30. Oktober 2014

Fotografieren statt Scannen

Hier geht’s um alte Fotos, die nur als Papierabzüge vorliegen. Man kann sie scannen. Hier ein Beispiel, 300 dpi (dots per inch, Punkte je Zoll), was umgerechnet rund 120 Punkte je Zentimeter ergäbe.
Runkelstein 1941, Album mit 300 dpi gescannt, 1,66 MByte
Man kann sie aber auch einfach abfotografieren. Fotografiert man da Albumblatt mit 12 Megapixel Auflösung, bei eher schlechtem Licht und ohne Weißabgleich, so bekommt man so etwas:

Runkelstein 1941, Album mit 12 Megapixel Auflösung fotografiert, 4,42 MByte
Die Bilder sind hier im Blog nicht mit originaler Größe hochgeladen, entfalten sich beim Anklicken nur auf 1200 × 1600 Pixel = 2 Megapixel. Deshalb eine vergrößerte Gegenüberstellung:

Vergleich Scan vs. Foto, Screenshot
Was sagt uns der Vergleich? Ich meine, der Scan ist etwas besser. Beide genügen aber dem Originalabzug: Sieht man sich das Foto mit der Lupe an, so erkennt man auch nicht mehr. Hier noch ein Scan mit 1200 dpi (statt meiner empfohlenen 300 dpi, oben links), feiner geht’s bei mir nimmer, mit Picasa nachgeschärft und »auf gut Glück« den Kontrast erhöht. Doch das alles bringt, wie gesagt, nichts:

Scan. Ausschnitt mit 1200 dpi, nachbearbeitet
Die einzelnen Fotos im Album sind übrigens mit Rand 11,2 × 7,5 mm groß.
Soviel »blow up« für heute.
   Gute Fotografiertipps beim Reproduzieren gibt ein ausführlicher Tipp der Netzwelt hier, der für A4 übrigens auch nur  2 – 4 Megapixel empfiehlt.
   Sören Feil empfiehlt eine Glasplatte zum Flachhalten. Gewiss gut, wenn man sie hat.
   Nicht erwähnt haben alle, dass hermach zum optischen Lesen (OCR) meist die nominale (und bei Fotos technisch unsinnige) DPI-Angabe im Bild (Exif-Eintrag, auslesen) von z. B. »Resolution 180 pixels/inch« mit einem geeigenen (Foto-)Bearbeitungsprogramm meist auf 300 dpi »getürkt« werden muss, natürlich ohne am Bild irgendetwas zu ändern. Hab’ ich schon mal beschrieben.

Link hierher: http://blogabissl.blogspot.com/2014/10/fotografieren-statt-scannen.html

Siehe auch
http://blogabissl.blogspot.com/2014/01/alte-texte-bearbeiten.html (Kurzanleitung) http://blogabissl.blogspot.com/2014/01/fraktur-lesen.html (Beispiel Sarner Bauernjahr)  http://blogabissl.blogspot.com/2008/04/style-definitions-table.html (speziell zum langen ſ)
http://blogabissl.blogspot.de/2012/10/fotografieren-mit-dpis-300-dpi-aus-72.html (DPI türken)

21. Oktober 2014

Der hängende Fernseher

Der Ferseher hängt am Seil, fast unsichtbar
Ein Fernsehgerät neuerer Bauart kann man gut an die Wand hängen. Die Geräte sind leicht und flach geworden. Dazu gibt es eigene Gestelle: Einen Teil davon befestigt man hinten am Gerät, den anderen dübelt man an die Wand.
   Vorteil: Die Konstruktion bleibt (bis auf die Zuleitungen) unsichtbar.
   Nachteil: Man muss vorab die Höhe festlegen und die Wand anbohren. Die war bei uns dünn und hatte noch dazu auf der anderen Seite Kacheln, die ich auf keinen Fall anbohren wollte, auch nicht versehentlich von hinten.

   Also: Seilbefestigung

Seilführung
Ich hab’ mir im Bau­markt ein Stück ver­zink­tes Stahl­seil be­sorgt, Durch­messer 2 mm, Länge 10 m, fünf müssten auch leicht reichen. Die Seilführung sieht man links in der Skizze; sie ist so, dass ich oben nicht fummeln muss. Seil­klemmen habe ich nicht gebraucht, hab’ einfach das Seil geknotet. Stahlseile gibt es auch goldfarben und oder plastikummantelt.
   Dazu zwei Dübel für die Zimmerdecke, im meinem Fall Kippdübel, weil mir die abgehängte Decke wenig solide erschien. Am Fernseher war noch ein Teil einer herkömmlichen An-die-Wand-Hängevorrichtung, die das Seil aufnahm.
   Ergebnis: Je zwei Drähte führen rechts und links der Mitte des Fernsehers hinauf zur Zimmerdecke, fast unsichtbar, und wenn, dann durch den Schatten vielleicht gleich doppelt. Man sieht sie im Bild, wenn man genau hinschaut, in einem hellen Zimmer am Tag natürlich mehr. Ich finde: durchaus nicht störend. Mancher hängt ja auch seine Bilder von einer Bilderleiste ab. Außerdem hat der Fernseher eine Menge Zuleitungen, die ebenfalls optisch stören, allerdings unten.
In der Decke musste ich
Kippdübel nehmen.
Seilführung zur Schrägstellung
   Im Gebrauch ist praktisch, dass man jederzeit leicht hinter das Gerät kommt – einfach wegschwenken –, und dass man die Neigung gut variieren kann. Ich habe dazu die Seilführung weiter oben am Befestigungsgestell zusätzlich festgemacht; man kann auch unten einen beliebigen Abstandhalter zwischen Wand und Gerät klemmen. Vorne deckt das Gerät das alles gnädig ab. Man sieht nichts davon.
Ein Wickelschlauch
vereint die Zuleitungen
  Die verschiedenen Kabel (Stromzuführung, Koaxkabel des Kabelfernsehanschlusses, diverse Zuleitungen zu DVD-Spieler und Recorder, eine weitere HDMI-Verbindug zu einem Laptop oder Fotoapparat) habe ich in einem Wickelschlauch untergebracht; auch den gibt’s im Baumarkt.
Libelle zum Ausrichten
   Wer mag oder seiner Putzfrau nach dem Ab­stau­ben kein Augenmaß zutraut, kann sich zum waagrechten Ausrichten am oberen Rand des Fernsehers eine kleine Libelle ankleben. Die gibt’s (rel. teuer) als Foto­zu­be­hör für den Blitzschuh; ohne den sind sie niedlich klein. 

Link hierher:
http://blogabissl.blogspot.com/2014/10/der-hangende-fernseher.html

Zugabe
   Eine praktische Erfindung für den Haushalt aus dem Jahr 1900, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Metallschlauch#Der_Ursprung
Aus der Wikipedia

14. Oktober 2014

Linksverkehr

Rot die Ostgrenze von Tirol,
oben nach Bayern und darunter zum Land Salzburg.
Wie alle Bilder klickbar zwecks Vergrößerung.
Mein seliger Großvater erzählte, er habe auf der Fahrt von Tirol nach Osten mitten in Österreich auf Pass Strub die Straßenseite wechseln müssen, wie heutzutage zwischen dem Kontinent und England. Seit Schweden 1967 gaaaanz vorsichtig auf Rechtsverkehr umgestellt hat, passiert einem das auf dem europäischen Festland nicht mehr.
   Den Pass Strub konnte ich mir nie merken, hier aber auf meiner alten Tirol-Karte, die mich seit meiner Schulzeit begleitet und am Hof hängt, ist er gut zu sehen, gleich vor Lofer. Heutzutage tät’ man halt sagen: 47.578751, 12.666277
   Wie immer präzisiert die Wikipedia Länder mit Linksverkehr, und das alte Österreich als zentrales Land Europas sticht da schon bissl hervor:
  • in Wien: 12. Juli 1882 bis 18. September 1938
  • in Vorarlberg: 1910 bis 1920
  • in Tirol (außer Osttirol): 1910 bis 1. April 1930
  • in Kärnten und Osttirol: 1910 bis 14. Juni 1935
  • in Salzburg, Bezirk Zell am See und teilweise Bezirk St. Johann im Pongau: 1915 bis 1. April 1930
  • im restlichen Salzburg, Oberösterreich, Steiermark und im südlichen Teil des Burgenlandes: 1915 bis 30. Juni 1938
  • in Niederösterreich und im nördlicher Teil des Burgenlandes: 1915 bis 18. September 1938
Ich fand noch einen schöner Artikel in der Presse vom Dezember 2007 zum österreichischen Rechtsfahrjubiläum: http://diepresse.com/home/motor/349088/Rechtsfahrordnung_Fahren-wir-auf-der-falschen-Seite?
   Ich selbst kann hinzufügen, dass in den Fünfziger- und Sechzigerjahren hier zwar nicht der Rechtsverkehr, aber durchaus das linke Lenkrad in Frage gestellt wurde. Hat man das Lenkrad rechts, so steigt man bequem zum Gehsteig aus und ist sicherer vor entgegenkommenden Rasern. Nur beim Überholen fehlt die Voraussicht, wenn man nicht links sitzt, wie man mit einem »europäischen« Auto in England gleich merkt. Lastwagen hatten also noch lange Rechtssteuerung, und ein paar Individualisten hier auch: Lancia-Fahrer hauptsächlich.
   Erich Kästner schreibt in seinem »kleinen Grenzverkehr« unter »Salzburg, 22. August [1937], mittags«: »Der einzige Unterschied ist der, dass in Deutschland die Autos rechts, in Österreich hingegen links fahren müssen«. Der Anschluss war 1938.

Der Eisenbahnverkehr ist eine ganz andere Sache. Dazu las man 2012, wieder zu Österreich: »ÖBB stellten um 16 Millionen Euro auf Rechtsverkehr um«. Ein Durcheinander, das bis 2015 gehen soll.
   Als Schüler bin ich immer mit dem Zug von Bozen nach Bayern gefahren: bis Wörgl links, im Norden rechts. Dann wurde die Inntalstrecke dreigleisig ausgebaut und mit Signalen in beiden Richtungen, was dort maximale Flexibilität ergab und theoretisch beliebige Fahrtrichtungen auf jedem Gleis. In Frankreich fährt die Bahn traditionell auch links, außer die Metro, und außer in den ehemals deutschen Gebieten, wie 2005 hier vermeldet wird. In der Schweiz soll’s auch links laufen, bei Bedarf beidseitig. Und so weiter. Eine gute, aktuelle Übersicht fand ich von der TU Berlin hier:

Eisenbahn in Europa; weiß: Serbien, Korsika, Sardinien (in Bearbeitung).
Mit freundlicher Genehmigung © Dirk Bartel TU-Berlin, Stand Jänner 2015
Soviel Linkes für heute.

Permalink: http://blogabissl.blogspot.com/2014/10/linksverkehr.html

11. Oktober 2014

Der unwahre Löwe oder a Lion Untrue

»The truth is like a lion. You don’t have to defend it. Let it loose. It will defend itself. – St. Augustine«
   Etwa: » Die Wahrheit ist wie ein Löwe. Du brauchst ihn (oder sie) nicht zu verteidigen. Verteidigen tut er oder sie sich selbst. – Augustinus«
   Der schöne Spruch soll von einem »St Augustine« sein, also wohl vom heiligen Augustinus (354 bis 430 n. Chr.). Nun hat Augustinus sehr ausführliche »Bekenntnisse« geschrieben, lateinisch, Wikipedia schreibt viel darüber: dreizehn Bücher mit unzähligen Kapiteln, hier eine lateinisch-deutsche Gegenüberstellung
   Jüngst kam ich durch eine ganz andere Geschichte dazu, ein paar Augustinus-Zitate zu studieren. Ich verfluchte mein schlechtes Latein und Augustinus’ schlechten Stil. Endlose Schach­tel­kon­struk­tio­nen scheinen besonders lateinisch zu sein, und vermutlich sind sie selbst in bester Übersetzung heutzutage unlesbar. Genug. Ich kenne weder von Augustinus viel, noch viel Latein.
   Aber so einem Zitat gehe ich nach.
   Und wie’s aussieht: Die Behauptung, der Spruch käme von Augustinus, ist unwahr. Das haben schon andere gesagt, etwa ein hochbebildeter Justin West auf »Oramus« bezw. als Webadresse Oram.US im Aufsatz »True Lies and Beautiful [False] Attributions«. Oder?
   In den Confessiones jedenfalls geht es beinahe fortwährend um Wahrheit, mein’ ich. Sie allerdings mit einem Löwen zu vergleichen, dafür war meines Erachtens Augustinus viel zu fromm. Ihm ging es um etwas ganz anderes. Um Löwen geht es ihm nie, und wenn, so nur in Verbindung mit Drachen. Das liest sich dann etwa so:
   »An das Sakrament dieses Preises hat deine Magd durch das Band des Glaubens ihre Seele gebunden. Niemand trenne sie von deinem Schutze. Nicht kann sich ihr mit Gewalt oder List der Löwe und der Drache widersetzen, weil sie nicht antworten wird, dass sie keine Schuld habe, damit sie nicht von dem schlauen Widersacher überwiesen werde und in seine Gewalt komme, sie wird antworten, dass ihre Schuld ihr von dem erlassen sei, welchem keiner ersetzen kann, was er unschuldig für uns geopfert hat.«
   Wer so schreibt – und worauf sich »das Sakrament dieses Preises« bezieht, habe ich bei bestem Willen nicht herausgefunden, Sie können’s ja selbst versuchen, hier –  wer so schreibt, macht keine platten Vergleiche zwischen Löwen und Wahrheiten, und wenn sie noch so eingängig sind. Vielleicht Ghandi, Augustinus nimmermehr.
   Bitte belehren Sie mich eines Besseren, im Kommentar, oder direkt.  

Permalink: http://blogabissl.blogspot.com/2014/10/der-unwahre-lowe-oder-liona-untrue.html

Übersetzungshilfen für Engländer, ein gutes Beispiel hier.