28. November 2014

Deep Links

»Tiefe Links«, Deep Links oder Deep Linking, sind eine schöne Sache.
   Das ganze Internet lebt von Links, seit sie Tim Berners-Lee am Cern übernommen hat. Es sind die Querverweise, die das ganze Netz erst zusammenhalten, die Suchmaschinen wie Google (»Krabbler«) möglich machen, und in maschinenlesbaren Texten ganz einfach Quellen aufzeigen lassen. Allerdings können sie flüchtig sein, wenn das Zieldokument nicht mehr online ist – etwa bei Zeitungsartikeln, die nur eine Zeitlang offen lesbar bleiben.
   »Tiefe« Links sind Links, die eine Website nicht nur oberflächlich ansprechen, sondern möglichst genau zum gewünschten Inhalt führen. ich zeig’s mal an einem Beispiel: https://de.wikipedia.org/ führt als »normaler« Link zwar zur Wikipedia, allerdings nur ganz »nach oben«. Um wirklich zu Inhalt zu kommen, muss der Besucher suchen. Möchte man ihn auf einen bestimmen Eintraf hinweisen, dann ist https://de.wikipedia.org/wiki/Surface_Links_und_Deep_Links schon besser. Probieren Sie’s: Sie kommen direkt zum Thema Deep Links. Noch »tiefer« gehen Links, die direkt zu einer Stelle in einer einzelnen Webseite (nicht -site, sondern -seite) führen, etwa https://en.wikipedia.org/wiki/Hyperlink#History
   Weblinks kopiert man sich aus der Adresszeile im Browser heraus. Allerdings nicht, wenn noch der halbe Google-Suchweg mit dranhängt, etwa bei https://www.google.com/search?q=wasserfall usw. Wenn Sie noch Google im Link sehen, ist er kein allgemeingültiger. Dann müssen Sie sich schon weiterklicken und erst am Ende den Link, hier https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c6/Russell_Falls_2.jpg/1024px-Russell_Falls_2.jpg, als tiefen Link angeben – immer noch lang genug.
   Lange Links lassen sich übrigens mit Linkkürzern wie bit.ly, goo.gl, tinyurl.com usw. verkürzen, mehr hier, hier eine Liste. Dabei bleibt allerdings die »Lesbarkeit« auf der Strecke, sodass ihr Öffnen nicht immer ohne Risiko ist. Siehe auch lange Links in Outlook.

Nun aber zu allerlei Tricks, tiefe Links zu finden.
• Oft kommt man mit einem Rechtsklick auf einen Webinhalt – etwa ein Bild – über »Eigenschaften« zur eigentlichen Adresse.
• Manchmal hat der Autor Einsprungpunkte auf der Seite vorgesehen, die dann am Ende des Links mit einem #Namen zu erreichen sind, Beispiel https://en.wikipedia.org/wiki/Hyperlink#History. In dem Fall hab’ ich das History herausgefunden, indem ich oben im Inhaltsverzeichnis angeklickt habe.
   Sonst markiere man sich die Stelle, an die man zielen möchte, etwa den Absatzbeginn, und etwas Text davor und danach, und sehe sich den HTML-Kode an (im Firefox rechte Maus und »Auswahl-Quelltext anzeigen«. Dann guckt man nach einem Hinweis, im obigen Beispiel findet sich dort z. B. < … id="History"&gt;, und schon hat man einen Einstiegpunkt; häufig auch mit <name="Thema"&gt;Thema <\a&gt; zu finden. Ich wünschte mir, dass Autoren mehr Einstiegpunkte vorsähen. Der schließende -Tag gehört übrigens formal dazu, obwohl ihn viel weglassen. Ich mache gelegentlich sogar in Blogs Einstiegspunkte; passen Sie auf, etwa hier: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/deep-links.html#Einsprungpunkte.
• Bei PDF-Dokumenten kann jede Seite direkt angesteuert werden. Dann steht hinter dem .pdf noch #page=Seitenzahl, also z. B. ….pdf#page=14. Die Seitennummer bezieht sich nicht auf das Originaldukument, sondern auf die Seitennummer des PDF-Dokuments, aufpassen!
Youtube-Videos lassen sich sekundengenau ansteuern. Man stoppt das Video an der angestrebten Stelle, …



… klickt dann unten auf »Teilen«, sieht dann etwa http://youtu.be/ftDXbIDfce8 als Link zum Video. Wenn man jetzt noch weiter rechts z. B. »Start um 14:06« aktiviert, so wird an den Link ?t=14m6s angehängt, was man freilich auch von Hand machen kann. Jedenfalls kommt man mit http://youtu.be/ftDXbIDfce8?t=14m6s direkt zur Szene mit den sechs Bleistiftspitzern.
- Lassen Sie wissen, wenn Sie noch weiter Tricks finden!

Link zu diesem Blog: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/deep-links.html

Lange Links in Outlook: http://blogabissl.blogspot.com/2014/02/Outlook-Hyperlinks.html

Völkerrecht

Gescannt von Google
»Naturrecht« hat zuletzt Papst Benedikt gefordert, 2011 in seiner Rede vor dem Bundetag. Irdische Institutionen, die nicht an einen Gott (oder die Natur) glauben, der uns sagt, was richtig und was falsch ist, die haben es nämlich schwer mit Rechthaben. Sie müssen selbst Recht setzen, erzeugen.
   In Demokratien gibt es außerdem eine Gewaltenteilung: Die Legislative, die die Gesetze macht, die Jurisdiktion, die sie Fall für Fall auslegt, und die Exekutive, die versucht, Gesetzesverstöße erst gar nicht passieren zu lassen.
   Und wie ist das mit dem »Völkerrecht«? Das setzt die UN. So präzisiert die Wikipedia, hier: »Die Charta der UNO gibt dem Sicherheitsrat die Möglichkeit, gegen ein als ›Bedrohung des Weltfriedens‹ qualifiziertes Verhalten eines Staates zuletzt auch militärische Sanktionen zu verhängen.«
   Ab dann ist es völkerrrechtlich zulässig, in einen Konflikt von außen gewaltsam einzugreifen. Vorher nicht. »Hierzu sind gewohnheitsrechtlich keine direkt dem Sicherheitsrat unterstellten Truppen erforderlich, vielmehr werden Staaten zur Gewaltanwendung ermächtigt.«
   Die Wikipedia bringt auch gleich den Pferdefuß des Verfahrens – das aus altmodisch-naturrechtlicher Sicht, oder sagen wir einfach ›moralisch‹, ohnehin ein Witz ist –: »Insbesondere durch das Vetorecht der ständigen Mitglieder oder politisch prekäre Konstellationen ist der Sicherheitsrat jedoch oftmals beschlussunfähig.«
   Eine Gewaltenteilung gibt es in der UNO übrigens auch nicht, und das ganze Verfahren ist zwar höchst politisch, demokratisch ist es nicht.
   Resultat: Forderungen nach einem deutschen Eingreifen im Ausland bei gleichzeitigem Festhalten am »Völkerrecht« sind vollmundige Heuchelei. Ein »Souverän« kann seine Verantwortung nicht in Brüssel oder in New York abgeben, er muss schon selbst sagen: Ich will das nicht.

Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/volkerrecht.html

22. November 2014

Deflation

Edward Yardeni
»Die Hauptquelle der Deflation innerhalb der Konsumentenpreise sind laut Yardeni seit 13 Jahren die sinkenden Preise für langlebige Güter (u. a. Computer, Handys, Kühlschränke, Möbel, Autos usw.). Diese sind im Euro-Raum seit dem Eintritt Chinas in die Welthandelsorganisation im Jahr 2001 um 2 % gesunken, in den USA um 12 %, in Großbritannien um 13 %, in der Schweiz um 21 % (seit 2005) und in Japan sogar um satte 44 %«, schreibt Michael Rasch, »Leiter Börsen und Märkte«, in der Neuen Zürcher Zeitung vom 22. November 2014 (intern. Ausgabe) und fragt: »Wirkt ultralockere Geldpolotik deflationär statt inflationär?«, hier der ganze Artikel.
   Edward Yardeni ist ein unabhängiger amerikanischer Berater, hier sein Blog, oben ein Bild von ihm, hier mehr über ihn.
   Ob er recht hat – wird man so bald nicht wissen. Gründe sind Meinungssache.
Siehe auch Geldmenge und Inflation – ein früher Versuch von mir, wo ich die ausgebliebene Inflation generell über das nicht knapper werdende Wareangebot erkläre. Wir haben genug, auch in den Geschäften – warum sollten wir mehr dafür zahlen?
   Dazu kommen neuerdings verringerte Energiekosten. So schreibt, wiederum Michael Rasch in einem Leitartikel vom 21. November (int. Ausgabe), über den »Zerfall der Erdölpreise als Treibstoff für die Weltwirtschaft« – seit dem Jahreshoch im Juni um »rund 30 %« – und nennt als Faustformel: Ein Preisverfall beim Erdöl um 10 % treibt die Weltwirtschaft um etwa 0,2 Prozentpunkte nach oben.
   Persönlich habe ich nichts gegen sinkende Preise. Technischer Fortschritt müsste dazu führen, allerdings erwarten sich davon alle hauptsächlich steigende Löhne und weniger Arbeitszeit. Ich meine, wir alle wären (sind?) mit einem stabilen Geldwert besser bedient, als mit stets steigenden Zahlen und verrinnenden Ersparnissen.

Dieser Post: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/deflation.html

21. November 2014

Bomben

Bonn,Friedirchstr. 12
Grausamkeiten haben Konjunktur, dafür sorgt der IS. Da rollen die Köpfe auf Youtube! Wir aber sind zivilisiert. Gas und Landminen haben wir schon längst geächtet, nur Schurken setzen sie ein. Also.
   Ich muss an Bomben denken. Die hält unsere Zivilisation für ein probates Mittel, aus der Ferne, beinahe gefahrlos, in einen Konflikt einzugreifen. Wenn wir die IS bombardieren, dann ist das – angesichts ihres Terrors – doch ok. Oder sieht das wer anders?
   Beiläufig erwähnte ich heute einer aus Bosnien stammenden Frau gegenüber, dass Häuser aus Ziegeln ganz leicht »rückzubauen« sind. Notfalls kann man die alten Ziegel für den Wiederaufbau verwenden. Nicht so mit Betonbauten. Sogar nach Bombardierungen …
   Und dann erzälte sie mir, wie sich ihr Bruder mit seiner Frau zum Kaffee vors Haus gesetzt hatte, aus Angst vor Bomben, auf dass sie nicht verschüttet würden unter dem Schutt, falls doch eine einschlüge. Und es schlug eine ein, und die beiden waren tot, und sie wurden begraben, obwohl ihr Bruder keinen Kopf mehr hatte. Selbst die schwere Badewanne war meterweit weggeflogen und hing in einem Baum. Wochen später fand man den Kopf ihres Bruders weit draußen auf dem Feld.
   Was sind wir doch selbstgefällig in unseren eingefahrenen Urteilen.

Link zu diesem Blog:  http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/bomben.html

This is going to be the biggest thing since the Graf Zeppelin

… says Sugar ›Kane‹ Kowalczyk (Marilyn Monroe) in Billy Wilder’s Some Like it Hot, 1959:


Die Szene spielt im Schlafwagen Chicago—Miami. Partner ist Tony Curtis. Sugar vertraut ihm gerade an, wie sie sich immer wieder in Tenorsaxophonisten verliebt und dann jedesmal wieder meint: »This is to be the biggest thing since the Graf Zeppelin!«. (Video vorspulen bis 1:19, hier.)

          SUGAR
    (hacking the ice viciously)
You don't know what they're like.
You fall for them and you love 'em -
you think it's going to be the
biggest thing since the Graf
Zeppelin - and the next thing you
know they're borrowing money from
you and spending it on other dames
and betting on the horses -


          JOE
You don't say?


          SUGAR
Then one morning you wake up and
the saxophone is gone and the guy
is gone, and all that's left behind
is a pair of old socks and a tube
of toothpaste, all squeezed out.

                                          (Quelle: Drehbuch Seite 60)
 
Die Graf Zeppelin (LZ 127) war übrigens nicht das Luftschiff (LZ 129 Hindenburg), das am 6. Mai 1937 in Lakehurst verbrannte. Sie wurde 1940 in Frankurt verschrottet.
   In diesem Zusammenhang empfehle ich besonders, die Lebensgeschichte Billy Wilders zu lesen.

Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/this-is-going-to-be-biggest-thing-since.html

20. November 2014

Der Charme früher Mickymäuse

Bei uns ums Eck gab’s in der Grabbelkiste des Comics-Ladens alte Mickymäuse, aus den frühen Achtzigerjahren, für fünfzig Cent, ursprünglich knapp zwei Mark (»1,90 DM«). Der Charme der einfachen Geschichten nimmt einen gleich gefangen, noch weit weg vom Super-Goof oder den wilden Storys heutiger Zeiten, die durch Extremgehabe auffallen wollen*).
   Dass die alten Geschichten noch aus Amerika stammen, die neueren parallel dazu und dann ganz aus Italien, hat damit nichts zu tun. ’s ist halt der Trend der Zeit – und das Fehlen von Frau Dr. Erika Fuchs, der Chefredakteurin der deutschen Hefte damals. »Chefredakteur: Dr. Erika Fuchs« hieß das im Impressum, auch zeitgemäß genderismusfrei.
   Statt aber nur weiter zu schwärmen, hier ein ganz neues, professionelles Fünfminutenvideo zum Thema:


Ich hoffe, das nette Video verschwindet hier nicht wieder. Entgegen dem Aberglauben, was einmal im Netz sei, sei immer im Netz, verkrümeln sich Texte und Bilder immer wieder, und ich habe als braver Nichtraubkopierer dann keine Kopie mehr … Aber das ist eine andere Geschichte,
diese hier erreichen Sie direkt unter:
http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/der-charme-fruher-mickymause.html
Bitte weitergeben.

Weitere Links
»Entenhausen ist überall«, über Carl Barks, 40 min:
https://www.youtube.com/watch?v=o0dkc2gZQN0
Fred the Frog (aus meinem alten Englischbuch)
Ohne Ende Donal-Duck-Videos (alle amerikansich, aber Achtung – verführerisch!)
*) Arielle die Meerjungfrau, 2014
Knatterton – Ich muss aufhören!

15. November 2014

Duschabtrennung dichten

Auf der Badewanne haben wir eine Duschabtrennung, damit man in der Wanne duschen kann ohne Badezimmerüberschwemmung. Andere haben vielleicht einen Duschvorhang, oder statt der Wanne oder daneben eine Duschkabine. Wir haben uns nachträglich eine dreiteilige, durchsichtige, klappbare Trennwand einbauen lassen (obwohl man das auch gut selbst kann).
   Nun ist der obere Rand der Wanne nicht ganz gerade, was man erst nicht sieht. Die Gummilippendichtung unten an der Duschwand lässt deshalb immer reichlich Wasser durch. Einen Putzlumpen oder einen Waschlappen vorlegen, das ist nicht recht elegant.
Badewanne mit Silikon-aufgeklebter Leiste, Silikon
   Zunächst habe ich mir neue Gummi­dich­tun­gen kommen lassen, von Gabi Kon­rad-Sachs hier, Artikel 1296/2 »Wasser­ab­lauf­profil« für 4-5 mm Glas, 1 Meter, 2 Stück (was zuviel war) zu € 19,80 plus Versand in Pappröhre brutto € 26,70. Ist eher teuer, gibt’s im Baumarkt oder sonst­wo vielleicht billiger. Danach sahen die Duschränder auch wieder schön aus, das Wasser aber ist immer noch zwischen­durch­ge­rannt bezw. -ronnen.
   Dann bin ich in den Baumarkt gegangen und habe mit ein Stück L-förmige Plas­tik­leiste als »Wall« gegen das Wasser gekauft, für ganz billig Geld. Davon habe ich dann 70 cm abgeschnitten, an einem Ende etwas ab­ge­schrägt, damit man sich beim Hinsetzen auf den restlichen Wannen­rand nicht verletzen kann, und die Leiste dann mit Silikon festgeklebt.
   Das sieht so aus wie hier im Bild. Die neue Dichtung ist die saubere rechts, links sind noch alte drin, Verzeihung.
   Das halbflüssige, weiße Silikon soll schimmelabweisend sein – wir werden sehen. Es lässt sich gut verarbeiten, mit einem Messer oder einem Spachtel glattstreichen. Macht man seinen Finger nass – möglichst mit Pril-Wasser – dann geht es auch damit. Silikon härtet erst langsam ab, Zeit genug zum Verbsäubern. Nach einer Nacht ist alles fest. 
   Und die Sache hält jetzt dicht. Die dreiteilige Duschwand lässt sich nach wie vor nach innen schwenken. (Nach außen war das eh nie gegangen, wozu auch?) Am hintersten, hier nicht zu se­hen­den dritten Stück, rechts, habe ich die Dichtung ganz weggemacht. Dann lassen sich die Trop­fen noch leichter wegwischen.
   Übrigens sind Klebeversuche mit Alleskleber, mit Doppelklebeband oder mit Heißkleber nach wenigen Tagen immer kläglich gescheitert.

Link zu diesem Tipp: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/duschabtrennung-dichten.html

14. November 2014

Warum hat die Natur das Rad nicht erfunden?

Altes Spielzeugpferd mit Rädern
Das hab’ ich mich immer schon gefragt.
   Warum fährt die Natur nicht Rad?
   Ich meine natürlich nicht das Rad, das der Mensch schon vor sechstausend Jahren erfunden hat, ich meine ein körperliches, biologisches, angewachsenes Rad statt einer oder mehreren Gliedmaßen. Mit seinen vier Beinen muss das Pferd mühsam rennen, wo es doch auf drei Rädern mühelos rollen könnte, schneller, leichter, besonders natürlich bergab.
   Die Natur ist doch sonst so erfinderisch, optimiert mit Darwin alles und jedes in einer phantastischen Vielfalt. Warum hat sie an das Rad nicht »gedacht«?
   Überlegen Sie selbst – dann lesen Sie weiter.
   Technisch gesagt: Es fehlen die Schleifkontakte. Wie sollte denn das Blut in ein langezeit rotierenden, und damit topologisch notwendigerweise separaten Teil des Körpers kommen können? Die Nerven? Und weiteres Lebensnotwendiges?
   Gleichstrommotoren brauchen Schleifkontakte (»Bürsten«, »Kohlebürsten« oder nur kurz »Kohlen«), damit der Strom in den Rotor kommt. Man kennt das vom Anlasser im Auto. Wie sollte das in einem Lebewesen gehen, das Energie nicht über elektrischen Strom sondern mit Flüssigkeiten – Blut – überträgt? Da müsste schon das ganze Lebewesen in einer Nährflüssigkeit leben – und dann gibt’s das auch, das biologische Rad! So erwähnt die Zeit in einem Artikel zu diesem Thema »prokaryotische« Bakterien, von denen es auf der Erde vier bis sechs »Trentillionen« (1030) geben müsste, und alle irgendwie in Flüssigkeit. Aber selbst die haben keine Räder dran, sie drehen sich als Ganze,wie Bodenläufer über Amerikas Steppen und Gürteltiere oder Salamander. Außerdem sind Prokaryoten hächstens sieben Zehntel Millimeter groß.
Bewegung des Amboss’ im Modell.
Links, grün, der Hammer, der die
Bewegung des Trommelfells abnimmt.
Rechts käme dann der Steigbügel.
Ihrle und Lauxmann, Uni Stuttgart,
Institut für technische und numerische Mechanik

   Ein paar lose Knochen gibt es allerdings selbst beim Menschen: sechs Gehörknöchelchen, drei in jedem Ohr. Obwohl in der Luft des Mittelohres laufend, sie sind immer von ein wenig synovialer Flüssigkeit umgeben, ich war jüngst hier darauf gekommen. Außerdem drehen sie sich nicht wie ein Rad einfach um einen Dreh- und Angelpunkt, sondern bewegen sich zugleich mit der Drehung ein wenig hin und her, damit die Reibung nicht nur an einer Stelle ansetzt. Die Knöchelchen brauchen aber nur wenig von dieser »Gelenkschmiere«, nur ein bisschen Nahrung, damit sie ein wenig nachwachsen können. Ein ganzes großes Körperteil ließe sich so nicht versorgen.
   Siehe auch http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/impedanz.html

Link zu diesem Blog: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/warum-hat-die-natur-das-rad-nicht.html

12. November 2014

Telegraphendrähte

Wie lang hab’ ich das nicht mehr gesehen:
   Telegraphenleitungen, Striche, die sich heben und senken, heben und senken, heben und senken, unscharf, zu rasch, zu nah, als dass das Auge sie fest­machen könnte. Sanft gleitend durch ihre Wellen­­täler und dann immer rascher wieder hinauf­stei­gend zu den Masten, zu ihren Iso­la­to­ren. Nach dem be­schleu­nigten Auf­takt, wie um­ge­polt von einem un­hör­baren Schal­ter, jäh wieder herab­sinkend zur nächsten ruhigen Tal­durch­querung. Meeres­wellen, die einer zeichnet mit Spitzen oben und sanften Wellen­tälern unten, nur halt lang­­lauf­­end auf festen Drähten, im Winter mit weißem Reif, un­end­lich neben der Eisen­bahn her den Himmel durch­schnei­dend von Sta­tion zu Sta­tion.
   Mathe­ma­tisch: flache Pa­ra­beln, und wieder eine, und wieder eine, und wieder eine … tonlos, draußen.
   Akustisch gab’s dazu im Zug das Klickediklack der Schienenstöße, über die jeweils zwei Drehgestelle mit ihren hintereinander vier Rädern rollten, unterschiedlich im Ton, ob es nun die vordersten oder die hin­ter­sten dieser vier waren? Rhythmus, »Beat«, Musik in meiner Erinnerung. (Earplugs gab’s noch nicht.) Akustik der Schienenstöße, mehr als hundert Jahre lang war’s zu hören gewesen und ist’s in fernen Ländern wohl noch immer. In meiner Jugend.
   Nach Bahnreisen hörte ich die Schienen noch langezeit weiter, akustisch eingeprägt, ein­drin­gend in meinen Schlaf wie ein bisschen Tinnitus. Optisch hingen weiter die hin und her wandernden Striche vor dem Fenster, die manchen schwindlig machten, zusammen mit dem leichten Heben und Senken der Waggons, der Sitzbank, bis zur Reisekrankheit; im Zug und zu schwankenden Träumen nachher im weichen Bett eines Hotelzimmers, am Ende der Reise. Richtig angekommen war man dann am Tag danach.
   Hergé brachte mir’s in den Sinn im vierten Bild von »Tintin [Tim und Struppi] im Land der Sowjets«, das ich hier zitiere, 1929 entstanden, sein erstes, noch recht schwaches Werk. Da war Hergé zweiundzwanzig.

Link zu diesem Eintrag: http://blogabissl.blogspot.de/2014/11/telegraphendrahte.html
Gern gelesen: http://www.Joern.De/Indolinie.htm

Was ich noch suche: Eine gute Tonaufnahme aus dem Inneren eines Zuges über nicht-geschweißte Schienen mit normaler Elektrolokomotive.
   Hier »nur« ein amerikanischer Sound mit Dampflok, dafür aber endlos.

Was ich auch noch suche: Wie waren die Telegraphenleitungen »verschränkt«, um Nebensprechen möglichst zu verhindern? Ich hatte das mal im Internet gesehen und wieder verloren.
http://www.zeno.org/Lueger-1904/K/lueger-1904-081-0459
http://der-fernmelder.de/info/drehkreuzachse/
http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,5749432
http://www.annsgarden.com/poles/poles.htm#una

Noch zu Tim und Struppi in Russland. Eine sehr unvollständige, schlecht gescannte Textwiedergabe findet sich auf https://archive.org/stream/TheAdventuresOfTintin/Herg__-_Tintin__01_-_In_the_Land_of_the_Soviets_djvu.txt 
Hier bis zur Szene in der Einsenbahn:
THE ADVENTURES OF 

TINTIN 

REPORTER FOR IE PETIT VINGTlEME. 

IN THE LAND OF 
THE SOVIETS 

darkseid collection 

please respect the author's copyright and purchase a legal copy of this book 

LES EDITIONS DU PETIT VINGTIEME 

11, Boulevard Bischoffsheim, Bruxelles 

FOREWORD 

This first adventure of Tintin, the boy reporter, appeared in 1 929 in a children's 
supplement to a Belgian daily newspaper. Le Vingtieme Siecle. Herge. Georges 
Remi, then twenty-two years old, was employed on the staff as an artist. He had 
received no formal art training, but was already showing the originality and wit 
that would make him a unique figure in the world of the strip cartoon. 

Herge's satire on the Soviet state was very much of its time. He himself had 
not been to Russia, but had read a book published the year before. Moscou sans 
voiles: Neuf ans de travail au pays des Soviets by Joseph Douillet. a former 
Belgian consul in Rostov-on-Don. Soviet propaganda to persuade the world 
outside Russia that the economy was booming was a particular target for Herge. 
as were the activities of the secret police, the OGPU. Incidentally, he errs on one 
occasion in the story when he calls them the Cheka, their name before 1922. 

Publication in Le Petit Vingtieme began on 10 January 1929. In 1930 the 
adventure was issued in album form, now a very rare book greatly sought after, 
the 500 copies being numbered and signed "Tintin et Milou". There were, it is 
believed, nine subsequent editions, differing only in the layout of the print on the 
title page. With the exception of a reissue in 1969 for the personal use of the 
author, again limited to 500 copies, and some pirated editions, more than forty 
years elapsed before this adventure was again published, in the first volume of 
the Archives Herge. This volume (in which the original versions of Tintin au 
Congo and Tintin en Amerique also appear) includes a page which originally 
appeared in Le Petit Vingtieme No. 60. omitted for no apparent reason from the 
first edition in album form. It is reproduced here as page 97A. 

L. L -C. M. T. 

Translated by Leslie Lonsdale-Cooper and Michael Turner 

o Tintin reporter du -Petit Vingliomo- au pays dos So 

Ait C 1981 by Casiorman, Tournal 
Library o' Congress Catalogue card r\- Tx 883*745 
D '989 by Sundarxer. 34. Floral Street. London WC2E 9JD 
British Library calalogmng m publication data 
First published m Great Brttam in 1989 
under International. Pan-Amencan and Universal Copyright 
s without the publisher's »• 

AT "LE PETIT XX 6 " WE ARE 
ALWAYS EAGER TO SATISFY OUR 
READERS AMP KEEP THEM UP 
TO PATE ON FOREIGN) AFFAIRS- 
WE HAVE THEREFORE SENT 

TIWTIN 

ONE OF OUR TOP REPORTER'S, 
TO SOVIET RUSSIA. EACH WEEK 
WE SHALL BE BRINGING YOU 
MEWS OF HIS MANY ADVEN- 
TURES. 

N.B. THE EDITOR OF " LE PETIT 
XX E " GUARANTEES THAT ALL 
PHOTOGRAPHS ARE ABSOLUTELY 
AUTHENTIC , TAKEN 3T TINTIN 
HIMSELF, AIDED &Y HIS FAITH- 
FUL VOG SNOWY/ 

…

I'VE BEEN 
TOLD 
THEY 
HAVE 
FLEAS 
THERE .' 

… usw.



9. November 2014

Impedanz

Im Mittelohr hinter dem Trommelfell:
1. Hammer (grün), 2. Amboss (rot), 3. Steigbügel (blau)
Der (hellbraune) »Stöpsel« im Vordergrund,
das anteriore malleolare Band,
hält die Achse von Amboss und Steigbügel.
© Lauxmann, Uni Stuttgart
Ausschnitt mit freundlicher Genehmigung
Unlängst schrieb ich über Coch­lea­im­plan­ta­te als Hörgeräte. Da kam ich auf die Gehörknöchelchen, die kleinsten Knochen des Menschen, im Modell links grün, rot und blau*).
   Sie passen die Impedanz am »Ausgang« des Trommelfells an das ovale Fenster (»Vorhofmembran«) am Eingang der Cochlea, der Ge­hör­schnecke, an. Und das kommt daher: Luft, überhaupt Gas, ist leicht komprimierbar. Schall­­wellen laufen leicht und locker durch die Luft, das heißt die Ausschläge (Am­pli­tu­den) der Schall­schwin­gun­gen sind groß. Dafür ist die Kraft der Schwingung schwach, außer das Geräusch ist eine Explosion. In der Cochlea dagegen soll Körperflüssigkeit den Schall weiterleiten (Perilymphe), schon damit er in der engen Röhre weit kommt (und wir nicht nur hohe Töne hören). Das braucht Kraft, aber wenig Bewegung. Die Übersetzung macht das Hebelwerk der Gehörknöchelchen. Die Wikipedia sagt das hier so: »Hierzu sind die Gehörknöchelchen als Hebelsystem ausgelegt, die niedrige Kräfte und hohe Auslenkungen (= niedrige Impedanz) am Trommelfell in hohe Kräfte und niedrige Auslenkungen (= hohe Impedanz) an der Vorhofmembran umsetzen.« Mehr dazu hier.

Das hat mich auf die Impedanz gebracht. Man kennt sie praktisch nur von der Anpassung von Lautsprechern an den Verstärker, ans Radio. Typische Lautsprecher haben eine Impedanz von 4 oder 8 Watt. Früher gab es »hochohmige« Kopfhörer mit ein paar tausend Ohm Wellenwiderstand. Wikipedia definiert Impedanz unter anderem so: »Die Impedanz (lat. impedire ›hemmen‹, ›hin­dern‹) … gibt das Verhältnis von elektrischer Spannung … zu aufgenommenem Strom an«. Richtig, man hat’s so gelernt:
                                                U                                                                       V
                                       R = —               ( und in Maßeinheiten:  Ω = — )
                                                 I                                                                        A
Impedanz hat aber, wie wir im Ohr gesehen haben, eine viel weitere Bedeutung.
   Ohne »Impedanz«, genauer »Anpassung der Impedanz« oder nur »Anpassung«, geht nichts im Leben.
   Das fängt an bei Resonanz: Schwänge der Geigenkasten nicht mit, klänge die Geige dünn.
   »Ein Schlag ins Wasser« verursacht hauptsächlich Schallwellen, es klatscht; das Wasser aber schert sich wenig darum. Um ordentlich Wellen zu machen, braucht man ein Paddel.
   Menschliche Nerven lassen sich durch Strom reizen, es muss aber der »richtige« sein. So arbeiten »Tens«-Geräte zur Muskelstimulation im Bereich von einem bis hundert Hertz, weit weg von Hoch­fre­quenz (Mega­hertz) à la Handy. Wärmende Diathermie nutzt zwar Hochfrequenz, aber nicht wie ein Handy nur Bruchteile eines Watts sondern »bis zu mehreren hundert«.
   Dünne Fahrradreifen drehen durch in Sand und Matsch, Breitreifen nicht: »Nie mehr schieben mit fetten Reifen
   Neutrinos flitzen ungebremst durch die ganze dicke Weltkugel, weil sie nur schwach »wech­sel­wir­ken«. Ozon dagegen blockt UV-Strahlung.
   Mit nassem Finger verbrennt man sich an der heißen Herdplatte zunächst nicht.
   Etcetera.
   Überdehnt lässt sich sagen: Wer nicht hört (weil er Musikstöpsel im Ohr hat und den Player laut aufgedreht), muss fühlen. Wer nicht süddeutsch kann, wird auf »Obacht« nicht reagieren. Ich kann kein Chinesisch.

Zurück zur Physik. Meine These:  
   Man sehe sich in erster Linie die Energie an, um die es gehen kann, 
und dann, ob sie überhaupt wirksam werden kann: die Impedanz.

Link zu diesem Blog: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/impedanz.html

*) PS. Eine ganz phantastische Geschichte zu den Gehörknöchelchen. 
   Ich hatte mich als Ingenieur gefragt, wie die denn geschmiert werden – in der Luft des Mittelohrs? Die bewegen sich doch, sagen wir bei einem Tausend-Hertz-Ton, tausendmal in der Sekunde hin un her! Dazu schreibt mir nun Herr Lauxmann:
   »Die Gelenkschmiere ist eine synoviale Flüssigkeit, welche die Knochen am Leben erhält. Sie hat viskoelastische Eigenschaften, und die Relativbewegung der Knöchelchen selbst ist notwendig, dass die Knöchelchen und auch die Gelenke aus der synovialen Flüssigkeit heraus mit Nährstoffen versorgt werden. Die Dokotorarbeit von Sebastian Ihrle geht über das Gelenk zwischen Hammer und Amboss
   Mehr zu diesem Gelenkschmalz hier und besonders hier (englisch). Weitere Gedanken dazu. 

4. November 2014

Rechtschreibreform – letzte Aufführung

Aus der Wikipedia. Man beachte die ſſ- und ff-Ligaturen.
Gute alte Freunde reagierten mir jüngst wieder auf die neue deutsche Recht­schrei­bung. Die ist lange nicht mehr neu. Sie müsste inzwischen »gegessen« sein, meine ich.
   Sieht man sich die Rechtschreibreform »von 1996« in der Wikipedia an, zur Erinnerung, so findet man den Stand des Streits in den Neunziger- und Nullerjahren. Sogar alte Meinungsumfragen bis hinunter in die Historie im Jahr 1996 werden da zitiert, und das ist gewiss nicht mehr aktuell.
   Da ist die amerikanisch-englische Wikipedia schon vernünftiger. Auch sie ist von deutschen Rechtschreibreformgegnern leicht unterwandert, bemüht sich aber, nicht Meinungen sondern Fakten zu geben. Lesenswert! Vor allem stach mir ins Auge:
   »The so-called s rule makes up over 90% of the words changed by the reform. Since a trailing -ss does not occur in the traditional orthography (being replaced by ›ß‹) the -ss at the end of words like dass and muss is now the only quick and sure sign (unless the text is of Swiss origin) to indicate that the reformed spelling has been used (at least partly). All other changes are encountered less frequently and not in every text.«
   Will sagen: Mehr als das dass, das das daß ersetzt, fällt einem da nicht auf.
   Meine Erfahrung ist das auch. Man braucht eigentlich nur die inkonsequente »adelungsche s-Schreibung« der alten Rechtschreibung zu meiden, naß also nass sein lassen, und Nuß zur Nuss werden (aber ja nicht Ruß zu ändern). Schon schreibt man »neu«. Das internationalistische Packet für Paket wurde nicht zur Regel, mit dem Stopp und Tipps mit zwei p haben sich alle an­ge­freun­det, und ob man nun Gemse schreibt oder Gämse, ob zurecht, zu recht oder zu Recht ist ziemlich egal und fällt beim Lesen wenig auf. So richtig rechtschreiben (oder Rechtschreiben?) können die wenigsten, und die werden laufend weniger.
   Wir hatten ja jahrelang den akademischen Streit, ob man nun Alptraum oder Albtraum schreibt, lange vor der Reform. An die am meisten kritisierte Getrenntschreibung hält sich keiner, oder nur Leute mit Grammatik korrigierenden (grammatikkorrigierenden, Grammatik-korrigierenden) Textverarbeitungssystemen, und die oft falsch. Bei der neuen »Beliebigschreibung« fällt das weiter nicht auf.
   Besonders ärgerlich – für mich – sind Falschschreibungen etwa von daß beziehungsweise dass, weil das das Lesen deutlich erschwert, und das Einreißen der in allen deutschen Recht­schreib­grund­sätzen unzulässigen Binnenmajuskel à la ChristInnen. Ich halte schon den / in Fließtexten für falsch, weil man ihn nicht lesen kann, und schreibe und oder tippe lieber ohne. Liest sich viel besser. Die modischen Exotisierungen wie Zircus, sogar Circus für Zirkus, Cigarette mit »Zeh« usw. mag ich auch nicht, obwohl ich nicht von einer Kochlea schreibe sondern angepasst von der Cochlea.  Der Duden versucht tapfer E-Mail hochzuhalten:
   »E-Mail ist ein Substantiv und wird deshalb – wie alle Substantive – mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben. Mail ist auch ein Substantiv (innerhalb einer Zusammensetzung mit Bindestrich) und wird deshalb ebenfalls großgeschrieben. E und Mail werden mit Bindestrich verbunden, da Einzelbuchstaben generell mit Bindestrich »angekoppelt« werden: T-Shirt, U-Bahn
   Ich sag’ halt nur: »E-Mail wie H-Milch!«
   Die Zeitungen und Verlage schreiben inzwischen alle »neu«, fertig.
   Die Rechtschreibreform ist für mich gelaufen, sowohl die von 1901 (Thal wieder zu Tal und dass zu daß) als auch die von 1996 (daß wieder zu dass). Ende.

Links:
• Julius Wolff 1876: »An meiner Thüre du blühender Zweig … «
• Wolf Schneider 2007: »Die neue Rechtschreibung ist idiotisch.«Wolf Schneider: Ich schreibe in einem Punkt nach den neuen Regeln: Statt des scharfen S im Wort Schloss schreibe ich es mit Doppel-s. (Gut, wie Schneider vom scharfen großen S scheibt, denn das S ist ein Hauptwort. Ich erlaube mir allerdings statt dem vorzuiehen; wäre auch lt. Duden hier richtiger, »weil der Genitiv nicht zu erkennen ist.« So ein Schmarren. fj)
• »Das wär’ mir eine rechte Rechtschreibreform!«
• Generell sind Rechtschreibreformen  nicht populär. Ein Blick nach England: »Spelling reform has rarely attracted widespread public support, sometimes due to organized resistance and sometimes due to lack of interest. There are a number of linguistic arguments against reform; for example that the origins of words may be obscured. There are also many obstacles to reform: this includes the effort and money that may be needed to implement a wholesale change, the lack of an English language authority or regulator, and the challenge of getting people to accept spellings to which they are unaccustomed.« Und: »In 2013, University of Oxford Professor of English Simon Horobin proposed that variety in spelling be acceptable. For example, he believes that it doesn't matter whether words such as ›accommodate‹ and ›tomorrow‹ are spelled with double letters.«

Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/rechtschreibreform-letzte-auffuhrung.html

Passend zum Thema lese ich einen Artikel im druckfrischen Sprachdienst 5-6/14 der Gesellschaft für deutsche Sprache von Frau Dr. Sabine Krome, der Chefredakteurin des Wahrig. Sie geht auf die Entwicklungen nach der »Neuregelung des Rechtschreibrats 2006« ein, bei der der »tat­säch­li­che Sprachgebrauch, sowie auch semantische Aspekte« stärker berücksichtigt worden waren. Damals fiel viel von der stürmisch (und meines Erachtens zurecht) kritisierten neuen Ge­trennt­schrei­bung, ohne, dass wir’s noch groß bemerkt hätten. Merke: Ist einmal der Ruf verdorben, will Jahre später keiner mehr davon hören, geschweige denn seine Meinung ändern.
   Hier ihre Beobachtung zum praktischen Gebrauch von zum Beispiel offenlegen.
*) Jahreszahlen mit Sternchen bedeuten, dass die betreffende Schreibung damals falsch war.
© Wahrig-Redaktion (mit freundlicher Erlaubnis)
 Von 1996 bis 2005 war Getrenntschreibung, offen legen, Vorschrift. Dadurch litt die Ver­bund­schrei­bung, was man aus der roten Offenlegen-Kur­ve sieht. Über sechzig Prozent der Schrei­ben­den hielt sich brav an die neue Vorschrift der Getrenntschreibung, aber halt nur zwei Dittel. Nachdem 2006 wieder offenlegen zur Norm geworden war, erholte sich die Schrei­bung zunächst rasch und dann langsam weiter. – Der Schaden ist passiert.

2. November 2014

Vorteile von Blogs

Wer »bloggt« der tut das inzwischen schon vom Duden abgesegnet, u. z. mit zwei i im Wort. Auch meine Erfahrungen gehen mit knapp fünfhundert Blogs bis ins Jahr 2006 zurück. Profis bloggen täglich zu einem Thema und bauen sich so einen Ruf auf, fast wie sintemalen Walt Disney mit seiner Mickymaus (die dann gar nicht er gezeichnet hat). Davon bin ich weit entfernt. Es geht mir um normale, nicht kommerzielle, gelegentliche Blogs von Laien.
   Am Blog interessiert erst einmal der Inhalt. Wie alles  im Netz ist der mehr oder weniger gut über Google zu finden. Beispielsweise bekommt man beim Googeln nach »Dressup Bonn« von den knapp drei Millionen Treffern gleich an erster Stelle den Blog der Liona zu sehen: http://bonn-liona-blog.blogspot.de/2014/10/dressup-2014.html (abgerufen am 2.11.14 14 Uhr).
   Zweitens: Blogs kosten nichts. Es muss keine Domäne bezahlt werden. Es muss kein Webspace gemietet werden (Hosting). Man meldet sich an (für Blogger-Blogs wie diesen bei Google), wählt sich ein Muster aus, bastelt vielleicht noch ein wenig dran herum, und legt los. Die Wikipedia beschreibt das alles ganz weitscheifend.
   Blogs versinken. Altes Zeug geht nicht verloren, verschwindet mit der Zeit nur langsam im Sumpf der Vergangenheit. Jederzeit kann man wieder darauf zurückkommen, aber nur, wenn man das gezielt will. Neuigkeiten stehen oben, werden als Erstes gesehen.

Zimmerhüttl 2014            Foto Jörn
Bilder einbauen, ein Klacks! Jedes Bild ist ein Blickfang. Hier sind sie zum Vergrößern sogar automatisch klickbar. Videos lassen sich genausogut integrieren; ich erspare Ihnen das hier. Doch weiter:
   Blogeinträge lassen sich vom Autor jederzeit ändern oder ganz löschen. Und zum Ändern muss man erst gar nicht in sein Autorenportal einsteigen, eine kleiner Korrekturbleistift steht unter dem Blog bereit – aber nur für den eingeloggten Autor.
   Wer ein wenig HTML kennt, kann jederzeit den Quellkode seines Blogs ansehen und alles Mögliche einbauen. Ich mach’ das manchmal z. B. bei engen Spalten und langen Wörtern mit dem Einbau von optionalen Silbentrennzeichen (soft hyphens »&shy;­«), damit mir selbst eine Do­nau­dampf­schiff­fahrts­ka­pi­täns­ka­jü­te nicht den Umbruch versaut.
   Um Links unterzulegen, braucht man übrigens keine HTML-Kenntnisse (außer man will vielleicht für Links zum Senden an E-Mail-Adressen gleich noch automatisch einen Betreff einbauen). 
   Die ganze »Arbeit« mit dem Blog macht man im Browser. Es braucht keine extra Software am Rechner. Boggen kann man also auch aus einem Internetcafé in Timbuktu, oder vom Smartphone.
   Der Blogname – hier http://blogabissl.blogspot.de – lässt sich total individualisieren, hier erklärt für Blogger. Ich bin mit meinem »blogabissl« ganz zufrieden.
   Man sieht, wie oft ein Eintrag aufgerufen wurde – und sollte dann nicht enttäuscht sein: Meistens schreibt man für sich und ganz wenige interessierte Freunde. Trotzdem: Für meine Gedanken zur Schreibung von Selfie interessierten sich schon über dreitausend Leute, und sogar mein langes New-York-Tagebuch haben sich fast tausend Leser angesehen – wie ausführlich allerdings, das wird statistisch nicht gezeigt.
   Passionierte Leser können einen Blog für RSS-Reader abonnieren oder sich eine Mail schicken lassen, wenn’s da was Neues gibt, und das ganz diskret, ohne dass der Autor was weiß davon.
   Kommentieren kann man Blogs, kann ein jeder – veröffentlicht wird ein Kommentar bei mir erst, wenn ich ihn mir angesehen hab’. (Man bekommt da viel Spam mit dem Tenor: Sehr schön, was Sie da schreiben, aber gucken Sie mal auf meinen Link zu irgendwas Kommerziellem.)
  Sich selbst kann man mehr oder weniger ausführlich vorstellen. Über mich erfahren Sie da allerdings wenig, außer dass ich seit 2006 blogge.
   Wer will, macht aus einem Blog eine ganze Homepage.
   Übrigens: An einem Blog können mehrere Autoren arbeiten.
   Undsoweiter.
   – Bis zum nächsten Mal.

Link zu diesem Blog: http://blogabissl.blogspot.com/2014/11/vorteile-von-blogs.html

PS. Facebook ist nur was für Leute, die sich exklusiv ihren »Freunden« zeigen, oder?