13. Juni 2021

Katholische Moral um 1955

Heute spielte in unserer samstägigen Mittagsandacht in der Stiftskirche die Orgel wieder den »Großen Gott wir loben dich« – eine Drehorgel! Dieses te deum soll auf das vierte Jahrhundert zurückgehen. Singen durften wir Corona-bedingt nicht, also dachte ich so für mich: Loben wir Gott? Oder verfluchen wir ihn ob all der Kriege, Aufstände, der Pandemie, der Überbevölkerung, dem Leid, das Politik und Kirche überall anprangern und doch nicht wegbekommen, gegen das wir anbeten, wenn überhaupt, ein ewiges »Erbarme dich unser!«

Bis etwa zum Holocaust – das Wort wurde etwa 1978 geprägt –, lobten wir Gott zu allen besseren Gelegenheiten, wir beteten um fruchtbringendes Wetter, um den Nachlass unserer Sünden, für unser neues Auto, und waren nicht blöd dabei. Heute? Gott lässt geschehen, die Menschen wursteln herum ohne ihn, mal gut, oft böse.

Ich will einmal zurückschauen auf Bayern von 1950 bis vielleicht 1960, will etwas »zeitzeugen«. Von meinem zehnten bis zu meinem neunzehnten Lebensjahr lebte ich dort in einem staatlichen Landschulheim; also nicht in einem Kloster oder einer elitären Privatschule. Die Erziehung, die ich dort bekam – bis zu meiner letzten Watsch’n vom Direktor persönlich, mit 14 – diese Erziehung war also sozusagen guter Durchschnitt. So Richtungs- und Politik-durchsetzt wie heute war sie nicht. Die Dinge waren so, wie sie waren, eindimensional, und wir haben sie gelernt. 1953 starb Stalin, was wir bei der üblichen Morgenandacht im Schloss erfuhren, und entgegen allgemeiner Hoffnungen änderte sich dadurch nichts weiter. Hier eine Wochenschau.

Wir haben im Internat allein und unter uns viel nachgedacht. Viel anderes war nicht zu tun. Kein Fernsehen, keine Telefone (eine Zelle im Dorf unten), jede Woche mussten wir einen Brief nachhause schreiben. Die wurden anfangs noch kontrolliert.
   Über Sex haben wir wenig gesprochen, hatten auch keine »Heftln«. Wir durften uns den »Tierfreund« bestellen, ich las »Topolino«. Karl May war sehr beliebt; zwei von uns verschlangen ein Buch gemeinsam unter einer Decke, wurden aber nicht erwischt, wer weiß, was der »Erzieher« sonst gedacht hätte.

Religion und Moral. Etwa die Hälfte von uns waren protestantisch, die anderen katholisch. Religiös »nichts« zu sein, das gab’s nicht, und Juden oder Mohammedaner erst recht nicht. Wir kamen aus ganz Westdeutschland, die meisten aus München, ich aus Bozen, zwei Grenzen weit weg. Die Protestanten konnten besser singen. Wir Katholiken mussten am Samstagnachmittag im Dorf zum Beichten, sofern wir eine »schwere« Sünde hatten. Die Absolution gab Kaplan Huber, der auch den Religionsunterreicht gab.
   Eine »schwere« Sünde ist eine »Todsünde«. Stirbt man damit, so geht’s unweigerlich ab in die Hölle, für ewig. Und zur Kommunion gehen durfte man mit so einer Sünde nicht, das wäre eine Entweihung des Sakraments gewesen, schon wieder eine schwere Sünde. Sonntags nicht in die Messe zu gehen, wieder eine Todsünde. Keine Gnade ohne Beichte.

Wasserstoffbombentest „Romeo
am 27. März 1954 auf dem Bikini-Atoll. – Wikipedia

Dazu kam, dass alle jederzeit den plötzlichen Weltuntergang für gut möglich hielten. So knapp nach dem Zweiten Weltkrieg und angesichts der frisch aufkommenden Atombomben war das kein Wunder. Die Russen wurden durch das Fuldatal erwartet. »Wenn Österreich angreift, schicken wir die Passauer Feuerwehr«, war der gängige Witz zur neuen deutschen Wehrhaftigkeit im »kalten Krieg«.
   Bei der ungarischen Revolution 1956 griffen zum Glück für den Frieden die Amerikaner nicht ein, wie die Ungarn und andere sich das vorgestellt hatten, von Radio Free Europe verführt. »News« sah man sich – kam man ins Kino – vor dem Hauptfilm schwarzweiß als »Fox tönende Wochenschau« an.
   Heute fürchtet keiner mehr den Weltuntergang, höchstens den Klimawandel. Der Weltuntergang ist um etwa 900 Milliarden Jahre hinausgeschoben . Da sind wir längst alle tot.

Kommen wir zur katholischen Sexualmoral. Einmal ist in unserem Internat ein ganzes Zimmer, der »Mittelbau Ost« in der Burg, mit, mein’ ich, sechs Leuten von der Schule geschmissen worden, weil sie wettonanierten. Ihr Pech war, dass dahinter die Gemächer des Herrn Direktors lagen. Sonst habe ich aber, ehrlich, von nichts Spektakulärem gehört, einfach von nichts. Wir hielten das Thema von Fall zu Fall diskret und persönlich. Es war kein Thema. Mit Mädchen ging schon gar nichts, auf dem Land! Vor der Pille! Wir waren ein reines Bubeninternat. Auch untereinander hatten wir keine Lust, § 175 ließ uns dergleichen fremd und krankhaft erscheinen.
   Aber selbst tätig zu werden, ja, das ließ feinste orgiastische Varianten zu. Ich machte lange einsame Radtouren durch die Flussauen, stieg hinauf auf die reichlich vorhandenen und wohlbewachsenen Berge, oder nutzte nachts mein Schaumstoffkopfkissen mit passendem Loch zwischen dessen beiden Hälften.
   Die Nacht von Samstag auf Sonntag war total tabu. Denn eine nächtliche »Befleckung« war definitiv ein Kommunionshindernis, Todsünde. Dann musste man am Sonntag vor der Kirche »versehentlich« etwas essen und konnte sich damit ausreden, wobei die Ursache des unwiderstehlichen Sonntagmorgenhungers allen anderen stillschweigend klar war. (Kommunion gab’s nur nüchtern, total nüchtern.) War dann erst einmal der Damm gebrochen, waren Folgefolgen von sündhaften Wiederholungen irrelevant, bis zum nächsten Beichten. Moral war schwarz-weiß.

Die Sache lag mir schwer im Magen. Bis ich dann meine Abstinenzproblematik klassisch fromm anging. Gott sollte helfen. Ich gelobte, vor Gott und mir, für jede Selbstbefriedigung – die Bezeichnung ist heute gewiss überholt – fünf Mark zu spenden. Fünf Mark! Das war wirklich viel – wo wir doch wöchentlich nur fünfzig Pfennig Taschengeld bekamen, jedenfalls anfangs. Mein seliger Großvater väterlicherseits, ein herzenslieber protestantischer Priester, Prediger und Buchautor, schickte mir jährlich zum Geburtstag einen Brief mit Segenswünschen und zehn Mark. Ich kannte ihn damals noch nicht persönlich, lebte er doch im fernen Tübingen. Mein »hauptsächlicher« Großvater in Bozen, mütterlicherseits, war wiederum allzu großzügig zu mir und verwöhnte mich. – Eine Tüte Erdnussbutter (in Gläsern gab’s die nicht), die ich schon damals schätzte, kostete eine Mark zehn.
   Ich hatte mir in ganz falscher Einschätzung der Therapiedosierung je Rückfall fünf Mark Spende in die Kirchenkasse festgelegt – und wurde arm damit.
   Da habe ich hin- und herüberlegt, ein halbes Jahr lang vielleicht. Selbst Sekundärquellen wie Rückgriffe aufs Postsparbuch waren inzwischen nötig geworden. So ging’s nicht weiter.
   Gelübde lassen sich Gott sei Dank, wie ich herausfand, veränderten Bedingungen anpassen. Und gewiss war Gott für eine direktere, heute tät’ man sagen, virtuelle Gabe dankbarer, in the cloud. Ich wandelte die fünf Mark um in fünf Vaterunser und fünf Gegrüßet-seist-du-Marias. Fortan habe ich das dann so gehalten. Es war mühsam und relativ langwierig, aber der liebe Gott hat nicht gemurrt. Von »Don Camillo und Peppone« war er seit 1952 mit direkter Ansprache vertraut.
   Ich habe das noch lange so gemacht, bis sich mein Leben vom Katholizismus trennte, spätestens als ich protestantisch heiraten musste, weil katholisch zu heiraten Konvertieren meiner Frau erforderlich gemacht hätte. (Bei meiner zweiten Ehe – meiner ersten katholischen – war’s genau umgekehrt. Was für eine Scheinheiligkeit!) So musste ich meine ersten Kinder wie versprochen evangelisch erziehen. Damals bin ich gleich selbst innerlich mit hinübergeschwenkt zur Kirche meiner Frau. Mir fiel auf, dass Protestanten keine feste Lehrmeinung haben, und Laien predigen dürfen.

Der Katechismus der katholischen Kirche hingegen ist hochpräzise und ellenlang. Der aktuelle stammt scheint’s von 1997, deutsch 2005, und ist etwa siebenhundert Seiten lang. Ich bevorzuge deshalb den Online-Zugriff über https://www.vatican.va/archive/DEU0035/_INDEX.HTM . Das sieht dann dort so aus:

Speziell etwa die Todsünde, wozu in Kapitel 1856 steht: Da die Todsünde in uns das Lebensprinzip, die Liebe, angreift, erfordert sie einen neuen Einsatz der Barmherzigkeit Gottes und eine Bekehrung des Herzens, die normalerweise im Rahmen des Sakramentes der Versöhnung [= Beichte] erfolgt.
   Bei der Keuschheit geht’s ziemlich zur Sache. So sagt Kapitel 2339 (https://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P8B.HTM#SL_3.2.2.3.2.2339): Die Keuschheit erfordert das Erlernen der Selbstbeherrschung, die eine Erziehung zur menschlichen Freiheit ist. Die Alternative ist klar: Entweder ist der Mensch Herr über seine Triebe und erlangt so den Frieden, oder er wird ihr Knecht und somit unglücklich [Vgl. Sir 1,22. ]. „Die Würde des Menschen erfordert also, daß er in bewußter und freier Wahl handelt, das heißt personal, von innen her bewegt und geführt und nicht unter blindem innerem Drang oder unter bloßem äußeren Zwang. Eine solche Würde erwirbt der Mensch, wenn er sich aus aller Knechtschaft der Leidenschaften befreit und so sein Ziel in freier Wahl des Guten verfolgt und sich die geeigneten Hilfsmittel wirksam und in schöpferischem Bemühen verschafft" (GS 17). Eine Anleitung ist gleich mit dabei (2342): Selbstbeherrschung zu erringen, ist eine langwierige Aufgabe. Man darf nie der Meinung sein, man habe sie für immer erworben. Man muß sich in allen Lebenslagen immer wieder neu um sie bemühen [Vgl. Tit 2,1-6.]. In gewissen Lebensabschnitten, in denen sich die Persönlichkeit ausformt, erfordert sie eine besondere Anstrengung, etwa in der Kindheit und im Jugendalter. … Es geht ellenlang so weiter. Die Enthaltsamkeit vor der Ehe (Kapitel 2350) ist selbstverständlich. Praktische Konsequenz bis heute: Angehende katholische Religionslehrer und -lehrerinnen müssen sich besonders daran halten, sonst dürfen sie keinen Religionsunterricht geben. Denn:

Sprich: Sex nur zwecks Reproduktion. (Man beachte in 2351 am Ende das und ohne oder.)
 
Ist diese Haltung noch haltbar?
  
Nimmt man die »katholische Überlieferung« als Maßstab, dann muss freilich alles beim Alten bleiben, und es lässt sich alles erklären.
   Nimmt man das katholische Leben in seiner heute gelebten Form, dann nicht.
   Aus der Bibel lässt sich meines Erachtens dergleichen auch nicht ableiten, zumal genauso vieles andere nicht ableitbar ist, etwa die moderne Ablehnung von Sklaventum, das es in biblischen Zeiten selbstverständlich gab, siehe etwa https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/ex21.html#2 . Viele andere Gebote sind wie dieses angreifbar. Sie werden auch nicht mehr gelebt, oder nur sehr selten. Das macht diese Kirche institutionell scheinheilig. Dass der Himmel für viele ohne Gott ist, erlebte ich an der Zonengrenze: Auf meinen frechen Gruß »Grüß Gott!« kam oft die Antwort »Wenn’st ihn siehst«.
    
Der Katechismus muss weg. – Wenn, dann muss der neue kurz sein, einfach, und das christliche Alleinstellungsmerkmal »liebe deinen Nächsten wie dich selbst« als oberste Richtschnur haben. Ideen dazu bei mir auf https://blogabissl.blogspot.com/2020/11/wir-grunden-uns-eine-westkatholische.html .

Ich habe mich selbst wieder und wieder gefragt: Was hat die Religion gegen den Orgasmus? Für mich müssen Regeln mindestens plausibel sein. Der kurze Kick, den ein Orgasmus »im Hinterkopf« auslöst, trennt den Menschen einen Moment von Gott. Das darf nicht sein. Ein Trauma aber nimmt ebenfalls das ganze Bewusstsein in Beschlag, selbst ein guter Schlaf, ein Traum oder keiner in der Nacht. Du darfst nicht schlafen in der Nacht, welcher Gott könnte das fordern? Oder nur orgasmusfrei Kinder zeugen?  

Zwei Nachgedanken eines nun Neunundsiebzigjährigen.
   Keusch zu leben ist durchaus möglich, lange Zeiten lang. Sex ist keinesfalls eine biologische Notwendigkeit wie Speis’ und Trank. Jeder Rückfall jedoch, schon jede Beschäftigung der Phantasie mit dem Thema, lässt einen wieder zurückfallen in Gewohnheiten »normalen« Lebens. Sex macht süchtig.
   Ein Zweites: Sex habe ich selten bereut, meist ausgiebig genossen. Meine Untreue lag und liegt in der gedanklichen Beschäftigung mit anderen, »in Gedanken, Worten und Werken«, wie es heißt. Nicht verzeihen kann ich mir, andere enttäuscht zu haben in ihren Erwartungen, etwa auf Freundschaft statt auf Drängen, auf Sicherheit statt auf Überraschungen.  
   Und schließlich: Richtig gelitten habe ich nicht, wie vor ein paar Jahren ein Pfarrer voller Mitleid meinte. 

Eine erste große Liebe verband mich mit einem drei Jahre jüngeren Mädchen in einem privaten Mädcheninternat, weit weg auf der anderen Seite des Inns. Später hat sie mir mit der Hand Auszüge aus meinen Liebesbriefen an sie herausgeschrieben, 14.11.1959 bis 8.10.1961, ein Buch mit 105 Seiten. Sie ist leider 2013 mit 68 an Krebs gestorben (wie Libuše Šafránková aus meiner Geburtsstadt Brünn).

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Links
 
Hierher, zu diesem Blogeintrag: http://j.mp/fj3zwN3nx
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https://blogabissl.blogspot.com/2021/06/katholische-moral-um-1955.html
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Mein alter Vorschlag: Wir gründen uns eine westkatholische Kirche:

Franziskus’ »synodaler Weg« https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/cti_documents/rc_cti_20180302_sinodalita_ge.html

Jan-Heiner Tück in der NZZ dazu: https://www.nzz.ch/feuilleton/umgekehrte-pyramide-der-papst-will-weg-vom-zentralismus-ld.1628571 , Zitat: Vor allem die deutsche Kirche hegte Vorbehalte gegen Synoden, in denen die Hierarchie eine Beeinträchtigung der eigenen Autorität erblickte. Und: Die Ausübung bischöflicher Autorität soll durch synodale Verfahren besser abgestützt werden, politische Machtdelegation auf Zeit ist damit aber nicht angestrebt. 
 
Kommentare zu meinen Gedanken sind willkommen. Was sagt mein älterer Schulfreund (leicht angepasst): »Nach meiner Überzeugung ist Moral eine Art Codex für das friedlich-fügliche Zusammenleben des Menschenvolkes, also vernünftig. Das natürlich in stetigem Wandel und oft einvernommen durch religiöse Bindungen. Aus Vernunftgründen komm’ ich deshalb gut klar mit unseren zehn Geboten. Wo mir freilich in meine engste Privatheit reingeredet würde, steig ich aus, wenn ich der Überzeugung bin, dabei niemanden zu schädigen.« – Dazu sag’ ich jetzt nichts.

11. Juni 2021

Die Neunerprobe oder Kreuzprobe

Die Kreuz- oder Neunerprobe am Beispiel 22×23
Die Neunerprobe – wir haben Kreuzprobe dazu gesagt – ist eine beliebte schnelle Plausibilisierung, ob eine Multiplikation falsch ist. Fällt die Probe falsch aus, ist das Ergenbis sicher falsch. Geht sie richtig auf, so ist sie wahrscheinlich – aber eben nicht ganz sicher – richtig. Muss man in der Schule von Hand rechnen, ist das ganz praktisch.

· Erst rechnet man aus, was die Aufgabe will, hier links im Bild 22×23.
· Dann fragt man sich, ob 506 stimmen kann?
· Man macht ein Kreuz und setzt die Quersummen der beteiligten Zahlen ein, für 22 also 2+2=4 und für 23 5. (Ist die Quersumme mehrstellig, wird solange quergesummt, bis eine einstellige Zahl übrig bleibt. Die Quersumme von 1234 = 10, die von 10 dann 1 und damit einstellig.)
· Jetzt setzt man diese einstelligen Quersummen oben ins Kreuz und multipliziert sie, weil die zu prüfende Rechnung auch eine Multiplikation war. Das gibt 4 × 5 = 20, weiter gequersummt also 2. Das schreibt man unten links ins Kreuz.
· Zum Schluss rechnet man sich die Quersumme des zu prüfenden Ergebnisses aus, 506 : 5 + 0 + 6 = 11, weiter zusammengefasst 1 + 1 = 2. Das schreibt man unten rechts hin und freut sich, weil’s gleich ist wie links daneben.

Die Methode funktioniert, weil die Operation – hier das Malnehmen – auf der Quersumme der Zahlen genauso geht, wie an den Zahlen selbst. Dass das Ergebnis nicht eindeutig sicher richtig sein muss, erkennt man aus der Überlegung, dass die Quersumme vertauschter Zahlen (von »Zahlendrehern«) wie 605 statt 506 gleich herauskommt, 22 × 23 aber trotzdem nicht 605 ist.
   Und Neunerprobe heißt das Verfahren, weil man beim Quersummenrechnen eine Neun als Null nehmen kann. Beispiel 19, Quersumme 1 + 9 = 10, Quersumme 1 + 0 = 1. Da hätte man von der 19 gleich die 9 als 0 rechnen können und wäre so etwas schneller auf die Quersumme 1 gekommen.

Mehr verwirrt, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Neuner-_und_Elferprobe#Neunerprobe , wobei mich die  hohe Fehlererkennungswahrscheinlichkeit verblüffte.

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 = https://blogabissl.blogspot.com/2021/06/die-neunerprobe-oder-kreuzprobe.html

1. Juni 2021

Old “Lookout for Outlook”

Lookout. Lookout for Outlook, old program, says

Indexer Finished: red message ! Error (please see details) Could not access folder 

The yellow message is just a warning and basically says:
   “FA [my file name]: ignoring error: Could not access file FA, as in use”

File names may not contain blanks! I replaced “Imap 1und1” with “Imap.1und1.de” like in my other computer, and the error was gone.

If a process has grabbed a file in a folder, im my case it was Word, lookout indexer won’t index the specific file.

If you have questions, you are welcome to ask. I use lookout since many years and never stopped using it. FA is the file I have my texts and pdfs in.

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 = https://blogabissl.blogspot.com/2021/06/altes-lookout-for-outlook.html

29. Mai 2021

Kaspersky: Firefox u.a. spinnen. Kaspersky confuses Firefox

If Kaspersky drives your browser crazy follow https://www.thesslstore.com/blog/clear-hsts-settings-chrome-firefox/

Kaum hatte ich den neuesten »Kaspersky«-Virenscanner installiert, fing mein Firefox an zu spinnen:

Das war natürlich Blödsinn (dazu das Duzen ungehörig). Mein Rechner war online, was ich mit einem schnellen Ping auf meine Website prüfte.
   Nichts ging mehr, nicht einmal Google, toll.


Aha. Firefox hatte erst gar nicht ins Web gegriffen. »Am Wahrscheinlichsten ist das Problem durch die Website verursacht … «, meinte mein jahrelang geschätzter Russe, Herr Kaspersky. Und auch das war Schmarren.
   Ich löste das Problem – für mich immer noch eine Herausforderung! – durch Umbenennen der Datei C:\Users\joern\AppData\Roaming\Mozilla\Firefox\Profiles\jsm0znmx.default-release\SiteSecurityServiceState.txt – Aha?
  Welcher Datei bitte? Geben Sie in Firefox about:support ein, und Sie bekommen etwa diese Übersicht (unten abgeschnitten):



Sehen Sie unten den »Profilordner«? C:\Users\joern\AppData\Roaming\Mozilla\Firefox\Profiles\jsm0znmx.default-release bei mir.

Die Lösung stammt von Vincent Lynch, hier https://www.thesslstore.com/blog/clear-hsts-settings-chrome-firefox/ , dort Kapitel “How to Delete HSTS Settings in Firefox” unter “Manual Method for Firefox”.
   Firefox schließen, das Ding geht eh nicht …
   Jetzt im Profilordner die Datei SiteSecurityServiceState.txt aufsuchen und zum Beispiel in SiteSecurityServiceState.bak umbenennen oder gleich ganz löschen, jedenfalls sie für Firefox unerreichbar machen.
  
Firefox vertauensvoll neu starten. Er macht sich eine neue SiteSecurityServiceState.txt und ist’s zufrieden. Bier bitte:

Danach war für mich wieder alles in Ordnung. 

Die Geschichte hat zu tun mit einer besonders akkuraten Prüfung der nach https (s für sicher) verschlüsselten Webadresse nach HSTS (Hyperlink mit strikter Transportsicherung). Darauf gehe ich hier nicht ein, zumal ich diese individuelle Verschlüsselung von allgemein öffentlichen Inhalten für überkandidelt halte. Ich warte nur darauf, dass kommende Quantencomputer die Internet-Verschlüsselung beiseiteschieben …

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https://blogabissl.blogspot.com/2021/05/kaspersky-firefox-ua-spinnen.html

28. Mai 2021

»Während der Verarbeitung Ihrer Auswahl ist ein unerwarteter Fehler aufgetreten« bei Blogger


Bei Blogger, wenn Sie ein Bild ausgewählt haben, und es jetzt in Ihren Blogtext einfügen wollen, kann es plötzlich heißen: »Während der Verarbeitung Ihrer Auswahl ist ein unerwarteter Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es später erneut.«
   Der Fehler ist nicht trivial. Einen anderen Browser zu benützen, alles Mögliche neu zu starten, hilft alles nicht, nur korrektes Ausführen des Befehls. Der Fehler liegt in der Blogger-Software.
   Am nächsten Morgen geht’s wieder – ging’s wieder, bei mir, jedenfalls, zu meiner großen Erleichterung. Die Programmierung kostenloser Anwendungen wird immer schlechter. Früher gab’s wenigstens einen Fehlerkode oder eine Erklärung, und oder Support. Heute muss man im Netz suchen und landet bei Typen wie mir, die einfach verallgemeinern …

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 = https://blogabissl.blogspot.com/2021/05/wahrend-der-verarbeitung-ihrer-auswahl.html

Laptop-Mickymaus-Netzkabel entklumpen. Adapter

Beim Aufräumen gefunden! Ja, was iss des?

Es geht um das den üblichen Anschluss des Laptop-Netzteils an das Stromnetz, 230 Volt. Der Standard-Anschluss ist dreipolig, das heißt geerdet, und ja, ich weiß, dass das heute anders heißt. So sieht die Schwerlastverbindung aus:

Diese Schnüre mit Schuko vorn (Schutzkontaktstecker, 1925) und Mickymaus (Mickey Mouse, Kleeblatt) hinten sind für neue Laptop-Netzteile üblich. Sie sind ’ne Wucht. Die Netzgeräte übrigens auch:

Will man einen zweipoligen Eurostecker benutzen (ein »Euro-Netzkabel«),

so geht das auch, doch nur, wenn man mühsam und murksig den hemmenden Steg in der Mickymaus-Buchse wegstemmt, wegfeilt oder gar wegschmilzt. Weil das nicht jederfrau Sache ist, gibt’s Adapter, die’s gar nicht gibt.


Hier ist das Ding, genannt “Diamond Tech For Laptop PC 2 Pin Female to 3 Pin Male AC Cable Conversion Plug (Dell, HP, Acer, MSI) For Black YL – 3114”. Hersteller ist YL, Yung Li in Guangdong. Googeln Sie also nach "Yung Li 3114" und hoffen Sie auf einen Verkäufer. Bei Amazon gab’s die Dinger auch, sind aber angeblich »vergriffen« (Mai 2021). Bei Sears kostet das Ding $ 5 plus Versand.
   Hier wie’s hernach aussieht:

»Es ist möglich, ein handelsübliches Brillenkabel (2-polig) anzuschließen«

Jetzt noch Kleingedrucktes vom Herrn Ingenieur. Da die Zuleitung zum Laptop zweipolig erfolgt, meist innen + und außen abgeschirmt -, meist so 20 V=, ist nicht einzusehen, warum der Anschluss ans Stromnetz dreipolig, also geerdet sein soll. Das Netzteil ist aus Plastik, also berührungssicher, und braucht auch deshalb keine Schutzerde.
   Warum also sind Netzteile geerdet? Eine Erdung führt dazu, dass das Minus der Weiterleitung sicher auf Erdpotential liegt. Ist die Zuleitung zum Netzteil nicht geerdet, so flottiert (floatet) das Potential der Hauptplatine im Netzteil und damit der Minuspol vom Ausgang und stellt sich am ehesten auf die Mitte ein, 230 V durch zwei gleich 115 Volt. Das macht nichts, normalerweise.
   Wenn Sie aber einen Laptop oder ein Gerät mit metallischer Oberfläche angeschlossen haben, so spüren Sie bei Berührung ein zartes Kitzeln im Finger. Ein Feld-Wald-und-Wiesen-Prüfschraubenzieher müsste das anzeigen. Schreiben Sie mir Bescheid, ob das so ist. Jedenfalls handelt es sich um ein rein statisches Potential, Strom kann da nicht fließen, und mehr als Kitzeln werden Sie da nicht herausbekommen. Wollen Sie’s weghaben, müssen Sie dreipolig anschließen. Bloßes Umpolen hilft meiner Erinnerung nach nicht.

Link zu diesem Plogeintrag, zu diesem “Poust”: https://bit.ly/fj3erhrUk
 = https://blogabissl.blogspot.com/2021/05/laptop-mickymaus-netzkabel-entklumpen.html

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27. Mai 2021

Impfpass sichern: Name dazu auf Seite 20!

Beim Impfen soll man Ihren Namen und vielleicht Ihr Geburtsdatum mit auf die Seite 20 des gelben Impfhefts schreiben, bei den Aufklebern. Bitten Sie Ihren Arzt darum.
   Dann können Sie ein Foto oder einen kleinen Ausdruck als Impfbestätigung vorzeigen. Ich hab’s probiert, sogar ohne Namen, und das wurde gerne so angenommen.
   Das gelbe, eigentlich orange Heftchen »gemäß § 22 Infektionsschutzgesetz« hat sich die Weltgesundheitsorganisation gegen das Gelbfieber 1969 ausgedacht. Es ist bloß zusammengeheftet. Seiten können einfach ausgetauscht werden. Jetzt muss mit Pomp noch eine Pastikkarte mit Chip her oder gar eine »App«.
   Altötting hat sich eine Karte ausgedacht.

Dazu schreibt die Ärztezeitung: »Kein Impfpass, aber ein Impfnachweis: Eine Muster-Impfkarte mit dem englischen Musternamen John Doe liegt bei einem Pressetermin in Altötting auf einem Tisch. Der QR-Code ist auf der Rückseite. – Foto Landratsamt Altoetting /dpa»
  
Die Europäische Union hat sich auch was ausgedacht, scheint’s keine weitere Plastikkarte, sondern was auf’s Smartphone. Wer kein Smartphone hat in der Union, hätte Pech. Hier ein phantasievoller Screenshot, hautsächlich grün:
   Starten soll das am 1. Juli 2021. 

Ich will’s nicht vertiefen. Vielleicht geht’s wie mit der deutschen »Gesundheitskarte«, die eigentlich das natürliche Habitat von Impfangaben wäre. Sie sollte am 1.1.2006 starten und hat bis heute keine Patientendaten im Chip, nicht einmal die Blutgruppe oder Allergien. Die stets aktuelle Wikipedia berichtet (Juli 2009): »Im am ungünstigsten anzunehmenden Fall gehe man von einer vollständigen Funktionsfähigkeit erst in acht bis zehn Jahren aus, so der Pressesprecher der Firma gematik, Daniel Poeschkens, gegenüber Monitor. Die Gesamtkosten könnten dabei nach den internen Szenarien sogar auf 14,1 Milliarden Euro anwachsen«. Gold Card. Voraussagen lassen sich nur Sonnenfinsternisse.

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Das deutsche Bundesministerium für Gesundheit zum Impfausweis:
   https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus/faq-covid-19-impfung/faq-digitaler-impfnachweis.html

Die EU zum digitalen Impfausweis:
   https://ec.europa.eu/info/live-work-travel-eu/coronavirus-response/safe-covid-19-vaccines-europeans/covid-19-digital-green-certificates_de

Link hierher: http://j.mp/fj2QYw7Vt
 = https://blogabissl.blogspot.com/2021/05/impfpass-sichern-name-dazu-auf-seite-20.html

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Hier ein Impfausweis aus Kalifornien, groß wie eine halbe Postkarte::



 

25. Mai 2021

Drahtstifte


Nägel, also solche, die man wo reinklopft und nicht Fingernägel, solche Nägel sind in den allermeisten Fällen keine Nägel mehr. Sie sind »Drahtstifte«. Im Bild links immer noch angeblich sog. »Zimmermannsnägel« aus der Wikipedia.
    Klassische Nägel werden geschmiedet. Deshalb sehen sie eher eckig aus. Im praktischen Leben kommen sie nicht mehr vor, tut mir leid. Da muss man schon beim Behufeneines Pferdes dabei sein (hier ein Video von mir) und sich einen Nagel erbitten, der dann vielleicht so aussieht:

Ein Bleistift und ein moderner Hufnagel – Foto Jörn

Behufen, aus einer südtiroler Nachkriegs-Schulfibel

Die Wikipedia beschreibt noch rührend, wie Nägel vom Nagelschmied gemacht werden, aber den möcht’ ich sehen. Auch die Wikipedia gibt zu: »Heute werden Nägel aus Draht durch Kaltumformung gefertigt.« 

Drahtstifte

Moderne »Nägel« sind also Drahtstifte. Weil sie aus Metalldrähten gemacht werden. Das Metall ist weich, damit der Drahtstift nicht bricht, sondern sich im Zeifelsfall biegt (Ausnahme Bildernägel mit Messingkopf). Ja, was ein Häkchen werden will, das krümmt sich beizeiten – altes Sprichwort. Außerdem ist es dann leichter, bei der Herstellung einen Kopf dranzubekommen, durch Stauchen, Pressen. Wie das geht, beschreibt das Lexikon (Quellenangabe unten) ganz einfach so:

Herstellung der Drahtstifte. Das Material für die Drahtstifte ist hartgezogener Stahldraht von nicht zu großer Härte, damit die Kopf- und Spitzenbildung nicht zu schwierig wird. Die zur Herstellung der Drahtstifte dienenden Maschinen unterscheiden sich zunächst dadurch, daß die Kopfbildung entweder durch den Schlag eines von einer Feder betätigten Stempels (Drahtstift[schlag]maschinen) oder durch den ruhigen Druck eines von einer Kurbel bewegten Stempels erfolgt (Drahtstiftpressen). Die Leistungsfähigkeit der Drahtstiftpressen ist eine wesentlich größere als diejenige der Drahtstift-(schlag-) maschinen.

Eine Maschine, welche das Schneiden und Kopfanstauchen ausführt, ist in Fig. 2230 dargestellt. Von der Kurbelwelle a aus wird durch Kurbelscheibe b mit Zapfen und Pleuelstange c der Arm d des um den Spitzzapfen e e schwingenden Haupthebels f bewegt. Letzterer trägt das Obermesser g, welches in Gemeinschaft mit dem Untermesser h vom Blechstreifen i einen Nagel t abschneidet, der niederfällt und von dem um k1 schwingenden, mittels Feder angepreßten Hebel k erfaßt und an den Schieber l1 (Fig. 29) im Karten l angedrückt wird. Gleich darauf wird die um u1, schwingende Feder u von der Kurbelwelle aus durch Daumenscheibe x, Hebel w und Stangen v v so verdreht, daß sie den Nagel t vorläufig festhält, ehe das Obermesser g in die Höhe geht. Von der Kurbelwelle a aus wird nun durch Daumenscheibe m der zweite, um Spitzzapfen o1 o1 schwingende Haupthebel o gehoben, welcher seine Klemmbacke p der festen Klemmbacke p1 (Fig. 30) unterhalb des Untermessers h entgegenführt. Dadurch wird der Nagel festgeklemmt. Während der Arm d des ersten Haupthebels f niedergeht, geht dessen Arm f1 aufwärts und dreht durch Bolzen q den dritten Haupthebel r um seine Achse r1 aufwärts. Derselbe trägt den Stempel s, welcher durch Stauchen den Nagelkopf bildet.[572]

Maschine, die Drahtstifte herstellt, Details oben, AD 1905

Ich lasse es erst einmal gut sein. Zumal die Drahtstifte immer mehr durch Schrauben verdrängt werden. Das spart den Hammer, später einmal die Zange, und geht vor allem auch elektrisch rein und raus.

Schrauben

Schrauben sind moderne Befestigungsmittel. Nur Klebstoff ist moderner (meine Meinung). »Im Unterschied zu Nägeln haben Schrauben ein Gewinde, welches es ermöglicht, lösbare Verbindungen zu schaffen«, schreibt die vorbildliche Dachdeckerwiki, hier: http://www.dachdeckerwiki.de/index.php/Schrauben_und_N%C3%A4gel .  
   Ich gehe nur auf den Schaubenkopf ein, genauer, auf die Art und Weise, wie man die Schraube schraubt. Klar, werden Sie sagen, mit dem Schraubenzieher, und falsch sagen die Neunmalschlauen Ingenieure: mit dem Schraubendreher, weil er ja die Schrauben nicht zieht wie eine Zange, sondern nur anzieht, was aber wiederum zu sehr nach der Textilbranche riecht. Deutsche Sprach’ mit deinen zusammengesetzten Wörtern, besonders oben im Norden, wo Weichseln Sauerkirchen heißen. Doch ich schweife ab in den Süden.

So haben’s ausgeschaut, die Schrauben früher – Foto Jörn
Herstellungtechnisch genügt ein eingefräster Schlitz, fertig ist der Schraubkopf. Auf geht so eine Schraube notfalls mit dem Messer aus dem Essbesteck.
Kreuzschraube, “Phillips” (zwei l) im Englischen, Patent 1933 – Foto Jörn
Nach dem Krieg kamen diese Kreutschrauben auf. Mit dem richtigen Schraubenzieher gehen sie gut auf und zu, eventuell mit dem falschen auch. Ich empfehle für zwei Euro den universellen Elektroschraubenzieher von Conrad.
»Torx«-Schraube im Außeneinsatz – Foto Jörn
Torx-Schrauben sind so ungefähr das Modernste von gängig, 2021. Mit dem richtigen Werkzeug, und nur mit dem, dreht man sie ein und aus, ohne dass das Werkzeug raus tendiert; da gibt es keine schrägen Flanken. Deutsch genormt heißt Torx »Innensechsrund«. Vor allem lassen sich diese Torx-Schrauben mit der Pistole einschrauben, selbst am Dach mit einer Hand:
Torx-Schrauben-»Trockenbauschrauber« – Bild Bosch

Es gibt noch eine Menge anderer Schraubköpfe, zum Schutz vor laienhaftem Öffnen, zur Monopolisierung des Herstellers, zum Ärger des Beschraubten … Das lasse ich weg. Unten weitere Links.

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Link zu diesem Blogeintrag http://j.mp/fj3oKxCD6
 = https://blogabissl.blogspot.com/2021/05/drahtstifte.html

Schrauben und Nägel in der Dach-Wiki
   http://www.dachdeckerwiki.de/index.php/Schrauben_und_N%C3%A4gel

Muster Drahtsifte
   https://www.bauhaus.info/drahtstifte/c/10002173?redirected=true&adb_search=drahtstifte

Muster Holzschrauben
   https://www.bauhaus.info/holzschrauben-spanplattenschrauben/c/10000004?redirected=true&adb_search=holzschrauben

Muster Torx-Holzschraube
   https://www.bauhaus.info/holzschrauben-spanplattenschrauben/profi-depot-mehrzweck-schraube-turbo-drill/p/20089593

Muster Spax-Schraube
   https://www.bauhaus.info/holzschrauben-spanplattenschrauben/spax-universalschraube/p/10077514
   https://www.spax.com/de/service/technisches-lexikon/spax/
   https://de.wikipedia.org/wiki/Spax_(Schraube)

T-Star-Plus Schraubkopf
   https://www.spax.com/de/service/technisches-lexikon/spax-t-star-plus/

Nagelherstellung im klassischen Lexikon der gesamten Technik von Otto Lueger 1904
   http://www.zeno.org/Lueger-1904/A/Nagelherstellung+%5B1%5D

Und jetzt die Ergänzung meines Freundes HvB

Lieber Fritz,
   das ist er, der Schraubenzieher so um 1910, der noch eine Klinge hat:


Den Begriff „Zieher“ find ich deshalb stimmig, weil die eigentliche Schinderei oft gerade das Herausdrehen der Schrauben ist, da darf die „Klinge“ vorn nicht stumpf sein.

Ein englisches Modell, aus neuerer Zeit, etwa 30 Jahre alt:

Und dann der Klassiker heute, der Schaft der Klinge geht durch den ganzen Griff, mit sechskantiger Verstärkung:

Jetzt die Klassiker bei den Holzschrauben – mit Senkkopf und Rundkopf:

Später dann, im Weltreich der Akkuschrauber, die Legionen der Torx- oder Kreuz-Köpfe, selbstschneidend, selbstsenkend, auch aus Edelstahl, so verlegt man heute Riesenterrassen oder die hässlichen Metallbeschläge bei Carports: einfach reinpfeifen. Dafür das Vorbohren, ein eigenes Kapitel, hier ein Aufsatz mit Tiefenbegrenzung und Senkfräser:


 
Üben, üben ist also angesagt, sprich vorher wissen, wann das Holz reißt, und vieles mehr.
– Soviel von meinem Freund und Holzbearbeiter. 



23. Mai 2021

Mein Freund der Messerschleifer

Sie kennen den »Freund und Kupferspecht«? Ja? Der sollte genaugenommen ein »Kupferstecher« sein, unten mehr(1).
   Also: Mein Freund ist ein Hobby-Schleifer. Und das kam vermutlich so.
   In unserem Landschulheim-Gymnasium (»Oberrealschule«), siebzig Jahre ist’s her, blühte das Handwerk. Wir hatten Zeit, weil es noch kein Handy, kein Internet, keine »sozialen Medien« gab, höchstens Telefonzellen mit schwarzen Wählscheiben, und zu Stammtischen durften wir Zöglinge schon gar nicht. Vormittags – auch am Samstag! – war Schule, sechs »Stunden«, bis eins, und am Nachmittag für Interne Hausaufgaben und für alle Werken vielerlei Art: Schnitzen, Drechseln, Töpfern; inzwischen können die Schüler zusammen mit dem Abitur zu Tischlergesellen werden (und -gesellinnen, genderggenau!). Schön.
   Mein Freund hielt der Holzarbeit sein Lebtag lang die Treue – trotz intensiver Tätigkeit in hohen Kreisen städtisch-colognaler und westdeutscher Politik und PR. Er macht die wunderschönsten, praktischsten Sachen selbst aus echtem Holz. Und aus Metall. Während ich in der Schule beim Drechseln nur bis zu knappen Eierbechern kam. Meine edlen Brotschüsseln neigten am Ende zu fatalen Absprüngen gegen die Wand. Bruch, weil das Einklemmen des schnell drehenden Werkstücks gut und kräftig gemacht sein muss (von innen nach außen am Stehrand) und die Bearbeitung vorsichtig zart.
   In seinem Keller steht heute eine Drehbank, u.v.a.m. Dazu hat er die üblichen Veitel. In der hochdeutschen Wikipedia heißen die Beitel. Wir haben halt Veitel geschrieben und Feitl gesagt. Die müssen besonders scharf sein, sonst rupft’s beim Drechseln, es gibt unschöne Rillen statt einer glatten Oberfläche. Das Schleifen von Schnitzveiteln ist also anspruchsvoll. Auf die verschiedenen Formen gehe ich erst einmal nicht ein. Doch wir sind beim Thema.

Jedenfalls ist mein Freund ein Spitzenschleifer aus Passion. Das sind übrigens viele im Land und umanand. Jetzt zum Schleifen. 

Das Nützlichste, das Dauerhafteste, sagt er, ist eine Diamant-Sichtschleifscheibe.

Sichtschleifscheibe auf einem Handbohrer senkrecht montiert, also waagrecht

Ich erkläre erst einmal das teure, durchlöcherte Stück, das als »Diamant-Sichtschleifscheibe für Winkelschleifer« vierzig bis fünfzig Euro kostet und dafür ewig hält. Einen »Topf« zum Montieren auf einer dünnen Achse braucht’s vermutlich auch, trivial, und wieder knapp zwanzig Euros.
• Die Löcher sind (wie bei einem Morgensternschen Lattenzaun) zum Hindurchschauen. Die geben die Sicht aufs schärferwerdende Messer, wenn man die Unterseite benützt, die ihrerseits ebenfalls
• mit ganz feinen ultraharten Industriediamanten bestückt ist.
• Außerdem kühlen die Löcher das zu Schleifende.
• Die Diamanten sind so hart, häter als alles andere, es sei denn wiederum Diamant. Und da man nicht seiner Gattin ihre Juwelen schleifen will, sondern sonstwas, halten sie auf der Scheibe ewig, wie mein Freund bestätigt. 

Einen Winkelschleifer nutzt mein Freund nicht, den sehen Sie bei Amazon in Aktion in Bild 2, 3 und 4. Aber der Freund und Messerschleifer hat eine zweite Scheibe, die sekrecht montiert ist, so:

Dasselbe längs befestigt, mit einer Winkelschiene
Hier nun – und da sehen Sie, wie geschickt mein Freund ist. Jeder Dreher macht sich seine Hilfswerkzeuge, seine Spannvorrichtungen, seine Halterungen selbst, sodass seine Werkstatt zu einer einzigartigen, sehr persönlichen, speziellen Lebenssammlung wird. Sehen Sie den Winkel, den das feststehende Holz links vor der Scheibe bildet? Wenn er daran das Messer legt, dann schleift er den genau richtigen Winkel an. Hier in groß:

Je nach Kaliber der Schneide, kann mein Freund die mobile quadratische Platte (hell im Bild) mehr oder wenigger zubizwicken. Hier nochmal über der waagrechten Lochscheibe:

Und hier in Vorzeigeaktion:

Da liegt das Messer doch besser als lose in der Hand! Aber bitte: Der Geübte schleift freihändig, die Klinge vielleicht mit einem Klemmhandgriff haltend, an anderer, ebenso dauerhaften Scheibe, diesmal ohne Löcher:

Kommen wir zum Winkel. Denn wichtig ist der Winkel der Schneide, sozusagen der »länglichen Spitze«; wie beim Bleistift. Beim Messer will man meist die schärfstmögliche Schneide, besonders, wenn man rasch wieder nachschleifen kann und die Schleifscheiben, der Wetzstein oder Wetzstahl oder -stab nahe hat. Dauerhafter ist eine stumpfere Schneide, sagen wir bei einer Axt oder gar einer Spitzhacke.

Links – etwa für ein Küchenmesser – meist etwa insgesamt 30°. Beim Schleifen Seite für Seite muss man das Messer dann jeweils 15° schräg halten.

Über der großen Schleifscheibe hängt so ein großes S. Das ist dann der einstellbare Winkelgeber. Wie das geht, ist eine andere Sache, im Film dann zu sehen. Mein Freund, erfahren, macht das meiste freihändig oder mit seinem Holzwinkel von 15°.
   Solche hölzerne 15°-Winkel gibt’s auch ganz billig unter zehn Euro, oft als »Winkelhalter« oder »Schleifhilfe« bezeichnet. Hier ein Klemmmodell aus Plastik:

Das ist eine Schleifwinkellehre. Sie macht aus dem Schleifen eine Wissenschaft. Am besten sehen Sie sich dazu das Filmchen an, das zeigt alles, zehn Minuten: https://youtu.be/7dz1zdoYuB0

Die schleifenden Diamanten gibt’s auch aus der Tube, Stichwort Schleifpaste. Siehe etwa »Tormek PA-70 Abziehpaste für Lederabziehscheiben«. Das ist dann schon der allerletzte Schliff, vielleicht für Rasiermesser.

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Kommentar meines Schleiffreundes (Hervorhebungen durch mich)
 
Noch zu Ergänzung jetzt: Die festgläubige Gemeinde der „Nassschleifer“ versammelt sich in ihren Kirchgängen vor allem um die schwedische Marke Tormek. Ein Bein habe ich dort auch, wohl wissend, dass man dann eben Kultiges praktiziert. Ein bisschen selbstverliebt sind die Tormeker (als Opfer eines guten Marketings) in die Perfektion des Schleifbildes eines makellosen Schliffs eines Beitels, schulbuch-winkelgenau und äußerst schonend dem Stahl abgerungen durch nassen Schliff, die Schneide dankt es durch lange Standfestigkeit. Fast zu schön, um sie dann zu benutzen, denk’ ich manchmal.
  Und da scheiden sich eben doch die Geister, es muss ja weitergehen, Nassschleifen ist ein Geduldsspiel, der Materialabtrag ziert sich.
Bild HvB
Die Diamantscheiben von Kaindl – im Bild ganz links oben grau – bieten hier einen guten Kompromiss zwischen perfekter Schönheit des Schliffs und möglichst geringer Hitzeentwicklung beim Schleifen, das aber recht zügig. Kurzum, einen Beitel mal schnell zwischendurch wieder auf Schärfe zu bringen, wird beim Nassschleifen vermutlich nicht klappen. Und doch: Die Lederscheibe von Tormek und die passende Polierpaste geben dem frisch (aber trocken und schnell) geschärften Beitel ein tolles Schärfe-Finish.
 
Noch »Senf« von mir:
   In meinem holzbearbeitungfreien deutschen Standardhaushalt habe ich zwar einen amerikanischen Arkansas-Schleifstein, den ich 1971 in Cupertino gekauft habe:
»Buck Knives Famous for Holding an Edge Hard Arcansas Stone No. 130«
(Kosten unter zehn Dollar als Altertümer auf Ebay)
Ich benutze aber seit neuestem einen Wetzstahl für acht Euro von Pearl:
 
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Link hierher http://j.mp/fj3vgxm0S
 = https://blogabissl.blogspot.com/2021/05/mein-freund-der-messerschleifer.html

 Besucherzaehler

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Goldspecht

https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Mein-lieber-Freund-und-Kupferstecher

https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/kultur/woher-kommt-mein-lieber-freund-und-kupferstecher-100.html