Bilder dazu im Internet auf:
http://picasaweb.google.de/Siebenfahrer/HofSommer2010
oder hier auf eines der Bilder klicken.
Videos dazu im Internet auf:
www.youtube.com/view_play_list?p=1E3E92F1136D9AAB&playnext=1
Freitag, 30. Juli 2010, Anreise
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Ein Panoramablick auf unseren blühenden Garten in Bonn
Eigentlich noch ein Arbeitstag, jedenfalls für Gisela. Es gelang ihr allerdings, etwas früher aus dem Büro zu fahren. So kamen wir beide (ohne Carla) um 16.45 in Bonn mit dem Auto los (Tacho km 80795). Die vielen Kisten, Taschen und Pakete hatten dann doch alle leicht gepasst in den Kombi, obwohl wir jedesmal meinen, diesmal wird’s zu viel. Das Navigationssystem prognostizierte zunächst eine nächtliche Ankunft am Hof um 0:28 Uhr, korrigierte sich dann bis auf 3:10, was auf ausgedehnte Staus schließen ließ. So schlimm ist es dann aber nicht gekommen: Bis wir die Staus erreichten, waren sie wohl schon wieder aufgelöst. Und von den neuen Störungen erlebten wir glücklicherweise immer nur den Anfang: Ein Auto am Dach hinter Aschaffenburg, eine Frau, die im Altmühltal bei Greding am Mittelstreifen im strömendem Regen schreiend ihrem Hund nachlief – vielleicht, jedenfalls hielt weiter vorne jemand einen Hund fest und winkte verzweifelt. Phantasievoll ratend und schlechten Gewissens sind wir weitergefahren. Kurz vor München übernahm Fritz das Steuer, zur Nachtfahrt. Tanken in Angath in Tirol: Diesel ist in Österreich inzwischen etwas teurer als in Deutschland. Unterhaltung mit Bus-Fernfahrern. Über Bozen dann auf den Hof, an um 1.17 Uhr (81640 = 845 km; 8h 32'; Ø 99 km/h).
Schnell die Taschen mit den Kleidern und dem Waschzeug aus dem Auto, Betten überziehen, SMS schicken, schlafen. Eine wunderbare Ruhe.
Samstag, 31. Juli 2010, erster Einkauf im Dorf
Sonntag, 1. August 2010, wieder Kirche und Carla
Danach im Kaffee Kirchplatz bei Zeitungen (Sonntags-Bild und Alto Adige) auf unsere Tochter gewartet, auf die »Lösegeldübergabe«, wie wir’s genannt haben. Pünktlich um zwölf kommen Bs. Große Freude, gutes Essen beim Höllriegl. Kaffee und Kuchen, später Frizzante Rose für die Damen bei uns am Hof (La Gioiosa et Amorosa. Pinot Rosa. Marca Trevigiana. Frizzante. 10,5 Vol.-%., 750 ml € 2,09, EAN 8006805035010)
Nachmittags am Hof, die Bauern heuen, dann kommt der Jagdpächter vorbei, wir improvisieren einen Imbiss mit Käse und Wurst. Das voriges Jahr hier von uns beobachtete »Schmaltier« war ein zwölf Jahre alter Hirsch gewesen.
Nachts tippt Fritz Tagebuch, speichert ein paar Bilder ins Netz. Bei 33 kbit/s Modemgeschwindigkeit und Uploads mit effektiv 22 bis 25 kbit/s eine Geduldprobe. Am Montag kommt von der Dolomiten-Redaktion der Artikel für Mittwoch zum Prüfen, PDF, 3,14 MByte. Den Kaspersky schalte ich schon einmal aus, der sich immer vordrängt mit seinen »Updates«.
Montag, 2. August 2010, Dorf-Amtliches
Fritz ist ins Dorf und die Mädels sind allein im Haus, Carla tanzt mit dem Besen bei aktuellen Hits durch die Stube. Fritz zum Forstamt, Elektrosachen kaufen, frisches Weihwasser holen, beim Bürgermeister vorsprechen (Dank für die Kurvenspiegel, und ja, die Straße soll möglichst noch heuer wieder geteert werden), offizielle Müllbeutel holen (große kosten insgesamt € 9 pro Sack), Bank. Um elf Ablösung. Gisela und Carla fahren ins Dort, zum Spar, die hiesige Bancomatkarte ausprobieren. Geht. Fritz sieht sich an der Tanzbachbrücke um, die Durchforstung der Noagwies – die längst keine Wiese mehr ist –, die Öde unter der Staatsstraße. Da fehlt Humus.
Nachmittags am Hof. Das Umschalten vom Strom für den ersten Stock (vormals Max, abgemeldet) kann ich doch nicht selbst weil bei uns Phase und Nulleiter vertauscht sind. Wie also verbinden? Der Hauselektriker kommt recht spontan am Abend vorbei. Die »Phasen« kann man ruhig tauschen, der Nullleiter wird hier nicht geerdet. Er schaffts im Handumdrehen. Und stellt sich als der nette Mann von Afingsbruck heraus (oberhalb Halbweg), mit Energiesparhaus, Beerenzucht und netter Großmutter, siehe Tagebuch HofSommer06.doc und 1. August 2006. Das sitzen wir noch ein bisschen zusammen.
Dienstag, 3. August 2010, Abschiedsessen im »Mondschein«
Nachmittags ging’s nach Bozen, ich hatte eine Verabredung mit einem Architekten und bummelte dann noch durch die Stadt, Gisela und Carla shoppten. Dank Mobiltelefonen haben wir dann noch unsere Freunde am Waltherplatz getroffen, wanderten in die Bindergasse und haben dann gut und schön im Mondschein-Garten gegessen; die Kinder spielten im zugehörigen kleinen Park Flug in den Urwald auf der Hollywoodschaukel.
Mittwoch, 4. August 2010, hinauf in den Wald
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Am Nachmittag, nach ausgiebigem Mittagsschlaf der Damen (und ich hab’ die Klospülung in der M3-Wohnung repariert, dort gesaugt und gekehrt), haben Carla und ich Äste geschnitten und abtransportiert. Dann hat Gisela Abendessen gemacht, »Jägerfrikadellen«, Soße und Kartoffeln. I. und M. sind da, werkeln in Stall und auf der Wiese, die Sense wird gedengelt, wer kennt das noch?
Donnerstag, 5. August 2010, Meran
Wir sind beide früh auf, was so etwa sieben Uhr heißt, Carla noch nicht. Es gießt. Der Regenmesser zeigt frisch nur 1 bis 2 mm Regen. Dennoch Pfützen am Hof. Und wir haben vergessen, Tisch und Bänke hochzuklappen. Macht nichts. Hier wechselt das Wetter schnell, und selbst bei Regen ist der Blick ins Tal schön. Schön grün und satt und ruhig, im Mittelgrund ein paar Nebelschwaden, glänzende Wassertropfen nahdran. Das Telefon ist nach wie vor kaputt. Ich komme mir wie amputiert vor, mit nichteinmal einem Telefon. Dann geht gar nichts mit Bildern ins Netz oder einfachen Mails. Die Mobilfunkverbindung, die ich gestern Abend noch getestet habe, geht über den Netzbetreiber Wind (mit bis zu zwei Strichen 20 m oberhalb vom Hof) gut und vermutlich teuer (»gehört nicht zu den Vertragspartnern«) mit bis zu 8 kbit/s, und über Tim (Gisela hat da ihren dienstlichen Spezialtarif) praktisch gar nicht: 1 kbit/s. Also alles zurück zum Blackberry. Was damit geht, gut, sonst halt »Funkstille«.
Am Vormittag sind wir dann nach Meran gefahren, nicht ohne Ärger über die hintere Stoßstange, die ich dann doch nicht so angekratzt hatte, wie ihr Schaben und der Aufschrei Giselas es hätten vermuten lassen. In Meran muss man den Parkplatz »Kornplatz« ansteuern, modern und Lauben-nah. Bei strömendem Regen allerlei Einkäufe und ein Imbiss, Treffen in der Kirche. Ich rief die Telefonstörung an, was stets ein längerer Prozess ist, doch für mich bereits Routine mit vorwegeilenden Tasteneingaben. Für Samstag war die Reparatur versprochen, als wir aus Meran zurückkamen, bereits erledigt. Ein Lob der Telecom! Meran, fanden wir, ist eine weitere (und von hier schon mittelweite) Reise nicht wert, wenn man Bozen vor der Haustür hat.
Übrigens bewährt sich unsere neue, preiswerte Waschmaschine (knapp € 340).
Am Hof sind wir Nebel-eingehüllt. Morgen soll wieder die Sonne scheinen! Und Birte kommen.
Freitag, 6. August 2010, im Wald
Nur 15 Grad hat’s in der Früh. Nach dem ergiebigen Regen gestern (hier gemessen: 32 mm) und vorgestern (8 mm) hat es abgekühlt. Unten im Tal rauscht wieder die Talfer, braun, vom ungewohnt vielen Wasser, darüber Nebelschwaden, in der Ferne oben die Wolken schon in der Sonne. Ich schlafe zu wenig, und doch haben wir nicht gehört, wie Birte und Matias in der Nacht um halb drei angekommen sind, leider. Carla, die auf sie sehnsüchtig gewartet hatte, auch nicht. Dafür verkündete sie’s mir gleich um sechs Uhr früh. Sie hat die Gewohnheit, mich sie zurück ins Bett begleiten zu lassen).
Nach einem guten, gemeinsamen Frühstück in der Stube sind wir wie geplant um zehn mit zwei Förstern in den Wald gefahren. Zuerst ganz hinauf zum Sag Bödele, einer alten Quelle am Rand unseres Gebietes am Ritten. Viele Zirben. Reifes Holz. Leider zahlreiche Käferbaume, Anlass für uns, dort rasch einen kleinen Schlag mit Seiltrasse hinunter zum Höhenweg auszuzeichnen zu wollen. Das mögen dann 150 bis 200 fm werden.
Dann sind wir sechs bei der Jagdhütte (ehemalige Seilbahnhütte) am Höhenweg hinunter zu den Schragen gegangen. Auf der Schattseite hinunter von der Brunnwies viele, fast unerreichbare Windwurfbäume, zum Teil schon mit dem Käfer drin. Auch da werden wir auszeigen müssen, vielleicht 200 bis 300 fm. Das junge Paar lief zurück, das Auto auf den oberen Stall hinunterzufahren. Dorthin bin ich dann mit den Förstern und Carla die Schragen hinuntergegangen. Vom Ende der Brandtlerstraße oder von der Serpentine des Italienerwegs werden wir eine Straße in die Schragen bauen müssen, damit das Gebiet dort erschlossen werden kann.
Am Nachmittag sind wir, die Förster und ich, dann vom Hof aus noch einmal hinaufgefahren, um von unserem Holzfäller zu erfahren, ob er das Holz von dort bringen kann. Gott sei Dank! Für kommenden Donnerstag, 12. August, 9 Uhr ist die Auszeige angesetzt. Davor können die Förster als Fachleute noch überlegen, wo die beiden Transportseile gespannt werden sollen, damit wir die nötigen Schneisen mit auszeigen.
Nach der Arbeit ging unser Pächter noch mähen, unsere steilste Wiese, die Leite. Zwar ist das Gras dort schlecht und teils schon recht trocken, trotzdem. Weil die Einachs-Mähmaschine immer rutscht, erfordert die Arbeit Kraft und Konzentration, ist auch nicht ganz ungefährlich.
Am Abend hatte Gisela Schweinebraten mit Reis, Sauce und Kochgemüse (»Succatash«) gemacht, der Mäher war mit eingeladen. So waren wir zu sechst, haben gut gegessen und zum Teil noch bis zehn fröhlich beisammengesessen, obwohl alle müde waren
Samstag, 7. August 2010, Boxis kommen, Grillfest.
Vormittag am Hof. Ich schneide die uralte, ganz verschossene Glyzinie weg, die Damen machen sich mit Perlen Armbänder, dann sortiere ich Fotos und schreibe Tagebuch. B. und M. sind hinauf auf den Berg, bis zur oberen Wies, und finden am Jagersteig Pfifferlinge. Albert, der Jagdaufseher, kommt und der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr: Am Dienstag machen wir die Feuerwehrprobe. Er hat ein Baugeschäft, interessant.
Nachmittags, gegen halb sechs, kamen die Boxis nach langer Fahrt von Bonn. Die Münchner Ostumfahrung war voll, also fuhren sie durch München und dann über Garmisch, Mittenwald. Eine schöne, aber lange Fahrt. Ich schiebe wieder eine Portion Bilder ins Netz, ein paar Stunden online, und verteile eine neue Version des Tagebuchs. Dem Kaspersky-Virenscanner werde ich endgültig verbieten müssen, Updates aus dem Netz zu ziehen: Täglich drei Megabyte, das ist ätzend.
Alle mitsammen haben wir dann angegrillt, das heißt, ich hab bei gutem Südwind den neuen Kugelgrill eingeweiht, G. hat kleine (Nürnberger) und große (Brat-) Würste, Schweinssteaks und mariniertes Roastbeef aufgelegt, dazu gab’s Kochkartoffeln, selbstgemachte Peperonata, Salat und interessante Saucen and zwei langen Tischen. Mit den Kindern waren wir elf!
Sonntag, 8. August 2010, ein kapitaler Bock, Kirche, Dorf und Abreise von B. und M.
Zur Kirche sind wir trotzdem noch rechtzeitig gekommen, haben sogar beim Nachbarn am Osterbach auf der Straße ein Reh gesehen, das sich über die Leitplanke in Sicherheit brachte. In der Kirche sang der Chor. Der (neue) Pfarrer schritt die Kirche ab, verteilte Weihwasser, und dann gab’s Weihrauch, dass der Altar vernebelt war. Wie hier üblich gelang die Messe trotzdem in 39 Minuten, unsere deutschen Gäste waren »fassungslos«. Bei ihnen läuft eine Messe eineinhalb Stunden. Kurz vor dem Kommunion kommt dann der Altpfarrer von hinten durch die Kirche zum Altar, um mit auszuteilen. Bis dahin sitzt er hinten im Beichtstuhl. Fromme Sitten wie ich sie bei uns in Bonn nur mehr von den Polen kenne.
Danach besuchten wir das Grab der Großeltern. Kaffee im Kaffee Kirchplatz (Dolomiten, Bildzeitung, Alto Adige), frühes Mittagessen beim Höllriegl, und zurück zum Hof. B. und M. fuhren um halb drei weg, ab über den Brenner. Wir trödelten herum, die »Slackline« wurde gespannt, ein Badminton-Netz, und die Kinder wollten nicht zum Nachbarn wandern, natürlich. Am Abend kam ergiebiger Regen, der uns beim Abendessen am Hof verscheuchte. Danach doppelter Regenbogen über dem Sam.
Montag, 9. August 2010, Bozen, Baden im Osterbach
Nachmittags fuhren Boxis und die Kinder zum Osterbach. Es muss aber ein kühles Vergnügen gewesen sein. Abends gab es wieder zu gut und zu viel zu essen: Brathendl mit Reis und Pilzsauce, dazu unser neu entdeckter Rosé spumante. Unser Verwalter schaute vorbei. Wir wollen die Ausbesserung der Fenster vorantreiben. Vor dem Zubettgehen schauen die Kinder noch Sterne, Boxis haben ein Teleskop mitgebracht. Der Himmel ist allerdings großteils bewölkt. Die heutige Dolomiten auf Seite drei unter einem Grauviehkalb: »Im wahrsten Sinne des Wortes Sommerfrische fürs Vieh: Zu trocken und zu kalt ist es derzeit für Kühe und Kälber aus Südtirols Almen.« Da werden Schlachtvieh billig (z. Zt. 70 Cent/kg) und Heu teuer werden (»Heuer liegen wir also ganz sicher über 20 Cent fürs Kilo Heu.«).
Dienstag, 10. August 2010, Klettergarten, Feuerwehrfest fällt ins Wasser
Wurde Holz früher bevorzugt von oben auf eine Straße darunter getrieben, so hat sich das heute umgekehrt. Heute holt man das Holz schonend mit dem Seil von unten herauf. Wege sollten also tendenziell oberhalb des zu erschließenden Gebiets verlaufen, nicht, wie früher, unterhalb.
Am Abend kam der Hydrauliker wegen dem neuen Anschluss des öffentlichen Wassers. Die Feuerwehr kam dann nicht (obwohl wir so viel Speck und Käse bereitgestellt hatten), drinnen im Dorf hatte ein Gewitter Keller überschwemmt. Da war die freiwillige Feuerwehr nicht mehr frei.
Mittwoch, 11. August 2010, Gardasee, Besuch Bruder mit Sohn
Wir waren derweil am Hof, zu zweit, Ruhetag. Mittags kam überraschend mein Bruder mit seinem Sohn Harry. Sie hatten eine Zwei-Tages-Tour auf den Latemar gemacht und sind dann von hier – gestärkt von Speck, Käs und Kuchen – durch den Wald hinauf in ihr Quartier auf der Lentsch gefahren. Ich hab ihnen aufgemacht und bin dann vom mittleren Stall heruntergewandert – ca. fünf Eierschwämme, sonst nichts. Um Fünf kam der Fenstermann und hat aufgenommen, wo Scheiben fehlen oder beschädigt sind, wo nachgekittet werden muss (macht man heute mit Silikon), hat sogar am Dachboden die ganz heruntergekommenen Außenfenster von unserem Schlafzimmer gefunden und eingehängt.
Am Abend bin ich nach Jenesien gefahren und habe mir ein Funk-Internet angesehen, über das ich in den Dolomiten berichten will. Eine Speziallösung, um einsame Höfe und Gegenden ohne DSL anzubinden. Geht sehr gut, war allerdings hier nicht die Wald-und-Wiesen-Installation. (1700 bis 200 kbit/s Download, 300 kbit/s Upload, Ping-Zeiten um die 40 ms, € 30 inkl. MWSt./m. Dagegen war Mobilfunk ohne Chance.)
Donnerstag, 12. August 2010, Regen, Kastanienfest, Feuerwehrprobe
In der Früh hat es gegossen. Die Auszeige fiel also buchstäblich ins Wasser, ebenso das Reiten am Ritten für die Kinder am Nachmittag. Ich bearbeite Fotos, Mail und Tagebuch, Gisela bereitet Essen vor, weil heute das Feuerwehrfest klein nachgeholt werden soll und die »Kastanienfeier« steigt. Unsere Gäste fahren ohne die Kinder nach Bozen, das bei diesem Wetter und Ferragosto hoffnungslos überfüllt ist. Sie kämpfen sich im Stau um die Stadt zum Spar in der Industriezone durch. Dort gibt es gefällige Geflügelscheren für fünf Euro und Biernachschub für unsere Feiern, danke! Hier heroben spielen die Kinder in Zimmerhüttl und Stadt. Endlich einmal richtig spielen, ohne Elektronik oder Plastikfiguren.
Freitag, 13. August 2010, Auszeige am Sag Bödele
Ich erwische mich immer wieder dabei, alte Geschichten zu erzählen. Wie früher die Bäume mühsam und kunstvoll mit langen Sägen gefällt wurden, wie dann gut gezielt mit dem Beil ein Kreuz in den Stock geschlagen wurde, wie … Ich sollte das sein lassen. Es sind immer dieselben alten Geschichten, Einzelheiten aus einem Gesamtbild, das vergessen und vergangen ist, und das so recht keinen interessiert. Es macht mich höchstens alt, wehmütig, rückwärtsgerichtet.
Überhaupt merke ich, wie schwer es uns allen fällt, hier, jetzt und da zu sein, den Augenblick oder doch wenigstens den Tag zu leben. Da dudelt Musik (heuer groß im Kommen: We No Speak Americano. Comm t pò kapì ki t vo ben, Si tu I parl miez american, Quann s fà l’ammor sott la luna, Comm t ven n’gap e t’ì i love you. Pà Pà l’americano), dort schmökert man ein Buch, jemand ruft an am Handy, eifrig werden SMS ausgetauscht, und selbst beim klassischen Waldspaziergang laufen die Gedanken sonstwo hin, meist nach anderswo. Gisela hat ihre Ausschreibung gewonnen, das erfährt sie von ihrem Chef, große Freude; ich schreibe ein Mail an unser neues Wasserkraftunternehmen hier, die SEL AG, sie mögen uns von den Hochspannungsmasten vor dem Hof befreien, bekomme mit, dass die Leitungen wieder an eine andere Firma weitergegeben worden sind, an eine SE Hydropower GmbH, und frage mich, ob dergleichen nicht wieder so ein Verscherbeln öffentlichen Tafelsilbers auf Kosten kommender Generationen ist, wie wir es aus Deutschland kennen. Nachts lese ich stundenlang »The Orientalist« von Tom Reiss und bin geistig zwischen Berlin und Baku, bei Emigranten (das Wort gibt es fast nicht mehr) und vergessenen politischen Wirren. Doch zurück zum Dort-Sein, wenn man doch hier ist. Vielleicht sollte ich wirklich eine Pilgerreise tun, um die Gedanken nachkommen zu lassen, aufholen in ein langsameres Jetzt.
Abends dann letzter Abend mit Boxis, die uns zu Pizza im Dorf einluden, beim Hofer. Vorher erwische ich noch meine Mutter am Telefon, die heute 91 wird.
Samstag, 14. August 2010, einer zur Messe, zwei zum Shoppen
Um halb Acht war im Dorf eine Messe für Paul Springer und seinen erst kürzlich verstorbenen Bruder, sehr gut, feierlich, und doch nicht übertrieben: 34 Minuten, keine Predigt, zirka 200 Leute. Vorher bin ich noch ans Grab gegangen und habe eine Kerze angezündet. Es war ein herrlich schöner Morgen, so schön, wie sie nur früh und nach Regenwetter sind, dabei zehn Grad frisch. Am Rückweg traf ich noch kurz Josef O. unten auf der Noag Wies beim Durchforsten. Dann letztes Frühstück mit Boxis, ihre Abreise über Bozen, weil die Kleine noch Ausmalhefte haben wollte, die es nur dort gibt … Oh, diese Stadtmenschen! Bald darauf zog es auch meine zwei Frauen nach Bozen, trotz des herrlichen Wanderwetters. »Mittags« um halb vier kamen sie wieder. Boxis besichtigten auf der langen Rückfahrt nach Bonn noch Schloss Linderhof und einen berggasthof in 900 m Höhe, bis sie erst um Fünf wieder loskamen und doch schon um halb elf zu Hause waren; Regen auch dort.
Nachmittags buk Gisela einen Kuchen, Pfirsiche drauf und bestrichen mit heißer Aprikosenmarmelade aus der Mikrowelle, wunderbar. Etwas Gries im Teig, meinte sie, sei der Trick. Abends fing es dann wieder zu regnen an. Wir spielten zum ersten Mal »Dolopoly«, das Monopoly der Dolomiten, und hatten unsere Freude dran.
Sonntag, 15. August 2010, bei »Strobls«
In der Nacht hat es wieder ausgiebig geregnet und gewittert. Weil wir gestern so lange aufgeblieben waren, zudem mit schlechtem Wetter gerechnet hatten, haben wir erst gar nicht versucht, uns zu den ausgiebigen Mariä-Himmelfahrt-Feierlichkeiten im Dorf aufzumachen. Schade.
Danach hier gleich wieder eine Runde Dolopoly, bis gegen zehn, dann ins Bett.
Montag, 16. August 2010, Auszeige auf den Schragen
In der Nacht habe ich dann noch ein liebevoll mit dem Ipod gefilmtes Geburtstagsvideo von Carla für Birte auf Youtube hochgeladen, eine knapp 40 Megabyte große MP4-Datei (BirteGeburtstagCarla.mp4 35,9MB). Bei der hiesigen Modemgeschwindigkeit von nominal 34,6 kbit/s dauerte das fast sechs Stunden; bis 100 % mussten 43 MByte hoch- und sonderbarerweise 6,6 MByte heruntergeladen werden, ca. 10 MByte/h; danach ging es weiter, doch wozu? Ich weiß nie, welcher Prozess eigentlich welche Daten überträgt, und das bei all dem Gerede über Internet-Sicherheit! Das Video steht seit auf www.youtube.com/watch?v=VToF3EynqQ0&hd=1, ich hoffe wenigstens. Scheinbar hat Youtube schon das nötige Drehen um neunzig Grad mit erledigt, um das ich mich hier vorher vergebens (mit Virtualdub) bemüht hatte, weil ich nicht das neueste Picasa am Rechner habe, das das kann. Zwischendurch stürzte der Rechner ab, usw.
Dienstag, 17. August 2010, Carlas 9. Geburtstag, Trient, Fest
Bis zur Abendeinladung für Carla hatten wir Zeit, Zeit, um ins nahe Trient zu fahren. In rund einer Stunde ist man dort, von Bozen aus gemütlich auf der Autobahn durch endlose Apfelplantagen, immer wieder hin und her über die Etsch, rechts und links die steilen Felsen mit den trockenen Wäldern der Salurner Klause, von Alters her Sprachgrenze zwischen Italienisch und Deutsch, heute Provinzgrenze. In Trient führte uns die Navigation gut zum Schloss, Castello del Buonconsiglio, Eintritt € 7 bezw. gratis für unter 18-Jährige und Presse.
Im Schloss war eine weitläufige Glasausstellung, von den schönen Fresken und interessanten Räumen beinahe ablenkend. Interessante Filme aus Murano, kitschiges und weniger kitschiges Glas die Fülle, dann der schöne Blick aus dem Treppenhaus, die alten Gänge, der Innenhof mit der Loggia und wieder ihren Fresken; schön, ein schon öfters besuchtes Schloss zu besuchen. Wir verloren uns immer wieder, zum Glück gibts Handys. Seitenblicke auf Italiens Helden (und Österreichs Deserteure, i. e. Cesare Battisti) nur für den, der darauf sein schowinistisches Augenmerk richtet, gewiss nicht für aktuelle Touristen. (Viktor Emanuel am 9. 11. 1918: … Oh Soldaten und Matrosen, schon jetzt segnen euch die antiken und die jüngsten Märtyrer und die Kommilitonen, die an eurer Seite gefallen sind, auf dass ihr Blut nicht umsonst für euch vergossen ward, und das ganze Vaterland jubelt euch zu, denn für euch wurde sein Ziel erreicht; und euer König drückt euch das Wort der Dankbarkeit mit tiefer Bewegung des Gemütes aus, das sich zu euch aus dem Herzen des ganzen Volkes Italiens erhebt. (… O soldati e marinai già vi benedicono i martiri antichi e recenti ed i commilitoni che caddero al vostro fianco poiché per voi non fu sparso invano il loro sangue e la patria intera vi esalta poiché per voi fu raggiunta la sua meta e il vostro re con profonda emozione di affetto vi esprime la parola di gratitudine che si eleva a voi dal cuore in tutto il popolo d’Italia.)
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Als Einschub hatte ich mir vorgenommen, über die Geräusche hier am Hof zu schreiben, vor allem über die verschiedenen Türen. Schön die große, schwere Haustüre mit ihrem ausgeleierten, etwas herunterhängenden Griff fällt schon mit einem charakteristischen Klack ins Schloss, wobei man sie ja eher zumacht als zuwirft. Stube und Gästezimmer haben extra Schließfedern, die fallen schnell (Stube) oder langsam (Gästezimmer) zu, wenn sie nicht offengehalten werden. In der Stube sorgt ein gebogenes Stück Baudraht dafür, das um einem der beiden Garderobehaken geschlungen ist – ebenfalls Improvisationen aus großen alten Nägeln oder Holzstiften. Die Schlösser der Türen sind hier nicht einheitlich und vielfach noch alte Kippklinken. Sie fallen, wenn überhaupt, alle anders »ins Schloss«. Die U-förmigen, festen Teile muss ich immer wieder gelegentlich in den Türstock zurückklopfen, damit die geschlossene Tür nicht zu locker steht. Am wichtigsten ist der Klack der Kühlschranktür, eine Art Doppelschlag, nur aus dem zu erkennen ist, ob der Kühlschrank hier in der Stubenküche auch gut geschlossen ist. Dann kämen die hölzernen Schläge etwa der Tür zur alten Werkzeugkammer im Haus, das Tor zur Tenne, usw.
Mittwoch, 18. August 2010, Pragser Wildsee, Packen
Abends haben wir dann schon einmal unsere Sachen gepackt. Das macht fast ganz allein Gisela. Ich bin nur für Technik zuständig, eventuell für Wäsche, Schuhe, Graffl. Letzte Nacht.
Donnerstag, 19. August 2010, endlich wieder strahlend schön, letzter Besuch, Rückreise
Noch bevor gegen elf unsere Bonner Freunde von Rabland im Vintschgau kamen, haben wir das Auto vollgepackt, die Betten abgezogen, Wäsche gestartet. Der Tag war ausnehmend schön, wie das so ist nach trüben Tagen und sich gehört, zur Abreise mit besten Erinnerungen.
Ich konnte wieder einmal Haus und Hof zeigen, die Kinder durften Heuhüpfen, selbst der Junior mit seinem Rucksack beteiligte sich unermüdlich. Einfach ein heiteres Beisammensein. Gedankenaustausch über den Hof, dazu Jörns Lebensgeschichte, ein wenig Foto-Fachsimpeln (Filme sind fast nicht mehr zu bekommen), Talblick und drei Parasole auf der Wiese. Der schöne weiße Bovist mitten am Weg, den ich zwei Wochen vorher nicht gepflückt hatte, ist jetzt einfach nur noch ein alter, ausgetretener Staubpilz. Unsere Gäste fuhren dann am Nachmittag wieder weg, gerade als »die Jäger« noch einmal zum Abschied vorbeischauten.
Bewegte Ferien, die unter dem verregneten Wetter gelitten haben, vielleicht auch ein wenig durch unsere Ungeduld, immer etwas erleben zu wollen. Ich hatte viel im Wald zu tun. Gisela wäre gerne mehr hinaus gekommen, nach Ferrara, Vicenza, Modena – beim nächsten Mal. Carla kam mir natürlich zu wenig mit in den Wald; da aber bin ich unersättlich. Eine andere Welt.
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