23. Juli 2007

Montag, 23. Juli 2007 – Ausschlafen, Oberer Stall, Himbeeren und so ...

Unsere Gäste – nach ihrer nächtlichen Herfahrt und dem langen Tag gestern – haben sich heute erst einmal ausgeschlafen, und erholt von den vorabendlichen Aufregungen: Tochter Emely wollte nun natürlich nur bei ihnen schlafen, statt weiter bei Carla. Als sich das zugunsten Emelys gelöst hatte, und Mutter und Tochter eng gedrängt im Gästebett lagen, fing Vater Stephan an, unbekannte Käfer zu jagen. Hier ein Bild (hinter braunem Glas) mit Bitte um Identifizierung.

Der Vormittag kam ausnahmsweise teilweise bewölkt daher, ohne sengende Sonne, kühle 21° im Schatten. Wir frühstückten draußen. Bis wir loskamen, war es nach zwölf (Fritz hatte Zeit, eine Bergnavigationsglosse zu entwerfen.) Wir fuhren dann zum Oberen Stall, die Kinder spielten dort und Fritz befreite Baumstämme von alten Drähten, die als Kletterseile gedacht gewesen waren, inzwischen aber die Bäume strangulierten. Viel Harz. Die Damen wanderten den Weg herunter, sahen ein Reh, Eidechsen, sammelten Himbeeren, wir trafen Albert und den Haselbrunn Paul.

Wieder am Hof zum Tee erste Kinderkrise: Carla hatte ihre Überraschungseiüberraschung übereilt mit Emely getauscht. Als sie es bereute, war es zu spät. Daraufhin moralische Korrekturen aller Eltern, hemmungsloses Weinen der Beteiligten. Es hat sich wieder gelegt. Fritz und Stephan halfen Igor das Heu im Stadel mit der Gabel aufzuschichten.

Dann feines Abendessen mit Kalbsbraten an Tagliatellen und Salat. Albert kam vorbei in Jägermontur mit Hund zum Ansitzen am Anreuthel. Die Kinder sind verschwunden bei Igor, der Ziehharmonika übt.

22. Juli 2007

Sonntag, 22. Juli 2007 – Dorf, Heuen, Pohlers

Comme il faut ging es heute wieder um neun Uhr früh geputzt ins Hochamt ins Dorf. Die Kinder kannten das nun schon. So konnten wir uns ganz auf die Messe konzentrieren. Gisela – Protestantin – bekam sogar ein Lied zum Mitsingen: Lobet den Herren; und ein Evangelium mit biblischer Anti-Stress-Botschaft, adäquat bepredigt vom alten Pfarrer. Danach zum Grab, dem frisch beschnittenen und geschmückten (Bildausschnitt).

Und dann Sarner Dorffest in vormittäglicher Aufbaustimmung. Die Musik spielte schon, live die »Sarner Bauernjugend« in rot, und von der Konserve die Kastelruther Spatzen oder Schlimmeres mit Schlagern à la »In die Berge ist Partytime, ins Zillertal laden ein ...« Für die Kinder gabs Kletter-Hüpfburgen. Wir ließen’s bald sein und kehrten zu unserer Höllriegl-Routine zurück, dort im Garten das gewohnte Mittagessen (und einen riesigen Gamsbart, siehe Bild). Währenddessen mobiltelefonischer Kontakt mit Pohlers, die in Bonn um halb fünf und in Mainz um sieben losgekommen waren. Ihr Navigationssystem hatte sie hinter Ulm durch das Allgäu und zum Fernpass geleitet, dann aber doch weiter zum Brenner geführt. Nach verwirrendem Suchen hier im Sarntal kamen sie um drei Uhr da. Sie hatten schon gleich hinter Nordheim nach uns gesucht und sich zu guter Letzt sogar von der Haselbrunn-Mutter Auskunft geben lassen, wer die alte Frau kennt, weiß, dass kein noch so Einheimischer sie verstehen kann.

Fritz war mit Igor und Martina und ihren Eltern unten an der Leite beim Heuen, was vom Samstag übrig geblieben war. Dazu gleich eine Korrektur: Das Heu, das wir gesammelt haben, war Heu, nicht Grummet. Andere Wiesen wie etwa das Lehen erwarten schon ihren zweiten Schnitt – in ein paar Wochen –, allerdings wurde die relativ trockene Leite vor wenigen Tagen heuer zum ersten Mal geschnitten. Igor war wieder der große Heuträger und dann Steuermann seines Kleintransporters aus Einachs-Zugmotor und angeflanschtem Einachs-Anhänger. Hernach saßen wir dann alle gemütlich bei Kuchen, Tee und Almdudler am Hof. Sturm kam auf, im Tal hat es gewittert, hier nur ein paar große Tropfen geregnet.

Zu Abend waren wir mit Albert und Linda in der Pizzeria »Santnerhof« unter Reinsberg (Trienbachberg 9, 0471-625187), wirklich gut und gemütlich – sogar draußen (im Bild Albert, Stephan, Sylwia, Gisela und Linda). Gute Unterhaltung, Albert und sogar Linda brillieren wieder in ihrem Dialekt mit heiteren Zweideutigkeiten, und natürlich dem Tratsch aus dem Dorf. Der vor ein paar Jahren verstorbene Hofer von der gleichnamigen Pizzeria wird am Sarner Friedhof exhumiert, damit eine Vaterschaftsbestimmung gemacht werden kann einer jungen Dame, die gern erben möchte. Hofers beide Kinder waren tragisch verunglückt.

21. Juli 2007

Samstag, 21. Juli 2007 – Putzen mit Stroblmairs, Grummet

Wie bitte? – wird der Leser fragen. Großreinemachen mit Freunden, und irgendetwas Grummeliges? Also: Die »Putzen« sind Höfe oberhalb von Sarnthein (960 m.ü.d.M.) in 1500 Meter Höhe. Unsere Freunde hatten vorgeschlagen: »Am Samstag könnten wir uns zu Mittag am Putzerkreuz treffen. Wir kommen vom Jenesinger Jöchl, und Ihr hättet die Wahl zwischen 1 1/2 Stunden Aufstieg von der Schörgau oder der Anfahrt über Sarnthein und etwa 20 Minuten Spazierweg von den Putzerhöfen (oder etwas dazwischen ..)«.

Natürlich haben wir den einfacheren Weg gewählt, die Kinder sind’s ja nicht gewöhnt und quengeln schon einmal vorsorglich nach drei Minuten Aufstieg. Dabei sind sie in Wirklichkeit fitter als wir. Ein kurzer, staubiger Aufstieg, Gott sei Dank durch kühlen Wald, brachte uns zum »Putzenkreuz« auf 1631 Meter. Erstens ist’s ein Berggasthaus, aber auch eine schöne, stimmungsvolle Kapelle mit einem Christus, den ein Hirte am Ende des 18. Jahrhunderts dort geschnitzt haben soll. Im Eingang der Kapelle, der sich von Westen her hinter dem Altar befindet, hängen lauter Partezettel. Wir fanden Andenken an unsere liebsten Pächter und Holzarbeiter Noe Spögler und seine Frau. Für die Kinder gab es im Wald ein Baumhaus, etliche andere Kinder dazu, Kühe, Ziegen, sogar ein Kaninchen. Das Wirtshaus ist nett, sehr ordentlich hergerichtet und doch bäuerlich alt. Wir saßen bevorzugt draußen, hatten eine gute Zeit mit den beiden Stroblmairs und dem rustikalen Essen (Emely mit riesigem Kaiserschmarrn, im Bild mit Jana Stroblmair). Später beim Abstieg durften die Kinder Tschurtschen (Zapfen) werfen, Fritz versank wieder einmal im weiten Blick über die Berge zu unserem Wald, dahinter Ritten mit der Seilbahn und die Dolomiten. Emely fing einen großen grünen Grashüpfer auf der Wiese.

Schön war’s da oben gewesen und kühl. Am Hof zurück waren wir gegen vier. Hier war die große Grummet-Ernte zugange. Grummet ist das zweite Heu im Jahr, der zweite Schnitt; für uns Städter Heu halt. (Der dritte Schnitt heißt Pofel. Grummet, sprich Gruëmet, kommt von Grünmahd). Igor und Martina hatten eine Menge Freunde zum Helfen eingeladen. Ich traf sie alle auf unserer steilsten Wiese, der Leite, beim Zusammenrechen. Danach trägt Igor dort das Heu in großen Tüchern bis zum nächsten befahrbaren Weg. Auf der Leiten ist es so steil, dass man sich auf dem glatten Gras – die Qualität ist zum Teil gering, glatter Bürstling – fast nicht halten kann. Als ich jetzt eben ein quer geschossenes Foto aufrichtete, waren es glatte dreißig Grad Neigung! Nun sitzt die junge Mannschaft draußen und isst (und die ganz junge, siehe Bilder, ist gar schon im Bett.) Und ich will, hier drin, auch Feierabend machen. Über Nacht kommen Pohlers, Emelys Eltern. Morgen ist Sonntag.

20. Juli 2007

Donnerstag, 19. Juli 2007 – Wald und Verona

Ja, kurz vor halb acht ging’s mit Igor hinauf in den Wald, er in seiner Funktion als Förster und Kenner unseres Waldes, ich als Besitzer oder zumindest als Verwalter für die Besitzergemeinschaft und Ältester der »herrschaftlichen« Hof-Familie, beide tretend aus dem selben Haus. Eigentlich hatte Gisela währenddessen ins Dorf fahren wollen, wir brauchten aber das Auto.

Zuerst sind wir hinaufgefahren zum Italienerweg, herrlich schön und frisch in der Frühe. Igor zeigte mir in der S-Kurve noch einen Baum, in den frisch der Blitz eingeschlagen hatte. Dann haben wir uns den »schrägen« Schlag im obersten Engen Tal angesehen; also Auto abstellen, zu Fuß den Weg hinauf fast bis zum Höhenweg, und ohne Weg den alten, steilen Schlag hinunter. Ich mag ihn nicht, mir ist er zu diagonal gelegt, die Bäume im Dreieck darunter leiden und müssen später dann doch herausgenommen werden – q. e. d. Und steil ist’s dort, selbst Igor ist einmal ausgerutscht. Inzwischen steht dort ein halbes Dutzend dürrer Käferbäume herum (die man auf dem Foto – vom Italienerweg her etwas weiter oberhalb – etwa in Bildmitte leicht links sieht), andere sind angeschlagen (was man eben nur sieht, wenn man von oben nach unten geht), einer steht schief. Wir werden den Schlag wieder aufgreifen müssen. Ärgerlich, zumal alle Holzarbeiter hier ›overcommitted‹ sind, mehr versprechen, als sie halten können – oder sie sind deutlich teurer. Zum Schluss sind im besten Fall die Schlägerungen gänzlich unaufgeräumt, das Brennholz liegt noch herum, im schlimmsten Fall stehen die Bäume noch, und natürlich unverkauft. An einem Schlag vom vorigen Jahr hängt noch das Seil, sogar bis hinüber auf die andere Talseite des Osterbachs, weil noch Brennholz hochgezogen werden soll – wir sollten es nutzen, inzwischen dort gefallene Bäume zu holen. Dazu kommt, dass die Holzpreise stark gefallen sind ...

Danach haben wir die Stelle des von Igor vorgeschlagenen heurigen Haupthiebes besichtigt, erst von oben her vom Italienerweg (unterhalb der S-Kurve) und dann von unten her vom Spöglerweg. Die Seiltrasse für die Bringung soll mit einem weiteren zuständigen Förster am Dienstag früh passieren, da will ich mit dabei sein. Die eigentliche Auszeige (Aussuchen und Markieren der Stämme) passiert am Donnerstag im Beisein der höheren Experten aus Bozen. Dieser Schlag soll einerseits Endnutzung, andererseits Waldverbesserung sein. Die Bäume stehen zu dicht dort, wachsen nicht mehr richtig.

Ja, und dann denkt man natürlich wieder an Dr. Pauls Spinger sel., der voriges Jahr dort abgestürzt ist, immer noch unverstänldich.

Gegen elf waren wir am Hof zurück, eigentlich Zeit genug noch, um vor der Mittagspause um zwölf ins Dor zu kommen. Wir wollten aber beide nicht. Brot hatte Gisela selbst gebacken – das gab es dann reichlich als belegte Brote für Verona.

Der Tag wurde immer heißer, selbst am Hof hatte es 32° im Schatten auf der Sonnseite. Wir kamen um 15.15 Uhr los, navigationsgeführt: Bis zur Arena sollten es 167 Kilometer sein, die Ankunft war für 17.18 Uhr avisiert, also zwei Stunden zu fahren. Die elektronischen Prognosen stimmen erstaunlich gut, um 17.20 parkierten wir (»Schlüssel im Wagen lassen«) unter der Piazza Cittadella nahe der Arena. Erstes Eis. Die Temperatur in Bozen wie in Verona: 40°. Bis zum Beginn des Spettacolo um 21.15 Uhr hatten wir noch schön Zeit, kannten Verona auch schon von früheren Besuchen, also schlenderten wir stressfrei (nötig bei der Hitze!) zu Romeo um Julia. Emely und Carla klebten je einen Zettel an die Kaugummiwand (für mit Moritz resp. Lukas), dann die Schrägtreppe, Dante, Piazza Erbe und an der Arena in der überfüllten Bar Emanuel (kleiner Chef, bestens dressierte Ober) Tramezzini und letzte Getränke (viel Wasser – Marke »Kaiserwasser« aus Gossensass in Südtirol –, Chinotto für Fritz). Nett ein Ausruf Carlas: »Die Taube hat Junge!« – Die aber waren Spatzen.

Wir hatten uns erkundigt: Unser Block D in der Arena war zu 738/1661-tel gefüllt. Weitere Karten hätte es noch gegeben. (Barbiere die Siviglia, Gradinata Settore D, nominal je Euro 24,50, dazu Gebühren und Porto). Kurz vor acht waren wir noch ziemlich früh, und so genossen wir die erwartungsvolle Stimmung, das langsame Eintrudeln der Zuschauer. Die Kinder hatten für drei Euro Fächer bekommen. Bald aber fingen kleine blaue Halawachln an, die Reihen aufzufüllen, Unruhe bei Gisela, den Kindern sowieso, aber dann gings auch schon bald los, das Spettacolo.

Hier einen kleinen Abstecher – Rat – zur Positionierung in der Arena von Verona. Die steinernen Treppen, vielleicht dreißig Zentimeter hoch und ebenso tief, eignen sich zum Anlehnen nur in lümmelhafter Stellung, sprich gar nicht – zumal hinter einem schon wieder die Füße der Nächsthöheren stehen. Bei voller Besetzung, und die stellt sich zumindest an den besseren Stellen (keine Scheinwerfermasten im Blickfeld usw.) unweigerlich ein, hat man zu seinen Füßen wieder Leute sitzen, treppauf, treppab. Ein paar Treppen werden allerdings als Querdurchgänge genutzt. Dort sitzt dann niemand. Also hat sich Gisela mit Carla (in unserem Fall) eine Treppe weiter vor gesetzt, und schon hatte sie die Füße frei. Kenner mögen das freilich gleich so tun.

Herein strömen die unterschiedlichsten Gestalten, Reisegruppen voller Möchtegern-Hemingways (männlich) und Wellness-Norddeutschen (weiblich), sportiv bis feingemacht, mit Fotojacke (männl., Mähne) oder kleinem Schwarzen (weibl., Pferdeschwanz). Die Stimmung wird heiter, Nachbarn fangen an, sich kennenzulernen (neben Gisela eine Dame aus San Franzisko),

Die kleinen Kerzen waren gestiftet von der örtlichen Konditorei Vicenzi (»Eine Marke, die das italienische Geschmack behauptet.« – «Un nome che afferma il gusto italiano.» – Pathos führt in die Falle). Die Kerzen wurden freilich schon allzufrüh entflammt und hielten nicht immer die Ouvertüre durch, aber schön war es doch! Wer was gesungen hat, das muss erst einmal ein freundlicher Leser versuchen, im Internet herauszufinden. Es gab zwar »offizielle« Programme, ebenso CDs, aber nichts zur spezifischen Aufführung. Ein schönes, weitläufiges Bühnenbild, gute Sänger, lustige Einfälle (Dr. Bartolo springt Seil ...), begeistertes Publikum (eine Dame las im Schein ihres Handys die Partitur mit) – und über allem die glühende Hitze, die besonders Gisela recht zugesetzt hat. Unsere mitgebrachten Sitzkissen von der Siebenfahr-Stubenbank leisteten gute Dienste, bis wir auch darauf nicht mehr sitzen konnten.

In der Pause, gegen elf, haben wir dann das Weite gesucht bezw. die Kühle im Auto und sind zurückgefahren. Die Kinder hatten schon in der Arena zu schlafen angefangen, im Auto dann erst recht. Gespräche im Auto – nach dergleichen Stress besonders intensiv und förderlich. Um halb zwei waren wir zurück, und dann haben wir noch die Sterne bewundert ...

Freitag, 20. Juli 2006 – Dorf, Hitze, Osterbach

Ja, dazu noch ein Telefonat mit meiner Schwester oben auf der Lentsch. Es soll Subventionen für die jüngsten Unwetterschäden geben, da wollen wir mit Stücken des Höhenweges dabei sein. Mein Bruder Edgar kommt mit seinen Jungs erst morgen – zum Leidwesen unserer kleinen Damen. Und schon am Donnerstag ein langes Gespräch mit dem Raiffeisen-Rechenzentrums-Spezialisten für Funkversorgung ferner Dörfer (Dorf Tirol zählt auch dazu!), wo die Telekom kein DSL legen will, warum, weiß man nicht so genau.

Vormittags sind wir – eigentlich gar nicht so übermüdet – ins Dorf gefahren. Gisela gelang es, in der Hitze das Grab zu richten, und alles für die nächste Zeit Nötige einzukaufen. Der neue Spar (»Despar«) oberhalb des Friedhofs ist bestens sortiert und hat über Mittag offen – konkurrenzlos! Am Nachmittag bin ich dann mit den Mädels hinunter zum Osterbach Baden gefahren. Übrigens reichen die neuen 446-Megahertz-PMR-Funkgeräte (Modelle SP3381 von Pearl) so gerade bis zum Bach, erstaunlich, hier im Gebirge so »ums Eck«. (PMR: Public Mobile Radio; engl. Radio = dt. Funk, auch LPD low power device) Ja, und noch ein Wort zur Navigation im Auto (ich hab’ hier immer eine Menge Zeit für den Text, während die Bilder hochgeladen werden ...): Stellt man die Koordinaten als 46° 35' 51" Nord, 11° 23' 7" Ost ein, so wird man direkt zum hiesigen Siebenfahrerhof geleitet!

18. Juli 2007

Mittwoch, 18. Juli 2007 – Bäume und Bad

Heute endlich in den Wald! Bevor wir nicht »zur Quelle« gegangen wären, ginge ich auch nicht mit ihnen ins Schwimmbad – so der ›Kuhhandel‹ des Waldbauern. Die Quelle unseres Hofwassers liegt dreieinhalb Kilometer weit, tief im eigenen Wald, Schattseite, zwischen Osterbach und Italienerweg. Man kann inzwischen fast bis hin mit dem Pkw fahren. Ich hatte Emely ein Häuschen versprochen im Wald, in dem das Wasser aus dem Berg sprudelt, und so ist das auch, rund zehn Sekundenliter bestes Trinkwasser. In der Nähe haben wir dort im vorigen Jahr Holz geschlagen. Auch das wollte ich mir ansehen. Also sind wir den Italienerweg hinauf in den Wald gefahren. Audis europaweite Navigation hatte auch diesen Waldweg drin, allerdings nur in seiner alten Variante ohne die S-Kurve, als es noch ein reiner Traktorweg war. Heute rollt man eine Chaussee hinauf. (Mehr sieht man im Vergleich mit meinem Landkartenausschnitt auf www.Joern.De/anfskiz.htm.)

Die Gegend da oben ist steil, der Boden rutschig vor lauter Nadeln, dazu gab es Äste vom unaufgeräumten Schlag. Aber wir fanden die Quelle. Beeindruckend, wie so eine Quellfassung seit 1952 läuft und läuft und läuft. Und der neue Schlag ist dort, wo die Äste weggeräumt wurden, zu einer schönen Wiese geworden, der Nachwuchs versteckt sich drin. (Im »Panoramabild« sind Carla und Gisela zu sehen.)

Auf der Rückfahrt haben wir am Oberen Stall Halt gemacht, die Kinder konnten ein wenig spielen, ich sag mir den neuen Steinboden der Traktorhütte an. Perfekt gemacht von Albert. Weiter unten sind wir dann noch zum Nachbarn, dem Haselbrunn, gegangen, Grüß Gott sagen. Nette Leute.

Am Nachmittag ging es dann endlich ins Sarner Schwimmbad, der Welt schönstes. Frisches, kaltes Wasser, für Normalbürger Blick hinauf auf Schloss Sarnthein und die Sarner Scharte, für mich Blick auf den eigenen Wald ... Die Kinder haben’s genossen – das Wasser.

Am Abend professionelles Seifenbasen, große mit einer Extramischung, kleine schließlich mit dem mitgebrachten batteriegetriebenen Blasautomaten; Carla und Emely im Partnerlook. Der Imker kam am Hof vorbei, hinunter zu den Bienen am Feldrand fahren. Die Kinder gingen ihm nach, mit dem Funkgerät, auf dass wir in Kontakt bleiben. Igor und Martina aßen mit, wir alle draußen natürlich, eine reich verzierte Nudelsuppe Marke Gisela. Selbst Emely aß auf.

Morgen will ich ab halb acht mit Igor in den Wald gehen, die nächsten Schlägerungen planen. Und am Nachmittag fahren wir ins heiße Verona, zum Barbier von Sevilla in der Arena. ’s wird ein langer Tag werden, sicher dann ohne Tagebuch.

17. Juli 2007

Dienstag, 17. Juli 2007 – Schlumpftag

Ein Schlumpftag. Früh ist ausnahmsweise Gisela als erste wach, ich spät, gegen halb neun ... Anschließend treffen wir uns beim gemütlichen Frühstück am Hof draußen in der Morgensonne, dazu Fünf-Minuten-Eier, hier genau richtig. Giselas Töpfchenbutter entpuppt sich als Margarine mit »Buttergeschmack«, ätsch.

Die Kinder finden eine Schlange unter dem Kastanienbaum, wo das Wasser vom Trog wegfließt, eine kleine, junge noch. Sie landet erst im Marmeladenglas (Zuegg, wie man sieht), dann in einem provisorischen Terrarium. Igor oder Martina soll sie später identifizieren. Die Kinder klettern weiter am Hof herum, Emely kann gut auf Stelzen gehen, Carla lernt es erst, Fritz bastelt dies und das, repariert ein elektronisches Bratenthermometer der Pächter (im Hof 30° im Schatten, im Haus 22°, Brunnenwasser 13°).

Zu Mittag wärmt uns Gisela Nudeln auf. Gestern Nacht hatte sie noch ihren berühmten Schokoladepudding gekocht, den gibt’s zum Nachtisch. Die Kinder erweitern ihr Bodenlager beim Plantschbecken zu einem Piratenschiff. Fritz gelingt es, sein Ericsson-Handy an den Audi Bluetooth-anzuschließen. Beim Blackberry versagt er. Innert kürzester Zeit muss ein 16-stelliger Schlüssel eingegeben werden, so will es der Audi in seiner Anzeige, niemand aber sagt einem wo, ob dort, im Blackberry oder wie. Vorher wurde noch ein Audi-»Hauptschlüssel« abgefragt, laut Handbuch 1234; diese Hürde ward gerade noch genommen. Dazu kommt, dass man vor lauter Sternen nicht sieht, was man eintippt – es könnte einem ja einer unbemerkt vom Rücksitz aus über die Schulter sehen und sich die 16 Stellen merken. Was ein 16-stelliger Pin bei einer nur wenige Meter weit reichenden Funktechnik soll, ist mir schleierhaft. Allerdings verringert ein so langer Schlüssel die Gefahr des Erratens bei wiederholter Eingabe etwa auf eine Zeitspanne von einem Urknall zum übernächsten. Übrigens lässt sich auch der Laptop mit seinem Bluetooth nicht ankoppeln oder nur einmal so, dass das Auto denkt, der Thinkpad sei ein Telefon und sich wundert, dass das Wählen so erfolglos bleibt. Erklärungen keine, obwohl ein Farbbildschirm mit Tag-Nacht-Display zur Verfügung steht. – Ich sollte eine Glosse schreiben.

Emely verliert um 11.30 Uhr ihren achten Zahn.

Nachmittags um drei gelingt Igor die Schlangenidentifikation – anhand der Fotos, denn das Original ist inzwischen aus unserem »Terrarium«, einem umgewidmeten Kühlschrankschuber entflohen: Es war eine Ringelnatter. Wir hoffen, dass Alma trotzdem kommt! Und nein, das Terrarium war nicht im Kühlschrank gewesen, der Schuber war längst ausrangiert. Die Nachrichten vom Eichelhäher sind negativ: Tot ist der Vogel. Die Federn ließen sich übrigens nicht herausreißen. Und zum Parasol: Über Mail erreicht uns die Bestätigung; ein echter. Die Segnungen der Digitalfotographie, wie selbstverständlich man sie inzwischen nimmt.

Am Spätnachmittag haben die Damen Ketten gefädelt, aus dem von Gisela mitgebrachten Perlen- und Nylonfadenset. Albert kam, der Jagdaufseher, hatte viel zu erzählen. Es gelingt ihnen nicht, einen »Jährling« zu erlegen, die älteren Böcke dürfen aber nur in gleicher Zahl wie junge Jährlinge geschossen werden. Auf der Ebenwies möchte er die Ränder breiter haben, angeblich damit das Heu leichter trocknet, wohl eher auch für die Jäger. Die Traktorhütte hat jetzt Schotterboden und ein perfektes Blechdach. Am Italienerweg hat der Dauerregen die obere Böschung an zwei Stellen ins Rutschen gebracht.

Zum Abendessen – auch wieder draußen – hat Gisela Kalbsbraten mit Reis und Gemüse gemacht. Wir haben Igor eingeladen, der gerade mit Werner (›Schuster‹ von gegenüber, Holzarbeiter und in diesem Fall Heusammler der Ebenwies) fertig geworden ist, eine Ladung Heu von der Tenne aufzuladen (genaugenommen Grummet, die zweite Mahd) . Nachtisch, Schokoladepudding, isst er mit. Igor erzählt, dass ihre Kuh bald kalben soll, Gisela, wie gut sie als Geburtshelferin ist. Wir werden sehen ...


Dies ist übrigens der »alte« erste Hofblick, heute mit Emely und Carla.

16. Juli 2007

Sylvia und Georg B. am »Zimmerhüttl« (nicht dem eigentlichen Hof).

Montag, 16. Juli 2007 – Bozen und B.s Besuch

Ein langer, schöner Tag. Für mich erst noch kleine Online-Korrekturen am gestrigen Tagebuch-Blog und dabei schnell ein Datenübertragungsgeschwindigkeitstest über wieistmeineip.de: download 31 kbit/s, upload 22 kbit/s, Festnetz halt und weit weg von der Vermittlung.

Dann ging es vormittags nach Bozen, 21 kindergezählte Tunnells lang. Parken am Waltherplatz. Unter den Lauben in der Madonnen-Apotheke – der Welt schönster – erstand Gisela Geranienöl gegen die Mücken, ich bewunderte das Fresko von »Alb. Stolz, 1927«, und fragte mich, ob mein Kinderbild (auf www.Joern.De/wohnung.htm) von seiner Tochter ist. Dann, in der Bindergasse, bekam Emely endlich »ihr« Kinder-Victorinox samt rotem Band. Und ich bekam meine Erinnerungen ... Die Bindergasse war unsere Einkaufsgasse gewesen, als ich Kind war in Bozen, vom Tomatenmark – offen, beim Khilovi, nach dem Wiegen kunstvoll verpackt in ein Ölpapier-Stanitzel – bis zu den Postautofahrkarten ins Sarntal oder den Telefonaten, die anfangs einzig auch nur vom Weißen Rössl aus möglich waren, siehe www.Joern.De/siebenfh.htm.

Danach kaufte sich meine Frau noch eine gleiche Geldbörse als Ersatz für ihre abgetragene, ich ließ die Kinder in den Heimischen Werkstätten nach oben blicken, und in der Athesia-Buchhandlung simste ich B.gs, dass wir in der Stadt sind – Freunden aus der Bonner Innenstadt, die gerade in Gargazon (zwischen Meran und Bozen) Urlaub machen. Minuten später trafen wir sie am Obstmarkt, »sie«. Er suche noch nach uns, hieß es, und so lief ich mit den zwei Mädchen los, ihn suchen, und erlaubte mir den Durchgang von der Silbergasse in die Lauben zu nehmen. Bozen kann so einzigartig verwunschen sein, wenn man’s ein wenig kennt.

Nach dem obligaten Kauf von »Dolomiten« und italienischen Photoromanen am Waltherplatz fuhren wir bei sengender Hitze – 33° – zum Despar in die Industriezone zum Großeinkauf. Diesmal wieder ein Rekord, dabei Stress für alle Beteiligten, Gisela suchend und sammelnd, Fritz abwesend-ablehnend und selten hilfreich, die Kinder nervös an den beiden Wägen – wir hatten gleich zwei. Kurz vor dem Wegfahren kamen uns noch zwei Angestellte nachgelaufen: Wir hatten an der Kassa eine ganze Bananenkiste voll Ware vergessen. Und doch haben wir’s überstanden.

Am Nachmittag kamen dann wie geplant B.s mit ihrer Tochter Ann-Sophie und einer ihrer Gastgeber hier, Sophie Walzer oder so. Kinder, was für eine Freude! Heuhüpfen, Plantschbecken, dann ein Spaziergang zur »Badewanne« im Wald mit vielen, vielen Himbeeren. Ein (noch?) flügellahmer Eichelhäher saß am Wiesenrand, etwa dort, wo man früher den Hof photographierte. Ja, früher sah man, aus Bozen kommend, den Hof schon kurz nach Halbweg – wo jetzt darunter der lange Tunnell den Weg abkürzt –, und vor allem kam man zum Schluss über die Sonnseite heraufgefahren, erblickte zuerst das Haus, en face, und nicht nur von hinten den Stadl.

Wir hatten einen gemütlichen Abend, draußen natürlich, im kühlen Schatten des Hauses. Gisela und Sylvia hatten schönen Salat gemacht, für die Kinder Nudeln mit Tomatensauce. Schön, hier Freunde aus Bonn zu sehen, dieser Anderwelt zur hiesigen. Den Hof macht es mir noch wirklicher.







[BU gestrichen, Juli 2010]

15. Juli 2007

Südtirol 2007 – der große Sommerurlaub

Gisela und Fritz, Carla und zeitweise Emely ...

Freitag, 13. Juli 2007 – Reisevorbereitungen

Schon diese Vorbereitungen waren spannend. Der Kofferraum von Giselas neuem Audi, A6 quattro, ihr ganzer Stolz, schien kleiner als der vom Passat. Und unser Reisegepäck wird von Jahr zu Jahr mehr, teils, weil manches Abgelegte gut in Südtirol auf dem Hof bleiben kann – etwas abgetragene Fußbodenläufer etwa –, teils weil man irgendetwas dort wohl brauchen könnte – eine batteriegetriebene Seifenblasenmaschine für zwölf Euro zum Beispiel oder das xte alte Schurlostelefon; und Fritz’ Technik wird auch immer mehr bis hin zum externen DVD-Brenner, mit dem man mitgebrachte Filme zeigen kann, abends, wenn es draußen stürmt und schneit, worauf man bei diesem Klimawandel ja immer gefasst sein muss, selbst im Sommer.

Ja, Sommer war angesagt, wieder eine Hochsommerphase mit dreißig Grad plus und Staus allüberall auf deutschen Autofahrbaustellen, einst Autobahnen genannt.

Diesmal hatten wir uns etwas ganz besonderes ausgedacht zum Mitnehmen, groß und gesellig, ein Jahr älter als Carla (noch 5): Emely, mit zwei E. Emely wohnt mit ihren Eltern wie wir in der Bonner Innenstadt. Die beiden sind Freundinnen aus dem Kindergarten und bald aus der Schule: Carla kommt heuer hin.

Was lag näher als nach Geschäftsschluss am Freitag, zugleich Giselas letztem Arbeitstag, ausgiebig Abschied zu feiern, bei Giaccomo (sic! Gehört einem Griechen, der nicht Italienisch kann.), bis nachts um elf. Gisela hatte ja schon gepackt, drei große Reisetaschen, eine Klappkiste Proviant und ungezählte Säcke, Taschen, Kästchen und lose Literatur. Und doch werkelte sie nach unserem heiteren Beisammensein noch bis nach Mitternacht in Küche (Reiseproviant) und Bad (Selbstreinigung), während der Gatte (Fritz, dies schreibend, beim Rauschen des Osterbaches am Sonntagnachmittag!) bereits schlief. Wer sieht denn schon hinein in den anderen, wer würdigt sein Tun? Bis dann so manches Unverstandene heimlich passiert: Giselas Zigarettenvorrat für die Ferien vielleicht und Fritz’ frommes Beichten, auf dass auf den sonntäglichen Pflichtgottesdienst mit Kommunion in Sarnthein kein sündiger Schatten falle.

Soweit Freitag der 13. Juli. Am nächsten Tag wollten wir um sieben Uhr früh Bonn verlassen – haben. Fürchterliche Staus waren vorhergesagt, dazu ebensolche Hitze. Emely schlief schon vorsorglich bei uns, in Carlas Bett; Carla, wie sie’s lieber schätzt, auf dem Sofa (die Vorliebe hat sie von ihrer Urgroßmutter Hödl geerbt, und von mir).

Samstag, 14. Juli 2007 – Bonn—Siebenfahrerhof

Erst musste aufgestanden werden. Mein Wecker klingelte um halb sechs. Da wollte schon einer von uns die Abreise um eine Stunde verschieben, doch gemeinsam blieben wir stark. Und kamen dennoch erst um acht los, das Auto voll bis an die Außenspiegel, samt Fußraum. Erst nach drei Versuchen, das rote Kofferraumdeckelwarnlicht gelöscht zu bekommen, zornigem Zuwerfen nämlich, glitten wir los, auf dem Tacho 711 Kilometer, neu, neu, neu! Ein wunderschöner Tag, dazu beste, doch leicht nervöse Stimmung. Letzte SMS an die Daheimgebliebenen. Auf der A3 Versuch einer vorbeugenden Psychoreiseplanung nach dem Schema: »Ich möchte wirklich einmal, und was willst du?« Danach hätten wir uns eigentlich gleich trennen müssen, wenn uns nicht unsere gegenseitige unerschütterliche Zuneigung – und von hinten das Gequengel der Kinder – in die Reisewirklichkeit zurückgebracht hätten.

Die Navigation, neu, vom Allerfeinsten, klappt europaweit. Sie ließ sich in Südtirol auf den nächsten Weiler stellen: ›Sarntal‹ und als Straße ›Bundschen‹, errechnete 808 Kilometer weit weg und bis um 15 Uhr 42 zu erreichen. Der Weg sollte richtig über das Penser Joch führen – aufpassen muss man, dass man nicht langweilig über Bozen geleitet wird. Auf dem uns bekannten Weg war die Zielzeitangabe das Spannendste: Bereits nach wenigen Minuten war sie schon auf 18 Uhr 4 gestiegen, und während der Fahrt war die häufigste Ansagen unserer Navigationshilfe nicht Richtungswechsel sondern: »Die Route wird aufgrund aktueller Verkehrsmeldungen neu berechnet«. Staus. Überall Staus. So richtig gestanden haben wir wenig, doch Staus gab es – vor allem zwischen Frankfurt und Nürnberg, bis zu zwanzig Kilometer lang. Wir sind denn, autopilotiert, ab Würzburg Richtung Rotheburg ob der Tauber gefahren, konnten endlich die Pferde springen lassen, Fritz am Volant und die Einfahrkilometer fast schon »abgestaut«. Da gelang es mir wieder, die vorhergesagte Ankunftszeit unter 18 Uhr zu drücken.

In unserem Stammgasthof, dem Sinsdorfer Hof an der Ausfahrt Hilpoldstein Süd, haben wir gegen zwei Uhr Mittag gemacht. Die Kinder durften Baumklettern. Danach war Gisela am Steuer. Dank »signifikant besserer Fahrttechnik als beim Vorgänger« (ihre Worte) gelang es ihr, die Zielzeit rasch von anfänglich 19 Uhr – wir hatten etwa eine Stunde Pause gemacht – um eine Viertelstunde zu verbessern. Denn: Die Staus auf der Strecke hatten sich alle aufgelöst! So kamen wir bestens voran, entspannt, wohltemperiert, und mit schlafenden Kindern. Erster Alpenblick (bei Neufahrn vor München) um 15.35 Uhr. Im Inntal gegen 16.15 Uhr macht Fritz noch einen Mobilfunk-Datenübertragunstest bei letzter, unbegrenzter Fahrt. GPRS (keim UMTS vorhanden): Download 73 kbit/s, Upload 38 kbit/s, Pingzeit nicht gemessen. Immerhin, etwas besser als stehend mit dem Modem übers Festnetz.

Dann hinein nach Österreich, die Kufsteiner Festung, Geschwindigkeitsbegrenzung, wir rechneten Datum zur Optimierung der Zehn-Tage-Maut. Traditioneller Tankhalt in Angath zum Kauf der beiden Zehn-Tages-Vignetten; die Videomaut war ausgefallen. (Und getankt hatten wir in Hilpoldstein.) Die Satellitennavigation zeigt die stetig steigende Meereshöhe, 500 Meter. Wir essen riesige Eisportionen, trinken riesige Schorlen, umgeben von Reisegruppen aus Brünn (Aufkleber auf einem Golf: »Porsche Brno«). Die Leute in Trainingsanzügen, mit nackten Oberkörpern (teils wegen Tätowierungen, teils wegen Bodybuilding, oho!). Schon wegen der üblichen Damentoilettenschlange zieht sich der Aufenthalt fast eine Stunde hin, bis halb sechs. Unser Ziel ist auf 19 Uhr 32 gerückt. Egal. Wir sind im Süden. Wir sind glücklich. Und die Staus sind auch weg, nicht einmal an der Mautstelle am Brenner. Gisela erklärt die Berge, über die wir müssen, woraufhin Emely Angst bekommt. Ihre einzigen Bergerfahrungen bislang scheinen Achterbahnen zu sein. Brenner 18 Uhr 10, Zielprognose 19.27 Uhr, 1370 Meter hoch, genau, dann Sterzing, 940 Meter hoch, und wieder hinauf aufs Penser Joch, eine Ansage in 1600 Meter Höhe: »Achtung, zeitabhängige Verkehrsführung!« Gemeint ist die Wintersperre wegen Schnee. Am Joch um 18.50 Uhr, 2210 Meter, 19 Grad, Prognose weiterhin 19.30 Uhr, und halt wunderschön. Die Berge am Abend. Ein einsamer Radler hat’s schafft’s mit uns.

Die Navigation zeigt ein Tohuwabohu von Ortsnamen, hauptsächlich deutsche, Sterzing aber kennt sie nicht und bleibt stur bei Vipiteno. Der Hauptort des Sarntals, Sarnthein, wird Sarntal genannt, wohl weil beides italienisch Sarentino heißt. Bundschen (Ponticino, Brücklein) gibt es wieder richtig.

In Sarnthein haben wir noch Linda auf eine Zigarettenlänge herausgeklingelt, sie lebt mit ihrem Mann Albert (unserem Jagdaufseher und Wald-Faktotum) direkt an der Landstraße. Albert war am Berg unterwegs. Und wir hatten es schon nicht mehr eilig. (Im Bild Emely, Carla, Gisela und Fritz, darüber die Sarner Scharte. Alle Bilder sind klickbar und werden dann groß – das heißt, ich lade sie vom Hof mit dem Modem in voller Größe hoch.)

Dann Bundschen, unser »Navigations«-Ziel, nach 860 Kilometern, danach Tanzbachbrücke, Höhe 780 Meter, und endlich am Hof, 920 Meter über dem Meer, 46° 35' 51" Nord, 11° 23' 7" Ost.

Am Hof waren die Pächter nicht da, verständlich an »ihrem« dreißigsten Geburtstag, auch die zwei Pferde nicht (die sind auf der Alm), Enttäuschung bei den Kindern, dafür eine Kuh im Stall. Die Wohnung war nicht frisch gereinigt (hatte ich nicht richtig bei Martina erbeten), riesige Enttäuschung von Gisela, die sich in der Folge zu einer veritablen Krise steigerte, angesichts dem Berg Auszupackendem, den zu überziehenden Betten, dem Durcheinander bei der Bettwäsche und überhaupt als Antiklimax zum Glück der Berge und der Erwartung sorglos schöner Tage in Tirol. Nur gut, dass Gisela dann doch zu müde war, am Absatz kehrt zu machen. Und Überraschungen für mich: keine Klospülung, dafür rinnt der Siphon unter dem Waschbecken. Übliche Hofanfangsroutine: Telefon, Boiler und Kühlschank ein, Betten überziehen, Staubsaugen, Auspacken, Kinder vom gröbsten Unsinn abhalten, und vor allem Auspacken. Den Kindern habe ich dann Gnocchi gemacht mit Tomatensauce. Gisela konnte sich beruhigen durch ihr Auspacken und das Anwerfen der ersten Waschmaschine, Fritz beim erfolgreichen Reparieren der Klospülung, die sich nur festgefressen hatte mangels Übung. Gegen Mitternacht hatten wir uns wieder, die Kinder schliefen längst, und draußen strahlen die Sterne, so schön wie nur hier!

Sonntag, 15. Juli 2007 – Kirche im Dorf und Baden im Osterbach

Herrliches Wetter, 19 Grad, Sonnenaufgang 8.15 Uhr. Wie es sich gehört, verließen wir geschniegelt und geputzt kurz nach neun den Hof, zum Hochamt um halb zehn – im Bild die beiden Grazien Emely und Carla an der Hoftür.

Im Dorf startet gerade ein Radrennen zum Penser Joch, der Carabinieri-Chef begrüßt mich herzlich mit Handschlag. Die Messe – schwach besucht leider – gelingt in 45 Minuten, der alte Pfarrer zelebriert und predigt monoton. Evangelium vom barmherzigen Samariter, die Kinder kriegen’s nicht mit. Mich rühren die alten Kirchenlieder – »Was Gott tut, das ist wohlgetan«. Lebte man mehr danach, hätte man dann keinen Streit, keinen Stress? Es bleibt Bemühen. Am Grab der Großeltern ausgewachsene Rosen, teils welke Blumen.

Beim Kaffe Kirchplatz Eis und Kaffee — unvergleichlich, hier in Italien. Rundgang im Dorf, wieder leicht verschönert (an der Brücke beim Würstlstand), eine kleine Brücke neu oberhalb der Straßenbrücke. Friedlich, schön, eben sonntäglich. Ein Bauer, den ich kennen müsste, ganz in Tracht, spricht mich an, und berichtet mir über den Stand der geplanten »städtischen« Wasserleitung auf den Hof. Dann eilt er weiter – zur italienischen Messe. Ein Spätaufsteher, oder hatte ihn etwas aufgehalten? (Südtirol sollte uns ein Vorbild für »Integration« sein.)

Wir essen zu Mittag im Höllriegl-Garten, und die Blasmusik spielt dazu! Nudelsuppe mit Fleischeinlage für die Kinder, Milzschnittensuppe für mich, Schnitzel für Gisela, viel Hunger hatten wir ja nicht. Gisela wird zum zweiten Mal für eine Italienerin gehalten, mit ihrer Chanel-Sonnenbrille.


Und jetzt am Nachmittag tollen die Kinder im eiskalten Osterbachwasser herum, Emely lernt von Carla das Steineklettern, Emely ist mutiger im Wasser. Ich baue Damm, fotografiere, mache kleine Filmchen, rede rein – und klappe jetzt zu.

Abends dann waren die Pächter da, herzliches Wiedersehen. Igor arbeitet mit der Maschine am Heu (Zusammenrechen zu Reihen) auf der Ebenwies. Martina unterhält sich mit Gisela. Ich schraube den billigen Plastiksiphon im Bad auseinander, säubere und hoffe, dass er ohne neue Dichtungen und ohne ›Plastik-Fermit‹ wieder dicht hält. Carla freut sich über ihr »erstes Victorinox«, das mit ohne Spitze, ich hatte es als Überraschung mitgebracht, Emely muss derweil mit meinem Messer schnitzen. Morgen in Bozen wollen wir ihr auch eines kaufen. (Die Kinder, und wir erst mit unserem Markenfimmel, sind doch Neidhammel, zumindest aber Perfektionisten.)

Abends gibt es bei uns Pfannkuchen. Die Kinder werden gebadet. Ich sitze am Hof und tippe, muss noch die Fotos einziehen. [Also schließe ich mit den beiden Grazien, in der Sonne sich vom eiskalten Nass erholend: … Einige Bilder habe ich herausgeschnitten, Juli 2010]

6. Juli 2007

Warum warum?

Fangen wir bei Adam und Eva an. Im Paradies standen sie nackt im Schatten eines Baumes und sollten ja nicht von dessen Früchten naschen. Für Eva ging es um einen Apfel, für spätere Interpreten um die Erkenntnis von Gut und Böse. Und heute? Äpfel gibt es billig in jedem Supermarkt. Die Erkenntnis von Gut und Böse interessiert höchstens ein paar Moraltheologen. Derart freistehende Moral haben wir mit Kant hinter uns gebracht. Seit seinem »Imperativ« ist Moral zu einer soziostatistischen Frage geschrumpft. Soweit, so gut – oder schlecht, egal. Uns geht es um Technik. Sie boomt. Doch den Konsumenten – und sind wir nicht alle Konsumenten, nur Konsumenten? – interessiert nicht einmal die Erkenntnis von Ursache und Wirkung. Wir wollen wissen, wozu etwas gut ist, wie wir es benutzen können, und was es kostet. Warum es so geht oder nicht – oder doch – oder anders, ob aus gutem Grund oder weil jemand das halt so gemacht hat, was sich der gedacht hat, die Kette von Ursache und Wirkung und wieder Folge und Urfolge, all das ist uns zu kompliziert geworden. Gründe wollen wir nicht wissen, nur – um im Bild zu bleiben – eine schöne Oberfläche sehen. Natürlich wird die Welt fortschreitender Technik immer komplizierter, schon dank grenzenlos ausufernder Software, formbar, kopierbar, innerlich voller Sprünge und offener Enden. Trotzdem wird nur der Technik beherrschen, der ihre Ursachen, ihre Abläufe, ihre inneren Gänge versteht – und seien sie scheinbar zufällig gewählt worden wie ein Passwort oder acht statt sechs Bit für ein Byte. Technik nur als Klick zu verwenden, sie sich dienen zu lassen wie eine Magd aus niederer Kaste, das mag vornehm sein, bequem und für wahre Denker nötig. Moderne Menschen sollten sich freuen, wenn sie das Warum verstehen, sollten sich mühen darum, schon als Jogging für den Geist. Erkenntnis heiße für uns zu wissen warum. Erkenntnis sei uns kein hoher Baum, eher ein Wanderstab auf dem weiten Weg des Wissens.
Diesmal wieder nur ganz bissl Technik. Ich schreibe gerade über die Werbung mit Google, Thema AdSense. Und da kam die Frage auf, ob man dergleichen Reklame auch in seinem Blog platzieren kann. Ob man darf, weiß ich nicht, ich müsste das erst nachlesen. Ob man kann wird sich hier zeigen: So keine Werbung da ist, geht auch keine.






Soweit die G’schicht mit AdSense in Blogs.
Was sich zeigt: Im Blog-Text selbst geht Werbung nicht, am Rand in der »Vorlage« schon eher – siehe links unten.