Wenn ichs nun tue, wundern sich manche. Mitsammen scheint nicht so gängig zu sein hier im Norden. Zusammen kann man einen schlagen, zusammen kann man Mehl, Eier und Milch mischen, mitsammen geht das nicht oder nur sprachlich etwas mühsam. Mitsammen Karten spielen, Heu hüpfen, zum Baden oder Skilaufen fahren, eine Karre aus dem Dreck ziehen, das geht prima. Warum also nicht bitte wenn immer möglich das freundlichere mitsammen setzen. In Österreich scheint mitsammen tatsächlich populärer als zusammen, siehe hier. Die Gebrüder Grimm (Link) platzierten mitsammen mitsammen eher ins Thüringische und wollten ihm nicht die höheren Weihen geben: »in der schriftsprache meist nur in nachahmung volksmäsziger rede« und schlossen nach Ludwig Tieck’s Kaiser Octavianus (1. Band, Seite 31) mit:
Freundlich wollen wir mitsammen viele Märchen, Possen reden.
Ein gutes Motto!
PS: Da muss uns Google den Tieck aus der Stanford University digitalisieren, damit wir ihn im Netz finden. Armes neues Deutschland!
30. April 2007
... Montag, 30. April 2007 – erster Tag
Igor, der »Bauer« baut mit einem Freund den Stall für ein paar Kühe zurecht. Säulen werden verrückt, hölzerne Abgrenzungen gezimmert. Sehr schön.
Gisela ruft aus Bonn an, sie habe Nachts einen Einbrecher mit polizeilicher Hilfe am Dach vor unserer Wohnung gefasst. Frech habe er sie angesehen, und dabei unsere Gartenleuchte aus der Wand gerissen. Die Arme war noch ganz verschrocken.
Hier findet Doris wieder eine kleine Maus, diesmal an meinem Handtuch im Bad, vielleicht dieselbe wie gestern, sage ich, und sie bringt sie im Plastikmessbecher auf den Hof. Wir fotografieren sie fürs Album, die Kinder füttern sie mit etwas Käse. Der wurde zu ihrer Galgenmahlzeit, denn die Katzen ließen sie nicht wieder laufen, denen Igor sie brachte. Diese Maus sehen wir gewiss nicht mehr wieder.
Zusammen mit Max, aber in getrennten Autos, sind wir dann am Vormittag ins Dorf gefahren, einkaufen, reden, mittagessen. Und kamen in einen kleinen Platzregen, der – wie hier üblich – schnell wieder der Sonne Platz machte.
Max eröffnete mir am Grab der Großeltern, die, wie er mir vorrechnete, vor nunmehro neunzig Jahren den Hof und Wald hier gekauft hatten, dass er aus dem gemeinsamen Familienbesitz »aussteigen« möchte. Wir haben dann noch lange darüber gesprochen, auf einer Bank mit Bildstock beim Gemeindehaus. Es wird schwierig werden.
Mittags trafen wir uns alle beim Höllriegl im Garten, Carla und Max Fritattensuppe, er und Doris mit Monique danach ein Wienerschnitzel, ich eine Backerbsensuppe.
Nachmittags »zu freier Verfügung«, Max schläft und ist müde, Fritz nur weniger, Doris und die Kinder gar nicht. Dabei immer wieder zwischendurch Regen.
Abends ab halb sechs oben bei Max die »Hofversammlung« mit Igor und Martina, Albert, Springer jun. – der nun leider nicht mehr »jun.« ist –, Max natürlich und ich. Es zieht sich. Erst um zehn komme ich herunter. Die Kinder sind schon im Bett, mitsammen. Die müssen wir noch trennen.
18. März 2007
Lanereien – Nachgedanken über Barcelona
Lan oder W-Lan, das war die Frage. Da waren wir in Barcelona, wenige knappe Tage auf einer Messe, und sollten berichten – noch bevor die Messe zu Ende war. Les- und Leserin wollen Neuigkeiten ja am liebsten schon kennen, noch bevor sie passieren. Und wenn nicht, so will’s der Redakteur schnell haben, damit er Zeit hat, schön »Blatt zu machen«. Auf jeden Fall liefen wir da mit unseren Laptops herum. Wir hatten sie immer im »Hintergrund« – ums computertechnisch auszudrücken – beziehungsweise im Rucksack – alpinistisch gesehen. Und der saß uns im Nacken.
Die Kollegin schrieb tagsüber, ich bevorzuge die Nacht. Ich glaube wenigstens. Viel darüber geredet haben wir nicht. Es ist einem ja peinlich zuzugeben, dass Texte erst durch Schreiben entstehen. Spannender war das Übertragen, das Liefern, das Loswerden. Denn was hilft schon ein Text, wenn er nur hier und nicht dort ist, wo er hin soll, eilig, hastig, trallala?
Moderne Laptops, inzwischen »Notebooks« genannt, haben eingebaute Modems – die man nur selten braucht – und dazu zeitgemäße Hochgeschwindigkeitsanschlüsse, eine Ethernet-Buchse für ein »lokales Netzwerk« (ein Lan) – die sind schon äußerlich etwas breiter als die Telefonbuchse – und, gänzlich unsichtbar, W-Lan oder WiFi oder wie man’s nennen mag, den drahtlosen Anschluss über Luft und Funk und gut Glück. Intel macht’s möglich und der geduldige »Äther« auf einer Frequenz für Industrie, Medizin und sonstig Störendes. Auf der Messe gab es zahlreiche derartige Funknetze. Zu jedem brauchte man einen eigenen Zugangsschlüssel, oder man musste sich anmelden, oder beides, oder – wie wir bald sehen würden – man kam gar nicht hinein. Selbst Messe-temporäre W-Lans sind verschlossen als bärgen sie den heiligen Gral; Gartenhäuschen geschützt wie Panzerschränke. Als Journalisten hatten wir kostenlosen Zugang zu einem »ätherischen« Pressenetz (›Ethernet‹), das denn auch in der Umgebung des Pressezentrums seine Ausstrahlung zeigte. Aber hinein kam man nicht.
So ein Nicht-Hineinkommen darf man sich nicht einfach wie einen Zaun vorstellen, der die Welt vernagelt. Da sieht man gleich, du kommst nicht weiter. Bei W-Lans meint man, man käme, und nach 35 Minuten – je nach Hartnäckigkeit – gibt man’s frustriert auf. Man klappt auf, man sucht’s Netz, man klickt und wartet, mit Glück erscheint eine Log-In-Seite, da gibt man unmerkbare Namen ein und ebensolche Schlüssel (hier: Username prss5pdp, Password: 4AT7JbuX), und dann passiert irgendetwas, nur nicht das, was man möchte. Also probiert man’s wieder. Startet einen anderen Browser. Und wieder. Man pingt ins Netz (Start, Ausführen, cmd für Command-Interpreter, OK, ping google.de; danach exit). Man flucht vor sich hin. Derweil zerrinnt die Zeit, die Messe-teure.
Ich hatte schon am Ende des zweiten Tages meine G’schicht geschrieben, abends, in der »Hütte«. Im Nobelhotel gab es ein W-Lan, »Princesa S.« hatte ein Einsehen. Das ging zur mitternächtlichen Geisterstunde, als ich mit dem Text soweit war, nur schemenhaft, »nicht wirklich«. War mein Text nun abgesandt? Saß er noch im PC? Ich hab’s dann aufgegeben, müde zur Nacht beziehungsweise zu Bett. Anderntags zeigte mein braver Blackberry, dass meine Mail um »00:26« abgegangen war. Ich hatte mir vorsichtshalber selbst eine Kopie geschickt. Uff!
Natürlich fiel mir danach noch bissl Dies und Das ein. Man sieht ja immer Neues auf so einer Messe, selbst am dritten Tag. Also habe ich das in den Text hineinkorrigiert, im Korrekturmodus, damit auf Empfängerseite schnell zu erkennen ist, was sich geändert hat. Texte werden bekanntlich redaktionell bearbeitet, und das macht keiner gern mehrfach.
Mittwochnachmittag dann, als mir wirklich nichts mehr einfiel, wollte ich diese letzte Ausgabe übermitteln. Bei T-Mobile gab es einen famosen W-Lan-»Hotspot« samt Snacks. Also ich pilgere dorthin, in luftige Höhen, denn bisschen abseits war’s schon. Ich hatte gehofft, dort die Kollegin zu treffen, die ihren Teil, den wichtigeren, von da aus hatte versenden wollen. Sie war nicht da. Kein Wunder, war doch auch sie in diesen »heißen Punkt« nicht hineingekommen. Man musste dazu mit einer hochsicheren Verschlüsselung, angeblich »WPA-PST«, und dem Passwort »Barcelona« ins Netz. Den »Wireless Protected Access Pre Shared Key« gibt’s in zwei Ausprägungen, bei mir noch »WPA2-PSK« mit »Datenverschlüsselung TKIP« oder »AES« – ja was jetzt? Probieren, probieren ... Vielen ist es gelungen. Nur uns halt nicht. Dafür waren die Fingerfood-Snacks essbar ohne Schlüssel und Besteck.
Ich pilgerte zurück ins Pressezentrum, hinten am Ende von Halle zwei, und ergatterte einen Platz im »Sweat-Shop«. So will ich einmal den Raum mit vielleicht achtzig Schirm an Schirm stehenden PCs nennen, alle fest ans Netz angeschlossen und an den Tisch gekettet. Davor sitzen heftig arbeitende Journalistinnen und Journalisten – meist freilich mit ihren eigenen Laptops. Das macht’s am Tisch noch enger. Zwischen den Stühlen, Taschen, Pressemappen und Kameras kommt man eh nicht durch. Also in diesem Sweat-Shop erangelte ich ein hinter dem Tisch hervorlugendes Ethernet-Kabel, wurde meinen letzten Text los, um 17.37 Uhr, und bingo. Weg war ich.
Abends schon beim gemütlichen Abendessen, downtown, nach Tapas und vor der Paella, in guter Gesellschaft mit einem Glaserl minder gutem Rotwein, da klingelt mein Handy. Roaming macht’s möglich. Die verzweifelte Kollegin mit ihrem Text. Sie kriegt ihn nicht los. Ob ich könnte? Sie sei noch auf der Messe. – Ja nun, aber wie? Da riet ich ihr zu meinem Festlan-Trick: Finde einen Ethernet-Anschluss, einen richtigen, gegenständlich-sichtbaren, und steck dich an. Sofort bist du im Netz, schneller als du schauen kannst. Sonst ruf’ nochmal an.
Sie rief nicht, sie simste – sparsam, wie wir uns haben. Alles habe geklappt, und danke, und ob sie noch zum Essen zurecht kommen könnte. Sie könnte, und konnte, und wir hatten alle mitsammen einen netten Abend, entspannt. Die Eier waren gelegt.
Mein »Ei« war allerdings eher eine Bombe. Am Tag darauf, gerade beim Umsteigen zwischen zwei U-Bahnen, rief die Redaktion an. Sie käme mit meinem Korrekturmodus nicht zurecht. Schnell, schnell soll ich den Text noch einmal schicken, ohne Korrekturzeichen, sozusagen in normaler Reinschrift. – Ja, habt ihr denn niemanden, der den Word’schen Korrekturmodus kennt? Und nein, ich könne das jetzt nicht aus dem Stegreif lehren (unter uns und später erforscht: Extras, Änderungen nachverfolgen, Änderungen annehmen, Alle Änderungen im Dokument annehmen, fertig). Die erlösende Idee kam dann doch aus der Redaktion: Wir probieren’s mal mit unserem journalistisch-freien Microsoft-Experten, vielleicht ist der telefonisch erreichbar. – Ich habe keine Ahnung, wie die Geschichte weitergegangen ist. Doch: Der konnte im Fluge den Korrekturbalken herbeizaubern, danke!
Dann kam mir die Idee: Ich könnte doch mit meinem Blackberry die an mich gesandte Kopie herumdrehen und der Redaktion schicken. Und richtig, Blackberry zeigte meinen Text mit den eingebauten Änderungen, war schlau genug gewesen, sie allesamt bona fide anzunehmen. Also »hob« ich den Text im Tunell an der Ecke von Linie L3 und L1 herüber in eine neue kleine Blackberry-E-Mail. Drei Portionen waren nötig, dreimal Cut and Paste, nichts vergessen, nichts verdoppeln. Und fast wäre mir der Text aus dem Blackberry auch hinaus in die Welt der Mails gegangen – wenn mir nicht gerade da die neue Software des kleinen Dings gemeldet hätte: »Nachrichtenstatus: Unable to look up the user info in database«. Ich habe dann noch meinen Psion 3mx aufgeklappt, unter mir den Koffer, links herum den Rucksack, rechts den Blackberry, und dort nach des Kollegen privater Mailadresse gesucht, vielleicht würde die ja dem Berry genehmer sein. Danach erneuter Versuch. »Unable to look up the user info in database«. Der Blackberry machte seinem Namen Ehre. Ich sah schwarz. »Wir« haben’s dann sein lassen, endgültig. Tage später habe ich dann in Ruhe den Fehler mit Web-es Hilfe wegbekommen und in der Wiki. nachgetragen
Die Moral von der Geschicht’: ›Mach dich verrückt nicht.‹ Laptop, bleib’ bei deinem Lan, dem festen. Außerdem sollten die Texte besser werden, wenn’s ruhiger zugeht.
Meine Freundin im Nachbardorf – der Treuen eine – erwartet angesichts der Streitereien zwischen CDU und CSU einen Blog von mir, persönlich, wie in alten Zeiten. Also.
Schade, dass in unserer »Demokratie« das Volk nur gelegentlich generell befragt wird, alle vier Jahre. Und dann geht es eher um Wohlfühlen als um Politik. Ernste Fragen, ob wir zum Beispiel für Lettland (mit 26 % russischer Bevölkerung, die gut und gern Putin zu Hilfe rufen könnte) einen Krieg führen würden (siehe Nato, englisch), bleiben uns dummen Volk erspart, wir hören höchstens, dass Deutschland auch am Hindukusch verteidigt wird (Struck 2002). Ja wo denn sonst, mag man sich ironisch fragen?
Denn inzwischen wird die Politik in wochenlangen Geheimverhandlungen (»Koalitionsgesprächen«) in geschlossenen Räumen verkuhhandelt. Trotzdem nennt sich das traditionell weiter »parlamentarische Demokratie«. Angeblich wird ein Koalitionspapier »abgearbeitet«.
Doch die Qualität der Demokratie hängt von ihrer Direktheit ab.
Vom Sachlichen zum Persönlichen.
Dramatisierung: »Ultimatum«. Und
was laut Bild »Merkel« tun soll,
steht dann auf Seite zwei.
Wenn heute »Politik« von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) gemacht wird, von Interessengemeinschaften und Lobby-Gruppen, von der EU, von Organisationen der Vereinten Nationen, die alle ihre eigenen Interessen haben – gute und weniger ehrenwerte, oft auch nur als Ziel die Ausweitung ihrer Organisation – wenn sie an Staates statt »Ereignisse« setzen und Dienste tun wie Seenotrettung, Nahrungsmittelhilfe oder Krankenhausdienste, so kann auch dieses Handeln gut sein und zum allgemeinen Wohl, wenn wir Glück haben …
Meinungforschungsinstitute ersetzen demokratische Abstimmungen, Zeitungen betreiben exzessiv Meinungsbildung, oft konfliktverstärkend mit einem Trend zur Entsachlichung und Personenbezogenheit.
Man höre sich nur kritisch die Quellen von »Nachrichten« an: meist sind’s Meinungsbildner.
Wie auch immer. Leider hängt die Qualität der Politik nicht von der Demokratie darunter ab.
Sehen wir uns die Qualität der Politik “Made in Germany” an, so gibt es da gewiss exzellente Produkte, etwa die friedliche Wiedervereinigung. Die »Politik« hatte sie schon aufgegeben, die Deutschen fast auch. Die Rufe »Wir sind das Volk« in der DDR richteten sich gegen die Regierung, gegen die Mauer, nicht an »ein Volk«. Dass dann doch nicht zwei Länder übrigblieben, ist ein Wunder. Möge es Korea auch gelingen!
http://j.mp/2sYaDbO
Ein Wunder, eine riesen Freude war die Grenzöffnung bei Passau im Oktober 2015, weniger für »uns« als für die Flüchtlinge. Wir haben uns für sie gefreut. Ich jedenfalls. Hätte man sie in Österreich steckenbleiben lassen sollen? Ich finde nicht. Die Folgen hätte dann Österreich gehabt. Man stelle sich vor, Bayern hätte die Flüchtlinge an der nächsten Landesgrenze zu Thüringen oder Baden-Württemberg auf die Felder gefahren. Geht doch gar nicht.
Für einmal hat ein Staat – Frau Merkel – anständig gehandelt.
Jetzt so zu tun, als sei dieses Jahrzehnt-Ereignis der Sündenfall des Abendlandes (oder der CDU) ist Quatsch, fördert Streit ohne weiterzuhelfen. Was verkorkst war und ist, das ist die EU samt ihren Regeln im Umgang mit Flüchtlingen. Dazu kommt Murks deutscher Ämter, die deutsche Kleinstaaterei, das Weiterköcheln der Krise auf kleiner, unbeachteter, vergessener Flamme. Der Vertrag mit der Türkei vom Mai 2016 wird’s schon richten bis zum nächsten Wahl. Jedenfalls was die Zahl der Flüchtlinge angeht hat das bislang auch funktioniert. Das Problem wurde mit Geld »erschlagen«.
Bleibt immer noch der Umgang mit Menschen in den Ämtern. Dass die Regeln zu kompliziert sein könnten, daran denkt keiner. Wenn Flüchtlinge (oder einfach Möchtegern-Einwanderer) jahrelang ohne Sicherheit über ihren Status hier leben, dabei nicht arbeiten dürfen, aber kostenlos heilbehandelt werden, dann wären die ja dumm, wenn sie nicht so lang als möglich hier blieben. Man lese »Asylsuchende in Deutschland: Klagen, um zu bleiben«.
Fast jeder abgelehnte Asylbewerber in Deutschland klagt gegen den Asylentscheid: Das Gerichtsverfahren ist für den Kläger gratis, er ist versorgt, und vor allem gewinnt er Zeit. In den deutschen Verwaltungsgerichten hat sich ein Berg von 400 000 Asylverfahren angehäuft.«
Anfang 2018 am Walserberg: Grün Stau für Pkw, blau Lkw.
Und freilich gibt es hier dann auch »Zurückweisungen«,
das müsste sogar Berlin wissen! Mehr beim nächsten Bild.
Was ist inzwischen an den deutschen Grenzen los? Die EU möchte gar keine Kontrollen. Allerdings werden Warentransporte sehr wohl kontrolliert, schon wegen unterschiedlicher Mehrwertsteuern, Zoll vielleicht und sonstiger Vorschriften. Ferienreisende Bürger merken das freilich nicht. Oder doch? Oder nur Skiläufer? Jänner 2008: »Bis zu eine Stunde Stau vor dem Walserberg«. Da sind mir doch alle Nachrichten über den »freien Verkehr in und nur dank der EU« fake News.
Im Detail scheint das ein Art. 20 Abs. 4 Dublin-III-VO zu regeln, 2015 kommentiert. Da geht es einfach um die »Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. 2013 L, 180/31«, abrufbar unter http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUri-Serv.do?uri=OJ:L:2013:180:0031:0059:DE:PDF.«
http://j.mp/2MVftOS 21.6.2018. Matthias Fornoff moderiert statt Maybrit Illner, daneben die österreichische Außenministerin Karin Kneissl. Auf die Frage nach »Zurückweisungen« (14m30s) antwortet sie (14m11s) » … Wir haben in der Vergangenheit schon Zurückweisungen an der deutsch-österreichischen Grenze gehabt. Wir können damit umgehen.« Österreich sei auf Zurückweisungen vorbereitet. (Bild klickbar)
Das menschliche Problem der EU ist die unnötige Niederlassungsfreiheit – hier mehr dazu.
In der Tat macht Deutschland Grenzkontrollen, natürlich! Doch wieder ein Kuriosum: Die Länder – also auch Bayern – dürfen die Grenzen nicht »kontrollieren«, da ist nur die Bundespolizei zuständig. Bayern dürfte vielleicht die Grenze nach Hessen kontrollieren, ich weiß nicht. Deutschland, deine Polizeien!
Also können »die Bayern« gar niemand nicht an der Grenze zurückweisen, wie ihnen der Gewerkschaftsvorsitzende der Bundespolizei klarstellt, hier. Kein Wunder, dass das den »Freistaat« wurmt.
Und der aktuell wieder aus Eis gelegte Bayrische »Meisterplan« sieht ja keineswegs generelle »Zurückweisungen« vor, sondern nur von solchen Ausländern, die schon in einem anderen EU-Land beim Asylantrag ihre Fingerabdrücke hinterlassen haben. Ein Durcheinander. Wir wissen überhaupt nicht mehr, wer bei uns im Land ist. Das ist die Schlamperei … oder richtiger: Das war von unserem Behördenapparat nicht zu bewältigen, weder schnell noch ordentlich.
Lassen wir also ruhig CDU und CSU sich hinter verschlossenen Konferenztüren getrennt oder mitsammen streiten. Wir haben jahrzehntelang auf eine ordentliche, geordnete, bedarfsgerechte Einwanderungspolitik gewartet, haben jahrelang das Flüchtlingsproblem – überhaupt die »Integration« – vor uns hergeschoben, da werden wir das nicht in vierzehn Tagen lösen.
Wenn, dann liegt die Lösung in Afrika, meine ich, langfristig in Geburtenregelung, und habe aber auch kein Patentrezept. Afrikaner sollten in Afrika Arbeit haben, Entwicklung, Zukunft.
Jedenfalls reicht es nicht, Populäres als Populismus abzukanzeln. Alternativen werden nicht ungefährlicher, wenn man sie zu verdrängen versucht.
Was ich beschreiben kann, persönlich, ist, wie’s früher gut ging und war.
Das ist meine unbefristete »Aufenthaltserlaubnis für die Bundesrepublik Deutschland einschließlich des Landes Berlin« vom 27. Juni 1969. Damals war ich 27. Als Schüler – ich kam mit zehn Jahren nach Deutschland – brauchte ich die Genehmigung Österreichs, nach Deutschland reisen zu dürfen, und die Deutschlands, dort zur Schule zu gehen, also einen auch für Deutschland gültigen Reisepass und ein Visum für Deutschland. Das wurde an der Grenze bei der Aus- und Einreise geprüft. Das Visum musste man sich vorher besorgen. Für Österreicher war das wenig problematisch, die Regeln mussten aber peinlich genau eingehalten werden.
(Fast) den ganzen Pass finden Sie übrigens auf www.Siebenfahr.com/Pass1968.pdf.
Ein paar Erläuterungen.
Seite 4: Dass der österreichische Pass »für alle Staaten der Welt« galt, war nicht immer so. In den Fünfzigerjahren war mein Pass nur für Italien und Deutschland gültig, in Österreich natürlich auch.
Seite 6: « Resia » ist der Reschen(pass).
Seite 7: Für jede einzelne Fahrt durch die DDR brauchte ich ein »Transitvisum«. Das Visum bekam man nicht in Westberlin, sondern nur in der »Hauptstadt der DDR«, Ostberlin, dem »Ostsektor«. Nach Ostberlin konnte ich mit meinem österreichischen Pass immer für einen Tag einreisen, auch während dem Bau der Mauer.
Seite 10: Ich hatte ein SB-1-Visum für die USA, eine Greencard, hier zu sehen.
Genug.
Link hierher http://j.mp/2HQWKkn =
https://blogabissl.blogspot.com/2018/06/deutschland-deine-grenze.html
Ein Panoramablick auf unseren blühenden Garten in Bonn
Eigentlich noch ein Arbeitstag, jedenfalls für Gisela. Es gelang ihr allerdings, etwas früher aus dem Büro zu fahren. So kamen wir beide (ohne Carla) um 16.45 in Bonn mit dem Auto los (Tacho km 80795). Die vielen Kisten, Taschen und Pakete hatten dann doch alle leicht gepasst in den Kombi, obwohl wir jedesmal meinen, diesmal wird’s zu viel. Das Navigationssystem prognostizierte zunächst eine nächtliche Ankunft am Hof um 0:28 Uhr, korrigierte sich dann bis auf 3:10, was auf ausgedehnte Staus schließen ließ. So schlimm ist es dann aber nicht gekommen: Bis wir die Staus erreichten, waren sie wohl schon wieder aufgelöst. Und von den neuen Störungen erlebten wir glücklicherweise immer nur den Anfang: Ein Auto am Dach hinter Aschaffenburg, eine Frau, die im Altmühltal bei Greding am Mittelstreifen im strömendem Regen schreiend ihrem Hund nachlief – vielleicht, jedenfalls hielt weiter vorne jemand einen Hund fest und winkte verzweifelt. Phantasievoll ratend und schlechten Gewissens sind wir weitergefahren. Kurz vor München übernahm Fritz das Steuer, zur Nachtfahrt. Tanken in Angath in Tirol: Diesel ist in Österreich inzwischen etwas teurer als in Deutschland. Unterhaltung mit Bus-Fernfahrern. Über Bozen dann auf den Hof, an um 1.17 Uhr (81640 = 845 km; 8h 32'; Ø 99 km/h).
Schnell die Taschen mit den Kleidern und dem Waschzeug aus dem Auto, Betten überziehen, SMS schicken, schlafen. Eine wunderbare Ruhe.
Samstag, 31. Juli 2010, erster Einkauf im Dorf
Vormittags ins Dorf, erst Brot, Blumen (teuer und schlecht), dann Zeitung, Grab (gut gepflegt), Kaffeehaus, Spar (der mittags offen hat). Nachmittags am Hof, der Verwalter kommt mit seinem Sohn. Sie montieren uns den Kugelgrill. Kleine anderweitige Reparaturen, die Gläser der Grablaterne etwa oder Fritz’ Nachttischlampe. Abends draußen am Hof essen mit den Pächtern.
Sonntag, 1. August 2010, wieder Kirche und Carla
Wie es sich gehört um halb Zehn ins Hochamt ins Dorf. Unser alter Pfarrer, der so deutlich und so durchschnittlich predigt, dafür die Messe samt Monstranz in einer Dreiviertelstunde schafft! Das allerdings ohne weithergeholte Fürbitten und friedlich-peinliches Händeschütteln, wie in Bonn gängig. Gedenken an kürzlich Verstorbene, vor allem den 21-jährigen Elektriker, den hier am Freitag eine Betonplatte unter sich begraben hatte.
Danach im Kaffee Kirchplatz bei Zeitungen (Sonntags-Bild und Alto Adige) auf unsere Tochter gewartet, auf die »Lösegeldübergabe«, wie wir’s genannt haben. Pünktlich um zwölf kommen Bs. Große Freude, gutes Essen beim Höllriegl. Kaffee und Kuchen, später Frizzante Rose für die Damen bei uns am Hof (La Gioiosa et Amorosa. Pinot Rosa. Marca Trevigiana. Frizzante. 10,5 Vol.-%., 750 ml € 2,09, EAN 8006805035010)
Nachmittags am Hof, die Bauern heuen, dann kommt der Jagdpächter vorbei, wir improvisieren einen Imbiss mit Käse und Wurst. Das voriges Jahr hier von uns beobachtete »Schmaltier« war ein zwölf Jahre alter Hirsch gewesen.
Nachts tippt Fritz Tagebuch, speichert ein paar Bilder ins Netz. Bei 33 kbit/s Modemgeschwindigkeit und Uploads mit effektiv 22 bis 25 kbit/s eine Geduldprobe. Am Montag kommt von der Dolomiten-Redaktion der Artikel für Mittwoch zum Prüfen, PDF, 3,14 MByte. Den Kaspersky schalte ich schon einmal aus, der sich immer vordrängt mit seinen »Updates«.
Montag, 2. August 2010, Dorf-Amtliches
Fritz ist ins Dorf und die Mädels sind allein im Haus, Carla tanzt mit dem Besen bei aktuellen Hits durch die Stube. Fritz zum Forstamt, Elektrosachen kaufen, frisches Weihwasser holen, beim Bürgermeister vorsprechen (Dank für die Kurvenspiegel, und ja, die Straße soll möglichst noch heuer wieder geteert werden), offizielle Müllbeutel holen (große kosten insgesamt € 9 pro Sack), Bank. Um elf Ablösung. Gisela und Carla fahren ins Dort, zum Spar, die hiesige Bancomatkarte ausprobieren. Geht. Fritz sieht sich an der Tanzbachbrücke um, die Durchforstung der Noagwies – die längst keine Wiese mehr ist –, die Öde unter der Staatsstraße. Da fehlt Humus.
Nachmittags am Hof. Das Umschalten vom Strom für den ersten Stock (vormals Max, abgemeldet) kann ich doch nicht selbst weil bei uns Phase und Nulleiter vertauscht sind. Wie also verbinden? Der Hauselektriker kommt recht spontan am Abend vorbei. Die »Phasen« kann man ruhig tauschen, der Nullleiter wird hier nicht geerdet. Er schaffts im Handumdrehen. Und stellt sich als der nette Mann von Afingsbruck heraus (oberhalb Halbweg), mit Energiesparhaus, Beerenzucht und netter Großmutter, siehe Tagebuch HofSommer06.doc und 1. August 2006. Das sitzen wir noch ein bisschen zusammen.
Dienstag, 3. August 2010, Abschiedsessen im »Mondschein«
Am Vormittag gehe ich mir auf der alten Straße vorne herauf den »Kastanienhain« ansehen. Die Förster haben dort ein großes Stück Dickicht wieder zu einem ansehnlichen Gebiet gemacht, sogar samt neuem Trog! Das alte Winterwasserhaus, lang schon nicht mehr in Betrieb, verfällt. Carla kam erst unter Protest mit, kehrte dann, wo’s steil und weglos wurde (und Brennnesseln standen) verzweifelt um. Schade.
Nachmittags ging’s nach Bozen, ich hatte eine Verabredung mit einem Architekten und bummelte dann noch durch die Stadt, Gisela und Carla shoppten. Dank Mobiltelefonen haben wir dann noch unsere Freunde am Waltherplatz getroffen, wanderten in die Bindergasse und haben dann gut und schön im Mondschein-Garten gegessen; die Kinder spielten im zugehörigen kleinen Park Flug in den Urwald auf der Hollywoodschaukel.
Mittwoch, 4. August 2010, hinauf in den Wald
Hinauf in den Wald, den Waldarbeiter suchen. Außer seinen Traktor haben wir nichts gefunden. Dafür haben wir alle Wege abgefahren. An der Grenze zum Ritten eine Blindschleiche, die sich immer nur windet, statt zu fliehen. Ob sie verletzt war? Carla fährt zurück im Kofferraum, aus Spass.
Am Nachmittag, nach ausgiebigem Mittagsschlaf der Damen (und ich hab’ die Klospülung in der M3-Wohnung repariert, dort gesaugt und gekehrt), haben Carla und ich Äste geschnitten und abtransportiert. Dann hat Gisela Abendessen gemacht, »Jägerfrikadellen«, Soße und Kartoffeln. I. und M. sind da, werkeln in Stall und auf der Wiese, die Sense wird gedengelt, wer kennt das noch?
Donnerstag, 5. August 2010, Meran
Wir sind beide früh auf, was so etwa sieben Uhr heißt, Carla noch nicht. Es gießt. Der Regenmesser zeigt frisch nur 1 bis 2 mm Regen. Dennoch Pfützen am Hof. Und wir haben vergessen, Tisch und Bänke hochzuklappen. Macht nichts. Hier wechselt das Wetter schnell, und selbst bei Regen ist der Blick ins Tal schön. Schön grün und satt und ruhig, im Mittelgrund ein paar Nebelschwaden, glänzende Wassertropfen nahdran. Das Telefon ist nach wie vor kaputt. Ich komme mir wie amputiert vor, mit nichteinmal einem Telefon. Dann geht gar nichts mit Bildern ins Netz oder einfachen Mails. Die Mobilfunkverbindung, die ich gestern Abend noch getestet habe, geht über den Netzbetreiber Wind (mit bis zu zwei Strichen 20 m oberhalb vom Hof) gut und vermutlich teuer (»gehört nicht zu den Vertragspartnern«) mit bis zu 8 kbit/s, und über Tim (Gisela hat da ihren dienstlichen Spezialtarif) praktisch gar nicht: 1 kbit/s. Also alles zurück zum Blackberry. Was damit geht, gut, sonst halt »Funkstille«.
Am Vormittag sind wir dann nach Meran gefahren, nicht ohne Ärger über die hintere Stoßstange, die ich dann doch nicht so angekratzt hatte, wie ihr Schaben und der Aufschrei Giselas es hätten vermuten lassen. In Meran muss man den Parkplatz »Kornplatz« ansteuern, modern und Lauben-nah. Bei strömendem Regen allerlei Einkäufe und ein Imbiss, Treffen in der Kirche. Ich rief die Telefonstörung an, was stets ein längerer Prozess ist, doch für mich bereits Routine mit vorwegeilenden Tasteneingaben. Für Samstag war die Reparatur versprochen, als wir aus Meran zurückkamen, bereits erledigt. Ein Lob der Telecom! Meran, fanden wir, ist eine weitere (und von hier schon mittelweite) Reise nicht wert, wenn man Bozen vor der Haustür hat. Übrigens bewährt sich unsere neue, preiswerte Waschmaschine (knapp € 340).
Am Hof sind wir Nebel-eingehüllt. Morgen soll wieder die Sonne scheinen! Und Birte kommen.
Freitag, 6. August 2010, im Wald
Nur 15 Grad hat’s in der Früh. Nach dem ergiebigen Regen gestern (hier gemessen: 32 mm) und vorgestern (8 mm) hat es abgekühlt. Unten im Tal rauscht wieder die Talfer, braun, vom ungewohnt vielen Wasser, darüber Nebelschwaden, in der Ferne oben die Wolken schon in der Sonne. Ich schlafe zu wenig, und doch haben wir nicht gehört, wie Birte und Matias in der Nacht um halb drei angekommen sind, leider. Carla, die auf sie sehnsüchtig gewartet hatte, auch nicht. Dafür verkündete sie’s mir gleich um sechs Uhr früh. Sie hat die Gewohnheit, mich sie zurück ins Bett begleiten zu lassen).
Nach einem guten, gemeinsamen Frühstück in der Stube sind wir wie geplant um zehn mit zwei Förstern in den Wald gefahren. Zuerst ganz hinauf zum Sag Bödele, einer alten Quelle am Rand unseres Gebietes am Ritten. Viele Zirben. Reifes Holz. Leider zahlreiche Käferbaume, Anlass für uns, dort rasch einen kleinen Schlag mit Seiltrasse hinunter zum Höhenweg auszuzeichnen zu wollen. Das mögen dann 150 bis 200 fm werden.
Dann zurück zu den Holzarbeitern am Höhenweg. Sie arbeiten gerade an den bereits ausgezeichneten 110 fm, zum Teil Käferbäume außerhalb der Klepp unter der Straße, zum Teil oben zwischen Höhenweg und Lägerle bezw. Spraiter-Gebiet. Geschlagen darf erst am August werden, die Holzfäller haben dann viel zu tun und sind nicht leicht zu bekommen. Außerdem muss man schon wissen, wer das Holz kauft, um es von vorne herein für das Sägewerk auf die gewünschten Längen zu schneiden. Also mussten wir uns schon entscheiden, wem wir’s verkaufen: wieder der Säge hier im Tal.
Dann sind wir sechs bei der Jagdhütte (ehemalige Seilbahnhütte) am Höhenweg hinunter zu den Schragen gegangen. Auf der Schattseite hinunter von der Brunnwies viele, fast unerreichbare Windwurfbäume, zum Teil schon mit dem Käfer drin. Auch da werden wir auszeigen müssen, vielleicht 200 bis 300 fm. Das junge Paar lief zurück, das Auto auf den oberen Stall hinunterzufahren. Dorthin bin ich dann mit den Förstern und Carla die Schragen hinuntergegangen. Vom Ende der Brandtlerstraße oder von der Serpentine des Italienerwegs werden wir eine Straße in die Schragen bauen müssen, damit das Gebiet dort erschlossen werden kann.
Am Nachmittag sind wir, die Förster und ich, dann vom Hof aus noch einmal hinaufgefahren, um von unserem Holzfäller zu erfahren, ob er das Holz von dort bringen kann. Gott sei Dank! Für kommenden Donnerstag, 12. August, 9 Uhr ist die Auszeige angesetzt. Davor können die Förster als Fachleute noch überlegen, wo die beiden Transportseile gespannt werden sollen, damit wir die nötigen Schneisen mit auszeigen.
Nach der Arbeit ging unser Pächter noch mähen, unsere steilste Wiese, die Leite. Zwar ist das Gras dort schlecht und teils schon recht trocken, trotzdem. Weil die Einachs-Mähmaschine immer rutscht, erfordert die Arbeit Kraft und Konzentration, ist auch nicht ganz ungefährlich.
Am Abend hatte Gisela Schweinebraten mit Reis, Sauce und Kochgemüse (»Succatash«) gemacht, der Mäher war mit eingeladen. So waren wir zu sechst, haben gut gegessen und zum Teil noch bis zehn fröhlich beisammengesessen, obwohl alle müde waren
Samstag, 7. August 2010, Boxis kommen, Grillfest.
Vormittag am Hof. Ich schneide die uralte, ganz verschossene Glyzinie weg, die Damen machen sich mit Perlen Armbänder, dann sortiere ich Fotos und schreibe Tagebuch. B. und M. sind hinauf auf den Berg, bis zur oberen Wies, und finden am Jagersteig Pfifferlinge. Albert, der Jagdaufseher, kommt und der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr: Am Dienstag machen wir die Feuerwehrprobe. Er hat ein Baugeschäft, interessant.
Nachmittags, gegen halb sechs, kamen die Boxis nach langer Fahrt von Bonn. Die Münchner Ostumfahrung war voll, also fuhren sie durch München und dann über Garmisch, Mittenwald. Eine schöne, aber lange Fahrt. Ich schiebe wieder eine Portion Bilder ins Netz, ein paar Stunden online, und verteile eine neue Version des Tagebuchs. Dem Kaspersky-Virenscanner werde ich endgültig verbieten müssen, Updates aus dem Netz zu ziehen: Täglich drei Megabyte, das ist ätzend.
B. und M. hatten den Pächtern versprochen, ihnen beim Heuen zu helfen. Auf der steilen Leite bei der Hitze eine schweißtreibende Tätigkeit, alles ganz von Hand. Nur der Heutransport – eigentlich ist’s die zweite Mahd, also »Grummet« – ist allerdings hochmodern. Das Heu wird in große Tausend-Kilo-Zuckersäcke gestopft, und dann werden die Säcke, immer gleich mehrere, mit der Seilwinde des Traktors hochgezogen und gleich weiter in den Stadl gefahren. Statt mühsamer Heu-Tragearbeit in Leintüchern bis zum nächsten Weg, wie noch vor ganz wenigen Jahren, mechanischer Transport. Ich gehe mir das von hinterm Stadl ansehen, und rufe dann die bereits Veneziano-trinkenden Herrschaften, besonders die Kinder, dazu. Zum Schluss sind alle am Rechen, Sammeln, Staunen oder über die Wiese rutschen, und das gesammelte Heu ist eingefahren. Die Pächter haben dann noch am Sonntag den zweiten Teil, den vorderen, mit ihren Gästen eingefahren. Kein Regentröpfchen hat’s getrübt. So soll’s sein.
Alle mitsammen haben wir dann angegrillt, das heißt, ich hab bei gutem Südwind den neuen Kugelgrill eingeweiht, G. hat kleine (Nürnberger) und große (Brat-) Würste, Schweinssteaks und mariniertes Roastbeef aufgelegt, dazu gab’s Kochkartoffeln, selbstgemachte Peperonata, Salat und interessante Saucen and zwei langen Tischen. Mit den Kindern waren wir elf!
Sonntag, 8. August 2010, ein kapitaler Bock, Kirche, Dorf und Abreise von B. und M.
Wie es sich für einen Sonntag hier gehört, fährt die Familie fein gemacht ins Hochamt um halb zehn. Unsere Gäste haben sich alle angeschlossen. Sogar für ein Frühstück hat die Zeit noch gereicht. Nur: Wir wurden unterbrochen, ein unangemeldeter Frühbesuch, noch vor der Abfahrt ins Dorf zur Kirche. Albert und E., der Weidmann, waren extra gekommen, uns den schönsten Rehbock, den man hier seit langem gesehen hat, zu zeigen. Schön drapiert und noch ganz weich und warm in Fell lag er da, in der Wanne im Kofferraum, zum Stolz seines Jägers. Auf der oberen Wies war er gegen sieben mit zwei Schüssen korrekt erlegt worden. Große Freude aller. Ein schönes Geweih, das sah auch ein Laie.
Zur Kirche sind wir trotzdem noch rechtzeitig gekommen, haben sogar beim Nachbarn am Osterbach auf der Straße ein Reh gesehen, das sich über die Leitplanke in Sicherheit brachte. In der Kirche sang der Chor. Der (neue) Pfarrer schritt die Kirche ab, verteilte Weihwasser, und dann gab’s Weihrauch, dass der Altar vernebelt war. Wie hier üblich gelang die Messe trotzdem in 39 Minuten, unsere deutschen Gäste waren »fassungslos«. Bei ihnen läuft eine Messe eineinhalb Stunden. Kurz vor dem Kommunion kommt dann der Altpfarrer von hinten durch die Kirche zum Altar, um mit auszuteilen. Bis dahin sitzt er hinten im Beichtstuhl. Fromme Sitten wie ich sie bei uns in Bonn nur mehr von den Polen kenne.
Danach besuchten wir das Grab der Großeltern. Kaffee im Kaffee Kirchplatz (Dolomiten, Bildzeitung, Alto Adige), frühes Mittagessen beim Höllriegl, und zurück zum Hof. B. und M. fuhren um halb drei weg, ab über den Brenner. Wir trödelten herum, die »Slackline« wurde gespannt, ein Badminton-Netz, und die Kinder wollten nicht zum Nachbarn wandern, natürlich. Am Abend kam ergiebiger Regen, der uns beim Abendessen am Hof verscheuchte. Danach doppelter Regenbogen über dem Sam.
Montag, 9. August 2010, Bozen, Baden im Osterbach
>Vormittag blieb D. mit den Kindern am Hof – vor allem die Slackline hat es ihnen angetan. Eine Zirkusvorführung mit Clown, Seiltänzer, sogar Tiger wurde einstudiert. Die Frauen fuhren mit mir nach Bozen, ich trennte mich, wanderte ein Stück über die Talferpromenade am Schloss Martesch vorbei, ging zu meinem Architekt Nr. zwei, dem italienschen, fand dann eine Adresse für Obstbäume (Hafner Franz & Armin, Baumschulen, Pillhofstr. 27, Frangart 0471-633361, 3357477790, 3356752200, www.Hafner.Bz.It) und landete schließlich bei unserem Jäger, um ihm die Foto aus meinem PC zu übertragen. Inzwischen riefen die Damen an; sie saßen vornehm im Stadtkaffee am Waltherplatz. Danach wollten wir eigentlich zurück auf den Hof fahren; die Suche nach einer Tönung zog die Abreise aber hin, dann noch Einkauf beim Bindergassen-Spar, und endlich ab aus der Hitze.
Nachmittags fuhren Boxis und die Kinder zum Osterbach. Es muss aber ein kühles Vergnügen gewesen sein. Abends gab es wieder zu gut und zu viel zu essen: Brathendl mit Reis und Pilzsauce, dazu unser neu entdeckter Rosé spumante. Unser Verwalter schaute vorbei. Wir wollen die Ausbesserung der Fenster vorantreiben. Vor dem Zubettgehen schauen die Kinder noch Sterne, Boxis haben ein Teleskop mitgebracht. Der Himmel ist allerdings großteils bewölkt. Die heutige Dolomiten auf Seite drei unter einem Grauviehkalb: »Im wahrsten Sinne des Wortes Sommerfrische fürs Vieh: Zu trocken und zu kalt ist es derzeit für Kühe und Kälber aus Südtirols Almen.« Da werden Schlachtvieh billig (z. Zt. 70 Cent/kg) und Heu teuer werden (»Heuer liegen wir also ganz sicher über 20 Cent fürs Kilo Heu.«).
Dienstag, 10. August 2010, Klettergarten, Feuerwehrfest fällt ins Wasser
Tagsüber trennten sich die Wege: Während alle anderen zum Klettergarten in Terlan fuhren und dort lange begeistert in luftigen Höhen schwebten, blieb ich hier am Hof, telefonierte herum, hing die Wäsche ab, und begleitete vor allem die Förster zum Sag Bödele. Dort musste vor der Auszeige der Bäume eine Trasse für das Förderseil geplant werden, so, dass unten und oben große, feste Bäume zum Festmachen stehen, dass unten Platz für das Holz ist, dass wir nicht über Nachbars Land kommen (ein wenig schon, beim »Eck« der Grenze am Sag Bödele. Die Försterin hatte sogar ein GPS-Gerät mit, in dem allerdings die Grenzen nicht der Realität der Grenzsteine am Boden entsprechend eingezeichnet war. Nach der Planung von drei Varianten einigten wir uns auf die erste, relativ schräge. Bis hinauf auf den Sam kommt man eh nicht.
Wurde Holz früher bevorzugt von oben auf eine Straße darunter getrieben, so hat sich das heute umgekehrt. Heute holt man das Holz schonend mit dem Seil von unten herauf. Wege sollten also tendenziell oberhalb des zu erschließenden Gebiets verlaufen, nicht, wie früher, unterhalb.
Am Abend kam der Hydrauliker wegen dem neuen Anschluss des öffentlichen Wassers. Die Feuerwehr kam dann nicht (obwohl wir so viel Speck und Käse bereitgestellt hatten), drinnen im Dorf hatte ein Gewitter Keller überschwemmt. Da war die freiwillige Feuerwehr nicht mehr frei.
Mittwoch, 11. August 2010, Gardasee, Besuch Bruder mit Sohn
Unsere Gäste sind mit Carla zum Gardasee gefahren, haben aber nach der Sarca-Schlucht dann keine Lust mehr gehabt, die Westseite hinunterzufahren, zumal sie ohnehin nach Bardolino wollten auf der Ostseite. Die spektakuläre Anfahrt hatten sie trotzdem, weil sich sich schon in Arco links wandten. Und drei Kinder im Heck sind nicht zu begeistern für reines Sightseeing, eher für Baden im See. Das ist ihnen dann auch gelungen. Zurück von Bardolino wurde noch ein Abstecher zu Signora Poggi, der Inhaberin des Weingutes LeFraghe in Cavaion Veronese unternommen, um die zur Neige gegangenen heimatlichen Weinvorräte wieder aufzufüllen. Nach einem Besuch des Mega-Hyper-Supermarktes "IperAffi" im gleichnamigen Ort ging es mit frisch erworbenem Prosecco direkt über die Autobahn wieder nach Norden in Bozener Gefilde.
Wir waren derweil am Hof, zu zweit, Ruhetag. Mittags kam überraschend mein Bruder mit seinem Sohn Harry. Sie hatten eine Zwei-Tages-Tour auf den Latemar gemacht und sind dann von hier – gestärkt von Speck, Käs und Kuchen – durch den Wald hinauf in ihr Quartier auf der Lentsch gefahren. Ich hab ihnen aufgemacht und bin dann vom mittleren Stall heruntergewandert – ca. fünf Eierschwämme, sonst nichts. Um Fünf kam der Fenstermann und hat aufgenommen, wo Scheiben fehlen oder beschädigt sind, wo nachgekittet werden muss (macht man heute mit Silikon), hat sogar am Dachboden die ganz heruntergekommenen Außenfenster von unserem Schlafzimmer gefunden und eingehängt.
Am Abend bin ich nach Jenesien gefahren und habe mir ein Funk-Internet angesehen, über das ich in den Dolomiten berichten will. Eine Speziallösung, um einsame Höfe und Gegenden ohne DSL anzubinden. Geht sehr gut, war allerdings hier nicht die Wald-und-Wiesen-Installation. (1700 bis 200 kbit/s Download, 300 kbit/s Upload, Ping-Zeiten um die 40 ms, € 30 inkl. MWSt./m. Dagegen war Mobilfunk ohne Chance.)
Donnerstag, 12. August 2010, Regen, Kastanienfest, Feuerwehrprobe
In der Früh hat es gegossen. Die Auszeige fiel also buchstäblich ins Wasser, ebenso das Reiten am Ritten für die Kinder am Nachmittag. Ich bearbeite Fotos, Mail und Tagebuch, Gisela bereitet Essen vor, weil heute das Feuerwehrfest klein nachgeholt werden soll und die »Kastanienfeier« steigt. Unsere Gäste fahren ohne die Kinder nach Bozen, das bei diesem Wetter und Ferragosto hoffnungslos überfüllt ist. Sie kämpfen sich im Stau um die Stadt zum Spar in der Industriezone durch. Dort gibt es gefällige Geflügelscheren für fünf Euro und Biernachschub für unsere Feiern, danke! Hier heroben spielen die Kinder in Zimmerhüttl und Stadt. Endlich einmal richtig spielen, ohne Elektronik oder Plastikfiguren.
Am Nachmittag kommen zuerst die Forstarbeiter, die am Roden des Kastanienhains unter der großen Kastanie beteiligt gewesen waren, dazu, ganz unaufdringlich, ein Chef, Dr. Heinz – na, sagen wir’s Google-feindlich rückwärts – Rettir. Wir gehen hinunter zum Lokalaugenschein, die große Kastanie wird vermessen: Umfang 7,80 m, entspricht einem Durchmesser von 2,50 m (ein weiteres altes Bild auf www.Joern.De/hof1950.htm). Dann gibt es am Hof einen kleinen Umtrunk mit Speck und Käse, mit Knabbereien, Haribo-Spaghettis und vor allem selbstgemachten Quiches und Kuchen von Gisela. Dem Land entsprechend, dem Ort und dem Anlass geht das in Ruhe, gemächlich und ohne Verlegenheit ab, etwas, was man sich in den hastigen Städten nicht mehr vorstellen kann. Ich erinnere mich an das angeblich türkische Sprichwort, wo man einem, der schnell wieder geht, nachsagt: Er steht auf wie ein reicher Mann. Hier ist man noch bescheiden, ob arm oder reich.
Wenige Stunden und einen Regenschauer später – die Bänke hatten wir ins Trockene gestellt – biegt kurz vor acht die Feuerwehr mit Blaulicht und einem Signal um die Ecke, zwei Wagen, von allen sehnlichst erwartet. Schnell werden Schläuche ausgerollt und vier Spritzen installiert. Zwei schützen das Wohnhaus, zwei löschen den Stadl bzw. spritzen dahinter in die Wiese, 800 l/min mit 8 bar. Die 20.000-Volt Leitung ist ungefährlich, weil das Wasser sauber und der Strahl zerstäubt sind. Das Wasser kommt aus dem Tankwagen, der wiederum aus dem neuen Hydranten nachgefüllt wird. Unser neuer Hydrant gibt gut Wasser, mit 5,5 bar, und ist überhaupt »der besten Hydrant im Sarntal«. Als das Feuer »gelöscht« ist, wird ordentlich am Hof Meldung gemacht, und erst dann gibt es zu Essen und zu Trinken und zu Reden. Unsere Feuerwehr im Dorf hat 60 Mann, die Sollstärke, Mädels werden keine genommen, sorry. Dreißig haben einen Piepser, bei Großalarm erklingt die Sirene, unvergessen jedem, der sie einmal zur Probe im Dorf gehört hat. Fast jede Woche ist mit einem Einsatz zu rechnen. Dann wird es dunkel, Kerzen leuchten am Boden, man redet so hin und her, und dann gegen halb zehn ist Zapfenstreich. Die Herren nehmen ihre schwere Ausrüstung wieder auf und ab gehts zurück ins Dort.
Freitag, 13. August 2010, Auszeige am Sag Bödele
Alle waren hier, zumal das Wetter eher kühl und regnerisch war. Am Nachmittag bin ich mit den Förstern, dreien, auch Martin war dabei, und Dirk hinauf auf den Höhenweg gefahren, dann das letzte steile Stück hinauf zum Sag Bödele zu Fuß. Mit dem Regen hatten wir Glück, es tröpfelte nur, die Kladde, die ich führte, blieb einigermaßen trocken. Trotzdem legte ich zum Schrecken aller einen unfreiwilligen Purzelbaum hin, als ich auf einem nassen Zweig ausrutschte. Die Bäume werden in Brusthöhe und natürlich mit Rinde kluppiert, das heißt mit einer Art Riesenschublehre gemessen; alle 5 cm beginnt eine neue Dickenklasse. Die wird dann dem »Schriftführer« zugerufen, getrennt nach Baumart und eventuell Zustand wie dürr. Der bestätigt den Zuruf und macht einen Punkt – oder einen Strich; ein Rechteck samt Diagonalen ist voll mit zehn Punkten. Und das je Waldwirtschaftsabteilung, hier 8 und 9. Auf die Gesamtmenge bin ich neugierig, es muss ziemlich viel sein. Es ist eine Gegend, zu der man nicht so einfach kommt, da nützt man die Gelegenheit eher aus. Sogar unser Nachbar will sich beteiligen und wird am Dienstag auszeigen.
Ich erwische mich immer wieder dabei, alte Geschichten zu erzählen. Wie früher die Bäume mühsam und kunstvoll mit langen Sägen gefällt wurden, wie dann gut gezielt mit dem Beil ein Kreuz in den Stock geschlagen wurde, wie … Ich sollte das sein lassen. Es sind immer dieselben alten Geschichten, Einzelheiten aus einem Gesamtbild, das vergessen und vergangen ist, und das so recht keinen interessiert. Es macht mich höchstens alt, wehmütig, rückwärtsgerichtet.
Überhaupt merke ich, wie schwer es uns allen fällt, hier, jetzt und da zu sein, den Augenblick oder doch wenigstens den Tag zu leben. Da dudelt Musik (heuer groß im Kommen: We No Speak Americano. Comm t pò kapì ki t vo ben, Si tu I parl miez american, Quann s fà l’ammor sott la luna, Comm t ven n’gap e t’ì i love you. Pà Pà l’americano), dort schmökert man ein Buch, jemand ruft an am Handy, eifrig werden SMS ausgetauscht, und selbst beim klassischen Waldspaziergang laufen die Gedanken sonstwo hin, meist nach anderswo. Gisela hat ihre Ausschreibung gewonnen, das erfährt sie von ihrem Chef, große Freude; ich schreibe ein Mail an unser neues Wasserkraftunternehmen hier, die SEL AG, sie mögen uns von den Hochspannungsmasten vor dem Hof befreien, bekomme mit, dass die Leitungen wieder an eine andere Firma weitergegeben worden sind, an eine SE Hydropower GmbH, und frage mich, ob dergleichen nicht wieder so ein Verscherbeln öffentlichen Tafelsilbers auf Kosten kommender Generationen ist, wie wir es aus Deutschland kennen. Nachts lese ich stundenlang »The Orientalist« von Tom Reiss und bin geistig zwischen Berlin und Baku, bei Emigranten (das Wort gibt es fast nicht mehr) und vergessenen politischen Wirren. Doch zurück zum Dort-Sein, wenn man doch hier ist. Vielleicht sollte ich wirklich eine Pilgerreise tun, um die Gedanken nachkommen zu lassen, aufholen in ein langsameres Jetzt.
Abends dann letzter Abend mit Boxis, die uns zu Pizza im Dorf einluden, beim Hofer. Vorher erwische ich noch meine Mutter am Telefon, die heute 91 wird.
Samstag, 14. August 2010, einer zur Messe, zwei zum Shoppen
Um halb Acht war im Dorf eine Messe für Paul Springer und seinen erst kürzlich verstorbenen Bruder, sehr gut, feierlich, und doch nicht übertrieben: 34 Minuten, keine Predigt, zirka 200 Leute. Vorher bin ich noch ans Grab gegangen und habe eine Kerze angezündet. Es war ein herrlich schöner Morgen, so schön, wie sie nur früh und nach Regenwetter sind, dabei zehn Grad frisch. Am Rückweg traf ich noch kurz Josef O. unten auf der Noag Wies beim Durchforsten. Dann letztes Frühstück mit Boxis, ihre Abreise über Bozen, weil die Kleine noch Ausmalhefte haben wollte, die es nur dort gibt … Oh, diese Stadtmenschen! Bald darauf zog es auch meine zwei Frauen nach Bozen, trotz des herrlichen Wanderwetters. »Mittags« um halb vier kamen sie wieder. Boxis besichtigten auf der langen Rückfahrt nach Bonn noch Schloss Linderhof und einen berggasthof in 900 m Höhe, bis sie erst um Fünf wieder loskamen und doch schon um halb elf zu Hause waren; Regen auch dort.
Ich verlegte inzwischen unter dem lecken Trog eine Abflussrinne, ließ zwei Wäschen laufen und hing sie auf, stellte oben die Uhr am Herd, was man so tut, wenn man Zeit hat.
Nachmittags buk Gisela einen Kuchen, Pfirsiche drauf und bestrichen mit heißer Aprikosenmarmelade aus der Mikrowelle, wunderbar. Etwas Gries im Teig, meinte sie, sei der Trick. Abends fing es dann wieder zu regnen an. Wir spielten zum ersten Mal »Dolopoly«, das Monopoly der Dolomiten, und hatten unsere Freude dran.
Sonntag, 15. August 2010, bei »Strobls«
In der Nacht hat es wieder ausgiebig geregnet und gewittert. Weil wir gestern so lange aufgeblieben waren, zudem mit schlechtem Wetter gerechnet hatten, haben wir erst gar nicht versucht, uns zu den ausgiebigen Mariä-Himmelfahrt-Feierlichkeiten im Dorf aufzumachen. Schade.
Vor zwölf sind wir dann nach Jenesien gefahren, mit dem Kuchen und einer Flasche Sekt. Dies und wir kamen gut an. Helmut hatte schon den Grill heiß, die Kohlen perfekt am Glühen, und briet das schönste und dickste Stück Rindfleisch, das wir seit langem gesehen haben, dazu Lammstückerl und Würste. Sie hatte feinen Salat, Bratkartoffel und vor allem Vorspeisehäppchen gemacht, ein Genuss! Mit dem Wetter hatten wir auch Glück; wie am Tag davor begann es erst am Nachmittag zu regnen, am Ende wieder so ausgiebig. Erst gegen sieben waren wir wieder am Hof, hatten uns gut unterhalten, und waren wohl beisammen. Carla hat sich gut gehalten, die meisten Zeit ohne elektronische Unterhaltung, nur mit Probieren der alten Stöckelschuhe der Gastgeberin. Ein Paar durfte sie sogar behalten. Passt schon.
Danach hier gleich wieder eine Runde Dolopoly, bis gegen zehn, dann ins Bett.
Montag, 16. August 2010, Auszeige auf den Schragen
Wieder einer dieser anfangs klaren Tage, der nachmittags und vor allem abends in Regen übergeht. Am Nachmittag war die zweite Auszeige, die bei den Schragen beziehungsweise unter dem Brunnwiesel, angesetzt. Wieder war Martin dabei, wir fuhren hinauf auf den Höhenweg, und fanden dann sehr viel Schadholz – meist Sturmschäden – fast bis hinunter auf den Italienerweg. Mit dem Wetter hatten wir Glück in dieser steilen Gegend (ich sogar mit einem wunderschönen Steinpilz). Vielleicht sollte eine andere Seiltrasse gezogen werden, statt herunter vom Höhenweg (und dann der weite Transport über den Ritten) vom Italienerweg hinauf. Das wollen sie sich kommende Woche mit dem Holzfäller ansehen. Gisela und Carla fuhren inzwischen ins Dorf. Der morgige neunte Geburtstag von Carla zieht sozusagen endlose Vorbereitungen vor sich her.
In der Nacht habe ich dann noch ein liebevoll mit dem Ipod gefilmtes Geburtstagsvideo von Carla für Birte auf Youtube hochgeladen, eine knapp 40 Megabyte große MP4-Datei (BirteGeburtstagCarla.mp4 35,9MB). Bei der hiesigen Modemgeschwindigkeit von nominal 34,6 kbit/s dauerte das fast sechs Stunden; bis 100 % mussten 43 MByte hoch- und sonderbarerweise 6,6 MByte heruntergeladen werden, ca. 10 MByte/h; danach ging es weiter, doch wozu? Ich weiß nie, welcher Prozess eigentlich welche Daten überträgt, und das bei all dem Gerede über Internet-Sicherheit! Das Video steht seit auf www.youtube.com/watch?v=VToF3EynqQ0&hd=1, ich hoffe wenigstens. Scheinbar hat Youtube schon das nötige Drehen um neunzig Grad mit erledigt, um das ich mich hier vorher vergebens (mit Virtualdub) bemüht hatte, weil ich nicht das neueste Picasa am Rechner habe, das das kann. Zwischendurch stürzte der Rechner ab, usw.
Dienstag, 17. August 2010, Carlas 9. Geburtstag, Trient, Fest
Kurz vor Neun sitzen wir in der Stube am großen Tisch, Carla hatte schon ihren ersten Anruf (von Birte) und dann im Nachthemd ihre Kerzen am Geburtstagskuchen ausgeblasen, und packt jetzt einen Harry-Potter-Artikel nach dem anderen aus, bis hin zu einer Internatskrawatte. Draußen ein schöner Gebirgstag; der Förster hat angerufen, dass wir schon den 2010er-Zuschuss für die Holzbringung mit Seil beantragen sollen, weil unser Holzfäller (der übrigens und richtigerweise zu zweit arbeitet) mit der Partie um den Höhenweg fertig ist. Die nächsten werden sich wohl bis 2011 hinziehen.
Bis zur Abendeinladung für Carla hatten wir Zeit, Zeit, um ins nahe Trient zu fahren. In rund einer Stunde ist man dort, von Bozen aus gemütlich auf der Autobahn durch endlose Apfelplantagen, immer wieder hin und her über die Etsch, rechts und links die steilen Felsen mit den trockenen Wäldern der Salurner Klause, von Alters her Sprachgrenze zwischen Italienisch und Deutsch, heute Provinzgrenze. In Trient führte uns die Navigation gut zum Schloss, Castello del Buonconsiglio, Eintritt € 7 bezw. gratis für unter 18-Jährige und Presse.
Im Schloss war eine weitläufige Glasausstellung, von den schönen Fresken und interessanten Räumen beinahe ablenkend. Interessante Filme aus Murano, kitschiges und weniger kitschiges Glas die Fülle, dann der schöne Blick aus dem Treppenhaus, die alten Gänge, der Innenhof mit der Loggia und wieder ihren Fresken; schön, ein schon öfters besuchtes Schloss zu besuchen. Wir verloren uns immer wieder, zum Glück gibts Handys. Seitenblicke auf Italiens Helden (und Österreichs Deserteure, i. e. Cesare Battisti) nur für den, der darauf sein schowinistisches Augenmerk richtet, gewiss nicht für aktuelle Touristen. (Viktor Emanuel am 9. 11. 1918: … Oh Soldaten und Matrosen, schon jetzt segnen euch die antiken und die jüngsten Märtyrer und die Kommilitonen, die an eurer Seite gefallen sind, auf dass ihr Blut nicht umsonst für euch vergossen ward, und das ganze Vaterland jubelt euch zu, denn für euch wurde sein Ziel erreicht; und euer König drückt euch das Wort der Dankbarkeit mit tiefer Bewegung des Gemütes aus, das sich zu euch aus dem Herzen des ganzen Volkes Italiens erhebt. (… O soldati e marinai già vi benedicono i martiri antichi e recenti ed i commilitoni che caddero al vostro fianco poiché per voi non fu sparso invano il loro sangue e la patria intera vi esalta poiché per voi fu raggiunta la sua meta e il vostro re con profonda emozione di affetto vi esprime la parola di gratitudine che si eleva a voi dal cuore in tutto il popolo d’Italia.)
Dann ein freundliches und preiswertes Mittagessen draußen im »antiken« Restaurant zu den zwei Mohren – oder afrikanischen Amerikanern, wie man heute sagen würde, ein Bummel durch die Stadt zum Dom, der uns wieder sehr beeindruckte. Der Haupteingang hinten ist mit einem Milchglaswindfang umgestaltet, sodass wenigstens etwas Licht in das Halbdunkel kommt. Schön. Dann rechtzeitig (und müde) zurück zum Hof, wo Gisela den Geburtstagskuchen und ihr perfekt vorbereitetes Dinner anschmiss; Carla und ich deckten in der Stube auf, weil das Wetter immer noch unsicher ist, für zehn Personen (die beiden Hofpächter, der Jagdpächter, der Jagdaufseher und seine Frau, der Verwalter mit Sohn, wir drei).
Den Aperitiv (Tomaten-Bruschetten, Jelo-Sekt) konnten wir dann doch draußen nehmen, und schon da steig die Stimmung. Mich freut es immer wieder, wie gut eigentlich ganz unterschiedliche Leute hier zusammen sein können. Für mich ist das Südtirol. Das eigentliche Abendessen (Schweinebraten, Rosmarinkartoffel, Pilzsauce, Feldsalat, Lagrein, schließlich Schokoladetorte und Schnaps) entwickelte sich dann mehr und mehr beinahe zu einem Hüttenfest. Carla packte ihre Geschenke aus. Die Jüngeren, wozu sich der Jagdpächter ebenfalls outete, tauschten sich über aktuelle Schlager aus, Carla kam mit ihren CDs, dem Tischlautsprecher, und es wurde sogar ein ganz klein wenig getanzt! Carla kostümierte sich, schlug Rad, und hatte viel Spass, besonders mit A. Zu guter Zeit trennte sich die Runde, Carla fiel ins Bett, Gisela hatte sogar den Abwasch gut organisiert, und im Nu waren auch wir fertig. Ein schöner Tag!
Als Einschub hatte ich mir vorgenommen, über die Geräusche hier am Hof zu schreiben, vor allem über die verschiedenen Türen. Schön die große, schwere Haustüre mit ihrem ausgeleierten, etwas herunterhängenden Griff fällt schon mit einem charakteristischen Klack ins Schloss, wobei man sie ja eher zumacht als zuwirft. Stube und Gästezimmer haben extra Schließfedern, die fallen schnell (Stube) oder langsam (Gästezimmer) zu, wenn sie nicht offengehalten werden. In der Stube sorgt ein gebogenes Stück Baudraht dafür, das um einem der beiden Garderobehaken geschlungen ist – ebenfalls Improvisationen aus großen alten Nägeln oder Holzstiften. Die Schlösser der Türen sind hier nicht einheitlich und vielfach noch alte Kippklinken. Sie fallen, wenn überhaupt, alle anders »ins Schloss«. Die U-förmigen, festen Teile muss ich immer wieder gelegentlich in den Türstock zurückklopfen, damit die geschlossene Tür nicht zu locker steht. Am wichtigsten ist der Klack der Kühlschranktür, eine Art Doppelschlag, nur aus dem zu erkennen ist, ob der Kühlschrank hier in der Stubenküche auch gut geschlossen ist. Dann kämen die hölzernen Schläge etwa der Tür zur alten Werkzeugkammer im Haus, das Tor zur Tenne, usw.
Mittwoch, 18. August 2010, Pragser Wildsee, Packen
Wir wollten unseren letzten freien Tag doch ausnützen. Trotz trüben Wetter und fortgeschrittenem Tag haben wir uns über Bozen ins Pustertal aufgemacht, zum berühmten Pragser Wildsee. Carla wurde geködert mit der Möglichkeit zu baden. (Dabei ist der Gebirgssee so saukalt, dass ich selbst als 14-Jähriger nur mit größter Überwindung dort eine kleine Runde geschwommen bin.) Der Ausflug war kein Erfolg, im Gegenteil. Die Anfahrt im Pustertal vor Bruneck ewige Staus, am See Horden von italienischen Familien, Picknick wohin man sah, das alte Hotel und alles drumherum ganz in italienischer Hand, tausende Autos auf Parkplätzen für fünf Euro und wild daneben. Ein eher minderes Mittagessen auf der kühlen Veranda des Hotels. Dann kurzer Spaziergang am Ufer. Carla war sogar mutig mit beiden Beinen im Wasser. Eine halbe Stunde Ruderboot – die Vermieter waren ausnahmsweise deutsche Burschen – hätte zehn Euro kosten sollen. Dafür beobachteten wir zwei Fischer. Die Bergrettung lud einen Toten in das Auto des Bestatters um. Wir fuhren nach Toblach. Der Ort war derart überfüllt, dass wir erst nach langer Suche und Gewarte irgendwo draußen einen Parkplatz fanden – und feststellen mussten, dass wir Carlas nagelneue schwarze »Lotto«-Jacke am See verloren hatten. Also noch mehr Ärger, wilde gegenseitige Schuldzuweisungen, Drohungen sofortigen In-die-Luft-Gehens bezw. Instant-Rückreise. Dann haben wir aber doch noch einmal den Weg am See abgesucht, den Parkplatz, in den Cafes gefragt, doch leider ohne Erfolg.
Abends haben wir dann schon einmal unsere Sachen gepackt. Das macht fast ganz allein Gisela. Ich bin nur für Technik zuständig, eventuell für Wäsche, Schuhe, Graffl. Letzte Nacht.
Donnerstag, 19. August 2010, endlich wieder strahlend schön, letzter Besuch, Rückreise
Noch bevor gegen elf unsere Bonner Freunde von Rabland im Vintschgau kamen, haben wir das Auto vollgepackt, die Betten abgezogen, Wäsche gestartet. Der Tag war ausnehmend schön, wie das so ist nach trüben Tagen und sich gehört, zur Abreise mit besten Erinnerungen.
Ich konnte wieder einmal Haus und Hof zeigen, die Kinder durften Heuhüpfen, selbst der Junior mit seinem Rucksack beteiligte sich unermüdlich. Einfach ein heiteres Beisammensein. Gedankenaustausch über den Hof, dazu Jörns Lebensgeschichte, ein wenig Foto-Fachsimpeln (Filme sind fast nicht mehr zu bekommen), Talblick und drei Parasole auf der Wiese. Der schöne weiße Bovist mitten am Weg, den ich zwei Wochen vorher nicht gepflückt hatte, ist jetzt einfach nur noch ein alter, ausgetretener Staubpilz. Unsere Gäste fuhren dann am Nachmittag wieder weg, gerade als »die Jäger« noch einmal zum Abschied vorbeischauten.
Um halb sechs (17.36 Uhr, 25°C) kamen wir los gen Norden übers Joch. Die Navigation prognostizierte Ankunft um halb zwei (1.26), nach 855 km (über Bozen). Da waren wir kurz nach zwei (2.06) nach ca. 830 km und einem guten, langen Abendessen in Weyarn.
Bewegte Ferien, die unter dem verregneten Wetter gelitten haben, vielleicht auch ein wenig durch unsere Ungeduld, immer etwas erleben zu wollen. Ich hatte viel im Wald zu tun. Gisela wäre gerne mehr hinaus gekommen, nach Ferrara, Vicenza, Modena – beim nächsten Mal. Carla kam mir natürlich zu wenig mit in den Wald; da aber bin ich unersättlich. Eine andere Welt.
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Anna und Carla laufen vor – Montagmittag, zurück vom Dorf
[Foto HofMai (94) – Wie immer sind alle Bilder klickbar!]
Da war doch diese verflixte Woche, in der die Münsterschule, und nur die Bonner Münsterschule allein eine Woche »Zwischenferien« machte, mitten im Wonnemonat Mai. Mit dem Ergebnis, dass die Kinder in diesem Mai 2008 nur 13 Tage Schule haben – Pisa lässt grüßen – und die Eltern sich überlegen müssen, was sie mit den Kindern anstellen.
Ich entschloss mich, mit Carla nach Südtirol auf den Hof zu fahren. Mama bleibt zu Hause und arbeitet – bis auf Fronleichnam, ein Feiertag in Deutschland und sonst nirgends, wieder einmal: Deutsches Volk, Wohlfühl-Volk.
Wie ich nun so versuchte, für diese Woche möglichst noch eine Mutter mit Kind mitzunehmen, so zeigte sich das schwierig. Eben weil die anderen Eltern von anderen Schulen zu anderen Zeiten Ferien haben. Ein allzuspäter Versuch, meinen alten Schulfreund Elmar mitzunehmen, blieb halbherzig – der Umweg – er lebt an der Weinstraße –, die Umstände, und dann war mir eine kleine Freundin für Carla doch bequemer als ein Freund für mich. Kinder neutralisieren einander.
Carla hatte noch eine Ballett-»Aufführung« am Samstag. So konnte ich erst am Sonntag losfahren. Die Wettervorhersage im Internet war schlecht. Von so weit weg, aus einem heißen Sommer heraus, war mir das abstrakt geblieben. Nach Südtirol sind es über achthundert Kilometer. Halb Deutschland, Österreich und die Alpen liegen dazwischen.
Also kam neben Carla nur Anna mit, eine Zweitklässlerin, gut fortgeschritten im Lesen und Schreiben. Das Auto war voll, hauptsächlich wegen Carlas Spielsachen, Plastiktüten mit Plastik, und meiner vielen unnützen Technik in Klappkiste, die ich immer hin- und herfahre. Sonntag, 18. Mai 2008 Bonn—Siebenfahrer Beim Abschied hielt sich Anna tapfer [18. 5. 2008 8.30 Uhr km 206553 ab Friedrichstraße, 9 Uhr ab Estermannstraße]. Die Eltern hatten sie mit Diphenhydramin gedopt, gegen Mal des Transports, und meinten, sie würde nun vielleicht die ganze Zeit schlafen. Die Wirkung blieb aus, die Übelkeit auch, selbst zügig gefahrene Gebirgsstraßen Stunden später waren kein Problem.
Zur Abfahrt war das Wetter angenehm bedeckt, nicht zu heiß, 13 Grad. Ich ließ es langsam angehen, höchstens 170 Stundenkilometer. In der Mainebene klarte es auf, Gefühl: Sonne und Süden entgegen! Offenbach 10.40 Uhr, 17,5 Grad. Deutschland, schönes, weites Land. Franken. Staus keine. Gegen eins waren wir in Hilpoldstein, meiner seit Jahren üblichen Rast, Sindsorfer Hof, das Gasthaus aber leider in Ferien. Also haben wir Picknick gemacht am See, im Rasthaus Jörn, wie ich den Kindern sagte (Gisela hatte uns bestens versorgt. Ich habe dann schnell doch noch für zwanzig Euro deutsch getankt, den Liter Normalbenzin für Euro 1,54. Das war zu viel. Wenn ich nicht zu schnell fahre, komme ich von Bonn bis nach Österreich mit einem Tank.
In Bayern hat es angefangen zu regnen (Teistrecke elektronisch festgehalten). Um viertel vor vier waren wir im Inntal, verregnet, die Berge in Wolken, dazwischen Flecken frischen Schnees oder schmutzige Altschneereste. Wie gewohnt in Angath an der Autobahn vollgetankt. Der Liter Super Euro 1,40, dazu Maut und Videomaut für den Brenner, Euro 99,71, danke, es bediente Sie Jelena [54,33 Liter = € 76,01, Zehn-Tage-Vignette € 7,70, Brennermaut für zwei Fahrten € 16]. Um viertel nach fünf am Brenner, 7 Grad.
Doch es sollte noch strenger kommen: Die Kinder müssen doch lernen, wie es oben in den Wolken aussieht. Vorher haben wir aber noch schnell auf 1500 Metern am »Egg« in der Kehre der Penser-Joch-Straße, im ganz leeren Gasthaus Schönblick – reiner Euphemismus! – Pause gemacht. Der angekündigte Apfelstrudel war ausverkauft. Ob es den je gegeben hat? Dafür der Kaffee (nach der Frage, ob die Maschine unter Dampf sei) gut: ein erster Macchiato.
Und hinauf gings aufs Joch; Kinderfotos mit Schneewehen, Regen und drei Grad, wenigstens plus. Da war es schon halb sieben.
Im Sarntal heftiger Regen, eine Talfer, so wild und hoch und braun, wie ich sie seit Urzeiten (vor dem Kraftwerksbau) nicht mehr gesehen habe. Das graue Wasser schoss nur so ins Tal, Welle um wilde Welle. Hat mich an diese Zeit erinnert, vor 1950, als man bei Gewitter im Bach die Wackersteine rumpeln und pumpeln hörte, selbst oben am Hof noch.
Bis wir dann am Hof waren, war es Viertel nach sieben, zehn Grad [km 207391 = 838 km]. Wir haben uns mehr oder weniger »verkrochen«. Auch die Pächter waren schon zu Bett und zeigten sich nicht. Dafür hatten wir um so mehr Zeit, auszupacken – Kinder, lauft mich nicht aus und ein mit den nassen Schuhen! –, sogar Betten zu überziehen. Die Mädels sind ganz tüchtig. Kurz entschlossen belegten wir nur Stube und ein gemeinsames Schlafzimmer. Da hält sich die Wärme »in Grenzen«.
Zum Abendessen gab es noch Nudeln (vom Hofvorrat) mit Tomatensauce (ebenfalls), dazu Obst (mitgebracht) und belegte Brote (verweigert von den Kindern, von mir das letzte zum Montagsfrühstück aufgehoben).
Geschlafen haben wir wunderbar.
Montag früh dann 11Grad draußen, 15Grad drin, Sonnenaufgang wie gewohnt 8.42 Uhr – und Wiederuntergang zehn Minuten später, allerdings Gott sei Dank nicht für den ganzen Tag.
Montag, 19. Mai 2008 – Sarnthein
Müsli mögen die Damen nicht. Also nichts. Die beiden essen überhaupt wenig, fallen dennoch nicht vom Fleische.
Ich hatte mich mit Albert, unserem Jagdaufseher, Faktotum und Holzarbeiter fürs Kleinere, um viertel vor neun am Gries verabredet, bei der Bar Kröss.
Wen traf ich dort? Karl, den Freund meiner Schwester. Da war mir klar, dass Albert noch eine Runde drehen würde. Mit Karl Freundlichkeiten gewechselt, über meine Eltern gesprochen.
Im Bild Anna und Carla auf der neuen Talferbrücke im Dorf. Kein Brückenheiliger wie auf der alten Brücke übrigens [HofMai (78)]
Dann auch mit Albert nur kurz geredet. Wir wollten uns ja alle am Abend treffen. Klar ist, dass es im oberen Jagdbereich zwei Konflikte gibt: Wildverbiss und Straßenverkehr, ersteres vielleicht zum Teil Ursache des letzteren. Ich kann das nicht beurteilen.
Vom Markt, der so viele Bauern ins Dorf geführt hatte, dass selbst auf der zusätzlichen Wiese nur schwer ein Parkplatz zu finden war, haben wir wenig mitbekommen. Bei der Bank erfahren, dass der it. Staat den persönlichen Umgang mit Geld weiter einschränkt: Barschecks oder Barzahlungen über 5.000 Euro sind verboten, ungültig. Der Staat will elektronisch verfolgen, was man mit »seinem« Geld macht. Angewandte Expropriation der Expropriateure?
Besuch am Grab der Großeltern beziehungsweise Urgroßeltern. Es sieht ganz ordentlich aus.
Lange zum Forstamt, wo die Förster immer montags »Innendienst« haben. Pläne gemacht für die Auszeige im Sommer – am besten in der Woche des 21. Juli. Dr. Broll ist die Stufe hinaufgefallen und nicht mehr für uns zuständig. Wegen der hängigen Italienerwegverlängerungssubvention sollten wir Dr. Mathias Zischg anrufen, 0471-415360.
Die Kinder spielen derweilen einen Stock tiefer in der Bibliothek. Dann Brot einkaufen. Schließlich gab es beim Höllriegel die traditionelle Milzschnittensuppe für Carla, eine »Nudelsuppe mit Würstel« (zwei Stück) für Anna und für mich eine Knödelsuppe. Zum Schluss musste ich wieder die Hälfte des Kinderessens kalt verzehren … Immerhin hatten wir draußen unter den Bäumen sitzen können statt in den überfüllten Wirtsstuben. Die Temperatur hat’s gerade so erlaubt.
Vor dem Wegfahren in der Mittagspause noch zum Despar, dem örtlichen Supermarkt. Kurzes Gespräch mit einer Lehrerin an der Schule dort, die wohl gegen eins gerade aus hatte: Italienisch als erste Fremdsprache wird ab der ersten Klasse gelehrt. Auch am Samstag ist Unterricht. Die Sommerferien sind (wie immer schon) sehr lang, 15. Juni bis 9. September, über drei Monate.
Am Nachmittag blieben wir am Hof. Albert kam, und wir zwei besichtigen seine Durchforstung auf der Ebenwies. Eine schöne, große Sache. Man sieht endlich wieder die alten »vorgeschichtlichen« Mauern um die Wiese, blickt durch die Bäume. Dann überrascht uns ein Gewitter samt leichtem Hagel. Ich funke den Kindern zum Hof hinunter, sie mögen uns doch abholen. Bis sie da sind, sind wir patschnass. Leider gibt mein Fotoapparat, wohl wegen dem Wasser, seinen Geist auf. Das letzte Foto sind Hagelkörner [HofMai (114)]. Selbst das Festnetztelefon verstummt.
Abends Abendessen mit Albert und Linda beim Hofer im Dorf, gute Pizzen, gute Gespräche, danach Regen. Verkriechen im Bett.
Dienstag, 20. Mai – Bozen
Am Dienstag hatte ich gleich um neun in Bozen einen Termin bei unserem Steuerberater Heiss. Wir haben es fast rechtzeitig geschafft. Unser Verwalter, der sich auf einen Sprung freigenommen hatte, war auch dabei. Wir müssen unsere Gesellschaftsstruktur hier auf aktuellen Stand bringen, haben uns das Nötige dazu erklären lassen. Problem ist wieder einmal die Unterschrift meiner Mutter.
Danach bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen ein Bummel durch Bozen nach meiner Art, Gerbergasse, Zwölfmalgrein samt Daniel in der Löwengrube, und ein Kaffee mit Helmut. Schick im hellen Anzug, braungebrannt, voller Tatendrang. Er lässt sich allerdings zu Ende des Jahres pensionieren. Fachsimpeln über Wi-Max-Funkversorgung der Dörfer mit einer reservierten Frequenz über 3 GHz. Zu hoch, meine ich. In der Bindergasse noch ausgiebig mit Anna und Carla das Landesmuseum (vormals Eichamt) besucht, immer ein Erlebnis. Diesmal statt echten Schlangen ausgestopfte Tiere. Oben sehr schön und modern die Landeskunde, samt selbst steuerbarem Satellitenflug über Südtirol. Ein Mustermuseum. Jetzt für die Kinder und mich eine Frakturprüfung (Anna kann’s ein wenig): Die Jahreszahl im Spruch zur Bindergasse am Weißen Rössl (angeblich 1919 gemalt) als Chronogramm zu errechnen versucht. Ich heiße Bindergasse – Der Schlägel hier erklang An Zuber, Yhr und Fasse Gar gute Jahre lang.
I C I I D D C L L I L U U D U I L = 1 +100 +1 +1 +10 +10 +100 +50 +50 +1 +50 +5 +5 +10 +5 +1 +50 = 450 Jahre lang also. [Mein Bild aus Bilder\2006HofPfingsten\BindergasseFresko bezw. Picasa-verstärkt 200805\BindergasseFreskom – bitte klicken!]
Zum Yhr muss ich nachtragen, dass das eben kein Ohr ist, schon gar nicht eine Uhr! Historiker Hannes Obermair aus Bozen hat mich dazu wieder einmal prompt aufgeklärt: »Es ist eindeutig ›Yhr‹ im Sinne des alten Hohlmaßes für Wein.« Rund sechzig Liter. Im Mondschein gegenüber der alten Stube – wie immer geschlossen – eine nette, kleine Bilderausstellung. Die Künstlerin war anwesend.
Am Nachmittag am Hof versuche ich vergebens, die Entmistung zu reparieren. Irgendetwas an der elektrischen Ansteuerung muss nicht richtig funktionieren.
Wir sind dann noch mit dem Auto zum Nachbarn Haselbrunn gefahren, Kinder besuchen. Der alte Vater ist im Krankenhaus, muss wohl einen Herzschrittmacher bekommen. Den Rückweg haben die Kinder schnell zu Fuß gemacht, allerdings sicherheitshalber die aktuelle Straße entlang bis zur Ebenwies. Ich rolle mit dem Wagen nach.
Abends waren wir nett bei den Pächtern eingeladen. Es gab heiße Kartoffeln, Speck und selbstgemachten Käse. Die Kinder lernten’s Kartoffelschälen, gingen dann alleine ins Bett. Nur Anna kam noch einmal hinauf zu uns, hatte wohl Angst bekommen.
Mittwoch, 21. Mai – Sarnthein und Wald
In der Früh wollte ich die Kinder doch nicht mutterseelenalleine am Hof lassen. Also fuhren wir alle früh eilig ins Dorf zur Bürgermeistersprechstunde. Zehn Grad im Dorf, regnerisch. Angenehmes Gespräch mit Bürgermeister Franz Locher – sein Vater stammt hier vom Nachbarn. Ich spreche die Wasserleitung und die Straße an; erstere sollte heuer kommen, letztere bald einmal erneuert werden. Die Stelle am Bildstock sollte gesichert werden.
Danach zum Grab, eine Kerze anzünden, Brot einkaufen, etwas Speck und Milch. Im Vorübergehen treffen wir Wwe. S., fröhlich, vergnügt, eilig wie früher. Sie hat sich wohl ganz erholt, Gott sei Dank.
Ich wollte nicht zu spät wieder am Hof sein. Mit dem Förster und den Kindern sind wir dann die Sonnseite abgegangen bis zur Grenze hinaus. Dickicht (und Zecken, wie sich viel später herausstellen sollte). Wenige schöne, alte Bäume. Am Rückweg entdeckte Anna auf der ehemaligen Angerwiese eine große grüne Schlange, eine Natter, ungiftig, wie uns der Fachmann versicherte. Sie schlich sich. Die Aufforstung der Angerwiese ist ein Musterbeispiel forstwirtschaftlichen Misslingens: Eine schöne Wiese wird mit Fichten und Lärchen bepflanzt. In vierzig, fünfzig Jahren entsteht ein Dickicht, das beim ersten starken Wind völlig durcheinandergewirbelt wird. Hoher Schaden, hohe Aufräumkosten. Danach wieder Urwald. Schlingpflanzen, Dornen, Buschwerk. Die Kinder sind dann alleine die alte Straße zur Tanzbachbrücke hinunter gegangen – das kleine Handfunkgerät reicht gut vom Hof bis hinunter, sagenhaft! Ich mühte mich in der Mittagshitze den Berg wieder hoch, holte Geld und Wagen. Eigentlich hatte ich das Mittagessen in Bundschen nur vorgeschlagen, um unsere aktive Amtsperson mit einzuladen. Der wollte aber nicht; hätte ich mir eigentlich denken können. Also nur mit den Kindern nett ein großes Wiener Schnitzel mit Röstkartoffeln (Pommes gab es nicht, juhu!) gegessen (Anna), Spaghetti mit Tomatensauce (Carla) und eine Frittatensuppe (sprich Fitattensuppe; Fritz), wieder viel zu viel für die Kinder, dazu fünf gespritzte Apfelsäfte. Der Sohn der Wirtin macht Matura, will in München Maschinenbau studieren. Birte kennt ihn vom Praktikum.
Um zwei waren wir wieder am Hof, fuhren mit dem Förster und Albert den Italienerweg hinauf, neue Schlägerungsmöglichkeiten und die vorjährigen Hiebe ansehen.
Zurück in der Stube. Die Kinder frieren, aber nur ein wenig. Immerhin haben wir 18,8 Grad im Wohnzimmer, draußen 13,7. Wir machen uns ein gemütliches Abendessen, Nudeln mit Tomatensauce. Anna präferiert eine Marmeladesemmel – hier gibt es die besten Semmeln, meint sie. Und ein bissl Heimweh hat sie auch, es hält sich aber in Grenzen. Wir wollen alle zusammen früh ins Bett gehen, uns wieder Gedichte vorlesen (Reclam Die Wundertüte, von Ingeborg für Carla), wollen träumen.
Donnerstag, 22. Mai 2008 – Hofversammlung
Wieder frisch in der Früh, 14 Grad draußen, zwei mehr herinnen in der Stube (vor der Belebung). Vor den Fenstern Wolkenreißen. Wir aber haben lang und gut geschlafen. (Ich bin schon zwei Drittel durch The Tender Bar von J. R. Moehringer bezw. von Birte.) Ein gutes Frühstück. Ich entdecke nebenher, dass jemand versucht hat, das Kabel des Wasserwärmers anzuknabbern … Telefon und Fotoapparat sind nach wie vor kaputt, Selbstheilung immer unwahrscheinlicher.
Draußen im Zimmerhüttl entdecke ich einen kleinen »Fernseher«. Carla sucht sich sofort eine Fernbedienung dazu, dann haben mich die Kinder fortgeschickt. Sie wollen die Sendung mit dem Elefanten, Was ist Was und etwas Barbie sehen. Dabei ist alles nur Holz, Brennholz, sehr ökologisch, pädagogisch wertvoll.
Max zeigt sich um halb zwölf; sie waren wohl erst nachts um eins aus Wien gekommen. Die Kinder, Simon (8), Theresa (9, bald 10), gleich mitsammen gespielt, zwei kleine Kätzchen im Heu im Stadel entdeckt. Jetzt sind Maxens ab ins Dorf, einkaufen, essen. Ich versuche, das Tagebuch als Datei über Bluetooth in den Blackberry zu übertragen, von dort aus zu mailen, doch: »Dienst "Dateiübertragung" wurde auf Gerät Blackberry 8800 nicht gefunden.« Draußen ist’s wieder etwas sonnig und warm, 17 Grad. Glückliches Südtirol.
Wir machen einen Spaziergang zur »Badewanne«, finden die Ameisenstraße ziemlich unbenutzt, Löwenzahn für Salat, ein Schneckenpaar heftig miteinander zugange – am Rückweg immer noch … Dann ein leckeres Mittagessen: Dazu servieren wir Nudeln an Giselas Plus-Spezialsauce für Carla, Rührei für Anna, Salat à la Feldweg, knack- und taufrisch, allerdings etwas bitter, was so Löwenzahnart ist, ganz zu schweigen davon, dass wir hier zwar eine Menge Essigflaschen haben, Balsamico hinauf und hinunter, dass Öl aber fehlt. Dazu reichen wir Wurst und Speck. Zwischendurch wird getauscht, gehandelt und überhaupt ist die Stimmung gut!
Am Nachmittag spielen »meine« Kinder mit den Wiener Kindern (Nasaler Ton) in Haus und Hof, hauptsächlich im Zimmerhüttl und im Stadel, funkverbunden. Mit Max und Michl machen wir derweilen die offizielle Hofversammlung. Es war ein ertragreiches Jahr 2007. Dann ruft Huinz an, und statt langehin einen Termin im Sommer auszumachen, kommt er spontan vorbei, nachdem er eigens nach zwei Flaschen Wein zum Mitbringen gesucht hatte, der Gute! Es gibt halt noch Leute, die wissen, was sich ziemt. Eine rot, eine weiß, zur Auswahl, und beide zum Behalten. Wir sitzen in der Stube, am Nussbaumtisch, den die Kinder brav Polly-Pocket-frei gemacht hatten. Schließlich kommen die Pächter, Huinz bricht auf, noch ein paar Themen wie Landwirtschaft und ihre Rolle für die Anwesenden, dann gehen alle müde ins Bett. Die Kinder hatten oben gegessen, ich ersetze das durch »stramme Haltung«. Carla verliert einen silbernen Ohrstecker, weint.
Noch weiter zur Technik: Weil das Festnetztelefon immer noch streikt, versuche ich es mobil. Die wunderbare HSDPA-Karte der T-Mobile zeigt in ihrem Programm »T-Mobile web'n'walk Manager« – an großen Sprüchen hat’s noch nie gefehlt – zwei fette Balken Netz, dazu I TIM (Italien, Telecom Italia Mobile) und Roam. Sogar die Einwahl klappt. Dann aber bleibt die Geschwindigkeit bei etwa 3 kbit/s, höchstens einmal 5 kbit/s. Kein Wunder, dass da keine Mail durchgeht: unbekannter Fehler 0x800CCC0B. Also, alter Hase, zurück zur sicheren Leitungsverbindung! Ich verbinde den Blackberry über Bluetooth mit dem Rechner, will ihn als Modem verwenden. Das geht, soweit es die Anwahl einer Rufnummer betrifft (+49 69 191011), dann aber können die Modems nicht zusammenfinden. Ich probiere dasselbe mit dem Nokia, es klappt einwandfrei. Das ist aber meine ganz private Karte, das Ferngespräch nach Deutschland ist mir für die üblichen Wünsche des Computers nach Virenupdates und Mails zu teuer. Ich probiere Leitungswählen mit der HSDPA-Karte im PC, und siehe, es klappt auch. Die Mail mit dem Tagebuch geht raus, mit 6,4 kbit/s, die aber unerschütterlich, zuweilen sogar bis auf 8 sich steigernd. Inzwischen habe ich sogar mobil meine Bozner Anwahl ins Netz der Brennercom geschafft (+39 0471 050121), das müsste viel billiger sein. – Klappt auch, doch zunächst bei 6,2 kbit/s-Download nur 0,4 kbit/s Upload, was für Post definitiv zu wenig ist. Freitag früh stellt sich heraus, dass es dann aber am Versenden über Google-Mail liegt und der zugehörigen (paranoiden) SSL-Verschlüsselung. Nachdem ich normal über eins und eins versende, steigt die Hochladegeschwindigkeit auf 8 kbit/s. Nach ein paar Minuten ist meine 340-kByte-Mail mit Bild weg. Freitag, 23. Mai 2008
Die ganze Nacht hat es scheint’s geregnet. Um viertel vor neun geht aber brav die Sonne auf, ein paar Minuten später umschwadet Nebel das Haus und den Blick ins Tal, bis die Sonne auch diesen gehoben hat, und nur mehr Wolken bleiben in den Hochtälern, zur besseren Darstellung von Waldsilhouetten. Wunderschön.
Die Kinder spielen wieder draußen – das war ihnen das Liebste –, Max und Ulli sind ins Dorf gefahren, danach wollen Max und ich die möglichen Schlägerungen 2008 abwandern am Berg.
Das Wetter wird immer schöner, wie üblich hier. Nach einem ausgiebigen Mittagessen – Tütensuppe, zweierlei Nudeln, Tomatensauce, Rührei – kleine Mittagsrast. Anna liest, Carla schläft. Dann fahre ich mit Max in den Wald hinauf. Dort treffen wir unseren Holzarbeiter Louis am Italienerweg an der Seilwinde, Holz hochziehend. Unten am Schlag lädt sein Mitarbeiter auf, den wir über den Quellenweg besuchen. Max sieht sich auch die beiden weiteren vorjährigen Schlägerungen an, ganz schön groß, finde ich. Dann wandern wir steil hinauf von der Kehre des Italienerwegs auf die Schragen zur ehemaligen Brunnwiese (ca. 1250m auf 1500 m). Dort findet man eine alte Wegspur, sozusagen einen unteren Höhenweg. Wo an drei Bäumen mit gelben Ringen die Abteilung 6 angezeichnet ist, geht es außerhalb des Luttertals den Jägersteig hinunter – die alte Direttissima vom Hof auf den Sam. Auf der Brunnwiese leider wieder alte Käferbäume. Von oben herrlich weiter Blick, später auch vom Hof ins frisch grünende Tal. Sonne, fast Sommer.
Nachmittags erwischte ich die Kinder beim Nintendo-Spielen am Hof und habe sie zum Haselbrunner gescheucht, zu viert erstmals allein ohne Erwachsene ein Waldspaziergang. (Natürlich remotely controlled über 446 MHz, was gut zum doch eine Viertelstunde entfernten Nachbarn reicht.)
Zu Abend essen die Kinder alle oben bei Max und Ulli Spaghetti, ich eher besinnlich allein unten.
Samstag, 24. Mai – Bozen—Bonn
Trotz frühem Aufstehen und kursorischem Packen: Es dauert über zwei Stunden, bis man alles beisammen und im Auto verstaut hat. Ein bisschen Frühstück gab es auch noch. Wir sind dann gegen halb zehn losgekommen (13,5 Grad, bedeckt. km 207492 = 101 km in Südtirol), haben noch Albert in voller Jägerausrüstung an seinem Haus vor Sarnthein getroffen, dann gemütlich übers Penser Joch (10.30 Uhr, 7 Grad) hinunter nach Sterzing. Kleines Kotzen an der üblichen Stelle unterhalb Egg, diesmal Carla, perfekt in die Tüte. Anna hatte ihre Tablette intus und vielleicht etwas weniger Orangensaft zum Frühstück gehabt.
Elf Uhr italienische Maut mit Schlangen – inzwischen Euro 1,10 –, Brenner, und es wird immer schöner, wärmer, sommerlicher. Tanken in Angath, und mit dieser Tankfüllung bis Bonn und dort noch Stadtfahrten. Ja, man kann einfach nicht mehr schnell fahren auf deutschen Autobahnen. Nach langer, ereignisloser, recht pausenloser Fahrt um sechs in Bonn, 8½ Stunden also Teilstrecke siehe http://www.gpsed.com/track/419618043265274196 – die dort errechnete Höchstgeschwindigkeit von 253 km/h ist Unsinn. An Bonn km 208322 = 830 km).
Und hier gleich ein Grillfest im Garten mit Annas Eltern und Birte, die auf Besuch war. Klasse Gisela!
Und danach? Wir hatten uns Zecken eingefangen, Carla nur eine kleine, leicht entfernbare im Nacken, ich eine dicke fette am Bein. Die Tierchen sind den meisten Menschen eklig, also weiter zum nächsten Thema. Die Kamera mit Birtes Hilfe zerlegt, gefummelt, ganz geht sie (noch?) nicht (Alles in allem: Ein sehr schönes Erlebnis für die Kinder und mich; bei mir trotz weitgehender »Selbstbestimmung« doch eher etwas Stress.
Hier noch kurz die rauschende Talfer in Sarnthein:
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