13. April 2017

12. April 2017

Google Photos Error 404

  ### SORRY, NO SOLUTION YET ###
Google Photos (called Fotos in German) displays your album for six seconds and then tells you, that this album is not available. Error 404.
“Google – 404.This is an error. The requested URL was not found on theserver. We do not have more information.”
–  It had been Google itself, that generated the URL. It was Google’s own server. Shame on Google!

   Apparently Google took your fine, well visible album from its right hand into its left, and – as in a larger company the left hand does not know what the right hand does – the left says: “I cannot display your album, error 404. Go to … with your pictures!”
   Here you can see the video: https://youtu.be/6nwZlaS4hgM



Permalink to this post (blog entry) here:
http://blogabissl.blogspot.com/2017/04/google-photos-error-404.html

Details of this example:
   From for example (stably visible):
https://get.google.com/albumarchive/107484383993159578524/album/AF1QipN5vz67Nc0yRhZGfzU9emRscWnJULNGywxQpAIu?source=pwa&authKey=CPGm6r_N_4uhEg


You go on with – click … Weitere Optionen (Further Options?) – and then –
select: In Google Fotos verwalten (edit with Google Photos?)

   The miraculous Google software then trys to show this URL (but ends up with error 404):
https://photos.google.com/album/share/AF1QipM4Yxb30Fg0W0EM6p77SHfA2RcjfbZ7xTq7tFc0oXKdSo8rK6gSsZRpRal9bax_9w?key=CPGm6r_N_4uhEg. 

   The album in (virtual?) reality is called
https://goo.gl/photos/sVV55M5CCqP8ifyZ9

You are not logged in.
Obviously no optin to edit the album.

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denounce illegal use
 

In case you are not logged in as the owner of the album (use your Browser’s private mode Ctrl+P to try) this brings you to
https://photos.google.com/share/AF1QipPqDq2pVcBKM2KTPZE4vKNzLY4LkNrUN2sFmqwMFHG_59TI9e8qHfVbk9mQFBTzPA?key=bjZNRUE3Z3RKV2QxTlU0dU1BOG5TYUdkeEtNUWN3
And that’s stable …  The goo.gl address I got by asking for a “share” and a link. Good night.

When you klick »In Google Fotos gespeichert« (from https://get.google.com/albumarchive/107484383993159578524/album/AF1QipPtvfe5KOUr16ws3LR4TGfISr7tIXX5Img8filG?authKey=CP2vufux1pOPUA) you’ll see:
Stored in Google Photos. The album is securely saved in Google Photos. You can manage it there. (»Du« as colloquial you.)
When you try to reach the album from here, you are sent to
https://photos.google.com/album/share/AF1QipPqDq2pVcBKM2KTPZE4vKNzLY4LkNrUN2sFmqwMFHG_59TI9e8qHfVbk9mQFBTzPA?key=CP2vufux1pOPUA
And there’s that error 404.
   The successful address is:
https://get.google.com/albumarchive/107484383993159578524/album/AF1QipPtvfe5KOUr16ws3LR4TGfISr7tIXX5Img8filG?authKey=CP2vufux1pOPUA 

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9. April 2017

Nuts – Nüsse

Growing trees. Bäume »züchten«, hier Nüsse.
Nuss. Aus dem Artikel.                                                    Foto Stephen Lioy
 

It’s all about perennial species – plants like trees that live long lifes – in contrast to annual crops – like wheat or carrots – and their develompment: “Typically, the domestication of perennial species has resulted in fundamental changes in the mode of reproduction, like clonal propagation,” [Maria Elena] Malvolti notes [from Porano, Umbria, Italy]. For example, “olives in their native state are virtually inedible by humans. So propagating olive trees is a vegetative process. … ”
   Even optimistically, a walnut tree takes eight years to bear its first fruit. That would mean, in theory, it would take 8,000 years before walnut genetics would change to the point of domestication. Yet to be useful to humans, the walnut does not need to be domesticated.
Im Vergleich mit Jahresfrüchten brauchen Bäume lange Zeit, sich zu verändern – im Artikel von Graham Chandler werden für einen Nussbaum achttausend Jahre geschätzt. »Züchtung« (»Domestizierung« ohne Gentechnik) ist eine Sache von Jahrtausenden.
   Geht das auch anders?
   Wie haben sich Nüsse verbreitet? Da spielten wohl Reisende Eichhörnchen!     
   Wer Englisch kann, sollte den schönen Artikel lesen! (Fragen gerne an mich … )



Read about walnut trees here – good English.
Keith Woeste of the US Forest Service here.

Permalink. Link zum Weitergeben!
http://blogabissl.blogspot.com/2017/04/nuts-nusse.html 

Suaven – article, Artikel

A fine new article in Aramco World’s March 2017 edition:
http://www.aramcoworld.com/en-US/Articles/March-2017/America-s-Zouaves

Here, how I came to see them: 




Ad Crimean War, Krimkrieg

   Link hierher, Permalink:
http://blogabissl.blogspot.com/2017/04/suaven-article-artikel.html

Suave, Suaven, Zuave, Zuaven, Zouave, Zouaves (Zuave, Zuawe, Suave, Suaven, Suaves)

6. April 2017

Der Schmarrn mit dem großen ß

Großes Eszett () auf dem Titelblatt des Duden, Leipzig 1957
Der Rechtschreibrat rühmt sich des großen ß, also des »dicken« ẞ, Überschrift
   »Rechtschreibrat macht Weg für großes Eszett in amtlicher Rechtschreibung frei«. Dazu ein Bild des »DDR«-Dudens von 1957. Das ẞ wurde allerdings später wieder aufgegeben, siehe Auflagen 1880—2013. 
   Nun empfiehlt der Rechtschreibrat zum Eszett (»scharfen s«): 
»Zur Schreibung in Großbuchstaben soll es zukünftig heißen:  ›Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS. Daneben ist auch die Verwendung des Großbuchstabens ẞ  möglich. Beispiel: Straße – STRASSE – STRAẞE.«
   Na bitte. Das ẞ ist (und bleibt) optional. Ein Kann, eine Nebenform. Gezwungen dazu wird keiner. Wozu auch? Es kommt nie am Wortanfang vor.
»Man« braucht es nur bei VERSALSCHREIBUNG, und die ist schlecht lesbar und sieht brutal aus. Seit es kursiv und fett in jeder Scheibbsoftware gibt, sind sogar früher gern gesehene  G e s p e r r t s c h r e i b u n g e n  total out. 
   Dazu kommt, dass schon das normale kleine ß oft recht hässlich ist. Das »dicke« ẞ ist noch unförmiger. Erinnern Sie sich noch an Nadeldrucker, die für ß ein griechisches β verwendet haben, meist noch kursiv, sah …eiβe aus. 
Schweizer Schreibmaschine ohne großes Ü, Ö, Ä und ß, dafüt mit ê, ç und à. Zum Vergrößern klickbar. 
Die Schweizer, die mit Ihrer Tastatur auch noch Französisch schreiben können müssen, haben kein ß, überhaupt nicht, nicht einmal ein groß Ü, Ö und Ä. Das gab’s früher in den Zeitungen auch nicht, weil im Bleisatz die Pünktchen ganz oben abbrachen. 
   In der Schweiz schreibt sich ein Maßband Massband; wie soll einer da wissen, dass bei Masse das a lang, meim Massband aber kurz gesprochen wird.
   Empfehlung also: kleinschreiben, dann gibt’s das ẞ nicht.
   Die Behörden »brauchen« allerdings das ẞ, weil sie sich auf Pässen und Personalausweisen einbilden, GROẞ schreiben zu müssen (hier links):
 





Bei Füherscheinen (rechts) haben sie allerdings ein Einsehen und schreiben normal groß und klein. Dabei wäre es viel gescheiter, wenn sie schon beim Namen sind, die deutsche Um­schrei­bung ins Internationale anzugeben, vielleicht in Klammern. Weil zum Beispiel alle Welt – außer Deutschland – aus einem Jörn einen Jorn macht und gewiss keinen Joern, so wie ein Benoît auch bei uns glatt zum Benoit wird. Also etwa FRITZ JÖRN (JOERN). Das wäre sinnvoll.
Nuova Raccolta d’autori che trattano dell morto dell’ acqua, Band 1, 1766. Wieso «ſi sfuggirá«?
Zum Abschluss noch ein weiterer Vorschlag, der zunächst nicht einmal ein neues Unicode-Zeichen erfordert. Es geht auch nur um einen Buchstaben, ein weiteres S, das ganz international gängig war. Wie das? Übrigens gab’s dafür auch keinen Großbuchstaben, füt’s 
lange s: ſ  
1943: letzter Frakturduden
   Vielleicht kann das der Rechtſchreibrat wieder einführen. In der Fraktur war es in Deutschland bis zuletzt Vorſchrift! Dann wurde Fraktur als antiſemitische Maßnahme verboten, was aber wieder eine andere Geſchichte iſt.
   Ich erſpare Ihnen die ſ-Argumentarion in Frakturſchrift, ſchon weil’s ſonſt keiner mehr leſen kann. Das ſ kommt maſſenhaft vor, öfter als das runde s.
   Damit könnten sich die Paſsſtellen ſuper ſpielen, für die ein Wechsel vom ß zum ss schon ein teurer Namenswechsel ist – ich weiß, ich kenne einen Herrn Roß. Ohne viel Geld kommt der nie zum Ross.
   Schreibt ſich Frau Angſt nun Anſt oder Angst? Ein Rothschild Rotſchild? Damit könnte man ausländische Beamten doch beſonders leicht verwirren. Und noch einen Großbuchſtaben fordern! 

ẞ ist Unicode “LATIN CAPITAL LETTER SHARP S”, »Lateinischer Großbuchstabe scharfes S«
• hexadezimal U+1E9E 
• dezimal in HTML ẞ 
• in Windows Alt+Zifferntastatur7838
• in Word 1e9e oder 1E9E eintippen, markieren, Alt+c, auf neuen Tastaturen AltGr+h
– mehr in der Wikipedia, die in der Überschrift »Das große ß« dieses nach wie vor klein schreibt, nicht »Das große ẞ« …

Links:
Rechtschreibrat
Duden
Wikipedia 
Auszeichnungen wie fett, kursiv usw. im Text
Auf der Suche nach dem langen ſ
Windows–Tastaturtreiber mit nomherechten ẞ, ſ und anderen

»Zwischendurch Fraktur«  

Permalink hierher: 
 http://blogabissl.blogspot.com/2017/04/der-schmarrn-mit-dem-groen.html

 

5. April 2017

Whatsapp. Datei wird nicht unterstützt.

Whatsapp gehört
zu Facebook
»1 Datei, die du versuchst hinzuzufügen, wird nicht unterstützt.« – Diese Meldung von Whatsapp ist, pardon, eine Frechheit:
1. Ist die Meldung falsch. Es geht zuweilen doch! 
2. Weiß die Software, warum sie das Bild oder Video nicht senden mag. Warum also sagt sie’s nicht. Das ist arrogant und lieblos.
3. Kann man im Deutschen so umformulieren, dass nicht einfach jeder forsch mit »du« angeredet wird, Vorschlag: »1 Datei lässt sich nicht hochladen, weil … «.
Punkt 1 wird Sie interessieren. Ich hatte vergeblich versucht, dieses Kirschblütenbild – normales JPG, 3677×3672 Pixel, 4,77 MByte – in Whatsapp-Web hochzuladen. 
   Auf Geeks wurde ich fündig. Das Rezept dort, eigentlich für’s Iphone, funktionierte auch bei mir: Rechner vom Wi-Fi-Netz (W-Lan) nehmen, etwa durch Einschalten des Flug-Modus, dann geht’s zwar immer noch nicht, schließlich wieder online gehen, (eventuell Whatsapp-Web neu starten,) und dann ging’s!  
   Die offizielle Dateimaximalgröße liegt bei Whatsapp zur Zeit bei 16 MByte. 
   Wie man bei Android »mit Gewalt« auf 2 GByte = 2000 MByte kommt, steht hier. Kann ich aber nicht empfehlen, einfacher ist, das Video zum Beispiel zur »Konkurrenz« Youtube (gehört Google) hochzuladen und nur den Link weiterzugeben. Aktuelles Limit sind dort 128 GByte. Mit meinem 45 MByte großen Video »Garten im April« hab’ ich’s so gemacht. Vielleicht tröstet Sie das, wenn Sie wieder einmal frech gesagt bekommen: »1 Datei, die du versuchst hinzuzufügen, wird nicht unterstützt.«

Übrigens: 
• Ein Werner Nöbauer empfiehlt, “Privacy Impact” zu ändern. Aber vielleicht kappt das auch nur die Internetverbindung?
• Ein Muhammad Ali Adnan empfiehlt, Whatsapp neu zu installieren. Typisch, wenn einer heutzutage nicht weiß, was die Ursache eines Fehlers ist – aber, wenn’s hilft?
• Andere empfehlen, die Datei anderswohin zu legen, zum Beispiel auf eine SD-Karte. Sie muss für Whatsapp zugänglich sein – klar.

Link hierher:
http://blogabissl.blogspot.com/2017/04/whatsapp-datei-wird-nicht-unterstutzt.html

3. April 2017

Achill

Von der »Archillesferse« hatte ich schon gehört. Bei näherem Hinsehen stellte sich die allerdings ohne r dar, jedenfalls was Achilles anbetrifft. Mir ging’s da wie mit dem Wort Pogrom, das ich auch mit einem r zuviel im Kopf hatte, als sei’s ein Pro-Grom. Das war bei der Wortwandlung von Reichskristallnacht zu Pogromnacht und inzwischen zu »Novemberpogromen 1938«. Nun, Achill bleibt Achill, es ist zu hoffen. Der wird höchstens modisch-modern zu »Achilleus«, sprich Achillois, nicht Achille-us. 
   Kurz, bei meiner Beschäftigung mit Britting fiel mit sein Gedicht »Was hat, Achill … « auf, hochgerühmt, eines seiner bekanntesten. »Entstanden ist es im Jahr 1938«, merkte wohl seine Witwe an, erstmals veröffentlicht wurde es 1940. »Eine Sprachkraft unerhört; gehört zum schönsten, was es überhaupt gibt. so was macht ihm keiner nach. Auch Goethe nicht.«  – Ich meine, das hat nicht Britting selbst gesagt, im Eigenlob, wie Wolfgang Schneider in der Frankfurter Anthologie meint, sondern Max Kommerell über die Penthesilea (1808) von Kleist (1777–1811). 
   Nach dem Krieg schrieb Gottfried Benn (1886–1956) an Britting:  »Lieber Herr Britting, ich muß Ihnen gestehn, daß ich eben in der neuen Anthologie von Jancke zum ersten Mal in meinem Leben Ihr Gedicht: ›Was hat, Achill‹ gelesen und kennengelernt habe. Ich kann diese Lesung nicht hinnehmen, ohne Ihnen zu sagen, daß das ein wahrhaft großartiges Gedicht ist, einfach hinreißend.«
   Genug des Lobes. Ich verstand es einfach nicht. 
   Natürlich muss man die tragische Liebesgeschichte kennen. Achill tötet Penthesilea im Kampf. In seinem Sieg und ihrem Sterben jedoch verlieben sich die beiden. Das Interent ist voll von Bildern dieses Geschehens, man sehe nur her
   Die Story, dass sich Amazonen die rechte Brust zum besseren Bogenschießen masektomierten, ist übrigens Unsinn. Sie trugen höchstens enge Brustpanzer als Sport-BHs. 

Hier Brittings Gedicht, und da lese ich es vor:




        Was hat, Achill … ?
    
        Unbehelmt,
        Voran der Hundemeute,
        Über das kahle Vorgebirge her
        Auf ihrem Rappen eine,
        Den Köcher an der bleichen Mädchenhüfte.

        Ein Falke kreist im blauen, großen,
        Unermeßlich blauen,
        Großen Himmel.

        Er wird niederstoßen,
        Die harten Krallen und den krummen Schnabel
        Im Blut zu tränken, dem purpurnen Saft,
        An dem das Falkenvolk sich wild berauscht.

        Die nackte Brust der Reiterin.
        Ihr glühend Aug.
        Die Tigerhunde.
        Der Rappe, goldgezügelt.
        Sie hält ihn an.

        Mit allem Licht
        Tritt aus den Wäldern vor
        Der Mann der Männer.
        Die Tonnenbrust.
        Auf starkem Hals das apfelkleine Haupt.

        Er sieht die Reiterin.
        Und sie sieht ihn.
        So stehn sich zwei Gewitter still
        Am Morgen- und am Abendhimmel gegenüber.

        Der Falke schwankt betrunken auf der Beute.
        Was hat, Achill,
        Dein Herz?
        Was auch sein Schlag bedeute:
        Heb auf den Schild aus Erz!

Das Gedicht haben andere vor mir viel besser ausgelegt, und vor allem besser »aufgesagt«. Mir war nur aufgefallen, dass der eigentliche Kampf ausgespart bleibt – sodass ich schon suchen musste danach –, dass die Geschichte von oben herab, von den Falken her gesehen wird, und selbst da ist sie blutrünstig genug, gruselig. Und eigentlich hat sie, anders als andere, ordentliche Geschichten und Gedichte, keine rechte Überschrift. Britting zitiert dafür eine Zeile aus dem Gedicht; ein Titel ist das nicht, wie sonst als Zusammenfassung, mindestens zur Einführung ins Geschehen. Mündlich nennt’s Britting »mein Penthesilea-Gedicht«, kolportiert Schirnding hier (Quelle Seite 418). Britting will nicht dran. Es ist nicht der Kampf, es ist das Herz, worum es geht, und auch das nur diskret.
   Was bedeuten denn zum Beispiel die Gewitter, die sich am Morgen- und am Abendhimmel gegenüberstehen? »Deuten Sie mir das, Schöler!«.
   Heinz Piontek, »Naturlyriker« auch er, deutet es 1952 so (Quelle Seite 12): »Das urkräftige Gedicht ›Was hat, Achill ... ‹ gibt uns den Menschen gleichsam unverkürzt, wild und primitiv, wuchtig aufgereckt über den blassen Horizonten unserer verkümmerten Welt. Die Begegnung zwischen Mann und Weib vollzieht sich wie ein gewaltiges Naturereignis: ›So stehn sich zwei Gewitter still / Am Morgen- und am Abendhimmel gegenüber ... ‹. Und hinter der Frage ›Was hat, Achill, dein Herz?‹ spüren wir eine Bewegung, die alles Lebendige zutiefst erfasst und erschüttert, eine Bewegung, die nur von der vollendeten poetischen Vision auszugehen vermag: wir spüren die Identität von Wort und Wahrheit.« 
   Nun denn, das »gewaltige Naturereignis« zwischen Mann und Frau bleibt »still«, hält inne, unbewegt? Danach stelle ich mir den Kampf vor, Penelope schlank am stillstehenden Pferd, mit Pfeil und Bogen aber für den Nahkampf falsch ausgerüstet, Achill riesig. Wuchtig trifft sein Speer und tötet. Erkennen, Bedauern, das Herzklopfen, die kommen später. Gefühle, nach Goethe. – 
   Albert von Schirnding meint hier (Original Seite 418) allerdings, dass Britting wie Kleist erst einmal umgekehrt Penthesilea Achill besiegen lässt, und sie sich noch vorher verlieben. Und etwas mehr von Kleist übernommen haben soll Britting auch, etwa das Waldherausgetrete. Überhaupt hat sie Schirnding gut verglichen und ausführlich weitergedacht; er ist’s Wert, bis zu Ende gelesen zu werden. Er kennt Britting vielleicht am besten! 
   Auch Hans-Egon Holthusen verlegt 1977 die Liebe vor, hier (Original Seite 191). Mögen sie alle recht haben; ich versteh’s desto weniger.  
   Verstehen kann das heute trotzdem keiner mehr. Kennen wir den üblichen Penthesilea-Mythos, so längst noch nicht antimateriell die umgepolte Variante. Von Kleist liest man, wenn überhaupt, höchstens anderes. Wir leben in einer Zeit vieler Worte, da sind uns schon Gedichte zu knapp, verschlüsselte ganz unverständlich.
   Curt Hohoff deutet 1967, weit ausholend, hier (Quelle Seite 164):
»Britting wollte das dichterisch Wahre treffen. Die Figuren des Hamletromans, des ›Eglseder‹ und vieler großer Erzählungen sind differenzierte Personen. Im Denken und Fühlen sind sie zwiespältig, im Handeln zögernd und abwartend – oder sie handeln vorschnell, gewalttätig und überraschend. Analytisch sind sie schwer zu fassen, aber die dichterische Wahrheit ist eindeutig und einleuchtend. Sie leben, wie Brittings Pflanzen und Tiere, in symbolischen Bezügen aufeinander, und hier geht es dann oft mehr wie im Märchen als im Alltag zu: Brittings Tiere werden aus den zoologischen Bedingungen gelöst und in groteske Bildzusammenhänge gestellt, der Hecht wird ein Drache der
Vorzeit. In den Erzählgedichten erscheint der Mensch mit ironischen Strichen:
   Mit allem Licht
   Tritt aus den Wäldern vor
   Der Mann der Männer.
   Die Tonnenbrust.
   Auf starkem Hals das apfelkleine Haupt.
Darin kommt etwas von der Rätselhaftigkeit des Lebens zum Ausdruck; im Bild ist es da, denn ›kein Bild ist Betrug‹. Die Grenze wird jeweils im Tod erreicht, wo der Mensch verlorengeht und geborgen wird, wo dem Entsetzen des Ertrinkenden das Vorgefühl einer heiteren Ruhe entspricht. Der Tod gehört zur Natur wie die Nacht zum Tag.«

   Hier schreibt Curt Hohoff 1954 (Quelle Seite 136): »Nur was auf der Erde mit dem Menschen geschieht, kann der Dichter – als Dichter – sagen, indem er sesshaft-sinnlich symbolisiert. Auch Achill ist solch eine Symbolfigur, der tonnenbrüstige Held mit dem apfel-kleinen Haupt tritt der Amazone gegenüber. In ›Was hat, Achill ... ‹ ist die odische Begrenzung aufgegeben, aber die Errungenschaften der Gattung sind darin als Notizen, so wie K. Weiß plötzlich in seine christliche Welt Aktäon einführt [Konrad Weiß, Aktäon, 1925. fj]. Der Wert wird wie im arabischen Ziffernsystem [unserem!] nach der Stelle, wo die Zahl steht, bestimmt. So auch bei Achill. Der Dichter fragt:
   Was hat, Achill,
   Dein Herz?
   Was auch sein Schlag bedeute:
   Heb auf den Schild aus Erz!
Die ›Bedeutung‹ wissen wir nicht, aber wir wissen, dass die Auseinandersetzung notwendig ist. Wie man diese Auffassung historisch begründet, ob mit stoischer Indifferenz, ob mit augustinischer ›Unruhig-ist-mein-Herz‹-Klage, geht den Dichter nichts an. Die Beschränkung erst macht den Schrecken, Menschengefühl vor dem Furchtbaren seit je, zu mehr als Laut – zu Dichtung.« Soweit Hohoff, für uns Heutige reichlich nebulös.

   Zum Schluss hat Achill dann etwas am Herzen, wie jemand, der sich ans Herz greift, vezweifelt vielleicht, erschrocken, liebesübermannt, nur kurz angedeutet. Britting empfiehlt ihm, seinen Schild aufzuheben, als ob der ihn noch schützen könnte, vor langem, kommendem Leid und Sehnsucht.
   Dass bei Britting Achill so kräftig-männlich ausfällt, wie ein Bodybuilder, gibt der Geschichte zusätzlich Kraft und fast ein wenig Humor: »Ein Leser des Gedichts hatte Britting eine Karikatur des breitbrüstigen Achill mit winzigem Kopf geschickt. Am 21. März 1949 schrieb Britting an Georg Jung (1901–1988), ihm die Zeichnung beilegend: »auf die ironie mit dem apfelkleinen haupt kann ich nicht verzichten; es stießen sich schon viele dran.« – Britting, selbst groß und kräftig, konnte wegen seiner Kriegsverletzung aus dem Ersten Weltkrieg seine Rechte nicht mehr benützen und behalf sich deshalb auf der Schreibmaschine mit Kleinschrift.

Übrigens ist die »Rezeption« Brittings eher spärlich. Wir haben jetzt April 2016; seit drei Jahren steht die »Frankfurter Anthologie« im Netz, erst zehnmal »empfohlen«. »Warum ist dieser Dichter, warum ist Georg Britting vergessen?«, fragt sich zurecht dort Wolfgang Schneider. Der nur eineinhalb Minuten lange Vortrag von Thomas Huber wurde bloß 41 Mal anfgerufen, ob ganz gehört, weiß ich nicht.

Link hierher: 
http://blogabissl.blogspot.com/2017/04/achill.html

• Ausführliche Interpretation von Albert von Schirnding
Interpretation von Wolfgang Schneider, FAZ  
ungarisch
Über Britting
• Britting-Homepage www.Britting.De
• Ganz gegen (politische?) Interpretationen ist Heinz Piontek u.a.

 
Weitere Links:
Kleists Penthesilea, das Ende gelesen von Caroline Intrup
• Killy, Literaturlexikon 
• »An dem 1938 entstandenen Gedicht ›Was hat, Achill‹ von Georg Britting wird in der Ablehnung der nationalsozialistischen Ideologie ein besonderes Michaels-Motiv als zeitgenössisches Ereignis gezeigt. Ein Schild aus michaelischen Erz muss das Herz schützen, denn ›die Herzen werden Gedanken haben‹.« Quelle Seite 5, vorletzter Absatz (Quelle nicht OCR-gelesen, also nicht Computer-durchsuchbar)

31. März 2017

Latwergen, Britting, Ladbergen

Eins hab’ ich im Ohr, aus für mich alten Zeiten: »Ladbergen«. Das ist ein Ort vor Osnabrück. Wer die A1 kennt, kennt Ladbergen; danach geht’s den Berg hinauf, den Teutoburger Wald? Google kennt keine Landschaften. Vergangen.
   Was aber sind »Latwergen«? Ich schreib’s gleich richtig mit t. Kein Wunder, dass das keiner mehr kennt. Heute nennt’s die Wikipedia Leckmittel, was bös klingt uns nicht gerade Eis am Stiel assoziiert. Arznei in Breiform steht bei Grimm, auch nicht leckerer. Die Wikipedia lässt neben »elect(u)arium« auch »Süßwaren« gelten, dankeschön!
   Georg Britting (1981–1964) schrieb nach dem Krieg darumherum eine Kurzgeschichte, die namhafte deutsche Zeitungen brachten. Er hat sie auch selbst im Radio vorgelesen, 13 Minuten. Hier Details und neuerdings auch hier
   Die »ziemlich tolle Geschichte« (Britting) hat er aus einem Sammelband von Eberhard Buchner, und der hat sie wieder aus der Vossischen Zeitung von 1735, Nummer 63, hier alles schön nachzulesen
   Damals war der Latwergenhändler allerdings noch ein »Mithridatkrämer« gewesen, das wäre heute – mit Verlaub – eine Apotheke. Rezeptfreie Vitaminpillen. Ganz beliebt!

Ich bringe Ihnen hier die Geschichte; muss mal bei der Britting-Stiftung anfragen wegen des Urheberrechts. Lesen Sie also vom sprachgenialen Georg Britting die …
Komödiantengeschichte
Honfleur, am Hafenpanorama. Foto Bodoklecksel, Wikipedia

In der kleinen Stadt Honfleur, in der Normandie, nahe der Seinemündung gelegen, und seiner Stockfische wegen bekannt, hat sich, ein Menschenalter vor dem Bastillesturm in Paris, der ein neues, vernünftiges Zeitalter heraufführte, so wenigstens sagt man, das Folgende ereignet, und jedem steht es frei es lächerlich zu finden oder fürchterlich. Aber es ist so geschehen, es ist urkundlich verbürgt, und so muss es auch unerschrocken erzählt und angehört werden, und wer da gern die Augen verschließt vor dem wüsten Gräuel des Lebens, wird leicht blind auch für sein Liebliches.
   Eine Truppe von Schauspielern war in der Salzfischstadt eingetroffen. Ihr Anführer war ein ehemaliger Latwergenhändler, der über der rechten leeren Augenhöhle eine schwarze Binde trug, aber mit dem ihm verbliebenen linken Auge sah er scharf genug, und mehr als manchem lieb war, seine Leute wussten es. Im Saal des Wirtshauses brachten sie liederliche Schwänke und Possen zur Aufführung und hatten großen Zulauf aus dem gemeinen Volk. Auch gesetzte Bürger fanden sich ohne Scheu ein, die aber ihre Weiber zu Hause ließen, und junge Herren vom Adel, die mit ihren Degen ein vornehmes Geräusch machten, und in den Pausen Wein und Zuckerzeug und rosarote Briefchen den Frauenzimmern hinter die Bühne bringen ließen – sie wurden meist gnädig und gewährend angenommen.
   Einmal verlangte ein Stück, das in einer feurigfrechen Eifersuchtsszene gipfelte, dass der Harlekin, ein bildhübsches Bürschchen von kaum zwanzig Jahren, ein bartloses Milchgesicht, von dem hitzigen Nebenbuhler durch einen Messerstich getötet werde. Der Darsteller des Nebenbuhlers, ein schon älterer Mensch mit dunkel glühenden Augen, mit der munteren Tochter des Latwergenhändlers unruhig verheiratet, machte das so gut und echt, daß der Harlekin gleich nach dem Fallen des Vorhangs starb – auf offener Bühne zu verscheiden hatte er vermieden mit letzter Kraft, in dem Pflichtbewusstsein, das Schauspieler so oft auszeichnet. Der gestochen hatte, zerraufte sich das schwarze Haar und warf sich, laut jammernd und sich anklagend, zu Boden, und verfluchte seine unglückliche Hand. Aber nicht alle glaubten ihm, dass es nur ein Versehen gewesen war, nur hütete sich jeder es auszusprechen. Auch die Polizei begnügte sich schnell mit der Meldung, ein Komödiant sei durch einen Berufsunfall ums Leben gekommen – das geschah des öfteren, Seiltänzer stürzten ab, Feuerfresser verbrannten sich, und solch unehrlicher Leute einer mehr einer weniger, was machte das schon aus?
   So weit nun gut und schön, doch als der einäugige Latwergenhändler, ein Mann, der auf Sitte und Herkommen hielt, den zuständigen Pfarrer auf das höflichste bat, und dabei vernehmlich mit den Geldstücken im Hosensack klimperte, ein Begräbnis vorzubereiten für den Verunglückten, lehnte der geistliche Herr das mit vielen bedauernden Reden ab, auf seine oberhirtlichen Vorschriften hinweisend, die es ihm nicht erlaubten, Fahrende mit den kirchlichen Segnungen versehen auf einem geweihten Friedhof zu bestatten. Er seufzte, als er das sagte, vielleicht noch das Klimpern im Ohr, und der Latwergenhändler rückte an seiner schwarzen Binde und verbeugte sich und ging.
Nun hatte vor kurzem erst das fortschrittlich gesinnte Parlament in Paris eine Verordnung erlassen, derzufolge in Fällen dieser Art auch das weltliche Gericht ein Wort mitzusprechen habe, und der Latwergenhändler, gekränkt und rechthaberisch, strengte eine Klage gegen den Pfarrer an, des Inhalts, diesem sei aufgegeben, dem Erstochenen, der ein getaufter Christenmensch gewesen, ein ehrliches Grab nicht zu verweigern, auf dass man ihn nicht zu verscharren brauche wie eine räudige Katze.
   Langsam und schwerfällig arbeiteten auch damals schon die Behörden, und bis eine Entscheidung fiel, das mochte eine geraume Weile dauern, und bis dahin war die Leiche der viel schneller als die Behörden arbeitenden Verwesung anheimgegeben. Ihr Einhalt zu gebieten, kam ein Mitglied der Truppe, ein der Hochschule entlaufener Tunichtgut, der Wundarzt hätte werden wollen, auf einen tollen Einfall, und es kann nicht anders sein, als daß es das Vorbild und die Luft der Salzfischstadt Honfleur waren, die diesen Gedanken in ihm weckten. Er konnte es ja rings mit Augen sehen, wie man die Fische durch Einsalzen vor dem vorzeitigen Verderben zu bewahren verstand, und warum, dachte er, sollte das nicht auch bei dem im Tode noch so anmutig anzuschauenden Jüngling gemacht werden können, damit man für den Tag der Beerdigung einen wohlerhaltenen Leib in Bereitschaft habe. Er erinnerte sich von der Schule her, daß die alten ägyptischen Ärzte schon Mittel anwandten, ihre Könige in gutem Zustand in die Grabkammern zu legen, und so ähnlich königlich sollte es dem Harlekin auch geschehen – das war sein Wille!
   Die Kosten für das Salz zu sparen, sammelte der von seiner Aufgabe schon ganz Besessene von dem Salz, das von den Stockfischen fiel, wenn sie aus den Schiffen ausgeladen und in die Schuppen der Händler getragen wurden. Alle armen Leute Honfleurs versuchten so, sich billig das weiße Gewürz zu verschaffen, obwohl es natürlich verboten war, denn die Stockfischhändler ließen das Geringste nicht sich entgehen von dem Ihrigen, und nur auf diese Weise wird man reich. Der fürchterliche Mensch also begann zu tun, was er sich vorgenommen hatte, alte, fast vergessene Wissenschaft zu nützlicher Anwendung bringend, mit aller Hingabe, ja, mit einem einfältigen und frommen Stolz und recht als gutes Werk, wie er in seiner Verwirrung meinte. Kaum war er fertig geworden, kam ein Salzbedienter gelaufen, der von dem Diebstahl gehört hatte, mit einem Polizeibüttel kam er, und ließ den Salzdieb auf der Wache festsetzen – um den so königlich behandelten Toten kümmerte er sich nicht, das fiel nicht in sein Amtsbereich! Zwar kratzten jetzt die Schauspieler ihr Geld zusammen, eine Sicherheit für den Gefangenen zu stellen, und man gab ihm auch bald die Freiheit wieder, bis der Stadtrichter sein Urteil gefällt haben würde. Nun hatten die fahrenden Leute einen zweiten Prozeß auf dem Hals, und ihrem Oberhaupt, dem Latwergenhändler, gefiel das gar nicht, und er sah Unheil kommen mit seinem noch sehenden linken Auge.
   Er rückte an seiner schwarzen Binde, wie immer, wenn es einen Entschluss zu fassen galt, und dann ordnete er an, zu tun, was oft schon in Bedrängnissen ihre Rettung in letzter Stunde gewesen war: sich heimlich, und bei Nacht und Nebel, und mit Sack und Pack davon zu machen, von den Füßen den Staub schüttelnd der ungastlichen und grausamen Stadt. Den Harlekin ließen sie zurück, und der Wirt mochte nur ruhig mit ihren unbezahlten Rechnungen ein Feuerchen im Ofen anzünden, sich eine Wurst drauf zu braten: er hatte genug an ihnen verdient durch die vornehmen Gäste, die sie in sein minderes Haus gelockt hatten. Der Herr sei ihm gnädig, sagten sie, und meinten den Wirt nicht, meinten den Harlekin, und schlugen das Kreuz über den toten Kameraden, und die Tochter des Latwergenhändlers weinte sogar.
   Der Salzbediente, als er von der Flucht der Truppe hörte am andern Morgen, machte sich eilig zu dem Wirtshaus auf. Er sah den Toten, und weil er glaubte, der sei ein für ihn kostbares Pfand, und die Schauspieler würden vielleicht doch einen Boten schicken, es auszulösen, bemächtigte er sich des Dahingeschiedenen und schaffte ihn auf einem Karren in eins der Stockfischlager.
Nie wieder aber ließ sich einer der Truppe in Honfleur blicken, und nicht für lange konnte der Salzbediente den stummen Harlekin bei den stummen Stockfischen haben. In seiner Not versuchte er zu erreichen, was schon der wortgewaltige Latwergenhändler nicht erreicht hatte, den geistlichen Herrn nämlich dazu zu bewegen, dem Jüngling nun doch noch ein Begräbnis zu gewähren, auf Armenkosten natürlich, und in der billigsten Klasse. Aber der Gottesmann schlug entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen, als er von dem Vorgefallenen hörte und beharrte jetzt erst recht auf seiner Weigerung, den Harlekin neben den Bürgern der Stadt zu betten.
   Der Salzbediente, es ist zu verstehen, war voll Kummer und sah keinen Ausweg mehr aus dieser Verfahrenheit, und fest nun entschlossen, dem Trubel ein Ende zu machen, legte er in einer schwarzen Nacht den toten Schauspieler wieder auf den Handkarren und karrte ihn, und es ärgerte ihn, daß die ungeschmierten Räder so laut knarrten, zur Seine hinab, und warf ihn in das geduldige Wasser, das bei Honfleur ins Meer fließt. Und die Wellen des Flusses trugen den gesalzenen Leichnam in das weite, salzige Wasser.
   Der unbestrafte Mörder, angenommen, es habe sich um einen überlegten Mord gehandelt, was niemand wissen konnte, nur er, ja, selbst er nicht mit Sicherheit, denn ihm waren vielleicht Spiel und Leben ein und dasselbe geworden in einer undurchdringlichen Sekunde – er nun also lebte wieder still und zufrieden mit der Tochter des Latwergenhändlers. Und wenn ihn des Nachts böse Träume peinigten und ihn weckten, und er dann schlaflos lag, und neben ihm atmete die Frau, und sie auch nur konnte wissen, ob sie mit dem Harlekin bloß getändelt hatte, oder ob es mehr gewesen war – so griff er nach dem Krug mit rotem Wein, den er nie vergaß abends ans Bett zu stellen, und der vermag viel.


Ob Sie jetzt auf der A1 an Britting denken, an den jungen Schauspieler aus der Geschichte? An Latwergen
   Oder am Honfleur, wohin es Jahre später Georg Brittings Witwe (†18.10.2011) und ihren Mann zog, der mir schreibt:
   Meine Frau, Brittings Witwe, selbst eine Kommödiantin, zog es einst in diese Stadt des schaurigen Geschehens, in der es darüber hinaus den köstlichen Calvados gab (und gibt). Es war ein prächtiger Sommerabend, als wir mit unserem VW-Campingbus den Hafen der Stadt im Abendrot erreichten. Vor den vielen Lokalen am Hafenbecken standen Stühle und Tische, auf denen bereits die Lampen brannten. Ihr Licht spiegelte sich im Wasser. Der Singsang der Stimmen von den vielen Gästen war zu hören. Die salzhaltige Luft durchzog ein lieblicher Geruch von gebratenen Fischen, Langusten, Scampis und all dem, was das nahe Meer zu bieten hatte. Das alles war mehr als einladend, jedoch das hatten bereits andere genau so verspürt und vor uns die Plätze eingeommen.
   Da sah ich den freien Raum auf der Hafenmole, der auf dem Foto gut zu erkennen ist. Just an diese Stelle fuhren wir mit unserem Bus – das ließ man uns damals noch –, luden Tisch und Stühle aus und auch eine hübsche Lampe darüber, und waren damit Mittelpunkt des abendlichen Geschehens. 
   Schon bald brutzelten die Früchte des Meeres in der Pfanne, ein guter Rotwein funkelte schon im Glas, dann wurde serviert, und einige Gäste winkten uns zu und applaudierten, was meiner Kommödiantin natürlich so gefiel, dass sie sich nach Art der Schauspieler dankend verbeugte. 
   Wir hatten schon abgeräumt, da zauberte sie eine Flasche mit Calvados hervor, der seine Wirkung bald spüren ließ. So selig zurückgelehnt, den Abend mit diesem Ambiente geniessend, holte sie ein Buch hervor und begann die Geschichte der Kommödianten vorzulesen, die sich hier in dieser Stadt vor langer, langer Zeit ereignet hatte. Es kamen Zuhörer dazu, und so musste sie die Geschichte zwei Mal lesen und dann ein drittes Mal, von einem Gast spontan ins Französische übersetzt. Man brachte uns Wein, man stieß mit uns an, es war ein kleines Fest. 
   Spät schafften wir es dann mit dem Auto bis zu einem Wäldchen, wo wir so tief schliefen wie der eingesalzene Kommödiant, nur mit dem süssen Duft vom Calvados versehen und selig dem anderen Tag entgegenatmend.
Achilles und Penthesilea, Metropolitan Museum of Art, New York.
Terracotta hydria: kalpis (water jar), Greek, Attic, red-figure, ca. 500 BC. Attributed to the Berlin Painter

Links
Britting liest »das Windlicht« 1'12"
Britting liest den »Mond« 1'35"
Britting liest den »Hahn« 1'47"
Britting liest »Herbstgefühl« 1'15"
Thomas Huber liest »Was hat, Achill … « 1'23" (1938)
Britting liest den »Brudermord im Altwasser« 6'42"
Schülerfilm zum Altwasser 3'5"
Lego-Film zum Altwasser 45"

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