10. Januar 2019

Meine Stinkwanze

Ich darf doch bitten: Meine Stinkwanze ist keine Stinkwanze, und stinken tut sie auch nicht. Meine ist eine Amerikanische Kiefernwanze, ein Leptoglossus occidentalis. Steht hier in der Wikipedia.


Das schlanke Tier ist mit dem Begriff »Wanze« schon geschlagen genug, es mit der gemeinen Stinkwanze, einem simpel grünen oder braunen, gedrungenen, schildförmigen, stinkigen Vieh zu verwechseln, ist eine Gemeinheit! Und wie elegant und vorsichtig sich die Dame – wenn’s eine war – fortbewegt, jedenfalls bei mir, in fremder Umgebung, halbtot vor Hunger, Herbst und Alter, das sieht man hier:


Zugegeben: Es handelt sich um eine Wanze. Die haben Drüsen und können Sekret aussondern. Und es ist eine Baumwanze, eine aus den Pentatomidæ. Weil es allein in Europa geschätzte dreitausend Wanzenarten gibt, in Deutschland vielleicht achthundert, ist es kein Wunder, dass meine Wanze meist falsch eingeordnet wird. Wer ist schon Wanzenkenner? Na ja.
   Die schöne Kiefernwanze ist wie die Marmorierte Baumwanze, die Halyomorpha halys, ein Neubürger (Neophyt, Neozoon). Das ist der Horror für klassische Naturfreunde, die sich schon über Akazien im »deutschen Wald« aufregen und Douglasien in hiesigen Nadelwäldern ablehnen, obwohl sie gegen den »Klimawandel« resistenter sein sollen. Die Marmorierte Baumwanze ist kurz und gedrungen und stammt aus Ostasien, wanderte wohl erst nach Amerika aus und kam dann zu uns. Genaues berichtet die Wikipedia:
   »Die Art ist natürlich verbreitet im Osten Asiens, Nachweise liegen hier vor aus Ostchina, Japan, Korea und der Insel Taiwan.
   Mit Erstnachweis 2001 in Pennsylvania wurde die Art aus China nach Nordamerika eingeschleppt. Von dort aus hat sie sich massiv ausgebreitet und erreichte bereits 2004 Oregon und damit die Pazifikküste. Seit 2012 ist sie auch in Kanada (Ontario) heimisch.
   Der erste europäische Nachweis war 2007 im Großraum Zürich in der Schweiz (allerdings wurde später bekannt, dass sie bereits 2004 in Liechtenstein in Lichtfallenfängen aufgetreten, aber nicht erkannt worden war). Seither breitet sich die Art auch hier aus, wobei städtische (urbane) Habitate bevorzugt werden. 2007 konnte eine unabhängige Einschleppung mit Transportkisten nach Bremerhaven durch sofort eingeleitete Bekämpfungsmaßnahmen noch an der Etablierung gehindert werden; 2011 erfolgte der erste deutsche Nachweis in Konstanz. 2017 wurde die Art im Raum Stuttgart nachgewiesen; nach einem entsprechenden Zeitungsbericht Mitte September 2018 in Freiburg erfolgten viele Sichtmeldungen. Im Landkreis Lörrach gab es z. B. in Fischingen erste Schäden.
   In Südtirol erfolgte der Erstnachweis 2016; die italienische Region Friaul-Julisch Venetien stellte im März 2017 für ihre Obstbauern insgesamt 3,5 Mio. Euro als wirtschaftlichen Schadensausgleich für die Zeit bis Ende 2020 bereit.«
   Ob das wirklich alles auf die »marmorierte« zutrifft und nicht auf mein »Kiefern«-Modell, da wäre ich mir nicht so sicher! Ordentlich schreibt das Göttinger Tagblatt 2018: »Bei den diesjährigen Wanzen handelt es sich je nach Region vornehmlich um eine der folgenden Arten:
• Rötlich-braune Zapfenwanze
• Gräulich-braune Feldwanze (auch Gartenwanze genannt)
• Grüne Stinkwanze
• Marmorierte Baumwanze«

Also der Reihe nach:
• Die Rötlich-braune Zapfenwanze – der Name deutet ihre schlanke Gestalt an – ist meine Kiefernwanze, ein Leptoglossus occidentalis, und die duftet höchstens nach Kiefernnadeln oder nach edlen Äpfeln, was ja recht beliebt ist. Ich habe meine leider nicht (ab)geschmeckt.
• Die Gräulich-braune Feldwanze, Rhaphigaster nebulosa, auch Gartenwanze genannt, entäußert sich bei Bedrohung eines »stark riechenden« Sekretes.
• Die Grüne Stinkwanze, Palomena prasina, Graphosoma lineatum, in Österreich angeblich auch »Gochl« genannt*), scheint durch ihren echten Gestank der Gruppe ihren deutschen Namen gegeben zu haben, siehe hier.
• Die Marmorierte Baumwanze Halyomorpha halys habe ich oben beschrieben.
• Die Streifenwanze Graphosoma lineatum ist übrigens auch eine Baumwanze. Sie gilt als schönste Wanze hier. Wie sie stinkt wird angesichts ihrer Schönheit nicht berichtet.

So, genug gewanzt!

*) Gochl = Schafgarbe in den einschlägigen Lexika. Von der Stinkwanze keine Rede.

Links
• Mehr zum Gestank der Stinkwanze
https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Gr%C3%BCne_Stinkwanze#Stinkendes_Sekret 
https://www.hr3.de/themen/so-koennt-ihr-gegen-stinkwanzen-vorgehen,stinkwanze-baumwanze-loswerden-100.html
http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Wissen/Wanzen-Plage-2018-Wie-wird-man-Stinkwanze-und-asiatische-Wanze-wieder-los

Link hierher: http://j.mp/2RiCuSl
 = https://blogabissl.blogspot.com/2019/01/meine-stinkwanze.html

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