30. November 2017

Mercedes E-Klasse Typ 210 Tacho spinnt

Mein Tacho hat gesponnen. Am alten Mercedes E-Klasse Typ 210. 
   Die Beleuchtung der Kilometerangaben war strahlend hell gelb, alles überstrahlend, wie ’ne Kirchenflagge, zeigte aber nichts an. Kilometerlos. Der Tempo-Limiter ging auch nicht. Panik.

Haube auf.
Schlüssel in die Hand nehmen, nicht ins Zündschloss stecken.
Türen zu.
Sicherung Nummer 4 (rot, 10 A) neu einsetzen:
Einsteigen – alles paletti!
Schlüssel einstecken.
Starten.
Fahren.
Na ja: Vielleicht vorher den Sicherungsdeckel und die Haube zumachen.
——————————————————
Was war gewesen? Der Tacho (»KI« = künstliche Intelligenz = Kombiinstrument) hat in Ruhe über 40 mA Strom gezogen. Immer wieder war die Batterie leer, nach ein paar Tagen schon.
   Also hab’ ich die Sicherung herausgemacht, bevor ich das Auto länger stehen ließ. Und dann halt so-so wieder eingesteckt, bei offener Fahrertür. Das mochte er nicht. Sorry, Auto.
   Ohne die Vierersicherung geht nicht einmal die Geschwindigkeitsanzeige.
Die Bilder sind von mir, ©Fritz@Joern.De, vor allem aber klickbar!


Wer weiß, warum der Tacho so viel Strom zieht, möchte es mit bitte sagen! Fritz@Joern.De

Die Katze in der Bibel

Ägyptische Mau
Die Universität Innsbruck und Google haben es offenbart. Die Katze kommt gerade einmal in der Bibel vor, im Buch Baruch im Alten Testament. Für die evangelischen Christen zählt das Buch Baruch zu den Apokryphen, gehört also nicht dazu. – Dann ist sie wieder ganz ’raus, die Katze …
Bar 6,21 Auf ihrem Körper und auf ihrem Kopf lassen sich Fledermäuse, Schwalben und andere Vögel nieder, ebenso auch Katzen.
Recht biblisch wirkt der Katzensatz nicht. Man muss schon ein wenig zurücklesen, um ihn zu verstehen. Schöner wird er dadurch auch nicht.

Die Nichtigkeit der Götzenbilder
Bar 6,7 Ein Handwerker hat ihnen eine glatte Zunge angefertigt; sie selbst wurden mit Gold und Silber überzogen; doch sind sie Fälschungen und können nicht reden.
Bar 6,8 Wie für ein Mädchen, das Schmuck liebt, nimmt man Gold
Bar 6,9 und fertigt Kronen für die Häupter ihrer Götter. Manchmal nehmen aber die Priester Gold und Silber heimlich von ihren Göttern weg und verwenden es für sich selber; sie geben davon auch den Dirnen in der Kammer.
Bar 6,10 Man schmückt sie auch, die Götter aus Silber, Gold und Holz, mit Gewändern wie Menschen. Diese Götter können sich aber nicht vor Schmutz und Wurmfraß schützen.
Bar 6,11 Sie sind in Purpurgewänder gehüllt
Bar 6,12 und doch muss man ihnen den Staub aus dem Gesicht wischen, der im Tempel aufwirbelt und sich dick auf sie legt.
Bar 6,13 Sogar ein Zepter trägt ein solcher Gott, wie ein Mann, der das Land regiert; doch kann er niemand töten, der sich gegen ihn verfehlt.
Bar 6,14 Er hat in der Rechten ein Schwert oder eine Streitaxt, kann aber nicht einmal sich selbst vor Krieg oder Räubern retten. So zeigen sie deutlich, dass sie keine Götter sind. Fürchtet sie also nicht!
Bar 6,15 Wie ein zerbrochenes Tongefäß unbrauchbar wird,
Bar 6,16 so geht es auch mit ihren Göttern, die in ihren Tempeln aufgestellt sind: Ihre Augen sind voll vom Staub, den die Füße der Besucher hineintragen.
Bar 6,17 Und wie die Höfe rings verschlossen sind, sobald ein Mann, der sich am König vergangen hat, zur Hinrichtung abgeführt werden soll, so sichern die Priester die Tempel der Götter mit Türen, Schlössern und Riegeln, damit sie nicht von Räubern geplündert werden.
Bar 6,18 Die Priester zünden Lichter an, mehr sogar als für sich selbst, doch die Götter können keines davon sehen.
Bar 6,19 Es geht ihnen wie einem Balken am Tempel: Ihr Inneres wird, wie man sagt, zerfressen. Sie aber bemerken nicht die Würmer, die aus der Erde kommen und sie selbst samt ihren Gewändern aufzehren.
Bar 6,20 Ihre Gesichter sind geschwärzt vom Rauch, der im Tempel aufsteigt.
Bar 6,21 Auf ihrem Körper und auf ihrem Kopf lassen sich Fledermäuse, Schwalben und andere Vögel nieder, ebenso auch Katzen.
Bar 6,22 Daran erkennt ihr, dass sie keine Götter sind. Fürchtet sie also nicht!

Auf diese nicht vorhandene Katze bezieht sich Georg Schneider und schreibt desto lyrischer über

die Katze.

Die Heilige Schrift verschmäht dich. Das allein kränkt mich ein wenig an ihr. Wie gut stündest du im Hohen Lied Salomonis, wie strichest du umher, das Köpfchen verdreht, verschämt und fordernd an die Hüften der Freundin geschmiegt, da doch der Freund bei ihr ist am Berge Gilead oder am Teich zu Hesbon! Deine Brüste sind wie zwei junge Rehzwillinge, o Sulamith, hast du mein Kätzchen nicht gesehen?
   Nein, die Heilige Schrift nennt dich nicht, du fehlst in ihren Berichten; denn du sahest zu stolz herab vom Thron der Pharaonen, du Ägypterin, in dich legten sie alle Rätselschönheiten ihrer Träume, du warst ihr Lieblings­tier, ihre königliche Sklavin, und vierzig Jahrhunderte schauen von ihren Pyramiden auf dich herab. Sphinx nannten sie dich und befragten deinen ruhig blinzelnden Blick. Du warst die Göttin, die Diva des Erbfeinds und bist es noch, gefeiert bis auf den heutigen Tag. Wunderst du dich, dass dich die Heilige Schrift verschmäht? Wir wollen nicht lästern, aber ein Unrecht ist es doch.
   In der Arche Noah musst du gewesen sein, Männlein und Weiblein, Königin und Nebenfrau, in der hintersten Ecke, einen Steinwurf weit weg von allem. Und es war kein zärtlicheres Liebespaar darinnen; denn niemand hat auf diese Erde soviel Liebeszauberworte geschnurrt wie du, soviel Schmeicheleien und Heimlichkeiten, soviel Ohrmuschelgeräusch.
   Du hast den Kristall geschmeidig gemacht. Deine kristallenen Augen kehren wieder in deinem kristallenen Fell, Ägypterin, Siameserin, in deinem Gang, in deiner Laune und Lauer, im Ansatz deines unwiderlegbar vollkommenen Sprunges. Du tönst lautlos wie Kristall, wie die Säule Memnons, wie das Licht und die Dunkelheit und die Nächte am Nil. Um deinetwillen erfand man die Zeitlupenaufnahme.
   Du hast die Nachtigallen der Dichter bejagt und gefressen. Nun geistert deine Stimme allein durch die romantischen Gärten ihrer Träume. Miau – eine Blüte, vom Mondschein bewegt.
   Judith warst du nie, und Sulamiths Rosenhaut zuckte nie zusammen unter dem kühlen Frühtau deines Näschens, das feucht wird wie eine Schwarz­beere, wenn die Nacht einbricht. Du warst Nofretetê, der porphyrne Stolz, und bist es geblieben. Du warst der Schatten Dianens, du warst die kristallene Kugel am Hirtenfeuer des Peloponnes, du warst Abuherriras Katze und knurrtest um den Herren, ein begünstigtes, ein heiliges Tier dennoch, das der Prophet gestreichelt.
   Aber da bist du doch in der Heiligen Schrift, wenn auch nur wie ein königlicher Schrei durch die Wüste. Jesaja hat deinen Vorfahr gehört in der Karawanserei seiner einsamen Seele und dem kommenden Frieden gelauscht: »Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und die Parder bei den Böcken liegen. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden auf der Weide gehen, dass ihre Jungen beieinanderliegen; und Löwenkätzchen werden Stroh essen wie die Ochsen.« Erschrick nicht, meine kleine Amazone, meine amethystene Statue, du sollst kein Stroh fressen müssen. Ich will dir alle Schleckereien der Erde bringen, aber lass mir meine Sperlinge in Ruhe, die vor deinem schleichenden Schritt wie zutoderschrockene Federbällchen vom Dach fallen in das Laub des Holunders vor meinem Fenster.

 

Jes 11,6 Dann wohnt der Wolf beim Lamm, / der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Knabe kann sie hüten.
Jes 11,7 Kuh und Bärin freunden sich an, / ihre Jungen liegen beieinander. / Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.

Das ist mir wieder allzuschön, ist mir aus einer alten Zeit recht bildungsbürgerlich. Katzen allerdings sind nach wie vor ungemein beliebt und die meistgeschauten Wesen in (der Bibel von heute?): auf Youtube.

Den Schriftsteller mit dem Allerweltsnamen Georg Schneider habe ich als »Georg Schneider (Politiker, 1902)« (1902—1972) in der Wikipedia gefunden, und natürlich öfters bei seinem Freund Georg Britting, recht typisch im Münchner Gasthaus Leopold. Dieser Schneider hatte seit 1933 im Dritten Reich Veröffentlichungsverbot, nach dem Krieg aber meinte Ingeborg Schuldt-Britting bewundernd: »Er konnte schreiben worüber er wollte, die Feuilletons der Zeitungen druckten ihn«. Ob er wirklich Nofretetê geschrieben hat, mit ê-Zirkumflex, weiß ich nicht. Genau so geschrieben kommt sie Google-gesucht weltweit nur genau zweimal vor (jetzt dann deimal), vielleicht ein I-Tüpfelchen eitler Noch-einen-Tick-besser-Wissenden. Den Text verdanke ich Hans-Joachim Schuldt.
Büste der Nofretete, Ägyptische Abteilung (Ägyptisches Museum Berlin) im Neuen Museum Berlin, Wikipedia
Link hierher:
 https://blogabissl.blogspot.com/2017/11/die-katze-in-der-bibel.html

29. November 2017

Altes Neues von der Sarner Straße

Aus Südtirol: Bilder 
von der neuen Straße durch das Sarntal. 
Nach der Natur gezeichnet von Tony Grubhofer.
Illustrirte Zeitung № 2709. 1. Juni 1895

Die Seiten sind klickbar zum Vergrößern, 
trotzdem zum leichteren Lesen hier größer herausgebrochen: 
In »Lateinschrift« – was der Fachmann »Antiqua« nennt im Gegensatz zur »Fraktur«, die heute nicht mehr üblich ist – muss ich den Artikel vielleicht gelegentlich einmal bringen.
   Soviel aber für heute. 

Gefunden hat den Artikel Stefan Premstaller, dankeschön!

Link hierher:
https://blogabissl.blogspot.com/2017/11/altes-neues-von-der-sarner-strae.html

Christkönigsfest

Im Kalender steht: 
   Totensonntag. Der letzte Sonntag im November, zugleich also der letzte im Kirchenjahr, der trägt noch Novemberstimmung in sich. Viele nehmen ihn so. Genau sagt es die Wikipedia: »In Deutschland begeht die evan­ge­li­sche Kirche am letzten Sonntag des Kirchenjahres den Totensonntag, wäh­rend protestantische Kirchen im englischsprachigen Ausland, die dem englischsprachigen Revised Common Lectionary folgen, den Christ­königs­sonntag in ihren liturgischen Kalender übernommen haben.«
   Ich ging um halbelf in die katholische Stiftskirche in Bonn. Dort über­raschte mich das Christkönigsfest. Die Kirche voll! Dass noch vor Weihnachten ein richtiges Hochfest gefeiert wird, hatte ich nicht gedacht. 
   Während sonst stets nur von Gottes Liebe an uns alle gesprochen wird, geht es in diesem erst 1925 eingeführten Fest richtig zur Sache. 
   Inzwischen ist der Glaube an Himmel und Hölle ziemlich verschwunden, ganz besonders an die Hölle; das Fegfeuer wird schon lang nicht mehr gelehrt. Unsere ewige Welt ist zum Nirwana geworden oder zum Paradies, zum Fluchtort als immaterieller Fluchtpunkt.
   Doch zurück zur Messe.

Erste Lesung: Der gute Hirt
Ez 34,11 Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.
Ez 34,12 Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.
Ez 34,13 Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes.
Ez 34,14 Auf gute Weide will ich sie führen, im Bergland Israels werden ihre Weideplätze sein. Dort sollen sie auf guten Weideplätzen lagern, auf den Bergen Israels sollen sie fette Weide finden.
Ez 34,15 Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen - Spruch Gottes, des Herrn.
Ez 34,16 Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.
Ez 34,17
(*)
Ihr aber, meine Herde - so spricht Gott, der Herr -, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken.


Die zweite Lesung mag wohl meist entfallen. Bitte also überspringen.
1 Kor 15,20 Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.
1 Kor 15,21 Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten.
1 Kor 15,22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
1 Kor 15,23 Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören.
1 Kor 15,24 Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt.
1 Kor 15,25 Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat.
1 Kor 15,26 Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod.
15,27 Sonst hätte er ihm nicht alles zu Füßen gelegt. Wenn es aber heißt, alles sei unterworfen, ist offenbar der ausgenommen, der ihm alles unterwirft.
1 Kor 15,28 Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht über alles und in allem.


Es folgt das Evangelium vom Weltgericht:
Mt 25,31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
Mt 25,32 Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
Mt 25,33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.
Mt 25,34 Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.
Mt 25,35 Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen;
Mt 25,36 ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.
Mt 25,37 Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?
Mt 25,38 Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?
Mt 25,39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
Mt 25,40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
Mt 25,41 Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
Mt 25,42 Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
Mt 25,43 ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.
Mt 25,44 Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?
Mt 25,45 Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.
Mt 25,46 Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Starker Tobak! Wie soll das gehen? Hören wir (wie ich sie hörte) die 
Predigt von Pfarrer Benno Leiverkus am 26.11.2017.
   Hier seine Aufzeichnungen, genau so, wie er sie mir anvertraute:

Was versteht man unter einem praktizierenden Christen? – 
einfach zu beantworten: die sonntags zum Gottesdienst gehen.

Zumindest die Katholiken: „Sonntagspflicht“. 

???  Gottesdienstbesuch als die Erfüllung unserer Pflicht Gott gegenüber!  ???

Frage!  Warum taucht dieser Punkt in der Gerichtsrede aus dem heutigen Evangelium überhaupt nicht auf?

Alles Mögliche: die Kranken, die Alten, die Obdachlosen ... – Aber steht irgendwo: »Ich hab’ Euch zur Kirche gerufen und Ihr seid nicht gekommen«?
Der Gottesdienst wird mit keinem Wort erwähnt.

Was für uns landläufig im Mittelpunkt steht, wenn wir an Religion und Kirche denken – im Gleichnis Jesu kommt es überhaupt nicht vor.
Sollten wir uns da so getäuscht haben?

!! Holzweg !!
Gottesdienst, das ist doch nicht zuerst unser Dienst an Gott. Als ob wir hier wären, weil ER den Gottesdienst nötig hätte oder sonst irgendetwas von uns bräuchte, das er selbst nicht schon lange hätte? Das, was wir im Gottesdienst tun, das ist allerhöchstens danken und bitten.
Dienen tut dabei doch Gott! Gottesdienst, 
das ist zuallererst Gottes Dienst an uns!
… seiner Nähe versichern; Punkte, an denen wir seine Gegenwart erleben und erfahren; Hilfe zum Leben; Feiern, die uns gut tun; zur Ruhe kommen; neue Orientierung und Hilfe für unser Leben. Unsere Gottesdienste, die sind zuallererst einmal für uns da.

Unser Dienst diesem Gott gegenüber, der muss anders aussehen. Und wie, das sagt uns in aller Deutlichkeit das heutige Evangelium. Jesus macht uns dort unmissverständlich klar: 
Wirklicher Gottesdienst – das ist Menschendienst.
… den Kranken dienen, den Alten, den Einsamen, den Hungernden, den körperlich oder seelisch Leidenden ...  das ist wirklich Gottesdienst, das heißt Gott zu dienen.  »Was wir einem seiner geringsten Brüder und Schwestern getan haben, das haben wir ihm getan«.
   Daran werden wir auch letztendlich gemessen.
Wer den Nächsten aus dem Blick verliert, der kann zur Kirche gehen sooft er will – in den Augen Jesu hat der am Ende lediglich etwas für sich selbst getan.
   Wer Jesus ernst nimmt, der kommt um das Wort nicht herum, das uns letztgültig deutlich macht, was es wirklich heißt, unserem Gott zu dienen:
   Dem anderen zu dienen, seine Not zu lindern, das ist für Jesus der eigentliche, der wahre Gottes­dienst, und der findet nun mal meist außerhalb der Kirche statt.
Jesus setzt sich gleich mit den Kranken, den Nackten, den Gefängnisleuten, kurz: mit den »Leuten – Ohne«: ohne Geld, ohne Bildung, ohne Wohnung, ohne Beziehungen, ohne Schönheit, ohne Lobby, ohne Macht, ohne Heimat.
Das Gebot, Jesus in den Ärmsten wieder zu erkennen, das gilt für alle Getauften, gleich wer sie sind, Hausfrau oder Papst, Jugendlicher oder (Erz)Bischof.
Die täglichen Berichte tragen das Wissen um diese Menschen und ihre Schicksale allabendlich bis hinein in unsere Wohnzimmer. 
Ich habe es einmal so gelesen (wo weiß ich nicht mehr): Es gibt fünf Evangelien: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes und das Leben der Christen. Viele Leute lesen nie die ersten vier, aber sehr wohl das fünfte.
Wenn wir im Denkrahmen des Matthäus-Evangeliums bleiben, dann geht es genau um das, wovon auch bei den Seligpreisungen der Bergpredigt die Rede ist:
… um Menschen, die es wagen, in einer unbarmherzigen Welt barmherzig zu sein, und dadurch vielleicht sogar Nachteile haben;
… um Sanftmütige, die nicht immer gleich zurückschlagen und sich dafür vielleicht sogar den Vorwurf der Halbherzigkeit und unangebrachten Weichheit machen lassen müssen;
… um Friedfertige, die es wagen, dem Freund-Feind-Denken in den verschiedenen Gruppen und Völkern entgegenzutreten und die darum als unsichere Kantonisten und unzuverlässige Genossen angesehen werden;
Menschen, die es wagen, auf Gott zu setzen, seinen Namen hochzuhalten und sich dafür den Vorwurf der Spinnerei oder den Spott einhandeln, nicht mit der Zeit zu gehen und altmodisch zu sein.
Das ist der Gottesdienst, von dem im Evangelium die Rede ist.
 
Maßlose Überforderung?
Was kann unser einer schon ausrichten?
 – auch nur ein Mensch; – manchmal einfach müde und ausgebrannt. Und außerdem: Oft genug sogar selbst Opfer dieser Verhältnisse.
? doch Drohbotschaft
die Dinge verlangt, die keiner leisten kann?
Ich glaube nicht!
Genau genommen ist von einem Menschen die Rede. »Was ihr für eine/einen dieser geringsten getan habt ... « – Nicht gleich die ganze Welt retten, – bei einem und einer fängt es an!
– noch so unscheinbar – bei Gott aufgehoben.
Es hat einen Sinn, den Becher zu reichen, den Gefangenen zu besuchen, den Nackten zu kleiden. Es hat einen guten Sinn auch dann, wenn es sich nicht weiter auswirkt und alles scheinbar unbemerkt untergegangen ist. Auch wenn sich erkennbar nichts verändert hat, bei Gott ist es nicht vergessen. Bei ihm zählt es.
Darum sollen wir uns und unsere Perspektive nicht nur auf den knappen Rahmen unserer Jahre einschränken lassen. Gott ist viel größer, und es lohnt sich, ein Stück von diesem Wissen um die Ewigkeit in unser Leben hinein zu nehmen.
Dazu will Evangelium ermuntern:
Mut machen, noch in der Welt schon über die Welt hinaus mit dem Herrn der Welt zu rechnen und ihm unser Tun anzuvertrauen.
Vielleicht können wir so den ganz konkreten Nächsten wahrnehmen,
… zuhause … den Arbeitskollegen … den nervigen Nachbarn … oder den …. was weiß ich?
Es geht es nicht um pathetische Formeln, das Ganze findet statt im banalen erfahrbaren Alltag.
Es wird kein Martyrium verlangt, sondern nur, dass man nach dem Kranken sieht, dem Durstigen ein Glas Wasser gibt, den Hungrigen Essen und Obdachlosen eine Unterkunft.
Manchmal scheint es, dass heute alles so schrecklich kompliziert geworden ist. Aber nach unserem Evangelium ist das Entscheidende nach wie vor recht einfach: »Was ihr für eine oder einen dieser Geringsten  getan habt, das habt ihr mir getan! Und was ihr für einen nicht getan habt, das habt ihr auch für mich nicht getan."   Amen  

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Ich war knapp dran zu applaudieren – was sich aber nicht gehört.
   Die Bibelstellen habe ich online von der Universität Innsbruck zitiert, etwa von hier (Der gute Hirt).
(*) Vers Ez. 34,17, «vos autem greges mei haec dicit Dominus Deus ecce ego iudico inter pecus et pecus arietum et hircorum» bleibt meines Erachtens im Deutschen grammatikalisch so unverständlich: »Ihr aber, meine Herde – so spricht Gott, der Herr –, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken«. Eher sollte es heißen: »Aber zu euch, meine Herde, spricht der Herr so: ›Siehe, ich will richten zwischen Schaf und Schaf und zwischen Widdern und Böcken‹«.

Links:
https://www.bibelwerk.de/sixcms/media.php/185/a_43_l1_christkoenig_ez.pdf
Beichten in Regensburg
Meine Polemik zum Thema »pro multis« und hier
»Was, Sie glauben noch an die Hölle?« – Bloß keine Hölle! 
Soft-Gott und Wellness-Himmel
Der liebe Gott und die zwölfte Dimension


Link hierher (Permalink) :

 

25. November 2017

Beichten in Regensburg

Regensburg, Ostbayern, an der Donau zwischen Passau und Ingolstadt, näher an Passau und Österreich – ist mehr als nur eine Beichte wert. Doch der Reihe nach.
Der Rhein bei Remagen
Weitläufiges Bayern
Oft beginnt ein langes Wochen­en­de in Wien – aus Deutschland – mit dem ICE 27 Hamburg—Wien; ein kleiner Orient­ex­press im ICE-Gewand aus dem Norden,Wien an 18.45.
   Landschaftlich geht es ruhig den Rhein hinauf, dort wo er schön ist. In Frankfurt, Sack­bahn­hof, macht er dann eine Spitzkehre. Danach ist die Donau dran. Bevor die aber offensichtlich schön wird, burgenbepflanzt, hält er von kurz vor halb vier am Nachmittag, 15.24 (oder immer etwas später), in Regensburg, zwei Minuten lang. Der Bahnhof ist nichts Besonderes. – Sie sollten aber unbedingt rasch aussteigen und einen Tag überspringen. Lassen Sie Wien warten! Regensburg ist viel seltener, kleiner, feiner; und wenn Sie nicht gerade am Abend die Oper in Wien verpassen, so sollten Sie wirklich einmal »abspringen« in Regensburg.
   Ich hatte mich im schlicht-modernen Hotel Ibis angemeldet, knapp 85 Euro die frühstückslose Nacht, direkt am Bahnhof, Südseite (die Stadt liegt nördlich bis zur Donau. Noch billiger ist dort das oder die Star Inn, aber da gefällt mir den Name nicht. Sie können, sofern wohlhabend, auch stilvoll im zentralen Bischofshof nächtigen …
   Für den Abend empfehle ich einen explorativ-stimmungsvollenen Rundgang durch die (amtlich an die Welt vererbte) Altstadt und an die Brücke über die Donau (nur einen Nebenarm). Nirgends fließt das Wasser so schön unter einer Brücke durch, nicht in Florenz, Venedig oder Salzburg.
Am nächsten Morgen blicken Sie vielleicht aus Zimmer 401 – einem Kleinod, deutsch betont auf Klein – auf die gotisch-barock durchbrochenen Tür­me des Doms, ganz in der Ferne, sehen Sie sie im Bild? Frisch gesinnt machen Sie sich (noch nüchtern) über die lange Bahn-Ba­lus­tra­de wie­der zurück auf den Weg in die mor­gen­frische Stadt.
   Durch den Bahnhof kommt man schur­stracks in die hier stark automobilbefreite Pracht- und Maximilianstraße – wir sind in Bayern! 
   Links Nummer vier ist das Café Fürstenhof, kündend von besseren Zeiten, volleren Kaffee­häu­sern, und – eben – Fürstenhöfen. Dort gibt’s eine gute Auswahl nicht zu teurer Frühstücke im Ambiente eines Wiener Kaffeehauses, nur die Zeitungsauswahl ist provinziell. Ich ließ mir ein »englisches Frühstück« zubereiten, und war anfangs der einzige, erste Gast am gehörigen Marmortischchen.
   Wandert man weiter g’radeaus kommt man zur Kameliterkirche Sankt Joseph, rechts, bescheiden, arbeitsam, für den Gebrauch einfacher Christen. Die Spezialität ist hier das Beichten, die Karmelitenkirche »gilt als die Regensburger Beichtkirche schlechthin«. (Säkular sind die Karmeliter eher für den »Echten Regensburger Karmelitengeist« bekannt.)
Dieses Angebot der Karmeliter ist meines Wissens deutschlandweit einzigartig und über Regensburg  hinaus bekannt. Sozusagen ein katholisches Welterbe, aus einer fernen Zeit. Instant Relief; ich kam direkt dran. Gebeichtet wird in einem Beichtzimmer rechts am Kreuzgang. Pater Sebastian – Name wegen Vergesslichkeit geändert – begrüßt freundlich den Sünder, zieht den Vorhang zu, während er sich in die bekannte Schräglage setzt, Ellbogen aufgestützt, Ohr zum Gläubigen. (Un- und Andersgläubige können bei Don Camillo und Peppone nachsehen.)
   Die Absolutionsansprache war nicht der übliche Testlauf für die Sonntagspredigt oder sonst allgemeine gute Ratschläge. Der Pater erinnerte daran, dass im November der Verstorbenen gedacht wird. Sie sitzen, wo sie sitzen – er vermied geschickt, das »Purgatorium« zu benennen – und warten dort darauf, ihre unvermeidlichen Sünden loszuwerden. Unser Gebet kann ihnen dabei helfen, so wie sie dann später durch Beten uns auf Erden helfen können, ein wenig weniger zu sündigen. Er sagte das mit einer Selbstverständlichkeit, einer Klarheit, als sei’s eine Prise Salz, die man einem Kochrezept zufügt. Gläubig, ganz gläubig. Das ist so. Folgerichtig kam ich um die üblichen zwei oder drei Vaterunser herum, und wurde auf die Litanei für die Verstorbenen verwiesen, Gesangbuchnummer 569. Welch ein Glaube!
   Die Frühmesse war gerade zu Ende. Geht, ihr seid gesandt. Viele blieben noch, als wollten sie sich nicht so schnell lösen aus dem Raum des Glaubens. Ich habe noch ein wenig fotografiert, getrödelt, mir die beleuchtbare »Krippe«, den »Tod des hl. Josef« angesehen. – Soviel für heute, morgen vielleicht dann mehr. / Da bin ich wieder. Übrigens ist die Geschichte nicht wirklich ganz wahr. Statt dem abendlichen Regensburgrundgang hörte ich im Salzstadel einen exzellenten juristisch-rechtlich-gesellschaftlichen Vortrag über die nach 38 Minuten Parlamentsdebatte eingeführte »Ehe für alle«. Mehr dazu auf meinen Bildern. Hier nur eine Anekdote (den Google-Maps nur so kennt: 49.0206255,12.0993853). Richtig voll Salz war der Salzstadel nie; er sollte in seiner Größe nur das gegenüberliegende Ufer beeindrucken. Nun am Vormittag weiter in Regensburg.
»Judensau«, begrapscht von drei Juden
   Nach dem Karmeliterkloster wanderte ich zum Dom nebenan, hell in Novembermorgensonne der alles überragende Dom. Mit Ludwig (oben, verstorben) sah ich mir (unten, schön lebendig) die Süd­fassade an, entdeckte hoch oben noch Heilige am Nordturm, und unten eine mittelalterliche, recht abgenutzte »Judensau« samt salvatorischer Erklärung auf Plexiglas von 2005, die mich erst draufgebracht hat.
Innen überwältigt mich der Re­gens­dorfer Dom jedesmal, in seiner Größe, seiner Ruhe, seinem Licht – besonders der strahlenden Muttergottes mit Kind und der Fenster. Am Ausgang stand seitlich noch ein eng umschlungenes küssendes Paar in Sandstein, ob gleichen Geschlechts ist nur zu vermuten.
   Weiter ging’s durch die fröhlich-helle, barocke Stiftskirche hinunter zum Fluss. Die Steinerne Brücke ist nach wie vor zum Teil eingerüstet. Seit Jahren kenne ich sie nur so, eine moderne Dauerbaustelle. Schlüpft man unter dem ersten Brückenbogen durch, sieht man die schönsten Wir­bel und Wall­un­gen eines ordentlichen Flusses in Deutschland. – Wie so vieles in Regensburg möge man dergleichen  selbst entdecken!
»Ein Gruß aus der Küche«. l’osteria, Watmarkt 1
Wieder hinauf in die enge Altstadt wandernd verlockte mich ein Risotto für neun Euro in einer Osteria, freilich einer so genannten Kette, jung unf fröhlich. Das Risotto war gut, sämig wie’s gehört, ein wenig versalzen halt: Chef (?) und eine junge Kellnerin sind offen­sichtlich beidseitig ineinander verliebt. Dazu ein kleines Helles von Paulaner – gibt’s auch nicht im Norden, süß und ruhig.
   Hernach landete ich im ausufernden Laden der beiden Kosters, Tändlerei genannt. Ein Tandler ist im Süddeutschen ein in Tand Machender; im Norden ist vom so vielseitigen Beruf nur mehr der Familienname übrig geblieben. Ähnlich Weinzierl, »im Ober­deut­schen ein Winzer«. Frau Kosters, süddeutsch freundlich, kannte sich aus mit
Klein­an­tiqui­tä­ten. Ich hab’ ihr mein halbes Leben erzählt, was für sie spricht, find’ ich – weniger wohl für mich. Glasbläserei, frei geblasene Stücke, Stücke mit Naht, China, Amerikaner auf der Suche nach Raritäten zu Chinapreisen, alte Kunst, Schönes zu machen, zu schnitzen, Design, Ramsch – beileibe nicht Tand. Was mich wirklich interessierte: bleibt unveröffentlicht …
   Noch ein wenig Wandern durch die Altstadt, vielleicht ein Besuch auf einem der Türme, vielleicht gleich dem »goldenen« Geschlechterturm. Und dann wird’s langsam Zeit, um ohne Hast und Sünd’ um 16.26, knapp halb fünf also, auf Gleis neun, die für einen langen Moment, für ein ehrliches Stück Leben, unterbrochene Reise abendlich wieder aufzunehmen.

Permalink hierher: https://blogabissl.blogspot.com/2017/11/beichten-in-regensburg.html

Danksagungen der Österreichischen Bundesbahn für Strom und unproblematisches W-Lan im ICE, WIFIonICE. Konstant und ausreichend schnell, vielleicht eine Minute für das Hochlanden eines Zwei-Megabyte-Bildes.

21. November 2017

Auf die Butterseite fallen

»Dummes« Winterbohnenkraut (»Bohnenstroh«), Foto hierher
Bei Sprichwörten war ich immer der Meinung, man müsse sie sich auch im übertragen angewandten Fall bildlich vorstellen können. Das verlangt vom Autor ihren bewussten Einsatz, einen Augenblick Innehalten, einen kurzen Seitenblick auf oft gedankenlos eingesetzte Bilder.
   Kann sich eine Blechlawine stauen? Oder sieht man in einer Lawine nicht eher ein schnelles, sich beschleunigendes Rutschen als einen wüsten Scheehaufen?
   Bei »dumm wie Bohnenstroh« ist das Bild inzwischen unwichtig geworden, weil sich keiner mehr Strohmatratzen vorstellen kann. Ich sollte meine als Kind am Hof noch täglich durch den Schlitz oben auflockern, das gehörte zum Bettenmachen. Was daran so dumm sein soll, wäre aber auch mir nie in den Sinn gekommen. Und in der Wikipedia nachsehen, das konnte man damals nicht.
   Im schönen Artikel von Kolumnistin Daniele Muscionico aus der Neuen Zürcher Zeitung vom 21.11.17 über Michelle Hunziker, »Die Schöne ist das Biest«, fiel mir heute die Butterseite auf: »Wer als Frau so lächeln kann wie sie, wird immer auf die Butterseite des Lebens fallen. Oder von einem Mann auf dieselbe gelegt werden.«
   In meiner Vorstellung sehe ich immer ein Butterbrot mit der Butterseite im Dreck liegen – Pech also! Inwischen überwiegt für die meisten wohl die Butter im Bild. Die Leute nehmen’s für Glück, was auch immer mit der Butterseite passiert. Bildfaul. Schwamm drüber, Butter drauf statt billiger Margarine, und sei’s – horribile dictu – im Bette liegend.
   Ein deutscher »Redensarten-Index« bringt immer noch zuerst die negative Bedeutung des auf die Butterseite Gefallenen, das Pech, hier. Die widersprüchliche glückliche Sicht schreibt der »Index« eher einer »Butterseite des Lebens« zu, als einem Herunterfallen. Somit müsse die Redensart »im Einzelfall aus dem Kontext heraus interpretiert werden«. Schade. Schlamperei.

Wenn ein bebutterter Toast vom Frühstückstisch rutscht.
   Bacon et al. 2000: “A closer look at tumbling toast” 
Dreht sich der Toast beim Fallen um 90 bis 170 Grad, dann fällt er auf die Butterseite. Das hängt vom Überhang (overhang) des Schwerpunkts ab, ab dem der Fall tatsächlich beginnt.
   Eine alte Theorie, die Rutschen (slipping) nicht berücksichtigt, lässt den Toast eigentlich immer auf die Butterseite fallen. Die in der Arbeit aus dem Jahr 2000 neu vorgestellte, vollständigere Theorie, kommt dagegen zum Ergebnis, dass das in 63 Prozent des möglichen Überhangs nicht so ist: Der Toast landet glücklich mit der Butter nach oben. Nur: Fast immer fällt der Toast bei erster Gelegenheit, also schon bei einem Überhang des Schwerpunkts von bis zu 8 Millimeter – wohl, weil der verursachende Ellenbogen nicht genügend schwungvoll eingesetzt wurde, mein’ ich: Also zeigt die Butterseite doch meist zu Boden! Pech bleibt Pech. Murphy bleibt bestätigt.

NZZ-Artikel:
   https://www.nzz.ch/gesellschaft/die-schoene-ist-das-biest-ld.1329269
Das Sprichwort im »Lexikon«:
   https://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=~~auf%20die%20Butterseite%20fallen&bool=relevanz&gawoe=an&suchspalte[]=rart_ou&suchspalte[]=rart_varianten_ou
Die Studie:
   https://space.umd.edu/dch/p405s04/AJP00038.pdf
Das Video (deutsch):
   https://www.youtube.com/watch?v=anQo1D42DM8
Weitere Gedanken:
   https://lostinscience.wordpress.com/2013/02/10/why-toast-lands-buttered-side-down/

Link zu diesem Blog-Eintrag (Post, sprich Po-ust):
 https://blogabissl.blogspot.com/2017/11/auf-die-butterseite-fallen.html

18. November 2017

Lenkrad quietscht

Hören Sie’s? Beim Drehen des Lenkrads quietscht es leise, so uhm-uhm. Das hört sich eigentlich ganz beruhigend an – ist es auch. Die Verbindung vom Auto (ruhend) zu den zahlreichen Knöpfen und Knöpfchen, Reglern und Signalgebern am Lenkrad selbst (bewegt) erfolgt durch Schleifkontakte unten im Fußraum. Die sind wie Stromabnehmer bei der Bahn, nur eben ungefährlich. Sie quietschen gern. Lassen Sie’s gut sein, das Geräusch.
   Dieser Tipp erfolgt wie immer alles ohne Gewähr.

Link hierher: https://blogabissl.blogspot.com/2017/11/lenkrad-quietscht.html

14. November 2017

Dann kam mit all seiner unaussprechlichen Not der schreckliche Krieg, der auch mir vier Söhne kostete.

Das schrieb Pastor Wilhelm Jörn in seinen Erinnerungen*).
Der fünfte war wegen einer Fußverletzung untauglich und überlebte.

Novemberstimmung. Aus meinem Album November 2107
In diesen Novembertagen 2017 ist es kalt und regnerisch geworden hier in Bonn.
   Ich denke an Verstorbene, und denke ans Denken, an das Gedenken an Verstorbene. »Mögen sie ruhen in Frieden«, hat man einst gesagt. »Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr«, so begann 397 Augustinus seine Confessiones, in einer Zeit, zu der man sich wohl hauptsächlich noch Ruhe wünschte, und sei’s im Tod.
   Schuld und Tod lassen sich scheinbar nicht trennen, zumal der unwiderrufliche Tod Schuld zementiert. Ein Bekenntnis, Reue, Wiedergutmachung, eine Entschuldigung (wörtlich zu nehmen), dieses »wie auch wir vergeben unseren Schuldigern«, das mag früher Schuld vergeben haben, getilgt, gesühnt. Nicht so heute, wo wir, gottlos auf uns allein gestellt, Schuld festhalten über Jahre, Jahrhunderte, möglichst bis zurück zu dem von den Römern angeblich*) abgeholzten Apennin und Kain und Abel.Wenn schon Schuld, dann bleibe sie ewig, so fühlen wir.
   Nicht der Tod, die Schuld »steht heute im Vordergrund«. Und je nach dem Wehen des Windes geben einmal die einen, dann die anderen Anlass zum Gedenken – an Schuld.
   Dabei sind doch der Tod, das Leid, die Schmerzen in Leib und Seele das Mitzufühlende. Der Tod tut weh, die Schuld nur selten. Terror wird plausibilisiert, man rühmt sich seiner oder sucht Ge­gen­maß­nah­men, man erklärt die Sache, den Schuldigen für unzurechnungsfähig, fanatisiert – als am besten Schuld niemandem anrechnen zu müssen. Denn tilgen lässt sich sich nie und mimmermehr.
   So verstehe ich, dass in Deutschland und in der Welt dem Holocaust – das Wort kam 1980 auf – mehr gedacht wird als der Vertreibung, den Verbrechen Stalins oder der DDR, mehr vor allem als den Toten selbst.

Ein Soldat fiel 1944 in der Eifel. Für die Schlachten dort – man müsste das Schlachten sagen – steht der »Hürtgenwald«. Im Großen war das »Hitlers letzte Offensive«, die »Ardennenschlacht«. Wenn nicht Hemingway »Über den Fluß und in die Wälder« geschrieben hätte, so wäre wohl der unsinnige Tod, sein Tod und der von 65 000 Soldaten damals noch vergessener. »Die ›Schlacht im Hürtgenwald‹ im Winter 1944/45 war ein lange andauerndes Gemetzel. Mit einem letzten Aufbäumen deutscher Resttruppen und am Ende, neben rund 15 000 deutschen Toten, mit über 50 000 gefallenen GIs – genau so viele wie im ganzen Vietnamkrieg«, schrieb 2003 die Zeit. Unsinnig wie die Schlachten des Ersten Weltkriegs.

 Der Tod eines Soldaten – »Die Grausamkeit des Heldentums«
Geboren 1911 in Königsberg, im Dezember 1944 gefallen in der Eifel

Vier der fünf Brüder sind gefallen. Der ganz links im Bild war nicht tauglich und dann auch nicht tot;
nach dem Krieg wanderte er nach Princeton aus und starb 1982. Ihre Schwester, die älteste von dreien, starb 1972.
Bild etwa von 1935




















Wir wissen nicht, warum er starb, »fiel«, wie es hieß. Nicht einmal, warum er Soldat war, er, der Sohn eines frommen protestantischen Predigers. Wir kennen ihn nicht, konnten ihn nie fragen, geschweige denn sich erklären lassen. Es drängt uns dennoch zu urteilen. Ich verkneife mir das. Alle Schuld, alle moralische Beurteilung sollte, meine ich, ruhen nach vielleicht schon zwanzig Jahren, verjähren, aus Respekt vor dem Geschehen, dem unerklärlichen. Auch weil sich Anschauungen wandeln, die handelnen Personen ebenfalls; viele gute Gründe; nur Rache nicht.
   Die Witwe des Soldaten hatte, nachdem sie vom Tod ihres Mannes erfahren hatte, seinen Freund gedrängt, ihr Enzelheiten zu berichten. Selbstquälerisch? Um ihr Andenken noch zu vertiefen? Weil sie’s nicht glauben konnte, nicht wollte. Mir hat sie einmal gesagt, er sei direkt in die Stirn getroffen worden, als Kind glaubte ich das erst auch nicht. Nichts wissen wir. Vielleicht wissen wir wie, warum wissen wir nie.
   Ich will den Brief des Freundes wiedergeben, und seinen zweiten dazu: 

Brief von Leutnant Walter Krüger aus Meppen, 12.1.1945.

   Hochverehrte gnädige Frau!
Herr Oberst Fieger, mein Regimentskommandant, wird Ihnen, hochverehrte gnädige Frau, schon die Mitteilung vom Ehrentode Ihres Gatten gemacht haben. Ich bitte Sie meine und des Regiments aufrichtigste Anteilnahme entgegennehmen zu wollen. Der Verlust war auch für uns ausserordentlich schmerzlich.
   Als alter Mitarbeiter Ihres Gatten möchte ich Ihnen, gnädige Frau, noch ausführlich berichten.
   Unser Btl. wurde nach der Ausbildung in Ungarn an die Westfront verlegt. Dort waren wir am Westwall an verschiedenen Stellen eingesetzt. Am 15.12.44 wurde dann unser Regiment aus der alten Stellung (Raum Monschau) herausgezogen, um sich für den Grossangriff im anderen Abschnitt bereitzuhalten. Morgens um 5.30, am [Samstag] 16. 12. 44, nach heftiger Artillerievorbereitung trat unser Regiment zum Angriff an. Unser Bataillon wurde in heftige Waldkämpfe verwickelt. Bunker um Bunker musste dem Amerikaner entrissen werden. Das Beispiel unseres verehrten Kommandeurs, Ihres Gatten, ermöglichte ein schnelles Vorkommen. Seite and Seite, genau wie seinerzeit in der Normandie, durfte ich Freude und Leid mit Ihrem Gatten teilen. Nach Wegnahme der 1. amerikanischen Bunkerlinie gab Ihr Gatte erneuten Befehl zum Angriff. Ein heftiger Feuerkampf begann, Mann gegen Mann. Ihr Gatte und ich lagen hinter einem mit Schnee bedeckten Holzhaufen. Beim Geben eines Befehles, wobei sich Ihr Gatte etwas aufrichten musste, traf ihn die Kugel eines amerikanischen Scharfschützen. Ihr Gatte war auf der Stelle tot, der Schuss war wohl gezielt.
  Dass ich minutenlang wie gelähmt daneben lag, darf ich Ihnen gnädige Frau, versichern. Aber der Kampf musste fortgeführt werden. Ich habe dann das Bataillon (?) an den ältesten Kp. Führer übergeben.
   Dem Burschen habe ich dann befohlen, Ihren Gatten zurückzubringen. Dies geschah alles gegen 10.45 Uhr. Am Nachmittag des gleichen Tages wurde ich dann selbst verwundet.
Die Kriegerwitwe wollte mehr wissen. Hier also der zweite, lange Brief Krügers mit handgezeichneter Skizze des Sterbeortes, der ziemlich genau an der deutsch-belgischen Grenze gewesen sein muss, 50.453488,6.373315, im »Krinkeler Wald«. Der Bauernhof (Luxemburger Straße 59, 53940 Hellenthal, 50.453795,6.376113) ist in der Skizze nicht zu sehen, entweder gab es den damals nicht, dann könnte der Sterbeort dort gewesen sein, oder die Skizze berücksichtigt ihn nicht. Möglicherweise liegt der Ort aber auch etwas weiter südlich auf 50.451568,6.376403. 

Brief vom Leutnant Walter Krüger aus Meppen-Ems vom 26.1.1945: 

   Hochverehrte gnädige Frau!
Heute erhielt ich Ihren Brief vom 19. 1. 1945. Ich empfinde tiefstes Mitgefühl dafür, dass Sie die Ungewissheit über die letzten Stunden Ihres Gatten quält, und möchte Ihnen sofort ausführliche und wahrheitsgetreue Nachricht geben.
   Es liegt mir fern, Ihnen, hochverehrte gnädige Frau, die Grausamkeit des Heldentums Ihres Gatten in irgendeiner Weise zu beschönigen. Von diesem Grundsatz bin ich auch in meinem letzten Brief nicht abgegangen. Sorgen Sie sich also, bitte, nicht, dass ich Ihnen irgend etwas verschweigen oder beschönigen würde. Selbst wenn ihr Gatte eines qualvollen Todes gestorben wäre, würde ich im Vertrauen darauf, dass die Lebenskameradin meines verstorbenen Kommandeurs ebenso stark und fest sein würde, wie er, Ihnen die Wahrheit nicht vorenthalten.
   Ich habe tiefstes Verständnis für Ihre Sorgen und werde mich bemühen, Ihnen in meiner Darstellung ein getreues Bild von den letzten Stunden Ihres Gatten zu geben.
   In der Nacht zum 16. 12. 44 befand sich unser Bataillon auf dem Marsch zum neuen Einsatzraum. Ihr Gatte jagte mit seinem Wagen von einer Besprechung zur anderen, sodass wir während dieser Nacht nur wenig zusammen waren. Eine gute halbe Stunde saßen wir noch im Keller zusammen und besprachen neu eingegangene Befehle. Gesprochen wurde, wie es in solchen Stunden üblich ist, nur wenig. Wir erhielten dann den Befehl, dass Ihr Gatte sofort zum Regimentsgefechtsstand kommen sollte. Kurz darauf erreichte mich dann ein schriftlicher Befehl Ihres Gatten. Diese Zeilen dürften die letzten sein, die Ihr Gatte schrieb. Ich lege Ihnen die erste  Seite dieses Befehles bei [nicht mehr da], die andere befindet sich leider nicht mehr in meinem Besitz. Nowotny war ein Melder, Janosch der Bursche Ihres Herrn Gemahl.
   Erst um 4.00 des 16. 12. sahen wir uns wieder. Wir verbrachten noch die letzten 1½ Stunden bis zum Angriffsbeginn zusammen. Sie, hochverehrte gnädige Frau, werden verstehen, dass uns während dieser kurzen Zeit keine Gelegenheit mehr zu irgendwelchen privaten Gesprächen verblieb. Ihr Gatte traf die letzten Vorbereitungen zum Angriff, gab die letzten Befehle und Anweisungen. Wir rauchten viel und tranken noch ein wenig heißen Kaffee. Im übrigen dachte wohl jeder von uns an seine Lieben, aber wir hatten keine Zeit, die Gedanken laut werden zu lassen. Etwas Ärger hatten wir wohl, denn die schwere Kompanie war nicht mehr zur rechten Zeit herangekommen. Es lag wohl weniger an dem Versagen des Kompanie-Chefs, sondern vielmehr an dem Zustand der Straßen und der Unbeweglichkeit einer solchen Kompanie.
   Um 5.30 Uhr setzte dann ein gewaltiger Feuerschlag unserer Artillerie und Nebelwerfer ein. Gleichzeitig jagten die V1-Geschosse über den noch dunklen Nachthimmel. Dann flammten unzählige Scheinwerfer auf, deren Licht von der tiefhängenden Wolkendecke zurückgeworfen wurde und so das Angriffsgelände erhellte.
   Angesichts des völlig überraschten Gegners gewann der Angriff sehr schnell Boden. Es wurde langsam hell, und gegen 9.30 Uhr wurden wir in ein Waldgefecht verwickelt. Die Spitzenkompanie lag vor einer Linie feindlicher Holzbunker, die geschickt getarnt den Wald sperrte.
   Ihr Herr Gemahl wollte für die nachfolgenden Truppen die Stetigkeit des Vormarsches gewährleistet wissen und drängte auf rasche Überwindung dieser Linie. Durch persönlichen Einsatz in vorderster Front gelang es Ihrem Gatten, seine Soldaten mitzureißen und zu höchster Tapferkeit. Bald danach versperrte eine zweite Linie den Weg. Starkes Infanteriefeuer zwang uns in die Deckung. Wir lagen gerade hinter einem mit Lehm bedeckten Holzhaufen, unmittelbar links daneben war ein großer Tannenbaum. Ihr Herr Gemahl lag rechts von mir. Das feindliche Feuer verstummte etwas. Ihr Gatte hatte keine Ruhe, er wollte vorwärts.  Dem Oberleutnant (?)  Schulz, Chef der 7. Kompanie, rief er nun Befehle zu. Sofortiges Angreifen war sein Inhalt. Ihrem Gatten ging es zu langsam. Er sagte dann zu mir, und das waren seine letzten Worte: Krüger, sagte er, wir können doch nicht immer vorne weg laufen! Ich konnte ihm nicht mehr darauf antworten, denn wiederum erhob er sich, um der 7. Kompanie einen Befehl zu geben. Amerikanische Scharfschützen müssen uns als Führer erkannt haben, denn bevor er noch etwas sagen konnte, traf ihn ein feindliches Infanterie-Geschoss. Das Geschoss drang etwa von der Nasenwurzel aus nach oben in das Gehirn. Der Tod trat sofort ein. Es war gegen 10.45 Uhr. Mein Gefühl in dieser Sekunden, gnädige Frau, können Sie sich vielleicht vorstellen.
   Im Sinne meines Kommandeurs gab ich dann nochmals den sofortigen Befehl zum Angriff, der dann auch gelang.
   In diesem Krinkeler Wald war ein Vorwärtskommen darum besonders schwer, weil er einmal dicht bewaldet und zum zweiten sehr verschneit war: Dazu kam noch das diesige, undurchsichtige Wetter. Die beiliegende Skizze mag Ihnen ein kleines Bild der Landschaft und des Ortes geben. Ob man ihn nun im Wald beigesetzt [hat] vermag ich nicht zu sagen. Habe aber bereits veranlasst, Ihnen, gnädige Frau, die genau Grablage mitzuteilen.
Der Sterbeort liegt rund dreißig Kilometer südlich des Hürtgenwaldes.
Begraben ist er in einem Gruppengrab bei Reifferscheid.

Gerne bin ich bereit, Ihrer Frau Schwägerin alles persönlich zu berichten. Ich würde aber nicht zu einer Reise nach Treptow raten, da die Bahnfahrt in dieser Zeit kein Vergnügen ist. Es macht mir wirklich nichts aus, Ihre Frau Schwägerin in Mühlenbeck aufzusuchen. Mit meiner Entlassung rechne ich Anfang Februar, und fahre dann anschließend auf Urlaub.

   Ich hoffe, hochverehrte gnädige Frau, Ihnen mit diesem Brief Ihre Wünsche erfüllt zu haben.

   Von meiner Dienststelle habe ich die Mitteilung bekommen, dass die Nachlasssachen bereits abgeschickt worden sind.

   Sollten Sie, gnädige Frau, noch irgendwelche Fragen haben, die ich Ihnen beantworten könnte, so bitte ich Sie sehr, sich nicht von dem Gedanken leiten zu lassen, dass Sie mich bemühen. Im Gegenteil, ich erachte es als eine Selbstverständlichkeit.

   Indem ich mir erlaube, Ihnen, hochverehrte gnädige Frau, nochmals mein tiefstes Mitgefühl zu sagen, grüße ich Sie bestens.
   Ihr sehr ergebener Leutnant Walter Krüger.
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Literatur:

• Die Schlacht im Hürtgenwald in der Wikipedia, 2003 in der »Zeit« (zitiert), 2004 in der »Welt«
• »Doch der Hürtgenwald steht auch für eine fragwürdige Erinnerungspolitik«, Deutschlandfunk 2017. Danach sollte 2015 innegehalten werden im Gedenken. »Das Moratorium hatte mehrere Aspekte. Zum einen sich überhaupt erst einmal darüber zu versichern, was in der ehemaligen Kriegslandschaft Hürtgenwald nach dem Krieg an Erinnerungsobjekten entstanden ist und wie diese Erinnerungsobjekte zu bewerten sind. Dazu gehören Kriegsgräberstätten, dazu gehört eine Veteranen-Anlage einer Wehrmachtseinheit, dazu gehören zahlreiche Kreuze, Gedenksteine, das war das eine. Das zweite war zu fragen, welche Defizite bestehen, also welcher Bevölkerungsgruppen beispielsweise wird nicht gedacht. Wie sieht es aus mit Juden, die vertrieben worden sind, die enteignet worden sind, wie sieht es aus mit Zwangsarbeitern, wie sieht’s aus mit russischen Kriegsgefangenen.« – Defizite im Gedenken.

*)Wilhelm Jörn, Ährenlese vom Acker meines Lebens, http://www.joern.de/aehren.htm 
Meine Datei: "Tod … .doc" auf FA. Einige Veröffentlichungen, auf Anfrage.

*) »Nachhaltig wurden in römischer Zeit vor allem einige Landschaften im weiteren Umkreis Roms, der ›Ewigen Stadt‹ verändert. Weniger plünderte man offenbar viele Wälder im Apennin, obwohl sie dichter bei Rom lagen«, Hansjörg Kister, Geschichte des Waldes.

Link hierher: https://blogabissl.blogspot.com/2017/11/dann-kam-mit-all-seiner.html

Im Netz findet man sogar Einzelheiten von Erinnerungen, doch auch das sind Kampfesgeschichten, die jeden Sinn längst hinter sich gelassen haben – aus der weiten Ferne gesehen.
Wingolf Scherer, Kampf und Vernichtung der 277. Division in der Normandie und in der Eifel, ihr
  »Untergang«, ISBN: 978-3-938208-18-2, Auszüge.
Ziak, Karl: Ich war kein Held, aber ich hatte Glück Vier ungewöhnliche Jahre eines Auch-Soldaten, ISBN: 3852020255. Auszüge

• Die 277. Volks-Grenadier-Division 
Weitere Quellen:
   On the night of 15/16 December the 990. Regiment occupied the West Wall pillboxes near Udenbreth, poised for an attack to seize Krinkelt. Before the attack, regiments of the 277.VGD. had been critically short of officers and noncommissioned officers, hardly a single front-line company had more than a single officer, and as those leaders tried to inspire their inexperienced troops by example, they had been among the first to fall.
    990. Regiment attacks, when the barrage fire lifted at 0700.
   The German assault companies, however, failed to get across the halve mile of open ground before dawn and were checked short of the woods by mortar and machine gun fire. The commander of the 277. VGD. at once decided to throw in his reserve, the 991.Regiment.
    The Germans probably lost as many as three hundred men.
    277. VGD. wasn’t able to clear the woods and reach Krinkelt - Rocherath on 16.December.
    The 277. VGD advanced well forward on 18.December, and took the heights north of Wirtzfeld.
989. Regiment had reached Rocherath.

• Meine privaten Aufzeichnungen – bei mir FA\Tod_….doc 

Wer war der berichtende »Leutnant Walter Krüger«? Nicht General Krüger, auch nicht SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Walter Krüger, der war an der Ostfront und soll sich um. Dann fand ich noch einen »SS–Sturmbannführer (Major) der Waffen-SS«, gleich dem »Kamerad Krüger« im Defa-Dokumentarfilm?