23. September 2022

Referenden – Referenten

Ein Referendum mit d ist eine Abstimmung, wörtlich etwas zum Referieren (referre), zum Vortragen, Berichten, siehe Wikipedia. Mehrzahl Referenden.
   Scheinreferenden gibt’s eigentlich gar nicht, so wie die Wahlen in der DDR keine Scheinwahlen waren. Es ist typisch für unsere Medien, dass sie Meldungen mit Meinungen vermischen, gutgemeint aber polemisch. Auch bei Wahlen kann man meinen, sie seien gefälscht, man kann es zuweilen sogar wissen, Scheinwahlen sind’s trotzdem nicht. Abstimmungen durch Handheben mögen ungenau sein oder zum Beispiel nicht alle Berechtigten berücksichtigen, es bleiben Abstimmungen.

Antonius:
Mitbürger! Freunde! Römer! Hört mich an!
Begraben will ich Cäsarn, nicht ihn preisen.
Aus »Julius Cäsar« von William Shakespeare,
3
. Aufzug, 2. Auftritt, verfasst 1599
Ein Referent mit t ist jemand, der ein Referat hält, also etwas vorträgt (Fakt). Die Wikipedia kennt das Wort vielfältiger und weiß es wieder einmal etwas besser (Meinung).

Versuchen Sie, nach wie vor Fakten von ihrer (Ihrer) Beurteilung auseinanderzuhalten. Nicht jeder Ruhestand ist wohlverdient, nicht jede Zurücknahme eines Geschenks ist immer »völkerrechtswidrig« (die Krim 1954 – 2014), sondern oft schlicht ungehörig, unerlaubt, widerrechtlich, denn »geschenkt ist geschenkt«. Nicht jeder Klimawandel ist menschengemacht.
   Ihre Sprache, ihre Aussage wird kürzer, knackiger ohne Meinung drumrum, meine ich. Da können Sie ja einen Satz anhängen, der dann aber oft nicht zur Sache gehört.
   Eine Ausnahme ist die Bahn (-:) »Der immer verspätete Zug kommt um 17.30 Uhr an.« Sagt eigentlich, dass er dann genau nicht ankommt sondern irgendwann später, oder? Zum »Scheinzug« wird er dennoch nicht, außer nachts.

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15. September 2022

»Das Traumcafé einer Pragerin«

– Von Lenka Reinerová, 1983, inzwischen nur mehr antiquarisch zu haben.

Prager Juden mag ich, literarisch. Die Zeit ist aber – wie vielvieles – längst vorbei, das genannte Buch der angeblich letzten deutschschreibenden Erzählerin aus Prag, Jüdin auch, nach der vierten Auflage 2003 ausgelaufen. Antiquarisch war’s um so billiger, weit unter den acht originalen Euro. 270 Seiten, sieben Kurzgeschichten, meinem Gefühl nach ganz unterschiedlicher Qualität. 


Reinerová, auf die ich durch das aus dem Tschechischen übersetzte Buch ihrer Tochter Anna Fodorová »Abschied von meiner Mutter« mit einem guten Nachwort von Jaroslav Rudiš gekommen war, ist weder Reporterin noch Romanschriftstellerin, sie schreibt einfach, ordentlich, einfühlsam, mit Phantasie, weiblich schön – gelegentlich bis zu Kitsch. Liest sich gut, besonders, wenn man wie ich, das Handy dabei hat zur Klärung mancher Begriffe oder Orte, wie etwa ein »Mudr.« auf der Visitenkarte. Ich hätte mir neben all den unaufhaltsamen Gedanken ein paar konkrete Hinweise auf Daten und Zeiten gewünscht – bin halt Techniker, der’s gern genau hat.
   Nun im Einzelnen – nach meinem persönlichen Gefühl – Korrekturen sind willkommen:

»Das Traumcafé einer Pragerin«, 42 Seiten, die Aufmachergeschichte, names dropping. Da stellt Reinerová sich im Himmel ein Kaffeehaus vor mit allen bekannten Prager Nachdenkern drin. So wie ich ans Kusseth zurückdenke. Charmante Idee, gut geschrieben.

 »Der Frühvogel«, 12 Seiten, Reinerová wird aus ihrem Pariser Gefängnis entlassen, Gedanken, Düfte, Phantasien, Jarmila, l’histoire de rire

»Der graue Wölfling«, 12 Seiten, der verfolgt Reinerová im Traum in Casablanca – was mich immer an »Jakobowsky und der Oberst« erinnert.

»Glas und Porzellan«, 44 Seiten, Reinerová kommt aus dem Gefängnis in die tschechische Provinz, sieht endlich ihre Tochter und ihren Mann wieder, bekommt Arbeit und wird zur Chefin der Musterabteilung Glas und Porzellan. Am Schuss findet sie den Mut, bei einer »Gewerkschaftsversammlung des Bezirksbetriebs Handel mit Bedarfsgegenständen für den Haushalt« gegen die Kündigung von »Opa Tichý« zu sprechen. Viel Zustimmung.

»Der Ausflug zum Schwanensee«, 83 Seiten, Reinerová findet auf einer nicht erklärten, mystifizierten Fahrt mit zwei Männern, nouvelle-vague-ähnlich ein Bild ihrer ermordeten kleinen Schwester. Sie erinnert sich an ihr Pariser Gefängnis, La Petite Roquette  und verfolgt dann gedanklich eine grausame Opportunistin, Carmen Maria Mory, die zuletzt im KZ Ravensbrück als »schwarzer Engel des Todes« agierte.

»Unterwegs mit Franz Schubert«, 23 Seiten, ist keine gute Geschichte. Reinerovás verständliches Trauma leitet sie da phantastisch-gedanklich assoziativ in die Irre, zu weit weg. Schon im zweiten Absatz erzählt sie von den »blutroten Fahnen mit dem schwarzen Hakenkreuz in der Mitte« in Deutschland. Als sie diesmal nach dem Krieg im »Eilzug [nicht Schnellzug?] Franz Schubert« von Zürich nach Wien ihr Abteil mit alten SS-Leuten und ähnlichen teilt, da platzt ihr beim Aussteigen doch der Kragen: »Sie sind bei Kriegsende wohl kaum meiner Mutter und meinen Schwestern begegnet. Denen hat ja auch niemand einen Ausweg gezeigt, als sie nach Auschwitz in die Gaskammer gejagt wurden.« – So geht das nicht: Nicht alle SS-Leute waren Verbrecher, und nicht alle Wehrmachtssoldaten Gutmenschen, egal wie sie nach dem Krieg tickten.

»Zweite Landung in Mexiko«, 46 Seiten, die Schlussgeschichte ist wieder versöhnlich, umrahmt von einem Witz über einen Rabbi, der sterbend das Geheimnis seiner Weisheit verrät: »Alles ist anders.«

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14. September 2022

Sonnenrollo-Getriebe fixen

Es geht hier nicht um die schweren, ratternden, eingebauten Sonnenrollos aus Brettern oder Plastik, draußen vor den Fenstern.
   Es geht um die leichten Dinger innen, die unerwünschte Sonne mit einem ausgerollten dünnen Stoff draußen halten sollen. Sie haben eine rundlaufende Zugschnur aus Perlen, meist links. Die Perlenschnur läuft im abgebildeten Modell die Gruben entlang, rundum, ist aber hier nicht mit gezeigt. Mit der Perlenschnur kann man das Rollo mehr oder weniger weit herunterziehen. 

Wie geht das? Welche Rolle spielt das gezeigte »Getriebe«? Normalerweise hält das Getriebe die Rollorolle fest in Stellung; nichts saust hinunter oder schnappt hinauf.
   Will man das Rollo verstellen, zieht man an der Perlenschnur, runter oder rauf, vorn oder hinten. Das Getriebe öffnet als erstes seine Feststellbremse und lässt einen dann in Ruhe einstellen, höher oder tiefer. Das Getriebe ist eigentlich nur eine Bremse. Rädchen sind da nicht drin.

Das Getriebe ist durch ein flaches Stück Metall – im Bild links herausragend – in die Halterung an der Wand drehsicher festgehalten. (Gegenüber lässt ein einfacher, runder Stift das Rollo sich frei drehen.)
   Wie aber bremst das Getriebe? Da ist eine Feder drin, um den Kern herumgewickelt. Ihr Ende lugt in Bildmitte aus dem Schlitz etwas heraus. Alles blockiert. Zieht man zu fest an der Perlenschnur, so reißt sie. Das Rollo aber bleibt stur stehen.
   Ist das Ende der Feder aber richtig in das »Getriebe« eingehängt, so wird beim Versuch, an der Perlenschnur zu ziehen, erst einmal die ganze Feder etwas aufgedehnt: Die Bremse ist offen, und das Rollo kann gedreht werden.  

Reparatur: Das Getriebe kann in seine Teile auseiandergezogen werden; zwei Zangen helfen dabei und etwas Entschlossenheit. Dann muss man die Bremsfeder wieder richtig einhängen, siehe Bild, die Bremse wieder zusammenbauen, und schon geht’s. Zum Testen halten Sie das Getriebe samt Perlenschnur am flachen Stift fest und probieren, ob sich die Bremse in beiden Richtungen brav löst. Dann einhängen, erst rechts die Seite mit dem runden Stift, dann links die Seite mit dem Getriebe und dem flachen – oder umgekehrt, wenn die Perlenschnur rechts hängt.

Ich mache demnächst noch ein paar Bilder »dabei«, wie der Bonner sagt, für’s Erste müsste das aber reichen.

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