29. November 2010

Neu im Unterricht:
Modernes Grundschul-Lernen hinterfragt
Gedanken zu neuen Inhalten und schlechten Ergebnissen

Zugegeben, ich bin bezüglich Schule ein Gestriger, Vorgestriger sogar. Allerdings ist meine Jüngste in der vierten Klasse Grundschule – »Volksschule« hatten wir früher gesagt –, und da bekommen nicht nur sie, sondern auch ich einiges mit.

Rechtschreibung. Von Anfang an wurde uns Eltern eingeschärft, nur ja keine Rechtschreibfehler zu bekritteln. Den Kindern könnte die Lust am kreativen Schreiben verlorengehen. In der Tat schreiben die Mädchen Storys, dass es eine Freude ist. Unsere »Aufsätze« waren nie so lustig und spannend, unsere Sachbeschreibungen nicht so gut wie die Vorträge unserer Kinder (mit Hilfe der Eltern). Vielleicht hat Carla besonders viel Phantasie, jedenfalls wird sie nie rechtzeitig fertig mit ihren Geschichten. Dafür stört beim Lesen ihrer Geschichten öfter einmal die Verkürzung von dass zu das und von denn zu den oder umgekehrt; aßen wird zu ahsen und hinter der sitz Nachberin verbirgt sich die Sitznachbarin. Schade. Im Gym­na­si­um werden sie sich damit die bes­ten Noten ver­sau­en und im Le­ben die Ach­tung manches Kor­res­pon­denz­part­ners oder gar Ar­beit­ge­bers. Recht­schreib­feh­ler wer­den noch nicht als Ka­­va­­liers­­de­­likt an­ge­sehen, das mag noch kommen. Sie zeigen zumindest mangelnde Sorgfalt, schlechten Einsatz von Korrekturprogrammen. Also meines Erachtens: Sofern Ihr Kind nicht total aufmüpfig ist, lehren Sie es beizeiten die Liebe zu korrekter Schreibung, zu Kommas, zu allem, was später den anderen das stolperfreie Lesen erleichtern wird.

In Parenthese: Heute kann es sein, dass in zwei Parallelklassen zwei Arten der Handschrift gelehrt werden, wenn überhaupt, »vereinfachte Ausgangsschrift VAS« und »Schulausgangsschrift SAS«. (Dazu Muster einer praktischen Diskussion, ein FAZ-Artikel zu Geschichte und Problematik.) Handschrift gehört schon gar nicht mehr zum Lehrinhalt, wird aber dennoch gerne genommen, siehe Historie.

Zurück zu Deutsch und Mathe.
»Rechnen konnte ich noch nie«, das ist eine durchaus politisch korrekte, ja demutsvoll-bescheidene Aussage in der heutigen Gesellschaft. »Um Deutsch habe ich mich nie geschert«, das darf nicht einmal ein Multikultianhänger äußern.
Wir haben früher gewisse Grundrechenarten schematisch eingeübt. Erst einmal das Einmaleins. Dann schriftliches Multiplizieren und Dividieren, später sogar am Gymnasium von Hand das Wurzelziehen. Es gab einen eindeutigen Weg, zur Lösung zu kommen. Beim Malnehmen großer Zahlen konnte man mit den zusammenzuzählenden Zeilen nach rechts schwenken oder nach links, das mochte von Schule zu Schule unterschiedlich sein, aber so variantenreich und beliebig wie heute war es noch nie. Nehmen wir das »halbschriftliche« Dividieren. Es wird übrigens schon vor dem Multiplizieren mehrstelliger Zahlen gelehrt, weil’s so schön ist. Beispielaufgabe: 3550 : 50 = ?. Man nehme erst einmal 3000 oder 3500 und teile das durch 50, bekommt dann 60 oder 70, dann 550 oder 50 und teile das dann durch 50, was 11 oder 1 ergibt, und zähle schließlich die Teilergebnisse zusammen: 71. Wer will, kann 3550 auch aus drei Teilen zu­sam­men­set­zen, ähn­lich wie Carla das im Bei­spiel rechts bei 1825:5 macht. Addiert wird dabei nach oben. Jeder Schüler möge da sein eigenes Verfahren entwicklen.
Das Ganze ist nicht schlecht, ist besonders für Zahlenjongleure ein Spass. Für den, der Zahlen weniger liebt und einfach sicher teilen können will, wäre meines Erachtens ein eindeutiges, schematisiertes Verfahren förderlicher. Meine Empfehlung: Pauken Sie mit Ihrem Kind das Einmaleins als Grundlage, laut soundsooft wiederholt, und üben Sie danach eine klare Multiplizier- und Dividiermethode ein, von mir aus die, die Sie selbst gelernt haben. Dann klappt das auch später.

Links:
• Zum (klickbaren) Bildbeispiel von Kurrent aus dem Jahr 1910 siehe meinen Blog über das lange S
• Das moderne Schriftbeispiel stammt aus Carlas Geschichte »Das kleine Flughörnchen Silly«

PDF-Dateien von Google-Desktop durchsuchen lassen

»Google Desktop« ist ein ordentliches, kostenloses Programm zum Suchen rechnerinterner Inhalte. Alle Datei am Rechner werden offline durchsucht. Dabei entsteht ein Index, damit dann jederzeit ein schnelles Suchergebnis zur Verfügung steht. Zuweilen nervt Google-Desktop, wenn der »Crawler« Ressourcen frisst, das alles durchkriechende Indexierungsprogramm, hier »Tea Timer« genannt. Außerdem wird oft nicht bis zum bitteren Ende indiziert, siehe Wikipedia. Wie auch immer …

Soll Google-Desktop auch Inhalte von PDF-Dateien durchsuchen, und tut’s nicht, dann speichere man in den Ordner "C:\Programme\Google\Google Desktop Search" die Datei "pdftotext.exe" und starte einen neuen Indexierdurchgang. (Die Datei pdftotext.exe braucht nicht eigens gestartet zu werden.)

Mehr dazu im Punkt »Falls sich keine der PDF-Dateien indizieren lassen, benötigen Sie wahrscheinlich das Tool "PDFtoText"« auf http://desktop.google.de/support/bin/answer.py?hl=de&answer=17208

28. November 2010

Der neue Toaster, oder:
Wie geht das Ding auf?Cloer Toaster Modell 3710

Ein schöner Toaster. Vor allem, weil er in einem Arbeitsgang doppelt so viel toastet als ein normaler, dabei aber nicht doppelt so viel kostet. Er braucht etwas mehr Strom, knapp 1400 Watt (gegen vielleicht 850), aber insgesamt geht’s schneller. Ein »normaler« Toaster hat nur halb soviel »Gesamt-Schlitzlänge«. Obendrauf ist noch ein unverlierbarer Semmelhalter zum Hochklappen. Also alles bestens. Preis: um die fünfzig Euro.

Der Toaster hat die übliche Stromzuleitung: ein Meter lang. Mir reicht das nicht. Ich will den Toaster auf den Tisch stellen, ohne dass ich wie anno sintemal einen Zwischenstecker in die Lampenfassung schrauben müsste. Dergleichen ist hierzulande nur mehr schwer zu finden. Einen Toaster sollte man da wohl nicht anstecken, ganz zu schweigen von der ästhetischen Note. Der Lichtschalter tät’ sich schön bedanken, statt einer Glühbirne (oh, die gibt es ja auch nimmer) 1400 Watt schalten zu müssen. Mehr Links zu Lampenadaptern unten.

Zum Vergrößern klicken.
Also muss eine neue, lange Zuleitung dran. Die Teile dafür gibt es zu kaufen: dreipolige Leitung, ein Schukostecker; ich bevorzuge die mit Leitungsausführung am Rand unten. Und dann den Toaster aufschrauben.

Das geht aber nicht. Die Schrauben sind Sicherheitsschrauben. Sie lassen sich mit keinem normalen Schraubenzieher öffnen. Schraubenzieher heißen schon seit Jahren »Schraubendreher«, weil der Deutsche so genau ist. Nur: So eine Schraube dreht keiner. Es sei denn ein ganz spezieller. Klicken Sie mal aufs Bild.

Nach langem Forschen sei es allgemein gestanden: Die Schrauben sind »selbstschneidende Maschinenschrauben« M3 des »manipulationssicheren Programms« »System Zero« einer englischen Firma: »praktisch hundertprozentige Sicherheit ohne geeignetes Demontagewerkzeug«. Der Wahlspruch: »Befestigen und vergessen.« In der Tat: Die Schrauben aufzubekommen kann man »vergessen«.

Nun, die Lösung ist ein spezieller Schraubenzieher oder ein Schraub-Bit für knapp zehn Euro. Die aber verrate ich fairerweise nicht, die müssen Sie schon selbst finden …

Lampenadapter, Lampenfassung auf Euro-Stecker, Schukostecker, Schuko, Schuco (falsch geschrieben, kommt von Schutzkontakt), E27 Fassung (das ist die hiesige Glühlampenschraubfassung):
http://www.christmaslightsetc.com/p/Light-Socket-2-Tap-Converter-Without-Chain--18184.htm
• Adapter generell: http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Mains_adaptors
• lampholder plugs: http://en.wikipedia.org/wiki/AC_power_plugs_and_sockets#Lampholder_plug
• Klassischer amerikanischer Lampenadapter mit Kette, um die Lampe unabhängig von der Steckdose auszuschalten: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Light_socket_plug_adapter.jpg
Black socket adapter, converts single socket to a lampholder plus 2 outlets for nonpolarized plugs. Pull chain controls lamp holder. Only outlets always on 250W/125V UL listed NEMA 1-15R Black Brand #: Leviton 8751406 UPC: 009326502571, auch nur als "Leviton 1406" bekannt, die Variante 1406I ist "ivory", weiß. Ohne Zugschalter: Leviton 1403. 3–4 $, Bezugsquelle, ohne Zugschalter schwarz, weiß; haufenweise, die Dinger
• Aus Polen: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zlodziejka.E27%2BdoubleEuropean.socket.jpg,
Bezugsquelle (polnisch), 25

• Aus Italien: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Lampholder_plugs.jpg

Stichwörter generell: Sonderschraube, Sicherheitsschraube, Bit Zero, tamperproof screw, Außenvielzahn, Torx (ist aber keine), tampering, security fasteners, security screw

27. November 2010

Antithese
Jesus liebt mich – nicht!

Meist bin ich dieses Gerede einfach leid über den Jesus, der uns immer und überall liebt als sei er der Heilige Geist, der uns umschwebt. Jesus, dein Freund, Jesus dein Retter in der Not, immer bei dir. Auf ihn kannst du dich verlassen. Wie auf ein gut geladenes Handy. Jedenfalls wird das gelehrt, unseren Kindern in der Schule und uns allen von der Kanzel, sofern wir noch in die Kirche gehen. Die alten Drohungen mit Hölle und Fegefeuer, die waren einfach unmenschlich, vorvatikanisch, wobei das letzte Vaticanum Anfang der Sechzigerjahre wieder einmal für gefällige Deutungen herhalten muss1). Der Gott der Christen wird zu einem Armleuchter, auf dem möglichst viele Lichtlein brennen, auf dass es einem warm werde ums Herz und man glücklich lebe auf Erden. Früher muss es fürchterlich gewesen sein als Christ, lauter Vorschriften, die die persönliche Freiheit einschränken, von der vorgeschriebenen Messe am Sonntag zur besten Skilaufzeit bis zur unnatürlichen Enthaltsamkeit gerade in Phasen vorehelichen Sturm und Dranges – beides Kategorie »schwere Sünde«. Nach Jahrhunderten Hadern mit Gott ist nun eine freie Zeit ausgebrochen, in der der Herr nur leuchtet und liebt. Komisch, dass ihm trotzdem alle weglaufen. Es muss der langjährige Friede sein, der weit entfernte Krieg (wir verteidigen unsere Freiheit bekanntlich am Hindukusch), der uns diese süße Götterspeise eingebrockt hat. – Doch genug polemisiert.

Was dem modernen Christen passiert, wenn ihn einmal Christus nicht so sehr liebt und zum Beispiel schwer erkranken lässt, oder ihn seine Freundin verlässt, was dann, das mag ich mir gar nicht ausmalen. Eine fromme Dame berichtete mir jüngst, ihre Mutter sei da einfach »vom Glauben abgefallen«.

Also habe ich mich gefragt: Liebt dich Jesus? Dass wir einander lieben sollen wie uns selbst, das ist bekannt, das hat Jesus oft genug gesagt. Aber hat er wo gesagt: Ich liebe euch? Wo soll das denn stehen in der Bibel? Die bekannteste Stelle ist die im dritten Kapitel des Johannesevangeliums auf eine Frage des Pharisäers Nikodemus: »So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.« Ich zitiere das (schwer veständliche) Kapitel bis zum Ende, damit es nicht heißt, ich hätte da etwas aus dem Zusammenhang gerissen: »Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Wer Arges tut, der hasst das Licht und kommt nicht an das Licht, auf dass seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt an das Licht, dass seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott getan.«

Heißt das jetzt, dass Gott, dass Christus mich liebt? Er bietet mir die Erlösung im Jenseits, er lässt mir die Erbsünde nach und meine eigenen Sünden, wenn ich sie ordentlich beichte und die Absolution bekomme, aber das macht ihn noch lange nicht zu einem Kuschelgott, zu einem schlechten Vater, der dem Sohn alles durchgeben lässt. Wenn Jesus Bartimäus wunderbar von seiner Blindheit heilt, dann um uns zu zeigen, wie stark Glaube helfen kann – aber eben nur kann, nicht muss. Wie enttäuscht waren die Jünger, als Jesus nicht rechtzeitig als König der Juden vom Kreuz heruntergestiegen ist, zur heimlichen Zufriedenheit seiner Peiniger, bewies ihnen das doch, dass er Gotteslästerer war und nicht Gott.

Ich will das zentrale, das ungeheuer große Opfer von Gottvater und das Leiden Christi ganz gewiss nicht kleinreden, will die Liebe sehen, die uns erlöst vom Bösen – das aber ist kein Automatismus, kein Naturheilmittel, kein Schema F, kein »Gott liebt alle«. Das ist Verpflichtung. Im Glaubensbekenntnis heißt es: »Ich glaube an Gott, den Vater« und nicht »den lieben Vater«, »Und an Jesus Christus, … er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.«

Nun, vielleicht bin ich heute zu alt oder war schon früher, zu meiner Schulzeit, zu früh geboren, um nicht auch an das Jüngste Gericht zu denken, nicht bloß an die Lichtlein.

Ich hab’ dazu einen Theologen befragt: »Worin äußert sich Gottes Liebe?«, antwortet er mir, »Er sendet seinen Sohn. Was sagt dieser Sohn über die Liebe? ›An der Liebe werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.‹ (Johannes 13,35) und: ›Es gibt keine größere Liebe, als wenn jemand sein Leben für seine Freunde hingibt.‹ (Johannes 15,13).« – Nun gut, das ist gewiss keine Händchenhalt-Liebe, das ist Liebe für etwas Bestimmtes, für die Erlösung. Es geht da nicht um Irdisches. Richtig fährt mein Freund fort: »Einseitige Theologie bringt nicht nur die Lehre in Schieflage, sondern es entstehen falsche Handlungsanweisungen; und selbst wenn nicht: Es entsteht ein schräges Gottesbild, was so oder so seine fatalen Wirkungen zeigen wird: Entweder wird nur ›die Liebe‹ gepredigt und der ›Ernst der Lage‹ nicht mehr erkannt. Das suggeriert eine falsche Sicherheit. – Oder es wird nur ›das Gericht‹ gepredigt und die gute Botschaft der Rettung durch die Vergebung der Sünden unterschlagen; Verzweiflung grassiert.« … »Ein Verschweigen der Hölle macht gar nichts besser - ganz im Gegenteil. … Ein Schweigen hüllt die Gläubigen in falsche Sicherheit und redet ihnen ein, dass sowieso jeder selig wird (und wenn nicht, dann doch nach der Läuterung im Fegefeuer; da zeigt sich übrigens gleich eine negative Konsequenz des Fegefeuers: Wir heben uns die Sünden bzw. die Buße für das Jenseits auf und verfallen dem Wahn, dass dann noch dort dieses und jenes in Ordnung kommen kann. – Ganz abgesehen davon: Das Fegefeuer ist nichts originär Christliches.)« – Und ich füge dazu: Das Fegefeuer, so es denn ein solches Hilfsmittel gibt, wird ganz gewiss kein Honigschlecken.

Fegefeuer: Darstellung in St. Egid (Klagenfurt am Wörthersee), Wikipedia sei Dank.

1) Man mache sich die Mühe und lese den Abschlussbericht des Vaticanums »Gaudium et Spes«, ein meiner Meinung nach deutlich mehr von seiner Zeit als von ewigen Glaubensweisheiten geprägtes Dokument.

Weitere religiöse Themen bei mir:
Soft-Gott im Welness-Himmel http://blogabissl.blogspot.com/2008/04/soft-gott-wellness-himmel.html
»Es ist würdig und recht, billig und heilsam, …« www.Joern.De/billigundheilsam.htm
• »Zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf.«
www.Joern.De/zuGott.htm
Vorweihnachtlicher Friede http://blogabissl.blogspot.com/2007/12/kalb-und-lwe-weiden-zusammen-ein.html
Beten ohne Glaube? http://blogabissl.blogspot.com/2007/10/beten-fr-unglubige-gestern-am-sonntag.html
Gottesglauben, Frauen und Geld (polemisch) http://blogabissl.blogspot.com/2009/09/gottesglauben-frauen-geld-und-etwas.html
Tridentinische Messe probiert http://blogabissl.blogspot.com/2010/07/meine-tridentinische-messe-seit-jahr.html
»Der gute Mensch von Saratow«, über Bischof Clemens Pickel http://blogabissl.blogspot.com/2009/02/der-gute-mann-von-saratow-so-hie-wohl.html
Das »Vaterunser-Übel« ist die Politik, pessimistisch-polemisch
http://blogabissl.blogspot.com/2009/02/sondern-erlose-uns-von-dem-ubel.html
• Zölibat http://blogabissl.blogspot.com/2010/02/ein-eher-zufallig-zustandegekommener.html
• pro multis http://blogabissl.blogspot.com/2009/03/pro-multis-fur-viele-so-stand-das-fast.html

9. November 2010

Sankt Martin

Alte Zeiten. Die kann man noch heute er­leben. Man muss nur ein wenig Zeit haben, und bissl Glück. So wurde Carla heuer aus­ge­wählt, den Heiligen Martin und seinen Bettler als einer der beiden »Pagen« zu be­glei­ten. Die Pagen sind tra­di­tio­nell ein Paar gute Schüler aus der Mün­ster­schule, vierte und letzte Klasse, die dafür dann zwei ganze Tage schul­frei be­kom­men! Die Mar­tins­trup­pe tourt durch Kin­der­gär­ten, Al­ten­hei­me und be­sucht das Grab des ersten Mar­tins­bett­lers am Nord­fried­hof. Keiner un­ver­gessen.
Einziges kleines Problem: Zu den Kos­tü­men passen nur her­kömm­li­che, schwarze Halb­schuhe, was den Müttern einiges Kopf­zer­bre­chen be­rei­tet hat, im Zeit­alter halb­hoher Turn­schuhe ganz ohne Schuh­bän­der (Sneakers; Schuh­bän­der sind in­zwi­schen schon wieder »in«; waren doch prak­tisch.)

Dann bin ich bei Regen wieder zurück Heim ge­lau­fen, vorbei an der Stifts­kirche, wo die Acht-Uhr-Messe gerade zu Ende ging: 17 Frauen und ein Mann (aus dem Kir­chen­vor­stand), 2 Priester, alle vor dem alten Hoch­altar. Diese Messe nannte sich ja auch »Frauen­messe«.

St. Martin ist morgen; ein Umzug durch die Stadt, ein Martins­feuer am Rat­haus­platz, danach gehen die Kinder »Schnörzen«.

Mehr zu St. Martin in Bonn hier.

Meine St.-Martins-Bilder 2010 hier. Videos hier.

Meine Bilder vom vor­jäh­ri­gen Mar­tins­zug 2009, samt an­schließen­dem Schnörzen (Videos)

Martinszug 2008

7. November 2010

Plädoyer für das Modewort

Jüngst schrieb mir ein Deutschstudent aus Teheran, er sei an seiner Magisterarbeit: »Modewort und Schlagwort«, und ob ich ihm bei den Modewörtern helfen könne. Sind alle Wörter meiner alten Wörterliste Modewörter?, fragt er. Gewiss nicht, es sind halt Wörter und Wendungen, die man besonders bewusst einsetzen sollte, oder nicht.

Dann habe ich selbst angefangen, "Liste und Modewörter" zu googeln, und fand haufenweise die üblichen rabiaten, ironischen, besserwisserischen Suaden dagegen. Bis ich heute früh im NZZ-Folio den Artikel »Der Löwe spielt Tuba« von Reto U. Schneider las. Generell sind die Artikel in diesen Monatsmagazinen der Neuen Zürcher Zeitung so gut geschrieben, dass ich hinaufblicke wie zu einem Olymp in Wolken. Und was finde ich in diesem tollen Artikel? Den Halbsatz: »… und zweitens müsse schlicht und einfach länger und härter trainiert werden.«

Fast hätte ich darüber weggelesen, blieb dann aber hängen an diesem »schlicht und einfach«; ohne Zweifel ein Modewort neuerer Zeit. Ich stelle mir da immer eine einfache (nicht doppelte) Schicht Holzscheite vor einer Almhütte vor und verschönere mir so diese langweilige Wendung. Beim Schreiben führe man sich die ursprüngliche Wortbedeutung vor Augen, finde ich, wenigstens versuchsweise. Das verhindert schon einmal verquere Kombinationen. (Beispiel: 120 Kilometer pro Stunde – wieso pro, was hat die Stunde davon? Also: in der Stunde.) Doch zurück zu Reto Schneiders schlicht und einfach. Es stört nicht, weil es nicht wiederholt vorkommt. Es stört nicht, weil es (außer mir) als Modewort gar nicht auffällt. Modewörter dienen häufig dazu, nichts zu sagen. (Lesen Sie nur die Schimpfereien gegen »Aktivitäten« oder »Bereich«.) – Aber was bringt es? Ist es nützlich hier? Dieses »schlicht und einfach« ist ein Stilelement, das »es müsse länger trainiert werden« mitten im Absatz wie mit einem gelben Marker hervorhebt. Die »erstens« und »zweitens« tun das auch. Sie helfen dem Leser, sie gliedern.

Fazit: Hier und da ein Modewort, eine gängige Phrase, sofern kunstvoll gesetzt, muss nicht schaden. »Gute Schriftsteller vermeiden Modewörter, wo sie nur können«, schreibt kein Geringerer als Kurt Tucholsky, 1930, in seiner pointierten Ablehnung von »hundertprozentig«. Ganz recht hat er damit nicht.

Hier eine kleine Modewörterliste.

————— Kommentar von Mehdi:

Nach einem Monat, nachdem ich mit meiner Magisterarbeit über Moderwort und Schlagwort angefangen hatte, habe ich bereut, wieso ich mir dieses Thema ausgewählt habe. Eigentlich ging es darum, dass ich kein Deutschsprachler bin und folglich nicht so ein hohes Sprachgefühl habe, wie ein Deutscher bzw. eine Deutsche, um zu urteilen, ob ein Wort wirklich ein Modewort ist, und wenn ja warum! Aber nachdem einige Deutsche, unter denen manche sogar Autoren sind, mir geholfen hatten, hat sich meine Meinung über meine Auswahl allmählig geändert, sodass ich nun sehr froh bin, dass ich mit diesem Thema beschäftigt bin. In Wirklichkeit empfinde ich, dass sich mein Deutschsprachgefühl wegen dieser Arbeit gesteigert hat, aber trotzdem habe ich noch einen langen Weg vor mir zu gehen, um zu behaupten, mein Deutsch gut zu sein. Herr Jörn ist eine der Personen, die mir geholfen hat, und deswegen hat er immer meinen besten Dank dafür. Seine Schrift »Plädoyer für das Modewort« antwortet vor allem auf eine meiner Fragen, die ich mir in den vergangenen Monaten gestellt hatte: Wieso muss man Modewörter überhaupt meiden? Die Antwort auf diese Frage war mir sehr wichtig, weil ich die Modewörter in meiner Muttersprache (in der persischen Sprache) sehr schön finde. Trotzdem ist es von Person zu Person unterschiedlich, ob Modewörter gut oder schlecht sind. Als einem Ausländer klingt mir das Modewort schlicht und »einfach sehr schön«, jedoch weiß ich nicht wie die anderen darüber urteilen.