30. Dezember 2014

Die beste Taschenlampe


Sollte man nicht vorsichtig sein mit Superlativen? Zumal so Dinge wie Taschenlampen je nach Zweck gut oder besser geeignet sind, natürlich. Meine Lampe leuchtet zum Beispiel nicht unter Wasser, wenigstens nicht lange.
   Ich erzähle von der
Relags LED-Clipleuchte transparent, oder, wie auf www.Relags.De beschrieben, der

»Relags LED ›Clip‹ Leuchte – transparent, schwarz, Artikelnummer: 011525
· 3 LEDs               · 80 h Brenndauer
· 10,5 × 3 × 6 cm, 65 g (Gewicht mit Batterien)
· Batterien 3 × Micro (AAA, enthalten)
Preis: 10,50 €           Auf Lager:  ✓ «


Ich meine, der oberbayrische Großhändler bezieht diese »Leuchte« aus dem Ausland, denn es gibt sie auf der ganzen Welt, etwa als »Ultra Bright LED Cliplight«. Der »Hersteller, Großhändler und Distributor für Outdoor-Hardware« bringt »Artikel aus der ganzen Welt, immer getreu dem Motto ›die kleinen Dinge für das große Abenteuer ...‹«. Na bitte!
   Bei mir steckt das »große Abenteuer« immer  in der rechten Hosentasche. Da hab’ ich dann immer Licht. Aber zu den Features:
• Die Lampe ist handlich, wie ein »Handschmeichler«. 
• Die Lampe nutzt je drei handelsübliche AAA-Batterien, die’s überall gibt. Keine Knopfzellen!
• Sie leuchtet (deshalb?) hell und sehr lange.
• Die Lampe ist billig, samt Batterien kostet sie rund zehn Euro.
• Mit ihrem Klipp kann man sie fast überall festmachen, am Rande eines Trinkglases, an einem Kabel, einer Kante, am Finger; Demo hier (allerdings mit der Variante nur mit einer LED).
• Der Clip ist dreh- und schwenkbar und hält trotzdem fest.
• Man kann die Lampe »hinstellen«, so, dass sie »Männchen macht«, wie hier.
• Es gibt ein Stirnband dazu, möchte man sie als Stirnlampe leuchten lassen. Kostet hier auch nicht mehr.
• Es gibt eine Halterung für den Fahrradlenker, möchte man sie nachts am Radl nutzen. Drei Euro.
• Jetzt kommt’s: Man kann sie sich zwischen die Zähne klemmen, wenn man beide Hände frei haben will. Aber nicht zu lange, sonst sabbert’s!
• Und generell: Gutes, helles Licht erspart Brille oder Lupe. Alterssichtige werden wieder einsichtig, Miniaturschriften lesbar.
• Wem die Lampe immer wieder von selbst in der Tasche angeht, kann den Gummiring abmachen, siehe meine Bilder.
• Öffnet sich das Batteriefach zu leicht, kann man einen Tesafilm drumherumkleben.
• Bricht der Clip aus, was gerne einmal passiert, lässt er sich mit üblichem Gartendraht reparieren, siehe oben.
• Das Ding gibt’s sogar bei Amazon.

Link zu diesem Blog: http://blogabissl.blogspot.com/2014/12/die-beste-taschenlampe.html

Die »Laschen« noch intakt
Oben ausgerissene Lasche, gefixt
PS. »Gartendraht fixt alles«, hier die Details. 
   Der Clip ist eine Klemme, wie eine Wäscheklammer. Dazu braucht’s – im Gegen­satz zur genialen Wäsche­klammer! – ein Scharnier mit Laschen und Löchern auf beiden Teilen. Innen steckt als Achse ein Röhrchen. Die Laschen der Oberseite, Plastik, reißen leicht aus. Dann ist der Clip keiner mehr, weil der Oberteil wegfliegt. Ihn trotzdem daran zu hindern, dient der Draht. 
 
Neu sieht das so aus.

 






  








Hier der »Zusammenbau«: Batteriegehäuse, darunter die Batterien, Verschluss mit Clip.

27. Dezember 2014

Zwei Outlooks auf eine PST-Datei

Das wird ein Spezialfall sein:
   »Zwei« Outlooks auf ein und dieselbe PST-Datei zugreifen zu lassen.
Ich habe ein gut laufendes, bewährtes, Wind- und Wetter-erprobtes Windows XP und ein stabiles, aber keineswegs »an mich angepasstes« Windows 7 auf meinem »großen« Rechner. Ein dual Boot lässt mich zwischen einem und dem anderen wechseln. Nun versuche ich, laa…angsam auf das jüngere Windows 7 überzugehen. Spät dran, gell ... Bewusst!
   Nun will ich mein Outlook, auch ein altes, Outlook 2003, auf beiden Betriebssystemversionen so laufen lassen, dass es dieselbe PST-Datei nutzt. Dann fahre ich automatisch immer dort fort, wo ich aufgehört habe, alle Mails, Adressen, Regeln usw. sind hier wie dort parat. Das sollte eigentlich selbstverständlich möglich sein, wie bei einem Word-Dokument oder einer Powerpoint-Präsentation. Egal, wie oft ich zwischen dem einen oder anderen Outlook hin und her wechsle, es geht immer genau dort weiter, wo ich aufgehört habe.

Outlook speichert sich die Mails und vieles andere in einer undurchsichtigen, meist großen PST-Datei, was für Personal Store steht. (Und was beim »Archivieren« passiert, wissen die Götter.)
   Die Methode, die Original-PST weiter zu verwenden, geht auch für den Wechsel von einem alten zu einem neuen Outlook (gleicher Generation), nur sollte man sich dann beizeiten nötige Notizen oder Screenshots machen. (Noch gescheiter ist es natürlich, weg von Outlook und gleich auf ein laufend gepflegtes Mailsystem überzugehen, Thunderbird etwa, oder Mail online zu bearbeiten. Dazu muss man halt »nur« seine Gewohnheiten umstellen.)

Nun aber der Reihe nach. Ein neu installiertes Outlook ist leer (bis auf eine Begrüßungsnachricht vom Entwickler), es »tut nichts«. Vor allem wird keine Mail abgerufen, weil ihm das oder die Mailkonten noch gar nicht bekannt sind. Ich konnte also in Ruhe meine Einstellungen machen, ohne Angst zu haben, dass sich hinter meinem Rücken schon was an der alten PST ändert.
   Als erstes ging ich auf die Suche nach dem Ort der aktuell genutzten PST-Datei, die ich weiter nutzen wollte. Ich hatte bei meinem (alten) Outlook herausgefunden, dass es die Datei H:\Dokumente und Einstellungen\Fritz\Lokale Einstellungen\Anwendungsdaten\Microsoft\Outlook\Outlook.pst ist. Man sieht’s z. B. am Zeitstempel, dass die’s ist. (Warum Microsoft die PST so tief vergräbt, und einem dann zum Finden nur ein klitzekleines Guckfenster spendiert, wissen die Götter.)
   Diese Datei ist auf meinem »neuen« Betriebssystem allerdings auf D:\usw. zu finden, weil die Plattenbuchstaben seit der Betriebssystemeinstallation auf demselben Rechner anders sind.
   Im neuen Outlook musste ich jetzt diese PST-Datei als Datendatei eintragen. Das geht über Extras, Optionen, E-Mail-Setup, Datendateien, etwa so:



Das »neue« Outlook hatte sich inzwischen schon eine kleine, eigene PST-Datei gemacht. Die ließ ich erst einmal drin und konnte nun durch »Hinzufügen« meine alte PST dazutun. (Man sollte sich vielleicht auch andere PST-Dateien aus dem alten Outlook holen, die dort an derselben Stelle angezeigt waren, typisch Archiv… .)
   Dann habe ich Outlook geschlossen und die neue, kleine Outlook-PST-Datei, die genau ich ja nicht wollte, durch Umbenennen »rückbaubar« unbrauchbar gemacht – ein paar X im Dateinamen genügen – und Outlook neu gestartet. Outlook findet dann die Datei nicht und begnügt sich mit der großen alten, die man ihm von Hand eingetragen hat. Eventuell die neue, die er nicht findet, herauslöschen, damit’s nicht immer wieder Fehlermeldungen gibt.
   Jetzt hatte ich ein »passives« Outlook mit meiner gewohnten PST! Alles sah aus wie früher, vor allem mit allen Unterordnern und Adressen!
   Um Outlook aktiv betreiben zu können, braucht’s vor allem die Mailkontoeinstellungen. Man kann sie sich vom alten Outlook abschreiben (wenn man’s rechtzeitig tut) und sie frisch eingeben, man kann sich aber auch einen Registerauszug machen und die Daten (über eine selbsterzeugte .reg-Datei) ins neue Register (»Registry«) einkopieren. Das ist z. B. auf http://www.pctipp.ch/tipps-tricks/kummerkasten/office/artikel/outlook-kontoeinstellungen-uebertragen-48483/ gut beschrieben. Was nicht rüberkommt sind – jedenfalls nach meiner Erfahrung – die Passwörter*) und (Nicht-Standard-)Porteinstellungen.
   Die Kontakte sind im neuen Outlook alle da, nur wollen sie eingebunden sein. Dazu die Kontakte öffnen bezw. anzeigen, links oben das Wort Kontakte hinter dem Briefchen markieren, Eigenschaften. 
   Auch die Regeln müssten drin sein – ja, aber leider sind sie alle »für einen anderen Computer«, also ohne Einzeleditieren nutzlos. Mehr dazu hier.
   Autovervollständigen der Adressen geht erst einmal auch nicht, was aber auch ein Vorteil sein kann.Er baut die neu auf.
   Die Formatpräferenz geht verloren:
1. Extras, Optionen, E-Mail-Format, Nur-Text.
2. Dazu empfiehlt sich, die Zeilenlänge aus Maximum zu stellen, Details siehe hier: Extras, Optionen, E-Mail-Format, Internet-Format, Nur-Text-Option, Automatischer Textumbruch bei: 132 Zeichen.
   Die Signatur muss neu eingerichtet werden.

   Mein AutoBCC ging verloren, wiedereinbauen und signieren, s. hier.
   Den amerikaüblichen Mailbeginn selbst nach Komma mit Großbuchstaben ausschalten: Extras, Optionen, Rechtschreibung, Autokorrektur-Optionen, »Jeden Satz mit einem Großbuchstaben beginnen« – ausknipsen.
   Weiter praktisch: Extras, Optionen, Erweiterte Optionen, Ordner bei Programmstart: Posteingang.
   Cloudmark DesktopOne gegen Spam, kostenlos, gut.


   Enjoy! – Oder bitte hier kommentieren, auch direkt an Fritz@Joern.De.

Link zu diesem Post: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/zwei-outlooks-auf-eine-pst-datei.html

*) PS. Zur Suche längst vergessener Passwörter am eigenen Rechner empfehlen PC-Welt und andere »PasswFinder«. Funktioniert erschreckend gut! (Nicht direkt von »Magic Jelly Bean« herunterladen, bei mir installierte diese Originalversion hinterrücks die Tune-Up-Utilities und lief außerdem nicht. Die Version etwa von Chip versucht einen »Optimizer Pro« unterzujubeln, was man aber ablehnen kann.) – Wenn’s um W-Lan-Passwörter geht, die Passwfinder nicht ausforscht, empfehle ich WirelessKeyView von Nir Sofer. – Achtung: Manche Virenscanner melden dererlei Ausforschungsprogramme als Trojaner!

Outlook-Inhalte sichern, Post von 2010, speziell Regeln sichern.

26. Dezember 2014

Kabellose Krinner-Kerzen reparieren

Kabellose Kerze von Krinner.
Die Batterie fehlt noch.

Kabellose elektrische Christbaumkerzen, Weihnachtskerzen, Marke Lumix von Krinner, kommen in zwei Größen. Wenn die Batterie – die man gefälligst das Jahr über herausnimmt, weil sie immer etwas Strom braucht, um einschaltbereit zu sein – wenn sie blinkt, sollte sie ausgetauscht werden. Wenn sie ganz leer ist, blinkt sie natürlich nicht mehr.
   Wenn man dann eine frische Batterie hineinschraubt, leuchtet die Lampe gleich. Erst beim Ausschalten durch die Fernbedienung merkt sie sich den Kode, mit dem sie dann wieder eingeschaltet werden kann. 
   Wenn sie trotz neuer Batterie nicht brennt, muss nichts kaputt sein. Der Pluspol der Batterie muss oben bei der Birne sein, Minus unten im Sockel.

Sockel mit Ansteuerung
 







Wie man sieht, ist der Minuspolkontakt im Sockel klein.




Wenig und gut geeignete Batterie






Hat man nun eine Batterie erwischt wie hier die linke, mit einem »Loch« im Boden, dann gibt’s da keinen Kontakt. Es kann kein Strom fließen, obwohl die Batterie voll geladen ist.




Dagegen helfen Hausmittel – Silberfolie – oder ein wenig von der inneren Schokoladeverpackung – »Stanniolpapier«, jedenfalls stromleitendes Material. Man reißt oder schneidet ein kleines Stück ab und stopft es in den Sockel, so, dass es den kleinen Minuskontakt berührt, ihn aber vergrößert. Nur ganz hinauf zum (Plus-)Ring darf die leitende Folie nicht reichen, sonst schließt man die Batterie kurz. Sie entlädt sich dann ganz schnell, wird heiß und leer, was gefährlich ist, Brandgefahr!



»Reparierte« Kerzenleuchte

Danach sieht die Batteriehalterung so aus, und die Christbaumkerze leuchtet auch mit einer nicht ganz geeigneten Batterie!


Link zu diesem Tipp:
http://blogabissl.blogspot.com/2014/12/kabellose-krinner-kerzen-reparieren.htm

Siehe auch FAZ vom 11. Dezember 2012: »LED-Technik am Christbaum. Sicherer Kerzenschein ohne Kabel auf Knopfdruck«

Gedanken zur Geschwätzigkeit

Stiftskirche Bonn, Engel über der Kanzel
24. Dezember 2014
Unser Weihnachtsgottesdienst am 24. Dezember hat von fünf Uhr nachmittags bis halb neun am Abend gedauert. Gründe dazu gab’s mehrere. Am Ende war’s aber einfach zu lang …
   Pfarrer Blanke, kein Feind vieler Worte, erwähnte selbst­iro­nisch in der Predigt die »Geschwätzigkeit«, die Papst Franziskus zwei Tage zuvor als die siebte von fünfzehn Krankheiten dem Vatikan vorgehalten hatte.
   Gerade Gutgläubige meinen, extemporierte Ausschmückungen altgewohnter Liturgien könnten den Inhalt weiter vertiefen, sozusagen »reindrücken« in die Ungläubigen. Da reicht kein schlichter Segen, kein klassischer Dialog, den man auswenig kennt, es muss putzig drumrumgeträllert werden wie in einer schlechten Werbebotschaft oder einem kitschigen Roman, barock. – Doch, wer bin ich Vielschreiber, das bei anderen zu kritisieren. »Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel« (Bergpredigt Mt 5,37).
   Franziskus (und die Bergpredigt) meinen aber nicht überfrachtete Reden, Reden, die – gutgemeint – noch etwas und noch etwas und noch jemanden dazu mit erwähnen, den »Christinnen und Christen« wohl demnächst noch »Hirtinnen und Hirten« gegenüberstellen, um ja nichts auszulassen, um ja niemanden auszuschließen, jeden Fall mit zu berücksichtigen. In der Messe werden’s dann noch mehr Fürbitten, noch längere Predigten, noch schmuckere Wandlungsworte, noch mehr Tremolo; zur Not noch mehr »Momente des Schweigens«. (Politik bleibt mangels sonstig Menschlichem dann auch nicht aus.)
   Sprache ist immer Abstraktion, man befreit sie davon nicht durch mehr Sprache.
   Ein Blick nach Rom. Hört man sich den Papst an, so meint er mit Geschwätzigkeit nicht viele Worte, sondern Gerede, Klatsch, üble Nachrede hinter dem Rücken anderer. Chiacchiere sind Nachreden, die er geißelt. Und due chiacchiere sind nicht »zwei Gerüchte«, wie’s der Vatikan übersetzt, sondern ein Plausch unter Freunden, mehr erst einmal nicht. Hier aus seiner Rede in offizieller Übersetzung:
    9. Die Krankheit des Geschwätzes, des Gemurmels, des Tratschens. 
Von dieser Krankheit habe ich schon oft gesprochen, aber noch nicht genug. Es ist eine schwere Krankheit, die ganz einfach beginnt, manchmal nur durch zwei Gerüchte, durch die man sich zum Herrn über jemand anderen macht und so zum »Sämann von Unkraut« wird, wie Satan. In vielen Fällen ist das »kaltblütiger Mord« am Ruf der eigenen Kollegen und Brüder. Es ist die Krankheit von feigen Menschen, die nicht den Mut haben, etwas direkt zu sagen und es deswegen hinter dem Rücken tun. Der heilige Paulus ermahnt uns: »Tut alles ohne Murren und Bedenken, damit ihr rein und ohne Tadel seid« (Phil: 14.18). Brüder, hüten wir uns vor dem Terrorismus des Geschwätzes!
   Im Original:
   9. La malattia delle chiacchiere, delle mormorazioni e dei pettegolezzi. 
Di questa malattia ho già parlato tante volte ma mai abbastanza. E’ una malattia grave, che inizia semplicemente, magari solo per fare due chiacchiere e si impadronisce della persona facendola diventare «seminatrice di zizzania» (come satana), e in tanti casi «omicida a sangue freddo» della fama dei propri colleghi e confratelli. È la malattia delle persone vigliacche che non avendo il coraggio di parlare direttamente parlano dietro le spalle. San Paolo ci ammonisce: «Fate tutto senza mormorare e senza esitare, per essere irreprensibili e puri» (Fil 2,14-18). Fratelli, guardiamoci dal terrorismo delle chiacchiere! 
   Im Italienischen ist die Rede von zizzania, einem Unkraut, bot. Lolium temulentum (L.), dem Taumel-Lolch oder Rauschgras, giftig in der Tat, Wikipedia: »Die Pflanze ist oft vom endoparasitischen Pilz Neotyphodium coenophialum (ein Verwandter des Mutterkornpilzes) befallen, der u. a. neurotoxische Indolalkaloide bildet, wodurch die gesamte Pflanze giftig wird. Da der Taumel-Lolch früher häufig in Getreideäckern wuchs, gelangten oft Samen in das Mahlgut und in das Mehl. Durch den Genuss des so verunreinigten Mehles kam es zu Vergiftungserscheinungen wie Schwindel (Taumeln) und Sehstörungen, in seltenen Fällen sogar zum Tod. Heute kommt dies aufgrund der Anwendung von Herbiziden im integrierten Anbau und der Getreidereinigung nicht mehr vor.« Zizzania steht folgerichtig im Italienischen inzwischen für Streit, wie wieder die Wikipedia berichtet, hier.



Die vom Blatt gelesene vatikanische Rede fällt gegenüber Franziskus’ Predigten stark ab. (Das »Pappa« mit drei p ist ein Tippfehler. Das Kapitel über das Gerede beginnt auf 18:20.)
   Sieht und hört man Franziskus dagegen in seinen freien Predigten (»Homilien«), dann spürt man die atemlose Stille, seine Präsenz, viel, viel beeindruckender. Etwa hier, wo er bildhaft über das »Flicken« der Löcher im Vatikan spicht, und wie man anderen in Demut hilft, besser zu werden.


Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2014/12/gedanken-zur-geschwatzigkeit.html

17. Dezember 2014

Zwischendurch Fraktur

Ach, wie viele Leute können heute nicht mehr Fraktur lesen! Dabei ist’s so einfach, reine Übungssache.
   Deshalb empfiehlt es sich nicht, längere Texte in 𝔉𝔯𝔞𝔨𝔱𝔲𝔯 zu setzen. Vielleicht zwischendurch ein Wort, ein Wirtshausschild etwa, mehr aber geht nicht für’s allgemeine Publikum. Ich hatte deshalb einen Weg gefunden, mitten in Texten ein bisschen Fraktur einzuschieben, sei’s in Word- beziehungsweise dann PDF-Dateien, sei’s mit HTML im Internet.
   In Word hatte ich mir einfach aus den angebotenen Schriften (»Schriftart«) die einzige von Microsoft mitgelieferte Frakturschrift, die meines Erachtens schrecklich übertriebene, hässliche »Old English Text MT« (MT steht für Monotype) genommen, siehe hier. Zunächst hatte sie kein langes ſ, das wurde dann aber irgendwann einmal nachgerüstet. Sogar mitten in HTML-Seiten konnte man die Schrift spezifizieren, indem man einfach <font face="Old English Text MT"> vorbaute und mit </font> schloss. Nichteinmal CSS waren nötig. Die Webseite wurde dann auf allen Rechnern, die diese Schrift installiert hatten, wunschgemäß dargestellt; wo sie fehlte, wählte der Browser eine Standardschrift. Ich zeig’s Ihnen mal mit einem Versuch von Fraktur – der vermutlich mangels Old English Text MT fehlschlägt, und einem Versuch mit Courier. (Blogger baut hier den in HTML eingegebenen Quelltext ein wenig um, macht nichts.) Soviel zur Vergangenheit, von Office 97 bis 2004. Die Wikipedia beschreibt’s hier und geht auch auf den in ISO 15924 genormten Sprachkode de-latf ein; das angehängte f steht für Fraktur. Ein kleiner, aber feiner Test von latf und latn hier – sowohl Firefox als auch Explorer bestehen ihn nicht (Dez. 2014).
   Heutzutage (2014) gibt es im Windows selbst keine Frakturschrift mehr. Man kann sich eine nachinstallieren; darauf gehe ich nicht weiter ein.
   Lieber gleich zu HTML und zu einer allgemeinen Lösung. Weil sich HTML-Seiten alles Mögliche von überallher holen können (hauptsächlich Reklame), um das alles dann erst darzustellen, macht man im HTML-Kode vorab einen Verweis auf die gewünschte besondere Schrift, und dann »schreibt« man damit. Da gibt es seit 2010 Google-Fonts, eine Sammlung von Schriften im Netz. Man verschafft der Webseite Zugang dorthin mit dem Statement
<link rel="stylesheet" type="text/css"
  href="fonts.googleapis.com/css?family="Font+Name">
wobei Font+Name die gewünschte Schrift ist, siehe Getting Started; dort mehr.
   Den eigentlichen, besonders darzustellenden Text baut man dann ein in die »Klammer«:
<div style="font-family: 'Font Name', serif;">
Danach folgt der besonders darzustellende Text, Abschluss mit
</div>. – Font Name ist hier natürlich die Google-Schriftart, zum Beispiel UnifrakturMaguntia&subset=all oder UnifrakturCook.
   Wollemers probieren?  
Hier die schlichte »Maguntia« – ein schönes Muster hier, alles noch ohne ſ und Ligaturen, damit mag ſich ein anderer ſpielen,
   und hier
die eher schwere Cook, die allerdings dem Vernehmen nach mit Ligaturen besonders geschickt umgehen kann.
   Die relative Schriftgröße ist wie bei allen Schriftwechseln Glücksache, hier hab’ ich vergrößert.
 
Ein weiteres Verfahren bezieht sich auf die eigentlich der Mathematik vorbehaltenen Unicode-Zeichen in Fraktur, wahlweise sogar 𝖋𝖊𝖙𝖙 (fett) vorhanden. Wenn ich also in HTML als Zeichen kodiere &#x1d509; so bekomme ich ein 𝔉, mit &#x1d509; dazu 𝔉ℑ. Ganz einfach! Leider fehlen diesem »mathematischen« Alphabet ein paar Zeichen wie Umlaute und scharfes S. Für Fließtexte ist das Ergebnis eher mickrig, für Initialen mag’s aber langen. Außerdem wirft mir Blogger diese schöne, mühsam in HTML eingebastelte Fraktur beim Übergang auf »Verfassen« immer wieder heraus, sodass ich hier hinfort ganz bei HTML-Eingabe bleiben muss.
   Drum höre ich jetzt auch auf.
𝔣𝔧
PS. In meinem Word geht das »mathematische« Verfahren nicht, Sie können es aber versuchen. Man tippt den hexadezimalen Unicode in den Text ein (Buchstaben klein oder groß, egal), vierstellig, sagen wir 00d6, markiert ihn und tippt AltC ein. Schwupp wird’s das Zeichen, hier Ö. Das Mathematik-Fraktur-F  ist, siehe oben, 1d509. Umgewandelt in das Zeichen zeigt mein Word nur ein dünnes Rechteck, hat also den Buchstaben nicht im Repertoire. Schade. Wo’s dann der Browser herhat, weiß der Geier.
 
Linkempfehlungen
https://de.wikipedia.org/wiki/Web_Open_Font_Format
https://developers.google.com/fonts/docs/getting_started
https://www.google.com/fonts/specimen/UnifrakturCook
http://unifraktur.sourceforge.net/cook.html und
https://en.wikipedia.org/wiki/Mathematical_operators_and_symbols_in_Unicode#Mathematical_Alphanumeric_Symbols_block
http://unifraktur.sourceforge.net/unifraktur-forum/viewforum.php?f=4
https://www.google.com/fonts/specimen/UnifrakturMaguntia
http://www.typografie.info/3/page/artikel.htm/_/wissen/die-10-besten-google-webfonts-r115
http://blogabissl.blogspot.de/2013/09/tastaturtreiber-andern-ab-windows-vista.html
 
Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2014/12/zwischendurch-fraktur.html

Frakturstempel
Frakturstempel, 1996 mit einem Brother Stamp Creator SC 300PC selbst gemacht, siehe »Die Stempelfabrik auf dem Schreibtisch«. Die Schrift kam aus dem PC (»IBM compatible PC, 386SX or faster, running Windows 3.1, 3.11, or Windows 95«), siehe »Eine Schrift mit Tücken und Ligaturen«. Die Adresse ist, wie die Schrift, veraltet.

9. Dezember 2014

Gewaltmigration

Ich bin »Migrationshintergründiger«, möglicher Zusatz: »ohne eigene Migrationserfahrung«, geboren in Brünn. Mein Freund Lindenthal hatte mich auf die Kontroverse um Manfred Kittel aufmerksam gemacht, nachzulesen beispielsweise in der FAZ hier. Ich will aber nicht auf den Murks der »Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung« (SFVV) eingehen, die gerade unter dem dumm-beschönigenden Titel »Gewaltmigration erinnern« im oder mit dem »Deutschen Historischen Museum« eine »temporäre Ausstellung« gibt. Das Museum ist – sehe ich gerade – etwa dort in der Dorotheenstraße, wo ich mir als österreichischer Technikstudent in Westberlin für jede einzelne Fahrt durch die DDR ein Visum hatte holen müssen, unvergessen.
   Die Ausstellung stammt aus Griechenland. »Auf Bitten der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung wurde die Abteilung Deutschland/Polen des Projektes nicht in die Ausstellung Gewaltmigration erinnern im Deutschen Historischen Museum in Berlin aufgenommen«, schreiben die Griechen.Damit geht’s schon los …

Aus der Ausstellung, s. http://www.anemon.gr/films/film-detail/twice-stranger-doc
Ich melde mich mal mutig als »Vertriebener«, obwohl ich mich mein Lebtag lang nicht als solcher gefühlt habe; auch nicht als Waisenkind (den politisch korrekten Ausdruck dafür kenne ich nicht), obwohl mein Vater im Krieg gefallen ist. An den Zweiten Weltkrieg erinnert bald nur mehr der Holocaust (diese Bezeichnung kam um 1980 hier auf). Aber das ist schon polemisch gemeint. Die »Vertreibung« ist ganz vergessen, wie bald auch die DDR oder andere historische Ereignisse außer Fußballmeisterschaften, Mauerfälle und Schuldenkrisen.
   Persönlich sehe ich Ereignisse, die vor mehr als zwanzig Jahren passierten, rein als Geschichte an. Verantwortlichkeiten sollten höchstens als Ursachen oder Auslöser gesehen werden, keinesfalls aber moralisch oder als Wiedergutmachungsforderungen. Natürlich bin ich verantwortlich dafür, 1995 geschieden worden zu sein, tue mich aber selbst schon schwer, dieses so einschneidende Ereignis heute zu bewerten. Was sind dagegen aber weltpolitische Ereignisse, die »vor« meiner Zeit geschahen, für die selbst meine Ahnen bestenfalls demokratisch äußerst verdünnte Verantwortung trugen. Die Entschuldigungen heutiger Politiker für Geschehnisse von hundert Jahren, die obligaten Kranzlegungen mit ernster Miene sind unsinnige Rituale, die dem Blick in eine falsch verstandene Vergangenheit dienen. Als ob sich Renzi bei Franziskus wegen der Chistenverfolgungen entschuldigte. Noch unsinniger sind natürlich Schadensersatzforderungen an die Nachfahren.
Schöne Christenverfolgung. Henryk Siemiradzki: Neros lebende Fackeln.Wikipedia
Ich bin heute verantwortlich für Lampedusa – und kümmere mich doch nicht darum. Wie weniger sollte mich eine Schuld am Zweiten Weltkrieg oder am Holocaust tangieren!
   Ich bin also dafür, moralische Beurteilung dereinst dem Jüngsten Gericht zu überlassen. Ich werfe einem Tschechen (oder Russen) nicht vor, mich vertrieben zu haben, und verzeihen kann ich ihm schon gar nicht, deshalb.
   Persönlich hab’ ich’s immer versucht zu nehmen, wie es kam, und das Beste daraus zu machen. Nie war ich vorwärtsgerichtet »visionär« (was meine berufliche Laufbahn begrenzte), noch nie hatte ich rückblickend ein gutes Gedächtnis (was mich vor manchem Leid und Mitleid geschützt hat).  
   Für mich ist die herausragende Tugend des Christentums das Vergeben, die linke Wange zu reichen, wenn man auf die rechte geschlagen wurde (Mt 5,39). Nur so kann Frieden auf der Welt sein, Gerechtigkeit weniger, aber Friede.
 
Hier zum Film zur Ausstellung.
Beginn des »deutschen« Teils bei 3'17": http://vimeo.com/36076793#t=197 (1'7" von 6'39").

»Besuch bei einer frommen Frau« (Flucht aus Bessarabien)
Thema »Neusprech« (politische Korrektheit)

Link zu diesem Blog: http://blogabissl.blogspot.com/2014/12/gewaltmigration.html

5. Dezember 2014

Der Rabe

Rabe am Gedenkstein am Ort von
Edgar Allan Poes erster Beisetzung
in Baltimore, Maryland
Aus einem Foto von K. Richter
Wie kam ich drauf?
   »Er … schuf das wohl bekannteste Gedicht der USA: Edgar Allan Poe«, schreibt heute Ronald Gerste. Das Gedicht, ich kannte es nicht, ist The Raven, der Rabe. Mein ame­ri­ka­ni­scher Freund konnte den Anfang immer noch spontan auswendig! Wie li­te­ra­risch wertvoll das Gedicht ist, mögen andere über­legen, stammt es doch aus einer Zeit, in der Gebildeten Typologie gegenwärtig war. (Hier ausführlich über Typologie, im Deutschen nur kurz.)

Nun aber zum Raven. Der Anfang:

   Once upon a midnight dreary, while I pondered, weak and weary,
    Over many a quaint and curious volume of forgotten lore


The Raven ist schön zu hören (ich meine eher britisch als amerikanisch) und zu lesen; hier anhören und mitlesen! – Deutsche Übersetzungen werden hier vorgestellt, etwa:
   Mitternacht umgab mich schaurig, als ich einsam, trüb und traurig,
   Sinnend saß und las von mancher längstverklung’nen Mähr’ und Lehr’
Und weiter hier.
   Ob die Zeiten für Gedichte je wiederkommen? Das weiß der Rabe! Siehe Grabstein.

Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2014/12/der-rabe.html

1. Dezember 2014

Twenty Fourty-One

Eine Anspielung an George Orwells »1984«, einem bewussten Zahlendreher von 1948, wie wieder einmal die Wikipedia sauber berichtet. Heutzutage ist 2041 ebenfalls weit genug weg; George Orwell ist früh gestorben; sein 1984 hat er nicht erlebt.
   Jedenfalls wieder eine unverbindliche Utopie.
   Wie mag das 2041 sein? Ich stelle einmal stichwortartig ein paar Utopien auf, weitere sind willkommen.

• Der Staat wird das wirtschaftliche Leben, vor allem im Privaten, noch direkter steuern als heute. Ein Kommunismus Orwellscher Bauart ist und wird nicht kommen, dafür aber wird der Staat die gesamte Kontrolle über die persönlichen Einnahmen seiner Bürger haben: Alle Gehälter, Verkaufserlöse usw. werden direkt nach Brüssel fließen, von dort wird dann ein Teil aufs Bankkonto zur freien Verfügung überwiesen. Das dient der Verteilgerechtigkeit, ebenso einer Verwaltungsvereinfachung. Die Leute werden sich höchstens über die sechs Wochen Verwaltungsverzögerung ärgern.

Religion und Familie werden reine Privatsache sein. Der Staat wird allerdings Familien als kleine Solidargemeinschaften fördern. Dazu wird die Ehe freigegeben, nicht nur zu gleich­ge­schlecht­li­chen Partnerschaften wie bereits heute, sondern auch zu Vielfachehen und sogar zu promiskuitiven Lebensgemeinschaften. Warum sollten sich zwei verheiratete Lesben nicht einen gemeinsamen Ehemann ins Haus nehmen, der die finanzielle Situation der ehelichen Kleingruppe weiter stabilisiert (allerdings möglicherweise auf Kosten gemeinsamen Ehefriedens)? Scheidungen sind nach der üblichen Kündigungsfrist von Flatrates nach 24 Monaten jederzeit möglich.
   In den Kirchen wird – schon wegen der teils geringen Teilnehmerzahlen – Kooperation vorherrschen. So werden Messdienerinnen und -er zwischen Katholiken, Protestanten und Muslimen ausgetauscht werden.

• Privacy und das Recht auf Vergessenwerden werden einen hohen Rang erreicht haben. Nur auf der Gemeinde beim Passamt wird eine streng vertrauliche Liste aller Aliasse (»Nicknames«) geführt werden, die ebenfalls die früheren Namen, etwa den Geburtsnamen, enthalten. Das gültige Namensgesetz wird mindestens sechstellige Namen mit mindestens einer Ziffer und einem Sonderzeichen vorschreiben, die von einem amtlichen Zufallsgenerator erzeugt werden. Wunschnamen kosten extra. Sichtbare Fotos werden aus den Ausweisen verschwinden und nur mit amtlichen Lesegeräten holografisch auslesbar sein. Die Zahl mitzuführender amtlicher Ausweise wird sich von zwei (Personalausweis und Führerschein) auf ungefähr neun erhöht haben, um unterschiedliche Europa-, Staats-, Länder- und Gemeindeprivilegien noch besser zu veranschaulichen.

Rappen aus der Wikipedia
• Bargeld und UKW-Sender sind abgeschafft, Preise, die nicht auf volle Euros gerundet sind, ebenso, weil ein Euro nur mehr 0,3 Cent wert sein wird. Nur die Schweiz wird ihr Verbot von Ein- und Zweirappenstücken aufrechterhalten (seit 2007).
   Radio wird nur mehr digital übertragen, alle UKW-Radiogeräte wurden 2022 als staatliche Spende nach Afrika versandt. Auf UKW 100,0 MHz sendet frequenzmoduliert europaweit nur mehr ein Sender, der in allen 36 (heute 24) Amtssprachen wiederholt: »Hier finden keine Sendungen mehr statt!«.  Die Rundfunkgebühr (inzwischen ja bereits Rundfunkbeitrag genannt) wird allerdings erhalten bleiben.

• Die deutsche Sprache wird sich gewandelt haben. Der ch-Laut wird zugunsten des sch weggefallen. Alle werden dann isch sagen für ich usw. Geschrieben wird das dann als ish, wie in stylish.

• Der Betrieb von Leuchtmitteln (vulgo Glühbirnen) in Lampen mit Schirmen ist untersagt; dergleichen historische Geräte dürfen keinen Anschluss an ein Stromnetz haben. Die Stromrechnung wird zusammen mit der Steuer zentral eingezogen; es fällt also nicht weiter auf, dass die heute enthaltene Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzumlage und übrigens auch der Solidaritätszuschlag weiterhin bezahlt werden.

Adresse dieses Blogs: http://blogabissl.blogspot.com/2014/12/twenty-fourty-one.html