6. Mai 2024

Demonstrierende Studierende

Columbia-Uni, aus einem Video
 Studentenunruhen. Damals erlebte ich sie in Berlin, am Radio, in meinem Laden in der Charlottenburger Hebbelstraße. Benno Ohnesorg wurde sozusagen »vor meinen Ohren« zwei Straßen weiter in einem Innenhof erschossen, am 2. Juni 1967. Der Reporter hatte Mühe, sich den Schuss zu erklären und riet herum. »Sein Todestag gilt als Einschnitt der westdeutschen Nachkriegsgeschichte mit weitreichenden gesellschaftspolitischen Folgen«, urteilt inzwischen die Wikipedia darüber. Ich war erschüttert und bin es noch. Wir Studenten der nahen Technischen Universität hatten nicht mitdemonstriert, hatten nichts gegen den Schah, ich schon gar nicht. Die Demonstranten waren von der Freien Universität in Dahlem gekommen, wenn nicht von weiter her. 

Heute demonstrieren Studenten wieder, ganz anders. Genannt werden sie Studierende, im angeblich Deutschen. Als Demonstrierende können sie das für mich gar nicht sein, entweder sind sie Studierende oder Demonstrierende. Sie laufen mit Fahnen herum, nicht mit ihrem Bronstein-Semendjajew, den wir damals in Ostberlin kauften. Beides zugleich geht nicht. Ich bin gewohnt -Endendes für einen momentanen Zustand zu halten; da ist ein Leidender nicht zugleich Jubelnder, und ein Radfahrender einfacher ein Radler in Aktion und dann nicht gleichzeitig Autofahrer. Außerdem verlängern die -denden das Hauptwort über Gebühr. Sprachlich Mist.

Sprachlich ist mein Hauprproblem bei all den neu von oben herab erfundenen Benennungen, dass sie nicht gewohnter Sprache entsprechen. Bei jedem -denden, geschweige denn bei jeder -denden, hänge ich wie bei einem falschen, unerwarteten Begriff an diesem unnötigen Fremdwort. Wie beim Lesen von Dialekt, wo ich oft erst raten muss, um was es geht. Mich lassen die neumodischen Begriffe, die gesprochenen Gender-Gaps, die Stern- oder Lücke-Unterbrechungen oder -Aussetzer an Dinge denken, die nichts mit der Aussage eines Satzes zu tun haben. Mich stört diese wichtigtuerische Unterbrechung des Verstehens. Orwellscher 1984er Neusprech.

Mir scheint, es kommt inzwischen nicht mehr darauf an, dass man den Inhalt einer Aussage gleich richtig versteht, sondern dass die Form modern ist. Was herauskommt ist aber nicht eine schön geschmückte, sagen wir, barocke Sprache, ein neues Sprach-Biedermeier, sondern ein Krampf. Für Ausländer vermutlich ganz unverständlich. Für mich hässlich und unklar, und das wohl für viele. Kein Mensch spricht so, außer vielleicht in neu-akademischen Kreisen, im Deutschlandfunk, in Zeitungen, die’s den empfindlichsten Kreisen mit vorauseilenden sprachlichen Bücklingen recht machen wollen. Eine Schmucksprache, die hässlich, ja falsch ausfällt und mühsam zu verstehen ist. 

Heutzutage geht es nicht um Verstehen, denkend verstehen, Denken. Die Aufklärung wird zurückgespult; nur Gutmeinung zählt. Voran kommt so keiner.  

Link hierher: https://blogabissl.blogspot.com/2024/05/demonstrierende-studierende.html

Siehe auch https://blogabissl.blogspot.com/2024/02/sprache-ist-kein-schmuckblatttelegramm.html

Siehe auch https://blogabissl.blogspot.com/2021/11/gendern-usw.html

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1. Mai 2024

New York Times’ “Ethicist”, a Suggestion for You

Ethicist—Advice on life’s trickiest situations and moral dilemmas from the philosopher Kwame Anthony Appiah. Sign up for the Ethicist newsletter, for Times subscribers only.

   This is what the New York Times announces about its ethic column.
   Here an overview: https://www.nytimes.com/column/the-ethicist . Here an example https://www.nytimes.com/2024/03/27/magazine/stranger-groceries-gift-ethics.html . You may not be able to open it directly, let me know.

© NYT
   I here (in Bonn) have a digital subscription to the New York Times, NYT. I pay €2 every 4 weeks for: “Unlimited digital access to everything we have to offer - News, plus Games, Cooking, Audio, Wirecutter and The Athletic”. So it’s cheap, at least for the moment. I think the NYT ist the fastest and best source of news. (For Europe I read the NZZ.) 

Incidentally. As an active (but not all believing) Catholic I regret that our church has given up moral support, at least as seen by Rome. With the stringent order “sex only when you wish a child” the Catholic church has given up making any sense nowadays. Self-disqualifying. The endless cathechism promulgated 1992, see https://www.vatican.va/archive/compendium_ccc/documents/archive_2005_compendium-ccc_en.html and mainly https://www.vatican.va/archive/ENG0015/_INDEX.HTM , is at best history, and of little use practically. A shame, I’d say.

Link to here https://blogabissl.blogspot.com/2024/05/new-york-times-ethicist-suggestion-for.html

PS. The NYT has other fine columns, like science and fashion. Here another example: https://www.nytimes.com/2024/04/29/style/cargo-pants.html

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29. April 2024

Fake »Deutsche Post--Paket ist …«

 

Bekannter Betrugsversuch, fake SMS.
   Nicht reagieren, nicht antworten! Erkennbar auch z. B. durch die doppelten Bindestriche. Profis sind das nur danach.

Siehe z. B.  https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/mobilfunk-und-festnetz/paketdienstsms-vorsicht-abzocke-58988 und anderswo.

Meine betrügerische SMS kam von einem eliasczdmason@outlook. Punkt com vermute ich, mein Bildschirm ist so klein …

Wenn Sie schon (wie ich) Y geantwortet haben, haben Sie sich erstmal nur als potenzielles Opfer ausgewiesen … Sind wir das inzwischen nicht alle?

Link hierher: https://blogabissl.blogspot.com/2024/04/fake-deutsche-post-paket-ist.html

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2. April 2024

gesichert

Walther P1
Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Walther_P1#Bedienung
Foto Wikipedia


»Gesichert«, das kenne ich. Eine gesicherte Pistole schießt nicht. Aber was ist ein gesicherter Rechtsradikaler (oder gender-korrekter ein gesichert:er Rechtsradikalisierender)? Da wird die Definition schon schwerer.
   Beide Begriffe fallen Google etwa gleich häufig auf: "Pistole gesichert" 1310 Treffer, "gesichert rechtsradikal" 1374 Treffer (Abfrage 2.4.2024).
   Was ein »Neonazi« ist, fast achtzig Jahre nach der NSDAP, muss ich ebenfalls googeln. Den oder die gibt’s nicht als Lemma (Name für ein Stichwort bei Wikipedia), nur den Neonazismus. Nun denn, etwas weiter meint die Wikipedia: »Vertreter des Neonazismus werden Neonazis genannt; …«
   Das macht den Begriff schwammig, denn den Nazismus gibt’s nicht als Partei oder Handelsmarke. Da ist ein reisender Staubsaugervertreter besser definiert, doch die sind ausgestorben.
   Im Ernst. Ein »gesicherter Rechtsradikaler« scheint Hans-Georg Maaßen zu sein, denn sonst dürfte der deutsche Verfassungsschutz ihn wohl nicht beobachten, also etwa sein Telefon abhören. Die Tagesschau berichtete Ende März 2024: »Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen geht nach eigenen Angaben gegen seine frühere Behörde juristisch vor. Er habe Klage beim Verwaltungsgericht Köln gegen das Bundesamt für Verfassungsschutz eingereicht, schrieb Maaßen im Onlinedienst X.« Inzwischen wurde die Nachricht amtlich bestätigt. »Ende Januar war bekannt geworden, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Daten zu seinem ehemaligen Präsidenten im Informationssystem der Behörde im Bereich Rechtsextremismus gespeichert hat«. – »Bereich«, wenn ich dass schon höre!
   Wenn der Verfassungsschutz meint, Maaßen sei undemokratisch, demokratiefeindlich, könnte er seine Anstellung verlieren und die Beamtenpension. Das meint die ARD. Da will ich nicht weiter spekulieren und schließe mich der Meinung Oliver Maksans in der NZZ an, siehe https://www.nzz.ch/meinung/deutscher-verfassungsschutz-passt-nicht-zu-einer-liberalen-demokratie-hoechste-zeit-ihn-abzuschaffen-ld.1820517 . Ich schäme mich für meinen Staat.

Link hierher: https://blogabissl.blogspot.com/2024/04/gesichert.html

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Und das 70 Jahre nach dem Nationalsozialismus und fast einem Vierteljahrhundert nach der Stasi!

Ich bin übrigens kein Anhänger der AfD oder der Grünen, eher ein konservativer Alter, ein Kapitalist ohne groß Kapital. Merke: Die Qualität der Politik zeigt sich nach der Wahl, egal wie süß die Versprechungen vorher geklungen hatten: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen (1. Johannes 2,1–6).

12. März 2024

Besen, die nicht herausrutschen

Das ist ein billiger Trick für einen Unordentlichen, und, pardon, für eine Unordentliche auch; oder beide, oder einen Unordentlichenden (zu Gendern siehe https://blogabissl.blogspot.com/2021/11/gendern-usw.html ).

Also: Besen stellt man nicht auf die Borsten, die dann krumm werden. Besen hängt man frei auf – dazu haben Besenstiele oben ein Querloch – oder man stellt sie mit dem Stock nach unten auf; am Kopf stehend.

Dies da links ist ein realer Besenschrank, bummvoll, unordentlich. Die Besen und anderen Stangenpflanzen stehen ökologisch richtig gemischt umher – der deutsche Wald ist ein Mischwald!

Der Trick ist unten. Da sehen Sie, mit passend weißen Reißnägeln (Reißzwecken) festgemacht, ein Stück Pappendeckel. Es verhindert, dass die Stiele herausrutschen.

Das ist alles.

Abiturienten dürfen die Rutschkraftkomponente je nach Neigung des Besenstiels ausrechnen. Genug, um einen verrückt zu machen, wenn die Tür (links) dann nicht zugeht. Sie können sich’s vorstellen? 


 

Link hierher:
 https://blogabissl.blogspot.com/2024/03/besen-die-nicht-herausrutschen.html

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3. März 2024

Sprünge und Fußnoten in Blog-Posts



Wechsel von Normal- (»Editor-«) und HTML-Ansicht bei Blogger
Schreibt man Blog-Posts (sprich Pohsts), also Blog-Einträge, so hat man alternativ Zugriff auf den erzeugten Quellcode im klassischen HTML-Format. (Ich benutze die HTML-Einstellung, wenn ich einen Aufrufzähler von Andy Hoppe einbaue.) In HTML baut man interne Links manuell ein. Geht einfach, keine Scheu!

Die HTML-Markierungen unterscheiden sich vom (und im) HTML-Fließtext durch Sequenzen in Kleiner- < und Größer-Klammern >. Hier handelt es sich um anklickbare Verweise, Links etwa aus einem Inhaltsverzeichnis oder eben Fußnoten, die typischerweise dann am Ende stehen. 

1. Zunächst muss die Stelle, zu der im Link gezeigt wird, entsprechend gekennzeichnet weden, damit man am rechten Ort landet. Label, Markierung, Einspruchstelle setzen, das »Wohin« also. Beispiel vor der nach dem Sprung zu zeigenden Textstelle <a name="Fußnote">. Ich merke mir das mit a wie Achtung. Der Name oder das Zeichen des Einsprungpunktes ist frei wählbar und wird im Text nicht angezeigt, im Link schon.
   Hinter dieser technischen Markierung kann ein sichtlich lesbarer Name folgen, muss aber nicht. Wichtig ist das Beenden der Name-Folge mit </a>. Der HTML-Name sollte natürlich einmalig sein im Dokument. In diesem bunten Beispiel ist der erste Stern die »technische« Markierung, der zweite Stern ist zum Zeigen und wird sichtbar:


2. Nun noch der (oder die) Verweise zum Label, im Beispiel zum Ort der Fußnote:
<a href=#Fußnote>.
Dabei ist # sozusagen der Befehl zu springen.
   In meinem »bunten« Beispiel ist der Name des Labels einfach *:

                                                               

Bitte keinesfalls das den Befehl abschließende </a> vergessen!
   Wollen Sie von weiter außen hereinspringen, so muss der ganze Link zur Zielseite vor dem seiteninternen Einsprungpunkt, gekennzeichnet durch das #, stehen, Beispiel etwa https://blogabissl.blogspot.com/2021/11/gendern-usw.html#* .

Das Ganze bunte Beispiel können Sie sich auf https://blogabissl.blogspot.com/2021/11/gendern-usw.html ansehen, bei der Fußnote zum Bild des Handkusses.

Weitere Möglich- und sonstige Feinheiten werden englisch auf https://stackoverflow.com/questions/66964/how-do-i-create-a-link-to-a-footnote-in-html erörtert, vor allem die Empfehlung, bei der Fußnote einen Rücklink zurück zur Aufrufstelle vorzusehen, damit der Leser leicht wieder zum Haupttext zurückkommen kann.

Link hierher zum Weitergeben:
   https://blogabissl.blogspot.com/2024/03/sprunge-und-funoten-in-blog-posts.html 

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26. Februar 2024

Sprache ist kein Schmuckblatttelegramm

Zeppelin
Wieder wider das Gendern.
Wir verhunzen gerade unsere deutsche Sprache. 

Für Gendern wird sogar in der Kirche gelogen, etwa bei den Lesungen. In der Bibel war die damals übliche Anrede etwa so: Paulus, berufen zum Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, und der Bruder Sosthenes an die Gemeinde Gottes in Korinth, an die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen samt allen, die den Namen unsres Herrn Jesus Christus anrufen an jedem Ort, bei ihnen und bei uns: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! … (Quelle Lutherbibel 2017). Im Gottesdienst gelesen wird dann aber wohl: Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther. Liebe Schwestern und Brüder … . Diese Schwestern und Brüder kommen in der ganzen Bibel nicht vor, nirgends; wir klittern uns den Text und schieben die Schwestern und Brüder von links in den Text hinein, als sei die Bibel ein Kindermärchen wie Jim Knopf und müsse angeglichen werden, damit das Wort Gottes zeitgemäß höfich erscheint.

Sprache dient der Verständigung zwischen Sprecher und Hörer. Nicht zwischen Sprecherin oder Sprecher und Hörerin oder Hörer, schon gar nicht zwischen Sprech:erin und Hörer:in oder Sprech*erin und Hörer*in und so weiter. Sprache ist nicht dazu da, einem oder einer Genannten den Bauch zu pinseln, denn meist hört der Genannte eh nicht zu. Das deutsche Auswärtige Amt nennt jetzt Kiew amtlich um in Kyjiw. Alle offiziellen Stellen müssen es ab sofort so schreiben. Ob man das jetzt auch anders ausspricht? Wie Roma anders klingt als Rom? Wir sollten der Ukraine endlich die gewünschten und sehr nötigen Taurus-Raketen liefern, nicht ein am Papier ukrainisiertes Kiew, für das sie sich nichts kaufen können. Für mich ist das eher Hohn und Spott als hilfreich.

Warum man jetzt statt Flüchtlingen Geflohene sagen soll? Ich weiß schon, weil man Engerlinge nicht mag, und ein Hörer von Flüchtligen die dann auch nicht mögen könnte. Unsere Politik bekämpft die Sprache, von oben nach unten, statt ordentliche Politik zu machen. »Gestern ist bei uns ein Sinti und Roma ins Kellerfenster eingestiegen« – oder »ein Sinti oder Roma«? –, und dann ist das netter, als wenn’s ein Zigeunerbub war?

Siehe auch mein ausführliches https://blogabissl.blogspot.com/2021/11/gendern-usw.html

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Link hierher:
   https://blogabissl.blogspot.com/2024/02/sprache-ist-kein-schmuckblatttelegramm.html

  

PS. Falls du nicht weißt, was ein Schmuckblattelegramm war, siehe hier https://de.wiktionary.org/wiki/Schmuckblatt-Telegramm und vielleicht auch unter https://de.wikipedia.org/wiki/Telegramm . Mein Beitrag zum Thema Telegramm ist die Indolonie von 1870: http://www.joern.de/Indolinie.htm .

23. Februar 2024

Oder in der Sprache

Die Wikipedia erklärt es eigentlich ganz gut, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Konjunktion_(Wortart)#oder .
   Von den zwei Oder-Arten, dem exklusiven Oder und dem inklusiven Oder, meint die Sprache meist das exklusive:
• »Von Süden kann man rechts- oder linksrheinisch nach Bonn fahren« ist klar nur ein Entweder-Oder.
• » … fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke« ist zwecks Vermeidung des generischen Maskulins (»Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker«) Murks. Meine Glosse dazu auf https://blogabissl.blogspot.com/2024/01/und-fragen-sie-ihre-arztin-oder.html . Ordentlich sollte es voll gegendert vielleicht heißen » … fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder ihre Apothekerin oder ihren Apotheker«.
   Der Trick mit der Apotheke macht’s kürzer. Allerdings erwartet man bei einer Folge von Kommas oder schon bei nur einem – hier nach der Ärztin – eine Reihung: Bei »Vater, Mutter und Kind« sieht man alle dreie. Bei »Vater, Mutter oder Kind« nur eins kommen. Das am Ende stehende und oder oder bestimmt also, ob man entweder zur Ärztin oder zum Arzt gehen soll, oder vielleicht zu beiden gehen kann.

Nun ist Sprache nicht Mathematik, schon gar nicht formale Logik. Vieles ergibt sich aus den Umständen, den Worten drumherum. Lassen wir’s so, aber hören wir mit dem Gendern auf. Wie sollen etwa Ausländer das verstehen? Studenten und Studierende, einfach dasselbe, Flüchtlinge und Geflohene auch, Bäuer*innen auch männlich? Studenten z.B. sind häufig keine Studierenden. Sie können auch gerade fleißig Kellnern oder aufhören und dann Politiker werden. Man kann eine Sprache auch von Amts wegen kaputt machen, wenn man sonst nichts vorhat.

Genug. Link hierher: https://blogabissl.blogspot.com/2024/02/oder-in-der-sprache.htm 

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6. Februar 2024

Sprachgedanken zu Sepp Malls »Ein Hund kam in die Küche«

Mit Verlaub. Da bin ich pingelig. Ich mag es gern, wenn die Sprache zu Zeit und Ort passt. Außerdem kritisiere ich gern, eigentlich immer. Und in diesem Blog weiß ich, dass ihn nicht viele lesen. Bitte also nicht ärgern.

Vorab: Ich ging 1947 in Bozen auf die deutsche Volksschule, lernte an den Tunells der Sarner Straße bis 24 zählen (heute orthographisch Tunnels, aber realiter schon weg), und lebte dann bis zum Abitur in 13b Oberbayern, im Chiemgau im Internat. So spreche ich bis heute.

Sepp Malls Roman fing ich an zu lesen, ohne den Inhalt zu kennen. Die Sprache ist 1a, der Rhythmus stimmt, die Sätze fließen, man kann sich’s richtig vorstellen – kein Wunder, dass das ein Bestseller wurde. Meinen Glückwunsch!

Nur.

Die Namens- und Wortwahl stößt mir auf. Die ist halt zwei Generationen weiter, moderner, glatter als ich’s mag.
   Zum Beispiel greife ich einfach Seite 37 heraus, von der 2. Auflage. 
• Steinchen. Mir kommt vor, dass die Verkleinerungsform mit -chen eher selten ist. -derl sagt man auch nicht in den Bergen. Ein kleiner Stein, der passt.
• Schädel, genau. Da hätte Kopf gereicht.
• Kathrina. Wenn, dann Katharina, Kathl.
• Hanno, der arme Kleine, der »Zurückgebliebene«. Wer bitte hieß damals Hanno oder Enno, Heiko, ostfriesisch in meiner Assoziation. Der Name Hanno wird im Roman erklärt; trotzdem. Der Erzähler heißt Ludi
• Quietschen von den Gleisen vom Innsbrucker Hbf. Gleisen? Die gibt’s nur fahrplanmäßig als Gleis 2, binario due, usw. Die Schienen nennt man Geleise, mit noch einem E mehr.
• Mariendorf. Das klingt mir nun ganz böhmisch. Nicht in Südtirol. Da gibt’s Unsere Liebe Frau im Walde und eine Menge Maria sowiesos. Überhaupt

stinkt mir der ganze stinkende Hirsch (Seite 17 …). Ist der glaubwürdig? In einer Zeit, wo Fleisch rar war? Kein Wilderer lässt so einen Hirsch liegen. Überhaupt hätte es mich interessiert, was an der Geschichte wahr ist, was ausgedacht. Nur so, aus Interesse.

Für das Reich optiert haben damals hauptsächlich Männer aus der Mittelschicht, die sich einen Hof versprachen. Welchen Beruf hatte der Vater?
   Unser eigener Pächter ist mit seinen vielen – ich meine zehn – Kindern 1943 vom Sarntal nach Nordtirol gelockt worden, und hat tatsächlich einen Hof bekommen, sehr zum Neid der Alteingesessenen. Es gab südtiroler Bauern, die bis ins Warthegau geschickt wurden. Das österreichische Fernsehen hat einen Bericht über unseren Abwanderer gemacht. Mehr darüber hier.

Zu dieser Zeit gehört das kleine Buch »Unvergessen« von Franz Thaler, siehe  https://www.raetia.com/de/geschichte-und-politik/511-unvergessen.html . Sehr authentisch.

Ein Detail noch: In der faschistischen Zeit durften Gräber nicht deutsch beschriftet werden. 

Damit bin ich schon am Ende …

Bahnhof Innsbruck, 2020. Blick nordwärts. Foto Jörn


 Link hierher
 https://blogabissl.blogspot.com/2024/02/sprachgedanken-zu-sepp-malls-ein-hund.html

  Einige Rezensionen von »Ein Hund kam in die Küche«
https://salto.bz/de/article/17102023/sepp-mall-ein-hund-kam-die-kueche
• FAZ https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezension-des-romans-ein-hund-kam-in-die-kueche-von-sepp-mall-19152861.html
• Perlentaucher im Rückgriff auf die FAZ-Rezension https://www.perlentaucher.de/buch/sepp-mall/ein-hund-kam-in-die-kueche.html
• Amazon https://www.amazon.de/Ein-Hund-kam-die-K%C3%BCche/dp/3701182868

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18. Januar 2024

… und fragen Sie Ihre Ärztin oder …

»Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie
die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin,
Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.«
Der Spruch ist relativ neu. Zeitgemäß wird gegendert, weil wir Deutschinnen und Deutsche ja sonst keine Sorgen haben. Zum Glück vermeidet der Spruch die vom amtlichen Rat für die deutsche Rechtschreibung abgelehnte Sternchenschreibweise: Die Ärzt*in kommt im Ratspruch nicht vor. Danke, Bundestag!

Allerdings frage ich mich, der ich Alter sowohl bei Ärztinnen und auch männlichen Ärzten in Behandlung bin – mein Hausarzt ist eine Ärztin, meine Fachärzte sind Ärzte – wen ich jetzt eigentlich genau fragen soll? Die Hausärztin? Einen Facharzt?
   Ich stehe am Scheideweg: Bildhaft geht’s mir rechts zur Ärztin, links zum Arzt. An wen soll ich mich wenden?
   Oder in meiner Apotheke? So etwas habe ich nicht. Als Apotheker freilich bräuchte ich erst gar nicht zu fragen, da kennte ich beruflich die »Risiken und Nebenwirkungen«.

Link hierher zum Weitergeben:
   https://blogabissl.blogspot.com/2024/01/und-fragen-sie-ihre-arztin-oder.html

Genaueres auf https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/fragen-sie-ihre-arztin-ihren-arzt-oder-in-ihrer-apotheke-im-warntext-fur-medikamente-wird-nun-gegendert-10969246.html 

Und zum Gendern – eine unendliche Geschichte – lasse ich mich hauptsächlich hier aus: https://blogabissl.blogspot.com/2021/11/gendern-usw.html

 
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