8. Juli 2008

Ein FeriendienstagDas ägyptische Museum in Bonn

Carla sollte mittags nach Limperich gebracht werden, das ist auf der anderen Rheinseite, südöstliches Beuel. Es ist regnerisch. Also fuhren wir mit der Straßenbahn. Die aber fährt nicht. Mitten in Beuel ist große Baustelle, ein neues Schienenbett wird gelegt, Schwellen, die nach Karbolineum riechen, blitzende Schweißarbeiten, kunstvolles Teeren, ein Bild hoher Kosten, wie es sich für das mittellose Bonn und dieses rein öffentliche Verkehrsmittel gehört. »Schienenersatzverkehr« war angekündigt, dessen Haltestellen nicht zu finden, jedenfalls nicht für mich Gelegenheitsverkehrsverbundenen. Also haben wir die Beueler City zu Fuß gequert, sind am alten Beueler Bahnhof wieder eingestiegen in die Linie, und dann aus unbändiger Fahrfreude gleich noch eine Station zu weit gefahren. Carla ging nur unter Protest wieder zurück. (Bild links: Uschebtis und Gesicht einer Königsfigur, Fayence, Spätzeit und neues Reich, um 600 und 1200 v. Chr., mit Blick auf die Adenauerallee; rechts: Frauenfigur auf einem Bett, bemalter Kalkstein, Neues Reich, ca. 1550—1290 v. Chr, im Hintergrund der schöne Kopf einer Grabstatue eines hohen Beamten, Altes Reich, ca. 2300 v. Chr.)

Ich bin dann zur Strafe ganz zu Fuß zurückgegangen von Beuel-Limperich nach Bonn, zwischendurch eine Schiffsreise mit der Fähre. Eine Stunde. Schön, erlebnisreich – große Wiesen, zwei reife Brombeeren, ein Wegkreuz (das, wo Birte ihren Radunfall hatte), an der Anlegestelle ein sehnsüchtiger Anschlag mit der Suche nach der am 29. Juni verlorenen »wunderschönen Frau. … Zuerst trafen sich unsere Blicke, als ich auf einer Bank saß, und dann einige Minuten später an der Fähre. …« Da wird einem doch gleich warm ums Herz. Mögen sie sich treffen und mögen.

Oben im Hofgarten hatte ich immer noch nicht genug »Exkursion«. Ich suchte mir das ägyptische Museum. Ein großer, schöner Saal im ersten Stock des Palais, Eingang östlich der Durchfahrt der Adenauerallee vom Park aus. Eine wahre »Musterausstellung«: genug für Reminiszenzen, ein bisschen Bildung, nicht zu viel für eine kurze Visite. Ein viertausend Jahre alter Holzsarg, Modelle wie Spielzeug, die Eleganz bescheidener Mittel, künstlerisch und handwerklich perfekt bearbeitet. Eine wilde Schlachtszene als großes Platten-Halbrelief. Katzen (Bilder: Mumienmasken, Karton bemalt, vergoldet, ptolomäisch, 3.—1. Jh. v. Chr.) Ewiges Leben. Für mich eine Erinnerung an Berlin, Pergamon (noch DDR-verstaubt), 6×6-Schwarzweißfotos mit der Mamiyaflex. Nun, da höre ich jetzt hier aus dieser meiner Studentenzeit dazu Chanson pour l’Auvergnat etc.

Das ägyptische Museum in Bonn, Di—Do 12—18 Uhr

6. Juli 2008

Carla morgens in der Bahn

Godesberg III – »klassisch«
– Besuch am Burgfriedhof

Jetzt weiß ich, dass mein erster Aufstieg zur »Godeburg« über die Direttissima (Südflanke) nicht gerade der schönste war. Wer diese »Burg« – als Burgenkenner kann man das Godesberger Ruinchen nur in Anführungszeichen setzen – und die Michaelskapelle besichtigen möchte, sollte entweder comme if faut mit der Limousine vorfahren oder hintenherum einen der Wege zum Burgfriedhof« wählen (Nordostflanke).

Der alte Friedhof ist schön, gepflegt, aktiv – ich erlebte sogar eine Beerdigung und hoffe nicht gestört zu haben. Ein Grabmal wohl aus Rudolf-Steinerscher Zeit fiel mir auf, das »Grabmal Dernen: ›Mutter Erde‹« (1912 vom Österreicher Adolf Simatschek), zuletzt dort begraben Irmgard von Wittgenstein, † 31. Mai 2000.

Außerdem hatte ich diesmal ja ein besonders aufmerksames Auge für Geschriebenes. Schon bei der Hinfahrt war mir in der U-Bahn der Sprachschmarren aufgefallen: »Bitte beachten Sie das Verzehrverbot auf Kölner Stadtgebiet!«. Zurück zu weniger verschrobenen Zeiten: Hier am Friedhof kann man fromme Sprüche über die Jahre kennenlernen, vom »frommen Andenken an die wohlachtbaren Eheleute Joh. Wilh. Düren, gew. Bauunternehmer (und seine Frau) … Fromme Christen! betet für Sie, damit Sie ruhen in Frieden« (sic) zu Ende des 19. Jahrhunderts über »in deutscher Heimaterde in Ostpreußen ruhen …« bis zur heutigen Sprachlosigkeit im Angesicht des Todes.

Sehr schön sind die Wegkreuze überall in Godesberg – hier die von 1751 und 1686 auf dem Burgfriedhof. Zu den unerklärlichen Zeichen schreibt mir dankenswerterweise Hans-Jürgen Müller von der die Denkmalbehörde in Bonn:»Es handelt sich um ein ehemaliges (Stein-)Wegekreuz aus dem Marienforster Tal. Die Symbole (Hauszeichen) sind nicht vollständig beziehungsweise eindeutig zuzuordnen. Vermutlich handelt es sich um die Initialen der Stifter des Kreuzes, die möglicherweise Pächter der Wattendorfer (Wasser-)Mühle waren. Dieses Kreuz - wie auch das zweite aus dem Jahre 1751 - gelangte nach 1890 im Zuge von Straßenausbauten auf den Burgfriedhof. Beide sind als historische Ausstattungsstücke des Baudenkmals Burgfriedhof anzusehen, der seit 1984 unter Denkmalschutz steht.«

Zur Kapelle bin ich dann gleich zweimal gepilgert, alleine in der Früh und Mittags mit Carla. Wir begrüßten sogar aus gebührender Ferne die fromme Eremitin Schwester Benedicta, eine Servitin, als sie die Monstranz aus dem Tabernakel nahm (»Zeit für geistliche Gespräche Samstag 15.00 bis 17.00»).

Dann ging es mit Carla hinauf auf den Turm, gleich zwei Mal, denn Carla hatte vergessen, die Treppenstufen zu zählen. Wir kamen hinaufzu auf 157, hinunter auf 156, plus die fünf außen … Der Blick war nach den Unwettern am Vortag besonders klar und weit, hier der Kölner Dom von Bad Godesberg aus gesehen – und ein Lob auf meinen neunen Fotoapparat, eine Panasonic Lumix DMC-FZ18, die bei Bildgrößen bis zu drei Megapixeln von 28 bis 804 Millimeter Brennweite (auf 35 mm ungerechnet) optisch zoomt und einen das auch noch frei aus der Hand verwacklungsfrei nutzen lässt!

Noch ein letztes kleines Schriftbild aus Godesberg, das ja ganz in arabischer Hand ist:


PS: Ich mag bald keine Bilder mehr einstellen. Man muss sich nur einmal ansehen, was schon alles im Netz steht. Da kann man seine Kamera gleich zu Hause lassen! Birte hat mich auf die Tour de France im Netz aufmerksam gemacht: http://www.google.fr/landing/tourdefrance2008/. Ich bin gleich ein wenig durch mein geliebtes Kalifornien gereist – deutsche Städte sind noch nicht zur Durchfahrt (»Straßenansicht«) mit Google bereit. Hier dafür ein Stück Champs-Elysées – auf den Link klicken und herumfahren.

PS. Über den berühmtesten Godesberger Stein habe ich nichts geschrieben, weil ich lange – und immer noch – an den Titeln dieses Herrn Venidius Rufus herumrätsele. Latein steht auf besagtem Stein, etwas ergänzt: Fortunis Salutaribus Aesculapio Hygiae Quintus Venidius Rufus Martius Maximus Lucius Calvinianus legatus legionis I Minerviae legatus Augusti pro praetore provinciae Ciliciae dono dedit. Soviel, so gut, und zu deutsch: Den Fortunae salutares (heilbringenden Gottheiten), dem Aesculap und der Hygia (vergl. unser Fremdwort Hygiene) stiftete diesen Stein Quintus Venidius Rufus Martius Maximus Lucius Calvinianus (dessen viele Namen auf Adoption und Hinzufügung der Namen mütterlicher Verwandten beruhen), Legat (= Kommandeur) der I. Minervischen Legion, kaiserlicher Statthalter der Provinz Cicilien.
···
Die Römer hatten eine Menge »Fortunen«, Glücksgöttinnen, der Gesundheit zumal. So gab es z. B. eine Fortuna Balnearis, der Bäder. Fortunis ist weiblich, Plural, Ablativ. Aesculap, vom Zeichen für Ärzte bekannt, ist deren Gott, Hygieia seine Tochter, für Hygiene zuständig. Der Stifter Lucius Calvinianus war der Chef der Legion, und zugleich – oder später, oder wie? – Statthalter in Sizilien? (Man hat die Vornamen als drei Stifter interpretiert. Marius Maximus soll ein Geschichtsschreiber gewesen sein. Ich meine, das waren einfach weitere Vornamen Calvinianus’.) Die Legio I Minervia wurde 82 vom römischen Kaiser Domitian für seinen Feldzug gegen die Chatten gegründet. Das Zeichen der Legion war die Göttin Minerva, Patronin und Namensgeberin der Legion. Die Legion war zunächst in Bonna (dem heutigen Bonn) stationiert, nahm aber an Feldzügen im gesamten römischen Reich teil. 89 war sie an der Niederwerfung des Saturninus-Aufstands in der Provinz Germania Superior beteiligt und erhielt den Beinamen Pia Fidelis Domitiana. Unter dem Kommando des späteren Kaisers Hadrian nahm die Legion an den Dakerkriegen Kaiser Trajans teil. Ihr Feldzeichen lässt sich noch heute auf der Trajanssäule betrachten. Nach der Eroberung Dakiens kehrte die Legion nach Bonn zurück.
···Doch meine Frage war nun nun: Wo war der Mann Statthalter? Provinciae Ciliciae – wo war das?
···In Sizilien, wie’s gern übersetzt wird? In Kilikien, wie andere vermuten – noch weiter weg von Bonn? Hat er den Stein gestiftet, als er dorthin zog? Ich weiß es nicht.
···Jedenfalls steht eine Kopie des Steins an der Godeberger Burg, das Original im Rheinischen Landesmuseum Bonn, ist dort allerdings meines Wissens nach nicht ausgestellt. Das Original ist aus hiesigem Trachyt, also schwarz; die Kopie hat Restaurator Keller aus Zement gemacht, also hell, aber das macht nichts. Farbe würde bloß abblättern.
Mein Foto 201004\Godesbergstein.jpg, meine Datei Godesbergstein.doc

3. Juli 2008

Godesberg II – »Ich Touri«

When a tourist, be a tourist – das ist meine Devise, wenn ich das erste Mal wo hinkomme. Den Michelin abklappern! In Bad Godesberg, das seit 1969 zu Bonn gehört, bin ich allerdings weniger fremd, hatte zwei Jahre lang jeden Montag Carla zum Singen in die Musikschule gebracht. Und jetzt eben eine Woche lang zur Zirkusschule. Also letzte Gelegenheit zu Besichtigungen, nicht nur arabischer Kaffeehäuser. Zumal die Tage ausnehmend heiß waren.

Vorgestern habe ich mir die Redoute (wörtl. Kostümball) und die anschließenden Gebäude angesehen. Das ganze schöne Ensemble soll aus der Hand der verarmten Stadt Bonn »in private Hände« gegeben werden. Europaweit wird ein Investor gesucht, der ein »hochwertiges Wellness-Hotel« daraus macht. Ein Luftschloss? Es regt sich Bürgerunwillen. Die Argumente werden gegenseitig auf Plakaten ausgetauscht. Ich kenne das aus Bonn selbst. Sind städtische Gebäude einmal gebaut oder aufwendig renoviert, lässt man sie langsam herunterkommen, müsste die Stadt doch die Erhaltung aus ihrem (leeren) Säckel bestreiten. Ein Neubau hingegen gilt als Investition und gelingt mit neuen Schulden. Land oder Bund legen dann noch etwas dazu, auf dass es von der Stadt her unwidersprechbar heißt: ›Hätten wir das Geld nicht ausgegeben, so wären die fremden Mittel verschwendet gewesen …‹ Oder: ›Wir haben ohnehin nur einen Teil zahlen müssen.‹ Kameralistik über mehrere »Kammern« hinweg.

Zurück zur Schönheit des Vergangenen, Vergehenden. Die Redoute ist heute ein Ballsaal, geschlossen; von außen, vom Stadtpark her aber ein schöner, barocker Anblick, repräsentativ. Rechts daneben (nördlich) das »Redüttchen«, ein Gasthaus; gleich links daneben ein schöner zugänglicher Bau, das »Haus an der Redoute«. Im Erdgeschoss eine Bildergalerie in den klassizistischen Räumen. Eine freundliche Dame am Empfang erzählt vom Bau. Ehemals in Privatbesitz, jetzt städtisch – oben hat sich, recht passend, der Denkmalschutz mit seinen Büros niedergelassen. Reste schöner Marmorierungen. Über hundert Jahre alte Parkettfußböden, weißer Stuck. Leider Türen und Türstöcke (der Stuck auch?) weiß überstrichen. Sonnendurchflutet. Die ausgestellten Bilder Geschmacksache. Ein paar Gebäude weiter unten die Musikschule, die hatte ich schon gekannt. Alles zusammen ein ausnehmend schöner Straßenzug.

Gestern dann – meine Zeitung war ausgeblieben, das Kaffeehaus fiel also aus – habe ich mich zur »Burg« aufgemacht. Ein beflaggter Turm in einer Burgruine überragt Bad Godesberg. Da wollte ich hinauf. Ich erspare uns Historisches und Offensichtliches: Im Zeitalter von Internet, Wikipedia und Panoramio-Bildern sieht man sich besser dort um, als selbst zu beschreiben oder zu fotografieren. Unten in der Alten Bahnhofstraße war die hochdeutsche Dame im Buchladen nicht von hier, wusste nicht, wie man auf die Burg kommt. Ein ausländischer Taxifahrer hat es mir dann liebevoll beschrieben. Da, wo sich Häuser über die Straße spannen, quert man die Hauptstraße (Aennchenplatz), und dann geht man den Berg hoch.

Die Godesburg-Promenade (ich nenne sie so) führt zunächst an einem an den Berg geklebten Wohnblock hinauf. Unten waren noch die städtischen Gärtner tätig gewesen und hatten entlang des Weges ordentlich gemäht. Doch schon auf der Freitreppe am Bau und der Brücke zum Berg hin kommt Hinterhofstimmung auf: Verwüstungen, Scherben, Grafitti (sogar ein verblasstes Hakenkreuz) und abgeschirmte Dachwohnungen, die noch nachträglich mit Nato-Stacheldraht gegen Seiteneinsteiger geschützt worden sind. Am Berghang leuchtet idyllisch eine rote Blechdose mitten im alles überwuchernden Schlingpflanzengestrüpp (»Naturschutz«). Weiter aufsteigend hat man einen schönen Blick über Brennnessel und die Stadt, oben ist ein anständiges Restaurant; es gibt Apartments zu mieten, monatsweise, die könnte man empfehlen. Ich unterhalte mich mit einer Journalistin, die den Morgen genießt und auf ihren Gesprächspartner wartet. Schön. Und immer der weite Blick auf das Siebengebirge.

Ich lasse mir dann noch den Turm öffnen und steige hinauf, wäre fast auf halber Höhe stehen geblieben. Durch einen schmalen Gang geht es weiter hinauf, zum Schluss über eine Holztreppe. Oben empfängt einen ein atemberaubender Rundblick – und eine breite Brüstung, auf dass keinem schwindlig werde. Da ist die Welt wieder ganz in Ordnung.

Ich mache Fotos, zoome mir Bonn heran, das Haus unserer Freunde im Kucksteinweg, das Hansa-Haus mit der Zirkusschule unten »im Dorf«. Der Bonner Posttower, ursprünglich umstritten, ist ein schönes Wahrzeichen.

Am Rückweg finde ich die Michaelskapelle. (Die zugehörige Eremitin soll Kerzen schmücken und Samstags Gespräche anbieten.) Innen ist’s eine Barockkapelle, offen, ungeschändet, mit rührendem Gästebuch für Gedanken, für Dank und Bitten an Gott und die Welt. Ich nehme für Carla ein Heftchen Mariengebete mit. Gisela ruft an. Bald muss ich Carla wieder abholen.

Mit der Journalistin hatte ich darüber gesprochen, dass nur eine erneuerte innere Einstellung wird Ordnung in die Verhältnisse bringen können, weniger elektronische Überwachungen und städtische Reparaturtrupps. Nun sinne ich darüber nach, wie krass unterschiedlich die öffentlichen Meinungsäußerungen in Grafittis auf Mauern und Gebäuden, in Gästebüchern sind. Schlimme Schweinereien – noch dazu in fehlerhaftem Englisch –, daneben rührend simpel: »Konni, I love you, Ma Schadtzi. Hab euch alle ganz doll lieb!« Alles überragend die frommen Eintragungen in das Gästebuch der Kapelle oder ganz oben am Turm, schön verziert: »Esteban aus Spanien war hier«. Die »Diversität« unserer Gesellschaft. Wenn sich die »Positiven« nur deutlicher, offener zeigten!

30. Juni 2008

Bad Godesberg, 30. Juni 2008, vormittags – Liberalismus

Ich sitze im Kaffeehaus*), draußen, genieße den kühlen Morgen. Kinder spielen im Stadtpark, gepflegte Blumenrabatten leuchten herüber. Direkt vor mir die Koblenzer Straße; die gebührenpflichtigen Parkplätze bleiben jeweils nur Sekunden frei. Radfahrer, alte Leute, im Park Rollwagenspaziergängerinnen und türkische Familien mit Kinderwagen. Denn: Carla hat Ferienkurs in der nahen Zirkusschule, ich habe Pause.

Beim Zeitunglesen ein Artikel über die »Freiburger Schule«, die »Ordoliberalen«, die vor sechzig Jahren die soziale Marktwirtschaft mit begründeten+), und einer über die Hayek-Tage in Freiburg#). Es gibt sie noch, die liberalen Denker. Nur populär sind sie nicht. Es gehört Mut dazu, nicht regulieren zu wollen. Unsere Gesellschaft wird immer einmischiger, staatsrufender, gerechtigkeitsfordender. Und obwohl die Politik diesem Trend populistisch immer weiter nachkommt, wird sie von Jahr zu Jahr unbeliebter. Von uns »Alten« entfernt sie sich weiter und weiter. »Dies ist nicht mehr mein Staat«, sagte mir jüngst ein alter Freud. Ich selbst schwanke zwischen pessimistischem und zornigem Missmut. Es ist kein Durchkommen. Mauern aus Filz. Die Leute wollen sich überall einmischen, der Staat soll es richten, und dann tut er das doch nicht. Als sei der Zusammenbruch des Kommunismus’ – der sich selbst »real existierenden Sozialismus« genannt hat – nicht Beweis genug für die Unsinnigkeit menschlicher Planwirtschaft. Jeder Techniker liebt seit der Erfindung des Schwimmerventils in der Klospülung sich selbst regulierende Systeme. Bloß: Die Leute sind keine Techniker. Sie wollen an den Knöpfen drehen, an allen Hähnen herumstellen, meist an denen der anderen. Eisenbahn statt Autobahn, Schienen- statt Individualverkehr, Regeln für alles und jedes.

Wie wird diese Politik wieder flott? Wie lässt sich dieser Staat einschränken auf das Nötigste? Auf dass er wieder agieren kann, dort, und nur dort, wo es ihn braucht, bei Recht und Ordnung im eigenen Land. Ich erlebe ihn fast täglich, allein schon am miserablen Schulsystem hier, hoffnungslos staatsmonoplisiert. Da wird »Chancengleichheit« als wichtiger erachtet als Bildung. Freizeit statt Fleiß. Soziale Harmonie soll Differenzierung durch Leistung ersetzen. Genauso im Großen: »Soziale Gerechtigkeit« ist wichtiger als Produktion, Wachstum, Wirtschaft. Das wird nie was. Leider, vielleicht, bald schon mag die große Krise kommen, dann gehen wir bombastisch-sozial unter in Gerechtigkeit – und halten es immer noch für ungerecht. Eine DDR-Nostalgie haben wir ja auch schon.

Damit zurück zu Carla. Ihre Zirkusschule müsste für heute rum sein.

*) Baguetterie Sami, Koblenzer Str. 65, 53173 Bonn-Bad Godesberg, Inh. Madhat Abou Hassira – Zweitsprache arabisch, drinnen läuft im Fernsehen NRJ.

+) Das Gedankengut der Ordoliberalen. Überblick über Personen, Ideen, Texte, Ziele und Wirkung der Freiburger Schule, von Indira Gurbaxani, Buchbesprechung von Nils Goldschmidt, Michael Wohlgemuth (Hrsg.): Grundtexte zur Freiburger Tradition der Ordnungsökonomik. Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 2008, 780 Seiten, € 40,90, NZZ 27. 6. 8 (int. 30. 6., meine Datei NZZOrdoliberale) … Dass Wettbewerb am Markt effizient mit sozialen Zielen verknüpft werden kann, findet sich in der ordnungspolitischen Vorstellung bei Alfred Müller-Armack ebenso wie bei Alexander Rüstow oder Wilhelm Röpke. …

#) Der hohe Preis der Freiheit, Die Hayek-Tage zu Zwangsabgaben und Zwangsvorgaben, Von Michael Wolgemuth, NZZ 30.6.8 (meine Datei NZZHayekGesellschaft) … Der Staat verlangt einen immer höheren Preis für Leistungen, zu denen längst nicht mehr nur der Schutz von Freiheit, Sicherheit und Eigentum seiner Bürger gehört. An den Hayek-Tagen in Freiburg i. Br. wurde erörtert, ob dieses Angebot seinen Preis noch wert ist.

26. Juni 2008


im Landschulheim Marquartstein
Alle Fotos hier im Web

Vielleicht wendet sich die Wiedersehensfreudigkeit in ein paar Jahren wieder zum Besseren. Heuer jedenfalls überwogen die Abstinenzen. Mir hat das leid getan. Wir haben 1961 am Landschulheim Marquartstein in »(13a)« Oberbayern Abitur gemacht, waren davor dort mehr oder weniger lange in einer der beiden Parallelklassen, siehe www.Joern.De/Mstein.htm, und sind inzwischen rechnerisch alle im Rentenalter.

Als ich jetzt am Freitag, 20. Juni 2008, nach achtstündiger Irrfahrt von Bonn über das ferienbeginnende Hessen um zehn Uhr Abends ankam, stand der Hotelparkplatz voller edler Limousinen. Mein Freund HerneidXvonXdemXKnesebeck hatte im vornehm-reichen und günstig gelegenen Weßnerhof in Pettendorf Zimmer reserviert – war aber zuletzt dann leider selbst nicht gekommen. Nur mein Freund UweXFalck aus Hamburg war mit seiner Frau Ulrike da.

Das Navigationssystem hatte mich auf teils sinnlosen Umwegen präzise hingebracht. Nun stand ich da, umgeben von dicken Autos mit kurzen Nummern, Modell München A acht, und dachte mir: Ei Protz! Dabei saß ich selbst in einem solchigen, und hatte mein eigenes, einen über zehn Jahre alten E-Mercedes, zu Hause gelassen, weil meine vollbeschäftigte Frau das teure Nass zum Tränken ihrer Audi-Pferde von ihrer Firma bezahlt bekommt …

Vielleicht, so räsoniere ich, waren so wenige von uns da, weil sie in ihren jeweiligen Lebensumständen diese Parade der Erfolgreichen, Glücklichen, An- und Aufgeregten scheuten. Man stapft ja doch durch ein Wechselbad der Gefühle bei so einem Treffen. Mich hat prompt das Heimweh erwischt, am Sonntag am Fußsteig zur Burgkapelle (letztes Bild unten): Erst das atemberaubende Gefühl von Heimat, wiedergefundener Heimat, neun Jahre lang täglich beschritten. Minuten später der Verlust: Man geht wieder auseinander. Man gehört hier nicht mehr dazu, es liegt ein ganzes Leben zwischen bescheidener Schulzeit und bescheidenem Rentner mit Zipperlein. Dieses Dazwischen wird freilich je nach Gusto ausgeschmückt oder nicht erwähnt, wird kolportiert, selten systematisch berichtet.

Mitten im Dorf die Achenbrücke steht zwar noch, man kann auch wieder darüberfahren – ich erlebte sogar zufällig ein junges Paar, das die klassische Mutprobe bestand und schwindelfrei über die hohen Bögen balancierte (rechts FeodoraXSophieXWolff – wie immer sind die Bilder klickbar! Der Rest der Bilder dank Henning hier im Internet).

Die Schule ist mehr als je aktiv: 840 Schüler, fast 90 Lehrer (zunehmend weibliche) für die 25 Klassen; 105 im Internat – rund die Hälfte Mädchen, was wir nicht hatten, jedenfalls nicht im Internat, nur extern eben. Sechzig im neuen Tagesheim, wo die Kinder nachmittags bis Viertel vor Fünf betreut werden. (Anders als hier in Nordrhein-Westfalen nennt sich das dann nicht geschönt »Ganztagsschule«.) Das Tagesheim steht dort, wo wir den achteckigen Musikpavillon hatten, und red sails in the sunset sungen. Im der neuen blauen Festschrift »80 Jahre LSH Marquartstein« schreibt der Elternbeirat Prof. Dr. med. HelmutXMilz von der komplizierten Logistik der Busverbindungen. Kann man sich vorstellen!
Zurück zu den zahlreich Fehlenden: Die mir mitgeteilten Gründe hatten mich schon vor der Abfahrt teils bedrückt. Lauter Alte und Kranke oder der Heimat Ferne. Da war Schorschs Mutter gerade frisch operiert worden und lag im Krankenhaus, mein zeitweiser Zimmerkamerad EberhardXNowak nach einem Herzinfarkt 2000 jetzt frisch mit Bypässen versorgt worden, JustusXMüller wurde am Kiefer operiert, GötzXZarges’ Bruder Frank feierte seinen Siebzigsten, HenningXvonXBostell in Köln hatte ein Hausumbaufest in der Familie, »Oma« (KlausXHüttig) war erstmals Opa geworden und in London, VolkerXHopf lebt ohnehin glücklich in Australien, und so weiter, wie auch immer.
Am Freitag, spät und wenig frisch angekommen, bin ich dann leider nicht mehr ins Festzelt gegangen. Ich hätte dort neben den üblichen Verdächtigen noch SchorschXArnold und UteXKellner angetroffen, die sich hernach nie mehr hatten sehen lassen. Blöd. Wie mir »Fage« (»Farge«?) (GunterXHemmel) und die anderen übereinstimmend berichteten, saß eine kleine Gruppe von uns bis lang in die Nacht hinein beisammen. Junge waren wenige im Zelt. Dafür zum Beispiel unser letzter Erzieher und Deutschlehrer HeinoXJahn, der sich dann schon wegen dem Lärm einen zweiten Abend im Festzelt erspart hat. Ich traf ihn dann am Sonntag am Ende der Burgbesichtigung (Hier im Bild in Denkerpose).
Am Samstag war ich dafür dann ordentlich früh wach. Morgenstund hat Gold im Mund, besonders in den Bergen, und wenn man Fotos machen möchte. Uwe und Ulrike saßen noch beim Frühstück, da blickte ich am Neuen Schloss schon hinauf zum Turm und zur wallenden Mstein-Fahne (erstes Bild oben). Ich habe dann noch ein paar Bilder von der steinernen Wendeltreppe gemacht, die im »Fliegenden Klassenzimmer« vorkommt und uns zu Rundläufen und Wäschesackabwürfen animiert hatte, mehr oder weniger freiwillig. Dann holte ich Uwe und Ulrike ab.
Es war ein schöner Vormittag der »offenen Tür« in der Schule, Hallos, Händeschütteln, aufgeräumte Stimmung, und dazu Veranstaltungen – leider viele natürlich parallel. Im Bild vor der Schule (Dr.) UwexFalck und seine Frau Ulrike, in der Mitte HanslxHuber. Ich hörte mir von Mathe- und Physiklehrer, StR z.A.**) BenjaminXRiegel den Vortrag über Dunkle Materie an. Spannend. Oben in der Bücherei unter die Diskussion über den Wandel des Geschichtsunterrichts litt unter Strukturschwäche, regte mich aber doch zum Nachdenken an, wie anders als die Heutigen wir nicht nur Geschichte, sondern selbst Gott (samt Religion) und die Welt gesehen haben. Härter? Unsere glücklich aus dem Krieg heimgekehrten Erzieher, eher ein wilder Haufen als staatlich geprüfte Premium-Pädagogen, mussten ihre traumatischen Erlebnisse ohne Betriebspsychologen verarbeiten. Uns Schülern gegenüber war das Thema tabu. Wir hatten – und haben – es heute besser. Danken wir Gott dem Frieden.

Zu Mittag saßen wir in einer kleinen Gruppe am Platz vor dem Unterhaus. Die Schule hatte einfaches Essen spendiert und Getränke, genau richtig. Eine Erzieherin hat uns dann noch durch das Unterhaus, Mädchenzimmer, geführt, alles sauber und ordentlich. Die Kapelle ist ein Leseraum geworden, wird nur mehr bei besonders erschütternden Ereignissen zum Beten verwandt. Klimawandel: Das Weihwasser längst vertrocknet. Dafür Blumen an den Balkonen. Der Festsaal mit moderner Beleuchtungstechnik und einem Keramikfries, der sich wohl Jahr für Jahr töpferisch verlängert.

Mit Hansl und den Falcks bin ich dann über Schleching zur Streichenkapelle gefahren beziehungsweise das letzte Stück gewandert. Am Waldparkplatz ein solarbetriebener Parkscheinautomat – angeblich müssen die Gemeinden dem Forst für Parkplätze Miete zahlen. Die schönen Fresken, den weiten Blick zum Kaiser bewundert. Oh Heimat! Dann lange im Gasthaus zusammengesessen. Nebenan war Gallus (HermannXHennecke) am Diskutieren – ein alter, drahtiger Lehrer aus unserer Zeit, der dann aber vorzeitig ausgeschieden war; er war mit dem Mountainbike gekommen. Zurück über Kössen und Reit im Winkel. Windschäden im Wald.
Abends im Festzelt eher ungemütlich. Man musste schreien, um sich zu verstehen. Oder sind wir alle schon ein wenig terisch? KlausXBigall war da, wie immer anregend aktiv, will beim nächsten Treffen helfen. Wir sollten es bald und selbst in die Hand nehmen, 2011 »Fünfzig Jahre Abitur«, vielleicht einen Tag länger machen, kleine Touren organisieren, kurze Lebensläufe als Eintrittskarte verlangen. Was meint ihr? Eine Lehrer- und Erzeiherliste hätte ich auch gerne zusammengestellt, bräuchte Hilfe! Zurück ins Zelt: Gunter war mit seiner dreizehnjährigen Tochter gekommen (rechts HanslXHuber), nett und eine Augenweide, die sich natürlich nicht gerade wohl fand unter uns.
Zwischendurch schlich ich mich hinaus, noch ein paar Bilder zu machen, wanderte durch das (wie alle deutsche Siedlungen) in seinem Inneren leicht verfallende Dorf; das »erste Haus am Platze«, die Alpenrose, seit Jahren leerstehend, in einem Innenhof ein Hakenkreuz angesprayt.
Zurück im Festzelt dann ein gutes Gespräch mit Dr. PeterXStolberg – (hier rechts im Bild auf der Burg), meinem Deutschlehrer, der sich besser an manche Aufsätze von mir erinnert als ich selbst. Er ist immer noch sehr aktiv verbunden mit der Schule, betreut einzelne Schüler, etwa wenn deren Eltern in weiter Ferne leben, räumlich oder geistig. Viele Lehrer sind über Nachhilfen noch stark schulverbunden. Schön. Leider schlägt mich bei solchen Gelegenheiten mein ungepflegtes Gedächtnis besonders. »Weißt du noch?« – Und ich weiß nicht. Oben auf den Bergen leuchteten die Sonnwendfeuer …
   Sonntag wieder ein strahlender Tag! Um viertel nach zehn gab es eine ökumenische Dankandacht in der Burgkapelle, geleitet vom Altmarquartsteinervorsitzenden FrankXSpringer und Religionslehrer ChristianXZill, zirka sechzig Leute, und dabei vor allem schöne ländliche Musik von der »Buxbaum«-Musik: Gitarre, Bass, Harfe und Hackbrett. Feierlich und schön. Hernach habe ich mich noch in der Burg mit Herrn Zill über das veränderte Gottes- und Religionsverständnis unterhalten, zu kurz. Er meinte, zu unserer Zeit sei Religion Erziehungshilfe gewesen. Na und? Da hätten wir weiter reden müssen. (Im Bild rechts: »Penny« – ErichXPenzkofer – mit »BunnyXHuber« – jetzt A.XWilm.) Es gab Brezen und Getränke, die Sonne strahlte herein in den Burghof, Erinnerungen wurden ausgetauscht, AlbrechtXGrafXvonXRechberg, 1931 mit als erster in die Burg eingezogen, erzählte: Jeden Morgen gab es obligatorisch Frühlauf. Von 55 Schülern waren nur nur 3 Katholiken, die immer zur Frühmesse mussten, was den Zeitplan durcheinander gebracht hat. 1933 im Burghof eine Aufführung des Götz von Berlichingen (mit Christian Probst). Wie er daraus zitiert, sekundiert mein Freund UweXFalck***). Zur wenig bekannten Buggeschichte berichtet er, dass zunächst (vor dem Jahr Tausend) Bauen ein königliches Privileg war, erst später durften Grafen ohne zu fragen Mauern bauen – denn die waren wehrhaft. Bautrupps kamen aus Italien. Die Burg Marquartstein wurde 1070 erbaut, doch das kann man inzwischen in der Wikipedia und anderswo nachlesen. In der Burg stand ein Turm in der Mitte, 1840 abgerissen. Links und rechts Wallwände und Verteidigungsgänge. Auf der heutigen Küchenseite der Palas.
    Am Nachmittag bin ich noch zu Hansl nach Aschau gefahren. Das alte Haus Zillibillerstraße 4! So etwas kenne ich nur aus den Bergen: Häuser, Wohnungen, Stuben, Balkone, eingebaute Bettstellen, die unverändert sind und bleiben, zehn, zwanzig, fünfzig, hundert Jahre lang. Warum auch nicht? Unterhält man sich in der Wohnküche am Hocker besser als am Sofa mit Nierentisch, im Loft lustiger als in der getäfelten Stube? Sieht ein Fouton besser aus als ein nicht ganz ordentlich aufgeschütteltes Plumeau hinter rotkarierten Vorhängen? Fragen über Fragen, melancholisch manche, mit denen ich offen ende.


Panoramablick vom Fußsteig zur Burg (rechts)
*) Alle ausgeschriebenen Eigennamen haben hier ein unsichtbares X zwischen Vor- und Familiennamen. Damit erscheinen Sie Suchmaschinen als langes Einzelwort mit X, bleiben somit für Google & Co. unauffindbar. Nur der Schriftsatz leidet etwas.

**) Amtliche Amtsbezeichnungen:
OStD: Oberstudiendirektor
StD: Studiendirektor
OStR: Oberstudienrat
StR: Studienrat
StR z.A.: Studienrat zur Anstellung
Lass: Lehramtsassessor
FOL: Fachoberlehrkraft
FL: Fachlehrkraft
A.i.L: Angestellte(r) i. Lehramt
nb Lkr: Nebenberufliche Lehrkraft
***) Eine ausführliche Darstellung »Schultheater am Landschulheim« findet sich in der neuen blauen Festschrift zur Achtzig-Jahr-Feier des Staatlichen Landschulheims Marquartstein. Sehr empfehlenswert auch die Site des Landschulheims unter der Leitung von StD a.D. Hans Niedermeier
Links zu Berichten: Chiemgau-Zeitung, Traunsteiner Tagblatt (bitte weitere melden)
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7. Juni 2008

Gruppokratie. Ich weiß, den Ausdruck gibt es nicht. Die Sache auch nicht, wird mir jedes »Mitglied« versichern. Wir leben in einer Demokratie, als »Europäer« sogar in siebenundzwanzig! Fünf übereinandergeschichtete Lagen, fünf Register Regierungen: Stadt, Land, Bund, Brüssel und die Vereinten Nationen umtönen uns mit einem Schwall großer Worte und zahlreicher Vorschriften. Die oberste Behörde meint sogar, durch Abstimmungen »Menschenrecht« zu setzen. Als die Demokratie noch frisch war in Deutschland, war ich dort im Gymnasium (im »Freistaat«). Wir haben das gelernt: direkt gewählte Volksvertreter, die in unserem Namen im Parlament reden und abstimmen. Das scheint lange her. Jetzt reden sie in Ausschüssen und stimmen im Namen ihrer Partei ab. Die Partei ist eine Gruppe einigermaßen Gleichgesinnter. Politik machen politische Hauptberufler. Sie wollen möglichst immer dran sein, eigene Meinung hin oder her. Stattdessen vertreten Umfragen den Volkswillen. Fernsehnachrichten und Bild sprechen die Volksmeinung aus. Wer sich da recht im Kreise mitdreht, der ist dabei, ist in.
Doch zurück zur Gruppokratie. Wir werden von Gruppen regiert; regiert im Politischen, regiert aber auch emotional, und gedanklich beeinflusst – so wir uns denn Gedanken machen. Gruppeninteressen treiben die Welt an. Aufzählen lassen sich nicht nur Parteien, Standesvereinigungen (Hartmannbund), Umweltorganisationen, Abgeordnete, vereinte Nationen, Mafia, Scheichs, Al Kaida, Sorben, Journalisten, Warlords, man nenne, was kommt und sich für eine Gruppe hält. Und dann sehe man sich ihre Interessen an.
Bei uns sind es Gott sei Dank meist recht grüne Gruppen. Sie wollen alle die Welt retten, mit unserem Geld, treffen sich in Rom (Welternährungskonferenz, »mehr als« fünfhundert Teilnehmer), auf Bali (Klimakonferenz, »gut elftausend« Teilnehmer) , in Bonn (Biodiversität mit angeblich fünftausend Teilnehmern) , in Davos (über zweitausend Teilnehmer). Selbst die Bauern kriegen mehr für die Milch, wenn sie vorher zuviel produzieren und sie dann gemeinsam wegschütten.
’s ist eine Welt der Interessengruppen geworden. War das immer so? Sind die Gruppen genügend verzahnt, so bewegt sich nichts mehr: Filz. Sind sie nicht verfilzt, so streiten sie. Das zahlende Publikum darf zuschauen, ist ja unser Geld, das da sozial gerecht, bio- oder sonst höchst divers verteilt wird. Die »Gruppe« der Künftigen, die die Schulden dereinst werden ausbaden müssen, ist nicht vertreten, bleibt abstrakt. Am besten, sie bleiben ganz aus, dann können wir alles unter uns verteilen.
Der Einfluss von Sinn und Verstand des Einzelnen auf dieses Gruppengewabere ist minimal. Wer traute sich zu fragen, ob eine Erderwärmung nicht Heizkosten spart? Ob unser Engagement für Diversität auch für Malaria gilt? Ob sich Afrika nicht – etwas Ordnung und Frieden vorausgesetzt – selbst ernähren könnte? Warum wir unsere Heimat in Afghanistan verteidigen und nicht in Liechtenstein?
Nötiger Themenwechsel. In meiner ersten Firma habe ich gelernt, dass man die Notwendigkeit einer Abteilung am besten dadurch beurteilt, dass man sie abschafft. Tut’s danach weh (selten), dann muss man eine ähnliche wieder neu aufbauen, aber bitte mit neuen Leuten. Wie wäre es, wenn wir in der Politik reihrum Organisationen auflösten? Bundesländer zusammenfassten? Kultusministeriumsbewohner zu Lehrern umschulten? Die Sportförderung den Privaten überließen, alles Theater und Fernsehen auch? Sechzig Prozent des Benzinpreises sind Steuern, bezahlt aus einem um fünfzig Prozent abgabenreduzierten Einkommen. Fiat res "publica" et pereat mundus.

28. Mai 2008

Am Hof im Mai 2008

Anna und Carla laufen vor – Montagmittag, zurück vom Dorf
[Foto HofMai (94) – Wie immer sind alle Bilder klickbar!]
Da war doch diese verflixte Woche, in der die Münsterschule, und nur die Bonner Münsterschule allein eine Woche »Zwischenferien« machte, mitten im Wonnemonat Mai. Mit dem Ergebnis, dass die Kinder in diesem Mai 2008 nur 13 Tage Schule haben – Pisa lässt grüßen – und die Eltern sich überlegen müssen, was sie mit den Kindern anstellen.
Ich entschloss mich, mit Carla nach Südtirol auf den Hof zu fahren. Mama bleibt zu Hause und arbeitet – bis auf Fronleichnam, ein Feiertag in Deutschland und sonst nirgends, wieder einmal: Deutsches Volk, Wohlfühl-Volk.
Wie ich nun so versuchte, für diese Woche möglichst noch eine Mutter mit Kind mitzunehmen, so zeigte sich das schwierig. Eben weil die anderen Eltern von anderen Schulen zu anderen Zeiten Ferien haben. Ein allzuspäter Versuch, meinen alten Schulfreund Elmar mitzunehmen, blieb halbherzig – der Umweg – er lebt an der Weinstraße –, die Umstände, und dann war mir eine kleine Freundin für Carla doch bequemer als ein Freund für mich. Kinder neutralisieren einander.
Carla hatte noch eine Ballett-»Aufführung« am Samstag. So konnte ich erst am Sonntag losfahren. Die Wettervorhersage im Internet war schlecht. Von so weit weg, aus einem heißen Sommer heraus, war mir das abstrakt geblieben. Nach Südtirol sind es über achthundert Kilometer. Halb Deutschland, Österreich und die Alpen liegen dazwischen.
Also kam neben Carla nur Anna mit, eine Zweitklässlerin, gut fortgeschritten im Lesen und Schreiben. Das Auto war voll, hauptsächlich wegen Carlas Spielsachen, Plastiktüten mit Plastik, und meiner vielen unnützen Technik in Klappkiste, die ich immer hin- und herfahre.

Sonntag, 18. Mai 2008 Bonn—Siebenfahrer

Beim Abschied hielt sich Anna tapfer [18. 5. 2008 8.30 Uhr km 206553 ab Friedrichstraße, 9 Uhr ab Estermannstraße]. Die Eltern hatten sie mit Diphenhydramin gedopt, gegen Mal des Transports, und meinten, sie würde nun vielleicht die ganze Zeit schlafen. Die Wirkung blieb aus, die Übelkeit auch, selbst zügig gefahrene Gebirgsstraßen Stunden später waren kein Problem.
Zur Abfahrt war das Wetter angenehm bedeckt, nicht zu heiß, 13 Grad. Ich ließ es langsam angehen, höchstens 170 Stundenkilometer. In der Mainebene klarte es auf, Gefühl: Sonne und Süden entgegen! Offenbach 10.40 Uhr, 17,5 Grad. Deutschland, schönes, weites Land. Franken. Staus keine. Gegen eins waren wir in Hilpoldstein, meiner seit Jahren üblichen Rast, Sindsorfer Hof, das Gasthaus aber leider in Ferien. Also haben wir Picknick gemacht am See, im Rasthaus Jörn, wie ich den Kindern sagte (Gisela hatte uns bestens versorgt. Ich habe dann schnell doch noch für zwanzig Euro deutsch getankt, den Liter Normalbenzin für Euro 1,54. Das war zu viel. Wenn ich nicht zu schnell fahre, komme ich von Bonn bis nach Österreich mit einem Tank.
In Bayern hat es angefangen zu regnen (Teistrecke elektronisch festgehalten). Um viertel vor vier waren wir im Inntal, verregnet, die Berge in Wolken, dazwischen Flecken frischen Schnees oder schmutzige Altschneereste. Wie gewohnt in Angath an der Autobahn vollgetankt. Der Liter Super Euro 1,40, dazu Maut und Videomaut für den Brenner, Euro 99,71, danke, es bediente Sie Jelena [54,33 Liter = € 76,01, Zehn-Tage-Vignette € 7,70, Brennermaut für zwei Fahrten € 16]. Um viertel nach fünf am Brenner, 7 Grad.
Doch es sollte noch strenger kommen: Die Kinder müssen doch lernen, wie es oben in den Wolken aussieht. Vorher haben wir aber noch schnell auf 1500 Metern am »Egg« in der Kehre der Penser-Joch-Straße, im ganz leeren Gasthaus Schönblick – reiner Euphemismus! – Pause gemacht. Der angekündigte Apfelstrudel war ausverkauft. Ob es den je gegeben hat? Dafür der Kaffee (nach der Frage, ob die Maschine unter Dampf sei) gut: ein erster Macchiato.
Und hinauf gings aufs Joch; Kinderfotos mit Schneewehen, Regen und drei Grad, wenigstens plus. Da war es schon halb sieben.
Im Sarntal heftiger Regen, eine Talfer, so wild und hoch und braun, wie ich sie seit Urzeiten (vor dem Kraftwerksbau) nicht mehr gesehen habe. Das graue Wasser schoss nur so ins Tal, Welle um wilde Welle. Hat mich an diese Zeit erinnert, vor 1950, als man bei Gewitter im Bach die Wackersteine rumpeln und pumpeln hörte, selbst oben am Hof noch.
Bis wir dann am Hof waren, war es Viertel nach sieben, zehn Grad [km 207391 = 838 km]. Wir haben uns mehr oder weniger »verkrochen«. Auch die Pächter waren schon zu Bett und zeigten sich nicht. Dafür hatten wir um so mehr Zeit, auszupacken – Kinder, lauft mich nicht aus und ein mit den nassen Schuhen! –, sogar Betten zu überziehen. Die Mädels sind ganz tüchtig. Kurz entschlossen belegten wir nur Stube und ein gemeinsames Schlafzimmer. Da hält sich die Wärme »in Grenzen«.
Zum Abendessen gab es noch Nudeln (vom Hofvorrat) mit Tomatensauce (ebenfalls), dazu Obst (mitgebracht) und belegte Brote (verweigert von den Kindern, von mir das letzte zum Montagsfrühstück aufgehoben).
Geschlafen haben wir wunderbar.
Montag früh dann 11Grad draußen, 15Grad drin, Sonnenaufgang wie gewohnt 8.42 Uhr – und Wiederuntergang zehn Minuten später, allerdings Gott sei Dank nicht für den ganzen Tag.

Montag, 19. Mai 2008 – Sarnthein

Müsli mögen die Damen nicht. Also nichts. Die beiden essen überhaupt wenig, fallen dennoch nicht vom Fleische.
Ich hatte mich mit Albert, unserem Jagdaufseher, Faktotum und Holzarbeiter fürs Kleinere, um viertel vor neun am Gries verabredet, bei der Bar Kröss.
Wen traf ich dort? Karl, den Freund meiner Schwester. Da war mir klar, dass Albert noch eine Runde drehen würde. Mit Karl Freundlichkeiten gewechselt, über meine Eltern gesprochen.
Im Bild Anna und Carla auf der neuen Talferbrücke im Dorf. Kein Brückenheiliger wie auf der alten Brücke übrigens [HofMai (78)]
Dann auch mit Albert nur kurz geredet. Wir wollten uns ja alle am Abend treffen. Klar ist, dass es im oberen Jagdbereich zwei Konflikte gibt: Wildverbiss und Straßenverkehr, ersteres vielleicht zum Teil Ursache des letzteren. Ich kann das nicht beurteilen.
Vom Markt, der so viele Bauern ins Dorf geführt hatte, dass selbst auf der zusätzlichen Wiese nur schwer ein Parkplatz zu finden war, haben wir wenig mitbekommen. Bei der Bank erfahren, dass der it. Staat den persönlichen Umgang mit Geld weiter einschränkt: Barschecks oder Barzahlungen über 5.000 Euro sind verboten, ungültig. Der Staat will elektronisch verfolgen, was man mit »seinem« Geld macht. Angewandte Expropriation der Expropriateure?
Besuch am Grab der Großeltern beziehungsweise Urgroßeltern. Es sieht ganz ordentlich aus.
Lange zum Forstamt, wo die Förster immer montags »Innendienst« haben. Pläne gemacht für die Auszeige im Sommer – am besten in der Woche des 21. Juli. Dr. Broll ist die Stufe hinaufgefallen und nicht mehr für uns zuständig. Wegen der hängigen Italienerwegverlängerungssubvention sollten wir Dr. Mathias Zischg anrufen, 0471-415360.
Die Kinder spielen derweilen einen Stock tiefer in der Bibliothek. Dann Brot einkaufen. Schließlich gab es beim Höllriegel die traditionelle Milzschnittensuppe für Carla, eine »Nudelsuppe mit Würstel« (zwei Stück) für Anna und für mich eine Knödelsuppe. Zum Schluss musste ich wieder die Hälfte des Kinderessens kalt verzehren … Immerhin hatten wir draußen unter den Bäumen sitzen können statt in den überfüllten Wirtsstuben. Die Temperatur hat’s gerade so erlaubt.
Vor dem Wegfahren in der Mittagspause noch zum Despar, dem örtlichen Supermarkt. Kurzes Gespräch mit einer Lehrerin an der Schule dort, die wohl gegen eins gerade aus hatte: Italienisch als erste Fremdsprache wird ab der ersten Klasse gelehrt. Auch am Samstag ist Unterricht. Die Sommerferien sind (wie immer schon) sehr lang, 15. Juni bis 9. September, über drei Monate.
Am Nachmittag blieben wir am Hof. Albert kam, und wir zwei besichtigen seine Durchforstung auf der Ebenwies. Eine schöne, große Sache. Man sieht endlich wieder die alten »vorgeschichtlichen« Mauern um die Wiese, blickt durch die Bäume. Dann überrascht uns ein Gewitter samt leichtem Hagel. Ich funke den Kindern zum Hof hinunter, sie mögen uns doch abholen. Bis sie da sind, sind wir patschnass. Leider gibt mein Fotoapparat, wohl wegen dem Wasser, seinen Geist auf. Das letzte Foto sind Hagelkörner [HofMai (114)]. Selbst das Festnetztelefon verstummt.
Abends Abendessen mit Albert und Linda beim Hofer im Dorf, gute Pizzen, gute Gespräche, danach Regen. Verkriechen im Bett.

Dienstag, 20. Mai – Bozen

Am Dienstag hatte ich gleich um neun in Bozen einen Termin bei unserem Steuerberater Heiss. Wir haben es fast rechtzeitig geschafft. Unser Verwalter, der sich auf einen Sprung freigenommen hatte, war auch dabei. Wir müssen unsere Gesellschaftsstruktur hier auf aktuellen Stand bringen, haben uns das Nötige dazu erklären lassen. Problem ist wieder einmal die Unterschrift meiner Mutter.
Danach bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen ein Bummel durch Bozen nach meiner Art, Gerbergasse, Zwölfmalgrein samt Daniel in der Löwengrube, und ein Kaffee mit Helmut. Schick im hellen Anzug, braungebrannt, voller Tatendrang. Er lässt sich allerdings zu Ende des Jahres pensionieren. Fachsimpeln über Wi-Max-Funkversorgung der Dörfer mit einer reservierten Frequenz über 3 GHz. Zu hoch, meine ich.
   In der Bindergasse noch ausgiebig mit Anna und Carla das Landesmuseum (vormals Eichamt) besucht, immer ein Erlebnis. Diesmal statt echten Schlangen ausgestopfte Tiere. Oben sehr schön und modern die Landeskunde, samt selbst steuerbarem Satellitenflug über Südtirol. Ein Mustermuseum. Jetzt für die Kinder und mich eine Frakturprüfung (Anna kann’s ein wenig):
Die Jahreszahl im Spruch zur Bindergasse am Weißen Rössl (angeblich 1919 gemalt) als Chronogramm zu errechnen versucht.
Ich heiße Bindergasse –
Der Schlägel hier erklang
An Zuber, Yhr und Fasse
Gar gute Jahre lang.
I C I I D D C L L I L U U D U I L = 1 +100 +1 +1 +10 +10 +100 +50 +50 +1 +50 +5 +5 +10 +5 +1 +50 = 450 Jahre lang also. [Mein Bild aus Bilder\2006HofPfingsten\BindergasseFresko bezw. Picasa-verstärkt 200805\BindergasseFreskom – bitte klicken!]
Zum Yhr muss ich nachtragen, dass das eben kein Ohr ist, schon gar nicht eine Uhr! Historiker Hannes Obermair aus Bozen hat mich dazu wieder einmal prompt aufgeklärt: »Es ist eindeutig ›Yhr‹ im Sinne des alten Hohlmaßes für Wein.« Rund sechzig Liter.
Im Mondschein gegenüber der alten Stube – wie immer geschlossen – eine nette, kleine Bilderausstellung. Die Künstlerin war anwesend.
Am Nachmittag am Hof versuche ich vergebens, die Entmistung zu reparieren. Irgendetwas an der elektrischen Ansteuerung muss nicht richtig funktionieren.
Wir sind dann noch mit dem Auto zum Nachbarn Haselbrunn gefahren, Kinder besuchen. Der alte Vater ist im Krankenhaus, muss wohl einen Herzschrittmacher bekommen. Den Rückweg haben die Kinder schnell zu Fuß gemacht, allerdings sicherheitshalber die aktuelle Straße entlang bis zur Ebenwies. Ich rolle mit dem Wagen nach.
Abends waren wir nett bei den Pächtern eingeladen. Es gab heiße Kartoffeln, Speck und selbstgemachten Käse. Die Kinder lernten’s Kartoffelschälen, gingen dann alleine ins Bett. Nur Anna kam noch einmal hinauf zu uns, hatte wohl Angst bekommen.

Mittwoch, 21. Mai – Sarnthein und Wald

In der Früh wollte ich die Kinder doch nicht mutterseelenalleine am Hof lassen. Also fuhren wir alle früh eilig ins Dorf zur Bürgermeistersprechstunde. Zehn Grad im Dorf, regnerisch. Angenehmes Gespräch mit Bürgermeister Franz Locher – sein Vater stammt hier vom Nachbarn. Ich spreche die Wasserleitung und die Straße an; erstere sollte heuer kommen, letztere bald einmal erneuert werden. Die Stelle am Bildstock sollte gesichert werden.
Danach zum Grab, eine Kerze anzünden, Brot einkaufen, etwas Speck und Milch. Im Vorübergehen treffen wir Wwe. S., fröhlich, vergnügt, eilig wie früher. Sie hat sich wohl ganz erholt, Gott sei Dank.
Ich wollte nicht zu spät wieder am Hof sein. Mit dem Förster und den Kindern sind wir dann die Sonnseite abgegangen bis zur Grenze hinaus. Dickicht (und Zecken, wie sich viel später herausstellen sollte). Wenige schöne, alte Bäume. Am Rückweg entdeckte Anna auf der ehemaligen Angerwiese eine große grüne Schlange, eine Natter, ungiftig, wie uns der Fachmann versicherte. Sie schlich sich.
Die Aufforstung der Angerwiese ist ein Musterbeispiel forstwirtschaftlichen Misslingens: Eine schöne Wiese wird mit Fichten und Lärchen bepflanzt. In vierzig, fünfzig Jahren entsteht ein Dickicht, das beim ersten starken Wind völlig durcheinandergewirbelt wird. Hoher Schaden, hohe Aufräumkosten. Danach wieder Urwald. Schlingpflanzen, Dornen, Buschwerk.
Die Kinder sind dann alleine die alte Straße zur Tanzbachbrücke hinunter gegangen – das kleine Handfunkgerät reicht gut vom Hof bis hinunter, sagenhaft! Ich mühte mich in der Mittagshitze den Berg wieder hoch, holte Geld und Wagen. Eigentlich hatte ich das Mittagessen in Bundschen nur vorgeschlagen, um unsere aktive Amtsperson mit einzuladen. Der wollte aber nicht; hätte ich mir eigentlich denken können. Also nur mit den Kindern nett ein großes Wiener Schnitzel mit Röstkartoffeln (Pommes gab es nicht, juhu!) gegessen (Anna), Spaghetti mit Tomatensauce (Carla) und eine Frittatensuppe (sprich Fitattensuppe; Fritz), wieder viel zu viel für die Kinder, dazu fünf gespritzte Apfelsäfte. Der Sohn der Wirtin macht Matura, will in München Maschinenbau studieren. Birte kennt ihn vom Praktikum.
Um zwei waren wir wieder am Hof, fuhren mit dem Förster und Albert den Italienerweg hinauf, neue Schlägerungsmöglichkeiten und die vorjährigen Hiebe ansehen.
Zurück in der Stube. Die Kinder frieren, aber nur ein wenig. Immerhin haben wir 18,8 Grad im Wohnzimmer, draußen 13,7. Wir machen uns ein gemütliches Abendessen, Nudeln mit Tomatensauce. Anna präferiert eine Marmeladesemmel – hier gibt es die besten Semmeln, meint sie. Und ein bissl Heimweh hat sie auch, es hält sich aber in Grenzen. Wir wollen alle zusammen früh ins Bett gehen, uns wieder Gedichte vorlesen (Reclam Die Wundertüte, von Ingeborg für Carla), wollen träumen.


Donnerstag, 22. Mai 2008 – Hofversammlung

Wieder frisch in der Früh, 14 Grad draußen, zwei mehr herinnen in der Stube (vor der Belebung). Vor den Fenstern Wolkenreißen. Wir aber haben lang und gut geschlafen. (Ich bin schon zwei Drittel durch The Tender Bar von J. R. Moehringer bezw. von Birte.) Ein gutes Frühstück. Ich entdecke nebenher, dass jemand versucht hat, das Kabel des Wasserwärmers anzuknabbern … Telefon und Fotoapparat sind nach wie vor kaputt, Selbstheilung immer unwahrscheinlicher.
Draußen im Zimmerhüttl entdecke ich einen kleinen »Fernseher«. Carla sucht sich sofort eine Fernbedienung dazu, dann haben mich die Kinder fortgeschickt. Sie wollen die Sendung mit dem Elefanten, Was ist Was und etwas Barbie sehen. Dabei ist alles nur Holz, Brennholz, sehr ökologisch, pädagogisch wertvoll.
Max zeigt sich um halb zwölf; sie waren wohl erst nachts um eins aus Wien gekommen. Die Kinder, Simon (8), Theresa (9, bald 10), gleich mitsammen gespielt, zwei kleine Kätzchen im Heu im Stadel entdeckt. Jetzt sind Maxens ab ins Dorf, einkaufen, essen. Ich versuche, das Tagebuch als Datei über Bluetooth in den Blackberry zu übertragen, von dort aus zu mailen, doch: »Dienst "Dateiübertragung" wurde auf Gerät Blackberry 8800 nicht gefunden.« Draußen ist’s wieder etwas sonnig und warm, 17 Grad. Glückliches Südtirol.
Wir machen einen Spaziergang zur »Badewanne«, finden die Ameisenstraße ziemlich unbenutzt, Löwenzahn für Salat, ein Schneckenpaar heftig miteinander zugange – am Rückweg immer noch … Dann ein leckeres Mittagessen: Dazu servieren wir Nudeln an Giselas Plus-Spezialsauce für Carla, Rührei für Anna, Salat à la Feldweg, knack- und taufrisch, allerdings etwas bitter, was so Löwenzahnart ist, ganz zu schweigen davon, dass wir hier zwar eine Menge Essigflaschen haben, Balsamico hinauf und hinunter, dass Öl aber fehlt. Dazu reichen wir Wurst und Speck. Zwischendurch wird getauscht, gehandelt und überhaupt ist die Stimmung gut!
Am Nachmittag spielen »meine« Kinder mit den Wiener Kindern (Nasaler Ton) in Haus und Hof, hauptsächlich im Zimmerhüttl und im Stadel, funkverbunden. Mit Max und Michl machen wir derweilen die offizielle Hofversammlung. Es war ein ertragreiches Jahr 2007. Dann ruft Huinz an, und statt langehin einen Termin im Sommer auszumachen, kommt er spontan vorbei, nachdem er eigens nach zwei Flaschen Wein zum Mitbringen gesucht hatte, der Gute! Es gibt halt noch Leute, die wissen, was sich ziemt. Eine rot, eine weiß, zur Auswahl, und beide zum Behalten. Wir sitzen in der Stube, am Nussbaumtisch, den die Kinder brav Polly-Pocket-frei gemacht hatten. Schließlich kommen die Pächter, Huinz bricht auf, noch ein paar Themen wie Landwirtschaft und ihre Rolle für die Anwesenden, dann gehen alle müde ins Bett. Die Kinder hatten oben gegessen, ich ersetze das durch »stramme Haltung«. Carla verliert einen silbernen Ohrstecker, weint.
Noch weiter zur Technik: Weil das Festnetztelefon immer noch streikt, versuche ich es mobil. Die wunderbare HSDPA-Karte der T-Mobile zeigt in ihrem Programm »T-Mobile web'n'walk Manager« – an großen Sprüchen hat’s noch nie gefehlt – zwei fette Balken Netz, dazu I TIM (Italien, Telecom Italia Mobile) und Roam. Sogar die Einwahl klappt. Dann aber bleibt die Geschwindigkeit bei etwa 3 kbit/s, höchstens einmal 5 kbit/s. Kein Wunder, dass da keine Mail durchgeht: unbekannter Fehler 0x800CCC0B. Also, alter Hase, zurück zur sicheren Leitungsverbindung! Ich verbinde den Blackberry über Bluetooth mit dem Rechner, will ihn als Modem verwenden. Das geht, soweit es die Anwahl einer Rufnummer betrifft (+49 69 191011), dann aber können die Modems nicht zusammenfinden. Ich probiere dasselbe mit dem Nokia, es klappt einwandfrei. Das ist aber meine ganz private Karte, das Ferngespräch nach Deutschland ist mir für die üblichen Wünsche des Computers nach Virenupdates und Mails zu teuer. Ich probiere Leitungswählen mit der HSDPA-Karte im PC, und siehe, es klappt auch. Die Mail mit dem Tagebuch geht raus, mit 6,4 kbit/s, die aber unerschütterlich, zuweilen sogar bis auf 8 sich steigernd. Inzwischen habe ich sogar mobil meine Bozner Anwahl ins Netz der Brennercom geschafft (+39 0471 050121), das müsste viel billiger sein. – Klappt auch, doch zunächst bei 6,2 kbit/s-Download nur 0,4 kbit/s Upload, was für Post definitiv zu wenig ist. Freitag früh stellt sich heraus, dass es dann aber am Versenden über Google-Mail liegt und der zugehörigen (paranoiden) SSL-Verschlüsselung. Nachdem ich normal über eins und eins versende, steigt die Hochladegeschwindigkeit auf 8 kbit/s. Nach ein paar Minuten ist meine 340-kByte-Mail mit Bild weg.

Freitag, 23. Mai 2008

Die ganze Nacht hat es scheint’s geregnet. Um viertel vor neun geht aber brav die Sonne auf, ein paar Minuten später umschwadet Nebel das Haus und den Blick ins Tal, bis die Sonne auch diesen gehoben hat, und nur mehr Wolken bleiben in den Hochtälern, zur besseren Darstellung von Waldsilhouetten. Wunderschön.
Die Kinder spielen wieder draußen – das war ihnen das Liebste –, Max und Ulli sind ins Dorf gefahren, danach wollen Max und ich die möglichen Schlägerungen 2008 abwandern am Berg.
Das Wetter wird immer schöner, wie üblich hier. Nach einem ausgiebigen Mittagessen – Tütensuppe, zweierlei Nudeln, Tomatensauce, Rührei – kleine Mittagsrast. Anna liest, Carla schläft. Dann fahre ich mit Max in den Wald hinauf. Dort treffen wir unseren Holzarbeiter Louis am Italienerweg an der Seilwinde, Holz hochziehend. Unten am Schlag lädt sein Mitarbeiter auf, den wir über den Quellenweg besuchen. Max sieht sich auch die beiden weiteren vorjährigen Schlägerungen an, ganz schön groß, finde ich. Dann wandern wir steil hinauf von der Kehre des Italienerwegs auf die Schragen zur ehemaligen Brunnwiese (ca. 1250m auf 1500 m). Dort findet man eine alte Wegspur, sozusagen einen unteren Höhenweg. Wo an drei Bäumen mit gelben Ringen die Abteilung 6 angezeichnet ist, geht es außerhalb des Luttertals den Jägersteig hinunter – die alte Direttissima vom Hof auf den Sam. Auf der Brunnwiese leider wieder alte Käferbäume. Von oben herrlich weiter Blick, später auch vom Hof ins frisch grünende Tal. Sonne, fast Sommer.
Nachmittags erwischte ich die Kinder beim Nintendo-Spielen am Hof und habe sie zum Haselbrunner gescheucht, zu viert erstmals allein ohne Erwachsene ein Waldspaziergang. (Natürlich remotely controlled über 446 MHz, was gut zum doch eine Viertelstunde entfernten Nachbarn reicht.)
Zu Abend essen die Kinder alle oben bei Max und Ulli Spaghetti, ich eher besinnlich allein unten.


Samstag, 24. Mai – Bozen—Bonn

Trotz frühem Aufstehen und kursorischem Packen: Es dauert über zwei Stunden, bis man alles beisammen und im Auto verstaut hat. Ein bisschen Frühstück gab es auch noch. Wir sind dann gegen halb zehn losgekommen (13,5 Grad, bedeckt. km 207492 = 101 km in Südtirol), haben noch Albert in voller Jägerausrüstung an seinem Haus vor Sarnthein getroffen, dann gemütlich übers Penser Joch (10.30 Uhr, 7 Grad) hinunter nach Sterzing. Kleines Kotzen an der üblichen Stelle unterhalb Egg, diesmal Carla, perfekt in die Tüte. Anna hatte ihre Tablette intus und vielleicht etwas weniger Orangensaft zum Frühstück gehabt.
Elf Uhr italienische Maut mit Schlangen – inzwischen Euro 1,10 –, Brenner, und es wird immer schöner, wärmer, sommerlicher. Tanken in Angath, und mit dieser Tankfüllung bis Bonn und dort noch Stadtfahrten. Ja, man kann einfach nicht mehr schnell fahren auf deutschen Autobahnen. Nach langer, ereignisloser, recht pausenloser Fahrt um sechs in Bonn, 8½ Stunden also Teilstrecke siehe http://www.gpsed.com/track/419618043265274196 – die dort errechnete Höchstgeschwindigkeit von 253 km/h ist Unsinn. An Bonn km 208322 = 830 km).
Und hier gleich ein Grillfest im Garten mit Annas Eltern und Birte, die auf Besuch war. Klasse Gisela!
Und danach? Wir hatten uns Zecken eingefangen, Carla nur eine kleine, leicht entfernbare im Nacken, ich eine dicke fette am Bein. Die Tierchen sind den meisten Menschen eklig, also weiter zum nächsten Thema. Die Kamera mit Birtes Hilfe zerlegt, gefummelt, ganz geht sie (noch?) nicht (Alles in allem: Ein sehr schönes Erlebnis für die Kinder und mich; bei mir trotz weitgehender »Selbstbestimmung« doch eher etwas Stress.
Hier noch kurz die rauschende Talfer in Sarnthein:



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15. Mai 2008

Erst A. Lorenz gewidmet.

Innenleben und Reparatur von meinem digitalen

Funk-Klappwecker




Junghans MEGA travel
im
Laptop-Design

Gisela hatte mir das gute Stück vor vielen Jahren geschenkt, zu einem besseren Anlass, denn der Wecker war schon zu D-Mark-Zeiten teuer. Ich schätze ihn sehr. Carla spielte damit als ganz Kleine Laptop. Anderen ging es auch so. Wolf-Dieter Roth schrieb schon am 5. September 2005 bei Heise einen Nachruf. Fast wäre es bei mir auch so gekommen. Ich muss zugeben: Es war ein harter Schlag, der seine Anzeige erblinden ließ. Bei Druck auf den Bildschirm hat sie noch ein wenig geflackert. Dann war alles aus.

Hier unten neu ↓: Wie der Wecker aufgeht

Die oberen beiden Bilder zeigen den frisch reparierten Wecker, geschlossen und aufgeklappt. Im großen Bild hier der ganz geöffnete Wecker, allerdings kaputt: Das Flachbandkabel zwischen Basis und Deckel ist entzwei. Die großen seitlichen »Befestigungsschrauben« aus dem Scharnier sind nicht mit abgebildet.Man sieht: Die auf Knopfdruck hinterleuchtete Flüssigkristallanzeige (LCD-Anzeige), rechts oben im Bild, ist ein Stück Glas, das hinten unten über eine elastische rosa Leiste mit einer Kontaktreihe im Deckel verbunden ist. Das ist keine sichere, keine feste Verbindung. Tritt also nach einem Fall »Blindheit« auf, so versuche man, erst einmal nur den Deckel (Oberteil, Klappe) zu öffnen. Vielleicht reicht sogar nur Druck auf die Bildschirmunterkante? Öffnen geht durch vorsichtiges Aufsprengen entlang der Gehäusekante. Der Basisteil lässt sich übrigens genauso aufsprengen. Ich nahm Carlas schweizer Messer. Eventuell bleiben trotzdem ein paar Plastikhäkchen auf der Strecke – macht nichts. Klicken Sie auf das Bild, und sehen Sie sich’s genauer an. Durch Säubern der Kontakte und neues Ausrichten der Scheibe wird der Fehler meist einfach zu beheben sein.

Mein Fehler war, dass ich das nicht wusste. Ich öffnete erst einmal das Scharnier rechts und links des Batteriegehäuses. Rechts sitzt eine Schraube mit Stift, links ist darunter noch eine weiße Hülse als Plastikhemmung. Es sind einfache Drehverschlüsse. Mit einer Schere kann man die Deckel leicht die nötigen etwa dreißig Grad drehen und sie dann vorsichtig heraushebeln. Danach ist das Scharnier offen – und nur mehr das Flachkabel verbindet Boden mit Deckel! Wie von Flachkabeln in Scharnieren gewohnt, werden sie mit der Zeit spröde, brüchig, und reißen. So auch bei mir, siehe Bild.

Das Flachkabel hat zehn Leitungen. Die Kontakte in der Basis von oben nach unten entsprechen den Kontakten von unten nach oben im Deckel. Ich habe das Flachkabel dann durch zehn einzelne dünne Litzendrähte ersetzt. Litzen (Seile) sind flexibler als einzelne dicke Drähte. Dazu hat mir wie gewohnt der hilfreiche Herr Lorenz in der P+M-Elektronik in Bonn in der Budapester Straße geraten und mir ein Stück Kabel gleich mitgegeben – links im Bild. Das alte Flachkabel habe ich nicht ausgelötet, nur nachher gekürzt. Schön ist meine Löterei nicht geworden. Vor allem habe ich aus Bequemlichkeit und Angst die Kabel viel zu lang genommen. Dann wird’s hernach eng beim Zusammenbauen. Die Kabel im schmalen Deckel müssen später alle nach rechts schauen, weil links das Anzeigeglas sitzt. In der Basis, wo etwas mehr Platz ist, sollten die Kabel nicht so breit wie im Bild ausladen, sonst werden sie zwischen die Gehäuseteile eingeklemmt. Egal. Jetzt geht die Uhr wieder. Reparaturkosten: Zwei Euro freiwillig für das Kabel, Zeit, Spannung.

Irgendwo habe ich auch noch die Bedienungsanleitung (hier ein PDF-Auszug, links wie bei allen Bildern zum Vergrößern klicken). Sie dürfen mich auch weiter was fragen: Fritz@Joern.De.

PS: Das Löten hat auch so lang gedauert … Und nun ist Junghans nicht mehr. – Und P&M-Elektronik auch nicht!

Wie der Wecker aufgeht. Das Scharnier

Man beachte, dass links und rechts die Scharniere unterschiedlich sind. Links ist die »Bremse« in Form eines weißen Einsatzes, rechts laufen die Kabel durch.
   Ohne Bremse bleibt der Oberteil des Weckers (die Anzeige) locker und nicht mehr in jeder Stellung offen stehen.
   Der rechte äußere Abdeckdeckel hat eine Innenröhre, der linke nicht. Die Abdeckdeckel bekommt man durch eine kleine Drehung nach links lose (gegen den Uhrzeiger, ein »Bajonettverschluss«. ) – ich nahm eine Schere und hielt sie in die gegenüberliegenden Nuten. Dann kann man die Deckelchen mit etwas Geschick heraushebeln – mit einem scharfen Messer etwa. Wenn einer der beiden inneren Häckchen (wie hier das linke) abgebrochen ist, macht das erfahrunggemäß nichts.


Hier der rechte Deckel, herausgenommen, innen »meine« Leitungen an Stelle des originalen Flachkabels.

 



Hier der Verschuss, links, Innenansicht, ein kleiner Bajonettverschluss für den Deckel. Da sieht man aber erst, wenn der Deckel – wie hier – ab ist.
   Es folgt ein Einsatz aus weicherem, weißen Plastik, ich nenne ihn mal »die Bremse«. Er liegt hier verkehrt herum auf dem Wecker. Der lange Schlitz ist unten beziehungsweise innen und passt auf die Achse.



Hier von oben beziehungsweise außen gesehen, ein »Ameisenaschenbecher«, aber die rauchen ja nicht …






 
Die »Bremse« muss unten (innen) im entsprechenden »Balken« im Gehäuse sitzen, damit sie sich nicht mitdreht.




Hier sitzt die Bremse schon richtig drin, muss aber noch vom äußeren Abschlussdeckel (liegt verkehrtherum unterhalb), dem ohne Innenröhre, festgehalten werden.

Ja, nochwas. Den Deckel der Basis mit den fünf Einstellknöpfen bekommt man lose, indem man ihn einfach hochhebelt. Hier das geschlossene Gehäuse von der linken Seite  her gesehen.

← Hier den Oberteil abhebeln.
 
Bei mir geht der Minus-Knopf nicht mehr, irgendwas am Chip muss faul sein. Der Wecker ist jetzt wie ein ganz alter: Die Wechzeit lässt sich nur in einer Richtung stellen. Schade.
   Unten habe ich eine kleine Bedienungsanleitung angeklebt.
Die sieht übrigens so aus:

                                                   1                    4
                                                   2   
                                                   3                    5

                                                   Weckzeit 21, 23
                                                   Wecken e/aus 4
                                                   Zeitzone übl. =1
                                                   sonst       52, 53
                                                   Zeitumstellung
                                                   autom.  oder  n.
                                                   Batteriewechsel

That’s all, und ich entschuldige mich, dass der Wecker inzwischen schon alt ist und nicht mehr ganz astrein.
   Außerdem tippe ich das schon zum zweiten Mal, weil mir Blogger den ersten Ergänzungsentwurf in die Cloud kippte, auf Nimmerwiedersehen.

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