17. Dezember 2014

Zwischendurch Fraktur

Ach, wie viele Leute können heute nicht mehr Fraktur lesen! Dabei ist’s so einfach, reine Übungssache.
   Deshalb empfiehlt es sich nicht, längere Texte in 𝔉𝔯𝔞𝔨𝔱𝔲𝔯 zu setzen. Vielleicht zwischendurch ein Wort, ein Wirtshausschild etwa, mehr aber geht nicht für’s allgemeine Publikum. Ich hatte deshalb einen Weg gefunden, mitten in Texten ein bisschen Fraktur einzuschieben, sei’s in Word- beziehungsweise dann PDF-Dateien, sei’s mit HTML im Internet.
   In Word hatte ich mir einfach aus den angebotenen Schriften (»Schriftart«) die einzige von Microsoft mitgelieferte Frakturschrift, die meines Erachtens schrecklich übertriebene, hässliche »Old English Text MT« (MT steht für Monotype) genommen, siehe hier. Zunächst hatte sie kein langes ſ, das wurde dann aber irgendwann einmal nachgerüstet. Sogar mitten in HTML-Seiten konnte man die Schrift spezifizieren, indem man einfach <font face="Old English Text MT"> vorbaute und mit </font> schloss. Nichteinmal CSS waren nötig. Die Webseite wurde dann auf allen Rechnern, die diese Schrift installiert hatten, wunschgemäß dargestellt; wo sie fehlte, wählte der Browser eine Standardschrift. Ich zeig’s Ihnen mal mit einem Versuch von Fraktur – der vermutlich mangels Old English Text MT fehlschlägt, und einem Versuch mit Courier. (Blogger baut hier den in HTML eingegebenen Quelltext ein wenig um, macht nichts.) Soviel zur Vergangenheit, von Office 97 bis 2004. Die Wikipedia beschreibt’s hier und geht auch auf den in ISO 15924 genormten Sprachkode de-latf ein; das angehängte f steht für Fraktur. Ein kleiner, aber feiner Test von latf und latn hier – sowohl Firefox als auch Explorer bestehen ihn nicht (Dez. 2014).
   Heutzutage (2014) gibt es im Windows selbst keine Frakturschrift mehr. Man kann sich eine nachinstallieren; darauf gehe ich nicht weiter ein.
   Lieber gleich zu HTML und zu einer allgemeinen Lösung. Weil sich HTML-Seiten alles Mögliche von überallher holen können (hauptsächlich Reklame), um das alles dann erst darzustellen, macht man im HTML-Kode vorab einen Verweis auf die gewünschte besondere Schrift, und dann »schreibt« man damit. Da gibt es seit 2010 Google-Fonts, eine Sammlung von Schriften im Netz. Man verschafft der Webseite Zugang dorthin mit dem Statement
<link rel="stylesheet" type="text/css"
  href="fonts.googleapis.com/css?family="Font+Name">
wobei Font+Name die gewünschte Schrift ist, siehe Getting Started; dort mehr.
   Den eigentlichen, besonders darzustellenden Text baut man dann ein in die »Klammer«:
<div style="font-family: 'Font Name', serif;">
Danach folgt der besonders darzustellende Text, Abschluss mit
</div>. – Font Name ist hier natürlich die Google-Schriftart, zum Beispiel UnifrakturMaguntia&subset=all oder UnifrakturCook.
   Wollemers probieren?  
Hier die schlichte »Maguntia« – ein schönes Muster hier, alles noch ohne ſ und Ligaturen, damit mag ſich ein anderer ſpielen,
   und hier
die eher schwere Cook, die allerdings dem Vernehmen nach mit Ligaturen besonders geschickt umgehen kann.
   Die relative Schriftgröße ist wie bei allen Schriftwechseln Glücksache, hier hab’ ich vergrößert.
 
Ein weiteres Verfahren bezieht sich auf die eigentlich der Mathematik vorbehaltenen Unicode-Zeichen in Fraktur, wahlweise sogar 𝖋𝖊𝖙𝖙 (fett) vorhanden. Wenn ich also in HTML als Zeichen kodiere &#x1d509; so bekomme ich ein 𝔉, mit &#x1d509; dazu 𝔉ℑ. Ganz einfach! Leider fehlen diesem »mathematischen« Alphabet ein paar Zeichen wie Umlaute und scharfes S. Für Fließtexte ist das Ergebnis eher mickrig, für Initialen mag’s aber langen. Außerdem wirft mir Blogger diese schöne, mühsam in HTML eingebastelte Fraktur beim Übergang auf »Verfassen« immer wieder heraus, sodass ich hier hinfort ganz bei HTML-Eingabe bleiben muss.
   Drum höre ich jetzt auch auf.
𝔣𝔧
PS. In meinem Word geht das »mathematische« Verfahren nicht, Sie können es aber versuchen. Man tippt den hexadezimalen Unicode in den Text ein (Buchstaben klein oder groß, egal), vierstellig, sagen wir 00d6, markiert ihn und tippt AltC ein. Schwupp wird’s das Zeichen, hier Ö. Das Mathematik-Fraktur-F  ist, siehe oben, 1d509. Umgewandelt in das Zeichen zeigt mein Word nur ein dünnes Rechteck, hat also den Buchstaben nicht im Repertoire. Schade. Wo’s dann der Browser herhat, weiß der Geier.
 
Linkempfehlungen
https://de.wikipedia.org/wiki/Web_Open_Font_Format
https://developers.google.com/fonts/docs/getting_started
https://www.google.com/fonts/specimen/UnifrakturCook
http://unifraktur.sourceforge.net/cook.html und
https://en.wikipedia.org/wiki/Mathematical_operators_and_symbols_in_Unicode#Mathematical_Alphanumeric_Symbols_block
http://unifraktur.sourceforge.net/unifraktur-forum/viewforum.php?f=4
https://www.google.com/fonts/specimen/UnifrakturMaguntia
http://www.typografie.info/3/page/artikel.htm/_/wissen/die-10-besten-google-webfonts-r115
http://blogabissl.blogspot.de/2013/09/tastaturtreiber-andern-ab-windows-vista.html
 
Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2014/12/zwischendurch-fraktur.html

Frakturstempel
Frakturstempel, 1996 mit einem Brother Stamp Creator SC 300PC selbst gemacht, siehe »Die Stempelfabrik auf dem Schreibtisch«. Die Schrift kam aus dem PC (»IBM compatible PC, 386SX or faster, running Windows 3.1, 3.11, or Windows 95«), siehe »Eine Schrift mit Tücken und Ligaturen«. Die Adresse ist, wie die Schrift, veraltet.

Kommentare:

Clarissa Smith hat gesagt…
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Fritz Jörn (Fritz@Joern.De) hat gesagt…

Liebe Frau Smith, hab’ mir mal den Quelltext Ihres Blogs anzeigen lassen und nach "Googleapis" gesucht, nicht gefunden. Also vermute ich, dass Sie die Schrift gar nicht erst geholt, nicht geladen haben. Bitte 1. Sonderschrift oder -schriften laden (geht inzwischen auch nur für einzelne Buchstaben), siehe Blog, erst dann 2. die Schrift benutzen. –
  Der Rest ist Geschmacksache. Ich beschäftige mich seit dem letzten Jahrtausend mit Fraktur am PC, und da erlebt man alles Mögliche (bis zu einem Tastaturtreiber, der aus c immer gleich ch machte). Jedenfalls habe ich meine Meinung zur »Frakturrechtschreibung« geändert. Sieht man Fraktur »nur« als besonderen Schriftschnitt, so schreibe man m. E. ohne langes s (»langes S«, »langes ſ«, na wie denn orthographisch richtig?) und nach neuer Rechtschreibung. So schön ich die E-Initiale in Ihrem http://poser-lapointe.blogspot.de/2014/12/biography.html finde, so sehr stört dort das lange s in der Elisabeth, weil es die Aufmerksamkeit nur auf die Tatsache lenkt, dass das lange s sintemalen auch in Antiqua gesetzt worden war: eine m. E. und mit Verlaub unpassende Ablenkung vom Thema. Grüßsie!

Clarissa Smith hat gesagt…
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Clarissa Smith hat gesagt…
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Clarissa Smith hat gesagt…
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Clarissa Smith hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Fritz Jörn (Fritz@Joern.De) hat gesagt…

Sagmer so: Das Schriftstück muss besondere Schriften erst lernen (laden); ist im Blog oben beschrieben. Zum »Spicken« schaut man sich einfach den HTML-Quellkode an (markieren, im Firefox rechte Maus, »Auswahl-Quelltext anzeigen«), und schon sieht man, etwa in der Gegend meines »Wollemers probieren?« Folgenes:
Wollemers probieren?   ‹br›
‹link href="http://fonts.googleapis.com/css?family=UnifrakturMaguntia&subset=all" rel="stylesheet" type="text/css"›
‹span style="font-family: 'UnifrakturMaguntia', serif; font-size: large;"›Hier die schlichte »Maguntia« – ‹a href="http://unifraktur.sourceforge.net/maguntia.html" target="_blank"›ein schönes Muster hier‹/a›, alles noch ohne ſ und Ligaturen, damit mag ſich ein anderer ſpielen,‹/span›‹br›
‹link href="http://fonts.googleapis.com/css?family=UnifrakturCook:700" rel="stylesheet" type="text/css"›   
und hier ‹br›
‹div style="font-family: "UnifrakturCook",serif;"›
‹span style="font-size: large;"›die ‹a href="https://www.google.com/fonts/specimen/UnifrakturCook" target="_blank"›eher schwere Cook‹/a›, die allerdings dem Vernehmen nach mit Ligaturen besonders geschickt umgehen kann.‹/span›‹/div›
   Die relative Schriftgröße …
Ob solche HTML-Einschübe in Blogs funktionieren, muss man ausprobieren. Das hängt vom Blog und von der Vorlage ab, von zwei Schichten Kode anderer also. 
 
Vielleicht täte eine Anmerkung gut in Ihrem neuen Blog, die die sonderbare Schreibung verständlich macht.
  Der Rest ist Politik: Schon seit dem Zweiten Weltkrieg werden Bombarierungen gerne nicht als Verbrechen angesehen: »Chirurgische Eingriffe« bringen halt gelegentlich »Kollateralschäden«!

Clarissa Smith hat gesagt…
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Fritz Jörn (Fritz@Joern.De) hat gesagt…

Liebe Frau Smith, schön, dass Sie’s hinbekommen haben, unten auf http://poser-lapointe.blogspot.de/2014_12_01_archive.html! Ende gut, alles gut! Ihren weiteren historischen Kommentar lasse ich hier nicht erscheinen, ist mir zuweit weg vom Thema. Schreiben Sie mir doch mal bitte ’ne Mail, Fritz@Joern.De!

Clarissa Smith hat gesagt…
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Fritz Jörn (Fritz@Joern.De) hat gesagt…

Am PC hat alles Grund und Ursach’, Hochgeehrte! Wenn die Schrift einmal in den dargestellten Blog geladen wurde, weiter oben oder gar in einen anderen Post (der auch gezeigt wird), dann lässt sie sich aufrufen (referenzieren), sonst nicht. Mit einer Schrift schreiben ist wie Radfahren: Man verlernt es nicht. Die Typen müssen aber je Seite einmal geladen worden sein. Wenn Blogger also mehrere Posts anzeigt, und irgendeine Post lädt die Schrift, dann ist sie da. Guckt sich wer gezielt nur einen Post an, und hat der die Schrift nicht geladen, so hat er Pech. Wirklich, Clarissa, mailen’S mal direkt, hier sind bloß allgemein interessierende Fragen wichtig. Fritz

PS. ceterum censeo: Die »Elisabeth Zimmermann« im Kopf von http://poser-lapointe.blogspot.de/ gehört in einer Schrift, man wechselt nicht Schrift innerhalb eines Namens. Und wenn das hässliche lange s schon rein soll, dann empfehle ich eine kursive Schrift, die haben meist gefälligere Lang-S. Saluti!