehen. Schön war’s, spannend war’s, gut gespielt, vor allem von Frau Mama Kerr (historische Figur) = Dorothea Kemper (Name im Film) = Carla Juri (Schauspielerin) und der Tochter Kerr = Anna Kemper = Riva Krymalowski .
   Kerrs Geburtsname war Kemper, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Kerr .
   Wikipedia beschreibt den Film wieder gut und umfassend:
https://de.wikipedia.org/wiki/Als_Hitler_das_rosa_Kaninchen_stahl_(2019) , allerdings in der Beurteilung mit gewohnter Tendenz zum Zeitgeist – letztlich Geschmacksache und in fortschreitender Zukunft leicht zu ändern.

Ich fand den Film eine Spur kitschig, fand den Kerr-Darsteller, im Film Max Kemper genannt, »Jungschauspieler« Marinus Hohmann aus Bad Aibling etwas sehr deutsch, ohne den klugen Charme und die Verbindlichkeit, mit der ich persönlich Juden verbinde. Too much Trenker, aber bitte.
   Die Musik wird als zu intensiv kritisiert; und ich kritisiere den mangelhaften Ton des fahrenden Zuges in der Ausreiseszene, dieses klare Tack-Tack, Tock-Tock, Tack-Tack, Tock-Tock …, ausgelöst von den zweiachsigen Drehgestellen, nahe hintereinander zwischen den Waggons und weit auseinander unter dem Wagen, wenn sie die damals noch nicht verschweißten Schienenstöße querten.
   Die Aufzählung der Qualen des nackten »Onkels« aus dem Zoo im Hundeszwinger als Käfig empfand ich als zu drastisch, unpassend für ein Flüchtlingsdrama, unpassend für Kinder. Doch jeder andere Seitenblick auf Holocaust oder Flucht wäre ebenso unpassend gewesen, denn eine typische Situation für Flucht gibt es nicht. Das zurückgelassene ausgestopfte Kaninchen hätte genügt. Die grausig-demütigende Stelle gehört für mich raus.

Im Gegensatz zur in der Wikipedia zitierten Filmbewerungsstelle meine ich nicht, »Als Hitler das rosa Kaninchen stahl sei ein insbesondere auf die Filmerfahrungen eines jüngeren Publikums zugeschnittener Film, der nicht nur die NS-Zeit und den Holocaust thematisiert, sondern vor allem auch Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit: ›Themen, die heute mehr denn je zu zentralen Themen unsere Gesellschaft geworden sind. Und damit eben Themen, die auch filmisch weder zu früh, noch oft genug behandelt werden sollten.‹« (Hervorhebungen von mir.) Erstens ist nach meiner Erfahrung für uns heute vielleicht Zuwanderung aus Sicht der Einheimischen ein zentrales Themen, keineswegs aber aus Sicht der Auswanderer. So wie Ossis immer die heutigen meint, nie die DDR.  
   Als Einschub eine andere Flucht, ausgelöst weder von Judenhass noch von ungenehmen Veröffentlichungen. Ich zitiere aus den Erinnerungen meines Großvaters:
   Vom Nordosten, aus dem Raum Mährisch Ostrau, und aus Südosten, von der niederösterreichischen Grenze, näherten sich die Russen. General Schörner, Befehlshaber der deutschen Truppen in Böhmen und Mähren, hatte einen Verbindungsoffizier zum Verband Mährischer Industrieller, dessen Präsident ich war, abgestellt. Dieser Major hatte uns erklärt, daß er Befehl seines General habe, keine führenden Industriellen in die Hände der Sowjets fallen zu lassen. (Warum nur Industrielle? Warum nur »führende«?...) Jedenfalls konnten wir alle mit einer gewissen Ruhe dem Kommenden entgegen sehen.
   Am 17. April 1945, abends etwa einhalb zehn Uhr, ging das Telefon in meiner Wohnung, [Brünn,] Schreibwaldstraße 156. »Es ist so weit! Wir alle treffen uns in Iglau, in der (arisierten) Fabrik vormals Löw in Helenental. Aber Achtung, die normale Verbindung Wienerstraße-Iglauerstraße über Zentralfriedhof darf nicht gewählt werden, es sind dort ein paar russische Panzer durchgebrochen.« So fuhren wir drei, meine Frau, mein Chauffeur Otto Jelinek und ich im vorbereiteten kleinen Tatra-Wagen, Eigentum von [Tochter] Mariandl [meiner Mutter], ausgerüstet mit zwei kleinen Koffern und zwei vollgepackten Rucksäcken in tiefer Nacht gegen Iglau. Immer wird mir in Erinnerung bleiben, wie ich mein Schlafzimmer verließ – mit einem Blick auf das zum Schlafen vorbereitete Bett, vor ihm die Hausschuhe, daneben der Kleiderschrank, aus dem ich noch irgend einen Mantel oder Rock genommen hatte. »Das alles wirst du nie mehr wiedersehen!«
 
Zurück zum Film. Er hat für mich einen eindeutigen Schwerpunkt, den Antisemitismus, dieses »Weil wir Juden sind«. Das macht ihn nicht weniger gut. Nur die Vorstellung, dass er auf Jugendliche »vor allem« für Vertreibung steht, ist naiv; im Gegenteil, der gedankliche Weg zu den heutigen Vertreibungen, etwa in Syrien oder Afrika, zu den »Heimatvertriebenen« einst, der ist – besonders für primär auf den Holocaust fokussierte Jugendliche – abseitig.
   Viele Künstler verließen damals das NS-Regime, ohne Juden zu sein, viele DDR-Bürger flohen den Arbeiter- und Bauernstaat, als die Mauer noch nicht stand, ich habe das erlebt.

Ich vermute, dass das Prädikat Besonders wertvoll für den Film Als Hitler das rosa Kaninchen stahl vor allem eine dankbare Verbeugung vor den zahlreichen öffentlichen Sponsoren war:

Zitat Wikipedia: »Das Medienboard Berlin-Brandenburg förderte den Film mit 650 000 Euro. Vom BKM erhielt er eine Produktionsförderung in Höhe von 500.000, vom FilmFernsehFonds Bayern in Höhe von 500.000 Euro und von der Filmförderungsanstalt ebenso in Höhe von 500.000. Die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gewährte eine Produktionsförderung von 400.000 Euro.« Summe 2½ Millionen Euro.
   Bekanntlich meine ich, dass man aus der Vergangenheit nichts lernt. Vielleicht Strategie für Schlachten. Der Holocaust wird sich kaum wiederholen. Wir begehen (erfinden, fliegen, fernsteuern) unsere eigenen Verbrechen, die mir auf der Seele liegen.

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PS. ––––––––––––––––––––––––––––––––– 
Zu den neuen Kriegsverbrechen, aktuell herausgegriffen, Minen. Inzwischen ist die halbe Sahara vermint.
   und:

Der Holocaust ist immer etwas anderes. Ein Blick in die Tiefe des Holocaust und vor allem der Problematik der Erinnerung gibt der NZZ-Artikel von Natan Sznaider vom 30.1.2020, der mit einem düsteren Gedicht von Primo Levi beginnt:

Ihr, die ihr abends beim Heimkehren 
Warme Speise findet und vertraute Gesichter:
Denket, ob dies ein Mann sei, 
Der schuftet im Schlamm, 
Der Frieden nicht kennt, 
Der kämpft um ein halbes Brot, 
Der stirbt auf ein Ja oder Nein. 
Denket, ob dies eine Frau sei, 
Die kein Haar mehr hat und keinen Namen, 
Die zum Erinnern keine Kraft mehr hat, 
Leer die Augen und kalt ihr Schoß
Wie im Winter die Kröte. 
Denket, dass solches gewesen. 
Es sollen sein diese Worte in eurem Herzen. 
Ihr sollt über sie sinnen, wenn ihr sitzet 
In einem Hause, wenn ihr geht auf euren Wegen, 
Wenn ihr euch niederlegt und wenn ihr aufsteht; 
Ihr sollt sie einschärfen euern Kindern. 
Oder eure Wohnstatt soll zerbrechen, 
Krankheit soll euch niederringen, 
Eure Kinder sollen das Antlitz von euch wenden.

Von Primo Levi herausgekommen 1947, Übersetzung wohl von Levis’ Freund Heinz Riedt , angelehnt an 5. Mose (Deuteronomium) 6, 4 bis 9:

Dtn 6,4 Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.
Dtn 6,5 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Dtn 6,6 Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.
Dtn 6,7 Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.
Dtn 6,8 Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.
Dtn 6,9 Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben.
   Levi im Original:
«Considerate se questo è un uomo
Che lavora nel fango
Che non conosce pace
Che lotta per mezzo pane
Che muore per un sì o per un no.» 



   Zu Levi lesenswert die Wikipedia:
»1938 erließ die faschistische Regierung Italiens ein Rassengesetz, das es jüdischen Bürgern verbot, staatliche Schulen und Hochschulen zu besuchen. Dennoch schaffte es Levi 1941, sein Studium mit Auszeichnung zu beenden. Auf dem Abschlusszeugnis war jedoch der Vermerk ›von jüdischer Rasse‹ zu finden.«
   Wie etwa Curt Herzstark war Levi, Chemiker und gefasst als Partisan, ein privilegierter Fachmann, siehe auch http://www.joern.de/FAZHerzstarkk.pdf , und überlebte das KZ.
   Mehr zu Levis Gedicht hier. (Allerdings überlebte Primo Levi Auschwitz nicht bloß durch ein Wunder, sondern als Zwangsarbeiter für die I. G. Farben, wie die Wikipedia berichtet. »Am 22. Februar 1944 wurde Levi in einem Transport des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) nach Auschwitz deportiert. Von den 650 Frauen, Männern und Kindern dieses Zuges, die am 26. Februar 1944 in Auschwitz ankamen, wurden nach der Selektion 95 Männer und 29 Frauen als Häftlinge registriert und ins Lager eingewiesen.«.
   Selektion in Birkenau am 24.5.1945 (Auschwitz-Album), Bild Wikipedia, Ausschnitt