12. März 2019

Wetterdirekt-Wetterstation ausgefallen

Auf gute Stromversorgung achten!
 
So sehen sie aus, die Wetterstationen, oder so ungefähr. Außer der tatsächlichen Innen- und Außentemperatur zeigen sie eine Prognose für die nächsten vier Tage in der Region, in der man ist.
   Dazu empfangen sie ein terrestrisches Signal mit diesen Daten, die angeblich über Satellit an die Sender kommen, von denen die einzelnen prophetischen  Haushaltsgeräte dann zehren. Also sind Wetterstationen von Wetterdirekt.com irgendwie satellitengesteuert – nur halt höchstens indirekt.
   Bei Wetterdirekt liest sich das so: »Die Prognosen der Wetterdirekt-Stationen berechnet das Meteorologenteam von WetterOnline aus globalen Wetterdaten. Mehrmals täglich wird die Entwicklung für 50 deutsche Wetter-Regionen per Satellitentechnik über ein nationales Funknetz kostenlos und vollautomatisch auf die Station gesendet, ausführlich und immer aktuell.« (Früher waren 60 Regionen angegeben.) So weit, so gut.
   Mein erster Bericht über die Technik erschien 2007, hier. Die angezeigte Zeit kommt allerdings nicht aus Mainflingen. Hier: »Die Uhrzeit wird mit den Wetterdaten empfangen. Ein direkter DCF-Zeitzeichen-Empfang ist nicht gegeben. Durch diese Art der Zeitübertragung kann die Uhr der Wetter-Datenstation bis zu 2 Minuten von der DCF-Zeit abweichen«. Antworten auf weitere Fragen hier. Und hier ist die Betriebsanleitung. Wichtig ist nur:

Die Station kann aufgrund des lokalen Funknetzes nur in Deutschland betrieben werden.

Meine Station gab jüngst den Geist auf, als ich die Batterien wechselte, zwei dicke »Baby«-Zellen (Größe C). Es kam nur immer die Laufschrift. Sonst tat und tat sich nichts. Ich wechselte den Standort, ich ließ die Batterien eine Zeitlang draußen, nichts half. Nach ein paar Tagen waren nur die Batterien leer, und ich hatte nichts davon gehabt, sechs Euro futsch.
   Aha: Bei der anfänglichen Suche nach dem zugehörigen Sender braucht die Station viel Strom. Wenn da die Spannung zu schwach ist, dann findet die Station ihren Sender nicht.
   Ich habe die Station dann mit einem billigen Netzgerät ordentlich versorgt, und sie ging wieder, wie zuvor mitten in der Wohnung. Erfahrungsgemäß – aber wie stets ohne Haftung – schadet kurzzeitig falsche Polung nicht, da passiert halt nur nichts. Doch die Spannung sollte nicht allzuhoch sein, nominal 3 V.

Laut Bedienungsanleitung sollte die Uhrzeit nach 30 Minuten angezeigt werden. Die übertragene Uhrzeit entspricht der Genauigkeit einer normalen Quarzuhr (maximale Abweichung +/- 2 Minuten). Nach 6 Stunden sollten erstmalig Wetterdaten empfangen werden.

Gestern lief das so ab:
UHRZEITEMPFANG
Nach fünf Minuten hatte er die Zeit, zeigte sie kurz, und schaltete dann auf
WARTEN AUF EMPFANG DER WETTERDATEN
Und das dauert dann … gestern bis heute früh!
   Danach noch beim zugehörigen Außentemperaturfühler kurz eine Batterie ausklinken, dann ihm wieder Strom geben, und alles sollte wieder laufen. – Tut’s aber nicht immer. Bedienungsanleitung: »Werden die Außenwerte nicht empfangen, erscheint „- -“ auf dem Display. … Bitte beachten Sie, dass während des Erstempfangs von Wetterdaten und Uhrzeit der Außensender vorübergehend nicht empfangen wird.… Beachten Sie, dass Sie für den Neustart immer die Batterien in Sender und Empfänger innerhalb von einer Minute einlegen müssen«. Wie soll das gehen, wenn der Prozess Stunden dauert? 
   Die Geschichte ist komplizierter. Aus den FAQs: »Bitte beachten Sie hierbei, dass ein vorübergehender Verlust des Außensenders nach der Inbetriebnahme normal ist. Zum Empfang von Wetterdaten, Datum und Uhrzeit wechselt der Empfänger der Station zu einer anderen [Empgangs-]Frequenz. Erst wenn diese Daten erfolgreich empfangen wurden, erscheint die Außentemperatur wieder auf dem Display. … Ein IT-Funkaußensender lässt sich nur innerhalb von 4 ½ Stunden nach seiner Inbetriebnahme einpflegen. Ein Batteriewechsel beim Basisgerät oder auch beim Sender sollte daher immer zusammen mit einer Neuinbetriebnahme beider Geräte durchgeführt werden.« –
   Bei mir zeigte sich nicht einmal OUT --, immer einfach nur die INnentemperatur.
 
Erfahrungsgemäß: 
   Erst Gerät einschalten (Strom geben), warten, bis es nach der Uhrzeit sucht, dann Außensender einschalten (Batterie heraus und wieder hinein), danach durch Drücken von DISPLAY gucken, ob eine »Außentemperatur« (OUT) angezeigt wird (kommt gleich nach IN).

Link hierher: http://j.mp/2Uy5GlZ
   = https://blogabissl.blogspot.com/2019/03/wetterdirekt-wetterstation.html

11. März 2019

Wenn katholische Bischöfe Frauen zu Priestern weihten?

Bonn, 10.3.2019 abends in St. Remigius. Kardinal Woelki,
der neue Bonner Stadtdechant Dr. Picken,
der bislang kommissarische Dechant Kemmerling.
Siehe http://j.mp/2Uweedc – Foto Jörn
Gestern Abend sprach der Kölner Kardinal Woelki nach der feierlichen Einführung von Dr. Picken als Bonner Stadtdechant noch lang mit Besuchern, unermüdlich, danke!
   Ich fragte ihn, was denn passieren würde, wenn er einmal eine Frau zum Priester weihen würde? Er meinte, dann wäre das wohl ungültig. Ob das schon einmal passiert sei, fragte ich nach. Daverwies seine Eminenz auf geheime Weihen in der kommunistischen Tschechoslowakei. Wir haben dieses informelle, freundliche Gespräch nicht weiter vertieft. Er zeigte sich gut informiert, und ich hatte die Anregung platziert.
Inzwischen weiß ich mehr über die tschechischen Priesterinnen, jedenfalls über die Brünnerin Ludmila Javorová, deren Leben in der englischen Wikipedia beschrieben ist, samt der Problematik ihrer Priesterweihe: “The Catechism of the Catholic Church states that an ordination ceremony performed on a woman would be invalid as well as illicit” – ungültig und unerlaubt. Schon Thomas von Aquin soll das so gesehen haben. Die Weihe erhielt sie von Bischof Felix Maria Davídek.
   Die Weihe war am 28. Dezember 1970. Insgesamt sollen etwa fünf Frauen ordiniert worden sein. Javorová ist die einzige, die nachher öffentlich bekannt wurde.


Links

http://www.wir-sind-kirche.at/artikel/entstehen-ziele-und-leben-der-verborgenen-kirche-der-tschechoslowakei
»Aus einer vertrauenswürdigen Quelle 103) [›die ich ohne ihre Zustimmung nicht zitieren darf‹] wissen wir, dass der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger [der spätere Papst Benedikt], es 2002 abgelehnt hat, den Zweig der geheimen Kirche von Davídek gerade wegen der Weihe von Frauen zu Priesterinnen und verheirateter Männer zu Bischöfen zu rehabilitieren. Und so sind heute viele ›Treuen‹ ins Abseits geraten 104).«
   Die Priesterweihen sollten ein sicherstellen, dass unter allen Umständen selbst heimliche Riten möglich bleiben Und Frauen wurden ordiniert, weil sie weniger suspekt waren als Männer.
   Die Nachfolge Christi, Lehre, Sakramente sieht die Kirche wohl als Nachfolge der Jünger Jesu – alle männlich, gelöst von ihren Familien. (Wie keusch sie waren, ist vermutlich nicht überliefert.)
 
• Roman “Out of the Depths: The Story of Ludmila Javorova, Ordained Roman Catholic Priest

Hans Küng zeichnet 2011 Ludmila Javorová aus:
http://www.wir-sind-kirche.at/sites/default/files/pr11_feier_widm_ludmila_de.pdf

• Theologisches Plädoyer für die Frauenordination aus dem Jahr 2016:
https://www.feinschwarz.net/frauenordination-notwendendes-zeichen-der-zeit/

• Zur Rolle der Frau bei Aquin

• Der römisch-katholische Katechismus zur (Priester)weihe, Absatz 1577 ff
http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P53.HTM

»1577 „Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann [vir]" ( [link] CICcan1024). Jesus, der Herr, hat Männer [virigewählt, um das Kollegium der zwölf Apostel zu bilden [VglMk 3,14-19; Lk 6,12-16], und die Apostel taten das gleiche, als sie Mitarbeiter wählten [Vgl. 1 Tim 3,1-13; 2 Tim 1,6; Tit 1,5-9], die ihnen in ihrer Aufgabe nachfolgen sollten [VglKlemens vRomKor. 42,4; 44,3]. Das Bischofskollegium, mit dem die Priester im Priestertum vereint sind, vergegenwärtigt das Kollegium der Zwölf bis zur Wiederkehr Christi. Die Kirche weiß sich durch diese Wahl, die der Herr selbst getroffen hat, gebunden. Darum ist es nicht möglichFrauen zu weihen [VglMD 26-27; CDFErkl. „Inter insigniores"].«
»1579 Mit Ausnahme der ständigen Diakone werden alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirchenormalerweise aus den gläubigen Männern gewählt, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat ›um des Himmelreiches willen‹ (Mt 19,12) beizubehalten

Da hilft keine Berufung, Frauen dürfen nicht einmal Diakone werden! Siehe auch http://j.mp/2pJxfeh.
»Wer Anzeichen wahrzunehmen glaubt, dass Gott ihn zum geweihten Dienst beruftmuss seinen Wunsch demütig der Autorität der Kirche unterbreiten, der die Verantwortung und das Recht zukommtjemanden zum Empfang der Weihen zuzulassen

• Link hierher  
   = https://blogabissl.blogspot.com/2019/03/wenn-katholische-bischofe-frauen-zu.html

10. März 2019

linguistisch – Eigenbezeichnung, Fremdbezeichnung

Am Anfang stehe ein Zitat aus dem Online-Duden:

Die Bezeichnung Neger gilt im öffentlichen Sprachgebrauch als stark diskriminierend und wird deshalb vermieden. Als alternative Bezeichnungen fungieren Farbiger, Farbige sowie Schwarzer, Schwarze; letztere Bezeichnung ist z. B. in Berichten über Südafrika vermehrt anzutreffen, wohl um eindeutiger auf die schwarze Bevölkerung (etwa im Unterschied zu Indern) Bezug nehmen zu können. In Deutschland lebende Menschen mit dunkler Hautfarbe wählen häufig die Eigenbezeichnung Afrodeutscher, Afrodeutsche, die zunehmend in Gebrauch kommt.

Soweit, so gut, Schwarzer also. Meine Gedanken zum Konnotationswandel von »Neger« findet man hier. Generell entstehen und wandeln sich Wörter mal gar nicht (Jude), mal öfters (175er, Schwuler), mal ganz oft (Mohr …). Es lässt sich vielleicht eine linguistische Wortherkunft dazu finden, den Konnationswandel bestimmen aber die Beteiligten und das dann meist aus Nachahmung.

Heute geht’s mir um den Begriff und die Verwendung einer »Eigenbezeichnung«, Synonym »Selbstbezeichnung«. Die Eigenbezeichnung, Selbstbezeichnung oder das Autonym ist wie sich der Benannte selbst nennt, etwa: »Ich bin ein Südtiroler«. Südtiroler ist da die Eigenbezeichnung, die hier praktischerweise gleich dem »Gegenteil«, der Fremdbezeichnung, dem Xenonym ist. Doch schon ein Mailänder (Fremdbezeichnung) nennt sich anders: Milanese (italienische Eigenbezeichnung).
   Genaugenommen ist eine Eigenbezeichnung nicht die eines einzelnen zur jeweiligen Gruppe gehörenden Sprechers – ein Südtiroler kann auch ein Italiener sein, staatsbürgerlich (also sportlich) ist er das sogar in der Regel immer –, und ein Südtiroler italienischer Muttersprache würde ich vielleicht Alto-Atesino nennen, oder weniger pointiert sagen: « Sono dall’ Alto Adige », ich komme aus Südtirol. (Wenn ich Italienisch spreche, sag’ ich das so. In der Bozner Volksschule mussten wir 1948 noch »Hochetsch« zu Südtirol sagen! Heute ist der Begriff meines Wissens ausgestorben.)
   Die Eigenbezeichnung bezieht sich gemeinhin auf Sprecher der örtlichen Sprache. Man lese dazu bei https://de.wikipedia.org/wiki/Volksbezeichnung das kluge Kapitel Bildung und Problematik.

Variante A. Politisch korrekter Sprachgebrauch will es, dass sich auch der »fremde« Sprechende oder Schreibende möglichst an die Eigenbezeichnung hält. Ein deutliches Plädoyer dafür hier: »Meine Meinung ist dazu ganz klar: In dem Moment, in dem sich jemand durch einen Begriff gekränkt fühlt, ist dieser tabu.« (Der Schreiber ist dadurch fremdbestimmt.) Die Frage, ob der Beleidiger oder der Beleidigte daran »Schuld« ist, wird meines Erachtens immer im Einzelfall abgewogen werden müssen. 
   Doch weiter: Die Eigenbezeichnung kann dann je nach Sprache des Schreibers leicht abgewandelt werden, ums auch dem Leser gefälliger zu machen, etwa grammatikalisch. »Wir nennen uns uruguayos oder orientales«, schreibt das aktuelle NZZ-Magazin in einem Artikel über eine Weinbar in Montevideo. Warum wird dort auch erklärt. Also würde man im Deutschen wohl Uruguayer oder Uruguayaner wählen, und höchstens in Kreuzworträtseln Orientale, schon weil bei uns die Bezeichnung für einen »Bewohner des Orients« (Duden) traditionell was anderes bedeutetMan muss ja nicht mir jedem Wort ein Fass aufmachen …
   
Variante B. Kommunikationstechnisch optimal ist eine Bezeichnung, die der Leser oder Hörer leicht versteht, die er üblich kennt und verwendet. Kein Mensch spricht von einem Fernsprecher, wenn er telefoniert.
   Ich könnte Ihnen einen Vortrag geben über Wortwahl – immer den vermuteten Leser im Auge, und wie er was auffasst, welches Wort »aufgedotzt« werden soll, was ironisiert werden soll, vielleicht, historisierend (Abort für WC), gelegentlich tatsächlich etwas abfällig, aber nicht persönlich gemeint (Quotenfrau, Pflichtneger als Figur in einem Stück, nicht als Schauspieler), etwas affektiert-gebildet (Autonym). In einem technischen Artikel verwendet man zum sicheren Verständnis immer denselben Begriff für dasselbe, in einer Erzählung mag man variieren (variatio delectat …), und so weiter. Ich plädiere effizient für eine bewusste Wortwahl beim Schreiben. Das mag überholt sein, weil inzwischen mehr geschrieben als gelesen wird: Da mag der (seltenere) Leser selbst herausfinden, was ihm da gesagt werden soll.

Links


• Wikipedia-Liste von Eigenbezeichnungen [Synonym: Selbstbezeichnungen] ethnischer Gruppen – wohlgemerkt nicht anderer Gruppen, von Adivasi bis Unangan (Bild Wikipedia)
• Thema Volksbezeichnung bei der Wikipedia. Synonym für Volksbezeichnung ist Demonym.
• Schönes Beispiel: die Ladiner.
Türkiye statt Türkei

Link hierher http://j.mp/2UzVauF
   = https://blogabissl.blogspot.com/2019/03/linguistisch-eigenbezeichnung.html
 
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6. März 2019

1962: »Neger«?

English summary. Colored used to be the correct word in America. Neger (negro) in Germany, back in the 1960s. Example: the film “To Kill a Mockingbird” and its German version. Video examples.
 
Die Kinder lauschen.
Charles Baker “Dill” Harris
(John Megna)
berichtet von oben.
Wer sich heute den alten Film mit Gregory Peck ansieht, »Wer die Nachtigall stört«, deutsch, wird nach 23 Minuten erschrecken. Der Junge auf der Räuberleiter, Charles Baker “Dill” Harris, gespielt von John Megna, berichtet aus dem Gerichtssaal: »Jetzt seh’ ich eueren Vater und einen Neger …«. Weiterhin wird konsequent von »Neger« und »Negern« gesprochen, ohne sich dabei etwas zu denken.
   Die Geschichte spielt in den Dreißigerjahren. Der Film entstand 1962, ebenso die deutsche Synchronisation, was alles gut in der Wikipedia nachzulesen ist, deutsch und auch englisch.
   Heute »gilt der Ausdruck ›Neger‹ als stark diskriminierend«, warnt der Duden, und die Wikipedia lässt sich auf lange Erklärungen ein wie: »Einher gingen diese Konstruktion einer Rasse und die Etablierung des Begriffs ›Neger‹ mit dem großen politischen und wirtschaftlichen Faktor des transatlantischen Sklavenhandels.«
   Der Stern belehrt uns im April 2015: »Beim Wort Neger sind sich alle einig: Es hat in der deutschen Sprache nichts zu suchen«.
   Ich erinnere mich noch daran, den Schwarzweißfilm als Student gesehen zu haben. An Rasse oder Sklavenhandel hatten wir damals gewiss nicht gedacht, an Diskriminierung schon. Es war um Apartheit und Gleichberechtigung gegangen, weshalb dieser Film so wichtig war.
   Man glaubte anfangs wirklich an ein Land, zwei gleichberechtigte Gesellschaften, wie heute fernab an »ein Land, zwei Systeme«, Hongkong und China. Dabei geht das alles höchstens mit Druck – oder im glücklichen Südtirol. Wie Kohlensäure (H2CO3, »menschengemachte«!) im Sprudel nur unter Druck gelöst bleibt.


Also wollte ich jetzt dem offensichtlichen Bedeutungswandel des Begriffes »Neger« nachgehen. Mir scheint, es ging ihm wie vielen Begriffen: Sie nutzen sich ab, verändern sich, werden von neunen Sprachmoden überholt, »politisch«. Die Wikipedia wählt sich zum Beleg ihrer Meinungen nach Geschmack passende Zitate aus. Eigene Recherchen (wie diese) macht sie nicht; das muss man wissen. Mir – als Techniker – fällt auf, dass publizistisch immer öfter mit Quellen und Meinungen Dritter statt mit direkten Erfahrungen und eigenen Überlegungen argumentiert wird: sehr akademisch, stets aber sich selbst aus der Sache heraushaltend, schein-neutral. Die subjektive Zitatauswahl des Berichtenden bildet dann die Meinung der »Nachricht«, die dann so recht keine mehr ist.
   Doch das möge jeder sehen, wie er mag.
   Mich hat noch interessiert, was damals in Amerika die korrekte Bezeichnung für einen Afroamerikaner war. Dazu habe ich einen akademischen Freund aus Kalifornien befragt und die Originalversion des Films angesehen. “Negro” war in Amerika damals schon nicht korrekt, man sagte “colored”, farbig. Inzwischen gilt:  “… the word we use most often nowadays in the US is black. Some people use African American, but we do not use colored or negro.” – Ein Beispiel Pressemitteilung von Facebook im Juli 2018. Zu Schwarzer siehe unten.
   Hier die Filmausschnitte, englisches Original, dann deutsch (Ich hoffe, dass mir keine »Filter« in die Quere kommen.):


Nun deutsch:

Link zu diesem Post: http://j.mp/2UqG4aA
   = https://blogabissl.blogspot.com/2019/03/neger.html

Mehr zu Eigenbezeichnung und Fremdbezeichnung im Blog hier.

Zur Bezeichnung Schwarzer schreibt der Duden (März 2019):
Die Bezeichnungen Schwarzer, Schwarze sollten außer als Eigenbezeichnung nur verwendet werden, wenn in bestimmten Kontexten die Hautfarbe relevant ist (wie z. B. in Bevölkerungsstatistiken). In Deutschland lebende Menschen mit dunkler Hautfarbe wählen zunehmend die Eigenbezeichnung Afrodeutscher, Afrodeutsche .
Eine Eigenbezeichnung liegt vor, wenn ein Schwarzer sich selbst als Schwarzen bezeichnet; andere dürfen das nicht.
   Während der Duden also einen »Menschen mit dunkler Hautfarbe« (so wohl p. korrekt) für einen oder eine sich selbst als Schwarze oder Schwarzer Bezeichnende oder Bezeichnenden sieht, wagt sich die Wikipedia schon weiter vor und erklärt: »Die Bezeichnung Schwarze deutet auf eine sehr dunkle Hautfarbe der so bezeichneten Menschen hin. Vielfach werden jedoch Menschen mit allen möglichen Varianten der Hautpigmentierung von dunkelsten bis zu sehr hellen Hautfarben einbezogen, einschließlich Albinos. Daher ist die Bezeichnung ›Schwarze‹ kein Indikator der Hautfarbe, sondern einer rassentheoretischen oder ethnischen Einteilung.«
   Ich persönlich möchte stets so schreiben, dass der Leser, der Adressat gleich und ohne zu stolpern versteht, was ich meine, unabhängig von der »Eigenmeinung« der oder des Bezeichneten. Und da sind uns alte Bezeichnungen oft gewohnter und somit verständlicher als neuere Konstrukte. Die »Konntotation« hängt vom Konnotierenden ab, und neue Konstrukte sind oft unnötig spezifisch einschränkend (etwa Sinti und Roma – ja was denn nun? Sinti und oder Roma? – für Zigeuner oder Afrodeutscher für Schwarzer, der ja vielleicht ein Afroösterreicher ist).
   Siehe auch
  https://blogabissl.blogspot.com/2012/03/fremdbezeichung-vs.html = http://j.mp/2UsSj6v

»Neger« strafbar? Eine Polemik hier.
Ein leicht übertriebenes Plädoyer gegen »Neger«: »Warum ich das nicht mehr hören will ›Neger‹«. Zusammenfassung: »Jemand kann mir zwar erklären, wie es [Neger] gemeint war, aber er muss auch akzeptieren, wie es beim Adressaten ankommt. Das entscheidet nicht der Absender.«

Was man früher als exotische Kuriosität gesehen hat oder als Rollenspiel (Indianerspiele der Kinder, Klub der »Hunkpapas« in Frankfurt) – siehe Völkerschauen – wird inzwischen als absolut ungehörig empfunden.
   Ich habe die »Hunkpapas« noch selbst in den Niddaauen zirka 1980 erlebt. Zitat: »Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte wurde die Ausrichtung des 22. “Indian Councils” an Pfingsten 1972 in Zusammenarbeit mit den beiden ebenfalls in Frankfurt ansässigen Western-Clubs “Wyoming” und “Hunkpapa” auf dem Gelände der letztgenannten [Hunkpapas]. Es wurde mit ca. 1500 Teilnehmern eines der größten in der langen Geschichte des deutschen Western-Hobbys.«

Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung, aus der roten »Mao-Bibel«

Black Goofy – Pippo Nero

English summary. Mickey Mouse as Dr. House, and the story of the colored MD there.




Korrekt gegoogelt ist »Goofy schwarz« ein stapelbarer Terrassenstuhl mit schwarzem Textilgeflecht für knapp achtzig Euro plus Versand von »Objektmöbel« in Sonnefeld.
   Mir als altem Topolino-Leser geht’s hier aber um eine neue Figur in der Micky-Maus, erstmals von mir entdeckt im Lustigen Taschenbuch (LTB) »Gute Besserung« in der langen, ziemlich unsinnigen Geschichte »Dr. Maus und seine Patienten« aus dem Jahr 2009 Nummer J-2775-1, J-2776-1 usw. von Fausto Vitaliano (Story) und Alessandro Perina (Zeichnungen). Alles also zehn Jahre alt …
   Genannt wird hier der – vermutlich zunächdt der politischen Korrektheit geschuldete Akademiker – »Dr. Goofman«, was diesen »Pflichtneger« eher ab- als aufwertet: Nur mit einem Buchstaben, einem D statt G, wird er zum »Doofman«, krass.
»Goofy« ist wenigstens noch lieb. Goofmans Aussehen ist bis auf die braune Gesichtsfarbe Goofy-gleich, was das Zeichnen erleichtert und nur den Kolorierer betrifft. Die Hände bleiben weiß, was aber den Handschuhen aller Beteiligter geschuldet ist, und keinem Versehen. Haut zeigt Dr. G. sonst keine, und wenn, so war sie immer schon schwarz. Gesicht-Kolorieren in Schwarz ist ja heute ganz tabu, in der Oper, im Karneval oder Fasching.
Erstveröffentlicht wurde die Geschichte im Topolino 2775 vom 3.2.2009. Im Original heißt Dr. Goofman dort « Dott. Fuoriman » – so ungefähr also Dr. Raus-Mann, was mit seinem italienischen Phantasienamen allerdings nichts zu tun hat. Roberta in ihrem Blog weiß mehr: Die ganze Geschichte sei eine Parodie auf die amerikanische Fernsehserie “Dr. House – Medical Division”. Die heißt etwas anders: “House, MD”, also Dr. med. (Medical Doctor) House, deutsch Dr. House. Sie spielt im erfundenen Princeton-Plainsboro Teaching Hospital in Princeton. Dr. Eric Foreman, auch schwarz, aus der TV-Serie wird im Topolino zum Dott. Fuoriman und zu Dr. Goofman in deutsch, schade.
   Wenn man weiß, dass sich Dr. House (Hugh Laurie) in einem Werbespot für Mediaset Premium über Micky Maus lustig macht – siehe Bild –, so geschieht ihm diese Parodie ganz recht. Das Topolino-Original-Titelbild spielt darauf an.
   Im 45-Sekunden-Spot ganz zum Schluss zu sehen ab Sekunde 42.


Link zu diesem Blog-Eintrag: http://j.mp/2UiKpN6
   = https://blogabissl.blogspot.com/2019/03/black-goofy-pippo-nero.html

PS. Im Französischen heißt der Mann Dr. Goreman,
 siehe den (deutschen) Blog »Dr. House... äh... Mouse«, letztes Bild.

See also «Gambadilegno«:  http://j.mp/2UmJaMV (english)
and about LTBs in general: http://j.mp/2JrYced

5. März 2019

Diverse – Menschen – ⅓ ‰ = ein Drittel Promille

Donnerstag, 28.2.2019, Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Vorsitzende, Büttenrede beim »Stockacher Narrengericht«:


»Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführt. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette.«
   Das zielte klar gegen die »Diversen«.
   Dazu die Wikipedia: »Der Geschlechtseintrag ›divers‹ bildet in Deutschland und Österreich eine dritte Geschlechtsoption neben ›weiblich‹ und ›männlich‹«. 
   Und dazu wiederum hatte ich mir verucht, die Zahl der deutschen »Diversen«  herauszufinden.

Ein Promille – oder nur ein Drittel Promille, gar nur ein Zehntel ‰?

Jeder von uns ist einzigartig. Trotzdem wär’s schön, die »Dimension« dessen anzudeuten, mit dem man sich hier beschäftigt: Divers ist angeblich grob ein Promille (‰) der Bevölkerung Deutschlands, 100.000 von 80 Millionen, Quelle FAZ vom 8.11.2017[1].
   Anderswo: »Demnach leben in Deutschland heute ungefähr 8.000 bis 10.000 Menschen mit DSD«[2] – schwupps sind wir bei 0,1 ‰, zehnmal weniger.
   Für Österreich errechne ich aus der Tiroler Tageszeitung vom 9.11.2017: »Pro Jahr werden in Österreich rund 30 Kinder geboren, deren Geschlechtsmerkmale nicht den gängigen Normen für männlich oder weiblich entsprechen«[3] im Verhältnis zu allen »Lebendgeburten[4]« grob 30/85.000 ≈ 0,35 ‰, ein Drittel Promille. (Den Tirolern glaub’ ich noch am ehesten.)
   Das Wikipedia-Stichwort Intersexualität berichtet: »In der Fachliteratur wird die Häufigkeit eines uneindeutigen Genitales bei Geburt auf etwa 1:4 500 bis 5 500 geschätzt[2] [rund 0,2 ‰], andere schätzen die Zahl der Intersexuellen in Deutschland auf etwa 0,1 Prozent [1 ‰] der Bevölkerung[3] oder 0,007 Prozent [0,07 ‰] der Neugeborenen.[4]«. – wobei man sich fragt, ob sich im Lauf des Lebens 14-mal soviele zu Diversen wandeln als geboren werden. Wo kommen die alle her? Vom Ethikrat, schreibt die Welt.
   Eine genauere Analyse dürfte sich bei diesen geringen (und oft diskret gehaltenen) Fallzahlen erübrigen. Außerdem kommt es stets auf jeden einzelnen Menschen an.
   Interessant auch die 60 Geschlechter von Facebook[5]! Wobei man sich laut Facebook noch bis zu zehn weitere selbst ausdenken kann.
   „Maßgeblich ist das empfundene Geschlecht“ – stimmt übrigens nicht, Eintragungen von divers beziehungsweise X erfolgen nach Tatsachen und nicht nach Empfinden das Beteilgten: »Neben einer Erklärung der betreffenden Person vor dem zuständigen Standesamt ist dafür grundsätzlich eine ärztliche Bescheinigung erforderlich …«

Links:

1. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/geschlecht-etwa-100-000-intersexuelle-in-deutschland-15283406.html

2. https://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/09/14/Wenn-Medizyner-zu-sehr-vertusche 

3. https://www.tt.com/panorama/gesellschaft/13651104/maennlich-weiblich-inter-drittes-geschlecht-auch-in-oesterreich

4. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/687254/umfrage/geburten-in-oesterreich

5. http://wikimannia.org/60_Geschlechtsidentit%C3%A4ten

6. https://www.reddit.com/r/traaaaaaannnnnnnnnns/comments/e0cp2d/coming_out_like/

Link hierher: http://j.mp/2UkdEio
   =  https://blogabissl.blogspot.com/2019/03/diverse-menschen.html

Besucherzaehler 

Speziell zu Facebook:

Last year we were proud to add a custom gender option to help people better express their identities on Facebook. We collaborated with our Network of Support, a group of leading LGBT advocacy organizations, to offer an extensive list of gender identities that many people use to describe themselves. After a year of offering this feature, we have expanded it to include a free-form field.
Now, if you do not identify with the pre-populated list of gender identities, you are able to add your own. As before, you can add up to ten gender terms and also have the ability to control the audience with whom you would like to share your custom gender. We recognize that some people face challenges sharing their true gender identity with others, and this setting gives people the ability to express themselves in an authentic way.
The expanded custom gender option is available to everyone who uses Facebook in US English.

Bei Google in Zürich. Aus http://j.mp/2Xgojfz


♂ m männlich
♀ w weiblich
⚥ t transgender
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3. März 2019

Georg Britting: Trittolfinger Fasching

   Zu gegebenem Anlass frisch entdeckt im Internet:
Georg Britting
   Trittolfinger Fasching
Erschienen im
Simplicissimus Jahrgang 32: 1927/28, Heft 43 vom 23. Januar 1928, Seite 590.

Die Titelseite des Heftes ziert Karl Valentin beim Karnevalsumzug, kostümiert als »präsumtiver Landesvator« (damit sich’s reimt), und auf derselben Seite 590 ebenfalls von Olaf Gulbransson eine Karikatur »Die völkische Gruppe« mit drei »Hitler-Girls«.
   Nun aber zum Trittolfinger Fasching:

   Der Fasching, wenn der kommt, der lockert überall die Sitten. Und, das ist das schlimmste, kostet viel Geld.
   Auch in Trittolfing.
   Da kommt zum Mittagessen an einem Dienstag der Herr Magistratssekretär und tupft Blut vom Kinn.
   Schreit seine Gattin: »Der Fasching ruiniert uns noch! Du hast dich doch erst am vorigen Samstag rasieren lassen!«
   So in Trittolfing.
*
   Und so in Trittolfing:
   Es ist Feuerwehrball, und da muss alles hin, und da geht alles hin, auch die neue Verkäuferin vom Kaufmann X. am Markt.
   Die stammt aus der benachbarten größeren Stadt und zeigt für Trittolfinger Verhältnisse ein bisschen viel Fleisch.
   Zweimal tanzt mit ihr der Sohn vom Schnittwarenhändler Huber. Zweimal!
   Dann schießt er strahlend auf seinen Spezi zu, den Franzl, und wispert: »Gewonnen! Hautona! Ich kenn doch das Fabrikzeichen!«
*
   Und beim Großen Wirt ist Redoute.
   Da geht’s hoch her! Da geht’s wild auf! Direkt dionysisch!
   Und an einem Tisch sitzt der Herr Tierarzt und der Herr Apotheker und trinken, wahrhaftig, Sekt!
   Geht ein Maskiertes Mädel vorbei, und der Herr Tierarzt zwickt das Mädel ins Bein, überm Knie, eine Handbreit überm Knie.
   Das Mädel quietscht zuerst. Dann sagt sie: »Wie du mir, so ich dir!« und zwickt den Herrn Tierarzt auch ins Bein, überm Knie, eine Handbreit überm Knie. Und geht,
   Der Herr Apotheker hat staunend und begeistert zugesehen. Dann schlägt er mit der flachen Hand auf den Tisch und schreit: »Sackerment! Ist das hier ein Sündenbabel
   Und trinkt rollenden Auges, wollusterschauernd, sein Glas aus.
*
   Und die Metzger- und Gastwirtinnung gibt auch ein Kostümfest.
   Dazu hat sich die Frau Metzgermeister Zacherl ein Bajaderenkostüm machen lassen und zieht es probeweise an, und zeigt’s dem Herrn Gemahl,. Sie ist rosig und fett, die Frau Metzgermeister, und das verbirgt das Kostüm nur wenig.
   Herr Zacherl schüttelt zuerst den Kopf. »Es geht net! Man sieht zu viel!«
   Sie zieht einen Flunsch, die rosige Meisterin. Da sagt der Gemahl schnell: »Aber es san ja lauter Metzger! Dös an Fleisch gwohnt!«
   Und die Bajadere ist selig.

»Hautona«, da ist wohl »haut einen« gemeint, »oana«. »Schnittwaren« waren entweder »Ellenwaren«, also Stoffe von der Rolle, oder Schnittholz. Den Witz mit dem Fabrikzeichen versteh’ ich nicht. Und wo dieses »Trittolfing« sein soll, weiß ich auch nicht, ist vielleicht ein Phantasiename. – Schreiben hat er halt können, der Britting!

Quelle siehe http://j.mp/2UgY3QT
http://www.simplicissimus.info/uploads/tx_lombkswjournaldb/pdf/1/32/32_43.pdf#page=14

Rund 93 weitere Werke Brittings im Simplicissimus. Der »Fasching in Trittolfing« ist nicht aufgeführt:
 https://de.wikisource.org/wiki/Simplicissimus/Inhalt_1930%E2%80%931944 – dort nach "Britting", vielleicht auch nach seinem Kürzel "Br" oder seinem Alias "Agilolf" suchen.

Im Simplicissimus finden sich zahlreiche Britting-Gedichte und -Texte. Ein Beispiel: Sein Gedicht »Möwen am Fenster«, man suche etwa nach der Zeile "weiß der Bauch und Füße rot", steht hier im Simplicissimus, mit schönen Möven-Skizzen von Gulbransson darüber. Oder die spannende Geschichte von Ambros, dem Holzfäller.

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