17. April 2007

Ein Sommermontag in Bad Godesberg. Carla hat chorgesungen und spielt jetzt im Sand. Kinder, klönende Mütter, vor allem aber viel Sonne hier. Der Spielplatz ist professionell: eine glattbetonierte Rollschuhbahn für Skater mit Hohlkehlen und Hindernissen, ein Basketballfeld – unbespielt –, Schaukeln und Klettergerüste im Sand für kleine Kinder. Darumherum städtische Wiesen mit Fußballern und Pusteblumen. Heute –

– zwei Gedanken.

Zu Papst Benedikts achtzigstem Geburtstag hatte am Sonntag das Bayrische Fernsehen ausgiebige Reportagen gebracht, mit Pilgern, Gebirgsschützen, Blaskapelle und vom Weihbischof eigenhändig abgegebenem Bier in Flaschen. Die Reportage aus rollenden Pilgerzügen und -bussen, vom Markusplatz und von Roms Sehenswürdigkeiten liefen immer wieder auf ein »toll, toll, ein riesen Erlebnis« usw. hinaus, »einmalig« – was einer halt so sagt zu einem Weltwunder. Im ersehnten Moment begrüßte der Pontifex auch seine Bayern auf Deutsch, Jubel und Fahnen: »die hier Anwesenden ...« Doch was wohl keinem aufgefallen ist, denn es versteckte sich in einem wie selbstverständlichen Nebensatz: Der Papst sah Jesus mit unter den Anwesenden. Immerhin war der Anlass ja formal eine Sonntagsmesse. So etwa: Zusammen mit dem Herrn dürfen wir feiern, und begrüßen ... In all dem protokollarischen Jubel hatte der Papst die Ruhe bewahrt, den Herrn zu sehen. Ja, der Glaube macht den kleinen Unterschied zur bloßen Promi-Show; und nicht nur der Glaube an Gott, dem man dem Pabst anspürt wie unserem aus Bonn abberufenen polnischen Pater (der der Bonner »City-Pastoral« wohl nicht gut genug war), sondern Gott selbst.

Ein Zweites, nur kurz:

Eine Familie, die wir aus dem Kindergarten kennen, sie aus Polen mit guten Russischkenntnissen, er von hier, beide schon ein wenig älter, erzählten uns, sie hätten ihren sechsjährigen Sohn aus dem hintersten Russland adoptiert. Das hätte gut und gern 30.000 Euro gekostet und sei eine Odyssee durch die Ämter gewesen, unglaublich. Auf diese Behörden, diese Staaten, die sich in das Private einmischen, wenn es für sie nur Arbeit und vor allem Geld und Gebühren abwirft, kann man nur einen unbändigen Zorn bekommen. Wir brauchen Kinder. Wir brauchen Menschen. Doch wenn ein Paar ein Kind annehmen will, so wird die große Verhinderung abgezogen. Wenn ich nicht schon längst ein Staatsfeind wäre, nach dieser Erzählung wäre ich es geworden.

Im Bild: Carla schläft noch ein bisschen.

13. April 2007

Freitag nach Ostern im Park. Ich muss den Bildschirm auf blauen Hintergrund stellen – nur eine Tastenkombination bei mir – um überhaupt was zu sehen. Schriftgröße 150 Prozent. Der Cusor ist eh immer brutal vergrößert. Wie früher. Dabei sitze ich auf einer zweckmäßig herumgedrehten Bank des Bonner Hofgartens und achte (wenig) auf drei Kinder, Carla, ihre Freundin und den Jungen von gegenüber. 25 Grad, leichtes Lüfterl, Vögelgezwitscher, Kinderstimmen, Mopeds draußen auf der Straße, hier in der Allee vorbeiknirschende Fahrräder und schüchtern wegblickende Studentinnen – je schöner und adretter desto schüchterner. Pat, der Vater des Jungen, dem gegenüber ich das später bemerke, meint, das sei eine Sache der Kultur, des Herkommens. In der Tat sind Fremde hier ja oft schöner, meine ich, und nicht jede käme aus Italien und sei das Hinterhergepiffenwerden gewohnt. Pat findet Italienerinnen übertrieben. Ich muss an Brigitte denken, die es damals in Mailand schon nach ein paar Tagen leid war, daß man ihr nachrief. Wir wohnten u. a. 1969 dort. Tempi veramente passati.

Das Foto ist übrigens frisch aus unserem Garten.

Hier auf der Bank bekomme ich wieder einen Hustenanfall, dass es »einer Sau graust«, voll aus der Brust heraus und bis hinauf in die Stirnhöhlen. Ich müsste eigentlich mit einem Stirnband herumlaufen. Aber die optisch sichtbaren Hosenträger reichen schon zum rentnerösen Gruselauftritt. Ich hatte sie heute früh angezogen. Da war’s noch kühl. Wenn ich die Strickjacke drüber trage, sieht sie keiner. Sind halt ungemein praktisch bei meinem Embonpoint. Und wenn ich schon dabei bin: Die Füß’ tun mir weh, fühlt sich an wie Sehnenentzündung, seit Wochen will das nicht weggehen. Komme mir vor wie ein maroder Alter, humpelnd, dazu noch gelegentlich chronischer Schwindel. Pat meint, die Fußschmerzen seien ein »Fersensporn«. Da brauche es Einlagen und ein halbes Jahr. Also nicht das Alter. Wikipedia, hier wohl wörtlich die »Wiki für die Füße«, nimmts ernst.

Ich schicke dem Menschen, der am Spielplatz einen Ehering gefunden hat – 0177 5471156 – eine SMS, dass genau hier vor ein paar Wochen jemand ebenso plakatiert hat, dass er einen verloren hat. Natürlich habe ich mir die Nummer nicht aufgeschrieben. Tragische Kurzgeschichte.

Nach Ostern habe ich in Hans-Peter Kerkelings Santiagopilgerbuch zu lesen begonnen. Birte hatte es mir geschenkt. Seit meiner »Pilgerautofahrt« 1999 lese ich dergleichen besonders gern. Auch das zugehörige Hörbuch lobte sie sehr. Wie fast alle Reisebeschreibungen gut zu lesen, vorantreibend, dazu seelisch ordentlich offen.

Bissl Technik noch
• Endlich ein Offline-Programm zum Errechnen des Wep-Hex-Schlüssels gefunden. Man steht so dumm da, wenn einem ein Freund sagt, kannst mitfahren, das ist der Schlüssel, und man kommt doch nicht rein. Zudem sind die Symptome hundsgemein: Man ist »verbunden«, aber Daten kommen wegen der Nicht-Entschlüsselung keine an. Siehe www.Joern.De/WEP oder direkt zu www.Joern.De/WEP/wep.htm
• Neu ist die Anleitung zum Selbstbau einer Displayschutzfolie. Meine Freunde und wohlmeinende Familienangehörige rümpfen die Nase. Siehe www.Joern.De/Billigfolie.htm
• Gut angekommen ist die Anleitung für automatische Blindkopien aus Outlook, www.Joern.De/AutoBCC.htm. Danach hatte ich schon einmal voriges Jahr gesucht und nur teures, abstruses Zeug gefunden, das bis zu einer Rootkit-Routine reichte zur völlig unsichtbaren Überwachung ausgehender Post, Lover vs. Lover wahrscheinlich. Beispiel oder Beispiel (probiert).
• Der Bericht über die Satellitenwetterstation ist zwar erschienen, mein Exemplar aber meist kaputt. Leider merkt man sowas erst bei längerem Gebrauch. Will mich beschweren.
• Artikel und Texte:
· Mit meiner Recherche um Ernst Höltzer komme ich nicht viel weiter, habe aber die wichtigsten Daten dieses fotographierenden Telegraphisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Isfahan schon beisammen.
· Für py eine Semiglosse zu einem – natürlich patentierten– Handystrahlenschutzsystem geschrieben. Exradia funkt zusätzlich aus der Batterie, was aber die schädliche Strahlung nicht erhöhen sondern neutralisieren soll. Quacktechnik, den Begriff sollte man erfinden.

Soviel für heute. Freitag der 13. – und sogar der Kaminkehrer kam, allerdings nur, um zu messen.

12. April 2007

Ostern 2007 in Aurich

Jetzt, nach Ostern, muss ich mich einmal wieder melden. Schon damit meine wenigen »Abonnenten« nicht meinen, ihr »Feed« sei ausgestorben.
    Also erst äußerlich: Da bin ich bei den Schwiegereltern in Aurich. Wir haben schöne Ostertage gehabt. Das traditionelle Osterfeuer am Karsamstag hat wie immer hoch gelodert und heiß gestrahlt, und wenn dann später nicht mehr, so rückt man einfach näher dran. Die Würstchen brieten dennoch am Grill, konventionell. Nur die risikofrohe Jugend bis hinauf zu Tochter Birte (23) wickelte sich Steckerlbrot – das hier im ostfriesischen Norden natürlich nicht so heißt – und kohlte es über dem Feuer an. Die alten Nachbarn kamen, wie jedes Jahr. ’s ist ein schöner Brauch.
    Deplazierter hab ich mich am Karfreitag gefühlt. In unserer heidnischen deutschen Welt ist der Karfreitag ja ein Feiertag wie jeder andere, wie der erste Mai, wie Ostermontag oder sonst ein arbeitsfreier Tag. Ich aber hatte eigens an der evangelischen Auricher Pauluskirche geschaut, die bloß hundert Meter von den Schwiegereltern entfernt ist, hatte mir einen Karfreitagsgottesdienst um 18 Uhr »eingedenk der Todesstunde des Herrn« herausgesucht. Da bin ich dann hingegangen. Mit mir stand ein junges Paar – von weiter her – vor verschlossenen Türen. Ein Missverständnis. Na ja, und in der Familie war es mir komisch, dass alle Fleisch aßen. Mit Carla (5) versuche ich am Freitag nach alter Sitte kein Fleisch zu essen, traue mich aber selten, das zu bekennen. Als dann noch die große Geburtstagsfeier zum 75. der Großmutter am Karfreitag Abend in einem netten Lokal »stieg«, na ja, da war ich dann schon innerlich etwas durcheinander. Trotzdem war’s ein schönes Fest, die große Familie in gehobener Stimmung und Kleidung, die Kinder artig und fein.
    Meine religiöse »Sättigung« habe ich dann am Ostersonntag früh um sechs bekommen, zumal Birte mitkam. Die Paulusgemeinde veranstaltete einen Frühgottesdienst. Angetreten war hauptsächlich der Pfarrer und der Chor, feierlich gekleidet, und – nur wenige mehr – rund zwanzig Gläubige. Vor der Kirche loderte und knisterte ein kleines Holzfeuer, wo sonst die Glocken ohrenbetäubend bimmeln. Im Dunkeln schritt man in die Kirche, setzte sich hin, lauschte Pfarrer und Chor, laudámus dominum, mehrmals (sogar richtig betont, was mir nach dem Kirchenhit »Láudato si, o mi signore ...« wie ein Wunder vorkommt). Die Protestanten sitzen ja (außer zum Vaterunser), was der Messe zwar ihre Dramaturgie nimmt, den Gläubigen aber unsicheres Herumstehen erspart. Die Katholiken sollten sich ein Zeichen auf der Liedertafel ausdenken für Aufstehen, Hinsetzen, Knien. Jedenfalls war der Auricher Gottesdienst schlicht und gut und getragen von den Evangelien; das Lichterbrimborium und die Taufwassersegnung störten mich nicht. Symbolhaft, dass das auch so außerhalb der bürgerlichen Zeiten passierte. Die Kirche, ihre Ordnung, alte christliche Sitten sind ja wirklich nicht mehr präsent in Deutschland, sind höchstens ein Ding fürs Private (oder gleich den Fremdenverkehrsverein und die Feuerwehrkapelle). Deshalb will ich’s damit auch bewenden lassen.
Die Tage gingen halt schnell herum, wie immer, wenn man was erlebt. Wir fuhren am Montag ins Teemuseum in Norden, sehr schön (im Bild ein Teestövchen als Laterna Magica – Niagara Falls), und sahen uns die Aida an im Emdener Hafen (ein neues Schiff), ein Rummel samt Hubschrauberrundflügen und Kabine am Kran zum Hochfahren. Abends musste Birte von Bremen wegfliegen. Am Dienstag machten wir alle einen Ausflug nach Groningen. Am Mittwoch haben wir bei schönem Wetter eine Bootsfahrt zu den Seehunden auf Borkum gemacht, auch ein Erlebnis, besonders für Carla. Zwischendurch bissl gebastelt, für Opa einen DVD-Brenner gekauft und installiert. Ich bin immer wieder erstaunt, wie kompatibel das Zeug ist bis hin zu den Stromzuleitungen, und das ganz ohne staatliche Normung.
    Heute am Donnerstag zurück nach Bonn. Hier ist Sommer. Der Garten liegt in voller Blüte. Musste die Teichpumpe reparieren. Und jetzt geh ich schlafen.

Link hierher http://j.mp/2NtBWnU
 =  https://blogabissl.blogspot.com/2007/04/jetzt-nach-ostern-muss-ich-mich-einmal.html

18. März 2007

Lanereien – Nachgedanken über Barcelona

Lan oder W-Lan, das war die Frage. Da waren wir in Barcelona, wenige knappe Tage auf einer Messe, und sollten berichten – noch bevor die Messe zu Ende war. Les- und Leserin wollen Neuigkeiten ja am liebsten schon kennen, noch bevor sie passieren. Und wenn nicht, so will’s der Redakteur schnell haben, damit er Zeit hat, schön »Blatt zu machen«. Auf jeden Fall liefen wir da mit unseren Laptops herum. Wir hatten sie immer im »Hintergrund« – ums computertechnisch auszudrücken – beziehungsweise im Rucksack – alpinistisch gesehen. Und der saß uns im Nacken.

Die Kollegin schrieb tagsüber, ich bevorzuge die Nacht. Ich glaube wenigstens. Viel darüber geredet haben wir nicht. Es ist einem ja peinlich zuzugeben, dass Texte erst durch Schreiben entstehen. Spannender war das Übertragen, das Liefern, das Loswerden. Denn was hilft schon ein Text, wenn er nur hier und nicht dort ist, wo er hin soll, eilig, hastig, trallala?

Moderne Laptops, inzwischen »Notebooks« genannt, haben eingebaute Modems – die man nur selten braucht – und dazu zeitgemäße Hochgeschwindigkeitsanschlüsse, eine Ethernet-Buchse für ein »lokales Netzwerk« (ein Lan) – die sind schon äußerlich etwas breiter als die Telefonbuchse – und, gänzlich unsichtbar, W-Lan oder WiFi oder wie man’s nennen mag, den drahtlosen Anschluss über Luft und Funk und gut Glück. Intel macht’s möglich und der geduldige »Äther« auf einer Frequenz für Industrie, Medizin und sonstig Störendes. Auf der Messe gab es zahlreiche derartige Funknetze. Zu jedem brauchte man einen eigenen Zugangsschlüssel, oder man musste sich anmelden, oder beides, oder – wie wir bald sehen würden – man kam gar nicht hinein. Selbst Messe-temporäre W-Lans sind verschlossen als bärgen sie den heiligen Gral; Gartenhäuschen geschützt wie Panzerschränke. Als Journalisten hatten wir kostenlosen Zugang zu einem »ätherischen« Pressenetz (›Ethernet‹), das denn auch in der Umgebung des Pressezentrums seine Ausstrahlung zeigte. Aber hinein kam man nicht.

So ein Nicht-Hineinkommen darf man sich nicht einfach wie einen Zaun vorstellen, der die Welt vernagelt. Da sieht man gleich, du kommst nicht weiter. Bei W-Lans meint man, man käme, und nach 35 Minuten – je nach Hartnäckigkeit – gibt man’s frustriert auf. Man klappt auf, man sucht’s Netz, man klickt und wartet, mit Glück erscheint eine Log-In-Seite, da gibt man unmerkbare Namen ein und ebensolche Schlüssel (hier: Username prss5pdp, Password: 4AT7JbuX), und dann passiert irgendetwas, nur nicht das, was man möchte. Also probiert man’s wieder. Startet einen anderen Browser. Und wieder. Man pingt ins Netz (Start, Ausführen, cmd für Command-Interpreter, OK, ping google.de; danach exit). Man flucht vor sich hin. Derweil zerrinnt die Zeit, die Messe-teure.

Ich hatte schon am Ende des zweiten Tages meine G’schicht geschrieben, abends, in der »Hütte«. Im Nobelhotel gab es ein W-Lan, »Princesa S.« hatte ein Einsehen. Das ging zur mitternächtlichen Geisterstunde, als ich mit dem Text soweit war, nur schemenhaft, »nicht wirklich«. War mein Text nun abgesandt? Saß er noch im PC? Ich hab’s dann aufgegeben, müde zur Nacht beziehungsweise zu Bett. Anderntags zeigte mein braver Blackberry, dass meine Mail um »00:26« abgegangen war. Ich hatte mir vorsichtshalber selbst eine Kopie geschickt. Uff!

Natürlich fiel mir danach noch bissl Dies und Das ein. Man sieht ja immer Neues auf so einer Messe, selbst am dritten Tag. Also habe ich das in den Text hineinkorrigiert, im Korrekturmodus, damit auf Empfängerseite schnell zu erkennen ist, was sich geändert hat. Texte werden bekanntlich redaktionell bearbeitet, und das macht keiner gern mehrfach.

Mittwochnachmittag dann, als mir wirklich nichts mehr einfiel, wollte ich diese letzte Ausgabe übermitteln. Bei T-Mobile gab es einen famosen W-Lan-»Hotspot« samt Snacks. Also ich pilgere dorthin, in luftige Höhen, denn bisschen abseits war’s schon. Ich hatte gehofft, dort die Kollegin zu treffen, die ihren Teil, den wichtigeren, von da aus hatte versenden wollen. Sie war nicht da. Kein Wunder, war doch auch sie in diesen »heißen Punkt« nicht hineingekommen. Man musste dazu mit einer hochsicheren Verschlüsselung, angeblich »WPA-PST«, und dem Passwort »Barcelona« ins Netz. Den »Wireless Protected Access Pre Shared Key« gibt’s in zwei Ausprägungen, bei mir noch »WPA2-PSK« mit »Datenverschlüsselung TKIP« oder »AES« – ja was jetzt? Probieren, probieren ... Vielen ist es gelungen. Nur uns halt nicht. Dafür waren die Fingerfood-Snacks essbar ohne Schlüssel und Besteck.

Ich pilgerte zurück ins Pressezentrum, hinten am Ende von Halle zwei, und ergatterte einen Platz im »Sweat-Shop«. So will ich einmal den Raum mit vielleicht achtzig Schirm an Schirm stehenden PCs nennen, alle fest ans Netz angeschlossen und an den Tisch gekettet. Davor sitzen heftig arbeitende Journalistinnen und Journalisten – meist freilich mit ihren eigenen Laptops. Das macht’s am Tisch noch enger. Zwischen den Stühlen, Taschen, Pressemappen und Kameras kommt man eh nicht durch. Also in diesem Sweat-Shop erangelte ich ein hinter dem Tisch hervorlugendes Ethernet-Kabel, wurde meinen letzten Text los, um 17.37 Uhr, und bingo. Weg war ich.

Abends schon beim gemütlichen Abendessen, downtown, nach Tapas und vor der Paella, in guter Gesellschaft mit einem Glaserl minder gutem Rotwein, da klingelt mein Handy. Roaming macht’s möglich. Die verzweifelte Kollegin mit ihrem Text. Sie kriegt ihn nicht los. Ob ich könnte? Sie sei noch auf der Messe. – Ja nun, aber wie? Da riet ich ihr zu meinem Festlan-Trick: Finde einen Ethernet-Anschluss, einen richtigen, gegenständlich-sichtbaren, und steck dich an. Sofort bist du im Netz, schneller als du schauen kannst. Sonst ruf’ nochmal an.

Sie rief nicht, sie simste – sparsam, wie wir uns haben. Alles habe geklappt, und danke, und ob sie noch zum Essen zurecht kommen könnte. Sie könnte, und konnte, und wir hatten alle mitsammen einen netten Abend, entspannt. Die Eier waren gelegt.

Mein »Ei« war allerdings eher eine Bombe. Am Tag darauf, gerade beim Umsteigen zwischen zwei U-Bahnen, rief die Redaktion an. Sie käme mit meinem Korrekturmodus nicht zurecht. Schnell, schnell soll ich den Text noch einmal schicken, ohne Korrekturzeichen, sozusagen in normaler Reinschrift. – Ja, habt ihr denn niemanden, der den Word’schen Korrekturmodus kennt? Und nein, ich könne das jetzt nicht aus dem Stegreif lehren (unter uns und später erforscht: Extras, Änderungen nachverfolgen, Änderungen annehmen, Alle Änderungen im Dokument annehmen, fertig). Die erlösende Idee kam dann doch aus der Redaktion: Wir probieren’s mal mit unserem journalistisch-freien Microsoft-Experten, vielleicht ist der telefonisch erreichbar. – Ich habe keine Ahnung, wie die Geschichte weitergegangen ist. Doch: Der konnte im Fluge den Korrekturbalken herbeizaubern, danke!

Dann kam mir die Idee: Ich könnte doch mit meinem Blackberry die an mich gesandte Kopie herumdrehen und der Redaktion schicken. Und richtig, Blackberry zeigte meinen Text mit den eingebauten Änderungen, war schlau genug gewesen, sie allesamt bona fide anzunehmen. Also »hob« ich den Text im Tunell an der Ecke von Linie L3 und L1 herüber in eine neue kleine Blackberry-E-Mail. Drei Portionen waren nötig, dreimal Cut and Paste, nichts vergessen, nichts verdoppeln. Und fast wäre mir der Text aus dem Blackberry auch hinaus in die Welt der Mails gegangen – wenn mir nicht gerade da die neue Software des kleinen Dings gemeldet hätte: »Nachrichtenstatus: Unable to look up the user info in database«. Ich habe dann noch meinen Psion 3mx aufgeklappt, unter mir den Koffer, links herum den Rucksack, rechts den Blackberry, und dort nach des Kollegen privater Mailadresse gesucht, vielleicht würde die ja dem Berry genehmer sein. Danach erneuter Versuch. »Unable to look up the user info in database«. Der Blackberry machte seinem Namen Ehre. Ich sah schwarz. »Wir« haben’s dann sein lassen, endgültig. Tage später habe ich dann in Ruhe den Fehler mit Web-es Hilfe wegbekommen und in der Wiki. nachgetragen

Die Moral von der Geschicht’: ›Mach dich verrückt nicht.‹ Laptop, bleib’ bei deinem Lan, dem festen. Außerdem sollten die Texte besser werden, wenn’s ruhiger zugeht.

15. März 2007

Friedhofssitten

An einem schönen Vorfrühlingstag bin ich über den riesigen Dortmunder Hauptfriedhof gewandert – mit 135 Hektar angeblich der größte Dortmunder Park. Breite Wege, alte Bäume, Friedhofsgärtner mit Leitern bei der Arbeit in einem Baum oder beim Rechen und Pflanzen und Gießen. Eine Bogenbrücke überspannt einen längst ausgetrockneten – oder künstlichen? – Wasserlauf . Ein englischer Garten fast, wären da nicht all die Grabstätten.
Ich kenne Friedhöfe hauptsächlich aus den Bergen, herum um Kirche oder Kapelle, mit kleinen, bescheidenen Gräbern. Heimelig richten sie die Gedanken selbst eines Fremden auf ihre Verstorbenen, die da mit Name und Bild vorgestellt werden. Dieser war Bauer, dann ist meist der Hofname mit angegeben, jener Lehrer oder Familienmutter, andere Beamten, Pfarrer. Ein ganzes Dorf tut sich vor einem auf, die Toten, die da ruhen, werden lebendig in den Gedanken, angestoßen von den an Grabstein oder schmiedeeisernem Kreuz mitgeteilten Einzelheiten – als gäben die Gräber Stichworte für den Phantasieeinsatz.

Ganz anders hier in Dortmund. Haupt- und Nebenstraßen sind begrenzt von mehr oder weniger pompösen Grabstätten. Riesige Steine, Menhire fast, halten unter Grund, was daraus nimmer auferstehen mag. Meist geht es wohl um Familien, anders sind die ausladenden Flächen nicht zu erklären. Und meist steht nur ein einziger Name auf dem Stein, in würdevollen Versalien: der Stammesname. Aus dem Alter der Schrifttypen mag man die Sterbepoche des hingeschiedenen Grabbegründers abschätzen, Bronze und Bauhaus scheinen dominierend (Der Friedhof wurde 1921 eröffnet.) Gerne sind die Steine asymmetrisch abgerundet, Granit, grau, Handschmeichler für den großen Geist, irgendeinem riesigen Gott zum Spielen. Da steht dann LÜKE, aufrecht, gut gesichert gegen das Umfallen, oder HARNACK, auf einer Bodenplatte. Ein MICHEL leistete mehr, bekam ein mir unbekanntes Handwerkszeichen, eine Art Löschwiege mit Stiel. Ungewollt komisch mag ein einsames SCHADE sein, auf Marmor, mahnend ein DUDA auf einem Wackerstein. Pompös bleibt es allemal. Hier ruhen nicht Einzelne in Gott, die man kannte und derer man sich weiter zu erinnern sucht, hier stoppte ein Mensch, vielleicht ein Magnat, eine Stammesmutter für immer und ewig. Das ist das Ende. SCHLOTTMANN steht da, mit Kreuz im Stein, HILLEBRAND bekam ein Alpha und ein Omega. Die Symbolik, wenn überhaupt, beschränkt sich auf steinmetzfreundliche Kreuze, eine Taube oder eben diese griechische Start- und Zielbezeichnung. Der Friedhof ist städtisch, da mögen viele die christliche Frömmigkeit aufgeklärt hinter sich gelassen haben, vor allem in Alter und Tod. Lieber nichts, als Umstrittenes, das werden sich die Erben gesagt haben.

Auf einem aufgelassenen Gräberfeld liegt einsam ein alter, verlassener Grabstein, wie hingeworfen schräg mitten auf der bemoosten Wiese vor einer riesigen Fichte. Ich trete näher heran, schaue nach dem verwitterten Datum: 18. 8. 1880 bis 4. 5. 1942. »Hier ruht in Gott mein lieber Mann unser guter Vater Anton Wippich«. Ja, der ruht noch, ein Einzelner, in Gott, blickt hinauf durch die Fichte in den blauen Himmel, oder von dort herunter auf mich Unvollendeten.

Wieder am Ausgang komme ich mit einem Mann im Trainingsanzug ins Gespräch, weil ich das frisch bepflanzte Grab seiner Frau fotografiert habe. Es ist das einzige Grab mit einem Bild, einem ovalen, so wie wir es in den Bergen haben. Ein riesiges Grab für eine Frau, voller frischer Blumen, und – mit Bild. Er erzählt mir, hier an der Hauptstraße seinen die Bestimmungen besonders genau, die Größe der Steine, ihre Art – es muss Natur sein, darf nicht geschliffen wirken – und freilich: Bilder sind ganz verboten. Sonst nimmt einem das städtische Bauamt das Grab nicht ab. Er aber stamme aus Bayern. So hat er sich erst einmal zur Zulassung einen Grabstein mit kleinem Kreuz machen lassen. Erst hinterher hat er selbst das Kreuz gegen ein Porzellanfoto getauscht. Nun müsse ihn die Stadt verklagen, wenn sie das Foto wegbekommen möchte. Das würde sie wohl nicht tun. Gewalt darf sie nicht anweden.

Nachdenklich fahre ich weg. Gedanken an die harte, religionslose Welt, an die großen, grauen, gnadenlosen Steine, ewig, nie verwelkend, nie rostend, und freue mich über den kleinen Bayer, der ihnen allen ein Schnippchen geschlagen hat für seine sel. Frau.

8. Februar 2007

Bei Trojanern muss man nicht gleich an Pferde denken, noch dazu an hölzerne. Moderne Trojaner sind feindliche Programme auf dem eigenen PC. Sie dienen fremden Mächten. Meist zerstören sie nicht die Festung – pardon: Festplatte –, sie forschen sie nur aus und melden über den Internetanschluss, was sich dort so Interessantes befindet, Passwörter vielleicht. Nun meint Vater Staat, mit Trojanern Terroristen ausforschen zu müssen. Wie oft kommt das Wort "Bombe" auf dem PC vor? Bei uns drei Mal, einschließlich hier in diesem Text. Korrespondiert der Verdächtige mit dem Iran? Mails an co.ir-Adressen? Sicher sehen wir das zu simpel. Technisch weniger simpel finden wir das Einschleusen von Trojanern, denn Computer und deren Benutzer sind ja nicht dumm. Anti-Viren-Programme spießen feindliche Rösser auf, Firewalls fackeln sie ab im Flug. Doch lassen wir die Phantasie spielen. Europens zentrale Ritter, seit Jahren im Streit mit Microsoft wegen dem Windows-integrierten Media-Player, haben sich jüngst – so fabulieren wir – mit Redmond geeinigt, den Media-Player zu tolerieren, gegen geheime Betriebsystemzugänge. In einem stillen Abkommen wird für Europa ab 2008 nur eine exklusive Vista-Version zulässig, die heimlich behördliche Vistas (Einblicke) in die PC-Inhalte zulässt. Windows bekommt ein extra Fenster zum Innenhof. Wie bei Telefonvermittlungen sind diese Zugänge von Behörden jederzeit ganz und gar spurenlos zu nutzen. Der Betreiber, in diesem Fall der Betriebssystemhersteller, muss sie kostenlos warten und weiterentwickeln. Vorgesehen ist beispielweise direkter Zugriff auf PC-eigene Suchfunktionen und Indizes, auf Google-Desktop und dergleichen, damit erst gar nicht lang die Platte rödeln muss, um Zwielichtiges aufzuzeigen. Surf-Historien und Cookys werden verschlüsselt an mehrere Behörden versandt, Excel-Tabellen nur ans Finanzamt. Kommende Bilderkennungssoftware, mit der der Nutzer meint, nur Fotos von Tante Klara finden zu können, wird auf Plätze mit U-Bahn-Eingängen getrimmt, Big Brother is Watching You. Und verbindet sich der PC zu selten mit dem Internet, so wird ein "Sicherheitsupdate" des Betriebsystems fernausgelöst, nachts um drei, wenn alle schlafen, nur der wache Überwachungsstaat nicht.

3. Februar 2007

»Grande«
»Granden«, auf einmal schreibt alle Welt (deutsch) von Granden: »alle durch Ahnen und Reichtum hervorragenden Leute, in Aragonien Ricos hombres genannt« (Meyer, 1888). Die genossen den Fußkuss als Privileg; den heutigen wird eher hinten reingekrochen, eine Parteispende. Gut, dass Granden stets vielfach vorkommen, ein »Grande« klingt schon weniger grandios. Bleiben wir präzis: »Grande« ist ein Ort in Holstein, und »Grand« grober Sand, in Norddeutschand, meint Wikipedia. Der »Jahrhunderthengst Grande« kommt aus Stade. Im Süden, da kennen wir das »Granteln«, auch das angeblich gutmütig. Was man von den jüngst besungenen Granden nicht annimmt. Denn der Ausdruck ist schön knapp und fein despektierlich. Wir mögen halt unsere Oberen nicht, außer es sind Fußballer. Oder ’s ist ein »Grand« beim Skat. Soviel.

15. Januar 2007

Ein sonniger Sonntag gestern. Angefangen hat er für mich genaugenommen nachts bei meinem Freund Vilém, nicht nur Besitzer zweier kleiner Tatra-Hadimrškas, sondern auch zweier nicht ganz neuer PCs, die wir an DSL gewöhnen wollten. Millennium Edition und XP, beim einen – dem »festen« – war von der festen Lan-Verbindung zum Router nichts zu sehen, bis sie auf einmal wundersam ging, der Rechner aber immer wieder irgendwo hängen blieb (nicht einmal ein Wiederherstellungspunkt ließ sich machen), der andere (Laptop mit XP), wollte genau unseren W-Lan nicht sehen, nachdem er ihn einmal kurz gezeigt hatte. Aber sonst ein großer Erfolg bis nachts um eins.
In der Früh dann um zehn klassisch nüchtern mit Carla in die Messe, wieder vom begnadeten polnischen Pater Richard, diesmal in der Stiftskirche. Kommunionkinderausbildung, Erklärung der Messe am Objekt, Geheimnis der Wandlung. Das Evangelium über das Wunder von Kanaan (heute scheints »Kana« genannt), gut – und kurz – ausgelegt in der Erklärung, dass Jesus nicht nur Wasser in Wein sondern Minderes in Feines, schlechte Laune in Frohsinn, Böses in Gutes wandeln kann. Carla fragte mich dann noch nach den Arbeitern im Weinberg, die letzte Woche »dran« gewesen waren. Gerechtigkeit vs. Liebe.
Zu Hause dann Frühstück, Mittagsfernsehen für und mit Carla (Schneewittchen, Westdeutschland 1956, Regie Erich Kobler), nachmittags zur Verwandtschaft, Spazierengehen, Abendessen.

In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasst ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm. Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zuviel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. (Joh 2,1-11)

In der Sonntags-Welt kritisiert Herzog Europa. Herzog und Gerken in Ehren, aber an der Europäischen Union liegt es nicht, wenn unser Parlament keine Bedeutung mehr hat – schon gar nicht in den Augen der Bevölkerung. Je mehr Abgeordnete es dort geworden sind, inzwischen 614, desto weniger waren sie statt ihrem Gewissen der Parteidisziplin unterworfen. Reines Stimmvieh. Wer kennt schon seinen Abgeordneten? Und kennte er ihn denn, wüsste ihn von einer Sache zu überzeugen, die Meinung wäre noch lange nicht im Parlament vertreten. Gesetze werden irgendwo in Ausschüssen »abgestimmt«. Ja, dass wir eine Hierarchie zu vieler Parlamente haben, Stadt, Land, Staat, Europa, das ist bald jedem klar. In deutschen Länderparlamenten sitzen 1841 Abgeordnete für uns herum. Zählt man die 785 Europaparlamentarier dazu, so sind 3240 Abgeordnete für uns tätig, davon 2554 deutsche. Ein reges parlamentarisches Geldausgeben, fürwahr!

7. Januar 2007


20 * K + M + B + 07 – Die Sternsinger waren da am Samstag, an hl. drei König. (Ich hab das mal gegoogelt – kommt weltweit dreimal vor, u. a. bei »Frau Berger« im Blog, obwohl ich’s dort dann nicht gefunden habe, trotz schöner Blumen ...) Im Bild Pater Richard mim Weihrauch, die drei Könige und Carla bei uns auf der Treppe. Heute, am Sonntag, bin ich gleich in der Früh mim Radl zur Kirche gefahren, noch unrasiert, herauszufinden, ob Kindergottesdienst ist. Übers Internet geht das in Bonn nicht. (Die Kirche ist zu blöd, ein Datum anzugeben, und im Generalanzeiger stehts auch nicht.) Konzerte ja, Kirche nein. Also es war, um elf in der Remigiuskirche; Kinder: neun, einschließlich der vier hl. drei Könige. Eine Familie mit den Königen, eine mit der kirchentreuen Mutter an der Gitarre, Carla und ich, ein paar alte Leute. Ein schönes Trauerspiel. Dabei ist der poln. Minorit (ein »Minderbruder«, wie Stadtdechant und Münsterpfarrer doppeldeutig im Pfarrbrief schreibt) herzerfrischend mit Kindern, auch mit Erwachsenen, da gläubig und bescheiden – was man beim Stadtdechanten nicht so spürt. Jedenfalls hören die Minoriten nach über 700 Jahren »segensreichem Wirken« (wieder lt. Pfarrbrief) Ende April hier auf. Kommen soll der »neue Weg«, siehe General-Anzeiger. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, seine Kirchensteuer in Sarnthein zu zahlen und nicht hier in Bonn, ich tät das Geld umleiten. Die Innenstadtkirche (»City-Pastoral«, so der modische Begriff) wird zur Edelkonzertagentur, die »Seelsorge« möge in den Vorstädten stattfinden. Familien mit Kindern ziehen ohnehin weg aus der Stadt, die zusehends kommerzialisiert.
Wir haben dann noch zu Hause unseren Christbaum abgeschmückt, zwei Umzugskisten voller Kartons mit Schmuck in den Keller, die Krippe, die beiden Ikea-Lichterkränze, den riesigen Baum in den Garten, seine Nadeln in den Staubsauger, alles immer eine riesen Arbeit und unfröhlich dazu. Am Nachmittag waren wir in der Krippenausstellung des Stadtmuseums und im Kaffeehaus, einmal ordentlich Sonntag machen. Jetzt um acht ist Carla schon im Bett, ausnahmsweise so früh.
Birte hat sich aus Amerika gemeldet, erst das Programm zum Panorama-machen wollen und dann gleich eines geschickt: New York. Beeindruckend a- die Technik, die derlei Handwerkszeug elektronisch verschicken lässt, und b- New York!
Technisch, was gibts da Neues? Höchstens, dass die Anwesenheit meiner nunmehr drei Rechner (stationärer Rechner, XP home, dauerlaufend, zwei Thinkpads, 2000 und XP Professional, von Fall zu Fall aktiv) in der Arbeitsgruppe »Workgroup« ganz nach Gusto variiert, ja irrlichtert. Außerdem fliegt die Eintragung »Datei- und Druckerfreigabe für Microsoft-Netzwerke« in den »Eigenschaften meines W-Lans« gerne wieder heraus, sodass kein Außenzugriff möglich ist. Beim »Suchen« nach Rechnern erscheinen meine PCs oft gar nicht, gelegentlich nach einiger Zeit, zuweilen doppelt. Angeblich soll da ein »Windows Internet Naming Service« (Wins) zugange sein, der angeblich Mist ist. Mist ist die Sache sicher, aber ob Wins oder was, wer weiß? Fernabschalten mit shutdown -s -f -m \\ThinkpadX60 (oder ähnlich) ist mir immer noch nicht gelungen, trotz zahlreicher Umtriebe vom Einfügen eines »Snap-Ins« namens »Gruppenrichtlinienobjekt "Lokaler Computer" auswählen« und remotem Start von ipc$. Dafür klappt »Admin’s Power Switch« von Florian Grubert, allerdings nur mit festen (internen) IP-Adressen und vorher auf den PCs verteilten Client.exen. Einen Rechner am W-Lan kann man natürlich nicht fern-wecken (am Lan schon), dafür ausschalten (und neustarten). Was ich lieber hätte wäre Sleep. Dann könnte ich mir eine Datei holen, sagen wir, einen Text, an dem ich mobil gearbeitet habe, und danach den Laptop schlafenlegen. Wozu’s halt gut ist.
Uwes Telefongeschichte in Hamburg erweist sich als rohrkrepierte Portierung von T-Com zu Hansenet, mit zahlreichen falschen Auskünften, einer (seiner) Rufnummer, die zwischen den beiden Konkurrenten hing, bei krudem »T-«Abschalten ganz ohne Mitteilung an den Kunden. – Laufen tut die Nummer immer noch nicht wieder, Uwe ist aber dank Rufumleitung (gesetzt durch Hansenet) mit Festnetzanruf am Handy zu erreichen.

5. Januar 2007

Eine Woche ist fast schon wieder herum im »Neuen«. Ich sitze am »Alten« (Thinkpad X20), der mir schon der geringen Auflösung halber seit dem X60 alt aussieht. Wie ’s Modell für den Rentner mit großer Schrift. Immer noch verlieren die beiden Schoßhündchen gelegentlich ihr »Microsoft-Netzwerk« – Ursache schleierhaft; Magie oder Eigenleben. Ein Eigenleben zeigt auch meines Freundes Uwes Telefonanschluss in Hamburg, wieder ein Fall telekomischer Inkompetenz hoch drei. Inzwischen kommt da noch eine vermurkste Portierung zur Konkurrenz dazu. Jedenfalls erklingt bei Anruf auf seine traditionelle Festnetznummer inzwischen: »Die Rufnummer ist unvollständig« – dadaistisch dumm. Wenn die Geschichte zu Ende ist, werd ich glossieren.
Carlas extrakindergärtliche Aktivitäten ruhen, weil noch Schulferien sind. Also waren wir zum Beispiel heute schwimmen, dann in der Krippenausstellung, haben den Christbaum nochmal angezündet – wenig Interesse der Familie – und ich hab’ mich wieder wie früher klein Web-publizierend beschäftigt: www.Joern.De/WEP zum Thema »buchstabige« Wep-Schlüssel und /DieRabe.htm zu einem grammatikalischen (genderalischen) Kuriosum bei Grimm. Eine Webseite hinzustellen macht nicht (viel) mehr Mühe als hier herumzubloggen. Dafür bleibt eine Seite stehen, wird google-gescannt – ich kann immer noch nicht herausfinden, warum nicht und wann Google Blogs durchsucht? –, lässt unbegrenzt HTML-Tricks zu. Ich generiere meine Webseiten ja immer noch mit Word 97, schlank und rank, notfalls mit Notespad kunststopfbar. Was ich mir wünsche – und es gewiss schon gibt – ist Wiki-artiges Korrigieren der eigenen Site über den Browser. Suche Browser-Einschub, der unauffällig die nötigen FTP-Upload-Transfers macht.
So weit, so gut.
Das Foto ist ein Zitat aus der heutigen NZZ, Banderole: »Danket der Herrn – denn er ist gut. – Kindlich musst – du ihm – vertrauen – darfst auf eig’ne – Kraft nicht bauen.«