30. Januar 2015

Hewlett-Packard Null-Eins: HP-01

HP-01                   (Wikipedia)
Wie »smart« sie schon war, die erste elektronische Uhr mit Zusatzfunktionen? Ein Blick zurück.
   Hewlett-Packard hat 1972 mit dem HP-35 den ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechner heraus­ge­bracht, eine recht bekannte Tatsache. Weniger bekannt ist die erste »smarte« Uhr, die dann 1977 unter der einzigartigen Nummer HP-01 erschien. Für mich war sie damals un­er­schwing­lich, trotz angebotenem Mitarbeiterrabatt. Außer­dem war sie, wie all diese rotleuchtenden LED-Uhren, absolut unpraktisch: In Ruhe sah man keine Uhrzeit, nichts, wie hier links. Erst ein Knopfdruck mit dem rechten Zeigefinger auf der Uhr am linken Handgelenk ließ sekundenlang die digitale Uhrzeit aufleuchten. Da musste man schon gut freihändig Radfahren können.
   Rechnen war noch mühsamer. Die HP-01 hatte in der Schließe des Metallarmbands einen kleinen Schlüssel stecken, ein Schlüsselchen ohne Bart und nur mit flacher Spitze. Damit konnte man die 24 Zifferntasten und Rechenbefehle drücken. Außerdem gab’s dazu einen Cross-Kugelschreiber mit spe­ziell­em Stift hintendran. Nur vier Tasten waren erhaben, für den Direkt­gebrauch: Datum, Wecker, Speicher und Zeit. Die Stopptaste war halbhoh.
   Natürlich war die Uhr auch einen Wecker und eine Stoppuhr, das aber war nichts Neues für eine Armbanduhr. Das Neue war das Wunder des Elektronenrechners, sprich der Chips, inside. Sechs Chips mit umgerechnet 38.000 Transistoren steckten drin.
   Formeln mit Klammern konnte der HP-01 – wie der HP-35 – noch nicht auflösen, man arbeitete mit »umgekehrt polnischer Notation«. Laienhaft gesagt: Die Dinger hatten keine Istgleich-Taste, dafür aber eine Enter-Taste. Wollte man (13+2)×5 rechnen, so war die Formel erst einmal im Kopf auf 13 enter, 2, plus, 5 mal umzustellen. Technisch-wissenschaftlich halt. Das hatte man ziemlich schnell raus. Für Uneingeweihte wirkte das fehlende = wie heute ein Passwort oder ein Fingersensor: Die HP-01 verschloss sich Uneingeweihten, wie der HP-35 auch.
   Spezialitäten wie Datum-Rechnen, das konnte die HP-01. Sowas soll man sich erst einmal suchen auf einem modernen Smartphone. Man konnte »mit der Zeit rechnen«, sagen wir während eines Telefonats die Spesen hochlaufen sehen. Geht heute nirgends, mein ich, dafür gibt’s ja »Flachraten«. 
   Besonders hervorgehoben wurde der zweihundertjährige Kalender – bei mechanischen Uhren eine beinahe unerreichbare »Komplikation«.
   Und natürlich war die Uhr antimagnetisch – auch dies damals für mechanische Uhren durchaus ein Problem. Immer wenn ich einer »Festplatte« zu nahe gekommen war – die Dinger waren groß wie Waschmaschinen – bleib meine Taschenuhr danach stehen.
HP-01                    (HP-Museum)
   Damals (als der Dollar vielleicht noch vier Mark wert war) kostete eine HP-01  750 Dollar in 14 Karat Gold, in Stahl hundert weniger. Heute legt man für so ein Ding bis zu 15.000 Dollar hin, was bald fast soviel in Euro ist. Einen schönen Bericht  brachte jüngst der Inquirer.
   Die »Klunker« wog 170 Gramm. Leute, die die Uhr abnahmen, gingen erst einmal leicht nach rechts geneigt – so scherzte man, neidisch.

   Links
HP-01 beim HP-Museum, sehr lesenswert
Spezifikationen
Hewlett-Packard über die HP-01: »was not a successful product for HP«
HP Journal Dez. 1977, 10 Seiten über die HP-01
Das elegante Modell mit dem Lederarmband
Fan-Site
Reparaturanleitung
Anzeige oder Artikel im Scientific American Sept. 1977
mit dem Zitat (englisch) von Herbert George Wells aus der »Zeitmaschine«, 1895:
   »Warum nicht«, sagte der Zeitreisende.
   »Weil es gegen die Vernunft ist«, sagte Filby.
   »Welche Vernunft?« fragte der Zeitreisende.

Link zu diesem Eintrag: http://blogabissl.blogspot.com/2015/01/hewlett-packard-null-eins-hp-01.html
Ganz so liefen Sprungdeckeluhren nicht, ich fand das Ding trotzdem schön. Wer ein schönes rotes LED-Digitalplugin findet, möglichst à la HP-01, möge sich bitte melden: Fritz@Joern.De.

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