31. Dezember 2015

Liebling gendergerecht?

Cethosia cyane
Nachdem »Flüchtlige« als politisch inkorrekt befunden wurden – 1. männlich und 2. dank -ling abschätzig – habe ich mich einmal in diesem Geist in Musik und Sprache umgesehen.
   Als erstes fällt auf, dass in den vorherrschenden Schlagern (heute wohl »Titel« genannt) allenthalben ein baby besungen wird, meist besitzergreifend sogar my baby. Das geht natürlich gar nicht.
   Die Rolle der Frau – ist doch gemeint, oder? – wird künstlich verkleinert, sie wird als hilfloses Kleinkind hingestellt, gehörig irgendeinem Lover. Igittigit!
   Liebling. Siehe Flüchtling, vermiesend, despektierlich, wie Engerling oder Schmetterling. Gendertechnisch eingeschlechtlich männlich, selbst wenn ein Fräulein gemeint ist.
   Schatz. Eine kapitalistische, neo-liberale, noch dazu männliche Fehlbenennung.
   Schätzchen. Schlimmer noch, diminuiert! Im Englischen darling. Überall diese Verkleinerungen, die Rolle der Frau schmälernde Bezeichungen, nachgerade sexistisch.
   Hase. Wird auf Männlein und Weiblein gleichermaßen angewandt. Eine politisch gänzlich unmögliche Verviehung, samt intellektueller Herabsetzung. Nicht einmal Häsinnen haben in NRW Abitur; und in Pisa schon gar nicht.
   Mädchen. Klingt zunächst wertneutral, ist aber scheinheilig abwertend: Verkleinerung, sächlich.
Ich könnte fast endlos weiter politisch im Trüben fischen. Genug.

Siehe auch http://blogabissl.blogspot.com/2015/12/abschied-von-der-sprachgesellschaft.html 

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http://blogabissl.blogspot.com/2015/12/liebling-gendergerecht.html

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