4. März 2015

Brionvega Radio Cubo

Ein Klassiker, den es mit neuester Technik gibt.

Bis in die Fünfzigerjahre waren Radios – Fernseher gab’s noch keine – innen mit Röhren und außen aus Holz. Das sah schön aus und passte – einzeln oder als »Musiktruhe« – zum Biedermeier-Ambiente gehobener Wohnlichkeit. Als dann »Plastik« aufkam (und innen Transistoren), musste alles anders werden: die Fertigung, das Design, der Anschluss. Dank Transistortechnik, erfunden 1947, war endlich Batteriebetrieb einfach möglich. So arbeitet der Cubo mit 6 · 1,5 = 9 Volt. UKW (Ultrakurzwelle oder FM, Frequenzmodulation) gab es schon seit 1948, von den Deutschen frei genutzt, um die von den Siegermächten »geraubten« Mittelwellenfrequenzen wettzumachen. Stereo kam 1964.
    «Nuovi materiale plastici potè reinterpretare il rapporto tra l’utente e gli oggetti quotidiani. Vennero ideati oggetti facilmente lavabili, impilabili, studiati per risolvere problemi di componibilità e di flessibilità», schreibt das Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia in Mailand: »Neue Kunstoffmaterialien erlaubten es, die Beziehung zwischen dem Benutzer und den Gegenständen des täglichen Gebrauchs neu zu interpretieren. Leicht abwaschabre Gebrauchsgenstände wurden erdacht, stapelbar, geschickt ausgedacht, um Probleme von Zusammenbau und Vielseitigkeit zu lösen«.
    Richard Sapper, ein deutscher Industriedesigner, und Marco Zanuso, sein italienischer Kollege, haben 1964 für Brionvega ein quaderförmiges, klappbares Kofferradio designt, das Modell Brionvega Radio Cubo TS 502. Das allererste Cubo-Modell, links, empfing UKW nur bie 104 MHz*) (ganz frühe UKW-Radios gingen sogar nur bis 100 MHz).
   Ab 1966 gab’s dann für 45.000 Lire das Modell TS 502. Es empfing UKW bis 108 MHz.
   Das ist das Modell auf meinem Schreibtisch, wobei ich einen 9-Volt-Anschluss wie für eine 9-Volt-Blockbatterie angelötet habe, und dort dann ein Netzteil mit dem entsprechenden Gegen­stück anschließe, damit ich keine Batterien brauche; wirkt auch als Antenne. (Die Batterien, falls drin, sollte man dann mit einem Papierstreifen ausschalten, damit sie nicht dauernd »geladen« werden, oder eine Diode in Stromrcihtung einlöten.)

Hier mein klassisches Modell Brionvega Radio Cubo TS 502 (ab 1966)
Das Modell gibt es in vielen Farben, rot ist typisch, schwarz elegant, anderes eher poppig. Man sehe sich bei Brionvega um, wo es die neuesten Modelle (sogar mit DAB+ und Stereo) gibt.
TS 505
   Zwischendurch änderte sich Design:
   Diagonale Linien kamen auf, der Leitspruch »Form folgt der Funktion« wurde aufgegeben. So entstand das Modell TS 505, das sogar Langwelle hatte.
   Inzwischen ist diese Designmode wieder verschwunden; Brionvega ist zum alten, klaren Aussehen zurückgekehrt, und gibt es eine Vielzahl von Modellen, vom Radiowecker («sveglia») TS 502 CR mit Funkuhr über den TS 522 mit Stereo und Stationsspeichern, vom Webradio (WiFi) bis zum Auch-D+-Empfänger TS 522 D+ mit Bluetooth, das ich mir jüngst von Erresse habe kommen lassen.
   Soviel über den Cubo.

Brionvega Algol, Richard Sapper und Marco Zanuso
Richard Sapper und Marco Zanuso haben für Brionvega noch andere schöne Dinge designt, 1964 einen kleinen Fernseher genannt »Algol«. Zanuso verglich ihn mit einem Hündchen, das seinen Herrn anschaut.
   Brionvegas »Wolkenkratzer«-Radio (»Grattacielo«) stammt von Zanuso, 1965 designt, immer noch gut zu haben.

Genug?

Übrigens: Reparieren lassen sich die Cubos praktisch nicht, mehr hier.


Richard Sapper erzählt (englisch) über Design, über den Teddybären und Thinkpads (4:34):


Brionvega
Bezugsquelle Erresse Mailand
TS 502 in »Radiomuseum«
Schaltplan TS 502 hier
Brionvega in der Wikipedia

Link zu diesem Blogeintrag: http://blogabissl.blogspot.com/2015/03/brionvega-radio-cubo.html

Mein »Telefunken mini partner«
Als PS hier noch mein »Handradio« aus den Siebzigern, das UKW ebenfalls nur bis 104 MHz empfing: 
   »Telefunken mini partner 201«.
   Die 104 MHz waren gar kein Problem für mich. Im Gegenteil, ich »tunte« das Radio abwärts, in die Frequenzen unterhalb des UKW-Runkfunkbandes. Dort war der Polizeifunk, den man dann abhören konnte. Ein Trimmer im Radio vorsichtig verdreht, und schon passten die Frequenzen. Darf man natürlich nicht, tut man auch nicht, weil’s langweilig ist, allein das Warten darauf, dass überhaupt wer funkt. 
   Die höheren UKW-Frequenzen waren bei uns damals verboten, meine ich mich zu erinnern, weil es dort Flugfunk gab. Der musste für alles herhalten, sogar zur Argumentation gegen erste amerikanische Schnurlostelefone, lange vor dem Dect-Standard. 
   Das kleine Radio ist auch sonst meinen Wünschen angepasst. So bekam es – wie viele meiner Radios – einen Tonabnehmereingang mit Schaltbuchse. Und so benutzte ich das Radio meistens auch, als Mithörradio am Telefon. Das Standardtelefon der Bundespost hatte eine Buchse für eine zweite Ohrmuschel, damit man in lauter Umgebung besser hören kann. Stattdessen dort ein Mono-Klinkenstecker, und schon konnte man über den Tonabnehmereingang des Radios lauthören.
   Übrigens ist das nicht das »Telefunken mini partner 101« aus dem Radiomuseum im Netz, 1979 bis 1973, sondern das »Telefunken mini partner 201«, das danach von 1973 bis 1978 gebaut wurde: zehn Transistoren, Mittelwelle und UKW, ein Viertel Watt Leistung, Kopfhöreranschluss (mono), 4 · 1,5 Volt Mignonzellen, 300 Gramm, 70 · 120 · 40 mm. Das Radio gab’s auch rot und blau!

1 Kommentar:

Stuart Savory hat gesagt…

Es gibt ein tolles Radio-Museum in Bad Laasphe, sehr empfehlenswert. Deren Webseite ist :-

http://www.internationales-radiomuseum.de