17. Mai 2010

Ein langes Wochenende in London im Mai

Für Carla, 8, III, war’s der erste Flug und zum ersten Mal in London. Nach Paris fahren wir öfters, nach London machen das wohl nur Autobegeisterte oder Vulkanstaubverdrängte mim eigenen Wagen. Hoch war unsere Erregung (Bilder hier, Videos auf Youtube).

Mittwoch, 12. Mai 2010, Hinflug

Ich musste Carla ein paar Minuten vor Ende der letzten Schulstunde abholen. Nach Hause, Fahrrad und Schultasche dalassen, Eilmarsch zum Busbahnhof. So standen wir beide dann sehr rechtzeitig am Bonner Busbahnhof. Schon als wir über den Rhein fuhren, rief Gattin an, sie würde sich aus ihrem flughafennahen Porz jetzt auch aufmachen im Taxi. »German Wings« – erste Erklärung einer englischen Wortbedeutung an Carla – nahm uns die beiden großen Gepäckstücke ab, Sicherheitskontrolle, Duty Free, »wenigstens gucken«, und ab. Carla am Fenster, Mama am Gang, 3D, 3E, 3F, der Schreibende inmitten des Geschehens …

Carla ganz begeistert, fast so aufgeregt wie zur ersten Kommunion Anfang April (s.d.), das Wetter leider kalt und total bewölkt – bis kurz vor England, wo Wolkenlücken Landsitze zeigten und Autobahnen mit Linksverkehr und Rapsfelder und Seen. Uhr umstellen, Passkontrolle, und ein eher aufdringlicher Türke, charmant und überaus persönlich angetan von G. (»Kann ich Ihnen meine Handynummer geben!«). Dann die große Frage: Wie kommen wir von Stansted nach London? Normalerweise direkt mit dem Zug, wir wollten aber optimieren und haben uns dann doch nicht zu einem Taxi entschlossen (£ 106. Vorbestellte Mietwagen muss es ab etwa £58 geben.) oder zu einem Gruppenbus (£ 110). So zahlten wir £ 78 für den bequemen Zug hin und zurück zum Bahnhof London Liverpool Street Station. (1 £ = € 1,20)

Erster Eindruck von London: Alles modern, ungeheuer viele Leute, verwirrender Verkehr. Am Vorplatz das Denkmal für die jüdischen Kinder, die alleine aus Deutschland in »Kindertransporten« hatten fliehen können. Und dann sind wir mit einem streckenweise rasenden Taxi zur »Inverness Terrace« gefahren, gegenüber im Westen Londons, direkt an der Bayswater Road anschließend an die »Kensington Gardens« (»größer als Monaco«). Die Enttäuschung mit dem Apartment, auf die uns G. schon vorbereitet hatte, dank zu spät gelesener Internet-Kritiken, blieb nicht aus: An der überfüllten Rezeption waren die PCs down, keine Vergabe der Apartments möglich. Also haben wir die Koffer dort gelassen und sind spazieren gegangen in der parallelen »Queensway«. Tee und Kaffee in einem der Prêt-a-Manger-Restaurants mit rotem Stern, nett, bis die um sieben schlossen. Dann erfolgreiches Zimmer-Beziehen, hoher vierter Stock (»going up«, sagt der Fahrstuhl): Schlafzimmer, Wohnzimmerküche mit Schlafsofa, Bad, Blick in einen ruhigen Innenhof, voll ausreichend. Tolles arabisches Satellitenfernsehen, passend zum Ambiente*).
Dann noch ein erstes Abendessen bei einem gutem Italiener, Bella-Italia-Kette. Carla Carbonara, Papa Minestrone und Lasagne als Forno und eine Birra Moretti, Mama Funghi Spinacci. Gut geschlafen, trotz laut laufendem Kühlschrank.

Donnerstag, 13. Mai 2010, Christi Himmelfahrt, Stadtrundfahrt, Tower

Dank GMT früh aufgewacht. Erstes Frühstück wieder im Prêt a Manger: Papa Porridge, Mama Brötchen, Carla Croissants. Morgens ist die Stadt noch so schön leer, die Luft knackig rein, der Himmel ohne Wolken. Auf unserem Programm standen Stadtrundfahrt und der Tower of London, vielleicht etwas Shoppen?

Wir haben für die Rund­fahrt die sehr populäre »Big-Bus«-­Linie gewählt; man kann über­all aus­steigen und später wieder dazu, 24 Stun­den lang. Erst ein­mal wollten wir ein Stück fahren. Als dann aber hinter dem Piccadilly Circus (an allen Sehens­würdig­keiten Bau­stellen) kurz nach neun ein Pirat vom Geh­steig her unseren Bus zu kapern ver­suchte, mussten wir aus­steigen und bei Hamleys in diesem rie­si­gen Spiel­waren­geschäft ein­kaufen. Rosa von unten bis oben, über­all fleißige Vor­führer, Spass und Stimmung. Dann ein Blick in die Carnaby Street und hinein in den nächsten Laden, »Monsoon«, ohne mich. »The Gap« noch gemieden, getreu der Ansage in der U-Bahn: »mind the gap«, achten’S auf die Ritze.

Weiter wieder mit dem offenen Rundfahrbus durch das Bankenviertel, wo wir uns am Oberdeck bald bis ganz nach vorne vorgearbeitet hatten. An Nelson und dem Parlament vorbei – Big Ben heißt die Glocke, nicht der Clock Tower – über die Themse mit Blick auf das Riesenrad (»London Eye«), das ich noch nicht gekannt hatte. Eine tolle Fahrradkonstruktion, mit einer täuschend echten Radnabe und als Speichen Seilen.

Beim »Tower of London« ausgestiegen – kein Turm eigentlich, sondern eine befestigte Schlossanlage mitten in der Stadt an der Themse. Riesig viele Leute, und dann doch keine Wartezeiten, nicht einmal bei den Kronjuwelen (»Sie betreten den am besten gesicherten Raum Englands«), dank Laufband, das man dann aber beliebig oft befahren kann. Glitzern im Halbdunkel, feierlich-gedämpfte Stimmung, Fotografieren verboten. Wir gehen ein Stück die Mauer entlang, erlebnisreich (machen Sie sich hier mit den mittelalterlichen Waffen vertraut). Draußen danach ein anderer Wachsoldat, jetzt ein traditionell roter mit hoher Bärenfellmütze – Carla: »Der hat jetzt eine Wollmütze auf«. Beim Ausgang eine Führung mit Gruselgeschichten.

Am Pier Sandwiches in der Sonne – die uns die ganze Zeit treu geblieben ist. Dann, inbegriffen in der »Big«-Tour, eine Bootsfahrt im breiten Katamaran für 300 Passagiere mit heiterem Cockney-Vortrag bis zur Westminster-Brücke. Dort tageszeitgemäß viele Touristen, nach kurzer Wanderung – look right, look left – fanden wir die Kirche allerdings schon geschlossen, ab 15.30 Uhr. Also Entspannen: G. und Carla setzen sich vor das Parlament, etwa dort, wo die Fernsehcrews die neue Regierung verkünden wollen, Fritz rast zurück an die Bootsanlegestelle zum örtlichen »City Loo«. Übrigens: »Text toilet to 80097 to locate your nearest public toilet«.

Wir hören uns noch das Fünf-Uhr-Läuten an und wandern weiter zur nächsten Big-Bus-Station am St. James Park, nachdem die am Parlament verlegt worden war. Gemütlich mit dem Big-Bus nach Hause; man kann den Leuten von oben »in die Suppe« gucken, viel besser als mit Googles Street View … Wir haben die ganze blaue und rote Runde geschafft.

Heute wollten wir chinesisch essen, trotz leichtem Protest von Carla. Im ersten Restaurant bekamen wir nur einen ungemütlichen Tisch am Gang in der Mitte, Gisela kommandiert nach Rücksprache mit der unflexiblen Kellnerin den Auszug, im zweiten Restaurant dann war’s ganz gemütlich (Kam Tong Restaurant, 58–63 Queensway).

Freitag, 14. Mai 2010, Harry Potter, Harrods, V&A

Das Wetter immer noch schön. Carla und ich gehen aufs Dach unseres Hauses hinauf. Dann alle ein gemütliches Frühstück um die Ecke an der Bayswater Road. Wir nehmen den normalen Bus, zahlen aber erst einmal noch für drei. Dabei fahren Kinder bis elf kostenlos (Alte über sechzig auch, aber nur Einheimische. Sehr beliebt ist die auch für Touristen im Vorverkauf erhältliche elektronische »Oyster Card« als Gut­haben­karte). Im oberen Stock des roten Busses, wieder ganz vorne, kurven wir bis King’s Cross. Am Ende von Bahnsteig 8 hinter dem Fahrradstand ist Harry Potters Gleis 9¾ mit dem eingemauerten Gepäckwagen zu sehen. Eine kleine Fan-Attraktion.

Mit der U-Bahn fahren wir zurück zu Harrods, einer eigenen Station! Beeindruckend Reichtum und Vielfalt im Erdgeschoss, Parfüm, Schmuck, Essen, und wir ein gutes, teures Eis bei Morelli’s, eine Kugel für £ 2,20. Dann mit der Rolltreppe wie in einem Pharaograb hinauf, einen Harry-Potter-Zauberstab erstehen. Am Schluss probieren die Damen die neuesten modischen Sonnenbrillen.

Danach Mittag wieder mit Sandwiches in einem »Pret«. Zu Fuß weiter zum Victoria-und-Albert-Museum, an der großen katholischen Kirche für Filippo Neri vorbei. Um zwei im »V&A« müssten wir bis 18.15 auf Grace Kelly warten, wir sehen aber das meiste schon durch boßes Herumgehen um die Ausstellung im Bereich Mode. Die Damen verkleiden sich mit Theaterkostümen. Das Museum verwirrt, so vielseitig ist es, Technik im Sinn von Herstellung, von Schmiedeeisen bis Schmuck. Unvergessen die Juwelen. Carla designt einen Ring am Terminal und schickt ihn uns als Mail.

Heim mit der U-Bahn. Bei einem Eis Ansichtskarten fertig schreiben, Fritz geht in den Park und entdeckt »The Diana, Princess of Wales’ Memorial Playground« in den Kensington Gardens, davor einen Baum mit Figurinen. Abend Wasser einkaufen und italienisch essen.

Samstag, 15. Mai 2010, Westminster, Wachwechsel, Diana-Spielplatz

Heute wollten wir endlich die Westminster Abbey und den berühmten Wachwechsel vor dem Buckinghampalast sehen.

Also los früh um viertel nach neun. Fritz wie immer vorher unten wartend, nimmt Autos und Straßenschilder auf. Frühstück neben Halal im Art Cafe mit nerviger arabischer Musik. Zwei mal Rechnungskorrektur, Mama erspart uns durch genaues Rechnen zwei Pfund.

Dann mit der U-Bahn zur Station Westminster. Das Münster kostet kräftig Eintritt, Erwachsene £ 15, Alte über 62 £ 12, Kinder bis 10 gratis. Carla bekommt eine Kladde mit einem deutschen Fragebogen für Kinder und am Ende einen großen goldenen Schokoladetaler (und die Klos sind bestens!). Fotografieren darf man nicht, ohnehin drängen sich die Leute. Carla wollte sehen, »wo Händel vergraben ist«; er liegt unter einer schwarzen Marmorplatte.

Zu Fuß wandern wir weiter zum Wachwechsel. Und sehen von der »Birdcage Walk« aus schon von weiten die Vorbereitungen auf dem Paradeplatz vor den Wellington Barracks. Dort sieht man alles viel besser als im Gedränge vor dem Buckingham-Palast. Die Blasmusik (sogar eine Frau ist dabei) spielt moderne Arrangements etwa von »New York, New York«, »Take the A train« und andere populäre Melodien, leicht kritisiert von einem konservativen Engländer mit Tochter neben uns. Nachdem die rote Truppe zum Palast marschiert und eine schwarze ablöst, schließen wir uns an und harren bis zum Ende aus. (Die Königin hat fünf Garderegimente.) Auf »The official website of The British Monarchy« finde ich dieses schöne 8-Minuten-Video (weitere, und hier unsere):


Wir gehen durch Hitze und Park zur U-Bahn-Station Green Park und machen erst einmal Pläne. Carla will unbedingt zu Madame Tussauds, nur zwei U-Bahn-Stationen weiter. Schon in der Bahn und dann in Massen an der Baker Streer Station laute blaue Fußballfans, von der Polizei vor dem »Globe« in der Marylebone Road in Schach gehalten.

Hoffnung haben wir wenig, und richtig: Wartezeit 2 ½ Stunden. Also mit dem Bus zum Piccadilly Circus und dort in einer Sei­ten­straße gut in »Piggy’s« Spiegel­res­tau­rant ein Sand­wich gegessen.

Danach Wanderung zum Trafalgar Square, wobei G. schon einen weit näheren Herren auf hoher Säule für Nelson hält – den Duke of York am Waterloo Place. Danach gemütliche Zeit mit Löwen und Menschen um die Nelson-Säule herum. Selbst Carlas Timmy darf auf den Löwen.

Dann mit dem Bus zurück zu Marble Arch (man achte auf die Aussprache). Und dann bald wieder heim mit der 148. Eis. Carla und ich gehen zum Diana-Spielplatz, Glück für beide; G. in die Shopping-Mall W (»Whiteleys«, 1911). Den letzten Abend zelebrieren wir mit einem Steak, das dann aber eher minder ausfällt. Das schmale Lokal ist durch Spiegel verunendlicht, rechts neben uns ein deutschschweizer Paar, links neun schwäbische Hausfrauen (Realschullehrerinnen?), schräg hinter und ein Trupp italienischer Fußballfrauen.

Abends spielt (am Fernsehen) Chelsea vs. Portsmouth. Knappes 1:0, Ballack geht verletzt vom Platz. Aus ist’s mit der Weltmeisterschaft für Deutschland für ihn.

Sonntag, 16. Mai 2010, Abreise

Geplant hatten wir einen Zug ab Liverpool Street Station um 13.10, hatten also gut Zeit. Das Zimmer war bis 11 Uhr zu räumen. Da konnten wir zuvor noch gemütlich frühstücken.

Es gelang uns endlich, zum Frühstück einen der vielleicht sechs Tischlein im klitzekleinen Café Roma im Inverness Place zu ergattern. Draußen ein bisschen Regen, der danach aber wieder aufhörte. Am Rückweg kamen wir an einer Bushaltestelle vorbei und entschlossen uns spontan, statt mit der U-Bahn (von Bayswater die Circle Line) einen ebenso direkten Bus zu nehmen, dessen örtliche Haltestelle wir dann, zwei schwere Koffer hinter uns herziehend, aber nicht fanden. Er muss westlich gewesen sein, während wir ewig gen Osten wanderten, nur um bei der nächsten Haltestelle festzustellen, dass es den dort nicht mehr gibt. Also Plan heraus, Buslinien verglichen, und uns zum Umsteigen in der »Tottenham Court Road« entschieden. So weit, so misslich. Jedenfalls hatten wir noch eine lange Fahrt mit der 390 durch die Oxford Street. Die Geschäfte machten um ½12 gerade auf. Die Stadt »gut besucht«. Das Umsteigen gestaltete sich mühsam, weil wir wieder in Nebenstraßen und um den ganzen Platz herum irrten auf der Suche nach einer Haltestelle. Gerade als wir aufgeben wollten, fand sie sich als letzte einer Reihe, und bald kam auch ein 242er. Bloß: Der nahm uns nicht mit, unser Ticket sei zum Umsteigen nicht zugelassen, und das Ticket muss man vorher kaufen oder so. Wir also wieder raus. Der nächste 242er stand Gottlob schon dahinter, der nahm uns dann regulär gegen Bares mit; die beiden Busse leisteten sich ein Wettrennen und überholten sich immer wieder, je nach Aussteigern auf der Strecke. Durchs Bankenviertel, zu Liverpool Street Station.

Dort erreichten wir sogar einen etwas früheren Zug, 12:55, und ab nach Stansted. Einchecken, Heavy-Aufkleber (23 kg) auf die rollende Reisetasche, Kontrollen und mit lauter Deutschen (wie eigentlich auf der ganzen Reise) zurück. Schöner Flug über den Rhein herein.

Sehr, sehr schöne Tage.
(Notizen s. LondonMai2010.doc)
*) Hyde Park Suites 32 Inverness Terrace 
Customer Service Team: www.central-london-apartments.com
Tel: +44 (0)845 644 2714, Fax: +44 (0)845 644 2715

5. Mai 2010

Sehnsucht nach Oregon

Bonn, Hofgarten
Erinnerungen treffen mich manch­mal ganz gegen­stands­los; Er­inner­ungen eben, un­grei­fbar wie alle Ver­gangen­heit. Oft ist es bloß ein Duft, un­be­wusst, un­er­kannt, oder gar nur die reine Luft. Heut’ früh im Bonner Hof­gar­ten, da war’s noch frisch, die Luft mor­gend­lich kühl, ro­bust, und doch weit und sonnig schon.

Sehnsucht nach Oregon. Frühe Fahr­ten nach Nor­den, der Küste entlang, durch Sequoien­wälder, oder ge­schwin­dig­keits­be­grenzt und damit ge­fühls­ver­stärkt über die High­way Five. Eigent­lich nichts Be­stimm­tes. Ein­fach: Oregon. Ge­rührt von Luft.

Dann weiter durch Bonn mit dem Fahrrad. Am Markt wird noch aufgebaut. Die Stadt beginnt sich zu füllen. Schon ist der bettelnde Zeitungsverkäufer unterwegs, der so erfolgreich Obdachlosenzeitung Nummer zwei anpreist. Fürs Betteln braucht man keinen Gewerbe­schein, das macht die Sache so attraktiv, und le­gi­ti­miert hat es die bequeme Stadt auch schon.

Vorher hatte ich mich in der Schule um die PCs gekümmert. Wieder einmal hat wer wo ein Admi­nis­trator­pass­wort gesetzt, das keiner kennt. Ich mag sie nicht, diese deutsche Welt gegen­seitigen Nicht-Vertrauens, angst­voller Über­alles­ver­schlüsselung. Man kann gute Sitten nicht durch Pass­wörter ersetzen, Moral nicht durch Ganz­körper­scanner. Mir ist lieber, mein Ver­trauen wird mir gelegent­lich ent­täuscht, denn ich hätte keines.

Link hierher http://blogabissl.blogspot.com/2010/05/sehnsucht-nach-oregon-erinnerungen.html

Siehe auch http://blogabissl.blogspot.com/2012/02/california-feeling-meine-frau-hort-swr3.html 

17. April 2010

Erstkommuniongedanken

Carla bei der ErstkommunionCarla (8) bekam am Weißen Sonntag, dem 13. April 2010, ihre erste »heilige Kommunion«. Ereignis, Feier, Geschenke, das ganze Drum­herum vorher und danach hatte Di­men­sio­nen an­ge­nommen wie die Hoch­zeit zu Kana. Vieles dabei war gewiss ernst, gut und seriös, war förder­lich für Carla, etwa der aus­gie­bi­ge christ­liche Unter­richt, die Liebe zum Detail; manch anderes war einfach nur schön, er­hebend und sehr freund­schaft­lich wie unsere an­schließende Feier; wenig »lag daneben« oder war für mich über­betont, etwa Carlas Be­geisterung für den neuen Ipod. Jeden­falls ein teures Geschenk, den Groß­eltern sei Dank, und frühe Aus­richtung auf Apple und seine Produkte. (Bilder)

Ich hatte mir vorgenommen, das religiöse Thema dieser Erstkommunion, »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben«, in meiner Festansprache aufzugreifen. Ich habe es dann sein lassen »im Gefecht«, die Stimmung war nicht danach und meine präparierten Gedanken zu nachdenklich für den Moment. Darum jetzt hier.

Johannes Kap. 15, ab Vers 5 nach der Online-Luther-Bibel:

Carla bei der Erstkommunion1Ich bin der rechte Wein­stock, und mein Vater der Wein­gärt­ner. 2Eine jeg­lich Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, wird er weg­neh­men; und eine jeg­li­che, die da Frucht bringt, wird er rei­ni­gen, daß sie mehr Frucht bringe. 3Ihr seid schon rein um des Wor­tes willen, das ich zu euch ge­re­det habe. 4Bleibet in mir und ich in euch. Gleich­wie die Rebe kann kei­ne Frucht brin­gen von ihr sel­ber, sie blei­be denn am Wein­stock, also auch ihr nicht, ihr blei­bet denn in mir. 5Ich bin der Wein­stock, ihr seid die Re­ben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6Wer nicht in mir bleibt, der wird weg­ge­worfen wie eine Rebe und ver­dorrt, und man sam­melt sie und wirft sie ins Feuer, und müssen bren­nen. 7So ihr in mir blei­bet und meine Wor­te in euch bleiben, so wer­det ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch wider­fahren. 8Darin wird mein Va­ter geehrt, daß ihr viel Frucht brin­get und werdet mei­ne Jünger.

Hier wird nicht nur die fruchtbringende Gemeinschaft mit Gott als Grundlage alles Seins in fruchtigen Worten gepriesen — eine klassische Win-win-Situation sozusagen —, hier wird prophezeit, und deutlich der Finger erhoben gegen Faulheit. Ich lese ein Arbeitsethos heraus und den »Jüngsten Tag«, an dem dann eben nicht alle gleich und dem lieben Gott alle gleich lieb sind. Hat »zu meiner Zeit« die Kirche noch auf Moral gesehen, also auf Lebensregeln, die es einzuhalten gilt bei Androhung von Strafe, so wird heute (seit ’68 oder seit dem kirchlichen Aggiornamento?) nur das Lichte, Schöne, das ewig Tröstliche Gottes und des Glaubens dargestellt. Die Auffassung ist modern wie der Ipad: gut zum Konsumieren, zum Lesen, unnütz zum Machen und Was-Tun.

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und müssen brennen.

Direkt bestraft wird nicht, wer nichts tut. Wer sich entfernt, sich trennt, wer weggeht aus dem Weingarten, dem ergeht es schlecht, er endet im Feuer. Ich lese das laienhaft als Aufruf zu einem gesitteten Leben, zu Ordnung, Gemeinschaft. Moral ohne Folgen, wie sie heute idealistisch gepredigt wird (wenn überhaupt), bleibt mir dünn und eindimensional, ein bloßes Abbild ihrer selbst. Wozu soll einer gut sein, wenn er’s genausogut sein lassen kann? Wenn Böses nicht bestraft wird, nicht einmal im Jenseits, wie kann dann das Gute gut sein? Außerdem habe ich Angst: Kommen einmal Zeiten, wo Moral und Anstand wieder gefordert sind, wird sich dann dergleichen Schönwetter-Christentum bewähren? Wird ohne die Einübung des Gewissens — von der wir vielleicht zu viel abbekommen haben — unsere Gesellschaft weiter »funktionieren«, christlich funktionieren? Es ist gut und tröstlich, dass Gott einen nicht fallen lässt, aber es ist auch ganz praktisch, wenn die Leute um einen herum ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie Schweinereien machen. Selbst wenn das Gewissen »angstbesetzt« ist, psychologisch verstimmend, ich würde das »Jüngste Gericht« nicht ganz verdrängen im Glauben.

Darin wird mein Vater geehrt, dass ihr Frucht bringet und werdet meine Jünger.

Christi Jünger sein, ja, das ist so eine Sache. Die Herren haben Haus und Hof, Weib und Kind verlassen — ohne, dass ich die Lebensläufe der Apostel näher kennte — und sind mit­ge­wan­dert mit Chris­tus wie Fans mit einem Fuß­ball­verein, mehr noch, weg waren sie, voll auf­ge­gan­gen in ihre neue Mission. Ob wir das hier und heute können und mögen? Manche gewiss, doch gewiss nur manche. Aber: Frucht bringen — das kann jeder. Sich anstrengen, arbeiten, Mühe walten lassen, etwas er­reichen wollen, Leistung, das ehrt uns, das ehrt Gott. Froh bei der Arbeit. Schaffen. Fleiß. Das »sag’ ich meinen Kindern«. Und wenn’s (bloß) dafür ist: ad maiorem dei gloriam (Im Flickr-Bild unten in der Mitte).

PS: Das Schönste und Treffendste, was Carla geschrieben wurde in all den persönlichen, den abgeschriebenen oder vorformulierten Wünschen, stammt aus Südtirol: »Leider können wir nicht mit Dir feiern – sei nicht traurig – Du weißt ja, wie lang die Reise ist. Wir sind aber in Gedanken und in der Heiligen Kommunion miteinander verbunden.«

15. April 2010

Das Nokia 6500 classic meldet beim abendlichen Anschluss an sein Ladegerät:

»Angeschlossenes Gerät benötigt zu viel Strom.
Kabel entfernen.«


Dabei ist’s das originale Ladegerät, seit Jahren benutzt.
Keine Panik. Der Fehler ist selbstheilend, muss wohl im Handy liegen; dieses gibt ja die Meldung aus, schon, weil das Netzteil nicht für sich selbst sprechen kann.
Handy ausschalten, wieder einschalten, Laden müsste wieder gehen.
Trotzdem hier ein Link zu einem Ladegerät, EAN: 4250365327724. Die kosten wirklich wenig.
Das Nokia verwendet zum Laden oben einen kleinen USB-Anschluss, also fünf Volt. Dieser »Micro-USB-Stecker« entspricht dem künftigen Handy-Ladegerät-Standard. Mit dem passenden USB-Adapter — Nokia nennt ihn »Micro-USB-Datenkabel CA-101« — lässt sich das Handy unterwegs auch aus dem Laptop laden (teuer bei Nokia):


4. April 2010

Hallein, AltstadtZwei Tage Hallein
zu Ostern 2010. Bilder hier.

In der Karwoche 2010 sind Carla und ich, der »Fritz-Papa«, ein paar Tage in den Süden gefahren. Anschließend — eigentlich jetzt, wo ich dies tippe — fahren wir für die Ostertage, wie es sich gehört, zu den Schwiegereltern nach Aurich, Ostfriesland, bei frischem Vorfrühlingswetter, zu Osterfeuer und Ostersuchen und Shopping und bissl Basteln und viel Familie.

Palmsonntag, 28. März 2010, Bonn—Augsburg

Wir mussten am Sonntag nur bis Augsburg, zum meinem alten Schul- (und Internats-)freund Schorsch. Da haben wir’s gemütlich angehen lassen. Gisela hat uns gepackt am Vormittag, ganz lieb, und das sicherheitshalber für alle Wetterverhältnisse inklusive Skilaufen im Hochgebirge — wozu es dann nicht gekommen ist, zum Bedauern Carlas, die mir gerne ihre diesbezüglichen Künste vorgeführt hätte (und ich ihr die meinigen, Luis-Trenker-Style). Sogar Schlafsäcke hatten wir dabei, wer weiß, wie’s jetzt ist, beim Schorsch?

Schorsch und Carla in AugsburgZehn vor eins kamen wir in Bonn los, km 219.396, haben den »Vorderen Lech« ins Tomtom-Navi­ga­tions­gerät ein­ge­geben, und ließen uns leiten; Cam­berg, Lim­burg, SMS an Birte, über den Main, an Hei­del­berg vorbei, Karls­ruhe, die Hügel bis Stutt­gart und da­hin­ter die Alb hinauf. Verkehr war wenig, das Wetter schön, die Straßen zum Teil neu und dabei voller alter Er­inn­erun­gen (Birte-Fahrten nach Baden-Baden, eigene Lein­fel­den—Bonn-Wo­chen­end­trips). An Nils’ Geburts­ort Sindel­fingen kamen wir vorbei: »Carla, guck, hier hinter diesem Wäldchen ist er geboren!«, und vorüber an meinem alten Debis-Arbeitsplatz in Leinfelden-Echterdingen.

Oben auf der Alb die ob­li­ga­to­ri­sche Er­klär­ung der zen­tral­­eu­ro­pä­ischen Was­ser­schei­de und ein kaltes SauVwetter. Von Ulm sieht man ja nichts, bald dann aber ging’s hinein nach Augs­burg (an 18 Uhr). Schorsch stand schon unten — dank Mobil­­telefon! — und nahm uns wie ein sorg­­sa­­mer Dienst­­mann das Gepäck ab. Er hatte für uns den ganzen Tag die Woh­nung auf­ge­räumt, picco bello, d. h. Original-Glanz AD 1955. Heimat für ihn? Seine Familie ist noch im Krieg vor die Tore der Stadt nach Fried­berg gezogen, nur durch ein Wunder blieb das Haus von den Bomben verschont. Seine kränkliche Mutter, die er die letzten Jahre umsorgt hat, hat Schorsch die Wohnung dort wohl zudem verleidet.
Schorschs einarmiger Teddibaer
Ich schiebe vielleicht nur ein kurzes Rührstück ein:

Ein Spielzeugbär war uns aufgefallen. Der linke Arm fehlt ihm. Und das kam so. Der kleine Schorsch wollte einen erwachsenen Bären als Freund haben, nicht bloß ein kleines Bärenkind. Und erwachsene Männer hatten damals, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Augsburg, stets schwere Verwundungen. Mindestens ein Arm fehlte immer. Andere Männer gab es nicht. Also riss Schorsch seinem Bärli einen Arm ab.

Montag, 29. März 2010, von Augsburg nach Hallein

Carla schlief gut im Bett der sel. Mutter Schorschens, die wir ja bei unserem letzten Besuch noch angetroffen hatten. Ich im Bett daneben. Schorsch wie gewohnt im Wohnzimmer auf der Couch. In der Früh kam zum Frühstück noch Ute vorbei, unsere »externe« Schulfreundin. Carla bekam von Schorsch ein hölzernes Stopfei noch seiner Mutter für Ostern.

Jetzt, wo seine Mutter tot ist, will Schorsch wieder lange, große Reisen machen nach Indien bezw. Tibet. Vorher wollen wir aber noch ein fünfzigjähriges Abiturtreffen in Marquartstein zusammenbekommen.

Fritz Jörn und Hans-Joachim SchuldtDas Parkverbot ab zehn hat uns dann relativ bald Augsburg verlassen lassen, km 219.910. Gegen Carlas Protest am Weg St. Salvator in Adelzhausen besucht, nicht nur von außen eine Sehenswürdigkeit.

Ein schöner Tag. Ziel Gasthaus Post in Rohrdorf am Inn. Dort hatten wir uns mit meinem alten Freund Schuldt verabredet. Er erzählte von seinem Neunzigsten dort, mit Zwillings­schwester und Bruder aus Süd­amerika. Kurz und nett war’s, und Carla leider dränge­li­ger als wir: »Wann sind wir in Hallein?«

Blick auf den Chiemsee nur mit KletternAm Chiemseeparkplatz machten wir Halt. Der gewohnte Durchgang zur Nordseite ist aber ganz unmöglich, leider. Wir haben Frisbee gespielt, mit meinem originalen Wham-O-“All American Frisbee Flying Disc” vom 14. 7. 1986, den ich immer dabei habe, schon als Trinkbecher und Teller.

In Österreich machte ich den Fehler, die Maut (»Vignette«, Euro 7,60 für zehn Tage) nicht zu kaufen, das Navigationssystem kann mich ja herumführen. Das tat es auch immer getreulich. Dennoch sind die Umwege selbst in diesem beschränkten Umkreis von vielleicht dreißig Kilometer auf Dauer ermüdend, kosten Zeit und Benzin.

Wir fuhren direkt unser Gasthaus »Cafe Mikl« in der Ederstraße 2 im Zentrum von A-5400 Hallein an – das Navi hatte dafür ausgesprochen österreicherisch eine »Doktor-Albert-Eder-Straße« haben wollen – km 220.162. Nur gut, dass Hallein nicht sehr groß ist. Das Zimmer konnten wir uns aussuchen, wir nahmen das teurere mit Klo im grünrund gekachelten Bad (»Jasperdollars«) und Südblick — allerdings gegen eine Hausmauer — für 3 × 70 Euro. Alles perfekt, sauber, großer klassischer B&O-Fernseher, im Bad kleine, gestreifte »Einfußmatten«, die Carla als Tischsets identifizierte. Achtung, die linke Vorhangstange ist locker.

Dann gleich noch hinaus nach Oberalm zu meiner Mutter. Sie saß in der Abendsonne am Tisch auf der Veranda und legte mit abgegriffenen Karten Patience — ganz wie ihre sel. Mutter. Dazu Rotwein und als vorgezogenes Abendessen ein kleines Gorgonzolabrot. Ein Bild des Friedens. Mein Bruder Edgar werkelte mit zwei Söhnen im Garten, führte in schwindelnden Höhen Baumbeschnitt vor und unten sein keimendes Anti-Schnecken-Hochbeet mit Schleuse. Später kam meine Schwester, sogar ihr Freund aus Südtirol. Mami zog sich umma Achte zurück, wir auch, wollten noch hinüber zu meinem Bruder Toni, er wohnt ums Eck. Nett, kurz und schmerzlos, schon wegen Carla, die ins Bett gehört.
Vollmond ueber Hallein
Wir wollten doch unser Hotelzimmer genießen. Parken kann man unbeschränkt ein paar hundert Meter weiter auf der Salzachinsel (»Perninsel«), praktisch. Vollmond über der Salzach! Dann – zugegeben – haben wir doch noch einen alten Film gesehen: Berliner Ballettgruppe fährt in den sechziger Jahren (?) mit Irrungen und Wirrungen an den Königsee (»Schön ist die Liebe am Königsee«, Deutschland 1960, MDR 20.15 – 21.35 Uhr).

Dienstag, 30. März 2010, Hallein, 1. Tag

Ein strahlend schöner Föhntag, warm, frühlingshaft. Wir hatten uns nicht weiter verabredet, wollten nur für Carla Hosenträger in Hallein suchen. Natürlich keine gefunden, hätten ein Erwachsenenmodell nehmen sollen. Dafür beim Spielwaren-Oedl für Mama ein Rotkäppchen als Bewegungsmelder gekauft.

Hallein PfarrgasseHallein ist schön, für mich, der ich dort noch mittendrin Fahrschule und Lkw-Führerschein gemacht habe, unnatürlich leer dank Verkehrsberuhigung. Eben diese inzwischen typisch deutsche Innenstadtmischung aus teuer renovierten Einzelhäusern, Neubauflecken und allgemeinem Verfall, mehr oder weniger malerisch. Unterer Platz (Markt), oberer Platz (mit Gemeindehaus), noch darüber die Pfarrkirche mit Grubers Grab davor und drin seiner Stille-Nacht-Orgel. Barock.

Zu Mittag wollte ich auf den Hausberg Halleins, den Barmstein. Es gibt zwei davon. Vor dreißig Jahren muss ich da schon einmal droben gewesen sein, steile, schwindelige Erinnerungen. Ich meine, es war der südlichere, der nähere der beiden Barmsteine (»Barmstoaner«). Eine Frau, die an der Straße auf den Dürrnberg wohnt, hat uns den Weg gewiesen und dann eine Tafel gleich im ersten Tal, bei dem man einen Zugang vermutet (Kleinkirchentalweg, 100 m hinter dem ersten künstlichen Schutztunnell).

In der Mittagshitze stiegen wir durch einen noch ganz winterlich lichten Buchenwald in Serpentinen hinauf zuerst zu einer »Ruine Thürndl«. Sie wird gerade renoviert. Dann die österreichisch-bayrische Grenze: Carla stellte sich mit beiden Füßen auf einen Markstein, war halb hier, halb dort. Glücklich, wer die Grenzen nur so offen kennt, dass sie auf der Wanderkarte im Tal nicht einmal eingezeichnet sind! Angeblich Kyrill (Jan. 2007), der Wirbelwind, soll uns weiter unten eine kühle Abkürzung durch ein feuchtes Tal versperrt haben. Jedenfalls wurde frisch gefallenes Holz aufgearbeitet. Über einen Bauern mit Wildgehege (Rehen?) kamen wir dann nach etwa einer Stunde Wanderung zum Fuß der Barmsteine.
Barmstein-Panorama NordDer Steig auf den kleinen Barmstein ist gut gesichert. Carla sorgte sich rührend um mich, der ich vorne zehn Kilo zu viel und hinten meinen Rucksack hochwuchten musste, alles ohne schwindelfrei zu sein. Zwischendurch hat man einen Durchblick auf die senkrechte Kletterwand, in der gerade eine Seilschaft aufstieg — so genau hab’ ich nicht hingesehen … Um halb zwei nach insgesamt 1½ Stunden waren wir glücklich oben zu unserem Mittagessen auch dem Rucksack. Der erwartete Wind pausierte, das Wetter wandte sich von Föhn zu Tiefdruck, Wolken zogen auf von Westen, aber erst nachdem wir wieder unten waren.

Abstieg vom BarmsteinAm Rück­weg gin­gen wir vom Bauern direkt im Tal hinunter. Eine wunder­bar frische Quelle spru­del­te direkt aus dem Berg. Carla füllte unsere leere Flasche wieder auf. In einer kleinen Schlucht ein Marien­hei­lig­tum. An der Straße das Auto heiß. — Ein schöner Aus­flug. Carla und mir eine Lehre, dass Freude nicht von selbst kommt. Zurück im Hotel haben wir uns ein Bissl hingelegt, ich geduscht.

Um sechs musste Mami zu einem ihrer Stammtische in Salzburg-Maxglan. Wir haben sie hingefahren, die Runde südlich entlang der Festung Hohensalzburg. Navigation: Mami. Zurück nach Hallein gings mit Tomtom über Grödig, genauso querdorfein.

In Hallein hatten wir noch Zeit, umherzuschweifen, bis es Zeit war für den »Stadtkrug«, wo wir um ½8 mit Edgar verabredet waren. Wieder zu viel und zu gut gegessen. Leberknödelsuppe, Tafelspitz, da kann ich nicht Nein sagen. Carla eine Pizza. Voll und müde ins Bett.

Mittwoch, 31. März 2010, Hallein, 2. Tag

Abstieg vom BarmsteinBis wir nach dem guten, freundlichen Frühstück außer Haus kamen, war’s zehn. Wir wollten unbedingt ins Keltenmuseum, das wirklich schön und erlebnisreich geworden ist, mit dem üblichen neuen Anbau aus Glas auf der Salzachseite. Man bekommt eine Vorstellung des häuslichen Lebens, der harten Arbeit in den Salzstollen, von Grabkult und Schmuck bis zu martialischen Herrenfrisuren. Oben im dritten Stock dann der Kontrast: die bemalten Prunkräume und für Carla eine Minibergwerksrutsche!

Mittags waren wir mit Mami zum Essen im Hammerwirt verabredet (»Hammer« wohl noch vom dortigen Marmorwerk). Wir verfuhren uns etwas – und überholten prompt Mami mit ihrer Schiebekarre in der Madlgasse. Der Hammer hatte Ruhetag. Wir fuhren zum vornehmeren Hager nach Hallein, und wieder: zuviel gegessen. Trotz Fastenzeit. A Sünd’!
Salzburg-Panorama NordNachmittags wollten wir nach Salburg, wenigstens ein Mal. Nach vergeblicher Parkplatzsuche landeten wir trotz zahlreichen Verboten ungestraft am südlichen Fuß der Festung in der Brunnhausgasse. Zu Fuß hinauf, durch das »Bürgermeisterloch« – wirklich gut merkbare Namen haben die dort! – zur Mittelstation der Festungsbahn (»Hier kein öffentlicher Zusteigepunkt«) und dann hinauf auf die Burg. Eintritt Euro 11,60. Wie gewohnt ins kostenlose Marionettentheatermuseum, wieder keine Burgführung gemacht (»Prunkräume«), keine Wallumwallung, dafür Pipi. Carla bereits leicht grillig. Außerdem wars kalt. Hinunter in die Stadt. Carla ist sauer, weil ich kein Kostümfoto spendiere, zeitlich nicht und nicht pekuniär (€ 20–30). Friedhof. St. Peter, ein Requiem für eine Frau. Domplatz. Heimische Werkstätten — wieder keine Mädchenhosenträger, dafür »Osterkrippen«. Am Residenzplatz spricht uns ein mitteilungsbedürftiger Fast-Querschnittsgelähmter an, gerade in seinem grünen Gelände-Lada einsteigend, und erzählt uns seine Unfallgeschichte: »zweifachen Halswirbelbruch mit Atmungsausfall«. Der »frühpensionierte Pflichtschullehrer Wolfgang Brudl« aus A-5522 St. Martin am Tennengebirge 60, www.Sonnenhuette.At (wie sein Handzettel erklärt) hat sich aber wieder ganz erholt.

Cafe TomaselliDann schauten wir bei Hermès vorbei, bei meiner Schwes­ter, nicht ohne vorher zu prüfen, ob Kunden im Geschäft sind. Leider hatte sie keine Zeit auf einen Kaffee. Also sind wir allein neben­an ins Tomaselli gegangen — für mich tau­send Er­inn­erun­gen und einen kleinen Braunen (fand ich bitter), für Carla zwei Kugeln selbst­ge­mach­tes Eis: Schoko­lade und Erd­beer, jeweils ein Glas Wasser dazu. Geschäf­ti­ger, ge­sprächiger Ober. An­schließend war Carla wieder happy, ich auch, also weiter. Dies­mal auf Umwegen zu »Edgars« Café 220° in der Chiemsee­gasse 5. Der Besitzer hat aus­nahms­weise »richtig Geld ausgegeben« dafür, er­zählte Edgar, der be­gei­sterte Architekt. Hin­ge­führt hat mich mein Black­berry, wie immer ein guter Stadt­plan und Führer.

Zurück über den Mönchsberg wollte Carla (ich auch) am liebsten mit der Bahn — dazu aber hätten wir ganz hinauf auf die Burg fahren müssen und wieder halb zurückwandern. Carla drängte so sehr, dass ich mich an der Talstation erkundigte. Ja, hieß es, wir könnten gerne nur bis zur Mittelstation (Ausweichstation) der Bahn hinauffahren, die fesche Kondukteuse wurde instruiert, und für billige drei Euro erlebten wir dann noch eine mechanische Auffahrt im modernen Gefährt. Mit Wasser als Antrieb wird schon lang nicht mehr gefahren, dafür schnell wie eine Tram.

Zum letzten Abend waren wir an diesem Karwochen-Mittwoch bei meiner Mutter verabredet; Mariandl deckte wohl wie gewohnt den Tisch, auf meinen Wunsch wie gewohnt in der Küche und nicht wie für viele im Wohnzimmer. Edgar kam noch, Harry dazu, sein Sohn, Douglas, der andere, hatte sich den Magen verdorben. Abschied. Danach alle früh ins Bett, Carla und ich sogar ohne Glotze.

Donnerstag, Gründonnerstag, 1. April 2010: Rückfahrt nach Bonn

Packen, gebrauchte Wäsche gut getrennt, nichts vergessen, und dabei doch noch einmal kurz nebenher in die Glotze geguckt … Klick: Schon hingen wir davor, am helllichten Vormittag (ORF1 09:20-10:50 »Treibjagd«, Episode 24). Jedenfalls spielte das Stück in den Bergen. So wurde es elf, bis wir loskamen. Ich fuhr (km 220.258) über den Dürrnberg nach Deutschland, und hatte Carla in den April geschickt mit der Ankündigung, noch bei der Quelle ihr Schild »Geprüft von Carla und Fritz: gut« anbringen zu wollen. Im Stillen hatte ich gehofft, so die österreichische Autobahn — ich hatte dafür ja keine Mautplakette — zu umfahren, landete aber am Talende doch wieder in Grödig, Österreich. Mist! Heimatkunde sechs.

fjAm Dürrnberg hatte es 4°, Wolken hingen tief herum, und so blieb es fast die ganze Fahrt nach Bonn. Auf der Mangfallbrücke hat es fast geschneit, bei 2°. Stau hinter München. Danach gut durchgekommen, nach acht Stunden um sieben in Bonn (km 220.990), nicht ohne zuvor Gisela in den April geschickt zu haben: Sie sollte uns helfen, den großen Bildstock, den uns angeblich Mami für Carlas Erstkommunion mitgegeben hatte, in die Wohnung zu tragen. Gisela hatte den ganzen Tag gearbeitet und kam nur wenig vor uns an. Leichter Stress, vom Nachbarn für Carla einen netten Feuerwehrschlumpf, weil wir doch seine Wohnung gerettet hatten — aber das war wieder eine andere Geschichte …

Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2010/04/zwei-tage-hallein-zu-ostern-2010.html

27. Februar 2010

Ruth Orkin:
American Girl in Italy

Orkin: American Girl in Italy
Some pictures don’t leave your mind. Most often they are horrible. Not so mine: It is Ruth Orkin’s “American Girl in Italy”, more precisely Mrs. Jinx Allen, now known as Nina Lee Craig, on August 22, 1951, in Piazza della Repubblica in Florence in front of the Cafè Gilli. Nina was an art student Ruth had met in her hotel. The young man on the right stopping his Lambretta is Carlo Marchi. Ruth Orkin was 29, and had just returned from a trip to Israel. The picture is staged, but the men had only been asked not to look at her, the photographer.

This picture was first published in Cosmopolitan 9/52 with an article titled “When you travel alone … tips on money, men, and morals”. The New York Times is said to have called it the world’s second most published picture.

WAlberto Corda: Che Guevarahich is the most published photo in the world is under debate; usually Alberto Korda’s Che Guevara on March 5, 1960, is mentioned (left), or Robert Doisneau’s 1950 “Kiss by the Hôtel de Ville”, staged as well (right, detail). Martin Elliott boasts the most popular picture to be his tennis girl, unbelievable.

Back to Ruth Orkin and Nina Craig. “The two were talking about their shared experiences traveling alone as young single women, when Orkin had the idea to ‘go out and shoot pictures of what it’s really like’”, writes Mary Engel, Ruth’s daughter. “They had a lot of fun.”

The idea for this picture had been in Orkin’s mind for years, ever since she had been old enough to go through the experience herself, but she knew that she needed to have the right crowd, lighting, background, angle, and, above all, the right model in order to recreate the situation (Orkin). Orkin described Allen as a “great natural actress” who participated in staging the scene, walking by a group of men lounging on the corner of the Piazza della Repubblica, while Orkin ran ahead of Allen and stood in the middle of the intersection to shoot. The photographer says she spoke only to the two men on the motor scooter, asking them to tell the others not to look at the camera. She took one photo of Allen passing the men, and then asked her to back up and repeat the scene, of which she took a second. Orkin’s photo was eventually published in an article, “Don’t Be Afraid to Travel Alone,” in the Cosmopolitan issue of September 1952, after several other magazines [had] rejected it. (John Mratz in http://zonezero.com/magazine/articles/mraz/mraz04.html)

Further Links

https://en.wikipedia.org/wiki/Ruth_Orkin

More research, including variants and the negative strip

The official story: http://www.orkinphoto.com/photographs/american-girl/
With more pictures of the “American Girl” in Florence linke this

The oficial picture (550 × 364 Pixel)Albert Einstein by Ruth Orkin
www.orkinphoto.com/img/american_girl/american_girl-lg.jpg
Buy an original for $ 1200 …
(Or take Orkin’s Einstein, if you like it cheaper!)

The picture, a bit larger (868 × 558 Pixel) here

Nice Blog entry by Miguel Garcia-Guzman
http://exposurecompensation.com/2006/12/28/american-girl-in-italy-by-ruth-orkin/

The story as remembered by the girl in the picture
http://www.thegridto.com/culture/arts/walk-this-way-2/

The story as remembered by Carlo Marchi at 79 (Italian)
http://pentma.blogspot.com/2009/08/una-storia-italiana.html

Caffè Gilli www.Gilli.It, Piazza della Repubblica 39, Florence, Tel. +39 055 213896

The location: 43° 46' 17.89" N 11° 15' 15.69" E (64 m high), in Google Maps
In Google Earth you can look at the scene in Street View.

Lambretta D 125
I end with this beautiful, slim, no-nonsense Lambretta D 125 (reminding river Lambro). Here you can see and hear one: http://youtu.be/mMBUH8Q4WMQ?t=2m37s

Link to this Blog
http://blogabissl.blogspot.com/2010/02/ruth-orkin-american-girl-in-italy-some.html
or
http://blogabissl.blogspot.com/2010_02_01_archive.html#Orkin
or
http://blogabissl.blogspot.com/2010_02_01_archive.html#American

24. Februar 2010

Ein eher zufällig zustande­ge­kommener Mail­wech­sel mit einem an­ge­hen­den ka­tho­li­schen Geist­lichen – den ich bei Gott nicht weiter kenne – hat mich ver­an­lasst, mich zu fragen, was er wohl ins­ge­heim denkt über diese, wie ich finde, un­sinnige Vor­schrift. Also will ich, ohne ihn direkt an­zu­sprechen, einmal darüber sinnieren. (Das Bild links stammt übrigens aus der Wikipedia, Stichwort Zölibat.)

Gedanken zum
Zölibat

Ob und wie sich der Zöli­bat aus Bibel und oder Über­lieferung her­leitet, das ist mir einerlei. Als alter Inter­nats­schüler, der neun junge Jahre unter Aufsicht von »Er­ziehern« (Lehrern) war, weiß ich, wie wir jeden Erzieher für uns verloren gaben, sobald er heiratete. Besonders die jungen hörten auf, mit uns in die Berge zu gehen oder Blumen zu botanisieren, Sport zu treiben oder abendelang herumzudiskutieren, wenn sie frisch ver­heiratet waren. Ehelosigkeit – möglichst auch Verliebtlosigkeit – lässt einfach mehr Hingabe zu für den Job, sei es als Erzieher, Lehrer, Meisterschachspieler oder Soldat im Krieg. Also: Zölibat – bestens!

Die Frage ist nur: Muss das sein? Und da meine ich, und wohl mit mir die Mehrheit der Gläubigen: Nein. Es geht auch ohne, also mit Frau, mit Familie, mit anderen Sorgen als bloß um die Schäfchen der Gemeinde. Die Protestanten beweisen es alle Tage, mein seliger Großvater war Prediger. Und die Protestanten finden leichter Nachwuchs. Die »Qualität« protestantischer Pastoren ist, meine ich, einfach besser. Denn es gibt Wichtigeres für einen Seelsorger als Enthaltsamkeit.

Dennoch: Die Kirche verlangt’s, jedenfalls bis dato. Eigentlich eine Gemeinheit. Wer zum »Gottesdienst« berufen ist, sollte ihn – ohne römisches Wenn und Aber – leben können. Doch dieser zornige Gedanke hilft unserem Priesteranwärter nichts, im Gegenteil. Gleichmut habe die Seele vor Gott.

Als Trost darf ich anbieten: Es geht auch ohne Sex. Die Vorstellung, Sex sei so etwas wie Verdauung und müsse regelmäßig stattfinden, sonst sei man konstipiert und unpässlich, ist Unsinn. Es geht auch ohne die Entspannung in der Hypophyse, oder wo auch immer. Rauchen ist schwerer aufzugeben als Sex – sage ich mal als Nichtraucher. Wenn also die katholische Kirche Zölibat verlangt, und wenn einem die Berufung wichtiger ist, sollte man’s in Kauf nehmen. Oder zur Konkurrenz abwandern, konvertieren zu den Protestanten.

Soviel in aller Peinlichkeit und Kürze.

Nachtrag: Das Zwangszölibat gibt es seit 1022. Dazu die Wikipedia: »Im Jahre 1022 ordnete Papst Benedikt VIII. auf der Synode zu Pavia gemeinsam mit Kaiser Heinrich II. an, dass alle Geistlichen künftig nicht mehr heiraten durften. Da es für Priester üblich wurde, die Heilige Messe täglich zu zelebrieren, spielte dabei vor allem die kultische Reinheit eine Rolle, aber auch die Tatsache, dass sonst Kirchenbesitz an die Kinder der Geistlichen vererbt worden wäre. Verstöße gegen den Zölibat wurden mit Kirchenstrafen belegt, und bereits verheirateten Geistlichen wurden Amt und Besitz entzogen. Zur Zeit von Nikolaus II. wurde durch die Lateransynode von 1059 jenen Priestern die Zelebration der Heiligen Messe verboten, denen ein notorisches Konkubinat nachgewiesen werden konnte.«

Hirtenbrief vom 4. August 2009 Kardinal Meisners über den Zölibat: »Zeichen von Gottes Nähe und Treue« (Druckansicht). – Meines Erachtens den Zölibat mit schönen Worten höchstens lobend, nur nicht schlüssig in der Aussage, dass ein Priester nur so ein Priester sein kann. Als dieser Brief im vorigen Jahr vorgelesen wurde, war bei uns gerade passend ein Priester der Ostkirche zu Besuch mit seiner Frau. Ich bin dann einfach weggegangen. (Meisner: »Freilich gibt es auch verheiratete Priester, etwa in den Ostkirchen. Doch auch dort wird die Lebensform unverheirateter Priester hoch geschätzt, so sehr, dass nur Zölibatäre zum Bischofsamt berufen werden.«)

Link zu diesem Blog-Eintrag:
http://blogabissl.blogspot.com/2010_02_01_archive.html#Zoelibat


Weitere religiöse Themen bei mir:
Gottesglauben – Strenge des Gottesbildes
Sondern erlöse uns von dem Übel – Kein Jammertal mehr hier! (3. 2. 9)
Beten, wozu? (22. 10. 7)
Soft-Gott (27. 4. 8)
Für euch und für viele – oder alle? Pro multis (8. 3. 9)
Der gute Mensch von Saratow – Bischof Clemens Pickel (15. 2. 9)
Billig und heilsam – verschwunden
Es geht bergab mit der Kirche (12. 9. 7)
Die Namen-Jesu-Kirche in Bonn (27. 12. 8)
Sonntagsstimmung (26. 8. 7) und weitere Geschichten
Zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf – sprachliche Gedanken

21. Februar 2010

Permalink, Permalinks, Permanent Links,
Permanentlink, Dauerverweis, dauerhafter Link,
fester Anker, Permanent Anchors for Blogs, etc.

in Blogger

Blog entries are archived after a while. – This means: The original HTML file under, say http://blogabissl.blooger.com, is moved elsewhere. Tough luck for addresses and links that used to directly point into a specific blog.

I may criticize—in this case Google—that it cannot make a simple list of entry points and find them for you in the archive files; but this complaint won’t help. We have to live with the vanishing, treacherous links. Links like http://blogabissl.blogspot.com/#label work at first, later on no more.

There are two methods to apply permanent links, “permalinks”, in blogger.

Here is the official way. Note that all this applies to blogger only. You write your blog. You publish it. Then you look at it, and you’ll see a little pound sign # at the very end of the blog, left side, where it says # posted by … Now if you move the cursor to this pound sign and click right, you’ll get a pop-up menu with the possibility to copy the link address hidden under the # sign. Aim precisely. In this case here you’ll get

http://blogabissl.blogspot.com/2010/02/permalink-permalinks-permanent-links.html (try)

which is the official permalink to this one blog entry. You see, it contains the year and month of publication, and a somewhat unpredictable text as entry. This link will work while the blog is fresh and not yet archived, and it will work as well after automatic archiving. The reader will get to see exactly this one blog entry.

And this is the other way. You put a name tag into your blog. When writing your blog you switch to HTML for a moment, and you enter the HTML command <a name="Permalink"> into the flow of words, best at the beginning. You may choose whatever entry name you like, instead of Permalink here, which is just an example. Because the HTML code of your blog is examined by an unforgiving HTML teacher within blogger’s software, you must have a finishing </a> tag closing the <a name="…"> tag. The correct form is <a name="nameofchoice"></a>. The </a> may come later, but it must come. When the blog is published, you’ve got an entry point there. Naturally you can put as many entry labels into a blog as you like, very practical with long entries.
In order to use this self made entry point as permalink, you use exactly the format

http://blogname.blogspot.com/yyyy_mm_01_archive.html#nameofchoice

yyyy is the year, mm the month of publication, 01 (zero one) is 01 always, and nameofchoice is your label name. Don’t forget the underline characters. Make no slash after html. In this case here I’ve added Permalink and Dauerlink as name tags, so you will be able to address this blog either by

http://blogabissl.blogspot.com/2010_02_01_archive.html#Permalink (test)

or by

http://blogabissl.blogspot.com/2010_02_01_archive.html#Dauerlink (test)

Again: this link will work both during the month of writing and later after archiving, it will start the page exactly with the (naturally hidden) label. It will bring in all the month full of blogs, but that’s ok. The advantage: You’ve got a self chosen, simple entry label, a simple permalink. You choose the name, not blogger (blogspot). And you choose it while you compose the blog, no waiting for blogger to come up with its name. And you can use multiple entry labels.

Good luck.

PS: You don’t believe me? Try this:
http://blogabissl.blogspot.com/2009/06/these-three-days-of-may-in-paris-made.html (try)
or this (doesn’t it look better?):
http://blogabissl.blogspot.com/2009_06_01_archive.html#Paris2009 (try)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Wikipedia’s explanation of Permalinks, deutsch
Deutsche Erklärung von »Ankern« in Selfhtml. – Sorry, not available in English,
see for example “The name Attribute” in W3Schools or W3C.

19. Februar 2010

This must be Alfredo Scarfone today.

God’s Business

Let me tell a story.
A business life can be a pious life, a good life.

Back in 1970, when I headed a small group of computer technicians in Milano, Italy, it was my job to hire more of these – at this time – quite rare animals. I even had designed an analytical test in the office bathroom. There were two washing basins with mixing warm and cold water faucets. The warm water however was unavailable, closed at a central faucet. I had set up the experiment in such a way that when you opened a cold water faucet on one basin water came out at both basins. The analyst to be tested had to explain this – after his shock to be led into the toilet as assessment.

At this time I had the good luck to hire Alfredo Scarfone. He was very gifted, as man and as technician. Later we hired his good friend Alberto Panni, who was, if I remember well, good too, but less ambitious. We had a very interesting time with Hewlett-Packard in these early days of minicomputing, debugging one of the first real-time operating systems, as well as a time-sharing “executive”, and later in Cupertino, California, and Geneva, Switzerland, the early HP 3000 mainframe. Two years later, when the group dissolved back to their home countries, Alfredo had returned to Italy, I continued in Germany.

In Italy Alfredo had been living in some sort of commune, spiritually connected with Alberto. We in the office did not notice much of this. They rarely spoke about it. I might not have understood the special circumstances, and frankly it didn’t interest me much. It was their private life. I was happy playing with computers, and still am. I lost sight of Alfredo, but I knew that he grew to be manager of Hewlett-Packard Italy for many, many years. Astonishing this stability in a top position.

Yesterday I remembered Alfredo’s religious engagement, looking for a positive example of applied piousness. So I asked Google what became of it.

First I found a short biography of Alfredo; he must have been a speaker in Abu Dhabi in January of 2009. The picture of Alfredo comes from this site.

Alfredo Scarfone is president of Centro Culturale di Milano, a title he has held since September 2004. In 1962, he worked in the computer division of Olivetti and afterward in General Electric Information Systems Italia as a specialized technician and, later, as an instructor. He worked for one year in the USA in Phoenix, Arizona, for General Electric in the technicians training branch. Mr. Scarfone began working with Hewlett Packard in 1970 in Ginevra [Geneva, Switzerland – fj] as European Specialist of Communications in the services of time-sharing. From 1978 to 1983, he was the director of staff [personnell manager – fj] for HP Italy. In that period, the staff of the society grew from 300 to 700 people. In January 1986, he was appointed general manager and commercial director, positions that he held for more than 17 years. In 2000, he founded a society of managing advisors (ALPAS S.r.l.) and served as the sole manager. Mr. Scarfone was awarded the Rosa Camuna Prize in 2003 for his work in Lombardy. He constituted small commercial enterprises in Kazakhstan and Lithuania in order to train young, local entrepreneurs. Mr. Scarfone founded the Banco Informatico, of which today he is the assistant director. He has cooperated with the “Fraternità dei Missionari di S. Carlo Borromeo” as an advisor for the missionaries’ works in the world since 2004.


When I looked for Alberto Panni, I literally hit his tombstone. Alfredo had written an obituary for Alberto, and had the generosity to allow it to be published in the Internet. I find it very touching. I don’t want to pick personal details, it would not be proper for an outsider like myself. But there is one sentence, for which I envy, ashamed, those two close friends: « Quanti progetti abbiamo fatto assieme per cambiare noi ed il mondo. » – How many projects have we done to change ourselves and the world.

15. Januar 2010

Flucht und Vertreibung

Im Zusammen­hang mit Erika Stein­bach und dem geplanten Doku­men­tations­zentrum »sicht­bares Zei­chen« – was für ein verkniffener Name! – wird jetzt wieder viel polemisiert.

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt am 6. 1. 2010 in einem Kom­men­tar: »Die Mill­io­nen von Deut­schen, die gegen Ende des Welt­kriegs und danach ihre Hei­mat ver­lassen mussten, waren insofern un­schul­dig, als sie Opfer eines Gesche­hens wurden, welches sie nicht per­sönlich ver­ursacht hatten« und kommt zum Schluss: »Ein Zentrum für Flucht und Vertreibung in Berlin ist unnötig, weil das Schicksal der damaligen Flüchtlinge und Vertriebenen genügend im kollektiven Bewusstsein verankert und dokumentiert ist.«

Stefan Schmitz meint im Stern 3/2010 auf Seite 47 unter der Über­schrift »Die ewigen Ver­trie­benen«: »Aber eigentlich geht es 65 Jahre nach Kriegs­ende um etwas andres: nämlich um Geschichte – und eben nicht um Politik. Das hat Steinbach nicht verstanden. Sie und ihr Ver­band sind zum Anachronismus geworden. Sie betreiben Lobby­arbeit und Klientel­politik für eine Klientel, die es kaum noch gibt.« Dazu wird eine Landkarte veröffentlicht, die vertriebene deutsche Volksgruppen bis an die Krim zeigt – gewiss keine Hitler-Wähler.

Ich weiß, dass das Schicksal der Vertriebenen keineswegs »im kollektiven Bewusstsein verankert« ist, ganz im Gegenteil. Fragen Sie mal jemanden, wo »Bessarabien« ist! Mein persönlicher Versuch, die Geschichte einer Frau aus Sebastiansfeld (s. Landkarte) publik zu machen, deren Vater von den Russen verschleppt und deren Mutter 1942 gestorben war. Nach ihrer Flucht mit Bruder und Tante bis Lüneburg wurde sie 1945 als Vierzehnjährige von den Engländern den Russen übergeben und landete im Lager in Sibirien. 1962 durfte sie nach Kasachstan und erst 1988 nach Deutschland. Für diese Geschichte – grob gesagt – interessiert sich »keine Sau« (schon gar nicht Hans-Jochen Vogels Verein »gegen Vergessen, für Demokratie«).

Zum Thema. Die Schuldfrage stellt sich gar nicht, denn derart »Bestrafte« können an ihrem Schicksal gar nicht »selbst schuld« sein, und wären sie noch so böse gewesen. Mord ist nicht Sühne. Und die Vertreiber zu beschuldigen, ist nach so vielen Jahren und so verworrenenen und durchaus unterschiedlichen Verhältnissen ebenfalls unzulässig: Man sehe sich nur einmal in der Landkarte oben (klickbar) die geplanten »Umſiedlungen des Führers« an, die dann bekanntlich ganz anders kamen. (Die Südtiroler wissen ein Lied davon zu singen.)

Je weniger man nach Schuld fragt, desto vorurteilsfreier wird die Erinnerung, die Erkenntnis. Mitgefühl mit den Opfern, Gefühl für die Zeit, für die Umstände, das Leben überhaupt, nicht Zorn auf die »Schuldigen« sind nötig. Auch nicht »Versöhnung«. Mit wem? Mit Heutigen, Nachgeborenen? Das ist total die falsche »Baustelle«. Und selbst und gerade wenn die Opfer aussterben: Gedenken. »Für mich ist kein Unterschied in meiner Trauer um Verwandte, die in Treblinka ermordet wurden oder als deutsche Soldaten am Weichselbogen ›fielen‹. Sollte ich ihrer nicht gedenken? Waren sie weniger unschuldig als andere Unschuldige?« fragt Botho Schneidmann aus Würzburg in seinem Leserbrief an die NZZ. Danke.

PS: »Töten auf tschechische Art« (Original-Film, stumm und schwer verdaulich)

Link hierher:j.mp/fj37tFvCM
 = http://blogabissl.blogspot.com/2010/01/flucht-und-vertreibung.html
 

Besucherzaehler

»Sofern für die Seßhaftmachung zurückkehrender Reichs- oder Volksdeutscher Grund und Boden im Gebiet des Reichs benötigt wird, so finden für die Beschaffung des benötigten Landes das Gesetz über die Landbeschaffung für Zwecke der Wehrmacht vom 29. März 1935 (Reichsgesetzbl. I S. 467) und die zu ihm ergangenen Durchführungsverordnungen entsprechende Anwendung. Die Aufgaben der Reichsstelle für Landbeschaffung übernimmt die vom Reichsführer-SS bestimmte Stelle.«
   Quelle https://www.europa.clio-online.de/quelle/id/q63-28467 Dez.2019