27. März 2008

Reichtum. »Soziale Gerechtigkeit« stößt sich immer wieder an »Reichtum«. Selbst die Wikipedia veröffentlicht Listen der reichsten Deutschen. Der Stern endet seine heutige Reportage über Lidls liderliches Lauschen mit der Anmerkung: »3000 Euro Schmerzensgeld« – das Mitarbeiterinnen vielleicht bekämen, klagten sie erfolgreich über ihre Videoüberwachung – »von dem Vermögen, das Lidl-Gründer Dieter Schwarz im Laufe seines Lebens aufgehäuft hat, wären das weniger als 0,00003 Prozent.« (Name von Dieter Schwarz nicht verändert, von den Kassierinnen schon.) Wie müssen wir uns das vorstellen?


Am besten wir denken gleich an den Allerreichsten der Welt, an Onkel Dagobert. Da ist er im Topolino N. 2073, 22.8.1995 (« Zio Paperone e la proposta dell’ alter-ego »), p. 16, gezeichnet von Giorgio Cavazzano. Gerade setzt er zum Sprung vom Einmeterbrett an: »Einmal eintauchen, und ich seh’ die Sachen vielleicht glänzender!« Nun, wir wollen’s versuchen.

Der Reichtum unserer Reichen liegt nicht als goldene Masse im Tresor, auch nicht in Scheinen unter dem Kopfkissen. Nicht einmal in Liechtenstein. Das zählt nicht in der Statistik. Das Vermögen der Reichen arbeitet. Bei Herrn Schwarz sind es die Lidl-Läden, bei den Albrecht-Brüdern die Aldis, bei jedem etwas anderes, das Geld bringt – und Arbeit, und Steuern. Würde Herr Schwarz seine Lidl-Geschäfte verkaufen, so müsste sie ihm jemand abkaufen. Abkaufen mit Geld, das er oder sie durch den Verkauf eines anderen Besitzes bekäme. Mit Geld im Dagobertschen Sinne hat das wenig zu tun. Und wenn dann einmal einer seine »Schätze« verkauft, an »Heuschrecken«, wie sie so schön heißen, und sich mit dem Erlös eine Villa mit Yacht in Nizza leistet oder eine Welt(raum)reise, wem ist denn dann geholfen? Die Expropriierung nach realsozialistischem Muster bringt höchstens den Niedergang der Sache, nicht den Aufstieg des Reiches. 

Denn eigenartigerweise findet sich der Staat nicht in den Reichtumslisten. Es wäre ja einmal interessant zu wissen, ob er seinen Reichtum mehrt – oder nur seine Schulden. Nun, seine Aufgabe ist nicht “shareholder value”, mag er unseren Gemeinbesitz ruhig herunterkommen lassen, wir bauen später einfach neu, denn staatliche »Investitionen« dürfen eher kreditfinanziert werden als laufende Ausgaben, zu sehen in jedem herunterkommenden Schwimmbad.

Zurück aber zum Vermögen. »Vermögen verpflichtet«. Richtig. Und da sind mir die Brüder Albrecht allemal lieber, weil sie ihre Läden in Schuss halten, weil sie ihre Angestellten mehren und bezahlen, als der ach so soziale Staat, der Nokia fördert, bis sie weggeht, und die Kohle, bis der Berg einstürzt. Natürlich gibt Ineffizienz Scheinarbeit, gleichartige Ministerien in jedem Bundesland auch, sogar zigfach. Doch die Beamten werden an der Nase herumgeführt, wenn man sie in Bayern dasselbe tun lässt wie in Bremen, sagen wir: Schulbücher aussuchen. Schüler, die umziehen, haben das Nachsehen. Öffentliche Verschwendung gibt es ohne Ende. Kein Politiker bürgt. Kein Regierender wird ärmer, wenn er Mist baut. Gut, auch Industrie-Manager werden manchmal mit einem »goldenen Handschlag« entlassen, dafür sind aber die Besitzer verantwortlich. Genug.

Was ich sagen wollte: Man unterscheide zwischen Produktivvermögen (das allerdings auch in Liechtenstein liegen kann) und Konsum. Eine Yacht ist Konsum, und wird nur einmal beim Kauf versteuert. Produktives Vermögen dagegen scheint dem Staat ein Ärgernis zu sein. Es bringt Geld, muss versteuert werden. Also auf Leute, verprasst euer Geld! Fliegt ans andere Ende der Welt. Gebt euer Geld dort aus! Fiskusfrei. Wer spart, muss nur immer Renditen und Kursgewinne versteuern. Lasst den Rubel rollen, springt hinein ins volle Schuldenleben:

(Topolino N. 2009, 31.5.1994, « Zio Paperone e la febbre dell’ oro », gez. von Emanuele Barison, Seite 184: »Ihr springt dann auf meinen Pfiff, gleichzeitig!«)    

Ja, Geld kommt zu Geld – und das ist gut so! 

Link zu diesem Eintrag: http://blogabissl.blogspot.com/2008/03/reichtum.html

1 Kommentar:

Insa hat gesagt…

Also zum Lidl-Chef braucht man wohl herzlich wenig noch zu sagen... Der sollte ganz andere Anteile seines Vermögens abtreten für das, was in seinem Unternehmen so vor sich geht, egal inwieweit er in die Angelegenheiten verstrickt war. Wenn man an der Spitze sitzt ist man eben zwangsläufig für alles was weiter unten passiert mitverantwortlich. Da geht es dann auch nciht um soziale Gerechtigkeit sondern einfach Gerechtigkeit allgemein.