26. Februar 2014

Für euch und für viele – pro multis

Im neuen »Gotteslob« findet man wieder rechts
den ursprünglichen lateinischen Text, links korrekt:
»Für euch und für viele …«


Endlich ist das neue Messbuch da, ein »Gotteslob« wie früher, allerdings größer und viel gewichtiger. Vielleicht kommt das daher, dass jetzt wie früher, vor dem Vaticanum, wieder Latein drin steht, nicht so schön gedruckt wie ehedem (siehe meinen früheren Blog zum Thema), aber immerhin. Ich konnte das Gotteslob heute beim Schulgottesdenst im Collegium Albertinum nutzen, unsere Stiftskirche bringt es erst zur Fastenzeit. Und siehe da: Wir haben wieder die korrekte Übersetzung der Wand­lungs­wor­te, wie vor dem Konzil: »für viele«, nicht immer einfach nur »für alle«. Wäre ja aufgefallen, wenn rechts im Original « pro multis » stünde und links die deutsche Umdeutung.
   Dass der Priester hierzulande nach wie vor »für alle« sagt, zeugt von politischer Korrektheit, tapferem Auflehnen gegen Rom, und überhaupt von kurialer Volksnähe. Solange das große Messbuch nicht neu gedruckt wird, das am Altar liegt, geht da bei uns nichts!
PS. Ehrlich gesagt, mich persönlich regt die theologische Haarspalterei zum diesem Thema gar nicht auf, zumal alle versichern, in der Absicht sei da gar kein Unterschied. Für wen alles Christus gestorben ist, ist mir egal, ehrlich, Hauptsache er ist für mich gestorben. Na ja, rechne ich christliche Nächstenliebe mit ein, dann ist mir schon recht, dass er für andere auch gestorben ist. Am Ende aber sollte man das IHM überlassen, nicht wahr, genauso wie bei der Kommunion: In welchem Magen sich der HERR wohlfühlt, sei ihm überlassen, und sei’s bei einem wiederverheirateten Geschiedenen. Wie können wir das bestimmen?
   Mich stört halt das Herumbasteln an der Bibel, sprich »zitieren« ohne Quelle. Das geht schon bei der Lesung los, wo Apostelbriefe je nach Vortragendem mit »Brüder und Schwestern!« (weibl. Form) oder »Schwestern und Brüder!« (männl. Form) beginnen, was alles nie und nimmer im Brief stand. Kreative Quellenflexibilisierung.

http://www.liturgie.ch/ds/dcms/sites/lich/portal/artikel.html?f_action=show_article&f_article_id=98
Für uns ist daher die sprachlich angemessene Übersetzung des griechischen Wortes für Brüder: „Schwestern und Brüder“.  … Da die Gemeinde als ganze Adressatin eines Briefes ist, sollte statt vom „Brief des Apostels Paulus an die Römer“ sachgerechter (und zugleich frauengerechter) vom Brief „an die Gemeinde in Rom“, „Ephesus“, „Korinth“ etc. gesprochen werden.

http://www.praxis-gottesdienst.net/frage_antwort/frage_antwort_detail.html?k_beitrag=3128070
»Anstelle des Wortes Brüder können bei den Anfangsworten der Lesungen auch die Worte Brüder und Schwestern bzw. Schwestern und Brüder gebraucht werden.« – Seitdem ist es somit legitim, diese Varianten der Anrede für alle Apostelbrief-Lesungen zu verwenden. Dies gilt allerdings nur für den Beginn einer Lesung. Die Regel ist nicht anwendbar auf jene Stellen, an denen im biblischen Text selbst das Wort Brüder vorkommt. Die Änderung am Kopf der Lesung war möglich, weil es sich dabei um eine Anrede an die versammelte und hörende Gemeinde handelt. Die Anrede ist zwar aus dem betreffenden Brief abgeleitet, aber an dieser Stelle kein Zitat aus der Heiligen Schrift. Es wird von der Zusammensetzung der jeweiligen Gottesdienstgemeinde abhängen, welche Form der Anrede ausgewählt wird.

Ich warte drauf, dass Christus in Lk. 18,16 bald einmal »die Kinder und Jugendlichen« zu sich kommen lässt, von uns »Senioren« ganz zu schweigen.

Adresse dieses Blogs: http://blogabissl.blogspot.com/2014/02/promultis.html

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