21. Juni 2018

Bildhafte Sprache. Sprachtipp

Bildhafte Sprache ist schön und gut. Meist nur schön, oft Kitsch. Disneyland. Wie Sternchen um Prinzessin Cinderella herum.
   So zitiert heute Aljoscha Harmsen im NZZ-Feuilleton: »Würde sie wie schon Jeanne d’Arc das Damoklesschwert ergreifen, wohl wissend, dass der Sieg zugleich ihren Scheiterhaufen entzündet?« im schaurig-schönen Artikel »Was der erhabene Journalist unter gutem Stil versteht«
   Bilder sollen illustrieren, nicht erschüttern. Damokles hat mit Jeanne d’Arc nichts »am Hut«, das fällt dem gebildeten Akademiker gleich auf. Sprache sollte genau bleiben, vorstellbar. Lesen Sie meinen Sprachtipp »besitzen« (und erschrecken Sie nicht, der ist nicht jugendfrei).
   Ich rege mich schon über »einmal mehr« auf: wiedereinmal, noch einmal, einmal öfter, ja, das ginge. Einmal ist eine Zahl, keine Menge.
   Bei technischen Themen werden Bilder oft zu Analogien. Die können erhellen, müssen es aber nicht. So las ich jüngst einen Artikel in derselben NZZ über eine stromerzeugende Drohne. Sie wird » … in den Wind gedreht. Dieser reisst sie darauf wie einen gewöhnlichen Drachen in kreisförmigem Fesselflug in eine Höhe von maximal 300 Metern«. Das kann man sich gut vorstellen. Warum aber ein Drache kreisförmig steigt oder steigen soll, muss ich erst noch herausfinden. Übrigens hätte ich dreihundert ausgeschrieben, das sieht schöner aus, und die Zahl ist eh nicht so auf den Meter genau.
   Lesen Sie Aljoscha Harmsens Sprachglosse – wer der kritisierte Autor oder die Autorin ist, verschweigt er diskret. Selbst googeln hilft nicht.

Link hierher: http://j.mp/2Ia4YV5   
 https://blogabissl.blogspot.com/2018/06/bildhafte-sprache-sprachtipp.html

Die genannte Sprachglosse:
https://www.nzz.ch/feuilleton/was-der-erhabene-journalist-unter-gutem-stil-versteht-ld.1395828

Sprachtipp »besitzen«
 https://blogabissl.blogspot.com/2018/05/sprachtipp-besitzen.html

Sprachglosse »Der Nulleste und oder … «:
 http://blogabissl.blogspot.com/2018/06/der-nullerste-und-oder-sprachglosse.html 

Technisch gesehen:
 http://blogabissl.blogspot.com/2017/11/auf-die-butterseite-fallen.html

Heumilch:
 http://blogabissl.blogspot.com/2017/07/heumilch.html

Die Runkel, und wie sie noch heißt:
 http://sarnerblog.blogspot.com/2017/03/runkel-gertel-hippe.html

Kuhsprachliches:
 http://blogabissl.blogspot.com/2015/09/kuhruf.html  

Modewörter meiden? Schlicht und einfach: http://j.mp/2MaZKLf =
 http://blogabissl.blogspot.com/2010/11/pladoyer-fur-das-modewort-jungst.html

Die Betonung im Wort, besonders im Italienischen, kompliziert:
 http://blogabissl.blogspot.com/2015/03/betonung-von-namen-dt-it.html

20. Juni 2018

Der Arzt meines Vertrauens

Mag gar nicht sagen, welcher Doktor das war. Jedenfalls ein Facharzt, mir neu, weil ich arztfaul bin und nur alle zehn Jahre hingehe. 
   Erst warten. Dann im Chefzimmer ein vertrauensbildendes Gespräch über die Kosten des Gesundheitswesens. Zwei Milliarden verplempert für die »Gesundheitskarte«. Hier mehr.
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Dann ein langes, ausgiebiges, allgemein gehaltenes Verkaufsgespräch für zwei Zusatzuntersuchungen, die die Kasse nicht zahlt. Perfekt gestaltet wie vom ambulanten Saftpressenverkäufer am Treppenabsatz im Kaufhaus. Erst alle Details, erst Schaubilder, Statistiken, Trends. Wie beim Entfesselungskünstler am Jahrmarkt wird das Ende ewig hinausgezögert, bis dann endlich erlösend die Summe genannt wird: zwanzig Euro für die PSA-Untersuchung. Der Vortragende wundert sich, dass ich ganz am Schuß frage, was denn PSA eigentlich sei, Abkürzung für was? 
   Insgesamt habe ich dann fünfzig Euro privat bezahlt, soviel wie bei meiner letzten Plombe beim Zahnarzt, aber das ist wieder eine andere Geschichte (»Amalgam machen wir nicht«).
   Die Ergebnisse bekomme ich dann am Donnerstag am Telefon gesagt, von der dortigen Sitzkassierin. Bin schon gespannt.

Link hierher: http://j.mp/2I51xz3 =
https://blogabissl.blogspot.com/2018/06/der-arzt-meines-vertrauens.html

19. Juni 2018

Der Nullerste und oder. Sprachglosse

Am Nullersten April darf man Leute in den April schicken, und/oder wie? – Ja, was denken wir denn? Genauer: Was schreiben wir denn? Da regen sich die Leute über Anglizismen auf, und schauen nicht einmal auf ihre eigene Schreibe.
   Was man nicht lesen kann, soll man auch nicht schreiben, jedenfalls möglichst; versuchsweise laut lesen, meine ich. Die Schrift ist die Dienerin der Sprache, des gesprochenen Wortes, und warum? Weil das Verstehen an der Sprache hängt, die zuerst da war.
   Konkret heißt das, dass man alle unaussprechlichen Sonderzeichen, selbst gutgemeinte, bewusst setzen soll wie überhaupt alles. Freilich kann man Wortabstände und Satzzeichen nicht laut lesen, aber sie dienen seit Altersher dem leichteren Verstehen, sind Hinweise für den laut oder leise Lesenden. Jedenfalls post Latinum.
   Sternchen * gehören zu Unaussprechlichem.
   Aber auch Schrägstriche /, die sich in der Werbung mündlich wie »Släsch« anhören, weil »Schrägstrich« teure Reklamezeit fräße und sich überhaupt disruptiv anhörte. Da lob’ ich mir das Minus -, knapp und kurz und eindeutig. 
 HTML trennt die Domäne – den Servernamen – halt aber mit einem Schrägstrich vom Inhalt – Verzeichnis oder Datei –, und das ist fürn Computer wohltuend eindeutig, für Laien weniger, zum Beispiel in
www.general-anzeiger-bonn.de/news/wirtschaft/region/Ikea-und-Stadt-K%C3%B6ln-feilschen-um-zweite-Filiale-article109400.html. Aber so einen Link spricht mündlich ohnehin keiner.  
laut Wikipedia
   Zurück zum Nullersten, -zweiten, -dritten undsoweiter. Computer mögen in ihrer »künstlichen Intelligenz« Kalendertage nur immer zweistellig schreiben können, heute 19.06.2018, sprechen tut man das doch immer als neunzehnter Sechster Zwanzigachtzehn: 19.6.2018. 
   Bitte, bitte! Im Namen alter Briefe und Handschriften, im Namen von Sinn und Verstand, schreiben’s 19.6. – Von mir aus dürfen Sie sogar den Abstand nach inneren Punkten weglassen, was ich z.B. bei zum Beispiel auch tue, auf dass es sich kompakter lese.
   01.04. sei also 1.4. oder 1. 4., noch besser 1. April, besonders von Hand geschrieben. Dann freut sich das Auge und der Jörn. (Korr.: freuen, ein häufiger, aber lässlicher Fehler bei mehreren Subjektiven.) 
   Wer muss, kann sich natürlich an DIN 5008 halten: Allerdings müssen nur amtliche Stellen nach amtlicher Rechtschreibung schreiben, tun das aber auch oft nicht, siehe Binnen-I oder Sternchenschreibweise. 
http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_PM_2018-06-08_Geschlechtergerechte_Schreibung.pdf

Anderes Thema: Und oder ist auch so eine modische Kombination Unentschlossener und oder Übergenauer: Wenn schon, dann schreibe ich das ohne Schrägstrich, diesen unaussprechlichen. 
   Also bitte: Sprache bewusst einsetzten, Sätze, Wörter, selbst Zeichen in der Schrift. – Danke.

14. Juni 2018

Deutschland deine Grenze

Meine Freundin – der Treuen eine – erwartet angesichts der Streitereien zwischen CDU und CSU einen Blog von mir, persönlich, wie in alten Zeiten.
   Also.
   Schade, dass in unserer »Demokratie« das Volk nur gelegentlich generell befragt wird, alle vier Jahre. Und dann geht es eher um Wohlfühlen als um Politik. Ernste Fragen, ob wir zum Beispiel für Lettland mit 26 % russischer Bevölkerung Krieg führen würden (siehe Nato, englisch), bleiben uns dummen Volk erspart, wir hören höchstens, dass Deutschland auch am Hindukusch verteidigt wird (Struck 2002). Ja wo denn sonst, mag man sich ironisch fragen?
   Denn inzwischen wird die Politik in wochenlangen Geheimverhandlungen (»Koalitionsgesprächen«) in geschlossenen Räumen verkuhhandelt. Trotzdem nennt sich das traditionell weiter »parlamentarische Demokratie«.
   Doch die Qualität der Demokratie hängt von ihrer Direktheit ab.
Vom Sachlichen zum Persönlichen.
Dramatisierung: »Ultimatum«. Und
was laut Bild »Merkel« tun soll,
steht dann auf Seite zwei.

   Wenn heute »Politik« von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs gemacht wird, von Interessengemeinschaften und Lobby-Gruppen, von der EU, von Organisationen der Vereinten Nationen, die alle ihre eigenen Interessen haben – gute und weniger ehrenwerte, oft auch nur als Ziel die Ausweitung ihrer Organisation) – wenn sie an Staates statt »Ereignisse« setzen und Dienste tun wie Seenotrettung, Nahrungsmittelhilfe oder Krankenhausdienste, so kann auch dieses Handeln gut sein und zum allgemeinen Wohl, wenn wir Glück haben …
   Meinungforschungsinstitute ersetzen demokratische Abstimmungen, Zeitungen betreiben exzessiv Meinungsbildung, oft konfliktverstärkend mit einem Trend zur Entsachlichung und Personenbezogenheit.
   Man höre sich nur kritisch die Quellen von »Nachrichten« an: meist Meinungsbildner.

   Wie auch immer. Leider hängt die Qualität der Politik nicht von der Demokratie darunter ab.
   Sehen wir uns die Qualität der Politik “Made in Germany” an, so gibt es da gewiss exzellente Produkte, etwa die friedliche Wiedervereinigung. Die »Politik« hatte sie schon aufgegeben, die Leute fast auch. Die Rufe »Wir sind das Volk« in der DDR richteten sich gegen die Regierung, gegen die Mauer, nicht an »ein Volk«. Dass dann doch nicht zwei Länder übrigblieben, ist ein Wunder. Möge es Korea auch gelingen!
http://j.mp/2sYaDbO
   Ein Wunder, eine riesen Freude war auch die Grenzöffnung bei Passau im Oktober 2015, weniger für »uns« als für die Flüchtlinge. Wir haben uns für sie gefreut. Ich jedenfalls. Hätte man sie in Österreich steckenbleiben lassen sollen? Ich finde nicht. Die Folgen hätte dann Österreich gehabt. Man stelle sich vor, Bayern hätte die Flüchtlinge an der nächsten Landesgrenze vor Thüringen oder Baden-Württemberg auf die Felder gefahren. Geht doch gar nicht.
   Für einmal hat ein Staat – Frau Merkel – anständig gehandelt.
   Jetzt so zu tun, als sei dieses Jahrzehnt-Ereignis der Sündenfall des Abendlandes (oder der CDU) ist Quatsch, fördert Streit ohne weiterzuhelfen. Was verkorkst war und ist, das ist die EU samt ihren Regeln im Umgang mit Flüchtlingen. Dazu kommt Murks deutscher Ämter, die deutsche Kleinstaaterei, das Weiterköcheln der Krise auf kleiner, unbeachteter, vergessener Flamme. Der Vertrag mit der Türkei vom Mai 2016 wird’s schon richten bis zum nächsten Wahl. Jedenfalls was die Zahl der Flüchtlinge angeht hat das bislang auch funktioniert. Das Problem wurde mit Geld »erschlagen«.
   Bleibt immer noch der Umgang mit Menschen in den Ämtern. Dass die Regeln zu kompliziert sein könnten, daran denkt keiner. Wenn Flüchtlinge jahrelang ohne Sicherheit über ihren Status hier leben, dabei nicht arbeiten dürfen, aber heilbehandelt werden, dann wären die ja dumm, wenn sie nicht so lang als möglich hier blieben. Man lese »Asylsuchende in Deutschland: Klagen, um zu bleiben.
Fast jeder abgelehnte Asylbewerber in Deutschland klagt gegen den Asylentscheid: Das Gerichtsverfahren ist für den Kläger gratis, er ist versorgt, und vor allem gewinnt er Zeit. In den deutschen Verwaltungsgerichten hat sich ein Berg von 400 000 Asylverfahren angehäuft.«
 
Am Walserberg: Grün für Pkw, blau Lkw
Was ist inzwischen an den deutschen Grenzen los? Die EU möchte gar keine Kontrollen. Allerdings werden Warentransporte sehr wohl kontrolliert, schon wegen unterschiedlicher Mehrwertsteuern, Zoll vielleicht und sonstiger Vorschriften. Ferienreisende Bürger merken das freilich nicht. Oder doch? Oder nur Skiläufer? Jänner 2008: »Bis zu eine Stunde Stau vor dem Walserberg«. Da sind mir doch alle Nachrichten über den »freien Verkehr in und nur dank der EU« fake News.

   Im Detail scheint das ein Art. 20 Abs. 4 Dublin-III-VO zu regeln, 2015 kommentiert. Da geht es einfach um die »Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. 2013 L, 180/31, abrufbar unter http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUri-Serv.do?uri=OJ:L:2013:180:0031:0059:DE:PDF

Das menschliche Problem der EU ist die unnötige Niederlassungsfreiheit – hier mehr dazu.
   In der Tat macht Deutschland Grenzkontrollen, natürlich. Doch wieder ein Kuriosum: Die Länder – also auch Bayern – dürfen die Grenzen nicht »kontrollieren«, da ist nur die Bundespolizei zuständig. Bayern dürfte vielleicht die Grenze nach Hessen kontrollieren, ich weiß nicht.
   Deutschland, deine Polizeien!
   Also können »die Bayern« gar niemand nicht an der Grenze zurückweisen, wie ihnen der Gewerkschaftsvorsitzende der Bundespolizei klarstellt, hier. Kein Wunder, dass das den »Freistaat« wurmt.
   Und der aktuell wieder aus Eis gelegte Bayrische »Meisterplan« sieht ja keineswegs generelle »Zurückweisungen« vor, sondern nur von solchen Ausländern, die schon in einem anderen EU-Land beim Asylantrag ihre Fingerabdrücke hinterlassen haben. Ein Durcheinander. Wir wissen überhaupt nicht mehr, wer bei uns im Land ist. Das ist die Schlamperei … oder richtiger: Das war von unserem Behördenapparat nicht zu bewältigen, weder schnell noch ordentlich.
   Lassen wir also ruhig CDU und CSU sich hinter verschlossenen Konferenztüren getrennt oder mitsammen streiten. Wir haben jahrzehntelang auf eine ordentliche, geordnete, bedarfsgerechte Einwanderungspolitik gewartet, haben jahrelang das Flüchtlingsproblem – überhaupt die »Integration« – vor uns hergeschoben, da werden wir das nicht in vierzehn Tagen lösen.
   Wenn, dann liegt die Lösung in Afrika, meine ich, langfristig in Geburtenregelung, und habe aber auch kein Patentrezept.
   Jedenfalls reicht es nicht, Populäres als Populismus abzukanzeln. Alternativen werden nicht ungefährlicher, wenn man sie zu verdrängen versucht.

Was ich beschreiben kann, persönlich, ist, wie’s früher gut ging und war.
Das ist meine unbefristete »Aufenthaltserlaubnis für die Bundesrepublik Deutschland einschließlich des Landes Berlin« vom 27. Juni 1969. Damals war ich 27. Als Schüler – ich kam mit zehn Jahren nach Deutschland – brauchte ich die Genehmigung Österreichs, nach Deutschland reisen zu dürfen, und die Deutschlands, dort zur Schule zu gehen, also einen auch für Deutschland gültigen Reisepass und ein Visum für Deutschland. Das wurde an der Grenze bei der Aus- und Einreise geprüft. Das Visum musste man sich vorher besorgen. Für Österreicher war das wenig problematisch, die Regeln mussten aber peinlich genau eingehalten werden.
   (Fast) den ganzen Pass finden Sie übrigens auf www.Siebenfahr.com/Pass1968.pdf.
   Ein paar Erläuterungen.
Seite 4: Dass der österreichische Pass »für alle Staaten der Welt« galt, war nicht immer so. In den Fünfzigerjahren war mein Pass nur für Italien und Deutschland gültig, in Österreich natürlich auch.
Seite 6: « Resia » ist der Reschen(pass).
Seite 7: Für jede einzelne Fahrt durch die DDR brauchte ich ein »Transitvisum«. Das Visum bekam man nicht in Westberlin, sondern nur in der »Hauptstadt der DDR«, Ostberlin, dem »Ostsektor«. Nach Ostberlin konnte ich mit meinem österreichischen Pass immer für einen Tag einreisen, auch während dem Bau der Mauer.
Seite 10: Ich hatte ein SB-1-Visum für die USA, eine Greencard, hier zu sehen.

Genug.

Link hierher http://j.mp/2HQWKkn =
  https://blogabissl.blogspot.com/2018/06/deutschland-deine-grenze.html

12. Juni 2018

Cebit ade!

Alte Parkausweise für die Cebit, auf der Rückseite die Hallen
Designgeschichte, iF-Geschichte,
Cebit-Geschichte

   Erster »Cubo« Brionvega TS 502
von Richard Sapper, 1966
Seit 1969 war ich jedes Jahr auf der Cebit, ohne Unterbrechung, wenn ich mich recht erinnere.
   In alten Zeiten war das noch einfach die allgemeine »Hannover-Messe«.
   Als frischgebackener Diplomingenieur der Nachrichtentechnik – »Informatik« gab’s noch nicht – wurde ich im März 1969 Hewlett-Packards dritter »Systemanalyst« in Europa. Ich hatte mit meinem Freund an der TU Berlin eine  Diplomarbeit aus siebentausend Lochkarten programmiert, an deren größtem Rechner, einer englischen ICL 1900. Unser Exapt-Compiler war besonders kompatibel in Fortran II – ein Gesellenstück.
   In Konkurrenz zu Digital Equipment (Dec) hatte Hewlett-Packard (HP) neu Minicomputer herausgebracht zum Ansteuern von Messgeräten, HPs Hauptgeschäft. Wir »Systemingenieure« sollten die Computer vor und nach dem Verkauf unterstützen.
   Viel konnten die Dinger damals noch nicht, weniger als ein PC vor Windows oder ein Commodore mit Basic. Egal. Nach einer Woche Schulung stand ich – wenn ich mich recht erinnere – in einer der südlichen Hallen in Hannover, war umgeben von technischen und medizinischen Messgeräten. Besonders an der HP 2116, einem kühlschrankgroßen Minicomputer – die Gattung ist heute ausgestorben –, war unter dem Kernspeiche der viele freie Raum für große Steckkarten zum Anschluss von Geräten, und das schnelle Interruptsystem und optional DMA. Lochstreifen allerdings lasen wir noch mit dem Teletype, dem amerikanischen Fernschreiber, zehn Zeichen in der Sekunde, 110 Volt, bei uns nur mit extra Trafo.
   Die Messe war die Hannover-Messe, Computer waren Teil der Industrie, Handys und Smartphones noch nicht erfunden. Datenübertragung gab’s schon, hauptsächlich Telex, aber noch kein Internet. Trotzdem war die Messe wunderbar: Fachleute unter sich, Austausch mit der Konkurrenz, Graf-Koks-Feeling. Was die innovativen Kunden mit den »Rechnern« taten, wussten wir weniger. An »kommerzielle« Anwendungen, an Persönliches hat noch keiner gedacht. Ob am Ende der Entwicklung Analogrechner oder Digitalrechner das Rennen machen würden, darum stritten sich die

Fachleute. Die Analogrechner mit Schaltkreisen zum Einstecken waren so schön »naturnah« – wenn sie richtig gesteckt waren. Im Digitalen stritt man sich um die Bytegröße: International Business Machines (IBM) – immer schon dick und groß – setzte sich mit acht Bit je Byte durch, Control Data (CDC) kam sparsam mit sechs aus. Zuse hatte eine Dezimaldarstellung, war mir aber lange auf der Messe nicht aufgefallen. Nixdorf – dessen Programme waren große Steckbretter – gab’s schon, »Ruf« war anfangs buchhalterisch besser.
   In der Buchhaltung wurden Sekretärinnen wochenlang geschult, damit sie in die Computer das Datum usw. im richtige Format eingaben. Kein Chef hätte je eine Tastatur angefasst, das war unter seiner Würde. Frauen trugen keine Hosen, Männer tippten nicht.

   Sie finden ein paar weitere Erinnerungen an die Technik von damals unten in der Liste.


Dann war ich ein paar Jahre mit grüner Karte in Cupertino, wo viel später die vielen Aprikosenbäume durch Apple abgelöst wurden, und bald dicke Straßenkreuzer von hippen VWs und Porsches.
   Und jedes Jahr kam ich nach Hannover. Schade, dass ich fast alles vergessen habe. Die vielen Quartiere mit und ohne Kanarienvogel, nah (»am Mittelfelde«, zu Fuß) und fern (Bad Oeynhausen, mit Fünfer-BMW!). Ich traf unvergessenen Menschen, Lebensfreundschaften entstanden, auf Jahrestermin. Unsere Standhilfe, die es seitdem von einer singenden Telegrammbotin zur Ethikprofessorin brachte; meine zweite Frau, typisch. Eine Wirtin, geboren 1931 in Sebastiansfeld am Schwarzen Meer, für die der Zweite Weltkrieg schicksalhaft erst 1988 zu Ende gegangen war – was niemanden interessiert.
   Irgendwann (ab 1970) gab es dann im Norden die Cebit-Halle, die früher nur Büromöbel gezeigt hatte. »Bit« stand für Büroinformationstechnik, wie sich die EDV (Elektronische Datenverarbeitung) nannte, als es hier noch Technik gab und nicht bloß Technologie. Langsam wurde es maßlos. Die Stände blieben das ganze Jahr über stationär, wie bei einer Fertighausausstellung. Ablöse kostete ein Vermögen und war ein konspiratives Abenteuer – ich habe das für einen Stand gemacht.
   Die Handwerker, vom Elektriker unter der Halle bis zum Gärtner in Laatzen, man kannte bald alle, jedes Jahr ein Hallo! Unser Grünzeug- und Blumenlieferant kam extra für die Messezeit aus Amerika eingeflogen, wo er ein Unternehmen für Blumengießen leitete, samt »Wuchsgarantie«! Am Dach standen Séparées, hochstilisierte Gartenhäuschen, in denen man tags VIP-Kunden bewirtete und nachts nicht übernachten durfte, aber tat.
   Als Marketingleiter bei verschiedenen Unternehmen war ich dann zuständig für teils riesige Stände, bis sich alles in noch riesigere, nagelneue Hallen (26) zur Mobiltelefonie verschob, samt mir. Mammutistisch die Weltausstellung 2000, nachdem zu Jahrtausendbeginn die Computer nicht alle gestorben waren wie die Saurier -66 Mio.
Brionvega TS 505
1970-er Jahre (»Diagonaldesign«)
   Anfangs brauchte die »Gute Industrieform« (iF) einen Fachmann für Computer, damit nicht Unsinniges prämiiert wurde. Der war dann ich. Eine schöne, eine ehrenvolle Aufgabe. Ich habe viel gelernt dabei, waren die Jury-Mitglieder doch alle Top-Industriedesigner. Entlohnt wurden wir einmal mit einem Tausendmarkschein im diskreten Briefumschlag – vergessen, verjährt, politisch nicht mehr korrekt. Design wechselte eine zeitlang von »Form follows Function« zu Diagonalgittern und Colani-Blasen. Dann hörte es auf, weil einfach keine Zeit mehr dafür war, und die Sachen auch so gut gemacht sind. Die iF hat Hannover verlassen und ist zum »Forum« geworden, wo auch immer. sic transit …
Moderner Brionvega TS 525
W-Lan, Wecker, UKW, RDS,
DAB, DAB+, Ethernet, AUX-In,
LCD-Anzeige,
Dockingstation für Apple iPhone, iPod
   In den letzten Jahren ist dann die Cebit trotz großen Slogans (»d!conomy«, »Big Data«, »Datability«, »Sharecomony«, »Managing Trust«, »Cloud Computing«, »Connected Worlds«) geschrumpft und geschrumpft. Der ebenfalls jährlich ein paar Wochen vor der Cebit stattfindende »Mobile Weltkongress« in Cannes und jetzt in Barcelona hat ihr den Rang abgelaufen.
   Heuer, 2018, fand die Cebit Mitte Juni als »Festival« statt. Sie ist mir sozusagen weggelaufen in die Cloud oder sonst in ein Nirwana.
   Und tschüss – ich bin dann mal weg. Wohl für immer.

Fritz Jörn

Messe
• Hannover-Messe 1969 Samstag 26. April – Sonntag 4. Mai, 9 Tage
 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/lipi.19690710831

Computergeschichten
• Wie wir in Fortran II überhaupt Buchstaben erkennen konnten. (Muss ich noch schreiben.)
• Old Computer Stories
 http://blogabissl.blogspot.com/2017/10/old-computer-stories-hp-2116-et-al.html

Design
• http://blogabissl.blogspot.com/2015/03/brionvega-radio-cubo.html

Menschliche Geschichten
• »Am Anfang war die Scheebit«, 1987, die Zeit
 https://www.zeit.de/2001/13/200113_ce_geschichte_de.xml
• Besuch bei einer frommen Frau
 http://blogabissl.blogspot.com/2013/03/besuch-bei-einer-frommen-frau-laatzen-7.html

Permalink hierher  http://j.mp/2sRnBZ7 =
 https://blogabissl.blogspot.com/2018/06/cebit-ade.html

11. Juni 2018

Automatische Abisolierzange von Cimco

»Cimco«
Die alte automatische Abisolierzange von Cimco, leicht, handlich, nicht teuer, wird scheint’s nicht mehr hergestellt. (Die »weiblichen« Dinger heißen nun männlich »Kabelentmanteler« oder gender-neutral »Abmantelwerkzeuge«, siehe hier, und schauen wie eine Elektroschock-Handfeuerwaffe aus.)


»Automatisch« war Cimcos Abisolierzange durch je elf Federn mit Widerhaken auf beiden Seiten. Sie legten sich um das isolierte Kabel, die mittleren mehr als die äußeren, und die Widerhaken hakten sich durch Federdruck in die Kabelisolation ein. Man schloss die Zange, zog dran, und die Isolierhülle war ab. 
   Eine Längeneinstellung der Abisolierlänge gab’s nicht, auch keinen Totalabschneider. Dazu gibt’s in ähnlicher Aufmachung Seitenschneider und Kombizangen.
   Leider habe ich einmal einen stromführenden Draht abisoliert, und patsch! waren zwei Federn zusammengeschweißt, links oben im Foto. Jetzt zieht die Zange nicht mehr so perfekt wie einst.

Permalink: http://j.mp/2Jxjxrr =
 https://blogabissl.blogspot.com/2018/06/automatische-abisolierzange-von-cimco.html


9. Juni 2018

Meinungsbildung

Wie oft habe ich doch plädiert für eine langsame Meinungsbildung, für Denken und wieder Nachdenken, Zeit sich lassen mit dem Urteil, wenn überhaupt eines verlangt ist!
   Und jetzt lese ich im Folio der NZZ vom Juni 2018 endlich einmal ordentliche Gedanken zur Meiungsbildung:
   »Ein Rechter ist ein Linker, der überfallen wurde« ist der verlockende Titel des Artikels, dann (und denn): »Wir glauben zu wissen, warum wir unsere Meinungen ändern. Doch die Wissenschaft hat entdeckt, dass wir uns täuschen« – schreibt hier Jochen Paulus.
   Das ist der Artikel, online lesbar, danke NZZ: http://folio.nzz.ch/2018/juni/ein-rechter-ist-ein-linker-der-ueberfallen-wurde, oder kurz-gelinkt auf http://j.mp/2HyIxIP. Am Besten, Sie kaufen sich gleich das ganze Heft über »die Meinung«, 66 Seiten, und wirklich unkonventionelle Artikel; wie immer brillant geschrieben, ja furchtlos angesichts moderner, vorgeprägter Meinungen.
   Jochen Paulus schließt, dass sich Meinungen oft nur ändern lassen, »wenn auch die Gefühle berücksichtigt werden«. Das ist noch milde gesagt. Mir selbst gelingt es fast nie, jemanden umzustimmen, weil ich inhaltlich meist zu spät und immer zu rabiat argumentiere. Meine Leserbriefe laufen normalerweise unter Umgehung des Lesers direkt in Spam oder das Altpapier.
   Übrigens soll man im Artikel 223/75 vergleichen mit 107/21, was denn doch ’ne Minute Zeit braucht. Welches Verhältnis ist größer? Ich biete an (ganz ohne Google oder Smartphone):
   223 zu 75
   ≈ 225/75
   = (9 x 25 / (3 x 25)
   = 9/3
   = 3,
und im Gegensatz dazu
   107 zu  21
   ≈ 107 / 20
   = (10 bis 11) / 2 = so 5 bis 6, jedenfalls mehr als 3 oben. Das aber bloß als Randbemerkung.
   Mein eklatantestes Beispiel für allzu raschen Meinungsbildung ist und bleibt die »Kitzbüheler Hundertstelsekunde«, hier nachzuhören: http://bit.ly/2J5G7Tt =
https://blogabissl.blogspot.com/2017/09/technikjournalismus.html#Hundertstelsekunde.
   Viel Spass! Heitere Gefühle.

Link hierher: http://j.mp/2HAHoAu =
 https://blogabissl.blogspot.com/2018/06/meinungsbildung.html