9. Januar 2015

Mild auf neue Rechtschreibung ändern

Inzwischen sehen alte Texte alt aus, wenn sie in alter Rechtschreibung daherkommen, egal, wie man zu der Sache steht. Wie bringt man Texte aus alter in neue Rechtschreibung?
   Was ich hier zeige, ist ein pragmatischer Ansatz zu einer »milden neuen Rechtschreibung«.
   Denn erstens haben sich viele Regeln der neuen Rechtschreibung seit der ursprünglichen Ankündigung 1996 nach der Jahrhundertwende geändert, Details hier, was viele Kritiker nicht mitbekommen haben. Vor allem die vielkritisierte Getrenntschreibung ist stark gefallen.
   Und zweitens hat die Kunst des Rechtschreibens generell gelitten. Wie oft wird sogar statt dass bloß das geschrieben, was das Lesen wirklich erschwert. Also merken die meisten Leser nur, wenn nach wie vor daß da steht. Inzwischen sind weniger scharfe ß das einzig Auffallende an der neuen Rechtschreibung.
   Angesichts dessen hier Tipps (vormals Tips hätten Sie’s gemerkt?),
am Beispiel Microsoft-Word.

• Holen Sie sich eine Kopie des alten Textes in Ihr Word.
• Stellen Sie Ihr Word auf neue Rechtschreibung: Extras, Optionen, Rechtschreibung und Grammatik, Korrekturhilfen, Neue deutsche Rechtschreibung:

… und bei Änderungen Ihr OK nicht vergessen! (Stören Sie sich nicht an den altaussehenden Screenshots.)
   Dazu Extras, Sprache, Sprache festlegen, Deutsch (Deutschland).
   Jedenfalls tut die Korrekturhilfe not.
• Gehen Sie nicht in den Korrekturmodus, das verwirrt bloß.  
   Vorsicht, besonders bei globalen Änderungen, und zwischendurch öfters mal speichern ist besser. Dann können Sie bei Böcken, die Sie schossen, wieder zurücksetzen.
• Wer Angst hat, kann erst einmal zu wiederfindbaren Zeichenkombinationen wandeln, etwa statt zu ss zu s*s oder im Fall des ß zu *sz* (mit den Sternen). Dann stören Sie bei nachfolgend weiterer Suche nach ss oder ß die schon korrigierten Stellen nicht. Am Schluss löscht man die Sterne heraus. Das hab’ ich nicht gemacht, weil das mich (und das Korrekturprogramm) verwirrt.
• Los geht’s mit daß zu dass:

Zu »Suchen und Ersetzen« kommen Sie auf vielen Wegen, etwa Strg-F (wie find) für Suchen, und dann auf den Reiter Ersetzen klicken.
   Dieses Ersetzen können Sie getrost global machen, also »Alle ersetzen«. 
• Ab jetzt wird’s kniffliger. Hier meine Erfahrungen (wobei »Ausnahmen die Regel bestätigen« :–).
· uß bleibt meist uß außer in Fluss, muss, Nuss, wusste und wüsste. Beispiele Ruß, Fuß.
· aß wird zu ass (bei mir Süddeutschen sogar bei Spass), außer bei Maß (das man bekanntlich außer bei der Mass mit langem a spricht, sodass der nachfolgende Konsonant nicht verdoppelt wird). Beispiel veranlaßt zu veranlasst
· oß bleib oß, etwa in bloß.
· iß zu iss, Kompromiss, frisst, Imbiss.
· eiß bleibt eiß, wie in heiß.
· üß zu üss, tschüss!
• Verlassen wir das S. Kommen wir zu auffälligen Einzelwörtern.
· umso zu um so (muss aber, meine ich, nicht sein)
· abend zu Abend, nicht aber abends
· plazieren zu platzieren mit konsequentem t, merkt aber auch keiner.
· Tip und Stop zu Tipp, Stopp, was schon eher auffällt, wenn’s »alt« ist.
· numeriert zu nummeriert, selten und wenig auffällig.
· Schiffahrt zu Schifffahrt, wenn der Text nautisch ist.
· Ob Sie z. Zt. in zurzeit oder – wie ebenfalls Duden-empfohlen – in z. Z. ändern, ist Ihre Sache. Ich bin inzwischen dafür, im Elektronischen möglichst alles auszuschreiben, das »kostet« ja nichts und sieht schöner aus.
   Überhaupt: Locker bleiben bei der neuen Rechtschreibung, lieber nur wenig Anpassungen als keine. Am Bildschirm kann selbst der pingeligste Leser nicht mit Bleistift reinkorrigieren. Ziel ist: Der Leser soll’s flüssig lesen können, und nicht an unnötig Auffallendem hängen bleiben.

• Uff. Zum Schluss gehen’S noch einmal über den ganzen Text, sehen sich die Word-Korrekturen an, doch entscheiden Sie selbst, ob Sie denen folgen.
   Das »Hinzufügen zum Wörterbuch« ist ganz praktisch, dann stört er sich fürderhin nicht mehr dran. (Wenn Sie noch kein privates Wörterbuch haben, Abhilfe gibt’s hier.)

Praktisch:
Verschiedene Suchmaschinen
für das Browser-Suchfeld.
Viel Erfolg, und lassen Sie wissen, ob Ihnen das was geholfen hat, und was Ihnen noch aufgefallen ist. Ob ich einmal ein Word-Makro dazu mache, weiß ich noch nicht. Das mag nicht dafürstehen, weil jede automatische Wandlung immer noch Fehler haben wird, und der Ursprungstext vermutlich auch …

Der Duden online: http://www.Duden.De/woerterbuch, super! Ich empfehle sogar, sich den Duden als weitere Suchmöglichkeit in das Browser-Suchfeld zu holen, wie rechts, aber that’s another story.

Weitere Themen
Goethes Schrift:
http://blogabissl.blogspot.com/2015/01/neil-macgregors-germany.html#Goethe

http://blogabissl.blogspot.de/2014/01/alte-texte-bearbeiten.html,

überhaupt vielleicht
http://blogabissl.blogspot.de/search?q=Fraktur

Dieser Eintrag steht auf
http://blogabissl.blogspot.com/2015/01/mild-auf-neue-rechtschreibung-andern.html

Kommentare:

Clarissa Smith hat gesagt…
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Fritz Jörn (Fritz@Joern.De) hat gesagt…

Liebe Clarissa Smith, als Autor und oder Übersetzer sollte man immer die Leser im Auge haben: Was lesen die am Natürlichsten? Wie sind’s die gewöhnt? Soll das Schriftbild schön sein? Für mich gibt es nichts Ärgerlicheres, als mitten in einem spannenden Text an irgendwelchen ungewohnten Schreibungen oder Wörtern hängen zu bleiben. Dabei stören mich schon pompöse Aussagen à la »Die Türe besitzt eine Klinke«. Ein weites Feld …

Clarissa Smith hat gesagt…
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Clarissa Smith hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Clarissa Smith hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Fritz Jörn (Fritz@Joern.De) hat gesagt…

Liebe Frau Smith, schön, dass Sie sich so viele Gedanken machen um Sprache! Zumal Sie, wie jedermann, es sei denn ein Schreiber von was Amtlichem, schreiben können, wie Sie mögen. Das tun denn auch die meisten, gewollt oder ungewollt.
 Wenn Sie aber »ankommen« wollen beim Leser, so sollten Sie sich überlegen, was Sie ihm geben wollen: Staunen über Schreibweisen, Inhalt, glatten Stil usw. Je nachdem sollten Sie sich auf seine Lesegewohnheiten einstellen.
 In meinem Beispielsatz »Die Türe besitzt eine Klinke« kritisiere ich das übergewichtige »besitzt«: Sie hat eine Klinke, fertig. Und weil man heute Tür nicht mehr mit -e spricht, Tür sich reimt auf »Kür«, lässt man das schöne e weg (seit 1901).
 Bei Zusammensetzungen empfehle ich ebenfalls, dem Sprechgebrauch zu folgen. (Einen Text laut lesen, hat immer schon geholfen.) Weil man aber Bindestriche nicht hört, dieser Rat: 1. Treffen im zusammengesetzten Wort Fremdwörter auf deutsche, dann bitte Bindestrich, etwa »Chicorée-Salat« 2. Wenn die Zusammensetzung allzulang wird, nach Sinn-Bestandteilen trennen (offiziell ab drei Teilen erlaubt) 3. Nie ohne Bindestrich! ’s ist ein großer Vorzug des Deutschen, dass man auf einen Blick weiß, was zusammengehört.
OK?

Clarissa Smith hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Fritz Jörn (Fritz@Joern.De) hat gesagt…

Clarissa, gut, dass Sie nur für sich schreiben (passiert öfter als man denkt)! Ihr Deutsch klingt autodidaktisch. Wenn’s nur schön aussehen und ansonsten gerne schecht zu lesen sein soll, könnte ich noch Gabelberger empfehlen.
Die neue ß-Schreibung ist sehr sinnvoll, am Beispiel: du must = du bereitest einen Brei, ein Mus; du muhst = klingst wie eine Kuh; du musst = … und kannst nicht anders.
Warnung: Ich lasse nur allgemein nützliche Kommentare zur Sache durch, sonst bitte unter vier Augen: Fritz@Joern.De

Fritz Jörn (Fritz@Joern.De) hat gesagt…

Pardon, muss Gabelsberger heißen, siehe hier

Clarissa Smith hat gesagt…

Not really commenting right now, but just informing you, I'm NOT fine with constantly being censored here. Therefore I have deleted ALL my comments on this blog. Under conditions like here I'd rather like to not have commented in the first place.

At times being lectured is bearable. But it's your attitude to constantly lecture and this really tires me. Personally, I avoid to remind people that they are not perfect. You criticize all the time. You trashed my favicon, now it's my German language. It's not upsetting me, but now I have enough and go away.