27. Februar 2015

Das Mädchen mit den Orangenpapieren

Ein kleines Buch, eine Kurzgeschichte von Hanns Zischler, dem mit den zwei nn im Hanns, bekannt als Schauspieler: »Das Mädchen mit den Orangenpapieren«.

Erst dachte ich: »orange Papiere«, dachte an die Farbe, wie sie Post-Its gerne haben. Gefehlt: Es geht um dünne Einwickelpapiere von Orangen, »Apfelsinen«, wie der Norddeutsche sagt. Man wickelte die Früchte aus und strich die zarten Hüllen vorsichtig glatt, früher, im Vor-grünen-Punkt-Zeitalter.
   Ich hoffe, der Urheber verzeiht mir das Muster links, hier die Quelle mit weiteren schönen Motiven, und hier zu einen 84-jährigen Sammler mit dreitausend so Papierln.
   Hanns Zischler zeigt auf seinem Buch »Das Mädchen mit den Orangenpapieren« (112 Seiten, € 16,99, ISBN: 978-3869710969, Galiani Berlin September 2014) eine Orangen-»Zentaurin«, eher eine »Pegaseuse«, fröhlich fliegend mit Flöte, beflügelt von Orangen selbst nur »seconda« qualità:
So schaut’s aus, Elsas Orangenpapier, »Anello & la Mantia, Palermo, seconda«:
»Ein wildes Mischwesen, halb Männlein, halb Pegasus mit schwarz geschecktem Pferdeleib, entblößten Brüsten und stürmisch wehendem Haar springt und fliegt es mit schmetternder Fanfare durch einen roten Kreis.« (p 90)
Von einer feenhaften »Externen«, der Elsa aus Dresden (Zone), wird erzählt, einer Schülerin des Landschulheims Marquartstein wie Hanns Zischler – und ich. Die Internen (nur Buben) und die Externen (auch Mädchen) waren immer in getrennten Klassen, was das Verständnis nicht gefördert hat.
   Zischlers zwanzig Erinnerungskapitel blieben mir wenig konkret, aber das soll so sein, das ist ihr Reiz. Es geht um Andeutungen, eben Erinnerungen, fleckerlhaft. So rühmt etwa Roman Halfmann in seiner Kritik für den Hessischen Rundfunk »wie verschwiegen der Autor eine innere Entwicklung nachzuzeichnen in der Lage ist, die wortlos und jeder Sprache entzogen stattfindet.«
Beliebt: Mohr (moro)
   Als notorischer Besserwisser und wenige Jahre älterer Internatsschüler – auf die Kleinen haben wir gern heruntergeschaut, ebenso wie auf die Externen – bin ich mehr am Kritteln an dieser Geschichte, so sehr mich einzelne Episoden und Teilthemen, etwa der Technikrausch im »Popular Mechanics« oder die Ballonfahrt über den Chiemsee, Spass machen. Wie Improvisationen am Klavier. Manchem mag man nachgehen, wie dem Steig am Nazipeter (p 20, 58), oder nachgoogeln, dem Halleyschen Kometen vielleicht (p 21, 19. Mai 1910), anderes stehen lassen wie die schöne Circumetnea (p 34). Hochgelobt wird Zischlers Sprache, und die ist auch schön und unpretentiös. Wie beim Fernsehen halt. Kurze Sätze. Kurze Absätze. Brimboriumfrei.
   Trotzdem: Darf ich kritisieren, was mir auffiel? Bin so frei.
   Da ist zunächst eine unnötig verwirrende Mischung von Klarnamen und Phantasienamen, Marquartstein heißt Marstein (wir nannten’s nur M’stein), die Berge sind teils verfremdet, teils deutlich da, Lehrer mal so, mal so, bis zu Falschschreibungen wie Zmogrovitch (p 75) für Smogrovics, Gott hab’ ihn selig. Warum das? Gut, wer nicht dabei war, den stört’s vielleicht nicht. Ich müsste mal eine Tabelle machen, nichtöffentlich.
   Dann das unbayrische Idiom. Das sind dann Kleinigkeiten, die schief liegen. Eine Steinschleuder hieß bei uns nie »Zwille« (p 53). »Schau mal« (p 19), hätt keiner gesagt, möchte ich behaupten, und »Pfoten weg!« (p 61) auch nicht, ein Zugereister vielleicht, »Finger weg!« tät da passen. »Tüten Sie mir das alles schön ein, Frau Gaukler, ich lass es später agholen, habedieehre« (p 9) – Was stimmt da eher nicht? Richtig: die Tüte. Dann die »DDR«, aus der Elsa kommen soll. Die gab’s, wir hatten sie aber damals noch nicht, nicht einmal in Anführungszeichen: Das war für uns nur die »Zone«. Zischler ist Preuße, würde ich diagnostizieren, dazu muss man aber wissen, was in Bayern ein Preuße war und ist, entsprechend knapp ausgesprochen.
   Einen alkoholkranken Schuldirektor hatten wir wirklich, da ist’s gut, dass sein Name geändert wurde, und etwas jähzorning war er in der Tat – von ihm hab’ ich im Speisesaal der Burg mit vielleicht dreizehn meine letzte ordentliche Watsche bekommen. Der Mann war aber ein Genie, hat die Schule weitergebracht wie kein anderer. Wir hatten ihn in Deutsch und Philosophie, begnadet! Ihn auf seine »Fahne« zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht (p 37).
   Selbst der rührende kriegsversehrte Hausierer (p 66) kommt mir aus einer anderen Zeit vor, aus einer etwas früheren, gleich nach dem Krieg. Schön erzählt ist’s trotzdem.
   Überhaupt finde ich, die Sprache schwankt zwischen sehr, sehr schön und kippt gelegentlich zum Kitsch.»Der wasserkopfige Schatten des Ballons gleitet über die Ache und treidelt seine flüchtige Spur über das Schilf längs des Flusses«, sieht mir schön aus (p 85), obwohl vielleicht »wassertröpfig« gemeint war. Aber: »Die winzigen, von Schnee schon überzuckerten Johannisbeeren der Rücklichter tröpfeln ihre Spur auf die Schneedecke, ehe der VW aufheulend in der Nacht verschwindet« (p 109), ist mir doch etwas zu expressionistisch, Kitsch.
   Die »Liebesszene«, p 91. Vielleicht ist das wirklich so passiert, dann bitte ich um Entschuldigung. Zart beschrieben ist es ja, aber ganz so schwuppdiwupp lief sowas damals nicht, »fast schmerzlos vereinigen sie sich«, wo’s noch keine Pille und dafür viel katholische Sexualmoral gab. Die Szene hätt’s nicht gebraucht.
   Insgesamt ein nettes Buch, schöne Erinnerungen, bissl sehr teuer – und in wenigen Stunden gelesen, außer man kommt ins Träumen (und Bloggen).



  Das Kapitel »Der ertrunkene See« (p 30): http://youtu.be/B0fcVjw7muY

Aus einem it. Ebay-Angebot
Als E-Buch € 14,99. Leseprobe.

Weitere Links:
 
Orangenpapier von Seite 41, Lyrafrau, Guttadauro, Palermo.

Romano Gardanis Sammlung von »über 22.400 ›incarti‹«, italienisch
Begrenzte Sammlung von »incarti frutta«, »veline«, italienisch.
Incarti‹ auf Facebook, Nandos Sammlung, Geschichte (it.),

Buchkritik NDR: http://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Hanns-Zischler-Das-Maedchen-mit-den-Orangenpapieren,orangenpapieren102.html

»Hanns Zischlers Erzählung ist ein literarisches Kleinod von enormer erzählerischer Kraft.«
http://www.kiwi-verlag.de/buch/das-maedchen-mit-den-orangenpapieren/978-3-86971-096-9/

SWR: http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/buchkritik/hanns-zischler-das-maedchen-mit-den-orangenpapieren/-/id=658730/did=14483544/nid=658730/cvt6h6/index.html

WDR: http://www.wdr3.de/literatur/dasmaedchenmitdenorangenpapieren100.pdf


»Fred the Frog« (p 38): http://www.Joern.De/tipsn122.htm
Briefmarke zum Tod Stalins, 1953 (Wikipedia).
Ich erinnere mich noch, dass wir in der Aula
des Schlosses extra einen »Morgenapell« hatten.

Meine M’stein-Zusammenstellung: http://www.Joern.De/MStein.htm

Der Weg vom Schloss (Schule) zur Burg (Mahlzeiten, Wohnen) vorbei am Nazi-Peter und über den Prügelweg (p 60, Zischler nennt ihn »Knüppelweg«), heute Burgstraße, den Elsa bevorzugte p 58): Bilder ab https://picasaweb.google.com/Fritz.Joern/50JahreAbi#5628366367954541218

Erinnerungen an ein Ehemaligentreffen 2008: http://blogabissl.blogspot.de/2008_06_01_archive.html#Mstein2008



Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2015/02/das-madchen-mit-den-orangenpapieren.html

23. Februar 2015

größer

Sowas Simples! Drei ist größer als zwei. π ist größer als √2, oder, wenn wir schon bei mathematischen Symbolen sind:
                                        √2 < 2 < e < 3 < π
Und so weiter mit beliebigen Beispielen. Zahlen sind skalare Größen, jedenfalls »reele« Zahlen, wie eine Temperatur, ein Blutdruck oder dergleichen. Erst »komplexe« Zahlen haben zwei Bestimmungsgrößen, und lassen sich deshalb nicht so einfach vergleichen, ebenso Vektoren und höhere mathematische Gebilde wie Tensoren etc. Mir geht’s nur um Skalare, wo es ein einfaches Größer und Kleiner gibt.
   Und da hat mich jüngst ein Schüler der siebten Klasse in Verlegenheit gebracht. Er meinte, -5 sei größer als -3. Nicht unvernünftig: Fünf Euro Schulden sind mehr als nur drei, das meinen auch andere. Ich hab’ dann schnell versucht, in seinem Matheheft die Definition zu finden, dann in seinem Buch, zuletzt in der Wikipedia, er aber wollte seine Hausaufgaben machen, war in Eile. Weil’s aber so richtig nirgends seht, haben wir dann tapfer mit der Annahme gerechnet: »Mehr weniger ist mehr«, was eine Zeit lang durchaus ging. Man muss das nur so definieren.
   Bald aber merkte ich, dass unsere Definition unpraktisch war. Man sollte doch, wie bei normalen »Istgleich-Gleichungen« auch, rechts und links dasselbe zu- oder abziehen können, ohne dass sich das Zeichen (<, &gt; oder =) ändern muss. Also:
                            Wenn a < b  muss auch a + c < b + c sein, mit c als Konstante.
Und das geht nur, wenn auch zum Beispiel -3 < -2 und dann -3 +5 < -2 + 5 ist.
Definiert man falsch mit -3 &gt; -2 wäre -3 + 5 &gt; -2 + 5 oder +2 &gt; +3, was nicht stimmt.
   Also gelten die Regeln einer Gleichung immer auch bei Ungleichungen? Nicht ganz: Multipliziert man beide Seiten mit einer negativen Zahl, so drehen sich die Ungleichzeichen um, größer wird zu kleiner und umgekehrt:
                            2 < 3, rechts und links | × (-1), so wird -2 &gt; -3.
(Bei unserer falschen Definition wäre das nicht so gewesen, dafür hätten aber alle anderen Regeln nicht geklappt.)

Genug gespielt. Wie definiere ich nun aber, sagen wir, das Kleiner-Zeichen < ? Ich würde sagen:
   Man ordnet die Zahlen auf der Zahlengeraden, was weiter links ist, ist kleiner.
Ich klaue mir dafür hier mal ein Stück Zahlengerade aus der Wikipedia.
Nun soll es Leute geben, die rechts und links nicht unterscheiden können. Wo oben ist, weiß aber jeder. Also sag’ ich: Fassen Sie die Zahlengerade bei der Spitze an, halten Sie hoch, und was weiter oben ist, ist größer.
   »Richtigen« Mathematikern widerstrebt das allerdings; warum, weiß ich nicht. Ersatzweise und notfalls würde ich eine arithmetische Hilfsdefinition nehmen, eben die praktische Tatsache, dass man rechts und links eine Konstante addieren kann, und das Ergebnis bleibt gleich. Diese Eigenschaft, und dass &gt; das Gegenteil von < ist, das müsste reichen. Schön finde ich diese Definition nicht, die sozusagen hinterrücks über eine Eigenschaft die Sache veranschaulicht. Da könnte ich gleich eine Schubkarre als Tragbahre definieren, die statt mit zwei mit einem Träger auskommt.
   Und da habe ich mich lang mit den Wikipedisten gestritten. Weil sie die reelen Zahlen nur als eine mögliche Sammlung von ganzen Zahlen, Bruchzahlen und sogar irrationalen Zahlen sehen, definieren sie für all diese Varianten reeller Zahlen größer und kleiner immer wieder leicht anders, als ob es darauf ankäme, die Zahlengerade proppenvoll zu machen. Und wenn dann wer eine natürliche Zahl – das sind die, die man beim Zählen bekommt – gar mit einer irrationalen vergleichen will – das sind die, die nie enden –  dann passt keine Definition so recht, obwohl der Vergleich vielleicht ziemlich offensichtlich ist, etwa zwischen 3 und π. 
   Die Wikipedia-Defintion finden Sie hier:  
   unseren eher unrühmlichen Streit hier.

Die Zahlen:
Symbol
Beispiel

HTML
Unicode
\N
(0), 1, 2, 15, 348
&amp;#x2115;
U+2115
\Z
-31, -30, 0, 12, 122
&amp;#x2124;
U+2124
-1/2, 7/8
Bruchzahl*)
&amp;#x1D539;
U+1D539
\Q
… alle vorigen …
&amp;#x211A;
U+211A
\mathbb A
√2, √-2, (nicht π)
&amp;#x1D538;
U+1D538
\R
… inkl. π, e
&amp;#x211D;
U+211D
\C
(a+bi)
&amp;#x2102;
U+2102
\H
(a+bi+cj+dk)
&amp;#x210D;
U+210D

*) »Bruchzahlen«, also Brüche aller Art, gehören zu den rationalen Zahlen (ratio = Bruch, Verhältnis). Dezimal können sie immer als endlich lange oder peridische Zahlen dargestellt werden.
+) Algebraische Zahlen sind nicht als Bruchzahl, und dezimal weder als periodische noch endlich lange Zahl darstellbar. Wikipedia: »Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde bewiesen, dass die Kreiszahl π und die Eulersche Zahl e nicht algebraisch sind. Von anderen Zahlen, wie zum Beispiel  π + e weiß man bis heute nicht, ob sie algebraisch oder transzendent sind. Siehe dazu den Artikel Transzendente Zahl.«  Beispiele transzender Zahlen: π, e, sin(1).

Johann Friedrich Häseler, Anfangsgründe der Arithmetik. Meyersche Buchhandlung, Lemgo 1802, Teil 1, S.89, Wikipedia
Zur zeitgerechten Definition reeler Zahlen muss man wohl erst einmal mutig die Zahlengerade zerschneiden. Das hat sich Julius Wilhelm Richard Dedekind ausgedacht. »Im Vorwort [zu »Stetigkeit und irrationale Zahlen«] schrieb Dedekind, dass es ihm am 24. November 1858 gelang, den ›eigentlichen Ursprung in den Elementen der Arithmetik zu entdecken und hiermit zugleich eine wirkliche Definition von dem Wesen der Stetigkeit zu gewinnen.‹ Der Dedekindsche Schnitt im System der reellen Zahlen ›ist eine Einteilung der Menge aller reellen Zahlen in zwei nichtleere Klassen A und B, so dass jede Zahl aus A kleiner ist als jede Zahl aus B. Die Klasse B soll keine kleinste Zahl enthalten. Zu jeder ε &gt; 0 soll es Elemente a ∈ A und b ∈ B geben mit b – a < ε. Dann bestimmt der Dedekindsche Schnitt genau eine reelle Zahl r mit a ≤ r ≤ b für alle a ∈ A und b ∈ B.‹ (zitiert nach: Bosch, Karl: Mathematik-Lexikon : Nachschlagewerk und Formelsammlung für Anwender. – München 2000, S. 87. -Sign.: MA B 126)«

Größer in »Mathematik-Wissen«.
Link zu »Vergleichszeichen«.
Berühmte Ungleichungen.

Schulmathematik wird, finde ich, immer unverständlicher. Was früher einfach eine Funktion war, nennt sich heutztage gerne Zuordnung, was ja gar nicht so unsinnig ist, aber halt wieder ein anderer Ausdruck für dasselbe, siehe etwa hier. Mir klingt’s verquer nach Zubereitung. Die Mengenlehre irrlichtert ebenfalls noch herum, nicht schlecht, doch nach wie vor abstrakt.
   Inzwischen schreibt Edward Frenkel in seinem Bestseller aus dem Jahr 2013 Love and Math (Seite 160): »Functions were, if you will, the concepts of archaic math, and sheaves [dt. Garben] are the concepts of modern math.« Übrigens ein Buch, das ich sehr empfehlen kann. Wie bei einem guten Krimi ist’s sehr spannend, obwohl man nicht gleich alles versteht. Ich fand besonders den Blick hinter den eisernen Vorhang interessant, nicht nur die Mathematik, die immer mehr von Einzelerscheinungen weg zu Gruppen, Feldern, Mengen kommt – ganz laienhaft empfunden. »In modern math there are concepts and ideas thet are deeper and more versatile: vector spaces, symmetry groups, arithmetic modulo prime numbers, sheaves« (p. 184). Meine »höhere Mathematik« ist allerdings nie über Ingenieurmathematik hinausgekommen, und auch dort nicht sehr weit: »Theoretische Elektrotechnik befriedigend«. –  Hier die Buchkritik der Sunday Times.

Frenkels »Formula of Love«, Seite 238, aus http://arxiv.org/pdf/1211.3704.pdf#page=4

 Und hier ein Bericht des französischen Fernsehens über den Film »Rites of Love an Math« von Reine Graves und Edward Frenkel:

PS am 22.März. Frenkels »Love and Math« nun ausgelesen. Der Anhang ist so umfangreich (ein Buch für sich), dass der Band gar nicht so dick ist, wie es sich anfühlt. Sehr überzeugend endet er mit der Erkenntnis, dass von den drei »tief verwobenene« Welten, der physikalischen, der geistigen und der »platonischen« der Mathematik – d. h. die der unabhängigen, abstrakten Wahrheiten – die letztere übersehen wird: »Many of us remain blissfully ignorant of the world of mathematics« [Seite 235 Mitte]. Wieder divine Wahrheiten zu fühlen, ist das Erlebnis seines Buches. (So zitiert er Heinrich Hertz [p 233]: »Man wird das Gefühl nicht los, dass diese mathematischen Formeln eine unabhängige Existenz und ihre eigene Intelligenz haben, dass sie gescheiter als wir sind, ja sogar gescheiter als ihre Entdecker, dass wir mehr aus ihnen errechnen, als wir ursprünglich hineinlegten.« 

Wer nicht gleich baden will in Mathematik (oder »baden gehen«?), dem empfehle ich einen anregenden Blick auf die Geschichte der Zahlen, vielleicht gleich mit der Null beginnend.

Aus http://www.zaubereinmaleins.de/kommentare/rechenplakate-groesser-als-kleiner-als....510/ von »Frau Wulf«
Links zu diesem Blogeintrag: http://blogabissl.blogspot.com/2015/02/groer.html

Wenn wir schon beim Rechnen sind: 25 : 5 = 14 (englisch):



– Hilfe! Vorgestern fragte mich mein Schüler, warum Minus mal Minus Plus geben kann, wo doch beides im Minus ist. Dieses - · - = + ging ihm sichtlich gegen den Verstand. Ich konterte mit: »Wer sagt, er hätte nicht nicht gelogen, hat doch gelogen«, und damit, dass Malnehmen wie Dividieren ist, vom Vorzeichen her jedenfalls, und man dann schön das Minus wegkürzen kann:

                                   - 4         4
                                   —— = ——
                                   - 2         2
Ich bin halt ein Fan von Brüchen und Kürzen.

20. Februar 2015

Beg und Radlbeg

Die Beg an der »Bergstation« vom Milchaufzug, April 1963.
Gustl Spögler mit Kind (?), Großvater Hödl
Album Siebenfahr 4 Capture_20.jpg
Beg, das war bei uns auf Siebenfahr der Milchaufzug von der Staatsstraße her, oder nur die Kiste, in die die Milchkannen kamen? Pars pro toto: Beg für den ganzen Aufzug, wohl auch Bäg, Beeg. Das sagt man im ganzen Sarntal so, vielleicht in ganz Tirol …
   Ich darf mich rühmen, als Kind nicht nur diesen Milchaufzug von der Fitsch, dem Hof im Tal, bis hinauf zu Siebenfahr (unter dem Haus stand die »Bergstation«) sehr oft bedient zu haben, sondern auch einmal von unten her mitgefahren zu sein, ganz verboten!
   Beim Hinunterlassen mit den vollen, gewichtigen Kannen musste man aufpassen, nicht zu schnell über die Böcke zu fahren, und beim Bremsen die Seilwinde nicht schlagartig zum Stillstand zu bringen, was immer einen riesen Ruck gab. Beim – eher langweiligen – Hochziehen war der Stern-Dreieck-Schalter des Elektromotors immer erst auf Stern zu drehen, damals 220 Volt, und gleich danach auf Dreieck, 380 Volt, und damit volle Kraft voraus. Ein andermal, mit der beweglichen Seilwinde am Feld, hatte ich Pech und bekam einen ordentlichen Schlag dabei.
   Soviel zu unserer »Beg«. 
Hier sieht man mich, neunjährig, mit der Seilwinde am Feld, »Ernte Juli 1951«,
aus Bild 32.jpg von Album Siebenfahr 2. Die weiße Druckschrift ist von meiner sel. Großmutter.
(Auch Album Siebenfahr 3 25.jpg, Knechtlis vor der Beg, Juli 56. Mich an der Beg – nicht gefunden.)
 Genug Geschichte. Zum Wort Beg.
   Eine Krutte, Krutze, oder Krutzen ist ein Karren, ein Schubkarren. (Eine Krutze kann aber auch ein Apfelbutzen sein.) Von so einer Radlkrutte gibt’s in Innsbruck eine Verbindung zu einer Radlbeg. Auch in Südtirol: »[Wir] haben uns auch auf die ›Radlbeg‹ gesetzt, und einer hat geschoben, und haben so Wettrennen gemacht«, oder: »Bei der Ausstellung ist auch das Original des schriftlichen Ansuchens Mitterhofers an den Kaiser, die schriftliche Entschließung des Kaisers sowie die Transporttruhe und die ›Radlbeg‹ Mitterhofers zu sehen.« Und: »Die Steine wurden mit der ›Radlbeg‹ zum Reservoir gebracht«.

– Ein guter Hinweis kam von der Leiterin der Bozner Sektion der GfdS aus dem Südtiroler Kulturinstitut, Monika Obrist.
   In Hans Mosers »Das Radio Tirol Wörterbuch der Tiroler Mundarten«, Haymon Taschenbuch 2013, steht:

»Beg, Beg(a), Begn, die: das Wort kommt vom Plural Bögen; vg. Radlbeg und Schuppbeg (=Schubkarren): Gestell mit bogenförmigen Trägern.«

Bild eines Milchaufzugs im Archiv des Deutschen Alpenvereins, 1930er-Jahre, aus dem Oberen Lechtal. Inzwischen gibt es immer weniger Milchaufzüge, weil die Höfe immer besser mit dem Auto erreichbar sind.
   Ich muss mich erkundigen, wie die Bauern im Sarntal ihre Milchaufzüge »heißen«, etwa unseren Nachbarn gegenüber, den Eyrnberger.

Links zu diesem Eintrag: http://blogabissl.blogspot.com/2015/02/beg-und-radlbeg.html

PS. Was man alles findet: »Siebenfohr«.

Donbas


Wer weiß in der Ukraine schon, dass Innsbruck zwar die Hauptstadt von Tirol ist, Tirol aber eine Burg in Südtirol, die nicht in Österreich, sondern in Italien liegt. Seien wir dankbar, dass wir Frieden haben in Tirol, Gott dankbar!

Ein sowjetisches Poster von 1921
preist das Donezbecken (»Donbass«)
a
ls das Herz Russlands (Wikipedia)
Bei uns kennt keiner die Ukraine, das Donez­becken schon gar nicht. Heeresberichte aus dem Zweiten Weltkrieg mögen nachklingen, vielleicht Chrakow, heute als Charkiw »zweitgrößte Stadt der Ukraine«. Das aber ist lang, lang vergangen, so wie Tobruk (für manche) heute Hauptstadt Lybiens ist, und die Geschichte des vorigen Jahrhunderts damit nichts zu tun hat, gar nichts.
   Wir müssen unsere »Erdkunde« neu lernen, wenn möglich ein wenig Geschichte dazu, um Land und Leute besser zu verstehen, wenn überhaupt.

Speziell im Donbas (mit oder ohne ss, steht für Donezbecken) scheint das so einfach nicht zu sein. Ich schaue gern einmal in die Wikipedia, die nicht immer nur den neuesten »Stand« bringt. Und da beschleicht mich das Gefühl, dass der Donbas gar nicht so un-russisch ist, wie wir uns das heutzutage hinter unserem Horizont (immer noch der Oder-Neiße-Linie?) vorstellen.
   Hätte uns zur Zeit des Eisernen Vorhangs jemand gesagt, der Donbas müsse als Teil Europas verteidigt werden, vor den Russen, wir hätten ihn für verrückt gehalten.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/18/Ruslangsup2001.PNG
Russisch als Muttersprache in der Ukraine,
nach Regionen (Volkszählung 2001). Wikipedia
Ich springe zur Waffen­still­stands­ver­ein­barung von 12. Februar 2015, einem Donnerstag früh, genannt Minsk II. Auffällig war, dass die Waffenruhe erst ein paar Tage nach Vertragsabschluss in Kraft treten sollte, am Sonntag, 15. früh. Inzwischen hätten die ukrainischen Truppen Debalzewe räumen können, das ohnehin unhaltbar war. Sie haben das nicht getan, oder nur zögerlich, zum Teil mit, zum Teil ohne Rückzugsbefehl, wie man in den Nachrichten hörte.
   Kein Wunder, dass die Waffen erst danach einigermaßen ruhten. Mit Putin hat das meines Erachtens wenig zu tun.

Am 18. 2. 2015 schreibt die Neue Zürcher Zeitung zum »Fall von Debalzewe«: »Es ist gut möglich, dass man den Fall der Kleinstadt, die wie ein Keil in das von den Separatisten beherrschte Gebiet hineinragt, in Minsk sogar stillschweigend in Kauf genommen hat, da andernfalls die Verhandlungen gescheitert wären.« Besonders interessant ist einerseits die im Artikel betonte politisch korrekte Standardmeinung, dass Russland völkerrechtswidig expandieren will, und im Gegensatz dazu darunter die Meinung vieler »kleiner« Kommentatoren, die die Politik realistischer, realer sehen: »Es war unglaublich dumm vom Westen, diese rote Linie zu ignorieren. Es bestand auch nicht der geringste Anlass dazu, die Ukraine, die  von einer Westeuropa-Kompatibilität noch Lichtjahre entfernt ist, in den westlichen Einflussbereich holen zu wollen.«
   Betrügen wir uns doch nicht fortwährend selbst. Die Ukraine geht uns Europäer wenig an, Russland hingegen schon. Der Donbas wird – wie die Krim – nie mehr so wie in den letzten Jahren zur Ukraine gehören. Es werden sich in Europa neue Staaten bilden, wie das in Jugoslawien auch passierte, und wir sollten beten, dass das friedlich passiert. Politisch korrekt ist das nicht zu haben.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/02/Normandy_format_talks_in_Minsk_%28February_2015%29_03.jpeg
»Die Staats- und Regierungschefs von Weißrussland, Russland, Deutschland, Frankreich und der Ukraine in Minsk«.
Alexander Lukaschenko, Vladimir Putin, Angela Merkel, François Hollande, Petro Poroshenko.
Foto Wikipedia (Autor unbekannt). 
 Link zu diesem Post: http://j.mp/2x05dhQ =
 http://blogabissl.blogspot.com/2015/02/donbas.html

1. Februar 2015

In (seinen) Picasa-Webalben Fotos suchen

August 2015:
   Searching works again in Picasa. Log in, go to one of your albums, search (Suchen):


 upper right
(Talblick = view into the valley)





 Start with any album

  

 Now you »find« lots (here 1341) of pictures as
                                     »Community-Fotos«. 
   
 

 Change the pulldown to »Meine Fotos«, 
and you’ll get yours, 
in this case 17, newest first:



Note »Talblick« in the captions (Bildunterschriften).


————————————————————— Jetzt deutsch:


Mai 2015: Geht doch wieder, über den Umweg über http://photos.Google.com

Feb. 2015: Geht nicht mehr, tut mir leid. Doesn’t work any more, sorry.  
Summary: To search for just your pictures in Picasa Web Albums (or someone else’s), first do a general (global) search by subject (or location, if geo tagged). You get all »community« photoes (282279 in the example below). Then use the drop-down search menu in the results field and deselect »Community« in favor of »My photoes« (or the ones of the selected author).
   Your password protected pictures will be shown only to you.  

   Jetzt aber wirklich deutsch:
Hatte ich das schon mal aufgenommen? In welchem Jahr war ich dort gewesen, in welchem Album steckt das Bild?
   Sucht man nach einem Bild über die Bildunterschrift, so ist man bei Picasa-Webalben aufgeschmissen. Ich zeig’ das mal an einem Beispiel:
Ausschnitt aus einer Picasa-Webalbum-Darstellung, rechts oben
Sagen wir, Sie sind gerade in einem Ihrer Picasa-Webalben und suchen ein bestimmtes Bild irgendwo in allen Ihren Alben, beispielweise zum Stich­wort »Malcesine«.
   Sie geben Malcesine in das Suchfeld ein. Schon be­komm­en Sie knapp drei­hun­dert­tau­send Bilder zur Auswahl, von Gott und der Welt.
   Sie wollen aber nur Ihre!
   Also ändern Sie über das dortige Klappmenü »Community-Fotos« in »Meine Fotos«, und schwuppdiwupp haben Sie all Ihre Bilder zum Thema:

Das Tolle: Das Suchwort, hier Malcesine, muss nicht einmal in der Bildunterschrift vorkommen; es reicht, wenn’s in der zugehörigen Landkarte aufscheint – also »geotaggen«! –, oder in der Überschrift, irgendwie halt.
Suchen können Sie auch in fremden Alben, hier etwa in Alben von »UD«, wenn Sie gerade ein Album von UD ansehen. Nicht-öffentliche fremde Bilder oder solche, die nur über ein Passwort zu erreichen sind, kriegen Sie allerdings nicht (geprüft); Ihre eigenen schon.
   Sie müssen also immer erst in allen Picasa-Alben suchen (»Community«), und können danach durch die Alben des Autors des gerade offenen Albums suchen. Klar? Probieren geht über Studieren!


Quelle (engl.): https://productforums.google.com/forum/#!topic/picasa/OitOtRKKtIk (schon 2010, ich hatte das leider nur nicht gefunden.) 

Beipiel-URLs (Die Abfolge der Parameter mit ? & & & … ist wie üblich):
https://picasaweb.google.com/lh/view?q=Malcesine&uname=Fritz.Joern&psc=S&cuname=udenison mit q=Suchwort, uname=user name, psc=weitere Autoren (?)
http://picasaweb.google.com/lh/view?feat=tags&psc=G&filter=1&tags=europe#5381730604706048978 mit feat=features photos (empfohlene Fotos)?, tag=Label?, tags=Labels?, filter=? – feat=directlink? feat=embedwebsite?
Reference guide: https://developers.google.com/picasa-web/docs/2.0/reference
Developer’s Guide: "Searching photos using tags" https://developers.google.com/picasa-web/docs/2.0/developers_guide_protocol#SearchByTags

Link zu diesem Post: http://blogabissl.blogspot.com/2015/02/in-seinen-picasa-webalben-fotos-suchen.html

Warum schrieben Lateiner schola statt scola?

Der Stoiker Seneca (-1 bis +65)
als Doppelkopf in der
Berliner Antikensammlung
(Bild aus der Wikipedia)

Beim Zitieren von »Non scolæ, sed vitæ …« lag ich erst ganz falsch.
   Erstens benutzt man den zwischen 62 und 65 nach Christus entstandenen Spruch von Seneca meist falschherum, und zweitens schreiben viele statt richtig scholae oder scholæ kurz und leider falsch scolæ oder scolæ, ohne h. Sch passt einfach nicht ins Lateinische …
   Sehen wir uns den Spruch bei Seneca an: «Quemadmodum omnium rerum, sic litterarum quoque intemperantia laboramus: non vitae sed scholae discimus.» – »Wie an der unmäßigen Sucht nach allem anderen, so leiden wir an einer unmäßigen Sucht auch nach Ge­lehr­sam­keit: Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.« Seneca spricht sich also dagegen aus, zuviel Unnötiges zu lernen. Sein Fazit »Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir« ist ironisch. Positiv ausgedrückt meint er’s andersherum, so, wie wir es als Wunsch zitieren, vokativ: »Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir!«, genauer » … soll(t)en wir lernen!«.
   Mein Fazit: Man meide Ironie. Wird aus dem Zusammenhang zitiert, verstehen einen die Leute gern falsch. Höchstens gesprochen, möglichst verfremdet durch Dialekt, sei Ironie gestattet.
   Zur Schule. Ausgesprochen wurde und wird die römische Schule wie skola, das scheint klar zu sein.
   Einen sch-Laut kannten die Lateiner noch nicht. Das führte später zu mannigfaltigen sch-Schrei­bungen, siehe Trigraph sch (oder meine Sprachglosse dazu). Und ein H wurde nur am Wortanfang gesprochen, später auch dort nicht mehr. »›h‹ gilt nicht als Konsonant, da dieser Laut in der Antike überhaupt nicht gesprochen wurde. Man kann und sollte ihn also regelmäßig und getrost überlesen, als wäre er nicht da!« (Kurios: Setzte man sch früher im S p e r r s a t z, so blieb ch zusammen, steht hier: ſ ch.)
   Zurück zur schola. Da wurde folgerichtig s-ch getrennt gesprochen, s als s und ch als k. Allerdings wurde auch ein bloßes c als k gesprochen, Käsar also für Cäsar, erst im »Mittellatein« dann als z wie Zäsar. Warum schrieb man dann nicht kurz und knapp scola? Warum schrieben die Lateiner zum Beispiel scopare nicht auch mit h: schopare? – Wohl weil das uralte Wort schola aus dem Griechischen kommt, σχολή [skʰoˈlɛː], Ursprungsbedeutung Freizeit, scopa aber nicht? Und Schreibung hägt der Aussprache immer hinterher.

Links:
Lateinische Metrik
Romanische Palatisierung (hat aber nichts mit s, ch und sch zu tun)
School im schönsten englischen Wörterbuch
scopare im Italienischen (nicht jugendfrei)

Link zu diesem Eintrag: http://blogabissl.blogspot.com/2015/02/warum-schrieben-lateiner-schola-statt.html

30. Januar 2015

Hewlett-Packard Null-Eins: HP-01

HP-01                   (Wikipedia)
Wie »smart« sie schon war, die erste elektronische Uhr mit Zusatzfunktionen? Ein Blick zurück.
   Hewlett-Packard hat 1972 mit dem HP-35 den ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechner heraus­ge­bracht, eine recht bekannte Tatsache. Weniger bekannt ist die erste »smarte« Uhr, die dann 1977 unter der einzigartigen Nummer HP-01 erschien. Für mich war sie damals un­er­schwing­lich, trotz angebotenem Mitarbeiterrabatt. Außer­dem war sie, wie all diese rotleuchtenden LED-Uhren, absolut unpraktisch: In Ruhe sah man keine Uhrzeit, nichts, wie hier links. Erst ein Knopfdruck mit dem rechten Zeigefinger auf der Uhr am linken Handgelenk ließ sekundenlang die digitale Uhrzeit aufleuchten. Da musste man schon gut freihändig Radfahren können.
   Rechnen war noch mühsamer. Die HP-01 hatte in der Schließe des Metallarmbands einen kleinen Schlüssel stecken, ein Schlüsselchen ohne Bart und nur mit flacher Spitze. Damit konnte man die 24 Zifferntasten und Rechenbefehle drücken. Außerdem gab’s dazu einen Cross-Kugelschreiber mit spe­ziell­em Stift hintendran. Nur vier Tasten waren erhaben, für den Direkt­gebrauch: Datum, Wecker, Speicher und Zeit. Die Stopptaste war halbhoh.
   Natürlich war die Uhr auch einen Wecker und eine Stoppuhr, das aber war nichts Neues für eine Armbanduhr. Das Neue war das Wunder des Elektronenrechners, sprich der Chips, inside. Sechs Chips mit umgerechnet 38.000 Transistoren steckten drin.
   Formeln mit Klammern konnte der HP-01 – wie der HP-35 – noch nicht auflösen, man arbeitete mit »umgekehrt polnischer Notation«. Laienhaft gesagt: Die Dinger hatten keine Istgleich-Taste, dafür aber eine Enter-Taste. Wollte man (13+2)×5 rechnen, so war die Formel erst einmal im Kopf auf 13 enter, 2, plus, 5 mal umzustellen. Technisch-wissenschaftlich halt. Das hatte man ziemlich schnell raus. Für Uneingeweihte wirkte das fehlende = wie heute ein Passwort oder ein Fingersensor: Die HP-01 verschloss sich Uneingeweihten, wie der HP-35 auch.
   Spezialitäten wie Datum-Rechnen, das konnte die HP-01. Sowas soll man sich erst einmal suchen auf einem modernen Smartphone. Man konnte »mit der Zeit rechnen«, sagen wir während eines Telefonats die Spesen hochlaufen sehen. Geht heute nirgends, mein ich, dafür gibt’s ja »Flachraten«. 
   Besonders hervorgehoben wurde der zweihundertjährige Kalender – bei mechanischen Uhren eine beinahe unerreichbare »Komplikation«.
   Und natürlich war die Uhr antimagnetisch – auch dies damals für mechanische Uhren durchaus ein Problem. Immer wenn ich einer »Festplatte« zu nahe gekommen war – die Dinger waren groß wie Waschmaschinen – bleib meine Taschenuhr danach stehen.
HP-01                    (HP-Museum)
   Damals (als der Dollar vielleicht noch vier Mark wert war) kostete eine HP-01  750 Dollar in 14 Karat Gold, in Stahl hundert weniger. Heute legt man für so ein Ding bis zu 15.000 Dollar hin, was bald fast soviel in Euro ist. Einen schönen Bericht  brachte jüngst der Inquirer.
   Die »Klunker« wog 170 Gramm. Leute, die die Uhr abnahmen, gingen erst einmal leicht nach rechts geneigt – so scherzte man, neidisch.

   Links
Britisches Youtube-Video, 17 Minuten
HP-01 beim HP-Museum, sehr lesenswert
Spezifikationen
Hewlett-Packard über die HP-01: »was not a successful product for HP«
HP Journal Dez. 1977, 10 Seiten über die HP-01
Das elegante Modell mit dem Lederarmband
Fan-Site
Reparaturanleitung
Anzeige oder Artikel im Scientific American Sept. 1977
mit dem Zitat (englisch) von Herbert George Wells aus der »Zeitmaschine«, 1895:
   »Warum nicht«, sagte der Zeitreisende.
   »Weil es gegen die Vernunft ist«, sagte Filby.
   »Welche Vernunft?« fragte der Zeitreisende.

Link zu diesem Eintrag: http://blogabissl.blogspot.com/2015/01/hewlett-packard-null-eins-hp-01.html
Ganz so liefen Sprungdeckeluhren nicht, ich fand das Ding trotzdem schön. Wer ein schönes rotes LED-Digitalplugin findet, möglichst à la HP-01, möge sich bitte melden: Fritz@Joern.De.

26. Januar 2015

Brother Laserdrucker MFC-9500 demontieren

So dick hatte sich Papier um die Ausgangsrolle gewickelt.
Nach dem Entfernen
Mein alter Brother Schwarzweiß-Laser­drucker, Modell Multifunktionscenter (MFC) 9500, arbeitet über ein nachgekauftes Centronix—USB-Kabel einwandfrei an Windows 7 und (vermutlich) auch Windows 8 usw. (Das Kabel gibt’s preiswert und in verschiedenen Längen, z. B. bei Pearl für sieben Euro.)
   Wenn man aber (wie ich) meint, man müsse eine Overheadfolie aus durch­sich­ti­gem Plastik drucken, dann verklebt man sich den Drucker. Dann geht nichts mehr durch, oder Papier wuzelt sich um die Ausgangsrolle herum, etwa so 
   Nun kommt man aber an die tief im Inneren sitzenden, noch dazu eher dünnen Rollen (Ø ca. 1 cm) nicht mehr heran, wenn die schon dicht »verstopft« sind. Brother empfiehlt übrigens nicht, eingeklemmtes Papier rückwärts herauszuziehen, weil das das Getriebe nicht mag. Ich hab’ das trotzdem immer so gemacht – geht ja nicht anders.


Die verschiedenen Deckel und Aufsätze lassen sich alle abnehmen. Brother verwendet dazu typischerweise rechts und links Plastikachsen, die abgeschrägt sind. Dann kann man den Deckel hinterher wieder einfach draufklicken. Diese abgekanteten Achsen, im Bild links, sind ein guter Hinweis dafür, dass das Ding dort abgeht. Ein Hebel mit ovaler Öse umfasst die Achse und kann nach außen gedrückt werden, um sie und sich selbst freizugeben.
   Hier rechts haben Sie das staubig, aber echt im Bild. Die Schräge der Achse ist aus dieser Blickrichtung allerdings nicht zu sehen, dafür desto schöner der zugehörige Haken im Deckel.

Kommen wir zum Öffnen des Unterteils.
   Zunächst muss das Bedienfeld abgehoben werden. Es lässt sich eh schon unten etwas hochklappen, damit man an die Rollen des Faxeinzuges kommt. Weiter auf und schließlich ganz ab geht die Bedieneinheit mit dem oben beschriebenen Trick. 

   Will man sie ganz weglegen können, so muss man nur noch den kleinen Kabelstecker herausziehen. Auch das Wiedereinstecken hinterher macht keine Mühe. Falsch herum geht nicht. Notfalls sehe man sich an, wo die Kontaktreihe sitzt, nämlich eher außen als mittig.
   Weiter geht’s. Man muss noch »eine Etage tiefer« schürfen.
   Hier sehen Sie den Anblick von links vorne. Das Dunkle ist der Schacht für die entnommene Lasereinheit. Rechts grün herausragend ist der verwaiste Anschluss an die Bedieneinheit von vorhin.
   Und links, etwa da wo bei mir der kleine graue Reparaturaufkleber ist, ist eine Klappe. 

   Die Klappe muss man herausnehmen, damit unten mehr demontiert werden kann, denn die Klappe hat einen langen Stiel, der nach vorne ragt und das weitere Öffnen blockiert. Die Klappe geht, wenn erst einmal hindernde Schrauben geöffnet und eventuelle Siegel gebrochen sind, durch Schieben von unten auf, eventuell schonend mit dem Schraubenzieher hochdrücken.
   Der nächste »Deckel« geht mit einer Schraube links ab. Unten »hänft« dieser Deckel und muss sanft nach außen gehebelt werden, damit er aufgeht; ziemlich weit vorne unten. Danach ein schwarzes Plastik-Schutzschild (»Isolierabdeckung«) herausziehen. 
   Als nächstes sieht man schwarz. Vor einem liegt die kleine gekapselte Transport- und Brenneinheit (»1.10 Fixiereinheit, Heizlampe und Hebel des Papierauswurfsensors«, Service-Handbuch SAeite IV-15). Eine Schraube links, und man kann sie herausheben. Aber Achtung: Sie hat drei Anschlüsse; unten rechts und links zwei Kabelschuhverbindungen (je eine Leitung) und vorne in der Mitte einen (vermutlich) Temperaturfühler, der mit einer Schraube festgemacht ist – fummelig, aber auch kein Problem. Man sollte halt die Schraube nicht in den Tiefen des Druckers verlieren.

Jetzt endlich hat man die schmale Druckendeeinheit in Händen. Doch die muss man zuletzt noch aufbekommen, damit man an die Rollen drankann.  
   Dafür hat das Zweischalengehäuse rechts und links (im Bild) je eine Schraube und daneben je einen Widerhaken, den man seitlich wegdrücken muss – hier links in geheimnisvollem Dunkel.
 
Rechts das Ergebnis, allerdings bereits geputzt und gereinigt vor dem Wiederzusammenbau. Die beiden zuständigen Rollen, angetrieben die schwarze oben, (vermutlich) beheizt unten die Rote – nein, die Heizrolle ist die schwarze oben.
   Hat man alles wieder mühsam zusammengebaut, geht’s auch wieder mit dem Drucker.


Noch etwas: Weil das Multifunktionscenter gut Faxen kann, war’s bei mir am Telefon angeschlossen (hinten ganz linke Buchse, von hinten gesehen, »Line«). Nach dem Ausstecken funktionierte mein Festnetztelefon nicht mehr. Ich musste vorne am anderen Ende des Telefonkabels den TAE-Stecker ausstecken, damit dann auch bei abgestecktem Drucker das Telefon ging.
 

Das war’s mit Brother Laserdrucker MFC-9500 reparieren, Brother Laserdrucker MFC-9500 fixen.

Ein Handbuch (Benutzer-Handbuch, Benutzerhandbuch, Manual) habe ich, sogar als PDF*), und ein »Service-Handbuch für Laserfax MFC-9500, Fax-8000P«, das allerdings nur auf Papier und nicht maschinenlesbar. Ein englisches »Facsimile Equipment Servide Manual, Model: FAX3550/3650/8000P/8200P, MFC4450/4550/4550plus, MFC6550MC/7550MC/7650MC, MFC9000/9500«*). Dann gibt’s noch ein »Inbetriebnahme-Handbuch für Fax, Drucker und Kopiergerät« und zehn Disketten Software. – *) Dank dem hervorragenden Service von Brother, support@de.brother.eu.
   Geschichte meines Druckers: Erstlieferung 1997; Ersatzlieferung 4. 6. 1999 Artikel-Nr. 910177 816FAX8000 SHB-Fax-8000P/MFC-9500 D; Reparatur 30. 10. 2004.
Mein ursprünglicher Artikel: 2. 9. 1997 Einer für alles. Brother MFC-9500.

Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2015/01/brother-laserdrucker-mfv-9500.html