8. November 2016

Hilfe, der Heizkörper bleibt kalt!

For Pat

Der Winter kommt. Schon wird mancher »Heizkörper« warm, gut; und mancheiner auch nicht, Mist! Wie kommt’s, was tun?
Heizkörper haben heutzutage vorschriftsmäßig ein Ther­mos­tat­ven­til, damit sie nicht überheizen oder einen unnötig kalt lassen. Im Bild das von »Danfoss«; der Vermieter oder Erbauer hat das ausgesucht.

Die Ventile bestehen immer aus zwei Teilen!
Was man außen sieht, ist der Temperaturregler. Er kann probemlos abgeschraubt werden, ohne dass die Wohnung überschwemmt wird. (Übrigens: Alle meine Aussagen mögen guter Rat sein, sind aber ohne Haftung!)

Der in den Heizungskreislauf fest eingebaute Teil des Ventils sieht so aus. Bemerkenswert ist der dünne Stift, der vorne mittig herausragt. Er lässt sich hinein und hinaus bewegen und steuert dadurch den Wasserdurchfluss. Der »Hub« ist klein, nur wenige Millimeter, zirka zwei (deutsch aussprechen! Ein “hub”, sprich »hab’«, ist was anderes, wörtlich eine Nabe.)
   Ist der Stift ganz drin, so ist das Ventil zu, der Heizkörper kalt.
   Eine Feder im Ventil drückt den Stift aber kraftvoll nach draußen. Steht er wie im Bild ganz heraus, so ist das Ventil ganz offen. Drin fließt Heißwasser. Der Heizkörper wird warm.

  
Hier rechts der eigentliche Regulierer, der Thermostat. Der hat innendrin ein Wachs-, Flüssigkeits- oder Gas-gefülltes Inneres, das sich beim Warmwerden ausdehnt, und so – immer aufs Ventil geschraubt – dort den Ventilstift hineindrückt. Das sieht man nicht.

Soweit die Theorie, die “Theory of Operation”.

Wenn der Stift im Sommer lang nichts zu tun hatte, so klebt er einfach fest, meist in Position »zu«. Dann bleibt später die Heizung kalt, was immer man auch tut.
   Ich versuche dann erst einmal, den Stift locker zu bekommen ohne was abzubauen, indem ich das noch drangebaute Ventil immer wieder möglichst mit einem Ruck zudrehe. Helfen tut das nichts. Hinten mit dem Hammer auf den Plastikschriftzug »Danfoss« zu klopfen, das traue ich mich auch nicht. Vielleicht hilft Offenlassen des Ventils im Sommer, dann »friert« der Steuerungsstift möglicherweise »ganz draußen« ein, und lässt sich später vom Ventil besser wieder eindrücken. Oder ein lockernder Hammerschlag auf das Rohr?
   Fast immer muss der Regler vom Ventil abgeschraubt werden. Früher ging das mit der Rohrzange, und wird auch so auf Youtube vielfach vorgeführt. Ich mag’s nicht – ’s ist aber nicht meine Entscheidung.
   Meine Ventile sind und waren immer mit einer kleinen Schraube von unten festgehalten. Die sieht man hier oben im Bild. Sie ist viel zu weit herausgeschraubt (Verlustgefahr!), meist reichen eine Handvoll Drehungen, und das Ventil lässt sich mit etwas Wackeln und kräftigem Ziehen nach vorne abziehen.
   Um diesen Sicherungsstift zu lösen und später wieder an­zu­zie­hen, braucht man einen In­bus­schlüs­sel, u.z. den richtigen, einen ganz feinen. Links meine Samm­lung; der in diesem Fall richtige ist schon aus der Spirale he­raus­ge­dreht. Ich würde sagen: ’s ist der mit 2-mm-Sechskant. Kann man aus­pro­bie­ren, wenn man so einen Satz hat, ev. an einem anderen Ventil, wenn das leichter zugänglich ist. Hat man keinen passenden Schlüssel, so mag man’s mit einem kleinen Schrau­ben­zie­her pro­bie­ren. Weil die selten genutzten Schrauben aber schlecht aufgehen, geht das meist nicht. Caramba bekommt man auch nicht an die Schraube, weil sie oft unten ist, siehe Video.
   Im Danfoss-Video sieht das so aus (in Wirklichkeit ist’s fummeliger):

Hat man das Ventil ab, so löst man den Regelstift am eigentlichen Ventil mit dem Hämmerchen oder besser mit einer kleinen Flachzange, weil man den ja herausziehen muss. Nur ein bisschen hinein und hinaus bewegen. Ölen? Ist dann der Stift draußen, wird’s geich warm.
   Bitte darauf achten, dass der Stift nicht einach nur leicht und locker hinein und hinaus geht, sondern dass ihn die Feder von innen kräftig herausdrückt. Sonst klemmt auch die Feder, und man muss noch ein wenig rein und raus stoßen, bis sie vernehmich lossprint.
   Jetzt alles rückwärts: Ventil drauf, am besten in Stellung Volldampf (5, IIIII), Inbusschraube wieder leicht angezogen, fertig. Mama freut’s oder das Baby im Zimmer.
   Achten Sie darauf, dass das Ventil ganz aufsitzt, ganz am Ventil dran ist. Baut man’s z.B. in Stellung »geschlossen« (|<, * oder I) ein, so geht es nicht ohne Dücken ganz drauf. Festgeschraubt mit Lücke zwischen Metall (Ventil) und Plastik (Regler) bleibt es dann unwirksam, und der Heizkörper immer voll an.
Wenn die Rückstellfeder den Stift (die »Ventilspindel«) nicht mehr herausdrückt, bloß nicht den Stift mit Gewalt herausziehen. Feuchtigkeitsgefahr, siehe Diagramm links. Horrorgeschichten hier.








Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2016/11/hilfe-der-heizkorper-bleibt-kalt.html

Noch ein fachmännischer Hinweis, von Frau oder Herrn Brandstetter in Österreich: »Funktionsstörung bei Thermostatventilen, da der Magnetitschlamm die Ventildichtung vom Thermostatventil fest an dem Ventilsitz klebt.« Der Artikel zur Heizwasserchemie ist sehr lesenswert.

Guter Artikel zum »hydraulischen Abgleich« von Reglern von Martin Schlobach. Der sorgt dafür, dass auch in großen Häusern alle Heizkörper gleich viel heißes Wasser bekommen.

Links. Der »Focus« zum Thema

Zur Erläuterung eine Zeichnung aus einem Patent von Bernhard Sanders:

Gezeigt ist ein Rücklauftemperaturbegrenzer, der an ein herkömmlich ausgebildetes Thermostatventil angeschlossen ist, im Schnitt, wobei in der linken bzw. in der rechten Zeichnungshälfte zwei Ventilstellungen dargestellt sind.

10    Thermostatkopf
11    Thermostatventil
12    Mutter
13    Stößel
14    Basisteil
15    Achse
16    Drehgriff
17    Dehnstoffelement
18    Hülse
19    Dehnstoff
20    Aufnahme
21    stiftförmiges Element
22    Federelement
23    Hülle
24    Deckel
25    Aufnahme
26    Bodenelement
27    Anschlag
28    Kragen
29    Kragen
30    Vorsprung
31    Ventilkegel
32    Ventilsitz
33    Gehäusekörper
34    Federelement

Ich bin auf der Suche nach der Feder, die den Stift herausdrückt. Die arbeitet bei mir nicht mehr, sodass das Ventil drin und der Heizkörper kalt bleibt, egal ob der Stift drin oder draußen ist. »Durch ein zusätzliches Federelement 34 ist stets Kontakt zwischen der Hülse 18 und dem Stößel 13 gewährleistet«, schreibt Sanders. Seh’ und versteh’ ich nicht …

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