22. November 2022

Wonne beut er

Seht ihn weithin herrlich schreiten, Licht verbreiten; Nacht zerstreut er, Leben, Fried und Wonne beut er.

Soweit das Original. Was Wonne ist, das weiß man: was Schönes, Angenehmes, im neuen katholischen Messbuch »Gotteslob«: Nummer 360:

Aber beuen, ein Verb? Falsch, beut kommt nicht von einem beuen sondern einfach von bieten, zweisilbig. Meint der Duden: ältere Form von „biete[t]“, bieten. Da würde ich ja singen: Wonne bringt er. Wenn ich singen könnte …

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Sport und Moral

Manuel Neuers Kreation

One-love-Zeichen
Wir basteln uns eine Armbinde mit mehrfarbigem Hintergrund oder mit goldigen Herzen und Händen, und meinen »ein Zeichen gegen Homophobie, Antisemitismus, Rassismus und für Menschenrechte und Frauenrechte«. Sowas weiß man!
   Leider hat sich die Fifa längst schon etwas einfachere Kapitänsbinden einfallen lassen, offizielle, deren Bedeutung selbst schlichten Spielern klar wird:

Die eher langweilige offizielle Binde gibt’s hier für fünf Euro plus drei für den Versand, wahlweise in vier Farbstellungen. Damit man auch zu Hause Kapitän werden kann. Soweit so schön.

Dass der Kapiän oder die Kapitänin für dies und das stehen, muss man sich dazu denken. Persönlich stehe ich zum Beispiel bei der »Ehe für alle« auch für Vielweiberei, die ja in vielen Religion und Ländern Sitte ist. So könnte man Scheidungen sparen.Wenn nun beispielsweise muslimische Länder fußballspielen, so stehen sie gewiss auch dafür, nicht wahr? Oder sind’s jeweils nur einzelne Spieler? Leisten könnten sie sich das bei ihren Top-Gehältern gewiss – eine notwendige Bedingung für Zweit- und Drittfrauen, wie ich höre. Ob nun allerdings im Sinne der Gleichberechtigung auch Frauen mehrere offizielle Männer haben können, das weiß ich nicht, zumal ich mir das niemals leisten könnte.

Was ich damit sagen will? Lasst doch jeden nach seiner Façon selig werden. Macht individuell oder bei anderen Gelegenheiten Reklame für Moral und Sitte. Beim Fußballspielen denkt man doch mehr an die Tore. Aber das mag jede und jeder sehen, wie sie-er das will.

PS. Hat die Welt nicht größere Sorgen als Homophobie, Antisemitismus, Rassismus, Menschenrechte und Frauenrechte? Vielleicht eine mordende Spezialoperation irgendwo im Osten?

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18. November 2022

Heilige Messe mit Bibelteilen. Christliche Geselligkeit

Gestern am Donnerstag pilgerte ich im nasskalten Wetter zu einer »Messe mit Bibelteilen«. Sonst gehe ich unter der Woche nicht in die Messe. Eine fromme junge Lektorin, groß und mit schönstem Gesang, hatte mich eingeladen und versprochen, im Gegenzug zu einer unserer samstäglichen Friedensgebete zu kommen.

Noch rechtzeitig komme ich in die höhlig-dunkle Backsteinkirche. Meine »Gastgeberin« winkt mir zu, fast erkenne ich sie nicht wieder. Um ein offenes Oval stehen Stühle. Gegenüber von uns sitzen zwei Gläubige; so sind wir insgesamt unser vier. Ein Tisch, der sich später als Altar herausstelt, steht in einem Brennpunkt, im anderen sind Mikrophone und der Ambo – der ist des Katholiken Rednerpult, hier allerdings unerhöht direkt am schwarzen Schieferboden:
Schieferfußboden in Stankt Franziskus, Bonn

Dort sehe ich eine wilde Flamme und von fern das Meer mit hohen Wellen heranbrausen, doch das ist nur Einbildung zum zerstörerischen Evangelium dieses Tages, Lukas 19, 41 bis 44.

Unser Pfarrer, ein promovierter Physiker, liest die Messe bis zu diesem Evangelium. Wir singen noch Halleluja und schweigen uns dann an. Alle versuchen, etwas Kluges zu der angekündigten Zerstörung Jerusalems zu sagen. Wir kommen bis zum »himmlischen Jerusalem«, wissen allerdings als noch Lebende wenig davon. Es bleibt die Hoffnung, der Glaube hoffentlich auch. Die Messe mit Kommunion, wie heutzutage immer (sogar am Karfreitag!), geht ernst und mit einem extra Stück gregorianischen Gesangs vom Organisten zu Ende. Missi sumus, geschickt sind wir und weg. 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/38/Durnholz.jpg
 Durnholz. Am Haus rechts die hölzerne Veranda. Da war das Gasthaus vom Pfarrer. Längst geschlossen. Bild Wikipedia

Mir fällt Durnholz ein. Vor Jahren betrieb der Pfarrer da auch das örtliche Gasthaus. Man saß in der Veranda, blickte ins Tal hinunter, und kam vielleicht ins Gespräch. Auch an eine evangelikale Kirche in Kalifornien muss ich denken, die auf ihrer Website gleich als Allererstes anpreist “FREE PANCAKES at all three in-person services!, schauen Sie nur selbst.
   Ja, wie heißt es doch im Profanen: Mit Speck fängt man Mäuse. Die Jünger fischten ihre Fische mit Netzen. Menschen fängt man so nicht, die muss man ködern.
   Ich wäre mit der kleinen Runde noch gern auf ein Gyros mit Pommes oder eine Linsensuppe gegangen. Gerade die immer noch übrigen Christen sind oft sehr interessante Persönlichkeiten
, haben vielleicht wie ich Interesse sich auzutauschen, und dazu brauchen wir Gelegenheiten, wir möchten etwas Gemeinschaft, Gemeinde, unverbindlich zwar wie für einen Gasthaus- oder Kinobesuch, aber dann doch. Also: Lasst uns Christen gesellig sein!

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8. November 2022

Der Kleingläubige



Erstkommunion in Bozen
Getauft, das erst Mal, wurde ich protestantisch, noch im Krieg, noch im Osten, persönlich von meinem seligen Großvater väterlicherseits. Das zweite Mal dann katholisch in Bozen, offiziell als »Eventualtaufe«, weil man ja nicht wiedertaufen darf. So konnte ich mit meiner Klasse zur Erstkommunion gehen, noch im selben Matrosenanzug wie zur Taufe und genauso zur Firmung in der Pfarrkirche.
   Viel später habe ich dann in Berlin protestantisch geheiratet und musste versprechen, Kinder auch so zu erziehen. Für mich Katholiken war das eine lange, interessante Zeit und gute Lehre.

   Jetzt lebe ich im Rheinland und denke wieder katholisch und habe in der Bonner Stiftskirche meine »Heimatkirche« gefunden. Da beten wir im kleinen Kreis am Samstagmittag Fürbitten für den Frieden.

   Wir bitten dann den unseretwegen anwesenden Herrgott (
»Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen«) um weniger Leid, weniger Grausamkeiten, Vertreibungen, überhaupt Schlimmes, Bomben und Raketen. Meist aber sind unsere Bitten länger und weniger direkt. Zuweilen ist mir das im Stillen nicht so recht. Meist aber spricht mir’s aus der Seele. Warum?

Ich bin ein Kleingläubiger, ein schwacher Christ. Ich glaube, Gott setzt seine Allmacht nicht ein, er versetzt keine Berge, auch wenn wir’s glauben. Starkregen sehen wir nur meterologisch. »Was Gott tut, das ist wohlgetan« mag stimmen – doch er tut nichts. Mag jeder glauben, was er glaubt, ihm danken mit einem »Gott sei Dank!«. So viele Zufälle bestimmen unser Leben, da könnte Gott wohl Einfluss nehmen.

Ich vermute, dass nur mehr wenige Christen an ein direktes Eingreifen Gottes glauben, zeitlich so etwa seit dem Holocaust.
   Auch die ganze schöne Schöpfungsgeschichte darf man nicht wörtlich nehmen. »Gottes Geist schwebte über dem Wasser«, wie eine Drohne? Schöner Gedanke, doch unvorstellbar.
   Wichtige Teile des Alten Testaments sind mir ein Graus, all die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, nach dem Himmel, dem ewigen Leben. Die erste der beiden Pflichtlesungen in der Messe könnte man – meiner laienhafter Meinung nach – getrost streichen, und nur die Mahnungen der Apostel an die ersten Christen aus der zweiten Lesung betonen; überhaupt mehr zu einem christlichen Leben mahnen, wie das früher geschah. Und: Schriften sollten sich auf’s erste Lesen erschließen, nicht erst nach Deutungen, gerade heute. Davon gibt es genug in der Bibel. Der Priester müsste sie nur frei auswählen können, oder?
 
  Denken wir ans Jenseits, so ist unser katholischer Glaube abstruser. Ich habe das noch in der Schule gelernt, mit Ablaßtagen und Fegefeuer, nicht nur Himmel und Hölle. Wenigstens ist die Vorhölle (der Limbus) dichtgemacht, wie uns der Spiegel 2007 berichtete. Das Fegefeuer (Purgatorium) brennt aber noch (trotz Energiekrise). Dazu offiziell der Vatikan: »Das Purgatorium ist der Zustand jener, die in der Freundschaft Gottes sterben, ihres ewigen Heils sicher sind, aber noch der Läuterung bedürfen, um in die himmlische Seligkeit eintreten zu können« (Quelle https://www.vatican.va/archive/compendium_ccc/documents/archive_2005_compendium-ccc_ge.html Abs. 210).Viele, viele glauben nicht mehr an die Hölle, ans Fegefeuer schon gar nicht. »Was, Sie glauben noch an die Hölle!«, fragte mich eine betagte Gläubige in unserer Gemeinde. Ich war überrascht. Und eine evangelische Pfarrerin gestand mir jüngst Einzelheiten ihres Glaubens an die Ewigkeit: Gott ruft uns zu sich, verpasst uns erst eine peinliche Standpauke, und wendet sich am Schluss als guter Hirte zu uns und nimmt uns gnadenhalber alle mit in den Himmel. – Protestanten dürfen das, sich einen je eigenen Glauben richten, Katholiken sind an den Glauben der Kirche gebunden.

Bei den Fürbitten hätte ich persönlich gerne nur die, die Gott in uns agieren lassen, uns trösten, warnen, hüten – nicht die Bitten, die Gott um weltbewegende Taten angehen. Gott ist in uns. Dort wirkt er, nicht in der freien Natur. Da gelten die Naturgesetze. Andere nehmen Globuli oder werden von Placebos geheilt. Honi soit qui mal y pense. Wir beten um ein langes Leben – und sterben doch.

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6. November 2022

Korrekturen

 Wie sag’ ich’s meinem Kinde?
   Ziemlich tief im vorigen Jahrhundert war ich Leiter Kommunikation großer Untternehmen. Zuletzt sprach ich für etwa fünfzehntausend Mitarbeiter (als das generische Maskulinum noch unaffällig dafür sorgte, dass Mitarbeiterinnen automatisch dazuzählten). Als eifriges Mitglied der »Gesellschaft für deutsche Sprache«, GfdS (mit richtig kleinem, bescheidenem Eigenschaftswort), haben wir um die Rechtschreibreform gerungen. Zuerst wollten die
– wie im Englischen – alles kleinschreiben, damit es die Schüler beim Schreiben leichter haben. (Ist aber wg. höherer Entropie schlechter lesbar.)

Damals gab es den Beruf des Korrektors, oft auch vornehm Lektor genannt. Wolfgang Emmelmann war der beste, Gott hab’ ihn selig! Er schrieb selbst auch tolle, angeblich total erfundene Lebensgeschichten. Die habe dann ich ihm korrigiert, denn vier Augen sehen mehr als zwei.

Seit damals bin ich korrektursüchtig. Ich finde überall was vielleicht Falsches. Das mögen die Leute nicht, die’s geschrieben haben. Komisch: Kürbissuppe darf man kritisieren, »etwas zu scharf gewürzt«, die Köchin findet sich gewürdigt. Aber Kürbisuppe anzustreichen, das ist schulmeisterlich inopportun. Ich weiß. Der Schreiber denkt, man habe den Inhalt nicht gelesen, worauf’s ja allein ankommt. Dabei liest sich Korrektes einfach besser, flüssiger, hemmungsloser. Jedenfalls alsa Alter.

Meine jüngste Tochter, 21, schreibt praktizierenderweise kleine Schminkanleitungen online. Fetzig, doch nicht immer ganz fehlerfrei. Nur Brigitte Carla Jörn googeln, inzwischen tut’s auch Brigitte cjo, und schon hat man sie, jedenfalls jetzt. Ich zitiere ein kurzes Stück, was wohl erlaubt sein wird:
… Skull-Look. Hierbei startest du mit deiner normalen Make-up-Base. Beim Konturieren hört es dann allerdings auf mit der Natürlichkeit. Es wird extra dick aufgetragen, um den Skelett-Look zu schminken. Unter den Wangenknochen und an den Seiten der Stirn wird mit einem dunklen Konturpuder konturiert, für einen noch dramatischeren Look kannst du auch zu schwarzem Lidschatten greifen. Auf dem Mund wird das Skelett-Gebiss mit schwarzem Make-up angedeutet. Im letzten Schritt, lässt du deine Nase durch die schwarze Form scheinbar verschwinden. Keine Sorge – die Linien müssen nicht perfekt gemalt sein, denn grobe Linien geben dem Skelett-Look Charakter. Um dem creepy Make-up einen Touch Glamour zu verpassen: Dazu ein Smokey-Eye mit Glitzer-Highlight auf dem Lid (dafür am Besten einen Liquid-Eyeshadow benutzen).

Meine ausführlichen »Korrekturen« habe ich ihr auf Papier gegeben, zusammengetackert mit umgedrehtem Tackerteller, lesen war ganz freiwillig. Feedback zum Feedback steht aus. Weil ich eben weiß, dass niemand kritisiert werden mag – es sei denn, er fragt ausdrücklich darum. »Nun, hast du was gefunden?«, fragte mich gestern eine Autorin. »Freilich«, sagte ich, und nicht mehr. Und dann hat sie weitergefragt. Ein Fehler. Hernach war sie, sagen wir, etwas pikiert. Tough Luck. 

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2. November 2022

Nicht nur Würde und LGBT …

 … sind »unantastbar«, der ganze Mensch ist es! Es wird Zeit, dass sich die historisch ersten Verfechter von Moral und Sitte, die Religionen wieder mehr um Grundsätzliches kümmern. Es sind eben nicht nur Nichtregierungsorganisationen wie “Human Rights Watch” – selbsternannte »Wächter der Menschenrechte« – die sich aufregen über zum Himmel stinkende Missetaten. Unsere Kirchen müssen wieder Moral lehren und fordern.

Natalja Nosowa in “Russia beyond” 28.6.2018
Kein Mensch darf körperlich angegriffen werden, unter keinen Umständen, seien es seine Fehler oder unsere Meinungen. Gewalt ist eine No-go-Area! Ausreden, Begründungen, Erklärungen tun da gar nichts zur Sache. Sie verschleiern nur die Schwere jeden Angriffs, jeder Tat gegen einen Mitmenschen. Anfassen mit Gewalt, selbst Niederschreien oder nötigen, das sind – leider richtiger seien – Tabus. Erzähl mir nicht warum du was getan oder unterlassen hast! 

Dieses Grundverständnis muß »ohne Wenn und Aber« immer da sein, selbst im Suff, möglichst auch im Wahnsinn, in der schlimmsten Verwirrung, im verständlichsten Hass, in der tiefsten religiösen Überzeugung. Ich denke da an Allah-Rufe vor der Detonation seines Spreggürtels.

Aber auch daran, dass die katholische Kirche gebietsweise die Beichte paktisch abgeschafft hat, ich vermute, weil den Priestern das Herumsitzen im Beichtstuhl zu langweilig wurde, ähnlich wie die tägliche Pflichtmesse. Beichten ist unangenehm. Da bin ich böswillig, ja, aber warum bitte darf im Religionsunterricht meines Wissens nicht Moral gelehrt werden, wie mir die Religionslehrerin meiner jüngsten Tochter gestand – auf den Lehrplan-bestimmenden Staat verweisend? 

Sitte, Moral, ja Empathie müssen eingeübt werden, gezeigt, angesprochen. Gründe selbst für Morde, Quälereinen, Intoleranz gegen alle möglichen Ausländer, Andersgeschlechtlicher, Armer finden sich leicht. Die gibt es aber nicht. Das Gewaltmonopol – schon das seltene Wort lässt bloß an Zündhölzer denken – hat nur der Staat, der gefälligst demokratisch zu sein hat … 

Beim Essen haben wir das hinbekommen: Früher Fleisch am Freitag, Schweinefleisch bei Muslimen und Veganern, Milch mit Laktose, etc. sind manchen ganz natürlich verboten. 

Mitmenschen auch nur gewaltsam körperlich zu tangieren, das zu vermeiden müssen wir wieder lernen.

Danke für Ihr Verständnis!

Dazu lese ich in der NZZ über den gewaltsamen Tod eines Busfahrers in Südfrankreich und die «violence gratuit», die willkommenen Gelegenheiten so nebenbei gemeinsam einen zu Tode zu prügeln.

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28. Oktober 2022

Jetzt der Dreifachwumms

 




 

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5. Oktober 2022

Rechtschreibfehler – der häufigste, der schlimmste

Hier ist er, der häufigste Fehler im Deutschen: der Bindestrich, wenn er fehlt. Im Gegensatz zum Englischen muss man zusammengehörige Wörter entweder zusammenschreiben, z.B. Haustürschlüssel, oder darf (und muss) »durchkoppen« zum Haustür-Schlüssel, oder Apple-Computer, oder Gänswein-Straße. Ab drei Wörtern in einem Wort darf man koppeln, etwa Festplatten-Anschluß. Aber das ist nicht so genau. Hauptsache: Der Leser erkennt sofort den Zusammenhang. Ein Vorteil gegenüber dem Englischen.

Der schlimmste Fehler – meiner Ansicht nach – ist ein das anstelle eines dass. Dass das schlimm ist, das merkt der Leser, wenn er den nachfolgenden Satz auf Anhieb verstehen will. Oder wenn er oder sie laut vorliest. Das hat ein langes a, dass ein kurzes, wie Mass, sprich Moss.
   Konsonantenverdopplung sagt einem in vielen Sprachen, dass der vorlaufende Vokal kurz zu sprechen ist, etwa in ragazzo, langes a vorn und vor den zz kurzes a. 

Siehe auch https://blogabissl.blogspot.com/2022/06/das-oder-dass.html 

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4. Oktober 2022

Die Apfel-Strafmaßnahme der EU

Das ist ein Korb mit Äpfeln. Sie sind so groß, wie es die Natur auf unseren alten Apfelbäumen am Siebenfahrerhof gibt, und heuer ungeahnt saftig und süß. Alles Bio, aber nicht standard, nicht einklassifiziert. Das können’s hier lesen, sogar in amtlich unerlaubtem Gender*deutsch, aber … egal. Die Äpfel dürfen nicht nach Russland. Überhaupt nicht. Keine Äpfel.

   Die Geschichte beginnt 2014. Hier steht sie im einzelnen: »Mit Putins Apfel-Embargo begannen unsere Probleme.« Frank Döscher gibt da einen Apfelbauer-Erlebnisbericht. Natürlich nimmt Döscher an, dass Putin keine Äpfel mehr essen wollte. 

War das so? Oder hat die EU angefangen? Ich versuche, das herauszubekommen; Brüssel hat versprochen zu antworten. Die Schweiz ist da schon neutraler: «Polens Obstbauern droht eine Wiederholung der ersten Sanktionen gegen Russland in den Jahren 2014 und 2015. Damals war den Apfelerzeugern mit dem EU-Embargo gegen Moskau auf einen Schlag der wichtigste Abnehmer im Ausland weggebrochen.» Beim Schweizerbauern steht was von einem EU-Embargo …Also was?

Hier eine Meldung vom Deutschlandfunk vom 19. August 2014, wo klar gesagt wird: »Riesenäpfel vom Bodensee finden in diesem Sommer [schon 2014!] keinen Markt, denn sie sind vom Export-Stopp nach Russland betroffen. In Deutschland will sie niemand«. Pech auch, für Schwaben wie für russische Mütterlein. Alles über die Apfelgrößen gibt es hier in Kapitel römisch III, Seite 19. (Zur »Süße« eines Apfels gibt es das Maß Grad »Brix«, °Brix, siehe Wikipedia und z.B. hier und vielleicht hier.) Jedenfalls hat dieses Embargo den Krieg noch nicht beendet und nur Ärger gebracht, allen Seiten. Planwirtschaft ist halt nicht so einfach.

–– Wird fortgesetzt, wenn ich mehr weiß. Am 10.10. um 18.25 wurde mir aus Brüssel eine Antwort »innerhalb von drei Arbeitstagen« angekündigt … Sie kam am 25. 10. – nicht alle Tage sind ja Arbeitstage – und enthielt einen Wust von Textbausteinen (siehe unten 1), kein Wort aber über Äpfel. Mit Mühe konnte ich einen Verweis auf deutsche Behörden entdecken: »Daher möchten wir Sie bitten, sich zur Klärung Ihrer eigenen Situation und der Umsetzung von Sanktionen an Ihre zuständige nationale Behörde zu wenden. Die Kontaktdaten finden Sie in den einschlägigen Ratsverordnungen (siehe z. B. Anhang I hier: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1575552869916&uri=CELEX%3A02014R0833-20190709). Wir haben auch eine umfassende Liste der zuständigen nationalen Behörden auf unserer Website veröffentlicht: https://ec.europa.eu/info/sites/default/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/national-competent-authorities-sanctions-implementation_en.pdf « – Ich komme da bis zu einem »Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)« in Eschborn mit der »Website: www.ausfuhrkontrolle.info/ausfuhrkontrolle/de/embargos« – und die kommt nicht, Zeitüberschreiung. Warum soll ich eine deutsche Behörde fragen, wenn die EU eine Sanktion erfunden hat?

Direktlink hierher:
   https://blogabissl.blogspot.com/2022/10/die-apfel-strafmanahme-der-eu.html
 

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1) Volle Antwort aus Brüssel:

Sehr geehrter Herr Jörn, 

vielen Dank für Ihre Anfrage an das Europe Direct Kontaktzentrum.

Die von der EU beschlossenen restriktiven Maßnahmenpakete sind weitreichend und decken mehrere Sektoren ab. Diese Sanktionen sind eine verhältnismäßige und wirksame Reaktion, die mit unseren internationalen Partnern abgestimmt ist. Die Sanktionen sind skalierbar, und wir denken weiterhin über zusätzliche Maßnahmen nach, um auf die Situation vor Ort zu reagieren und auch auf mögliche Umgehungsversuche zu reagieren.

https://eu-solidarity-ukraine.ec.europa.eu/eu-sanctions-against-russia-following-invasion-ukraine_de

https://finance.ec.europa.eu/eu-and-world/sanctions-restrictive-measures/sanctions-adopted-following-russias-military-aggression-against-ukraine_de#sanctions

Bitte beachten Sie auch die spezielle EUR-Lex-Seite mit den EU-Maßnahmen zur Solidarität mit der Ukraine: https://eur-lex.europa.eu/content/news/eu-measures-solidarity-ukraine.html?locale=de

Darüber hinaus finden Sie auf der EU-Sanktionskarte einen aktuellen Überblick über die geltenden restriktiven Maßnahmen der EU, auch gegen Russland. Die Karte kann nach den betroffenen Ländern und Einrichtungen, der Art der restriktiven Maßnahmen und den Rechtsakten, auf die sie sich beziehen, gefiltert werden. Sie wird ständig auf der Grundlage der im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichten Änderungen der Sanktionsregelungen überprüft. Karte der Sanktionen: https://www.sanctionsmap.eu/#/main

Bitte beachten Sie, dass die Mitgliedstaaten für die Umsetzung der EU-Sanktionen verantwortlich sind. Die Europäische Kommission ist nicht befugt, einzelne Fälle der Anwendung von Sanktionen zu beurteilen. Daher möchten wir Sie bitten, sich zur Klärung Ihrer eigenen Situation und der Umsetzung von Sanktionen an Ihre zuständige nationale Behörde zu wenden. Die Kontaktdaten finden Sie in den einschlägigen Ratsverordnungen (siehe z. B. Anhang I hier: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1575552869916&uri=CELEX%3A02014R0833-20190709). Wir haben auch eine umfassende Liste der zuständigen nationalen Behörden auf unserer Website veröffentlicht: https://ec.europa.eu/info/sites/default/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/national-competent-authorities-sanctions-implementation_en.pdf

Wir hoffen, dass Ihnen diese Informationen weiterhelfen.  Bitte kontaktieren Sie uns erneut, wenn Sie weitere Fragen zur Europäischen Union, ihren Aktivitäten oder Institutionen haben.


Created on: 2022-10-10 18:24:02
Contact language: de
 
Es geht um die Embargomaßnahmen gegen Russland bei Äpfeln. Ich möchte wissen, 
wer damit angefangen hat: Russland oder die EU? Meines Wissens gab es schon
2014 oder früher Sperren. Gibt es EU-Gesetzblätter, die die Apfelsperre(n)
ankündigen oder aufzeigen? Mit freundlichen Grüßen
 

Mit freundlichen Grüßen
Europa Direkt Kontaktzentrum
Wir beantworten alle Fragen rund um die EU.


Mit der rechten Maustaste hier klicken, um Bilder downzuloaden. Um Ihre Privatsphäre besser zu schützen, hat Outlook den automatischen Download dieses Bilds vom Internet verhindert.

Bitte beachten Sie, dass die von Europa Direkt zur Verfügung gestellten Informationen nicht rechtsverbindlich sind.

Wir möchten Ihnen vier Fragen über die Anfrage stellen, die Europa Direkt gerade beantwortet hat.

Die gesamte Umfrage wird nur drei Minuten Ihrer Zeit in Anspruch nehmen : Hier


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Gemeinsam schaffen wir es: Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Solidarität. Das sind unsere gemeinsamen europäischen Werte. Die Invasion der Ukraine durch Russland hat unter anderem gezeigt, dass unsere Demokratie, unsere Wirtschaft und unsere Energieunabhängigkeit eng miteinander verflochten sind. Treten wir für unsere Werte ein, um unsere Zukunft und die Zukunft unserer Familien, das Klima und den Planeten zu schützen.
YOU ARE EU
 

Ende der Mail aus Brüssel

29. September 2022

Grundlast (Energie, Strom)

In all den Diskussionen um fehlende Energie, um Atomkraftwerke, Biodiesel usw. kommt eigentlich nie der Begriff »Grundlast« ins Gespräch. Das ist ein Zeichen unverstandenen Energiebedarfs. Das Wichtigste wird übersehen.

Die Grundlast ist der immer nötige Strom, egal ob man nicht duscht oder die Heizung herunterdreht, langsam oder schnell auf den Autobahnen oder mit dem Zug unterwegs ist, tags oder nachts. So wie, sagen wir, hundert Erwachsene mindestens 100 × 50 kg = 5000 kg wiegen, no matter what. In der Regel wiegen sie natürlich mehr.

                                               Aus der Wikpedia
Hier sehen wir, dass je nach Tageszeit und Tag der Stomberbrauch fast ganz oder nur vielleicht zu einem Viertel »Grundlast« ist (unten, dunkel). Jedenfalls muss die Grundlast zur Verfügung stehen, sonst kommt kein Wasser aus den Hähnen (Pumpen) oder es wird einfach der Strom abgeschaltet.

Nun ist aber Naturstrom nicht »grundlastfähig«. Das liegt an der Natur. Wenn Nacht ist, Wolken am Himmel oder Schnee, wenn der Wind nicht weht, und sei’s nur kurzzeitig, kann die Grundlast damit nicht geliefert werden. 

In Deutschland stammen rund vierzig Prozent des Stroms aus »erneuerbaren Quellen« – Näheres beim Umweltamt –, schön, aber nachdenkenswert. Denn im Umkehrschluss müssen sechzig Prozent als Grundlast zur Verfügung stehen.

Nur Atomkraftwerke sind »grundlastfähig«, sie können immer laufen, egal was. Sie brauchen Brennstäbe, ja, dafür sind sie nicht umweltschädlich, wie Solarzellen auch, die EU hat das erfasst. Kohle- und Gaskraftwerke sind umweltschädlich, können, solange Kohle oder Gas da sind, aber auch dauerlaufen: dann grundlastfähig. Wasserkraft je nach dem, wieviel Wasser fließt. Alles nicht so einfach.

Egal: Aus Kohle, Gas und Atom zugleich »aussteigen« zu wollen, war unbedacht, um’s milde zu sagen, und grob gesagt eine Idiotie. Woher soll die Grundlast kommen?
   Außerdem hat die spontane Nichtinbetriebnahme von Nord Stream 2 weder den Ukrainekrieg beendet, noch die Gaspreise stabil gehalten. Wir hören, wieviel Gas uns aus Saudiarabien versprochen wurde, nicht aber, wieviel es kosten soll, desgleichen mit Flüssiggas, oder wann genau es kommen soll. Ein Trauerspiel.

Link hierher https://blogabissl.blogspot.com/2022/09/grundlast-energie-strom.html

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25. September 2022

Die spinnen, die Wlaner – zu lange Passwörter


 Passwort eines Cafés in einer deutschen Stadt
Ja, haben wir sie nicht alle? Unsere Bankkarte hat einen Pin, eine »persönliche Identifikationsnummer«, mit vier Nummern. Das reicht zur Sicherheit. Will einer die Pin erraten, hat er 10.000 Möglichkeiten. (Eigentlich weniger, weil manche Kombinationen nicht vorkommen dürfen.) Und da geht’s ums Geld.
   Die Passwörter unserer W-Lan-Zugänge sind ellenlang und meist höllisch kompliziert, keineswegs in einem Atemzug zurufbar. Die gezeigte aus einem Café, für die Gäste, hat 20 Stellen, 100.000.000.000.000.000.000 Möglichkeiten und meist mehr, weil ja noch Buchstaben vorkommen können, große und kleine, dazu Sonderzeichen, vielleicht sogar Smileys? Grausig, blödsinnig, unfreundlich zum Gast beziehungsweise modern zur Gäst*in (oder Gast*in?).

   Was für ein Quatsch!

Bitte also: einfache Passwörter! Macht wenig Mühe, und im Gebrauch noch weniger.

Link zu diesem Stoßsäufzer:
 
https://blogabissl.blogspot.com/2022/09/die-spinnen-die-wlaner-zu-lange.html

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23. September 2022

Referenden – Referenten

Ein Referendum mit d ist eine Abstimmung, wörtlich etwas zum Referieren (referre), zum Vortragen, Berichten, siehe Wikipedia. Mehrzahl Referenden.
   Scheinreferenden gibt’s eigentlich gar nicht, so wie die Wahlen in der DDR keine Scheinwahlen waren. Es ist typisch für unsere Medien, dass sie Meldungen mit Meinungen vermischen, gutgemeint aber polemisch. Auch bei Wahlen kann man meinen, sie seien gefälscht, man kann es zuweilen sogar wissen, Scheinwahlen sind’s trotzdem nicht. Abstimmungen durch Handheben mögen ungenau sein oder zum Beispiel nicht alle Berechtigten berücksichtigen, es bleiben Abstimmungen.

Antonius:
Mitbürger! Freunde! Römer! Hört mich an!
Begraben will ich Cäsarn, nicht ihn preisen.
Aus »Julius Cäsar« von William Shakespeare,
3
. Aufzug, 2. Auftritt, verfasst 1599
Ein Referent mit t ist jemand, der ein Referat hält, also etwas vorträgt (Fakt). Die Wikipedia kennt das Wort vielfältiger und weiß es wieder einmal etwas besser (Meinung).

Versuchen Sie, nach wie vor Fakten von ihrer (Ihrer) Beurteilung auseinanderzuhalten. Nicht jeder Ruhestand ist wohlverdient, nicht jede Zurücknahme eines Geschenks ist immer »völkerrechtswidrig« (die Krim 1954 – 2014), sondern oft schlicht ungehörig, unerlaubt, widerrechtlich, denn »geschenkt ist geschenkt«. Nicht jeder Klimawandel ist menschengemacht.
   Ihre Sprache, ihre Aussage wird kürzer, knackiger ohne Meinung drumrum, meine ich. Da können Sie ja einen Satz anhängen, der dann aber oft nicht zur Sache gehört.
   Eine Ausnahme ist – neben der etablierten Scheinehe – die Bahn (-:) »Der immer verspätete Zug kommt um 17.30 Uhr an.« Sagt eigentlich, dass er dann genau nicht ankommt sondern irgendwann später, oder? Zum »Scheinzug« wird er dennoch nicht, außer nachts.

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P.S. Die NZZ schreibt von einer »Wahlfarce«. Guter Ausdruck!

15. September 2022

»Das Traumcafé einer Pragerin«

– Von Lenka Reinerová, 1983, inzwischen nur mehr antiquarisch zu haben.

Prager Juden mag ich, literarisch. Die Zeit ist aber – wie vielvieles – längst vorbei, das genannte Buch der angeblich letzten deutschschreibenden Erzählerin aus Prag, Jüdin auch, nach der vierten Auflage 2003 ausgelaufen. Antiquarisch war’s um so billiger, weit unter den acht originalen Euro. 270 Seiten, sieben Kurzgeschichten, meinem Gefühl nach ganz unterschiedlicher Qualität. 


Reinerová, auf die ich durch das aus dem Tschechischen übersetzte Buch ihrer Tochter Anna Fodorová »Abschied von meiner Mutter« mit einem guten Nachwort von Jaroslav Rudiš gekommen war, ist weder Reporterin noch Romanschriftstellerin, sie schreibt einfach, ordentlich, einfühlsam, mit Phantasie, weiblich schön – gelegentlich bis zu Kitsch. Liest sich gut, besonders, wenn man wie ich, das Handy dabei hat zur Klärung mancher Begriffe oder Orte, wie etwa ein »Mudr.« auf der Visitenkarte. Ich hätte mir neben all den unaufhaltsamen Gedanken ein paar konkrete Hinweise auf Daten und Zeiten gewünscht – bin halt Techniker, der’s gern genau hat.
   Nun im Einzelnen – nach meinem persönlichen Gefühl – Korrekturen sind willkommen:

»Das Traumcafé einer Pragerin«, 42 Seiten, die Aufmachergeschichte, names dropping. Da stellt Reinerová sich im Himmel ein Kaffeehaus vor mit allen bekannten Prager Nachdenkern drin. So wie ich ans Kusseth zurückdenke. Charmante Idee, gut geschrieben.

 »Der Frühvogel«, 12 Seiten, Reinerová wird aus ihrem Pariser Gefängnis entlassen, Gedanken, Düfte, Phantasien, Jarmila, l’histoire de rire

»Der graue Wölfling«, 12 Seiten, der verfolgt Reinerová im Traum in Casablanca – was mich immer an »Jakobowsky und der Oberst« erinnert.

»Glas und Porzellan«, 44 Seiten, Reinerová kommt aus dem Gefängnis in die tschechische Provinz, sieht endlich ihre Tochter und ihren Mann wieder, bekommt Arbeit und wird zur Chefin der Musterabteilung Glas und Porzellan. Am Schuss findet sie den Mut, bei einer »Gewerkschaftsversammlung des Bezirksbetriebs Handel mit Bedarfsgegenständen für den Haushalt« gegen die Kündigung von »Opa Tichý« zu sprechen. Viel Zustimmung.

»Der Ausflug zum Schwanensee«, 83 Seiten, Reinerová findet auf einer nicht erklärten, mystifizierten Fahrt mit zwei Männern, nouvelle-vague-ähnlich ein Bild ihrer ermordeten kleinen Schwester. Sie erinnert sich an ihr Pariser Gefängnis, La Petite Roquette  und verfolgt dann gedanklich eine grausame Opportunistin, Carmen Maria Mory, die zuletzt im KZ Ravensbrück als »schwarzer Engel des Todes« agierte.

»Unterwegs mit Franz Schubert«, 23 Seiten, ist keine gute Geschichte. Reinerovás verständliches Trauma leitet sie da phantastisch-gedanklich assoziativ in die Irre, zu weit weg. Schon im zweiten Absatz erzählt sie von den »blutroten Fahnen mit dem schwarzen Hakenkreuz in der Mitte« in Deutschland. Als sie diesmal nach dem Krieg im »Eilzug [nicht Schnellzug?] Franz Schubert« von Zürich nach Wien ihr Abteil mit alten SS-Leuten und ähnlichen teilt, da platzt ihr beim Aussteigen doch der Kragen: »Sie sind bei Kriegsende wohl kaum meiner Mutter und meinen Schwestern begegnet. Denen hat ja auch niemand einen Ausweg gezeigt, als sie nach Auschwitz in die Gaskammer gejagt wurden.« – So geht das nicht: Nicht alle SS-Leute waren Verbrecher, und nicht alle Wehrmachtssoldaten Gutmenschen, egal wie sie nach dem Krieg tickten.

»Zweite Landung in Mexiko«, 46 Seiten, die Schlussgeschichte ist wieder versöhnlich, umrahmt von einem Witz über einen Rabbi, der sterbend das Geheimnis seiner Weisheit verrät: »Alles ist anders.«

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S.a. https://is.muni.cz/th/tgobl/Literarische_Cafes_im_Werk_Lenka_Reinerovas.pdf  9.9.2022©2006

14. September 2022

Sonnenrollo-Getriebe fixen

Es geht hier nicht um die schweren, ratternden, eingebauten Sonnenrollos aus Brettern oder Plastik, draußen vor den Fenstern.
   Es geht um die leichten Dinger innen, die unerwünschte Sonne mit einem ausgerollten dünnen Stoff draußen halten sollen. Sie haben eine rundlaufende Zugschnur aus Perlen, meist links. Die Perlenschnur läuft im abgebildeten Modell die Gruben entlang, rundum, ist aber hier nicht mit gezeigt. Mit der Perlenschnur kann man das Rollo mehr oder weniger weit herunterziehen. 

Wie geht das? Welche Rolle spielt das gezeigte »Getriebe«? Normalerweise hält das Getriebe die Rollorolle fest in Stellung; nichts saust hinunter oder schnappt hinauf.
   Will man das Rollo verstellen, zieht man an der Perlenschnur, runter oder rauf, vorn oder hinten. Das Getriebe öffnet als erstes seine Feststellbremse und lässt einen dann in Ruhe einstellen, höher oder tiefer. Das Getriebe ist eigentlich nur eine Bremse. Rädchen sind da nicht drin.

Das Getriebe ist durch ein flaches Stück Metall – im Bild links herausragend – in die Halterung an der Wand drehsicher festgehalten. (Gegenüber lässt ein einfacher, runder Stift das Rollo sich frei drehen.)
   Wie aber bremst das Getriebe? Da ist eine Feder drin, um den Kern herumgewickelt. Ihr Ende lugt in Bildmitte aus dem Schlitz etwas heraus. Alles blockiert. Zieht man zu fest an der Perlenschnur, so reißt sie. Das Rollo aber bleibt stur stehen.
   Ist das Ende der Feder aber richtig in das »Getriebe« eingehängt, so wird beim Versuch, an der Perlenschnur zu ziehen, erst einmal die ganze Feder etwas aufgedehnt: Die Bremse ist offen, und das Rollo kann gedreht werden.  

Reparatur: Das Getriebe kann in seine Teile auseiandergezogen werden; zwei Zangen helfen dabei und etwas Entschlossenheit. Dann muss man die Bremsfeder wieder richtig einhängen, siehe Bild, die Bremse wieder zusammenbauen, und schon geht’s. Zum Testen halten Sie das Getriebe samt Perlenschnur am flachen Stift fest und probieren, ob sich die Bremse in beiden Richtungen brav löst. Dann einhängen, erst rechts die Seite mit dem runden Stift, dann links die Seite mit dem Getriebe und dem flachen – oder umgekehrt, wenn die Perlenschnur rechts hängt.

Ich mache demnächst noch ein paar Bilder »dabei«, wie der Bonner sagt, für’s Erste müsste das aber reichen.

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1. August 2022

Bin ich Schuld am Krieg?

Als ich in den Siebzigerjahren in Amerika lebte, ging der Vietnamkrieg gerade kläglich zu Ende. Fast täglich wurde von Bootsflüchtlingen (“boat people”) berichtet, die vom kommunistischen Norden nach Südvietnam fliehen wollten. Viele ertranken im Meer – im Weltmeer. Da dachte ich: Müsste nicht die deutsche Marine hinfahren und sie retten? Außer nahe der Küsten sind doch
für die freien Weltmeere alle Staaten  verantwortlich? Das war natürlich naiv. Aber ein wenig schlechtes Gewissen hatte ich schon. Es lag mir auf der Seele.

Inzwischen ist Krieg in der Ukraine. Putin hat angegriffen, unbestritten. Ich meine nur, der Krieg hätte sich verhindern lassen, durch »uns«, vor allem durch die EU, oder durch einen zupackenden Realpolitiker, wie es früher Kissinger war, Angela Merkel auch zuweilen. Ein wenig hätte man Putin in seinem Interesse – und auch in unserem! – entgegenkommen können. Die Ukraine neutralisieren wie Österreich damals in den Fünfzigerjahren. Österreich ist immer noch nicht in der Nato, und wird’s wohl auch nie sein …

Dass mein Gedanke gar nicht so unsinnig ist, bestätigt ebendieser Kissinger: »Ja, diese Invasion habe er nicht für möglich gehalten, sagte er unlängst. Um dann eben den Ratschlag zu geben, Europas Stabilität nicht wegen ein paar Quadratkilometern im Donbass aufs Spiel zu setzen.«, nachzulesen in der Süddeutschen auf https://www.sueddeutsche.de/meinung/kissinger-russland-ukraine-davos-1.5592015 . Lesen!

Man kann natürlich anderer Meinung sein und Putin für kriegslüstern, ja verrückt halten. Das ist einfacher, vielleicht auch populärer.

Jedenfalls habe ich als Zentraleuropäer und braver Katholik ein sauschlechtes Gewissen. Dazu kommen noch unsere unbedachten »Strafmaßnahmen«, in die sich Europa, je weniger sie wirken, desto mehr hineinsteigern. Unvorstellbares Leid und Zerstörung im Krieg, ungeahnter Mangel hier und dort durch »Gegenmaßnahmen«, von den unübersehbaren Kosten und der rasenden Inflation ganz zu schweigen.

Statt immer mehr Rache zu verlangen, »schwere Waffen«, Präzisionsraketen, und die Ukraine-Flagge bei uns hier auf Gebäuden aller Art  zu hissen (die syrische, links ein Muster, hängt nirgends), muss man jetzt schauen, den Krieg zu Ende zu bekommen. Immer mehr draufzuhauen mag tapfer sein, heldenhaft, todesmutig; den Wiederaufbau zu versprechen vorausschauend, doch durch Strafmaßnahmen wird kein Friede. 

Undsoweiter. Immer so weiter. 

Seit 2014 ist die Ukraine ohne die ihr 1954 geschenkte Krim ausgekommen, und ohne den Donbass. Bis auf das Wörtchen »völkerrechtswidrig« hat das keinen aufgeregt, jetzt auf einmal sollen wir deswegen kaltduschen? Scholz hat Northstream 2 einfach abgemurkst, er kann’s ja, aber Gas herzaubern, ja, das kann er nicht, und wenn, zu welchen Kosten?

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26. Juni 2022

das oder dass?

Das und dass werden gern verwechselt. Einige Schreiber und Schreiberinnen nehmen einfach immer »das«, das ist dann einfach. 

Hier eine kleine Bitte: Macht es richtig! Man kann den Text dann auf Anhieb gut lesen.
   Weil man weiß, dass »das« mit langem a gesprochen wird, also dahs, und »dass« mit kurzem. »Dass« von mir aus auch alt als »daß«. Auch dann weiß man, ohne den Satz weiter gelesen zu haben, dass man dazu dass sagt, mit kurzem a. (Das ß in daß war eine Ausnahme der Regel, dass da eigentlich dass hätte stehen müssen. Am Wortende fand man halt das ß schöner als ss. Das war inkonsequent. Wasser hatte man ja auch nicht Waßer geschrieben! Nur Eigennamen haben nach der Rechtschreibreform ihr End-ß behalten, wie Roßbach an der Wied oder mein alter Nachbar, Herr Roß. Das Ross schreibt sich inzwischen so, wenn es sich schreibt …. Bald wird es leichter sein, amtlich sein Geschlecht zu wechseln als sein End-ß zu ss.)

So. Der sächliche Artikel »das«, das Haus, ist ein einfaches das. Das spricht man ebenfalls mit langem a. Wie Waden, oder waten, Laden, Laster und viele einfache Wörter mehr.

»Dass« ist was anderes. Dass du nur so blöd sein kannst. Lass sein! Da klingt das a kurz. Überhaupt: Ist der Vokal kurz, wird der Konsonant dahinter verdoppelt, in allen Sprachen rundherum. Passami il zucchero. Erstes a und u kurz. Jeder Ausländer bekommt das hin: Learn this lesson! Short e in lesson (due to the double s), long o.

Merksatz: Nur gut, dass das Himmelreich nahe ist.

Also bitte: Ein bissl Mühe beim Schreiben, und wir alle können’s gleich g’scheit lesen.

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17. Juni 2022

Krups ProMix silver plus reparieren

Krups ProMix silver plus

So sieht er aus, der alte Krups-Mixer. Bei Überbelastung kann sich seine Seele, die Achse mit dem Schneidwerk, lösen und unten herausfallen.

kaputt

Dann ist guter Rat teuer – aber hier:
1. Unterteil ausklinken. Das geht bei Druck auf die untere Taste, die längliche graue unter der Beschriftung. Dann hat man das kaputte Stück, den Unterteil, in Händen.
2. Den inneren Stab mit den Schneiden muss man ganz herausbekommen. Das geht zunächst nicht! Erst müssen drei kleine Schrauben einer runden. metallenen Bodenplatte herausgedreht werden.

 

Links im Bild die besagte Bodenplatte, bereits ausgelöst. 

Und hier rechts die drei Schrauben, die ich herausschrauben musste. Das ging mit einer Flachzange.

Jetzt kommt die Stange an den Tag; sie geht ganz heraus. Der Sprengring, der schuld ist, dass die Stange nicht hält, ist unten unter der hellen Plastikscheibe – oder sollte dort sein.

Diesen Sprengring kann man professionell ersetzen, siehe Link unten, oder in Heim- und Gartenarbeit. Ich habe meinen grünen Universal-Gartendraht genommen, und eine Runde Draht um die Nut herumgeschlungen:


So. Danach das zu lang herausstehende, verdrehte Drahtstück rechts etwas stutzen. Fertig.

Übrigens wäre jetzt die Gelegenheit, die zwei Schneiden des »Propellers« nachzuschleifen.

Es folgt der Zusammenbau. Die drei Schräubchen müssen in die alten Löchlein. Am besten, man markiert sich eine der drei Stellungen mit Bleistift an der Seite der äußeren Schale, damit man beim Zuschrauben die Löcher besser trifft. Eventuell mit einem Zahnstocher vorfühlen.

Zur Mechanik


Bei mir sah das so aus wie oben, bevor ich die Achse dann herausbekam.

Das, links, das ist der dicke Motorteil. Deutlich sieht man ein Plastik-Innenkreuz, in das die Stange des Unterteils mit zwei gegenüberliegenden Quetschungen hineinpasst, siehe nächstes Bild. So einfach ist das. Bei Überlastung drückt es die Achse aus dem Kreuz nach unten heraus, und aus ist’s. 

Die Achse ist gegen das »Ausweichen« nach unten mit einem klitzekleinen Sprengring geschützt, siehe https://ifixit-guide-pdfs.s3.amazonaws.com/pdf/ifixit/guide_53499_de.pdf .

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