18. September 2014

phasengleich?

Hier geht’s um Strom, speziell um Strom-Leitungen im Haushalt, die man mit »Powerline«-Verbindungen zur Datenübertragung für sein Lan (lokal area network) verwendet. Powerline heißt einfach Stromleitung.

Überträgt man Daten über eine Leitung, dann ist es schön, wenn diese Leitung zusammenhängt. Tut sie das, das ist dann die Frage?
   Ersteinmal bitte etwas Technik.
   Wir bekommen in Europa elektrischen Strom als Wechselstrom ins Haus. Man kann sich das wie eine fotlaufende Welle vorstellen, die fünfzigmal in der Sekunde auf- und abschwingt: mit 50 Hertz (Hz). Eine Welle dauert also 1/50 Sekunde gleich 20 Millisekunden (ms). Weil sich elektrische Wellen – anders als z. B. Meereswellen – mit unvorstellbar hoher Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, so schwingen sie überall zur gleich Zeit auf und ab, »phasengleich«. Den Verbrauchern: Lampen, Ladegeräten, Motoren usw. ist das einerlei, da denkt keiner dran. (Selbst vom Nordkap bis Sizilien bräuchte Strom auch nicht länger als 20 ms, erlebt aber andere Verzögerungen.)

Drehstrom

Diesen schönen Begriff führte Michail Ossipowitsch Doliwo-Dobrowolski von der AEG in Oberschöneweide bei Berlin ein, 1888, hier nachzulesen. Liefert man Häusern und Fabriken nicht nur einen Strom, sondern gleich drei Stromwellen mit Phasen, die jeweils 1/3 Wellenlänge Vorsprung voreinander haben, so haben es Motoren leichter, richtig herum angetrieben zu werden; und, geschickt verbunden, gibt’s sogar mehr Spannung.
   Braucht man alles nicht zu wissen, »läuft ja«.
   Entscheidend ist nur, dass drei Wellen auch drei völlig getrennte Netze brauchen, sonst würden sie sich gegenseitig stören wie ein Dampfer die gleichmäßigen Wellen am See. Wir haben also drei Stromnetze, bis hinunter in die letzte Steckdose.
   Möchte man feststellen, mit welchem der drei äußerlich überhaupt nicht zu unterscheidenden Stromkreise – noch ein Wort für Phasen – man es zu tun hat, so braucht man dazu:
Der Phasenprüfer-Schraubenzieher
zeigt die »heiße« Phase an
• erstens einen Prüfschraubenzieher (eig. -schraubendreher, »Phasenprüfer«, »Spannungsprüfer«, amtlich »einpolige Spannungsprüfer bis 250 V Wechselspannung«), der einem anzeigt, welche der zwei Löcher in der Steckdose überhaupt »heiß« ist (Phase). So ein simpler Schraubenzieher mit Glimmlampe prüft aber leider nur, ob eine Phase anliegt, nicht welche! Gibt’s ab einem Euro, s. hier. 
zweitens ein Messgerät, das Wechselspannung messen kann. Ein Multimeter (Vielfach-, Universalmessgerät s. hier) tut’s bestens, ab € 13. (Beides sollte in keinem Kulturbeutel fehlen, dazu ein Gaslötkolben … )
• drittens eine lange Verlängerungsleitung, die von der einen Steckdose zur anderen reicht, über die dann die Powerline-Datenverbindung geplant ist. Die Verlängerungsschnur kann zweipolig (mit Eurosteckern) sein. Stückeln erlaubt. Notfalls macht man sich eine.
   (Zur Not geht’s auch ohne den Phasenprüfer, etwa wenn es so hell ist, dass man das Leuchten der Diode nicht sieht. Man muss dann alle vier Kombinationen zwischen den Polen messen. Wenn die Spannung nirgends über 230 V auf 400 V geht, ist man auf derselben Phase.)

Vorher Sicherungskasten ansehen

Bevor Sie mühsam messen ein Blick in den Sicherungskasten. Wenn Sie, wie etwa in den meisten italinischen Haushalten, nur einphasig angeschlossen sind, können Sie sich die Phasenprüfung ersparen: Alles hängt eh zusammen. Sie sehen das am Zähler, an der Stromrechnung usw.
   Größere Haushalte und Büros sind dreiphasig angeschlossen. Sollten Sie drei Hauptsicherungen haben, so können Sie durch wechselweises Herausschrauben oder Ausschalten einfach feststellen, ob zwei Steckdosen auf derselben Phase hängen. Haben Sie nur Einzelsicherungen, dann probieren Sie, ob die Steckdosen vielleicht am selben Stromkreis hängen, indem Sie eine Sicherung nach der anderen ausschalten. Gleiche Sicherung heißt gleiche Phase (unterschiedliche Sicherung aber nicht unterschiedliche Phase). Ordentliche Installationen verteilen im Sicherungskasten die Sicherungsautomaten zyklich, also der Reihe nach Phase 1, 2, 3, 1, 2, 3 usw. Verlassen können Sie sich nicht drauf.

Bei unterschiedlicher Phase liegt
zwischen beiden »heißen« Leitern
(»Außenleitern«, »Phase«)
400 Volt Wechselstrom, wie hier, leider.
Prüfung auf gleiche Phase

Wenn sonst nichts hilft, müssen Sie messen.
   Sie stecken die Verlängerungsleitung in eine der fraglichen Steckdosen ein und führen sie bis in die Nähe der anderen, die auf gleiche Phase zu prüfende.
   Nun testen Sie mit dem Prüfschraubenzieher, wo die »heiße« Phase ist (»Außenleiter«, meist rechts, Glimmlampe leuchtet), und wo der Nullleiter (Glimmlampe bleibt aus) (richtiger: Neutralleiter, blau). Sicherungen dabei nicht ausschalten, ist auch ungefährlich!
   Dann stellen Sie das Messgerät sorgfältig auf Wechselstrom (tut man selten) mit maximal 500 oder 600 Volt (V), jedenfalls über 400 V. Schließlich  messen Sie die Spannung zwischen den Phasen, der aus der Verlängerungsleitung und der aus der lokalen Steckdose.
• Messen Sie keine Spannung zwischen den Phasen, dann haben Sie Glück und sind auf derselben Phase.  
• Messen Sie 400 V ~, Pech, unterschiedliche Phase!
Vielleicht haben Sie ja an einer anderen Steckdose in der Nähe Glück … Die Wege der Elektriker sind oft undurchschaubar.
   Die 400 V (früher 380 V) entstehen aus der »Dreieckschaltung«, was wiederum Wikipedia schön erklärt, hier.

Phasenkoppler

Bedenken Sie, dass bei Powerline die Daten ohnehin nicht direkt mit der Stromleitung verbunden werden, sondern über eine Einkopplung, einen Kondensator oder dgl., schon damit die hohe Netzspannung  nicht zu Ihrer Datentechnik gelangt. Eine ähnliche Kopplung besteht ungewollt zwischen den Phasen des Drehstromnetzes, etwa wenn Leitungen nebeneinander geführt sind oder hinten im Sicherungskasten. Powerline-Verbindungen überspringen damit recht mühelos die Phasengrenzen, und eine Powerline-Verbindung über dieselbe Phase ist oft auch nicht viel besser als eine über getrennte Phasen. Das zeigt sich in der Praxis. Lassen Sie sich nichts einreden!
   Wenn Sie aber für die Powerline-Datenübertragung unbedingt einen »Phasenkoppler« einsetzen wollen: Das bloße Ding kostet schon ab rund € 20, etwa hier. Phasenkoppler zum Einbau in den Sicherungskasten sind doppelt so teuer, etwa dieser, können aber auch knapp hundert Euro verbrauchen, etwa dieser. Dazu kommt, dass Sie als Normalbügerin oder -er nichts hinter den Sicherungskasten zu suchen haben. »Dieser Artikel darf nur von autorisierten Elektrotechnikern installiert werden«, warnt Conrad. Bestellen Sie sich also einen Elektriker, der kann’s. Den Tipp, dass die drei Phasen normalerweise auch hinten am Herd anliegen, will ich Ihnen gar nicht geben. Vierhundet Volt sind kein Pappenstiel, tödlich. (Drei Kondensatoren 47 oder 68 µF 400 V müssten’s tun, technisch gesehen, aber total ohne Haftung, vor allem vor Gefahren und Folgen! Die Wikipedia gibt hier 150 nF bis 470 nF an und verlangt Spannungsfestigkeit von mindestens 1 kV und koppelt ev. an mehreren Stellen, hier werden 470 nF bis 1 µF angegeben und ebenfalls eine Spannungsfestigkeit von mindestens 1 kV. Ist vermutlich ziemlich wurst.)
   Damit wünsche ich eine guter Verbindung. Sie können mir ja mailen: Fritz@Joern.De

PS. Am besten ist immer noch eine eigene Drahtverbindung. Selbst wenn Sie nur einen (und den Nullleiter) oder zwei alte Drähte von hier nach dort haben, geht das bestens, siehe »Lan über zwei Drähte – Internet: Was Computernützer tun können, um die Internetverbindung zu verlängern.«, 5. Mai .2010 im  Dolomiten-Wirtschaftskurier.

Quelle: Digitus74 auf http://board.gulli.com/thread/805708-dlan-so-erkenne-ich-dass-kein-phasenkoppler-benoetigt-wird#12 – Danke!

Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2014/09/phasengleich.html

Phasen bei mir: Küche, Speisezimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Bad, Außensteckdosen unterschiedlich; Gang, Gästeklo, »Garten gesamt« gleiche Phase. Die Chance gleicher Phase ist immer nur 1 : 3.


Keine Kommentare: