19. September 2018

Identifikation der Deutschen mit dem Nationalsozialismaus?

Alles Nazis! Immer wieder fallt mir auf, wie flockig-lockig – so etwa nach der Jahrtausendwende – alle Deutschen im Dritten Reich zu Nazis abgestempelt werden. Auch Heutigen wird allzurasch einmal »Nazi« nachgesagt.
   Wie den Ostdeutschen nicht hinterhergerufen wird, sie seien alle Kommunisten gewesen (oder »Demokraten«), sollte man auch Deutsche aus der Nazizeit nicht einfach Nazis nennen. Wie immer ist und war die Sache komplizierter, individuell. Wenn man schon über Geschichte redet und schreibt möge man sich doch bitte etwas vorsichtiger darin bewegen, auch begrifflich.
Die Ludendorff-Brücke
bei Remagen am 1.3.1945.
Blick aus dem Eisenbahntunnel auf der Ostseite
aus der Wikipedia
   Diesen Aufschrei löste bei mir ein interessanter Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung aus: »Die Schicksalsbrücke von Remagen«, NZZ »Spektrum Deutschland«, 18. September 2018, int. Ausgabe, Seite 6, von Axel Vogel (nicht der Politiker der Grünen!). Online steht der Artikel hier, kurz http://j.mp/2ODQXmw.
   Generell erlaubt sich da ein veritabler Politikprofessor über die »Identifikation der Deutschen mit dem Nationalsozialismus« – sogar in der Zeit nach dem Krieg – kursorisch dieses Urteil. Wörtlich zitiert: »Professor Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, kennt dieses Verhaltensmuster. Offiziere, die sich gegen Hitler wandten oder sich weigerten, in den letzten Kriegswochen sinnlose Befehle auszuführen, aber auch Soldaten, die wegen verbrecherischer Befehle desertierten – sie alle galten noch lange nach 1945 als ›Verräter‹. So stark sei die Identifikation der Deutschen mit dem Nationalsozialismus gewesen«.
   Dagegen fragt am Schluss der Autor des Artikels bei einer einzelnen Person nachdenklich: »War denn sein Vater [Major Hans Scheller, der 1945 hingerichtet wurde, weil er die Brücke von Remagen nicht erfolgreich gesprengt hatte] am Ende ein Held? Scheller [der Sohn] legt die Stirn in Falten: ›Sicherlich nicht. Er war eine tragische Person, die nach damaligem soldatischem Verständnis glaubte, ihre Pflicht tun zu müssen – und sie auch tat.‹«

Man hüte sich, vergangene Zeiten nach heutigen moralischen Vorstellungen zu beurteilen. Überhaupt: Wer sind wir denn?

Link hierher: http://j.mp/2OyFMLN =
   https://blogabissl.blogspot.com/2018/09/identifikation-der-deutschen-mit-dem.html

Statt hier auf mehrere Bog-Artikel von mir zum selben Thema hinzuweisen, 
ein Link auf das Schicksal einer Frau aus Sebastiansfeld:
http://blogabissl.blogspot.com/2013/03/besuch-bei-einer-frommen-frau-laatzen-7.html 

Ich hab’ noch nie jemanden gefunden, der sich für sie interessiert hätte, nicht einmal der Verein »Gegen Vergessen – für Demokratie«.

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